{"id":139329,"date":"2025-09-21T16:00:48","date_gmt":"2025-09-21T14:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139329"},"modified":"2025-09-19T20:57:35","modified_gmt":"2025-09-19T18:57:35","slug":"indonesien-vor-60-jahren-mandarine-marodeure-und-westliche-marketender-staatlichen-terrors-ii-von-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139329","title":{"rendered":"Indonesien vor 60 Jahren: Mandarine, Marodeure und westliche Marketender staatlichen Terrors (II von II)"},"content":{"rendered":"<p>Vor 60 Jahren entfesselte das indonesische Milit&auml;r im Zeichen eines aggressiven Antikommunismus das bis dahin gr&ouml;&szlig;te Massaker nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Jahre 1965 und 1966 markierten den H&ouml;hepunkt einer systematisch gesch&uuml;rten Pogromstimmung gegen Linke beziehungsweise gegen all jene Personen, die von den neuen Milit&auml;rmachthabern um <em>General Suharto<\/em> f&uuml;r solche gehalten wurden. Ein R&uuml;ckblick unseres S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning.<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<em>Der erste Teil dieses Beitrags, den Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138886\">hier nachlesen k&ouml;nnen<\/a>, erschien am 20. September. Darin enthalten sind auch die Liste weiterf&uuml;hrender Literatur sowie Anmerkungen.<\/em><\/p><p><strong>&bdquo;Bewegung 30. September&ldquo; oder: Ein Putsch, der keiner war<\/strong><\/p><p>Diesem Plan, so er tats&auml;chlich bestand, kam der in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965 von <em>Oberstleutnant Untung<\/em>, dem Chef der Leibgarde Sukarnos, inszenierte &bdquo;Gegenputsch&ldquo; zuvor. Seinen Truppen gelang es, sechs ranghoher Gener&auml;le &ndash; darunter auch Yani &ndash; habhaft zu werden. Die gefangen genommenen Gener&auml;le und einer ihrer Adjutanten, ein Leutnant, wurden get&ouml;tet und deren Leichen anschlie&szlig;end in einen Brunnen in der N&auml;he des Flughafens und Luftwaffenst&uuml;tzpunkts <em>Halim<\/em> geworfen, wo sich Untung und seine Leute verschanzt hielten.<\/p><p>Nunmehr &uuml;berschlugen sich die Ereignisse. &Uuml;ber <em>Radio Jakarta<\/em> wurde am Morgen des 1. Oktober die Konstituierung eines &bdquo;Revolutionsrates&ldquo; bekannt gegeben. (Eine zweite Rundfunkansprache der Untung-Gefolgsleute, die sich den Namen <em>&bdquo;Gerakan September Tiga Puluh&ldquo; &ndash; &bdquo;Bewegung 30. September&ldquo; &ndash; <\/em>gegeben hatten, erfolgte am Nachmittag desselben Tages.) Auff&auml;llig war, dass sich der ausgerufene &bdquo;Revolutionsrat&ldquo; aus zahlreichen Milit&auml;rs und zig Personen zusammensetzen sollte, die dar&uuml;ber nicht einmal selbst informiert waren oder offen der anderen Seite zuarbeiteten. &Uuml;ber die Gr&uuml;nde des Unternehmens wurde nur mitgeteilt, dass sich f&uuml;hrende Milit&auml;rs der Komplizenschaft mit der CIA schuldig gemacht h&auml;tten und deshalb kaltgestellt worden seien. Pr&auml;sident Sukarno, so die Rundfunkerkl&auml;rung, befinde sich in Sicherheit und werde auch weiterhin wie gewohnt die Staatsgesch&auml;fte lenken.<\/p><p>So nebul&ouml;s der Plan und die politische Plattform der Gefolgsleute Untungs waren, so rasch st&uuml;rzten sie auch einem Kartenhaus gleich in sich zusammen. Sukarno, der sich ebenso wie Aidit zum Zeitpunkt dieser Geschehnisse in Halim aufhielt, bewahrte Stillschweigen und &auml;u&szlig;erte sich weder pro noch kontra zu den sich um ihn herum ereignenden Geschehnissen. Weder von Aidit noch von der PKI-Parteispitze oder parteinahen Publikationen waren Aufrufe an die Bev&ouml;lkerung zur Unterst&uuml;tzung der Bewegung 30. September erfolgt. Im Gegenteil, die Parole hie&szlig; allerorten: Ruhe bewahren, alles sei unter Kontrolle und das Wohlergehen Sukarnos gesichert.<\/p><p>Cui bono &ndash; wem n&uuml;tzte all das? Der Chef der strategischen Heeresreserve (der <em>Eliteeinheit Kostrad<\/em>) unter dem Befehl von Generalmajor Suharto hatte binnen weniger Stunden alles unter Kontrolle. Nicht zuletzt deshalb, weil einige der &bdquo;Putschisten&ldquo; der Bewegung 30. September &ndash; namentlich <em>Oberst Latief<\/em> &ndash; zu seinen Vertrauten z&auml;hlten. Bereits am sp&auml;ten Abend des 1. Oktober war der &bdquo;Putsch&ldquo; in sich zusammengebrochen. Was folgte, war die gnadenlose Rache der Sieger.