{"id":140337,"date":"2025-10-10T09:00:31","date_gmt":"2025-10-10T07:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140337"},"modified":"2025-10-13T07:04:16","modified_gmt":"2025-10-13T05:04:16","slug":"maerchen-mit-merz-von-einem-der-auszog-die-menschen-fuer-dumm-zu-verkaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140337","title":{"rendered":"M\u00e4rchen mit Merz: Von einem, der auszog, die Menschen f\u00fcr dumm zu verkaufen"},"content":{"rendered":"<p>Der Sozialstaat ist zu teuer, behauptet der Bundeskanzler, und beklagt &bdquo;&uuml;berbordende&ldquo; Kosten. Alles Quatsch! Die Zahlen geben das nicht her. In der Gesamtsicht sind die Ausgaben konstant, in einzelnen Bereichen sogar r&uuml;ckl&auml;ufig. H&ouml;chste Zeit, dass die Demagogen Kontra kriegen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_415\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-140337-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=140337-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251010_Maerchen_mit_Merz_Von_einem_der_auszog_die_Menschen_fuer_dumm_zu_verkaufen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/play\/shows\/die-anstalt-104\/die-anstalt-vom-7-oktober-2025-100\">&bdquo;Die Anstalt&ldquo;<\/a> im <em>ZDF<\/em> vom 7. Oktober spielt Claus von Wagner ein CDU-Neumitglied, das die Partei von innen umkrempeln will. Zielrichtung: mehr Klimaschutz, mehr soziale Gerechtigkeit. Im Wortgefecht mit Friedrich Merz (Max Uthoff) haut er dem Bundeskanzler ein paar grafisch unterlegte Zahlen um die Ohren, zum Beispiel &bdquo;100 Milliarden Euro&ldquo;, die dem deutschen Staat allj&auml;hrlich durch Steuerhinterziehung entgehen. Prompt will Merz mit &bdquo;gigantischem B&uuml;rgergeldbetrug&ldquo; dagegenhalten. Aber auf dem Bildschirm regt sich kaum etwas, der &bdquo;Schaden&ldquo; ist mit 100 Millionen Euro praktisch unsichtbar. Der CDU-Chef guckt dumm aus der W&auml;sche und mosert: &bdquo;Der Balken ist kaputt.&ldquo; Man k&ouml;nnte auch sagen: sein Sinn f&uuml;r die Wahrheit.<\/p><p>Im echten Leben l&auml;sst sich Merz f&uuml;r gew&ouml;hnlich nicht vorf&uuml;hren. Da markiert er den Bescheidwisser und verkauft die Menschen f&uuml;r dumm. Aber so oft er sein Mantra von &bdquo;&uuml;berbordenden Sozialausgaben&ldquo; und einem System, &bdquo;das wir uns nicht mehr leisten k&ouml;nnen&ldquo;, beschw&ouml;rt &ndash; richtig wird es dadurch nicht. Doof nur, dass die Kampagne trotzdem wirkt, solange sie unwidersprochen bleibt und die &uuml;blichen &bdquo;Verst&auml;rker&ldquo; ihren Senf dazugeben. So wie Anfang Oktober das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Nach dessen Berechnungen haben sich die Sozialausgaben <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/bjoern-kauder-tobias-hentze-sozialausgaben-in-den-letzten-drei-jahrzehnten-verdoppelt.html\">&bdquo;in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt&ldquo;<\/a>. Entfielen demnach 1992 auf jeden B&uuml;rger inflationsbereinigt noch &bdquo;1.464 Euro f&uuml;r Soziales&ldquo;, seien es im Vorjahr &bdquo;2.665 Euro&ldquo; gewesen.