{"id":139789,"date":"2025-09-30T09:00:21","date_gmt":"2025-09-30T07:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139789"},"modified":"2025-09-30T09:20:19","modified_gmt":"2025-09-30T07:20:19","slug":"den-osten-mit-ruestungsauftraegen-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139789","title":{"rendered":"Den Osten mit R\u00fcstungsauftr\u00e4gen \u201est\u00e4rken\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>Auf einem Schloss treffen sich Ost-Ministerpr&auml;sidenten mit der Bundesregierung &ndash; der Osten solle mitprofitieren &ndash; vom H&ouml;henflug der Aufr&uuml;stung und der Auftr&auml;ge. Davon blieb der Osten ja bisher ausgeschlossen, so die Kritik. Von R&uuml;stungsauftr&auml;gen zu lassen, von dem Wahnsinn der Aufr&uuml;stung, davon spricht keiner. Was w&auml;re das f&uuml;r ein Signal, sperrten sich Ost-Ministerpr&auml;sidenten, Ostbeauftragte und Ostb&uuml;rger massiv gegen den Irrsinn. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSoso, es geht darum, etwas vom Kuchen der Aufr&uuml;stung f&uuml;r den benachteiligten, teils vergessenen Osten abzubekommen. Daf&uuml;r spucken Politiker im Osten in die H&auml;nde. Zwei Ministerpr&auml;sidenten laden den Kanzler und den Verteidigungsminister nach Weimar ein. Etwas Charme des Ostens darf auch sein &ndash; die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser geh&ouml;rt der Delegation von Friedrich Merz an. Ostmedien berichten, ohne zu mucken. Auf der Internetseite der Ostbeauftragten ist alles klasse. So m&uuml;ssen nur noch Merz und Boris Pistorius (schlie&szlig;lich beliebtester Politiker der Republik) den Daumen in die H&ouml;he halten, auf dass ein paar Auftr&auml;ge (in Funktion vielleicht der allseits beliebten verl&auml;ngerten Ost-Werkbank) ausgereicht werden. Ach ja, ein bisschen Gegenwind durch die B&uuml;rger darf sein, stellt der th&uuml;ringische Ministerpr&auml;sident im <em>MDR<\/em> in Aussicht. Der in vollem Gang befindliche R&uuml;stungswahn wird jedoch nicht infrage gestellt. So eine &ouml;de Show.<\/p><p><strong>Auf Schloss Ettersburg trifft sich Ost-Politelite mit Bundeselite zum Kuchenaufteilen<\/strong><\/p><p>Bei Weimar in Th&uuml;ringen liegt ein sch&ouml;nes Anwesen &ndash; das Schloss Ettersburg. Dort finden sich hochrangige Pers&ouml;nlichkeiten wie unsere Politiker, im aktuellen Fall zwei Ministerpr&auml;sidenten, die Ostbeauftragte, der Bundeskanzler und der Verteidigungsminister, gern zusammen, um wichtige Entscheidungen f&uuml;r unser Land, also f&uuml;r die Konzerne zu besprechen. Die Liste der Konferenz ist lang, so der MDR, 20 Punkte stehen an. Eine Position &uuml;berragt alle: die Beteiligung Ostdeutschlands an der Aufr&uuml;stung Deutschlands. Auftr&auml;ge, Arbeitspl&auml;tze, St&auml;rkung der Verteidigungsf&auml;higkeit &ndash; was soll man dagegen haben? Der Osten liege strategisch gut, ist zu h&ouml;ren: Richtung Ostflanke und als Korridor usw. Auf Schloss Ettersburg erfahren Merz, Pistorius und Kaiser, dass man im Osten nicht erfreut ist, dass die meisten Auftr&auml;ge der Aufr&uuml;stung in den Westen gehen &ndash; dort, wo halt die Waffenschmieden, Konzerne plus Schaltzentralen ihren Sitz haben. Nur gut, dass ein CDU-Politiker aus dem Osten sich bemerkbar gemacht hat. Das &bdquo;MDR-AKTUELL-Nachrichtenradio&ldquo; meldet entsprechend folgsam:<\/p><blockquote><p>Th&uuml;ringens Ministerpr&auml;sident Mario Voigt mahnte an, dass die ostdeutschen L&auml;nder st&auml;rker vom Ausbau der Verteidigungsf&auml;higkeit profitieren sollten. Der CDU-Politiker sagte MDR AKTUELL, man habe innovative Firmen im Bereich Robotik, Cybersicherheit und Maschinenbau. Diese sollten bei der Auftragsvergabe mehr ber&uuml;cksichtigt werden.