<\/p><p>Zu den noch immer bestehenden Wissensl&uuml;cken und Ungereimtheiten &uuml;ber den genauen Verlauf jener verh&auml;ngnisvollen Stunden z&auml;hlt auch die eigent&uuml;mliche 2.-Oktober-Ausgabe der PKI-Zeitung <em>Harian Rakyat. <\/em>In ihr noch wurden &ndash; selbst im Leitartikel &ndash; die Taten der Untung-Leute vom Vortrag gelobt, w&auml;hrend deren Scheitern bereits bei Erscheinen besiegelt war und laut Anweisung Suhartos keine Zeitung an diesem Tag (2. Oktober) ohne Zustimmung kurzfristig eingesetzter Zensoren h&auml;tte publiziert werden d&uuml;rfen. Starke Indizien sprechen daf&uuml;r, dass da professionelle F&auml;lscher am Werk waren; eine entsprechende Publikation glich einem Akt politischen Selbstmords.<\/p><p>So verwunderte es nicht, dass Suharto und seine Gefolgsleute sp&auml;ter ausgerechnet die 2.-Oktober-Ausgabe der <em>Harian Rakyat<\/em> als &bdquo;unumst&ouml;&szlig;lichen Beweis&rdquo; f&uuml;r die &bdquo;tiefe Verstrickung&rdquo; der PKI in die Bewegung 30. September heranzogen und damit ihren erkl&auml;rten Vernichtungsfeldzug gegen &bdquo;den Kommunismus&rdquo; rechtfertigten. Die fortan offiziell verk&uuml;ndeten und ausdr&uuml;cklich gutgehei&szlig;enen &bdquo;S&auml;uberungsaktionen&ldquo; gegen tatsachliche und vermeintliche Mitglieder und Sympathisanten der Partei wurden auch von religi&ouml;sen F&uuml;hrern und vor allem seitens der Gro&szlig;grundbesitzer vorbehaltlos begr&uuml;&szlig;t. Deren gedungene Schergen und paramilit&auml;risch ausger&uuml;steten Banden flankierten fortan den von Suharto entfesselten Staatsterror, wodurch im Gegensatz zur alten Ordnung unter Sukarno die <em>&bdquo;Neue Ordnung&ldquo;<\/em> begr&uuml;ndet werden sollte.<\/p><p>Und koste dies (an Menschenleben), was es wolle.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir hatten Angst vor den gro&szlig;en kommunistischen F&uuml;hrern. Sie verf&uuml;gten &uuml;ber magische Kr&auml;fte, die sie unsterblich machten. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Man konnte sie noch so sehr schlagen, sie starben nicht. Ri&szlig; man ihnen die Haare aus, wuchsen ihnen neue. Wir mu&szlig;ten ihnen die Buchstaben PKI mit gl&uuml;henden Eisen in den Sch&auml;del einbrennen, um dieses Wunder zu beenden. Einige starben noch immer nicht. Nicht einmal, als wir Bambus-Spr&ouml;&szlig;linge in ihre M&uuml;nder und Ohren pflanzten, nicht einmal, nachdem wir ihnen die Augen ausgerissen hatten. Dann legte man ihnen eine Katze in den Bauch &ndash; die Katze ist das Symbol des Tigers &ndash;, sie wurden dann verr&uuml;ckt, verloren ihre Zauberkraft und starben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der das sagte, war nicht einmal 18 Jahre alt, Mitglied der <em>KAPI<\/em>, der indonesischen Sch&uuml;lerfront, und praktizierender Katholik &ndash; der Zauberei und schwarzen Magie nicht abgeneigt. &Uuml;berliefert hat dies der franz&ouml;sische Publizist <em>Philippe Gavi<\/em> in seinem 1969 ver&ouml;ffentlichten Buch &bdquo;Konterrevolution in Indonesien&ldquo;<em>. <\/em>Mitglieder und (vermeintliche) Sympathisanten der PKI bildeten die Hauptzielscheibe des seit Anfang Oktober 1965 entfesselten Milit&auml;rterrors, in dessen Verlauf mindestens &uuml;ber eine halbe Million Menschen &ndash; manche Quellen sprechen von bis zu drei Millionen Toten! &ndash; massakriert wurden.<\/p><p><strong>&bdquo;Heile Welt &ndash; freie Welt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Erkl&auml;rtes Ziel war es, nicht nur Indonesien in das Gef&uuml;ge der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; und in den weltweit antikommunistischen Block zu integrieren, sondern auch in dem gr&ouml;&szlig;ten, bev&ouml;lkerungsreichsten und lukrativsten Markt S&uuml;dostasiens Fu&szlig; zu fassen und sich dort dauerhaft fest zu etablieren. Auf diese Weise sollte auch ein neues Klima geschaffen werden, in dem Privatunternehmen und &bdquo;Entwicklungs&ldquo;l&auml;nder f&uuml;r ihr gegenseitiges Interesse und ihren Profit und f&uuml;r den noch gr&ouml;&szlig;eren Profit der freien Welt zusammenarbeiten. Bereits vom 2. bis 4. November 1967 traf sich eine hochrangige indonesische Delegation, darunter Au&szlig;enminister <em>Adam Malik<\/em>, in Genf mit einer erlesenen Auswahl US-amerikanischer und europ&auml;ischer Gesch&auml;ftsleute zu einer <em>Indonesian Investment Conference<\/em>, die eigens auf Kosten des US-Verlags <em>Time-Life<\/em> eingeflogen worden waren.