{"id":13978,"date":"2012-07-25T09:45:04","date_gmt":"2012-07-25T07:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13978"},"modified":"2015-03-09T16:25:54","modified_gmt":"2015-03-09T15:25:54","slug":"selbst-georg-schramm-ist-opfer-der-legende-wonach-johannes-rau-hildegard-hamm-brucher-als-bundesprasidentin-verhindert-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13978","title":{"rendered":"Selbst Georg Schramm ist Opfer der Legende, wonach Johannes Rau Hildegard Hamm-Br\u00fccher als Bundespr\u00e4sidentin verhindert habe"},"content":{"rendered":"<p>In der Zweiwochenschrift f&uuml;r Politik, Kunst und Wirtschaft &bdquo;<a href=\"http:\/\/das-blaettchen.de\/\">Das Bl&auml;ttchen<\/a>&ldquo; ist ein nachlesenswertes <a href=\"http:\/\/das-blaettchen.de\/2012\/07\/ich-bin-nicht-die-therapie-ich-bin-der-schmerz-14290.html\">Gespr&auml;ch mit dem Kabarettisten Georg Schramm abgedruckt<\/a>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]. Leider f&uuml;hrt selbst dieser gro&szlig;artige politische Kabarettist in diesem Gespr&auml;ch die Legende weiter, dass die Wahl von Hildegard Hamm-Br&uuml;cher zur Bundespr&auml;sidentin im Jahre 1994 von Johannes Rau und der SPD verhindert worden sei. Diese leider weit verbreitete Verf&auml;lschung des historischen Ablaufs dieser Wahl wurde schon vor vielen Jahren von Frau Hamm-Br&uuml;cher selbst aufgedeckt. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnter Anspielung darauf, dass die B&uuml;hnenfigur dieses &bdquo;zornigen&ldquo; Kabarettisten, Lothar Dombrowski, als Kandidat f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt ins Gespr&auml;ch gebracht worden war, stellen die beiden Herausgeber vom &bdquo;Bl&auml;ttchen&ldquo;, Heinz Jakubowski  und Wolfgang Schwarz, Georg Schramm, einleitend Fragen zur Rolle des Bundespr&auml;sidenten und zu seiner Einsch&auml;tzung der bisherigen Amtsinhaber. <\/p><p>Ich teile weitgehend die Meinung des von mir hoch gesch&auml;tzten Kabarettisten, die er in diesem Gespr&auml;ch vertritt &ndash; nicht nur zum Thema Bundespr&auml;sident.<\/p><p>Georg Schramm sagt dort unter anderem: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Der Bundespr&auml;sident ist, was die politische Macht im Lande anbetrifft, nicht einmal zweitrangig, und schon seine Wahl &ndash; das regelm&auml;&szlig;ige Parteiengeschacher um die Nominierung inklusive &ndash; ist eine Farce. Da wird &uuml;ber Bande gespielt, um der einen eins auszuwischen oder den anderen zu verhindern. Anders ist doch gar nicht zu verstehen, warum ausgerechnet die SPD einen Mann mit einer politischen Erdung wie Joachim Gauck pr&auml;sentiert hat. Mit Werten und Inhalten hat das nichts zu tun. Und diejenigen Politheuchler, die in diesem Zirkus immer wieder besonders laut klagen, dass das Amt nicht besch&auml;digt werden d&uuml;rfe, geh&ouml;ren in der Regel auch noch zu den Hauptakteuren. Daran wollte und will ich mich nicht beteiligen. Tragikomisch ist ja allenfalls, dass die SPD-Spitze offenbar immer noch glaubt, der Gauck sei einer von ihnen.<\/em><br>\n<em>Nicht zuletzt habe ich gesehen, wie die Medien mit Peter Sodann bei dessen Kandidatur umgesprungen sind. Das ist mir in unappetitlicher Erinnerung, und das w&auml;re mir auch nicht anders ergangen. Die Spielregeln des Boulevards und der Talkshows stehen fest, die kann man als Einzelner nicht &auml;ndern.