{"id":139887,"date":"2025-10-02T15:00:56","date_gmt":"2025-10-02T13:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139887"},"modified":"2025-10-02T16:49:01","modified_gmt":"2025-10-02T14:49:01","slug":"deutsche-unterstuetzung-fuer-israel-ein-rechtlicher-und-moralischer-fehler-rechts-und-ethikprofessorin-janina-dill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139887","title":{"rendered":"\u201eDeutsche Unterst\u00fctzung f\u00fcr Israel ein \u201arechtlicher und moralischer Fehler\u2018 \u2013 Rechts- und Ethikprofessorin Janina Dill\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Es ist immer wieder erstaunlich, welch informative Inhalte die aus dem Bundeshaushalt finanzierte &sbquo;Deutsche Welle&lsquo; in ihrem englischsprachigen Auslandsprogramm transportieren kann. Dort gibt es des &Ouml;fteren hervorragenden Journalismus, der Fachleuten Geh&ouml;r verschafft, die nicht den jeweiligen Regierungen nach dem Mund reden. In dem zitierten Gespr&auml;ch mit <strong>Janina Dill<\/strong> wird &uuml;ber Deutschlands mutma&szlig;liche Komplizenschaft an dem &ndash; k&uuml;rzlich von einer UN-Untersuchungskommission so bezeichneten &ndash; &sbquo;V&ouml;lkermord am pal&auml;stinensischen Volk&lsquo; gesprochen. Ferner werden die Auswirkungen auf das internationale Ansehen deutscher Au&szlig;enpolitik und die Bedeutung des humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts insgesamt beleuchtet. Solche Beitr&auml;ge muss man im inl&auml;ndischen &Ouml;RR-Programm leider immer noch mit der Lupe suchen. Transkript und &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von <strong>Christian Goldbrunner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>German support for Israel a &lsquo;legal and moral mistake&rsquo; &mdash; Law and ethics professor Janina Dill<\/strong><br>\n[&bdquo;Es ist nichts weniger als tragisch, dass wir aus unserer historischen Vergangenheit die gegenteilige Lehre gezogen haben.&ldquo; Die Oxford-Professorin Janina Dill warnt vor m&ouml;glichen rechtlichen Konsequenzen, denen Deutschland aufgrund seiner Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel ausgesetzt sein k&ouml;nnte. Als Co-Direktorin des Oxford Institute for Ethics, Law and Armed Conflict erkl&auml;rt Dill, warum Deutschland eine besondere Verantwortung zum Eingreifen hat &ndash; und was das V&ouml;lkerrecht angesichts der eskalierenden Gewalt verlangt. <em>&Uuml;bersetzung der Videobeschreibung CG<\/em>]<br>\nWeitere Nachrichten finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/en\/\">dw.com\/en<\/a><br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=APSJzzj7gRQ\">DW News (6 Mio. Abonnenten), 22.09.2025<\/a><br>\n<div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/APSJzzj7gRQ\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Erster Teil der &Uuml;bersetzung [von Beginn bis Minute 9:29]:<\/strong><\/p><p><strong>Matthew Moore, DW-Politikkorrespondent:<\/strong> Letzte Woche kam eine unabh&auml;ngige Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats zu dem Schluss, dass Israel V&ouml;lkermord an den Pal&auml;stinensern im Gazastreifen begangen hat. Israel bestreitet, dass sein Vorgehen in Gaza gegen die Vertr&auml;ge und Konventionen verst&ouml;&szlig;t, die das Kriegsrecht und das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht ausmachen. Es rechtfertigt seine Handlungen als Selbstverteidigung gegen die Hamas, eine Gruppe, die von der EU und anderen als Terrororganisation eingestuft wird. Der j&uuml;ngste Bericht hat die Aufmerksamkeit auf die Ma&szlig;nahmen Deutschlands, eines der engsten Verb&uuml;ndeten Israels, gelenkt. Die deutsche Regierung betont, dass sie Israel diplomatisch dazu auffordert, Zur&uuml;ckhaltung in Gaza zu &uuml;ben, und hat die Waffenexporte nach Israel eingeschr&auml;nkt. Einige Rechtsexperten warnen, dass Deutschland seine Verpflichtung zur Intervention