<\/p><p>Die indonesische Seite &bdquo;gl&auml;nzte&ldquo; bei der Gelegenheit mit Sonderangeboten und Steilvorlagen f&uuml;r Investoren im Neuen Indonesien &ndash;<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>politische Stabilit&auml;t, ein schier unersch&ouml;pfliches Reservoir an billigen Arbeitskr&auml;ften, einen riesigen Markt, eine Schatzkammer voller nat&uuml;rlicher Ressourcen sowie an nationalen und internationalen Universit&auml;ten bestausgebildete Fachkr&auml;fte, die jederzeit hilfreich zur Seite stehen, um neuen Wirtschaftsunternehmungen zum Erfolg zu verhelfen.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em>David Rockefeller<\/em>, Vorsitzender der <em>Chase Manhattan Bank<\/em>, dankte <em>Time-Life<\/em> f&uuml;r die Chance, mit &bdquo;Indonesiens Top-Wirtschaftsteam&ldquo; zusammengetroffen zu sein und sich von deren &bdquo;hoher Bildungsqualit&auml;t&ldquo; &uuml;berzeugt haben zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Im Juni 1968 organisierte Suharto sodann im Gegenzug ein Wiedertreffen der in Jakarta als <em>&bdquo;Berkeley-Mafia&rdquo;<\/em> bezeichneten Technokraten und Wirtschaftsfachleute. Zum Handels- und Commerceminister ernannte er bei der Gelegenheit <em>Sumitro<\/em> (PhD, Rotterdam), Chef und Vizevorsitzender der Nationalen Planungsbeh&ouml;rde wurde <em>Widjojo<\/em> (PhD, Berkeley, 1961) beziehungsweise <em>Emil Salim<\/em> (PhD, Berkeley, 1964), w&auml;hrend <em>Subroto<\/em> (Harvard, 1964) zum Generalsekret&auml;r f&uuml;r Marketing- und Handelsforschung und <em>Ali Wardhana<\/em> (PhD, Berkeley, 1962) zum Finanzminister avancierten. Au&szlig;erdem wurde zum Vorsitzenden des Technischen Teams f&uuml;r Auslandsinvestitionen <em>Mohamed Sadli<\/em> (MS, MIT, 1956) ernannt und <em>Barli Halim<\/em> (MBA, Berkeley, 1959) als Generalsekret&auml;r f&uuml;r die Industrie berufen. <em>&bdquo;Koko&ldquo; Soedjatmoko<\/em>, der Au&szlig;enminister Adam Malik als Berater zur Seite gestanden hatte, wurde Indonesiens neuer Botschafter in Washington.<\/p><p>Um was es bei alledem wirklich ging, zeigte sich ein Jahr sp&auml;ter im Jahre 1969, als 23 Firmen, unter ihnen 19 aus den USA, Konzessionen f&uuml;r &Ouml;lsch&uuml;rfungen in der Javasee und anderen K&uuml;stengew&auml;ssern Indonesiens erhielten. &Uuml;berhaupt: Wer ab 1965\/66 in Indonesien unternehmerisch Fu&szlig; fassen wollte, musste auf Suharto-Getreue und\/oder ein engmaschiges Netz von Loyalisten als &bdquo;Berater&ldquo; zur&uuml;ckgreifen. Zu diesen z&auml;hlte zweifellos der Gesch&auml;ftsmann und engste Suharto-Wirtschaftspartner<em> Mohammad (Bob) Hasan. <\/em>Beide hatten bereits vor 1965 eine Reihe lukrativer Gesch&auml;fte betrieben, was Suharto erm&ouml;glichte, daraus erzielte Gewinne f&uuml;r sich als fr&uuml;herer Kommandeur der <em>Diponegoro Division<\/em> und ihm treu ergebene Offiziere einzustreichen.<\/p><p><strong>US-Logistik f&uuml;r Suhartos Staatsterror<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Indonesien ist das Beste, was Uncle Sam nach dem Kriegsende passierte.&rdquo;<\/em><br>\n&ndash; Ein hochrangiger Weltbank-Mitarbeiter, zit. in: D. Ransom (1970: 26)\n<\/p><\/blockquote><p>Durch ein &bdquo;peinliches Missgeschick&ldquo;, so Mark Mansfield, ein Sprecher der CIA, Ende Juli 2001 gegen&uuml;ber der <em>New York Times<\/em>, sei ein Exemplar eines vom State Department erstellten Geschichtsbuchs &uuml;ber die Rolle der USA im Indonesien der 1960er-Jahre an Mitarbeiter des<em> National Security Archive <\/em>der <em>George Washington University<\/em> in Washington gelangt. Deren Mitarbeiter platzierten dieses Dokument &ndash; Titel: <em>&bdquo;Die ausw&auml;rtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten, 1964-68 &ndash; Band XXVI: Indonesien; Malaysia-Singapur; Philippinen&ldquo; <\/em>&ndash; am 27. Juli 2001 auf ihrer Homepage im Internet.