<\/em><br>\n<em>Letztlich w&auml;re ich der Kandidat nur einer Handvoll Menschen gewesen, und da der Pr&auml;sident von der Bundesversammlung gew&auml;hlt wird und nicht von der Bev&ouml;lkerung, haben Versuche mit Minderheitskandidaten letztlich keinen Sinn. Sollte &uuml;ber das nominelle Staatsoberhaupt aber doch irgendwann das Volk entscheiden, ja dann m&uuml;sste ich gegen den Kandidaten der Bild-Zeitung antreten, und das h&auml;tte schon wieder seinen Reiz.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Georg Schramm kommt im Verlauf des Gespr&auml;chs auch auf die Wahl zum Bundespr&auml;sidenten im Jahre 1994 zu sprechen: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Der einzige, der mich von Anfang an &uuml;berzeugt hat und bis heute mein Lieblingspr&auml;sident geblieben ist, war Gustav Heinemann. Es hat aber noch weitere Personen gegeben, die unser Land demokratisch nach vorn gebracht h&auml;tten. <strong>Hildegard Hamm-Br&uuml;cher etwa. Sie ist leider an der Ignoranz der SPD gescheitert, die seinerzeit unbedingt ihr Versprechen gegen&uuml;ber Johannes Rau halten wollte, dass er Bundespr&auml;sident werden darf, wenn er als Ministerpr&auml;sident endlich zur&uuml;cktritt.<\/strong> Manche Versprechen h&auml;lt die SPD eben auch ein &ndash; oder arbeitet sie verzweifelt ab. Und dann kommen halt Pers&ouml;nlichkeiten wie Frau Hamm-Br&uuml;cher, die Lauterkeit, W&uuml;rde und andere seltene Wesensz&uuml;ge verk&ouml;rpern, nicht zum Zuge.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Ich teile die Wertsch&auml;tzung, die Schramm gegen&uuml;ber Frau Hamm-Br&uuml;cher zum Ausdruck bringt. (Wenngleich mich j&uuml;ngste &Auml;u&szlig;erungen der aus der FDP ausgetretenen Politikerin, in denen sie ihre Bewunderung <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11304\">gegen&uuml;ber der Kanzlerin bekundete<\/a>, irritierten.) Nicht teilen kann ich die Darstellung, die Georg Schramm f&uuml;r deren Scheitern bei der damaligen Wahl zum Bundespr&auml;sidenten wiedergibt. <\/p><p>Ich m&ouml;chte Georg Schramm gewiss nicht zu nahe treten und schon gar nicht besserwisserisch sein, aber als damaliger Sprecher von Johannes Rau und somit als unmittelbarer Zeitzeuge, der Vorg&auml;nge vor und hinter den Kulissen bei dieser Wahl hautnah miterlebt hat, habe ich ein ganz anderes Bild vom Scheitern der Kandidatur von Hildegard Hamm-Br&uuml;cher vor Augen. <\/p><p>Mir geht es nicht darum Georg Schramm zu korrigieren, sondern es geht mir vielmehr darum, &uuml;ber eine allgemein verbreitete Legende aufzukl&auml;ren, wonach bei einem R&uuml;ckzug der Kandidatur von Johannes Rau Frau Hamm-Br&uuml;cher damals eine Chance gehabt h&auml;tte, gegen den Kandidaten von CDU\/CSU, Roman Herzog, gew&auml;hlt zu werden. <\/p><p>Das w&auml;re deshalb nicht gelungen, weil die FDP-Fraktion ihre eigene Kandidatin Hamm-Br&uuml;cher vor dem dritten Wahlgang zum Verzicht auf deren Kandidatur gezwungen hat und f&uuml;r Herzog stimmte. Selbst wenn alle Wahlm&auml;nner und Wahlfrauen der SPD f&uuml;r Hildegard Hamm-Br&uuml;cher gestimmt h&auml;tten, h&auml;tte &ndash; dank der Unterst&uuml;tzung der gro&szlig;en Mehrheit der Wahlm&auml;nner und Wahlfrauen der FDP &ndash; der Kandidat von CDU\/CSU Roman Herzog die Mehrheit der Stimmen der Bundesversammlung gehabt. <\/p><p>Aber ich will hier nicht meine eigene Anschauung schildern, sondern Frau Hamm-Br&uuml;cher selber zu Wort kommen lassen. In ihrer Lebensbilanz unter dem Titel &bdquo;Freiheit ist mehr als ein Wort&ldquo; (erschienen bei Kiepenheuer &amp; Witsch, 1996, also zwei Jahre nach dieser Wahl) geht sie ausf&uuml;hrlich auf ihre Kandidatur und die Wahlg&auml;nge in der Bundesversammlung ein. Sie gibt dort (auf den Seiten 293ff.) ein auch aus meiner Beobachtung zutreffendes Bild, wie ihre eigene Partei damals mit ihr umgesprungen ist.