{"id":13974,"date":"2012-07-25T09:07:47","date_gmt":"2012-07-25T07:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13974"},"modified":"2015-03-09T16:23:39","modified_gmt":"2015-03-09T15:23:39","slug":"dubiose-einmischung-der-deutschen-telekom-in-den-us-wahlkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13974","title":{"rendered":"Dubiose Einmischung der Deutschen Telekom in den US-Wahlkampf"},"content":{"rendered":"<p>Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass es sich nicht schickt, wenn deutsche Regierungsvertreter sich in den Wahlkampf in befreundeten Staaten einmischen. Wer erinnert sich nicht mehr an den Trubel, den Angela Merkels missgl&uuml;ckte Sch&uuml;tzenhilfe f&uuml;r ihren politischen Freund Nicolas Sarkozy ausl&ouml;ste? Erstaunlicherweise scheint es jedoch niemanden zu st&ouml;ren, wenn ein deutscher Konzern, bei dem der deutsche Staat der mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Einzelaktion&auml;r ist, sich massiv in den US-Wahlkampf einmischt. Profiteure sind die Republikaner und ihr Frontmann Mitt Romney, der pikanterweise ein alter Freund von Stephen Schwarzman ist &ndash; dem CEO des Private-Equity-Unternehmens Blackstone, an das der Bund 2006 4,5% der Telekom-Anteile verkauft hat. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Ergebnisse einer von der Wirtschaftswoche in Auftrag gegebenen Studie des <a href=\"http:\/\/www.opensecrets.org\/index.php\">Center for Responsive Politcs<\/a>, mit der das finanzielle Engagement deutscher Unternehmen im US-Wahlkampf untersucht wurde, wurden in den meisten deutschen Zeitungen zumindest am Rande <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/us-wahlkampf-deutsche-bank-spendet-kraeftig-fuer-mitt-romney\/6899894.html\">erw&auml;hnt<\/a>. Jedoch konzentrierten sich die Beobachter bei ihrer Analyse zumeist auf Aspekte, die zwar durchaus interessant, aber bei n&auml;herer Betrachtung auch nicht sonderlich &uuml;berraschend sind. So geh&ouml;rt die Deutsche Bank beispielsweise zu den gr&ouml;&szlig;ten indirekten Unterst&uuml;tzern des republikanischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten Mitt Romney. Romney, der selbst als Mitgr&uuml;nder eines namhaften Private-Equity-Fonds (vulgo &bdquo;Heuschrecke&ldquo;) zu sagenhaftem Reichtum gekommen ist, gilt &ndash; keinesfalls zu unrecht &ndash; als der Kandidat des gro&szlig;en Geldes und der Wall Street, seine <a href=\"http:\/\/www.opensecrets.org\/overview\/topcontribs.php\">Top-Unterst&uuml;tzerliste<\/a> liest sich wie das Who&acute;s who des globalen Finanzsektors. Da passt es freilich ins Bild, dass er auch zum G&uuml;nstling der Deutschbanker avanciert ist. Es ist auch nicht sonderlich &uuml;berraschend, dass vor allem deutsche Chemie-Giganten mit US-Engagement zu den gr&ouml;&szlig;ten Unterst&uuml;tzern der Republikaner geh&ouml;ren, f&uuml;r die Umweltschutz oft ein Schimpfwort ist und die am liebsten den Chemiekonzernen freie Hand bei der Neugestaltung der Umweltschutzrichtlinien lie&szlig;en. Sowohl der deutsche Finanzsektor als auch die deutsche Chemieindustrie geben Millionen und Abermillionen f&uuml;r das Lobbying und die Unterst&uuml;tzung ihnen gewogener politischer Parteien in Deutschland und Europa aus &ndash; da w&auml;re es zumindest erstaunlich, wenn sie sich in den USA zur&uuml;ckhielten, zumal dort im Jahre 2010 ein Entscheid des Obersten Gerichtshofes die ehedem vergleichsweise rigiden Bestimmungen zur Parteien- und Kandidatenfinanzierung de facto au&szlig;er Kraft setzte.