verletzt, was dem V&ouml;lkerrecht nachhaltig schaden k&ouml;nnte. Ich habe dar&uuml;ber mit Janina Dill, Co-Direktorin des Oxford Institute for Ethics, Law and Armed Conflict, gesprochen. Zun&auml;chst habe ich sie gefragt, mit welchen rechtlichen Konsequenzen Deutschland aufgrund seiner Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel rechnen muss. <\/p><p><strong>Professorin Janina Dill:<\/strong> Deutschland sieht sich bereits mit rechtlichen Konsequenzen aufgrund seiner Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel konfrontiert. Vor deutschen Gerichten sind mehrere Verfahren wegen der insbesondere fortgesetzten Waffenausfuhren nach Israel anh&auml;ngig. Und vor dem Internationalen Gerichtshof ist ein Verfahren anh&auml;ngig, das von Nicaragua angestrengt wurde und in dem unter anderem behauptet wird, dass Deutschland es vers&auml;umt, V&ouml;lkermord zu verhindern, sich des V&ouml;lkermords mitschuldig macht und auch seinen Pflichten aus der Genfer Konvention nicht nachkommt. Deutschland sieht sich also bereits jetzt erheblichen rechtlichen Konsequenzen f&uuml;r seine Unterst&uuml;tzung Israels ausgesetzt.<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Inwiefern erh&ouml;ht der UN-Bericht den Druck auf Deutschland und andere Staaten, zu handeln? <\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten, wie Deutschland gegen die V&ouml;lkermordkonvention versto&szlig;en k&ouml;nnte. Die eine ist die Unterlassung, V&ouml;lkermord zu verhindern. Diese Pflicht zur Verhinderung von V&ouml;lkermord tritt in dem Moment in Kraft, in dem ein Staat vern&uuml;nftigerweise Kenntnis von einer ernsthaften Gefahr von V&ouml;lkermord erlangt. Und man kann argumentieren, dass diese Gefahr von V&ouml;lkermord schon seit vielen, vielen Monaten besteht. In gewisser Weise besteht also bereits eine erhebliche rechtliche Gefahr, dass Deutschland f&uuml;r die Nichtverhinderung verantwortlich gemacht werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Es gibt jedoch noch eine zweite M&ouml;glichkeit, wie Deutschland gegen die V&ouml;lkermordkonvention versto&szlig;en k&ouml;nnte, n&auml;mlich durch Beihilfe zum V&ouml;lkermord. Hier ist die Schwelle deutlich h&ouml;her. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass ein Staat nur dann der Beihilfe zum V&ouml;lkermord eines anderen Staates schuldig ist, wenn er sich der v&ouml;lkerm&ouml;rderischen Absicht des T&auml;ters bewusst ist oder davon Kenntnis hat. Wie Sie wissen, ist es sehr umstritten, ob eine v&ouml;lkerm&ouml;rderische Absicht vorliegt und ob diese Israel zugeschrieben werden kann. Und hier ist meiner Meinung nach der Bericht ein wichtiges Puzzleteil. Er bringt n&auml;mlich durchaus plausible Argumente daf&uuml;r vor, warum aus der Perspektive dieses Staates nun bekannt sein sollte, dass es in Gaza Personen gibt, die mit genozidaler Absicht handeln. Und der Bericht argumentiert, dass dies Israel zuzuschreiben ist. Er tr&auml;gt also zum Bewusstsein f&uuml;r genozidale Absichten bei Staaten wie Deutschland bei und erh&ouml;ht damit das Risiko, dass ein Staat, der Israel weiterhin materiell unterst&uuml;tzt, gegen die Pflicht verst&ouml;&szlig;t, sich nicht an V&ouml;lkermord mitschuldig zu machen. <\/p><p><strong>DW:<\/strong> Sie haben erw&auml;hnt, dass die Schwelle f&uuml;r den Nachweis der Mitt&auml;terschaft h&ouml;her ist. Aber wenn wir nun von der Idee ausgehen, dass die Staaten eine Pflicht zur Verhinderung haben, die sich aus der Schutzverantwortung ergibt, beschreiben Sie mir bitte genau, was diese Schutzverantwortungskonvention beinhaltet.