<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/nachrichten100.html#sprung1\">MDR<\/a>)<\/p><\/blockquote><p>Dem Th&uuml;ringer springt der Sachse bei, Ministerpr&auml;sident Michael Kretschmer schl&auml;gt einen Ton an, der kritisch klingt. Durch die Blume sagt er, dass zwar viel Geld (Schulden) bereitsteht, eingesetzt wird das jedoch im Westen und Kasse wird auch dort gemacht, w&auml;hrend dem Osten nur das Mitabbezahlen (der Schulden) bleibt:<\/p><blockquote><p>Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer schlug eine Ostdeutschland-Komponente bei der Vergabe von Auftr&auml;gen vor. Er sagte MDR AKTUELL, Deutschland nehme Milliarden-Schulden f&uuml;r die Verteidigung auf. Es k&ouml;nne nicht sein, dass die Auftr&auml;ge im Westen abgearbeitet w&uuml;rden. Auch s&auml;chsische Unternehmen sollten vom h&ouml;heren Wehretat profitieren k&ouml;nnen.<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/politik\/ostministerkonferenz-voigt-kretschmer-haseloff-verteidigung-100.html\">MDR<\/a>)<\/p><\/blockquote><p><strong>Ein bisschen Widerstand, eine Prise B&uuml;rgerbeteiligung<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die eloquenten Zitate aus dem Schloss via &Ouml;RR des Volkes Ohren erreichen, vergisst der &Ouml;RR nicht, ganz &bdquo;ausgewogen&ldquo; halt, dass man auch ein wenig Gegenwind versus R&uuml;stungsauftr&auml;ge, R&uuml;stung und Kriegsert&uuml;chtigung im Blick habe, also der th&uuml;ringische Ministerpr&auml;sident zumindest:<\/p><blockquote><p>Protesten gegen einen Ausbau der R&uuml;stungsindustrie will der Th&uuml;ringer Ministerpr&auml;sident indes aktiv begegnen, indem die Frage unter anderem in einem B&uuml;rgerrat diskutiert werde.<br>\n(Nachrichten 25. September 2025, 12:15 Uhr)<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/mdr-aktuell-nachrichtenradio\/audio\/mdr-aktuell-radio-zum-nachhoeren100.html#20250925_12-15\">MDR<\/a>)<\/p><\/blockquote><p>Ein Ostminister r&auml;umt (wie gro&szlig;z&uuml;gig) ein, dass ein bisschen Widerstand durchaus in Ordnung sei. Dem B&uuml;rger wird eine Prise B&uuml;rgerbeteiligung in Form eines B&uuml;rgerrates zugestanden. So kann B&uuml;rger mit den Politikern diskutieren, man kann sich ein wenig Protest anh&ouml;ren. Was passiert aber danach? Und das ist der Skandal: Weder Voigt noch Kretschmer noch die Ostbeauftragte Kaiser werden Merz, Pistorius und den R&uuml;stungsindustrie-Bossen entgegentreten und etwa Folgendes sagen: Wir m&uuml;ssen abr&uuml;sten. Wir m&uuml;ssen der Diplomatie Vorrang geben. Wir m&uuml;ssen deeskalieren. Wir sind die gew&auml;hlten Vertreter der Ostbev&ouml;lkerung, die den ganzen Mist nicht mitmachen will, Arbeitspl&auml;tze und Auftr&auml;ge hin oder her. Das haben wir im B&uuml;rgerrat geh&ouml;rt und verstanden.<\/p><p>Was w&auml;re daran aber schlecht, w&uuml;rde wie im Jahr 1989 eine neuerliche Wende wieder im und vom Osten ausgehen und die Br&uuml;der und Schwestern im Westen (die angeblich nach Umfragen mehr f&uuml;r R&uuml;stung und Konfrontation gegen Russland sein sollen) miterfassen? Voigt, Kretschmer und all die sich um das Volk k&uuml;mmernden Politiker w&uuml;rden in die Geschichte eingehen.<\/p><p><strong>Fade, besch&auml;mende Berichterstattung beim MDR<\/strong><\/p><p>Angesichts der Sch&auml;den, die die gegenw&auml;rtige Politik anrichtet, angesichts der Stimmung, die permanent gemacht wird, ist das Lesen dieser schw&uuml;lstig, &bdquo;sachlich&ldquo; formulierten Texte kaum auszuhalten. Man schreibt von &bdquo;Wahrnehmung&ldquo;, von &bdquo;Bedrohungsgef&uuml;hl&ldquo;, von &bdquo;gesellschaftlicher Akzeptanz&ldquo; und was Wissenschaftler sonst so vom Stapel lassen. Ich finde, der Soziologe Tobias Jaeck h&auml;tte sich nicht &bdquo;auseinandersetzen&ldquo; m&uuml;ssen. Etwas Bauchgef&uuml;hl h&auml;tte gereicht. Dass die Akzeptanz f&uuml;r diese schlimme Aufr&uuml;stungsorgie nun bei 75 Prozent liegen soll, l&auml;sst