<\/p><p>Das 570 Seiten umfassende Kapitel &uuml;ber Indonesien liefert eine F&uuml;lle von Beweismaterial staatsterroristischer Schurkereien. So leitete beispielsweise die US-Botschaft in Jakarta am 13. November 1965 Informationen der indonesischen Polizei weiter, wonach &bdquo;jede Nacht zwischen 50 und 100 PKI-Mitglieder in Ost- und Zentraljava get&ouml;tet&ldquo; wurden. Dieselbe Beh&ouml;rde kabelte am 15. April 1966 die Notiz nach Washington:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir wissen &ndash; ehrlich gesagt &ndash; nicht genau, ob die tats&auml;chliche Zahl (get&ouml;teter PKI-ler &ndash; RW) n&auml;her bei 100.000 oder bei 1.000.000 liegt, doch wir halten es f&uuml;r kl&uuml;ger, vor allem im Falle von Nachfragen seitens der Presse, von der niedrigeren Sch&auml;tzung auszugehen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auf Seite 339 hei&szlig;t es, man habe sich auf Initiative des Au&szlig;enamtsmitarbeiters <em>Richard Cabot Howland <\/em>schlie&szlig;lich 1970 auf die Zahl von 105.000 get&ouml;teten Personen verst&auml;ndigt. Der damalige US-Botschafter in Jakarta, <em>Marshall Green<\/em>, funkte am 10. August 1966 nach Washington, die Botschaft habe eine von ihr erstellte Liste mit den Namen f&uuml;hrender PKI-Kader den indonesischen Sicherheitskr&auml;ften &uuml;bermittelt, denen es offensichtlich an solchen Informationen gemangelt habe. Am 2. Dezember 1965 gab Green in Absprache mit <em>William P. Bundy<\/em>, seinerzeit im State Department verantwortlich f&uuml;r ostasiatische und pazifische Angelegenheiten, gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Bereitstellung von 50 Millionen Rupiah an die <em>Kap-Gestapu-<\/em>Bewegung, die als <em>&bdquo;eine von der Armee inspirierte, doch aus Zivilisten gebildete Aktionsgruppe (&hellip;) die B&uuml;rde der andauernden repressiven Ma&szlig;nahmen gegen die PKI tr&auml;gt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Allem Anschein nach hatte die CIA bereits vor 1965 Zugang zu Geheimakten &uuml;ber die PKI, die in der <em>G-2-Sektion<\/em>, der Abteilung f&uuml;r nachrichtendienstliche Aktionen und Aufkl&auml;rung der indonesischen Armee, gelagert waren, welche seinerzeit unter F&uuml;hrung von <em>Generalmajor Siswondo Parman<\/em> stand. (Dieser war einer der sechs in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965 get&ouml;teten Gener&auml;le.) Doch die indonesischen Akten wurden von US-Analysten unisono als unzureichend betrachtet, da sie PKI-Funktion&auml;re lediglich auf &bdquo;nationaler&rdquo; Ebene identifizierten, nicht aber auch die Tausende ihrer Kader auf regionaler und kommunaler Ebene aufgelistet hatten, die verd&auml;chtigt worden waren, in Geheimoperationen oder in Kurier- oder Finanzierungsgesch&auml;fte verstrickt gewesen zu sein.<\/p><p>Die Zustimmung zur Herausgabe der Namenslisten kam von der Spitze der US-Botschaft, einschlie&szlig;lich dem fr&uuml;heren Botschafter<em> Marshall Green<\/em>, dem stellvertretenden Missionschef <em>Jack Lydman<\/em> und dem Chef der politischen Abteilung <em>Edward E. Masters<\/em>, was alle drei sp&auml;ter in Interviews best&auml;tigten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir hatten viel mehr Informationen &uuml;ber die PKI als die Indonesier selbst&rdquo;, <\/em>sagte Green. (Kadane, 1990b) Martens<em> &bdquo;sagte mir bei mehreren Gelegenheiten, dass die Regierung &uuml;ber keine sehr guten Informationen &uuml;ber die kommunistischen Pl&auml;ne verf&uuml;gte, und er vermittelte mir den Eindruck, dass unsere Informationen weitaus besser waren als all das, wor&uuml;ber die indonesische Regierung verf&uuml;gte.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Informationen &uuml;ber die Gefangenen und Get&ouml;teten kamen unmittelbar von Suhartos Einsatzzentralen, so <em>Joseph Lazarsky<\/em>, der 1965 stellvertretender Stationschef der CIA in Jakarta war. Suhartos Kommandozentrale in Jakarta war die Sammelstelle aller landesweit einlaufenden Berichte, welche die Gefangennahme und T&ouml;tung von PKI-F&uuml;hrern erfasste. Lazarsky erkl&auml;rte dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir erhielten in Jakarta eine umfassende Zusammenstellung, wer aufgegriffen wurde. Die Armee verf&uuml;gte &uuml;ber eine &sbquo;Abschussliste&rsquo; von etwa 4.000 bis 5.000 Leuten.&rdquo; (ebd.)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em>Howard Federspiel<\/em>, 1965 als Indonesienexperte im B&uuml;ro f&uuml;r nachrichtendienstliche Aufkl&auml;rung und Forschung im State Department t&auml;tig, konstatierte nach einer Ende Januar 1966 vorgenommenen Abgleichung amerikanischer mit indonesischen Todes- und Verhaftungslisten, dass die Armeef&uuml;hrung unter Suharto die PKI zerst&ouml;rt habe.