{"id":140110,"date":"2025-10-06T09:00:49","date_gmt":"2025-10-06T07:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140110"},"modified":"2025-10-09T16:59:51","modified_gmt":"2025-10-09T14:59:51","slug":"wahlbeobachterin-in-moldawien-zugang-der-waehler-der-opposition-zu-den-wahllokalen-massiv-gestoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140110","title":{"rendered":"Wahlbeobachterin in Moldawien: Zugang der W\u00e4hler der Opposition zu den Wahllokalen \u201emassiv gest\u00f6rt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ruth Firmenich<\/strong> (BSW), Abgeordnete des Europaparlaments, war als Wahlbeobachterin der Parlamentswahlen in der Republik Moldawien vor Ort. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> berichtet sie von massiven Behinderungen der W&auml;hler aus Transnistrien, Russland und Belarus, ihre Stimmen abzugeben. W&auml;hrend die in der Wahl best&auml;tigte Regierungspartei sowie die Leitung der Wahlbeobachtungskommission die Wahl trotz russischer Manipulationsversuche als fair und demokratisch bezeichneten, vermisst die Europaabgeordnete Kritik an der einseitigen Einflussnahme des Westens. Ihre gr&ouml;&szlig;te Bef&uuml;rchtung ist, dass eine m&ouml;gliche zuk&uuml;nftige Diskussion um eine NATO-Mitgliedschaft Moldawiens die Bev&ouml;lkerung nicht nur weiter spalten, sondern das kleine Land angesichts der Entwicklung in der Ukraine in eine prek&auml;re Situation bringen k&ouml;nnte. Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte <strong>Karsten Montag<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6544\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-140110-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=140110-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251006_Wahlbeobachterin_in_Moldawien_Zugang_der_Waehler_der_Opposition_zu_den_Wahllokalen_massiv_gestoert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Karsten Montag: Frau Firmenich, Sie waren in Ihrer Funktion als EU-Abgeordnete als Wahlbeobachterin in der Republik Moldawien vor Ort. Wie ist das abgelaufen?<\/strong><\/p><p><strong>Ruth Firmenich:<\/strong> Ich war Teil einer Delegation von sieben Abgeordneten aus dem Europaparlament und war ab Donnerstag in der Hauptstadt Chi&#537;in&#259;u. Freitag und Samstag fanden ganzt&auml;gig Vorbereitungs- und Informationsveranstaltungen zusammen mit den Beobachtern der parlamentarischen Versammlung des Europarats und der OSZE statt. Am Sonntag, dem Wahltag, sind dann alle ausgeschw&auml;rmt in die verschiedenen Regionen. Die Europaabgeordneten bildeten drei Kleinteams, eins blieb in Chi&#537;in&#259;u, eines beobachtete die Wahl in der N&auml;he von Transnistrien, und ich war mit zwei weiteren Abgeordneten in Gagausien im s&uuml;dlichen Teil des Landes.<\/p><p><strong>Transnistrien ist ja der Teil Moldawiens, der sich schon kurz nach dem Ende der Sowjetunion von dem Rest des Landes abgespalten hat und von Russland unterst&uuml;tzt wird. Gab es Wahllokale in Transnistrien selbst?<\/strong><\/p><p>Nein, aber auf westlicher Seite des Flusses Dnister, der die Grenze zwischen Transnistrien und dem Rest des Landes darstellt. Allerdings ist die Anzahl der Wahllokale f&uuml;r die W&auml;hler aus Transnistrien im Vergleich zu den letzten Parlamentswahlen von 42 auf jetzt nur noch zw&ouml;lf erheblich reduziert worden. Und von diesen zw&ouml;lf sind dann in der letzten Woche vor der Wahl aufgrund von nebul&ouml;sen Sicherheitsbedenken noch f&uuml;nf umplatziert worden. Das hei&szlig;t, dass die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die W&auml;hler aus der Region Transnistrien von vornherein eingeschr&auml;nkt waren. <\/p><p>Und &auml;hnlich wie im letzten Jahr bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen wurde der Zugang zu den Wahllokalen letztendlich massiv gest&ouml;rt. Ich habe mir schildern lassen, wie die Br&uuml;cken von der Polizei kontrolliert wurden und W&auml;hler aus Transnistrien zur&uuml;ckgeschickt wurden, die nicht mit individuellen PKW angereist waren. Im Gegensatz zu fr&uuml;heren Wahlen sollen Busse und nicht einmal Taxis durchgelassen worden sein. Hinzu kam noch, dass &ndash; genauso wie im letzten Jahr bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen &ndash; aufgrund von Bombendrohungen die W&auml;hler kaum noch &uuml;ber die Br&uuml;cken gekommen sind. Das hei&szlig;t, man hat den Zugang zu den Wahllokalen f&uuml;r die W&auml;hler aus Transnistrien, die verd&auml;chtigt werden, st&auml;rker die Opposition zu unterst&uuml;tzen, von vornherein klar beschr&auml;nkt.