<\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Kehren wir also zur V&ouml;lkermordkonvention zur&uuml;ck, ja? Die Schutzverantwortung ist in erster Linie ein politisches Konzept, aber es gibt eine ganz konkrete rechtliche Pflicht zur Verhinderung von V&ouml;lkermord, die tats&auml;chlich in einem internationalen Vertrag, der V&ouml;lkermordkonvention, festgeschrieben ist, die ja &bdquo;Pr&auml;vention&rdquo; im Titel tr&auml;gt. Das ist also eine konkrete rechtliche Pflicht, die alle Staaten haben. Und wir wissen, dass Staaten bei einer ernsthaften Gefahr von V&ouml;lkermord alle ihnen zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel einsetzen m&uuml;ssen, um den V&ouml;lkermord zu verhindern, indem sie versuchen, den potenziellen T&auml;ter dazu zu bewegen, seinen Kurs zu &auml;ndern. Das ist eine ganz konkrete, unbestrittene rechtliche Verpflichtung. Und in gewisser Weise hat der Internationale Gerichtshof bereits im Januar 2024 die Staaten der Welt darauf aufmerksam gemacht, dass in Gaza die Gefahr eines V&ouml;lkermords besteht, da er im Grunde genommen festgestellt hat, dass die Rechte der Pal&auml;stinenser gem&auml;&szlig; der V&ouml;lkermordkonvention durch das Verhalten Israels unmittelbar gef&auml;hrdet sind. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Staaten also bereits darauf hingewiesen, dass die Gefahr eines V&ouml;lkermords besteht. Das ist etwas ganz anderes als zu sagen, dass wir einen V&ouml;lkermord definitiv feststellen k&ouml;nnen, aber die Pr&auml;ventionspflicht muss nat&uuml;rlich greifen, bevor eine Tat vollendet ist, sonst n&uuml;tzt sie nicht viel.<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Okay, Professor, was wird dann von L&auml;ndern wie in diesem Fall Deutschland erwartet oder verlangt, um einen V&ouml;lkermord zu verhindern?<\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Jeder Staat, der Mitglied der V&ouml;lkermordkonvention ist, hat die Pflicht, seinen Einfluss geltend zu machen, um Israel zu einer Kurs&auml;nderung zu bewegen. Der Einfluss kann je nach den bilateralen Beziehungen eines Staates zu Israel sehr unterschiedlich aussehen. Auf jeden Fall w&uuml;rde dies bedeuten, keine Kriegswaffen oder R&uuml;stungsg&uuml;ter an Israel zu liefern. Ein Waffenembargo w&auml;re also der erste Schritt f&uuml;r Staaten, um Einfluss auf Israel auszu&uuml;ben. Handelssanktionen, Aussetzung, eine umfassendere Aussetzung der Handelsbeziehungen, diplomatische Proteste &ndash; all dies sind Mittel, die einem Staat zur Verf&uuml;gung stehen, um auf einen anderen Staat Einfluss zu nehmen. Im Allgemeinen m&uuml;ssen die Einflussmittel selbst legal sein, damit sie nicht gegen das V&ouml;lkerrecht versto&szlig;en. Aber abgesehen davon gibt es eine ganze Reihe von Optionen, die Staaten zur Verf&uuml;gung stehen. Insbesondere was Deutschland betrifft, so haben wir wirklich nicht gesehen, dass die deutsche Regierung ihre M&ouml;glichkeiten, Einfluss auf Israel zu nehmen, ausgesch&ouml;pft oder auch nur versucht hat, sie auszusch&ouml;pfen.<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Hier in Deutschland lautete die Reaktion auf den UN-Bericht, dass Deutschland abwarten werde, bis ein Gericht entschieden habe, ob Israel V&ouml;lkermord begeht oder nicht. Ist das eine berechtigte und verst&auml;ndliche Position? <\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Das ist ein unglaublicher logischer Fehler, denn die Pr&auml;ventionspflicht ist zu dem Zeitpunkt hinf&auml;llig, zu dem ein Gericht feststellt, dass V&ouml;lkermord stattgefunden hat. Wenn wir uns die bestehenden F&auml;lle von V&ouml;lkermord vor dem Internationalen Gerichtshof ansehen, gibt es zwei, die die Verhandlungsphase erreicht haben. Es dauerte &uuml;ber ein Jahrzehnt, bis das Gericht entschied, ob ein V&ouml;lkermord vorlag. Zu diesem Zeitpunkt ist es dann zu sp&auml;t. Zu sp&auml;t f&uuml;r die Pal&auml;stinenser, aber auch zu sp&auml;t, damit die internationale Rechtsordnung so funktioniert, wie sie sollte. Und es wird sicherlich zu sp&auml;t sein, damit Deutschland seine Rechtschaffenheit unter Beweis stellen kann. Es f&auml;llt mir sehr schwer zu verstehen oder zu glauben, dass jemand die