<\/p><p>Hildegard Hamm-Br&uuml;cher schreibt dort zun&auml;chst, wie z&ouml;gerlich die damalige FDP-F&uuml;hrung damit umgegangen ist, als sie von einer partei&uuml;bergreifenden Fraueninitiative, deren prominente Sprecherin Jutta Limbach (damals Justizsenatorin in Berlin) war, aufgefordert wurde, f&uuml;r das Amt des Bundespr&auml;sidenten zu kandidieren. Der FDP-Vorsitzende Klaus Kinkel habe auf Zeit gespielt und der FDP-Fraktionsvorsitzende Hermann Otto Solms und viele Mitglieder der FDP-Bundestagsfraktion, seien &bdquo;strikt&ldquo; gegen ihre Nominierung gewesen. <\/p><p>Erst nachdem Helmut Kohl in einer einsamen Entscheidung seinen damaligen Kandidaten, den bundesweit unbekannten Theologen und S&auml;chsischen Justizminister Steffen Heitmann, in der CDU durchdr&uuml;ckte, zeigten die Liberalen &bdquo;Flagge&ldquo; und nominierten Hildegard Hamm-Br&uuml;cher.<\/p><p>In ihrer Autobiografie beklagte sie bitterlich, wie sie daraufhin namentlich von den ARD-Journalisten J&uuml;rgen Fuchs und Fritz Pleitgen und von konservativen Medien als Frau politisch diskreditiert wurde. &bdquo;Nie habe ich die Skrupellosigkeit und Unfairness von M&auml;nnern (z.B. im Focus) gegen Politikerinnen so zu sp&uuml;ren bekommen, wie w&auml;hrend dieser Kandidatur.&ldquo; Sie schilderte auch, wie sie von ihrer eigenen Partei nur &bdquo;auf kleinster Flamme&ldquo; Unterst&uuml;tzung in diesem &acute;Wahlkampf` erfahren habe. <\/p><p>Nachdem Heitmann von den Unionsparteien, nach einigen ungl&uuml;cklichen und missverst&auml;ndlichen &Auml;u&szlig;erungen &ndash; vor allem &uuml;ber den deutschen Umgang mit der NS-Vergangenheit &ndash; zugunsten von Roman Herzog zur&uuml;ckgezogen wurde, <em>&bdquo;t&ouml;nte es aus Bonn, nun k&ouml;nne (und solle) die FDP ihre Kandidatin zur&uuml;ckziehen&ldquo;<\/em>, schreibt Hamm-Br&uuml;cher.<\/p><p>Hildegard Hamm-Br&uuml;cher erfreute sich damals in der Bev&ouml;lkerung nach Meinungsumfragen gro&szlig;er Beliebtheit und lag im Ansehen gleichauf mit Roman Herzog, doch <em>&bdquo;in den letzten Wochen vor dem 23. Mai 1994 (dem Tag der Wahl (WL)) kursierten eine Menge Ger&uuml;chte, die vom R&uuml;ckzug von meiner Kandidatur schon nach dem ersten Wahlgang bis zum Einschwenken der SPD auf meine Kandidatur im dritten Wahlgang reichten.&ldquo;<\/em><\/p><p>(Auf das Ger&uuml;cht, dass die SPD im dritten Wahlgang Frau Hamm-Br&uuml;cher w&auml;hlen w&uuml;rde, st&uuml;tzt sich wohl, die Legende, dass die SPD ihre Wahl verhindert habe. (WL))<\/p><p>Zu den Wahlg&auml;ngen selbst erlaube ich mir, eine l&auml;ngere Passage aus Hamm-Br&uuml;chers Buch zu zitieren:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Alle Stimmen der FDP-Delegierten zu erhalten &ndash; also einhundertelf -, das war mein Traumziel, und als ich stattdessen einhundertzweiunddrei&szlig;ig Stimmen erhielt, konnte ich es kaum fassen. Allseits Begeisterung und Gl&uuml;ckw&uuml;nsche.