{"id":139853,"date":"2025-10-01T12:00:05","date_gmt":"2025-10-01T10:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139853"},"modified":"2025-10-01T12:29:26","modified_gmt":"2025-10-01T10:29:26","slug":"entscheidungszwang-mit-bitterem-beigeschmack-botschafter-gyoergy-varga-zu-wahlen-in-moldau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139853","title":{"rendered":"Entscheidungszwang mit bitterem Beigeschmack \u2013 Botschafter Gy\u00f6rgy Varga zu Wahlen in Moldau"},"content":{"rendered":"<p>In einem Gespr&auml;ch &uuml;ber die Parlamentswahlen am 28. September in Moldau analysierte der ehemalige ungarische Botschafter in Moldau, Gy&ouml;rgy Varga, die Ergebnisse und kritisierte die mediale Berichterstattung scharf. Er kommt zu dem Schluss, dass der als pro-europ&auml;isch gefeierte Wahlsieg unter ungleichen Bedingungen zustande kam und das Land einem gef&auml;hrlichen geopolitischen Entscheidungszwang aussetzt. Damit werde eine Wiederholung des ukrainischen Szenarios riskiert. Ein Bericht von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie westlichen Medien feierten das Ergebnis der Parlamentswahl in Moldau am Sonntag, das der Regierungspartei 54 von 101 Sitzen verschaffte, als klaren Sieg &uuml;ber Russland. In einem am Montag ver&ouml;ffentlichten Podcast-Gespr&auml;ch mit dem Portal <em>Ultrahang<\/em> ging der fr&uuml;here ungarische Botschafter in Moldau, Gy&ouml;rgy Varga, auf das Ergebnis und dessen mediale Darstellung im Westen ein. Die Einleitung des Gespr&auml;chs, in der eine Reihe von Schlagzeilen zitiert wurde &ndash; von &bdquo;Putins Plan ist gescheitert&ldquo; bis hin zu &bdquo;Europ&auml;er atmen auf, die prorussischen Kr&auml;fte sind gefallen&ldquo; &ndash;, diente Varga als perfekter Aufh&auml;nger f&uuml;r seine Kritik.<\/p><p>&bdquo;Das ist die beste Einleitung, die es zu diesem Thema geben kann&ldquo;, erkl&auml;rte Botschafter Varga. &bdquo;Sie zeigt perfekt die westliche Herangehensweise, nach der die Berichterstattung erfolgt.&ldquo; Ihm zufolge reduzierten diese Artikel die komplexe Realit&auml;t der Republik Moldau auf einen rein globalpolitischen Konflikt, in dem die W&auml;hler gezwungen werden, sich zwischen zwei Lagern zu entscheiden.<\/p><p>Varga betonte, Moldau sei ein Land, dessen Gesellschaft ethnisch, sprachlich und historisch tief gespalten sei. &bdquo;Die Gesellschaft ist so geteilt, [&hellip;] dass dieser Gesellschaft die Neutralit&auml;t viel besser entsprechen w&uuml;rde, die sie heute noch verfassungsm&auml;&szlig;ig besitzt.&ldquo;<\/p><p><strong>Unfaire Wahlbedingungen<\/strong><\/p><p>Der Diplomat und fr&uuml;here OSZE-Missionsleiter an der russisch-ukrainischen Grenze kritisierte massiv die Rahmenbedingungen der Wahl, die seiner Meinung nach die pro-europ&auml;ischen Kr&auml;fte aktiv beg&uuml;nstigten und so die demokratische Balance st&ouml;rten. Er wies unter anderem auf das Ungleichgewicht bei der Auslandsstimmabgabe hin.<\/p><p>Moldau sei stark auf seine Diaspora angewiesen, erkl&auml;rte er. Von den rund drei Millionen Einwohnern arbeitet etwa eine Million im Ausland. Varga zeigte anhand konkreter Zahlen, wie die Stimmenverteilung bewusst verzerrt wurde:<\/p><ul>\n<li>Beispiel Russland: Rund 500.000 Moldauer leben und arbeiten in Russland. Dort wurden seitens der Regierung Moldaus nur zwei Wahllokale er&ouml;ffnet, die insgesamt nur 10.000 Stimmzettel erhielten.<\/li>\n<li>Beispiel Westeuropa: Im Gegensatz dazu wurden in Italien 75 Wahllokale, in Deutschland 36 und in Frankreich 26 er&ouml;ffnet.<\/li>\n<\/ul><p>&bdquo;Ich habe die Homepage der moldauischen Wahlkommission ge&ouml;ffnet und diese Zahlen gesehen&ldquo;, so Varga. &bdquo;Da sieht man, dass das Ganze total sinnlos ist. Aber dieses globale Establishment wird es akzeptieren, und jeder, der es kritisiert, wird als &sbquo;Putins Diener&lsquo; bezeichnet.