{"id":139951,"date":"2025-10-05T11:00:31","date_gmt":"2025-10-05T09:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139951"},"modified":"2025-10-03T05:02:42","modified_gmt":"2025-10-03T03:02:42","slug":"139951","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139951","title":{"rendered":"Blick aus dem Libanon: Der Plan von Trump und Netanjahu bedeutet ein zweites Kosovo f\u00fcr Gaza"},"content":{"rendered":"<p>Donald Trumps sogenannter Plan f&uuml;r Gaza ist keine Vereinbarung f&uuml;r den Frieden. Es handelt sich um einen unverbindlichen Rahmen, der vage und an Bedingungen gekn&uuml;pft ist und eher darauf abzielt, den Konflikt zu verwalten als ihn zu l&ouml;sen. Ohne Verpflichtungen, Zeitpl&auml;ne oder Garantien r&auml;umt er den Interessen Tel Avivs Vorrang ein, w&auml;hrend den Pal&auml;stinensern kaum mehr als unverbindliche Versprechungen f&uuml;r den Wiederaufbau und k&uuml;nftige Verhandlungen bleiben. Von <strong>Yahya Dbouk<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Vorschlag, der als diplomatischer Rahmen f&uuml;r Nachkriegsvereinbarungen pr&auml;sentiert wird, dient zwei Zielen der USA: das Image Washingtons im Ausland aufzupolieren und auf den wachsenden Druck zu reagieren, einen Krieg zu beenden, in dem die israelische Besatzung ihre erkl&auml;rten Ziele nicht erreicht hat.<\/p><p>Doch nichts in dem Plan verpflichtet Israel, einen pal&auml;stinensischen Staat anzuerkennen, sich aus dem Gazastreifen zur&uuml;ckzuziehen, die Siedlungen einzustellen oder sich zur Aufhebung der Blockade zu verpflichten. Die Umsetzung h&auml;ngt vollst&auml;ndig von US-amerikanischem Druck ab, der mit den politischen Ver&auml;nderungen in Washington und dem Nachlassen der Medienaufmerksamkeit wahrscheinlich schw&auml;cher werden wird.<\/p><p>Benjamin Netanjahu hat dem Plan unter unmittelbarem Druck der USA zugestimmt. Zuvor hatte er vor der UNO erkl&auml;rt, dass &bdquo;uns ein pal&auml;stinensischer Staat nicht aufgezwungen werden kann&ldquo;. Seine pl&ouml;tzliche Zustimmung zu einem vagen Schritt in Richtung &bdquo;pal&auml;stinensischer Selbstverwaltung&ldquo; und einem Quasi-Staat spiegelt einen taktischen R&uuml;ckzieher wider, um eine Konfrontation mit Trump zu vermeiden.<\/p><p>Dieser Schritt hat seine Koalition ersch&uuml;ttert und die Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen erh&ouml;ht,  die f&uuml;r die rechtsextremen Politiker Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich verheerend sein k&ouml;nnten. Ihre Ziele &ndash; die Ausrottung der Hamas, die Vertreibung der Bev&ouml;lkerung aus dem Gazastreifen und die Errichtung dauerhafter Siedlungen &ndash; gehen weit &uuml;ber das hinaus, was der Plan vorsieht. Netanjahu sieht sich nun wachsendem Druck sowohl aus Washington als auch aus seiner Koalition ausgesetzt, sodass der Zusammenbruch seiner Regierung nur noch eine Frage des Zeitpunkts ist.<\/p><p>Die pal&auml;stinensische Seite begegnet dem Plan mit tiefem Misstrauen. Die Hamas betrachtet ihn als verschleierte Kapitulation, bei der israelische Gefangene im Austausch gegen vage, nicht einforderbare Versprechen &uuml;ber einen R&uuml;ckzug, den Wiederaufbau und eine Lockerung der Blockade freigelassen werden sollen.