rechtliche Pflicht zur Pr&auml;vention betrachtet und vorschl&auml;gt, wir k&ouml;nnten darauf warten, dass ein Gericht uns sagt, ob wir dieser Pflicht nachkommen sollen, obwohl logischerweise zu dem Zeitpunkt, zu dem das Gericht uns mitteilt, dass ein V&ouml;lkermord stattgefunden hat, die Pflicht zur Pr&auml;vention nicht mehr erf&uuml;llt werden kann. <\/p><p><strong>DW:<\/strong> Seit den Anschl&auml;gen vom 7. Oktober 2023 sprechen deutsche Politiker von dieser einzigartigen Beziehung, die Deutschland zu Israel hat, und von einer Art Verantwortung, die Deutschland f&uuml;r das Existenzrecht Israels hat. Und sie sagen, dass diese Beziehung es Deutschland erm&ouml;glicht, Druck auf Israel auszu&uuml;ben, wie es nur wenige andere L&auml;nder k&ouml;nnen, weil es ein Verb&uuml;ndeter ist, der seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel bekr&auml;ftigt hat. Gleichzeitig sagen sie aber auch, dass sie sich daf&uuml;r einsetzen, dass humanit&auml;re Hilfe geleistet wird und dass die israelische Regierung Zur&uuml;ckhaltung &uuml;bt. K&ouml;nnen sie das damit rechtfertigen, dass die Regierung in gewisser Weise im Rahmen ihres Rechts oder ihrer Verantwortung zur Verhinderung handelt? &Uuml;ben sie damit Druck aus? Reicht das im Wesentlichen aus?<\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Nun, es ist richtig, dass die Durchsetzung des V&ouml;lkerrechts oder die Forderung nach dessen Einhaltung mit Freunden und Verb&uuml;ndeten effektiver ist als mit Feinden. Es ist effektiver, aber auch politisch schwieriger. Und ich sehe einfach nicht, dass die deutsche Regierung ernsthaft versucht hat, Druck auf Israel auszu&uuml;ben, denn die Forderung nach der Lieferung humanit&auml;rer Hilfe hat sich als weitgehend wirkungslos erwiesen. Die Pal&auml;stinenser leiden immer noch. Es gibt immer noch nicht genug Hilfe. Und was Deutschland getan hat, ist, Israel diplomatisch vor UN-Ma&szlig;nahmen zu sch&uuml;tzen, die beispielsweise bei der Durchsetzung eines Waffenstillstands wirksam gewesen w&auml;ren, und Israel seit langem diplomatisch vor der Europ&auml;ischen Union zu sch&uuml;tzen. Ich spreche mit einer Stimme und verh&auml;nge strengere Sanktionen und strengere Handelssanktionen. Es gibt also ganz klare Wege, wie Deutschland Druck auf Israel h&auml;tte aus&uuml;ben k&ouml;nnen. Und ich stimme der Auffassung zu, dass Deutschland diese M&ouml;glichkeiten zum Teil deshalb hat, weil es enge diplomatische Beziehungen, ja sogar Freundschaft mit Israel unterh&auml;lt. Aber Deutschland hat sich entschieden, diese M&ouml;glichkeiten nicht zu nutzen, und sich in gewisser Weise hinter der Idee versteckt, einfach die Einhaltung des Rechts zu fordern, mehr humanit&auml;re Hilfe zu verlangen, aber nie klar zu sagen, dass A) Israel sich nicht an das Recht h&auml;lt und nicht genug Hilfe zul&auml;sst, und B) dann die Erwartung zu formulieren, dass es, wenn sich das nicht &auml;ndert, zu strengeren Sanktionen kommen wird, die Israel tats&auml;chlich schaden. So schafft man eine abschreckende Wirkung, nicht einfach indem man &ouml;ffentlich sagt: &bdquo;Nun, wir w&uuml;rden uns wirklich w&uuml;nschen, dass das Gesetz eingehalten wird und humanit&auml;re Hilfe geleistet wird.&ldquo; Man muss sagen, was passiert, wenn sich nichts &auml;ndert.<\/p><p>[&hellip;]<\/p><p><strong>Zweiter Teil der &Uuml;bersetzung [ab Minute 11:50]:<\/strong><\/p><p><strong>DW:<\/strong> Wie beeinflussen die deutsche Geschichte, der Zweite Weltkrieg und der Holocaust die Art und Weise, wie Deutschland im Jahr 2025 mit diesen Vorw&uuml;rfen gegen Israel umgeht? <\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Ich denke, wir m&uuml;ssen unterscheiden zwischen dem Einfluss der deutschen Geschichte auf die Haltung Deutschlands gegen&uuml;ber Israel und der Frage, wie Deutschland sich richtig verhalten sollte. Wir k&ouml;nnen ganz klar sehen, dass Deutschland