<\/p><p><strong>Ich habe gelesen, dass auch f&uuml;r Auslandsmoldawier in Russland nur zwei Wahllokale in Moskau bereitstanden. Die in Russland lebenden Moldawier mussten also nach Moskau fahren, um zu w&auml;hlen. Ist das richtig?<\/strong><\/p><p>Ja. Sehr viele Moldawier haben in den letzten Jahren das Land verlassen. Ein Drittel der wahlberechtigten Moldawier lebt im Ausland. Das Wahlergebnis wird massiv beeinflusst durch die Auslandsstimmen, die am Ende der Ausz&auml;hlung auch den Ausschlag f&uuml;r die absolute Mehrheit der Regierungspartei PAS (&bdquo;Partei der Aktion und Solidarit&auml;t&ldquo;) gegeben haben. Es gab etwa 300 Wahllokale im Ausland, von denen sich fast alle im westlichen Ausland befanden, allein in Italien gab es mehr als 70, in Deutschland 36. Ich habe bei einer Podiumsdiskussion w&auml;hrend der Vorbereitungsveranstaltungen explizit nachgefragt, warum es in Russland, wo viele der Moldawier leben, nur zwei Wahllokale gibt. Daraufhin hat ein Vertreter der PAS unverhohlen vom Podium aus gesagt, es g&auml;be dort nur zwei, weil alles andere ja gef&auml;hrlich w&auml;re.<\/p><p><strong>Gef&auml;hrlich wof&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde ja sagen, das ist gef&auml;hrlich f&uuml;r die Demokratie. Man muss auch wissen, dass die maximale Anzahl an Wahlscheinen pro Wahllokal bei 5.000 liegt. Auch in Belarus gab es meines Wissens nur ein Wahllokal in Minsk. Der Rest war fast nur im westlichen Ausland. Es ist klar, dass das einen erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis hat. Das sieht man auch, wenn man sich die Wahlergebnisse anschaut. Die Regierungspartei von Maia Sandu hat in Moldawien selbst 44 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht. Bei den Auslandsstimmen waren es 78 Prozent. Wenn man also das Ergebnis beeinflussen will, muss man daf&uuml;r sorgen, dass dort, wo die Unterst&uuml;tzung gr&ouml;&szlig;er ist, die Abstimmungsm&ouml;glichkeiten erheblich einfacher wahrzunehmen sind. Genau das hat die Regierung gemacht.<\/p><p><strong>Mehrere Medien, zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/moldau-so-beeinflusst-eu-wahlen-und-erpresst-euroskeptische-laender-li.2359926\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0320\"><em>Multipolar<\/em><\/a>, haben davon berichtet, dass es in den Wochen vor der Wahl Hunderte Razzien und Verhaftungen bei der Opposition sowie den Ausschluss von Kandidaten gegeben habe. Haben Sie davon etwas mitbekommen, als Sie vor Ort waren?<\/strong><\/p><p>Die Razzien waren am Wochenende vor der Wahl, es sollen 250 Objekte durchsucht und etwa 100 Menschen verhaftet worden sein, was auf Deutschland umgerechnet einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von etwa 4.000 Verhaftungen entsprechen w&uuml;rde. Ich war da zwar noch nicht vor Ort, aber es wurde mir bei meinen Gespr&auml;chen best&auml;tigt und ich habe auch wiederholt nachgefragt. Mir wurde gesagt, dass Menschen mit dem Vorwurf finanzieller Unterst&uuml;tzung und Stimmenkauf aus Russland verhaftet worden seien. Au&szlig;erdem wurde berichtet, dass Menschen festgenommen wurden, weil sie an Trainingscamps teilgenommen h&auml;tten, um Proteste stattfinden zu lassen und einen Umsturz zu planen.<\/p><p><strong>Sind denn auch Kandidaten von der pro-europ&auml;ischen Regierungspartei ausgeschlossen worden oder nur pro-russische Kandidaten?