<\/em><\/p>\n<p><em>Hatte der Kanzler zun&auml;chst gew&uuml;nscht, ich solle schon nach dem ersten Wahlgang zur&uuml;ckgezogen  und Roman Herzog bereits im zweiten Wahlgang mit absoluter Mehrheit von der FDP mitgew&auml;hlt werden, so war man in der FDP nun einhellig der Meinung, meine Kandidatur auch f&uuml;r den zweien Wahlgang aufrechtzuerhalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Als sich nach dem zweiten Wahlgang herausstellte, dass es bereits sechs &bdquo;&Uuml;berl&auml;ufer&ldquo; aus der FDP-Fraktion zu Roman Herzog gab, war das Signal deutlich. Zwar hatte ich immerhin noch respektable einhundertsechsundzwanzig Stimmen erhalten, das hei&szlig;t f&uuml;nfzehn Stimmen mehr, als die FDP Delegierte hatte, aber nun sollte die Kohl-Regie klappen.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Pause zwischen dem zweiten und dritten Wahlgang erkl&auml;rte ich Klaus Kinkel in einem Vier-Augen-Gespr&auml;ch meine Bereitschaft, auch im dritten Wahlgang zu kandidieren, nicht aus pers&ouml;nlichem Geltungsbed&uuml;rfnis, meine Ergebnisse seien viel besser als erwartet, vielmehr um mehr Eigenst&auml;ndigkeit der FDP zu demonstrieren und eben &bdquo;liberale Flagge&ldquo; zu zeigen. Sehr rasch aber musste ich erkennen, dass der Parteivorsitzende beim Bundeskanzler im Wort stand und deshalb auf eine neuerliche Kandidatur von mir verzichtet werden musste. Ich versuchte eindringlich, aber vergebens, Klaus Kinkel auf die Folgen eines solchen &bdquo;Einknickens&ldquo; aufmerksam zu machen. Nun aber wich bei ihm alle Freundlichkeit und Verbindlichkeit. Der Verzicht auf meine Kandidatur wurde knallhart &bdquo;durchgezogen&ldquo;.<\/em><\/p>\n<p><em>Etwa vierzig Kolleginnen und Kollegen (von einhundertelf) sprechen sich in der Fraktion gegen einen Verzicht aus. Eisig und r&uuml;cksichtslos sollte ich sogar an einer pers&ouml;nlichen Erkl&auml;rung in der Fraktion gehindert werden.<\/em><br>\n<em>Diese letzten Minuten in der Fraktionssitzung am 23. Mai 1994 vor dem dritten Wahlgang werde ich nie vergessen!&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Hildegard Hamm-Br&uuml;cher zitiert in ihrer &bdquo;Lebensbilanz&ldquo;, sozusagen als Zeugin f&uuml;r ihre Darstellung, noch einen Bericht der Bundestagsabgeordneten der FDP Michaela Blunk, die unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Zum Heulen&ldquo; am 26. Mai 1994 &uuml;ber den Verlauf dieser Stunden geschrieben hat und Hamm-Br&uuml;chers Version best&auml;tigte. <\/p><p>Hamm-Br&uuml;cher erinnert auch an das damals kursierende Ger&uuml;cht, dass die FDP-Stimmen f&uuml;r Herzog <em>&bdquo;seitens der CDU mit der Zusage zur Wiederbenennung von Martin Bangemann als EU-Kommissar in Br&uuml;ssel verkn&uuml;pft worden sein&ldquo;<\/em> soll. <\/p><p>Hamm-Br&uuml;cher schreibt schlie&szlig;lich: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Nachzutragen ist auch, dass ich nicht  nur Kandidatin der FDP war, sondern auch stimmberechtigte &bdquo;Wahlfrau&ldquo;. Als solche votierte ich im dritten Wahlgang f&uuml;r den SPD-Kandidaten Johannes Rau.