&ldquo;<\/p><p><strong>Externe Einflussnahme: Die &bdquo;Rum&auml;nisierung&ldquo; der politischen Elite<\/strong><\/p><p>Ein weiteres beunruhigendes Beispiel f&uuml;r Varga ist die Identit&auml;t der derzeitigen politischen F&uuml;hrung, die oft rum&auml;nische Staatsb&uuml;rgerschaft besitzt. Er listete die F&uuml;hrungspositionen auf: &bdquo;Die Pr&auml;sidentin Moldaus ist rum&auml;nische Staatsb&uuml;rgerin. Der Premierminister Moldaus ist rum&auml;nischer Staatsb&uuml;rger. Der Au&szlig;enminister Moldaus ist rum&auml;nischer Staatsb&uuml;rger. Der Leiter des Geheimdienstes Moldaus ist rum&auml;nischer Staatsb&uuml;rger.&ldquo;<\/p><p>Wer dies thematisiere, werde mit dem Vorwurf des &bdquo;Verbreitens falscher Nachrichten&ldquo; belegt. Varga fragte provokant: &bdquo;Ist es nicht seltsam, dass ein Staatsb&uuml;rger Rum&auml;niens, eines NATO-Mitglieds, der zuvor acht Jahre lang f&uuml;r die Soros-Stiftung gearbeitet hat, jetzt als Chef des moldauischen Geheimdienstes den Bericht liefert, aufgrund dessen das Europ&auml;ische Parlament die russische Einmischung beurteilt?&ldquo;<\/p><p><strong>Die Gefahr einer &bdquo;Anti-Russland&ldquo;-Politik<\/strong><\/p><p>Vargas gr&ouml;&szlig;te Sorge liegt in der langfristigen Konsequenz dieser Schwarz-Wei&szlig;-Politik. Ihm zufolge wird Moldau von globalen M&auml;chten dazu getrieben, ein &bdquo;Anti-Russland&ldquo; zu werden.<\/p><p>&bdquo;Dieses Land verdient es nicht, als verfassungsm&auml;&szlig;ig neutrales Land f&uuml;r eine globalistische Idee auseinandergerissen zu werden&ldquo;, betonte er. Die kompromisslose Haltung &ndash; &bdquo;Wer nicht f&uuml;r die Partei der Maia Sandu stimmt, der stimmt f&uuml;r Putin&ldquo; &ndash; sei politisches Gift, das die innere Stabilit&auml;t untergrabe.<\/p><p>Die Weigerung der aktuellen moldauischen F&uuml;hrung, mit der separatistischen Region Transnistrien zu verhandeln oder diese zu besuchen, versch&auml;rfe die Lage. Varga erinnerte daran, dass die Behandlung des separaten Gebiets vor 15 bis 20 Jahren wesentlich korrekter gewesen sei. Heute w&uuml;rden die dort lebenden Menschen, die nach Ruhe suchen, wie Kriminelle behandelt.<\/p><p>Die entscheidende Frage f&uuml;r die Zukunft Moldaus sei der Ausgang des Ukraine-Krieges. Wenn der Krieg fortgesetzt werde und die russischen Truppen in Richtung Odessa vorr&uuml;ckten, w&uuml;rde Moldau unweigerlich in den Konflikt hineingezogen. F&uuml;r Varga ist Russlands Interesse im Kern die Stabilit&auml;t und Neutralit&auml;t Moldaus, nicht die Destabilisierung.<\/p><p>Der Experte des postsowjetischen Raumes schloss mit dem Appell, die Komplexit&auml;t und das Bed&uuml;rfnis nach Neutralit&auml;t der moldauischen Bev&ouml;lkerung anzuerkennen, anstatt sie in einen geopolitischen Entscheidungskampf zu zwingen. Der vermeintliche Wahlsieg berge daher die Gefahr, dass die Fehler der Ukraine-Politik auf tragische Weise wiederholt werden, was langfristig die Souver&auml;nit&auml;t und den Frieden Moldaus bedrohe.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ zmotions<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136030\">Die Autokratin: Maia Sandu f&uuml;hrt Moldau autorit&auml;r &ndash; mit Billigung Br&uuml;ssels<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123483\">&bdquo;Wer untergr&auml;bt die Souver&auml;nit&auml;t Moldaus?&ldquo; &ndash; O-T&ouml;ne zu Pr&auml;sidentschaftswahlen und Referendum &uuml;ber EU-Mitgliedschaft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123056\">Botschafter a. D. Varga: Moldau als souver&auml;ner Staat in Gefahr<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136724\">Nach Rum&auml;nien nun wieder Wahleinmischung der EU in Moldawien?<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/f8a511dad9ae45d2862f72346ac54c3e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Gespr&auml;ch &uuml;ber die Parlamentswahlen am 28. September in Moldau analysierte der ehemalige ungarische Botschafter in Moldau, Gy&ouml;rgy Varga, die Ergebnisse und kritisierte die mediale Berichterstattung scharf. Er kommt zu dem Schluss, dass der als pro-europ&auml;isch gefeierte Wahlsieg unter ungleichen Bedingungen zustande kam und das Land einem gef&auml;hrlichen geopolitischen Entscheidungszwang aussetzt. 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