mich fragen, wer hier wen befragt hat &hellip;:<\/p><blockquote><p>Der Hallenser Soziologe Tobias Jaeck hat sich damit auseinandergesetzt, warum R&uuml;stungsindustrie im Osten anders wahrgenommen wird als im Westen, obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz zu h&ouml;heren R&uuml;stungsausgaben im Westen wie im Osten gleich zugenommen hat und nun bei 75 Prozent liegt. &bdquo;Interessant finden wir, dass das Bedrohungsgef&uuml;hl im Osten gegen&uuml;ber Russland deutlich weniger verbreitet ist als im Westen. Es gibt Differenzen von bis zu 20 Prozent. Und da ist man auch der Ansicht, was die Sicherheitspolitik angeht, dass man genauso mit Russland zusammenarbeiten muss, wie man mit den USA zusammenarbeiten muss. Wenn Sie sich jetzt so eine Art sicherheitspolitische Grundorientierung anschauen, sind zum Beispiel die Menschen im Osten viel weniger der Ansicht, dass man Konflikte &uuml;berhaupt milit&auml;risch l&ouml;sen kann&ldquo;, erkl&auml;rt er gegen&uuml;ber dem MDR-Magazin &bdquo;Umschau&ldquo;.<br>\nTobias Jaeck forscht am Zentrum f&uuml;r Soziologie an der Martin-Luther-Universit&auml;t Halle. Er untersucht seit vielen Jahren den Wandel der politischen Einstellungen und gesellschaftlichen Stimmungen im Osten. &bdquo;Die Bedrohung wird zum Beispiel durch die Aufr&uuml;stung gesehen, vielleicht auch aus der Erinnerung an die 1980er-Jahre &ndash; eine Zeit, als der Kalte Krieg so seinen H&ouml;hepunkt erreicht hatte&ldquo;, sagt er.<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/wirtschaft\/ruestungsindustrie-ostdeutschland-100.html\">MDR<\/a>)<\/p><\/blockquote><p><strong>Zuletzt noch dies: Leipzig liegt nicht weit von Weimar<\/strong><\/p><p>So sind also Ostdeutsche viel weniger der Ansicht (als Westdeutsche?), dass man Konflikte &uuml;berhaupt milit&auml;risch l&ouml;sen kann, ist zu lesen. Gedanke: Wenn Konflikte friedlich und diplomatisch gel&ouml;st w&uuml;rden, wenn Konflikte vielleicht gar nicht erst entstehen und sich aufschaukeln, weil Drohszenarien nicht aufgebaut werden, steht viel mehr f&uuml;r das friedliche, nicht aufger&uuml;stete zivilisatorische Leben zur Verf&uuml;gung: mehr Mittel, Zeit, Energie. Es w&uuml;rde sicher mehr Freude machen, als Politiker auf einem Schloss nahe Weimar zum Wohl des Volkes zu verhandeln, oder?<\/p><p>Die Realit&auml;t ist aber eine andere, bittere: Die Mainstream-Medien melden unbeirrt und alternativlos, dass Merz und Co. aufr&uuml;sten und der Osten etwas vom Kuchen abbekommen will. Die n&auml;chste Nachricht (als Beispiel) zeigt dann aber, was daraus wird, wenn Priorit&auml;ten so wie in diesen irren Zeiten gesetzt werden:<\/p><blockquote><p>Angespannte Finanzlage<\/p>\n<p>Was die Haushaltssperre f&uuml;r Leipzig bedeutet<\/p>\n<p>Leipzig steht seit Dienstag unter Haushaltssperre: Investitionen gestoppt, Projekte eingefroren. Was das f&uuml;r Kultur, Umwelt und Stadtentwicklung bedeutet &ndash; ein &Uuml;berblick &uuml;ber die Folgen und Perspektiven.<br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/index.html\">MDR<\/a>)<\/p><\/blockquote><p>Was das f&uuml;r Leipzig, f&uuml;r andere St&auml;dte im Osten des besten Deutschlands aller Zeiten bedeutet, wei&szlig; vielleicht die Ostbeauftragte Kaiser nicht. Das w&auml;re an sich mehr als ein Grund, herumzureisen. Allein, ich finde, sie kann sich das sparen, so wie sich ihr Politikerkollege in Berlin, zum Beispiel der Bundespr&auml;sident, das Reisen sparen kann &ndash; denn: ihre Reisen &auml;ndern nichts.<\/p><p><small>Titelbild: e-crow\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einem Schloss treffen sich Ost-Ministerpr&auml;sidenten mit der Bundesregierung &ndash; der Osten solle mitprofitieren &ndash; vom H&ouml;henflug der Aufr&uuml;stung und der Auftr&auml;ge. 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