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem die FDP Anfang Mai eine klare Koalitionsaussage zugunsten der CDU gemacht hatte, hielt ich das politisch f&uuml;r richtig. Nicht nur weil seine Integrit&auml;t und Eignung unbestritten  und unsere wechselseitige pers&ouml;nliche Freundschaft in vielen Jahren gewachsen war, sondern weil ich der Meinung war (und bin), dass es im Interesse der Ausgewogenheit unserer demokratischen Kultur an der Zeit gewesen w&auml;re, dieses Amt mit einer qualifizierten, angesehenen und beliebten Pers&ouml;nlichkeit (Raus Kandidatur fand bei allen Umfragen die bei weitem h&ouml;chste Zustimmung) aus der SPD zu besetzen. In f&uuml;nfundvierzig Jahren war dies ja nur einmal f&uuml;r f&uuml;nf Jahre mit Gustav Heinemann geschehen. Deshalb habe ich nach der Beendigung meiner Kandidatur in der Fraktion die Wahl Johannes Raus unterst&uuml;tzt&hellip;Auch dies war vergeblich.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber auch Johannes Rau hatte vergeblich auf die ihm zugesagten Dissidentenstimmen aus der CDU gebaut. So endete auch f&uuml;r die SPD der dritte Wahlgang mit einem Scherbenhaufen. (Nachtr&auml;glich gab es auch bei der SPD noch so manchen Nachtarok: Oh h&auml;tten wir doch vor dem dritten Wahlgang nachgedacht, ob eine Unterst&uuml;tzung der Hamm-Br&uuml;cher-Kandidatur ein Signal h&auml;tte setzen k&ouml;nnen&hellip;Dazu kann man nur mit Gorbatschow sagen: &bdquo;Wer zu sp&auml;t kommt, den bestraft das Leben!&ldquo; Damals glaubte die SPD noch fest an einen Rot-Gr&uuml;nen Wahlsieg bei den Bundestagswahlen und an den Erfolg ihres Kandidaten. Welch ein doppelter Irrtum!).<br>\nDer gro&szlig;e Triumphator war allein Helmut Kohl.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Aus meiner Wahrnehmung kann ich den Hergang, wie ihn Hildegard Hamm-Br&uuml;cher geschildert hat, im Wesentlichen nur best&auml;tigen. Johannes Rau vertraute bis einen Tag vor der damaligen Wahl darauf, dass er die Mehrheit auf seiner Seite h&auml;tte. Eine ausreichende Zahl von Wahlm&auml;nnern und Wahlfrauen aus der CDU und der FDP hatten ihm in vertraulichen Gespr&auml;chen und manche sogar schriftlich ihre Stimme zugesichert. Diese pers&ouml;nlichen Versprechen fielen am Tag der Wahl jedoch offenbar der jeweiligen Parteir&auml;son zum Opfer.<\/p><p>Es ist m&uuml;&szlig;ig dar&uuml;ber zu spekulieren, ob Rau mit einem Verzicht auf eine Kandidatur schon im zweiten Wahlgang Hildegard Hamm-Br&uuml;cher eine Chance er&ouml;ffnet h&auml;tte. Dazu h&auml;tte er ja vorher &ouml;ffentlich eine Verzichtserkl&auml;rung abgeben m&uuml;ssen. Selbst wenn die FDP-Fraktion Frau Hamm-Br&uuml;cher im zweiten Wahlgang nicht &ndash; wie dann vor dem dritten Wahlgang &ndash; zum Verzicht auf ihre Kandidatur gezwungen h&auml;tte, so h&auml;tte mit ziemlicher Sicherheit auch schon in diesem zweiten Wahlgang die Parteir&auml;son bei der FDP gesiegt. Sie h&auml;tte &ndash; selbst wenn die SPD geschlossen f&uuml;r sie gestimmt h&auml;tte &ndash;  gewiss nicht die nach Art. 54 Grundgesetz im zweiten Wahlgang noch vorgeschriebene Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung (absolute Mehrheit) erreicht. F&uuml;r den dritten Wahlgang bei dem derjenige Kandidat gew&auml;hlt ist, der die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann, er&uuml;brigen sich solche Spekulationen, denn da hatte Hildegard Hamm-Br&uuml;cher, wie sie selbst geschildert hat, ihre Kandidatur auf Druck der FDP-Fraktion schon zur&uuml;ckziehen m&uuml;ssen. <\/p><p>Es war auch durchaus nicht so, dass es w&auml;hrend des Wahlvorgangs keine Kontakte zwischen Hamm-Br&uuml;cher und Rau gegeben h&auml;tte. Das Umfeld von Johannes Rau wusste &uuml;ber die Vorg&auml;nge innerhalb der FDP sehr wohl Bescheid und es war bekannt, dass eine gro&szlig;e Mehrheit