<\/p><p>&bdquo;<em>Keinen k&uuml;mmerte das&ldquo;, <\/em>erkl&auml;rte Federspiel in einem Interview mit der Journalistin Kathy Kadane (Kadane, 1990a)<em>, &bdquo;solange es sich um Kommunisten handelte, die abgeschlachtet wurden.&ldquo;<\/em><\/p><p>&Auml;hnlich ungeschminkt &auml;u&szlig;erten sich andere von Kadane befragte Personen &ndash; darunter die bereits oben genannten Personen Marshall Green, Jack Lydman, Edward E. Masters sowie Robert Martens, Analyst der indonesischen Linken unter der Leitung von Masters, Joseph Lazarsky, 1965 stellvertretender Chef des Jakarta-B&uuml;ros der CIA, und der damalige Direktor der CIA-Fernostabteilung, <em>William Colby<\/em>.<\/p><p>Vor allem Colby und Masters ging es zuv&ouml;rderst um &bdquo;umfassendere&ldquo;, &bdquo;verfeinerte&rdquo; Todeslisten. Wiederholt hatten sie bem&auml;ngelt, dass die indonesischen Beh&ouml;rden lediglich &uuml;ber nationale Auflistungen von PKI-Mitgliedern und -sympathisanten verf&uuml;gten, nicht jedoch &uuml;ber entsprechende regionale und lokale Listen. Colby und sein Stab hatten deshalb fieberhaft an der Erstellung solcher Listen gearbeitet, was ihm nach eigenem Bekunden im Rahmen der <em>Operation Ph&ouml;nix <\/em>in Vietnam zugutekam. Bei dieser im Dezember 1967 auf Weisung der CIA initiierten gemeinsamen amerikanisch-s&uuml;dvietnamesischen Operation ging es darum, mit Hilfe identifizierter (Infra-)Strukturen des politischen Untergrunds so viele Mitglieder der <em>Nationalen Befreiungsfront <\/em>als Verb&uuml;ndete Nordvietnams wie m&ouml;glich &bdquo;zu neutralisieren&ldquo;. Ohne solche Listen, so Colby, &bdquo;k&auml;mpfst du blind&ldquo;. Mit Blick auf die Operation Phoenix merkte er an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es herrschte ein Krieg und sie k&auml;mpften. So zielte denn alles darauf ab, Erkenntnisse f&uuml;r die unmittelbare Durchf&uuml;hrung von Operationen und nicht einfach nur ein gro&szlig;es Bild der Sache zu gewinnen.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bis Ende Januar 1966, so Lazarsky, waren so viele Namen auf den Todeslisten abgehakt, dass die CIA-Analysten in Washington zu dem Schluss gelangten, die PKI-F&uuml;hrung sei g&auml;nzlich ausgeschaltet. Auf Nachfragen zu den abgehakten Namen erkl&auml;rte Colby:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir kamen zu dem Schluss, dass mit dieser drakonischen Art, wie die Operationen durchgef&uuml;hrt wurden, die Kommunisten um viele Jahre zur&uuml;ckgeworfen wurden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im Juni 1966, nachdem das &bdquo;gro&szlig;e Schlachten&rdquo; vorbei war, kommentierte dies die <em>New York Times<\/em> lakonisch mit der Schlagzeile <em>&bdquo;Ein Lichtschimmer in Asien&rdquo;<\/em> (Reston, 1966). James Reston, damals der angesehenste politische Berichterstatter und Kommentator der Zeitung, verglich die entmutigenden Nachrichten aus Vietnam mit &bdquo;den hoffnungsvolleren Entwicklungen in Asien&rdquo;, wo sich &bdquo;die schonungslose Transformation Indonesiens von einer prochinesischen Politik unter Sukarno hin zu einer herausfordernden antikommunistischen Politik unter Suharto&rdquo; vollzogen h&auml;tte. In beiden L&auml;ndern, so f&uuml;gte er hinzu, sei es immerhin um eine synchronisierte und miteinander verschr&auml;nkte Planungspolitik Washingtons gegangen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es ist zweifelhaft&ldquo;, <\/em>so Reston in seinem oben genannten Beitrag in der <em>New York Times, &bdquo;ob der Coup (in Indonesien &ndash; RW) jemals ohne die amerikanische &sbquo;show of strength&rsquo; in Vietnam oder die klandestine Hilfe von hier aus (Washington &ndash; RW) gegl&uuml;ckt w&auml;re beziehungsweise h&auml;tte durchgef&uuml;hrt und aufrechterhalten werden k&ouml;nnen.&ldquo; (s. ferner: Franke, 1983)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Neben der Offiziersausbildung und Bereitstellung sensibler nachrichtendienstlicher Erkenntnisse leisteten die USA auch handfeste logistische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Suhartos Truppen. Das betraf Waffen und Munition ebenso wie die Lieferung von gel&auml;ndetauglichen Jeeps und seinerzeit modernsten Funkger&auml;ten und Feldtelefonen. All das war in gro&szlig;en Vorr&auml;ten auf dem n&ouml;rdlich von Manila gelegenen US-Luftwaffenst&uuml;tzpunkt <em>Clark Air Field<\/em> in den Philippinen gelagert und konnte binnen weniger Stunden in Jakarta angelandet werden. Laut einem fr&uuml;heren Botschaftsbeamten hatte die CIA au&szlig;erdem in Eile Funkger&auml;te besorgt und nach Clark verfrachtet &ndash; hochwertige <em>Collins KWM-2s<\/em>, Einseitenband-Sende- und Empfangsmodule mit hohem Frequenzbereich &ndash;, die besten und st&auml;rksten mobilen Funkger&auml;te, die damals existierten.