irgendwie versucht, mit seiner Geschichte umzugehen, indem es Israel nicht zur Rechenschaft zieht, sich nicht klar &auml;u&szlig;ert und sogar seine eigenen v&ouml;lkerrechtlichen Pflichten vernachl&auml;ssigt, um Israel in gewisser Weise diplomatisch zu sch&uuml;tzen und zu verteidigen. Und das h&auml;ngt ganz offensichtlich mit dem Versuch zusammen, mit unserer eigenen Geschichte umzugehen. Das ist ein Fehler. Es ist moralisch ein Fehler und es ist rechtlich ein Fehler, oder? In gewisser Weise denke ich, dass aus unserer Geschichte eine umso st&auml;rkere Verpflichtung hervorgeht, sich f&uuml;r eine Opfergruppe einzusetzen. Und wie wir bereits gesagt haben, gibt es ein st&auml;rkeres Mittel, eine st&auml;rkere M&ouml;glichkeit, Einfluss auf Israel zu nehmen, das sich aus der engen Freundschaft und den diplomatischen Beziehungen Deutschlands zu Israel ergibt. Es ist also nichts weniger als tragisch zu sehen, dass wir aus unserer historischen Vergangenheit die gegenteilige Lehre gezogen haben, als wir eigentlich ziehen sollten. <\/p><p><strong>DW:<\/strong> Mit welchen m&ouml;glichen Konsequenzen m&uuml;sste dann ein Drittstaat, in diesem Fall Deutschland, rechnen, wenn festgestellt wird, dass er seiner Verantwortung zur Verhinderung eines V&ouml;lkermords nicht nachgekommen ist?<\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Wir sollten uns bewusst sein, dass es erhebliche dogmatische und rechtliche H&uuml;rden gibt, die sowohl nationale Gerichte als auch den Internationalen Gerichtshof daran hindern k&ouml;nnten, klare und eindeutige Urteile zu f&auml;llen, dass Deutschland f&uuml;r v&ouml;lkerrechtswidrige Handlungen oder die Nichterf&uuml;llung seiner Pflichten verantwortlich ist. Das bedeutet nicht, dass Deutschland derzeit seine Pflichten nicht erf&uuml;llt. Es ist sehr schwer, zu einer anderen Diagnose zu kommen. Wir m&uuml;ssen jedoch verstehen, dass internationale Rechtsstreitigkeiten in den internationalen Beziehungen nicht ganz so funktionieren wie im innerstaatlichen Kontext. Wir k&ouml;nnen uns also nicht wirklich auf ein Gerichtsverfahren verlassen, das uns schwarz auf wei&szlig; die Diagnose liefert, dass Deutschland seinen v&ouml;lkerrechtlichen Pflichten nicht nachgekommen ist. Selbst wenn wir dieses Ergebnis erzielen, m&uuml;ssen wir verstehen, dass der Internationale Gerichtshof zwar Dinge wie Reparationen verlangen kann, wir aber keine internationale Polizeitruppe haben, die eine solche Anordnung dann durchsetzen k&ouml;nnte. Aus dieser Sicht ist es also schwierig zu sagen, was f&uuml;r Deutschland konkret daraus folgen wird. Absolut klar ist, dass Deutschland bereits jetzt seine eigene Stellung im internationalen System untergr&auml;bt. Es hat jegliche moralische Autorit&auml;t und die F&auml;higkeit verloren, sich wirksam auf das V&ouml;lkerrecht zu berufen, um andere Staaten dazu zu bewegen, das zu tun, was Deutschland m&ouml;chte. Deutschland hat also erheblich zur Schw&auml;chung des V&ouml;lkerrechts beigetragen, die wir allgemein beobachten k&ouml;nnen, und seine eigene Stellung in der Welt durch eine Politik erheblich untergraben, die meiner Meinung nach letztlich nicht einmal Israel dient und die Pal&auml;stinenser v&ouml;llig im Stich l&auml;sst.<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Zum Schluss m&ouml;chte ich noch fragen, welchen Schaden diese Angelegenheit f&uuml;r das V&ouml;lkerrecht und die Vereinten Nationen haben k&ouml;nnte. Sie haben gerade angesprochen, dass Deutschland seinem eigenen Ruf geschadet hat. Dar&uuml;ber hinaus sehen wir aber auch, dass die Vereinigten Staaten die auf internationalen Regeln basierende Ordnung in Frage stellen und dass L&auml;nder wie Deutschland die Regeln nicht so anwenden, wie Sie es f&uuml;r richtig halten. K&ouml;nnte dies zu einer l&auml;ngerfristigen Aush&ouml;hlung des V&ouml;lkerrechts f&uuml;hren?