{"id":14017,"date":"2012-07-30T17:08:59","date_gmt":"2012-07-30T15:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14017"},"modified":"2015-03-09T16:39:11","modified_gmt":"2015-03-09T15:39:11","slug":"statistisches-bundesamt-als-bundesbeschonigungsamt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14017","title":{"rendered":"Statistisches Bundesamt als Bundesbesch\u00f6nigungsamt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/07\/PD12_263_132.html;jsessionid=8D295414ADDDD7DBBCD28E1FBBD15E25.cae2\">&bdquo;Zahl der unbefristet in Vollzeit Besch&auml;ftigten steigt deutlich&ldquo;<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/07\/PD12_261_622.html\">&bdquo;Tarifverdienste von April 2011 bis April 2012 um 2,2 % gestiegen&ldquo;<\/a>, so lauteten die &Uuml;berschriften von zwei Meldungen des Statistischen Bundesamtes. Besonders die Erh&ouml;hung der Zahl der Erwerbst&auml;tigen ging heute durch alle Nachrichtensendungen. Man kann sicher sein, dass die Bundesregierung diese Zahlen einmal mehr <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Presse\/tagesnachrichten,did=497604.html\">als Erfolg f&uuml;r ihre Wirtschaftspolitik buchen wird<\/a>. Betrachtet man die Statistiken etwas genauer, so sind die Schlagzeilen &ndash; zur&uuml;ckhaltend ausgedr&uuml;ckt &ndash; Beispiele f&uuml;r die Besch&ouml;nigung durch Statistik. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Zahl der unbefristet in Vollzeit Besch&auml;ftigten steigt deutlich&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Zahl der Besch&auml;ftigten in einem Normalarbeitsverh&auml;ltnis stieg von 2010 auf 2011 um rund 610 000 Personen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis von Ergebnissen des Mikrozensus mitteilt. Die Zahl der Erwerbst&auml;tigen insgesamt erh&ouml;hte sich in diesem Zeitraum um knapp 790 000. Die Normalarbeitsverh&auml;ltnisse haben somit wesentlich zum Besch&auml;ftigungswachstum beigetragen&hellip;<br>\nBis 2005 war die Zahl der Personen in Normalarbeitsverh&auml;ltnissen stetig gesunken. Seit dem Jahr 2006 ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen, der 2011 besonders deutlich ausfiel&ldquo;, hei&szlig;t es in der Meldung.<\/p><p>Man kann sich f&uuml;r jeden Einzelnen freuen, der in ein unbefristetes Arbeitsverh&auml;ltnis gefunden hat und ich will das gewiss nicht schlechtreden. Aber zur ganzen Wahrheit geh&ouml;rt eben auch, dass die Zahl der atypisch Besch&auml;ftigten &ndash; wenn auch prozentual nur halb so viel wie die Normalarbeitsverh&auml;ltnisse &ndash; gleichfalls um 80.000 zugenommen hat. Nur durch den Anstieg der &bdquo;Normalbesch&auml;ftigten&ldquo; auf knapp zwei Drittel (66,2 %) ging der Anteil der atypisch Besch&auml;ftigten leicht von 22,4 % auf 22,1 % zur&uuml;ck. <\/p><p><strong>In absoluten Zahlen haben die atypisch Besch&auml;ftigten mit 7.918 Millionen einen neuen H&ouml;chststand erreicht.<\/strong> 2001 lag diese Zahl noch bei 5,986 Millionen, knapp 2 Millionen Menschen mehr sind also in der zur&uuml;ckliegenden Dekade in atypischer Besch&auml;ftigung gelandet. <\/p><p>Dieser historische H&ouml;chststand w&auml;re mindestens genauso schlagzeilentr&auml;chtig, wie die relative Zunahme der Normalarbeitsverh&auml;ltnisse, deren Zahl &ndash; wie das Statistische Bundesamt einr&auml;umt &ndash; mit 23,674 Millionen immer noch niedriger lag als vor zehn Jahren (23,740 Millionen) und deutlich unter den 26,83 Millionen im Jahre 1991.  <\/p><p>Noch deutlicher zeigt sich die Besch&ouml;nigung in der &Uuml;berschrift des Bundesamtes f&uuml;r Statistik aber in der Berechnungsmethode f&uuml;r ein Normalarbeitsverh&auml;ltnis. Als Vollzeitbesch&auml;ftigte &bdquo;gelten hier&ldquo; einfach alle Erwerbst&auml;tigen mit einer w&ouml;chentlichen Arbeitszeit ab 21 Stunden. Das ist etwas mehr als die H&auml;lfte der <a href=\"http:\/\/www.iab.de\/de\/informationsservice\/presse\/presseinformationen\/az11.aspx\">durchschnittlichen w&ouml;chentlichen Arbeitszeit von 38,07 Stunden (2011)<\/a>. Es d&uuml;rften also eine Vielzahl von Arbeitnehmern zu &bdquo;Vollzeit Besch&auml;ftigten&ldquo; gez&auml;hlt werden, die in Teilzeit arbeiten. (Zur Definition der &bdquo;Teilzeitarbeit&ldquo; siehe die <a href=\"http:\/\/www.arbeitsagentur.de\/nn_18824\/Dienststellen\/RD-SAT\/Erfurt\/AA\/Buergerinnen-und-Buerger\/Buergerinnen-und-Buerger\/Chancengleichheit\/Teilzeitarbeit-und-Arbeitszeitflexibilisierung.html\">Bundesagentur f&uuml;r Arbeit<\/a>) <\/p><p>Das Bundesamt f&uuml;r Statistik spricht bei seiner Erfolgsmeldung von &bdquo;Normalarbeitsverh&auml;ltnissen&ldquo;. Zu den Kernformen der atypischen Besch&auml;ftigung z&auml;hlen jedoch neben der geringf&uuml;gigen und der befristeten Besch&auml;ftigung sowie der <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2006_05_Keller.pdf\">Leiharbeit aber auch die Teilzeitarbeit [PDF &ndash; 100 KB]<\/a>. <\/p><p>Von einer Zunahme der Besch&auml;ftigung d&uuml;rfte man ohnehin wohl kaum sprechen k&ouml;nnen, denn das Arbeitsvolumen aller Erwerbst&auml;tigen hat in den letzten zehn Jahren eher abgenommen. Lag das Arbeitsvolumen im Jahr 2000 noch bei fast 58 Milliarden Stunden, so ist es seither eher r&uuml;ckl&auml;ufig und lag 2010 (letzte mir zug&auml;ngliche Statistik) bei etwas <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/WirtschaftStatistik\/Arbeitsmarkt\/StatistischeMessung122011.pdf?__blob=publicationFile\">&uuml;ber 57 Milliarden Stunden [PDF &ndash; 285 KB]<\/a>. <\/p><p>Bei der &bdquo;Erfolgsmeldung&ldquo; des Statistischen Bundesamtes handelt es sich im &Uuml;brigen nur um eine Momentaufnahme, denn die Nachfrage nach Mitarbeitern geht angesichts eingetr&uuml;bter Konjunkturerwartungen zur&uuml;ck. Laut einer am gleichen Tag ver&ouml;ffentlichten Mitteilung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, gab es im Juli so wenig offene Stellen wie <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur\/nachrichten\/arbeitsagentur-nachfrage-nach-mitarbeitern-geht-weiter-zurueck-\/6938270.html\">seit einem Jahr nicht mehr<\/a>. <\/p><p><strong>&bdquo;Tarifverdienste von April 2011 bis April 2012 um 2,2 % gestiegen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Genauso besch&ouml;nigend wie die Meldung &uuml;ber den Anstieg der Vollzeitbesch&auml;ftigten ist die Statistik &uuml;ber den Anstieg der Tarifverdienste im April. <\/p><p>Wollte man ein realistisches Bild zeichnen, wie viel die Arbeitnehmer tats&auml;chlich mehr in der Tasche haben, so m&uuml;sste man gleichzeitig darauf hinweisen, dass die Verbraucherpreise von <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/05\/PD12_160_611.html\">April 2011 bis April 2012 um 2,1 % gestiegen sind<\/a>, so dass sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer gerade einmal um 0,1 %  erh&ouml;ht hat.<\/p><p>Die Angaben zu den Tarifverdiensten vermitteln ohnehin ein gesch&ouml;ntes Bild der Lohnentwicklung, denn nur etwas &uuml;ber die H&auml;lfte aller Arbeitnehmerinnen (52 %, im Osten Deutschlands gar nur 37 %) bezogen 2010 einen <a href=\"http:\/\/boeckler.de\/pdf\/p_ta_tariftaschenbuch_2012.pdf\">Lohn nach einem Branchentarifvertrag [PDF &ndash; 1 MB]<\/a>.<br>\nDie L&ouml;hne in Betrieben ohne Tarifbindung liegen in der Regel niedriger, teilweise sogar erheblich niedriger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/07\/PD12_263_132.html;jsessionid=8D295414ADDDD7DBBCD28E1FBBD15E25.cae2\">&bdquo;Zahl der unbefristet in Vollzeit Besch&auml;ftigten steigt deutlich&ldquo;<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/07\/PD12_261_622.html\">&bdquo;Tarifverdienste von April 2011 bis April 2012 um 2,2 % gestiegen&ldquo;<\/a>, so lauteten die &Uuml;berschriften von zwei Meldungen des Statistischen Bundesamtes. 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Man kann sicher sein, dass die Bundesregierung diese Zahlen einmal mehr <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14017\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,11],"tags":[343,1156,288,405],"class_list":["post-14017","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-luegen-mit-zahlen","tag-leiharbeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14017"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25350,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14017\/revisions\/25350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}