<\/strong><\/p><p>Ich habe nicht geh&ouml;rt, dass es irgendwelche Beschr&auml;nkungen f&uuml;r die Regierungspartei gegeben habe, im Gegenteil, es gab massive Unterst&uuml;tzung, um den Machterhalt der pro-europ&auml;ischen Regierungspartei zu sichern. Vor der Wahl sind die westlichen Regierungschefs in Chi&#537;in&#259;u ein- und ausgegangen und haben die moldawische Pr&auml;sidentin hofiert. Und zwei Wochen vor der Wahl durfte Maia Sandu noch im Europaparlament eine flammende Rede halten, was sicherlich auf die Auslandsstimmen abgezielt war. Das sind eigentlich Dinge, die man normalerweise nicht machen d&uuml;rfte, wenn man sich neutral verh&auml;lt.<\/p><p><strong>Sie haben gesagt, dass Sie in Gagausien die Wahl beobachtet haben. Wie sind die Wahlen vor Ort verlaufen?<\/strong><\/p><p>Am Wahltag selbst ist in den Wahllokalen, wo wir waren, alles ruhig verlaufen. Es gab da keine gravierenden Probleme, auch in den anderen Regionen nicht. Das Problem lag im Vorfeld der Wahl und daran, dass es keine Wahlbeobachtung bei den Auslandsstimmen gab. Es wurde alles getan, um diejenigen W&auml;hler an der Stimmabgabe zu hindern, bei denen man eher eine Unterst&uuml;tzung der Opposition vermutete. Diese Einflussnahme war aber nie Thema. Es ging immer nur um den Vorwurf der Beeinflussung aus Russland. Das wurde uns auch bei den Vorbereitungstreffen vermittelt, die fast vollst&auml;ndig einseitig abliefen. Bei s&auml;mtlichen Briefingveranstaltungen war die ganze Zeit die Rede von den Desinformationskampagnen und dem Stimmenkauf, der von Russland aus stattgefunden habe.<\/p><p><strong>Was w&auml;re passiert, wenn die Regierungspartei nicht die 50 Prozent erreicht h&auml;tte? H&auml;tten die &uuml;brigen Parteien eine Koalition gegen die bestehende Regierung bilden k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Es war angesichts der geschilderten Beeintr&auml;chtigungen im Vorfeld der Wahl unwahrscheinlich, dass eine Oppositionspartei die st&auml;rkste Kraft im Land wird. Es ging bei der Wahl vor allen Dingen darum, ob die pro-europ&auml;ische Regierungspartei die absolute Mehrheit beh&auml;lt oder ob die PAS gezwungen sein k&ouml;nnte, eine Koalition einzugehen, um weiter regieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die EU-Beitrittsbestrebungen sind ja sogar in der Verfassung Moldawiens festgelegt. Der pro-europ&auml;ische Kurs w&auml;re also h&ouml;chstens mit Einschr&auml;nkungen fortgef&uuml;hrt worden, oder?<\/strong><\/p><p>Mir wurde von manchen Vertretern der Opposition und unabh&auml;ngigen Kandidaten gesagt, dass sie urspr&uuml;nglich einer europ&auml;ischen Perspektive durchaus offen gegen&uuml;ber waren. Doch seit dem Krieg in der Ukraine hat eine Verh&auml;rtung von Seiten der EU stattgefunden: &bdquo;Wenn ihr mit uns seid, dann m&uuml;sst ihr alles mit Russland beenden&ldquo;. Es gibt keinen Weg f&uuml;r eine mittlere Position mehr. Und das ist das grunds&auml;tzliche Problem, das das Land gespalten hat.<\/p><p><strong>Diese Abspaltung ist ja auch physisch durch die Abspaltung Transnistriens ersichtlich. Da sind gro&szlig;e Parallelen zur Ukraine erkennbar. Sehen Sie die Gefahr, dass in Moldawien eine &auml;hnliche Entwicklung wie in der Ukraine stattfinden k&ouml;nnte?<\/strong><\/p><p>Es ist ein sehr gewagtes Spiel, wenn man versucht, auf Teufel komm raus die EU-Perspektive als einzige Perspektive gelten zu lassen. Das hat das Land sehr stark gespalten. Die Frage ist, wie man es wieder zusammenf&uuml;hren will. Wenn man alle Oppositionellen oder alle, die diesen absoluten EU-Kurs kritisch sehen, als Agenten Russlands diffamiert, dann ist das f&uuml;r den Zusammenhalt eines Landes wie Moldawien verheerend. Wir Wahlbeobachter hatten vor der Wahl eine kleine Audienz bei Maia Sandu, und da habe ich ihr genau diese Frage gestellt. Wenn sie nach der Wahl weiter regiert, was ist dann die Perspektive, wie die Spaltung im Land &uuml;berbr&uuml;ckt werden kann?<\/p><p><strong>Und was hat sie geantwortet?<\/strong><\/p><p>Sie m&uuml;sse erst einmal gew&auml;hlt werden. Und dann sei das eben eine Herausforderung. Mehr kann man offensichtlich in so einem Treffen nicht erwarten.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie als Wahlbeobachterin im abschlie&szlig;enden Urteil sagen, dass die Wahlen demokratisch abgelaufen sind? Und was sind Ihre Kritikpunkte?