<\/p><p>Ein beachtenswerter Fund der CRP-Studie fand in den deutschen Medien erstaunlicherweise jedoch gar keinen Nachhall &ndash; die Deutsche Telekom ist, hinter der Bayer AG, der gr&ouml;&szlig;te deutsche finanzielle Unterst&uuml;tzer der Republikaner. Dies ist besonders pikant, sind die Republikaner doch aus europ&auml;ischer Sichtweise vor allem wegen ihrer teils reaktion&auml;ren, an die Tea-Party angelehnten Ideologie verrufen, w&auml;hrend die Deutsche Telekom AG trotz B&ouml;rsengang und Privatisierung immer noch zu 32%[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] dem Bund geh&ouml;rt.<\/p><p>Vor allem beim Thema &bdquo;Gewerkschaften&ldquo; hat die Deutsche Telekom durchaus Schnittmengen mit den Republikanern, die den US-Gewerkschaften mit einem Gesetzespaket mit dem euphemistischen Namen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/us-republikaner-bekaempfen-gewerkschaften-kriegserklaerung-im-rostguertel-1.1269367\">Right for Work<\/a>&ldquo; den Todessto&szlig; verpassen wollen. W&auml;hrend die Telekom hierzulande die Gewerkschaften als Sozialpartner anerkennt, z&auml;hlt das Unternehmen mit seinem Ableger T-Mobile USA jenseits des Atlantiks zu den sch&auml;rfsten Gegnern der Gewerkschaften. Die gewerkschaftsfeindliche Linie des Mobilfunkunternehmens f&uuml;hrte dazu, dass erst vor wenigen Monaten mehrere aktive und ehemalige deutsche Politgr&ouml;&szlig;en die Telekom in einem <a href=\"http:\/\/www.weexpectbetter.org\/wallraff-und-40-abgeordnete.html?lang=de\">offenen Brief<\/a> in der New York Times dazu aufforderten, auch in den USA die gewerkschaftlichen Rechte zu achten. Es ist schon erstaunlich, welchen Freiraum die Politik teilprivatisierten Unternehmen einr&auml;umt. Dabei w&uuml;rde ein einziger Wink des Gro&szlig;aktion&auml;rs Bundesrepublik Deutschland bereits gen&uuml;gen, um die Sozialpolitik der US-Tochter von heute auf morgen diametral zu &auml;ndern. <\/p><p>Mit der indirekten[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>] Einmischung in den US-Wahlkampf, die den Unterst&uuml;tzern der Republikaner 193.500 US$ in die Taschen sp&uuml;lte, hat die Deutsche Telekom, als zumindest teilstaatliches Unternehmen, jedoch eine rote Linie &uuml;berschritten. Man stelle sich vor, wie gro&szlig; die Aufregung w&auml;re, wenn beispielsweise der teilstaatliche russische Gazprom-Konzern in Deutschland mit gro&szlig;z&uuml;gigen Parteienspenden politische Landschaftspflege betreiben w&uuml;rde. Es w&auml;re interessant, wie die Herren <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Standardartikel\/Ministerium\/Leitung\/Staatssekretaere\/Dr_Hans_Bernhard_Beus\/hans-bernhard-beus-lebenslauf.html\">Hans Bernhard Beus<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.kfw.de\/kfw\/de\/KfW-Konzern\/Unternehmen\/Management\/Vorstand\/DrUlrichSchroeder.jsp\">Ulrich Schr&ouml;der<\/a>, die den deutschen Staat im <a href=\"http:\/\/www.telekom.com\/konzern\/aufsichtsrat\/10512\">Aufsichtsrat<\/a>  der Telekom vertreten, diese finanzielle Einmischung in den US-Wahlkampf rechtfertigen.<\/p><p>Es ist jedoch zu vermuten, dass die Spenden an die Republikaner eher auf das Kerbholz eines anderen Aufsichtsrats der Deutschen Telekom gehen &ndash; <a href=\"http:\/\/investing.businessweek.com\/research\/stocks\/people\/person.asp?personId=83276&amp;ticker=BX:US&amp;previousCapId=380011&amp;previousTitle=DEUTSCHE%20TELEKOM%20AG-REG\">Lawrence H. Guffey<\/a> vertritt in diesem Gremium die Interessen des Private-Equity-Unternehmens Blackstone. Blackstone &uuml;bernahm im Jahre 2006, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kehrtwende-Von-der-Heuschrecke-zum-willkommenen-Telekom-Investor-119565.html\">unter Vermittlung