<\/p><p>Diese Ger&auml;te wurden sodann in geheimer Mission nach Indonesien gebracht und dort von Mitarbeitern des Pentagon direkt an die Einsatzzentrale Suhartos ausgeliefert. Auf diese Weise konnten unverz&uuml;glich M&auml;ngel in der Armeekommunikation behoben werden; zuvor n&auml;mlich gab es keine M&ouml;glichkeiten, dass sich Truppen auf Java und den weit abgelegenen Inseln direkt mit Jakarta absprechen konnten. Auch konnten Funkkontakte der anderen Seite abgefangen werden. Die mobilen Funkger&auml;te sendeten dann direkt an eine gro&szlig;e transportable (ebenfalls eilig eingeflogen von einer C-130-Maschine) Antenne vor dem <em>KOSTRAD<\/em>-Hauptquartier. So hatte die CIA sichergestellt, dass die von der indonesischen Armee benutzten Frequenzen im Voraus der <em>National Security Agency (NSA)<\/em> bekannt waren. Diese h&ouml;rte die Radiokommunikation von einer Stelle in S&uuml;dostasien ab, wo Analysten sie dann &uuml;bersetzten, und konnte notfalls auch jederzeit operativ eingreifen.<\/p><p>So hatte sich letztendlich jenes Szenario realisiert, das Greens Vorg&auml;nger, <em>US-Botschafter Howard Jones<\/em>, sehnlichst herbeigew&uuml;nscht hatte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Aus unserer Sicht w&auml;re nat&uuml;rlich ein erfolgloser Coupversuch seitens der PKI&ldquo;, <\/em>hatte Jones bereits am 10. M&auml;rz 1965 anl&auml;sslich einer gemeinsamen Regionalkonferenz von US-Chefdiplomaten in der nordphilippinischen Stadt Baguio erkl&auml;rt<em>, &bdquo;die mit Abstand beste Entwicklung, um die politischen Trends in Indonesien umzukehren.&rdquo; (zit. in: Kahin &amp; Kahin, 1995: 225)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>An diesem j&auml;hrlichen Treffen der US-Missionsleiter nahmen neben <em>W. Averell Harriman<\/em>, dem Staatssekret&auml;r f&uuml;r politische Angelegenheiten, und <em>William P. Bundy<\/em> auch <em>Ellsworth Bunker<\/em> als pers&ouml;nlicher Vertreter von Pr&auml;sident Johnson teil. Bunker verbrachte sodann zwei Wochen im April 1965 in Indonesien &ndash; zur Einsch&auml;tzung der Situation vor Ort. Zwei Jahre sp&auml;ter avancierte er zu Washingtons Botschafter in der s&uuml;dvietnamesischen Metropole Saigon.<\/p><p><strong>Sch&uuml;tzenhilfe f&uuml;r die &bdquo;Neue Ordnung&ldquo; aus der alten BRD<\/strong><\/p><p>Helfershelfer Suhartos war seitens der Bundesrepublik auch der <em>Bundesnachrichtendienst (BND),<\/em> der die indonesischen Milit&auml;rs mit Logistik und Waffen unterst&uuml;tzte. Von der Bundeswehr und dem Bundesgrenzschutz gab es f&uuml;r die fernen Freunde Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen f&uuml;r Offiziere an der Bundeswehrakademie Hamburg-Blankenese sowie Spezialtrainings bei der <em>Elitetruppe GSG 9 in Hangelar<\/em> bei Bonn. Dort erhielt unter anderen auch ein Schwiegersohn Suhartos, der damalige Hauptmann, sp&auml;tere General und heutige Pr&auml;sident <em>Prabowo Subianto<\/em>, vom 1. April bis zum 18. Dezember 1981 ein Training. In seine Heimat zur&uuml;ckgekehrt, avancierte Prabowo zum Chef der indonesischen milit&auml;rischen Spezialeinheiten und &uuml;bernahm zudem das Kommando des wegen seiner Brutalit&auml;t gef&uuml;rchteten <em>&bdquo;Detachment 81&ldquo;.<\/em><\/p><p>Und f&uuml;r die in- wie ausl&auml;ndische Imagepflege Suhartos als stets &bdquo;l&auml;chelnder General&ldquo; zeichnete ausgerechnet mit dem 1912 in Leipzig geborenen<em> Rudolf Oebsger-R&ouml;der<\/em> ein gl&uuml;hender Ex-Nazi und SS-Obersturmbannf&uuml;hrer verantwortlich. Vorgesetzte beim Sicherheitsdienst der SS hatten R&ouml;der eine &bdquo;tadellose Auffassungsgabe&ldquo; attestiert und ihn als jemanden charakterisiert, der sich &bdquo;stets mit seiner ganzen Person f&uuml;r den Nationalsozialismus eingesetzt&ldquo; habe. Nach dem Krieg war R&ouml;der unter anderem hauptberuflich f&uuml;r die <em>Organisation Gehlen<\/em>, dem Vorl&auml;ufer des Bundesnachrichtendienstes (BND), t&auml;tig, setzte sich Ende Dezember 1959 nach Indonesien ab und arbeitete in Jakarta unter dem Namen O.G. Roeder sowohl als BND-Mitarbeiter als auch als Korrespondent f&uuml;r die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> und die <em>Neue Z&uuml;rcher Zeitung<\/em>. In der indonesischen Metropole gelang es ihm, Zugang zu Suharto zu finden und als dessen Berater und Biograph zu wirken.