der FDP-Mitglieder der Bundesversammlung f&uuml;r Roman Herzog und gegen Hildegard Hamm-Br&uuml;cher stimmen w&uuml;rde. Rau hat durchaus einen Verzicht auf seine Kandidatur erwogen, zumal er schon vor der Wahl von einem hohen und angesehenen Repr&auml;sentanten der FDP erfahren hatte, dass die ihm gemachten Zusagen nicht eingehalten werden w&uuml;rden und er somit kaum noch Chancen auf einen Abstimmungssieg hatte. Ich war zwischen den Wahlg&auml;ngen zwar nur H&ouml;rzeuge eines der entscheidenden Telefonate &ndash; und konnte deshalb nicht h&ouml;ren, was der Gespr&auml;chspartner oder die Gespr&auml;chspartnerin von der FDP gesagt hat, aber nach diesem Telefonat sagte Johannes Rau ziemlich resigniert, ein Verzicht auf seine Kandidatur mache keinen Sinn mehr, Roman Herzog w&uuml;rde so oder so gew&auml;hlt. <\/p><p>Im dritten Wahlgang auf seine Kandidatur zu verzichten, das wollte Rau &bdquo;seiner&ldquo; SPD nicht antun. Was h&auml;tte es auch gebracht, wenn die meisten Mitglieder der Bundesversammlung, die von der SPD entsandt waren, einfach nur mit Nein gegen Herzog gestimmt h&auml;tten? <\/p><p>Georg Schramm m&ouml;ge es mir nicht &uuml;bel nehmen, dass ich nun gerade eine Aussage von ihm zum Anlass genommen habe, gegen die Legende anzuschreiben, dass eine Wahl von Hildegard Hamm-Br&uuml;cher zur Bundespr&auml;sidentin an Johannes Rau und an der SPD gescheitert w&auml;re. <\/p><p>P.S.: Auch die Aussage, dass Johannes Rau von der SPD (oder wie es hei&szlig;t, von Oskar Lafontaine) 1994 zum Kandidaten f&uuml;r das Amt des Bundespr&auml;sidenten nominiert worden sei, damit er als Ministerpr&auml;sident von Nordrhein-Westfalen zur&uuml;cktrete, ist eine Lesart, die vor allem von seinen Gegnern in die Welt gesetzt wurde und die wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. An seinem Stuhl s&auml;gten ganz andere, z.B. Wolfgang Clement und Bodo Hombach.   <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Anmerkung: Wir danken dem &bdquo;Bl&auml;ttchen&ldquo;, dass es uns das Gespr&auml;ch mit Georg Schramm zur Verf&uuml;gung gestellt hat.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Zweiwochenschrift f&uuml;r Politik, Kunst und Wirtschaft &bdquo;<a href=\"http:\/\/das-blaettchen.de\/\">Das Bl&auml;ttchen<\/a>&ldquo; ist ein nachlesenswertes <a href=\"http:\/\/das-blaettchen.de\/2012\/07\/ich-bin-nicht-die-therapie-ich-bin-der-schmerz-14290.html\">Gespr&auml;ch mit dem Kabarettisten Georg Schramm abgedruckt<\/a>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]. Leider f&uuml;hrt selbst dieser gro&szlig;artige politische Kabarettist in diesem Gespr&auml;ch die Legende weiter, dass die Wahl von Hildegard Hamm-Br&uuml;cher zur Bundespr&auml;sidentin im Jahre 1994 von Johannes Rau und der SPD verhindert<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13978\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,193,190],"tags":[1263,414,370],"class_list":["post-13978","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-fdp","category-wahlen","tag-hamm-bruecher-hildegard","tag-rau-johannes","tag-schramm-georg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13978"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13978\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13980,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13978\/revisions\/13980"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}