<\/p><p>Die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde, einst als Vertreterin der Pal&auml;stinenser in internationalen Verhandlungen anerkannt, wird heute ins Abseits gedr&auml;ngt und gedem&uuml;tigt. Der Plan &uuml;bertr&auml;gt die Verwaltung von Gaza an ein internationales Gremium unter Leitung des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair, assistiert von nicht gew&auml;hlten pal&auml;stinensischen Technokraten ohne echte Legitimit&auml;t vor Ort.<\/p><p>Dem Vorschlag fehlt es an operativen Grundlagen. Er enth&auml;lt keinen Mechanismus, um den Wiederaufbau zu finanzieren, keine festen Zusagen f&uuml;r den Einsatz internationaler Streitkr&auml;fte, nicht einmal einen Mechanismus, um die Hamas zu entwaffnen oder die Bewegung daran zu hindern, sich wieder zu bewaffnen, keinen politischen Prozess, der Gaza mit dem Westjordanland verbindet und keinen umfassenden Fahrplan f&uuml;r eine dauerhafte L&ouml;sung.<\/p><p>In der Praxis wartet jede Seite darauf, dass die andere ablehnt, w&auml;hrend sie &ouml;ffentlich eine bedingte Zustimmung signalisiert, um die Schuld f&uuml;r das Scheitern abzuw&auml;lzen.<\/p><p>Die Hamas besteht auf Garantien f&uuml;r den Wiederaufbau und die Aufhebung der Blockade, riskiert jedoch, jeglichen Einfluss zu verlieren, wenn sie ihre Gefangenen freil&auml;sst. Von Israel ist zu erwarten, dass es unbegrenzte Sicherheitsgarantien, die Beseitigung der Hamas-F&uuml;hrer, ein Vetorecht gegen&uuml;ber den &Uuml;bergangsverwaltern und die Freiheit zu milit&auml;rischen Aktionen ohne Aufsicht fordert.<\/p><p>Die arabischen Staaten werden wahrscheinlich auf Distanz bleiben, sofern sie nicht von Washington unter Druck gesetzt werden. Selbst dann w&uuml;rden sie ihre Beteiligung an die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde kn&uuml;pfen, wie symbolisch auch immer. Ihre Rolle, wenn sie &uuml;berhaupt eine spielen, wird dem Diktat der USA untergeordnet bleiben.<\/p><p>Was dabei herauskommt, ist kein Fahrplan zum Frieden, sondern ein fragiler Rahmen f&uuml;r endlose Verhandlungen. Das Schlachtfeld verlagert sich von direkten milit&auml;rischen Konfrontationen zu dunklen politischen Man&ouml;vern, bei denen die israelische Besatzungsmacht am Verhandlungstisch das zu erreichen versucht, was sie mit Gewalt nicht erreichen konnte.<\/p><p>F&uuml;r die Pal&auml;stinenser ist die Gefahr existenziell: Selbst wenn ein Abkommen unterzeichnet wird, l&auml;uft Gaza Gefahr, ein zweites Kosovo zu werden &ndash; seine Sache begraben unter unbefristeter internationaler Treuhandschaft, Korruption und ausl&auml;ndischer Leitung, w&auml;hrend das pal&auml;stinensische Nationalprojekt zu einer hohlen &bdquo;neuen Entit&auml;t&rdquo; ohne Souver&auml;nit&auml;t reduziert wird.<\/p><p><em>Der Beitrag erschien im Original auf <a href=\"https:\/\/en.al-akhbar.com\/news\/trump-netanyahu-s-empty-plan--a-second-kosovo-for-gaza?utm_source=mango-searchx&amp;utm_medium=title_and_relatives&amp;utm_campaign=second%20kosovo\">Al-Akhbar<\/a>. &Uuml;bersetzung: Marta Andujo.<\/em><\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: <strong>Yahya Dbouk<\/strong> ist ein libanesischer Journalist, der f&uuml;r das Medium Al-Akhbar (Die Nachrichten) schreibt.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Joshua Sukoff \/Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donald Trumps sogenannter Plan f&uuml;r Gaza ist keine Vereinbarung f&uuml;r den Frieden. 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