des damaligen Finanzministers Peer Steinbr&uuml;ck<\/a>, eine 4,5%-Beteiligung an der Telekom von der bundeseigenen KfW-Bankengruppe. Seitdem mehren sich die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11691\">Indizien<\/a>, dass der vergleichsweise kleine Anteilseigner Blackstone die Politik des Konzerns weitaus ma&szlig;geblicher bestimmt, als es die 4,5%-Beteiligung vermuten l&auml;sst. Auch das Engagement der Telekom-Tochter T-Mobile USA im US-Wahlkampf tr&auml;gt eher die Handschrift Blackstones als die des Bundes oder der KfW-Bankengruppe.<\/p><p>Blackstone steht auf der <a href=\"http:\/\/www.opensecrets.org\/overview\/topcontribs.php\">Liste der gr&ouml;&szlig;ten Spender im US-Wahlkampf auf Position Nummer 18<\/a> und auch in der Liste der <a href=\"http:\/\/www.opensecrets.org\/pres12\/contrib.php?id=N00000286&amp;cycle=2012\">gr&ouml;&szlig;ten Unterst&uuml;tzer Mitt Romneys<\/a> taucht der Name Blackstone auf Position Nummer 14 auf. Blackstone-CEO Stephen Schwarzman ist nicht nur einer der sch&auml;rfsten Gegner von Obamas (viel zu zur&uuml;ckhaltenden) Regulierungen des Finanzsektors, die er mit <a href=\"http:\/\/blogs.wsj.com\/deals\/2011\/11\/30\/why-blackstones-schwarzman-is-backing-romney\/\">Hitlers Invasion Polens verglich<\/a>, sondern auch ein guter alter &bdquo;Buddy&ldquo; von Mitt Romney. Romney und Schwarzman waren zu Beginn ihrer beruflichen Karriere mit ihren PE-Unternehmen Bain Capital und Blackstone im Jahre 1985 auch gute Gesch&auml;ftspartner &ndash; man kennt sich, man sch&auml;tzt sich, man unterst&uuml;tzt sich gegenseitig.<\/p><p>Wenn Schwarzman seinen alten Freund Romney aus seiner Privatschatulle finanziert, so ist dies &ndash; so er dabei die Gesetze einh&auml;lt &ndash; sein gutes Recht. Wenn das teilstaatliche Unternehmen Deutsche Telekom AG jedoch &ndash; vermutlich auf Anregung von Blackstone &ndash; im US-Wahlkampf gro&szlig;z&uuml;gig als Spender auftritt, so muss sich der Hauptaktion&auml;r, also der Bund, fragen, ob da nicht hinter seinem R&uuml;cken Unternehmensgelder veruntreut werden. Es scheint, als wedele bei der Telekom der Schwanz mit dem Hund. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6ade949a3a1d45c48402789719ed045d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] 15% geh&ouml;ren dem Bund direkt, weitere 17% geh&ouml;ren der bundeseigenen KfW-Gruppe<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Da das US-Gesetz direkte Wahlkampfspenden von Unternehmen sehr streng reguliert, erfolgt die Unterst&uuml;tzung i.d.R. &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.opensecrets.org\/pacs\/pac2pac.php?cycle=2012&amp;cmte=C00361758\">sogenannten PACs (Political Action Commitees)<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass es sich nicht schickt, wenn deutsche Regierungsvertreter sich in den Wahlkampf in befreundeten Staaten einmischen. 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Erstaunlicherweise scheint es jedoch niemanden zu st&ouml;ren, wenn ein deutscher Konzern, bei dem der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13974\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[28,174,190],"tags":[266,1353,262,1347],"class_list":["post-13974","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-privatisierung","category-usa","category-wahlen","tag-deutsche-bank","tag-romney-mitt","tag-telekom","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13974"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25347,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13974\/revisions\/25347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}