<\/p><p>Roeders Chef, der ehemalige Nationalsozialist und erste Pr&auml;sident des BND bis 1968, <em>Reinhard Gehlen<\/em>, hatte Mitte Oktober 1996 in einem Beitrag des ARD-Fernsehmagazins &bdquo;Monitor&ldquo; den Machtantritt Suhartos mit den Worten gepriesen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Erfolg der indonesischen Armee, die (&hellip;) die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und H&auml;rte verfolgte, kann nach meiner &Uuml;berzeugung in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingesch&auml;tzt werden.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>&bdquo;<em>Die r&auml;chende Armee hat nicht gez&ouml;gert&ldquo;, <\/em>hatte Peter Christian Hauswedell bereits in <em>Die Zeit<\/em> (3. November 1967) geschrieben<em>, &bdquo;die einmalige Chance zur Vernichtung ihres einzigen Rivalen wahrzunehmen. Mit offizieller Billigung, ausgef&uuml;hrt von der Armee, von militanten Jugendgruppen der Moslems und der PNI (Partai Nasional Indonesia), begann dann der wohl gr&ouml;&szlig;te Massenmord seit Hitlers Tagen. Er kam einem Pogrom der PKI-Anh&auml;nger gleich und wurde schlie&szlig;lich &ndash; au&szlig;er Kontrolle geraten &ndash; zu einem nationalen Amoklauf, wobei Privatfehden und allgemeine soziale Konflikte unter dem bequemen Deckmantel des Antikommunismus bereinigt wurden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Erst knapp f&uuml;nf Dekaden nach den blutigen Ereignissen in dem s&uuml;dostasiatischen Inselstaat r&uuml;ckte Indonesien erneut ins Blickfeld der bundesrepublikanischen &Ouml;ffentlichkeit. Dazu ma&szlig;geblich beigetragen hatte eine <em>Kleine Anfrage von Mitgliedern der Fraktion DIE LINKE<\/em> im Bundestag (Deutscher Bundestag Drucksache 18\/1554, 18. Wahlperiode &ndash; 27. Mai 2014). In der Antwort auf diese Anfrage &auml;u&szlig;erte sich die Bundesregierung beispielsweise zum Themenkomplex der milit&auml;rischen Zusammenarbeit mit Indonesien wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Bundesregierung unterst&uuml;tzt im Rahmen der bilateralen Beziehungen den indonesischen Transformationsprozess hin zu einem demokratischen Rechtsstaat. Dazu geh&ouml;rt auch die milit&auml;rische Kooperation der Bundeswehr mit den indonesischen Streitkr&auml;ften. Sie ist ein Instrument pr&auml;ventiver Sicherheitspolitik. Indonesische Offiziere nehmen regelm&auml;&szlig;ig am Lehrgang Generalstabs-\/Admiralstabsdienst International (LGAI) teil. Dort sollen den ausl&auml;ndischen Lehrgangsteilnehmern auch die Grundlagen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und die au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Positionen Deutschlands vermittelt sowie die deutsche F&uuml;hrungskultur &sbquo;Innere F&uuml;hrung&rsquo; und &sbquo;Staatsb&uuml;rger in Uniform&rsquo; erlebbar gemacht werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Laut Ausf&uuml;hrungen der Bundesregierung hielten sich zwischen 1960 und 1998 im Rahmen der <em>Milit&auml;rischen Ausbildungshilfe (MAH)<\/em> insgesamt 122 indonesische Soldaten als Lehrgangsteilnehmer an Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr in Deutschland auf.<\/p><p>Auf solche Fragen wie &bdquo;Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung &uuml;ber die direkte oder indirekte Unterst&uuml;tzung der Massaker durch ausl&auml;ndische Regierungen, Geheimdienste oder andere Organisationen?&ldquo; oder zur Rolle des BND w&auml;hrend dieser &bdquo;Geschehnisse&ldquo; fielen die Antworten stets d&uuml;rr aus beziehungsweise verschanzte man sich hinter staatlichen Sicherheitsinteressen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Bundesregierung ist nach sorgf&auml;ltiger Abw&auml;gung zu der Auffassung gelangt, dass eine Beantwortung nicht offen erfolgen kann. Die erbetenen Ausk&uuml;nfte sind geheimhaltungsbed&uuml;rftig, da sie Hinweise zu nachrichtendienstlichen Quellen enthalten. Der Quellenschutz stellt f&uuml;r die Aufgabenerf&uuml;llung der Nachrichtendienste einen &uuml;berragend wichtigen Grundsatz dar. (&hellip;) Deshalb sind die entsprechenden Informationen als Verschlusssache gem&auml;&szlig; der Verschlusssachenanweisung mit dem VS-Grad &sbquo;VS-Vertraulich&rsquo; beziehungsweise mit dem Geheimhaltungsgrad &sbquo;Geheim&rsquo; eingestuft.