<\/strong><\/p><p>Wenn man ernsthaft Wahlbeobachtung machen will, dann kann man nicht aus einer Wahl wie dieser in Moldawien herausgehen und von einem Sieg der Demokratie reden. Man kann die Beurteilung einer Wahl nicht nur davon abh&auml;ngig machen, ob am Wahltag in den Wahllokalen die Urnen versiegelt waren. Das ist wichtig, &uuml;berhaupt keine Frage. Doch man muss auch beurteilen, inwieweit die Wahlberechtigten &uuml;berhaupt Zugang zu den Wahllokalen hatten. Das geh&ouml;rt auch zu einer fairen und freien Wahl. Mein Kritikpunkt ist, dass man auch mithilfe der Wahlbeobachtung diesen Wahlen die Weihen einer tats&auml;chlich demokratischen Wahl verleihen wollte und die Wahrnehmung der vielen Kritikpunkte beschr&auml;nken wollte &ndash; beispielsweise, dass viele W&auml;hler &uuml;berhaupt nicht in der Lage waren, an der Wahl teilzunehmen.<\/p><p><strong>Wie war das Abschlussstatement der Wahlbeobachtungskommission?<\/strong><\/p><p>Es wurde pr&auml;sentiert, dass alles letztendlich sehr erfolgreich verlaufen sei und die wichtigsten Vorgaben alle eingehalten worden seien. Es wurde auch dabei immer betont, dass es trotz der von Russland ausgehenden Gefahr, die Wahl zu st&ouml;ren und zu beeinflussen, gelungen sei, eine faire und demokratische Wahl abzuhalten. Nach dieser Vorstellung gab es von den anwesenden Journalisten keine einzige Nachfrage. Ich fand das befremdend. Doch dies spiegelte das wider, was bereits in den Vorbereitungstreffen zu sehen war. Es waren ja viele Leute vor Ort, nicht nur die sieben Abgeordneten aus dem Europaparlament, auch gro&szlig;e Delegationen von OSZE und Europarat, auch Langzeitbeobachter. Aber de facto ist die Kritik darauf reduziert worden, dass es am Wahltag nur einige wenige Beschwerden gab. <\/p><p>Ich erwarte aber von einer Wahlbeobachtung, dass man, bei aller Ber&uuml;cksichtigung der geopolitischen Lage, in der Lage ist, Kritik zu &uuml;ben, wo sie hingeh&ouml;rt. Nat&uuml;rlich kann man sagen, dass sich das Land in einer schwierigen Situation befindet. Und ganz klar ist auch, dass Russland versucht hat, Einfluss zu nehmen. Das hat aber sicherlich die EU ebenfalls getan &ndash; vielleicht anders, aber man kann nicht so tun, als h&auml;tte sie es nicht getan. Und man muss thematisieren, in welcher Weise die Organisation der Wahl die Regierungspartei bevorzugt und die Rechte der Opposition beschr&auml;nkt hat.<\/p><p><strong>Wie wird es in Moldawien aus Ihrer Sicht weitergehen?<\/strong><\/p><p>Die grunds&auml;tzliche Situation im Land wird sich sicherlich nicht dadurch verbessern, dass man die Spaltung weiter vorantreibt und die H&auml;lfte des Landes diffamiert. Moldawien ist ja nur aus dem Grund so interessant f&uuml;r die EU, weil es in der gegenw&auml;rtigen geopolitischen Situation eine wichtige Rolle spielt. Ich habe die gro&szlig;e Sorge, dass im n&auml;chsten Schritt die derzeit noch verankerte Neutralit&auml;t Moldawiens zugunsten einer NATO-Perspektive geopfert werden soll. <\/p><p>In einer Veranstaltung im Rahmen der Vorbereitung wurde eine Umfrage pr&auml;sentiert, die zeigte, dass das Thema Geopolitik f&uuml;r 100 Prozent der Befragten gro&szlig;e Wichtigkeit hatte. Die geografische Lage ist f&uuml;r das arme Moldawien Chance und Fluch zugleich. Doch sollte es wirklich dazu kommen, dass es zuk&uuml;nftig um eine NATO-Mitgliedschaft Moldawiens oder eine De-facto-Mitgliedschaft des Landes geht, dann haben wir eine h&ouml;chst gef&auml;hrliche Situation, die nichts Gutes erahnen l&auml;sst, wenn man sich die Entwicklung in der Ukraine ansieht.<\/p><p><small>Titelbild: Gagarin Iurii\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/2a23cec6ee22400d89f2a084c87b00d0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Ruth Firmenich<\/strong> (BSW), Abgeordnete des Europaparlaments, war als Wahlbeobachterin der Parlamentswahlen in der Republik Moldawien vor Ort. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> berichtet sie von massiven Behinderungen der W&auml;hler aus Transnistrien, Russland und Belarus, ihre Stimmen abzugeben. 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