<\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Ja, das V&ouml;lkerrecht, insbesondere die grundlegenden Regeln zum Verbot der Gewaltanwendung und zur Eind&auml;mmung von Gewalt, sind gebrochen. Sie ringen um Luft. Dies ist ein absoluter Krisenmoment. Wir befinden uns in einer Notlage, was das &Uuml;berleben der internationalen Rechtsordnung angeht, und es ist umso erstaunlicher und sch&auml;dlicher, dass Deutschland als f&uuml;hrendes europ&auml;isches Land nicht nur nicht in die L&uuml;cke springt, die die Vereinigten Staaten durch ihre ver&auml;nderte Haltung zum V&ouml;lkerrecht hinterlassen haben, sondern selbst zu dieser Krise des V&ouml;lkerrechts beitr&auml;gt. Wir werden das bereuen, und wir sollten den Kurs &auml;ndern, solange wir noch k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Professorin Janine Dill, vielen Dank f&uuml;r Ihre Zeit. <\/p><p><strong>Dill:<\/strong> Danke.<\/p><p><em><strong>Anmerkung d. Red.:<\/strong> Janina Dill ist Professorin f&uuml;r Globale Sicherheit an der Blavatnik School of Government der Universit&auml;t Oxford, wo sie die Dame Louise Richardson Professur innehat. Als international anerkannte Expertin f&uuml;r V&ouml;lkerrecht und die moralischen Grundlagen bewaffneter Konflikte ist sie zudem Co-Direktorin des Oxford Institute for Ethics, Law and Armed Conflict (ELAC) und Fellow am Trinity College, Oxford.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Screenshot <a href=\"https:\/\/youtu.be\/APSJzzj7gRQ\">DW News<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139113\">Fazit der UN-Untersuchungskommission zu Gaza: &bdquo;Israel begeht Genozid am pal&auml;stinensischen Volk&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139209\">Bundesregierung zu UN-Genozid-Bericht und rechtlichen Folgen: &bdquo;Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138851\">Gaza: Entmenschlichung als Voraussetzung f&uuml;r eine unmenschliche Politik<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138534\">Wo bleiben die Friedenstruppen f&uuml;r Gaza?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136607\">In Gaza verhungern die Menschen &ndash; wir, Deutschland, tragen eine gro&szlig;e, nicht wiedergutzumachende Schuld<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist immer wieder erstaunlich, welch informative Inhalte die aus dem Bundeshaushalt finanzierte &sbquo;Deutsche Welle&lsquo; in ihrem englischsprachigen Auslandsprogramm transportieren kann. Dort gibt es des &Ouml;fteren hervorragenden Journalismus, der Fachleuten Geh&ouml;r verschafft, die nicht den jeweiligen Regierungen nach dem Mund reden. In dem zitierten Gespr&auml;ch mit <strong>Janina Dill<\/strong> wird &uuml;ber Deutschlands mutma&szlig;liche Komplizenschaft an dem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139887\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":139888,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,171],"tags":[2296,302,1917,2392,1557,303,2374,1703,2377],"class_list":["post-139887","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-militaereinsaetzekriege","tag-deutsche-welle","tag-gaza","tag-genozid","tag-internationaler-gerichtshof","tag-israel","tag-palaestina","tag-staatsraeson","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/251001-DW-Janina-Dill-Titelbild.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139887","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=139887"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139887\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":140033,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139887\/revisions\/140033"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/139888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=139887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=139887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=139887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}