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Erstaunlich, dass auch ein halbes Jahrhundert nach den &bdquo;blutigen Geschehnissen&ldquo; im Indonesien Mitte der 1960er-Jahre die Bundesregierung es f&uuml;r n&ouml;tig erachtete, noch immer einen dichten Schleier dar&uuml;ber auszubreiten, statt seit 1998 mit Transparenz und Aufkl&auml;rung zum Demokratisierungsprozess beziehungsweise zur <em>&bdquo;Reformasi&ldquo; <\/em>in dem s&uuml;dostasiatischen Land beizutragen.<\/p><p><strong>Erloschenes Irrlicht mit Schwelbrand<\/strong><\/p><p>Am 21. Mai 1998 wurde Pr&auml;sident Suharto, dessen Familienverm&ouml;gen das Londoner Wirtschaftsmagazin <em>The Economist<\/em> seinerzeit auf bis zu 40 Milliarden US-Dollar sch&auml;tzte, nach 32-j&auml;hriger Herrschaft infolge massiver politischer Unruhen im Sog der sogenannten Asienkrise zum R&uuml;cktritt gezwungen. Doch es war dies ein Abgang in geschmeidiger Suharto-Manier. Selbst im Moment der Niederlage f&uuml;hrte er l&auml;chelnd Regie, wohlwissend, dass seine guten Geister ihn nicht g&auml;nzlich verlassen hatten.<\/p><p>Sein langj&auml;hriger Intimus <em>Bacharuddin Jusuf Habibie<\/em> beerbte Suharto und leistete unverz&uuml;glich seinen Amtseid. Dann sch&uuml;ttelte <em>bapak<\/em>, der &bdquo;Vater der Nation&ldquo;, als der sich Suharto stets w&auml;hnte, die Hand seines Ziehsohns Habibie und trat von der B&uuml;hne ab. Unbehelligt von internationalen wie nationalen Justizbeh&ouml;rden verbrachte Suharto noch knapp ein Jahrzehnt in seiner Residenz in Jakartas <em>Menteng<\/em>-Viertel, wo er am 27. Januar 2008 friedlich verstarb.<\/p><p>Sein ehemaliger Schwiegersohn Prabowo Subianto, der am 20. Oktober 2024 als achtes Staatsoberhaupt des Inselstaates vereidigt wurde, teilt pikanterweise mit Pr&auml;sident <em>Ferdinand &bdquo;Bongbong&ldquo; Marcos Jr<\/em>., dem seit Sommer 2022 im n&ouml;rdlichen Nachbarland Philippinen amtierenden Sohn von Marcos Sr. (1965 &ndash; 1986), ein gemeinsames Erbe. Beide sind Ziehs&ouml;hne von Diktatoren, die im Falle tiefgreifender innenpolitischer Krisen nicht davor zur&uuml;ckschrecken, das Milit&auml;r allein aus Gr&uuml;nden schieren Machterhalts einzusetzen.<\/p><p><small>Titelbild: untungsubagyo\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 60 Jahren entfesselte das indonesische Milit&auml;r im Zeichen eines aggressiven Antikommunismus das bis dahin gr&ouml;&szlig;te Massaker nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Jahre 1965 und 1966 markierten den H&ouml;hepunkt einer systematisch gesch&uuml;rten Pogromstimmung gegen Linke beziehungsweise gegen all jene Personen, die von den neuen Milit&auml;rmachthabern um <em>General Suharto<\/em> f&uuml;r solche gehalten wurden. Ein R&uuml;ckblick unseres<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139329\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":138888,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,171],"tags":[2871,2965,901,1620,2840,3313,2177,663,2291,2490,2989,1556,2690],"class_list":["post-139329","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-antikommunismus","tag-einflussagenten","tag-geheimdienste","tag-indonesien","tag-massenmord","tag-militaerausbildung","tag-militaerdiktatur","tag-putsch","tag-spionage","tag-staatsterrorismus","tag-suharto-haji-mohamed","tag-usa","tag-widerstandsbewegung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shutterstock_1521221996.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=139329"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":139372,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139329\/revisions\/139372"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/138888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=139329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=139329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=139329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}