<\/p><p><strong>Forschen im luftleeren Raum<\/strong><\/p><p>Das mag zwar stimmen, l&auml;sst jedoch zwei wichtige Dinge au&szlig;er Acht. Erstens bedeuten zum Beispiel h&ouml;here Beitr&auml;ge in die Sozialversicherung auch bessere Leistungen, etwa bessere Pflege im Alter. Das hei&szlig;t, von dem Mehr an Geld haben die B&uuml;rger auch mehr. W&auml;hrend das IW so tut, als ginge es nur um Belastungen, sind die Zusatzkosten auch f&uuml;r etwas gut. Wobei dies mit Blick auf viele sogenannte Sozialreformen (Hartz IV, Rente, Kliniken) immer &ouml;fter nicht der Fall ist, weil deren Ziel nicht die Verbesserung der allgemeinen Lebensverh&auml;ltnisse, sondern nur die weitere Bereicherung einiger Weniger durch Umverteilung von unten nach oben ist. Insofern f&ouml;rdert das IW in der Tat einen Skandal zutage, n&auml;mlich den, dass die Mehrheitsbev&ouml;lkerung immer weniger von ihren Sozialausgaben profitiert. Das ist aber nicht das Thema der sogenannten Forscher, sondern nur: der Sozialstaat ist &bdquo;unbezahlbar&ldquo;.<\/p><p>Was sie dabei zweitens und vor allem unterschlagen, ist die unerl&auml;ssliche Einordnung in den gesamtwirtschaftlichen Kontext. Denn nat&uuml;rlich hat auch das Bruttosozialprodukt (BIP) in den zur&uuml;ckliegenden drei Dekaden kr&auml;ftig zugelegt, preisbereinigt in der Gesamtsicht <a href=\"https:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Finanzierung\/Datensammlung\/PDF-Dateien\/abbII40.pdf\">um rund 45 Prozent<\/a>, pro Kopf um 38 Prozent. Das ist zwar keine &bdquo;Verdopplung&ldquo;, so wenig wie bei den IW-Zahlen zu den Sozialausgaben, die tats&auml;chlich nur eine Erh&ouml;hung um 82 Prozent zeigen. Von deren &bdquo;Dramatik&ldquo; bleibt jedenfalls nicht mehr viel &uuml;brig angesichts des insgesamt wie auch individuell gestiegenen Wohlstands. Und der schl&auml;gt sich eben auch, zumindest in Teilen, in besseren Versorgungsstrukturen nieder, die mehr Geld kosten.<\/p><p><strong>Drei Jahre Rezession<\/strong><\/p><p>Es gibt allerhand mehr Belege, dass die Rede vom &bdquo;ausufernden Sozialstaat&ldquo; eine grobe T&auml;uschung ist. Zwecks Aufkl&auml;rung hat am Mittwoch das Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung eine <a href=\"https:\/\/www.imk-boeckler.de\/fpdf\/HBS-009246\/p_imk_kommentar_16_2025.pdf\">Studie<\/a> vorgelegt. Demnach sind die Sozialausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung weitgehend &bdquo;unver&auml;ndert beziehungsweise niedriger als vor 15 oder vor 20 Jahren&ldquo;. Die Autoren Sebastian Dullien und Katja Rietzler bringen es auf den Punkt: Die Kosten seien &bdquo;nicht auff&auml;llig gro&szlig;, nicht auff&auml;llig gestiegen und Probleme gibt es allenfalls in einzelnen engen Bereichen&ldquo;.<\/p><p>Ausgewertet wurden Daten des Bundesarbeitsministeriums aus dem Jahr 2024. Diese weisen f&uuml;rs Vorjahr zwar einen geringen Anstieg der Sozialstaatsquote gegen&uuml;ber 2023 aus, von 30 Prozent auf 31 Prozent. Der Wert liege aber &bdquo;noch immer sp&uuml;rbar unter den St&auml;nden von 2020 und 2021&ldquo; mit 33,6 Prozent und 32,5 Prozent. In der R&uuml;ckschau legten die Ausgaben preisbereinigt von 2009 bis 2019 &bdquo;ziemlich genau&ldquo; mit dem BIP-Trend zu, und h&auml;tte der sich fortgesetzt, w&auml;ren sie inzwischen in Relation sogar r&uuml;ckl&auml;ufig, wie die Forscher konstatieren. Dass es anders kam, hat mit einer seit Beginn des Ukraine-Kriegs abrupt abgew&uuml;rgten Konjunktur und einer inzwischen drei Jahre anhaltenden Rezession zu tun. Unter diesen Bedingungen erscheint selbst ein konstantes Sozialbudget relativ zum BIP als expansiv. <\/p><p><strong>Desastr&ouml;se Energiepolitik<\/strong><\/p><p>Darauf kochen der Bundeskanzler und Seinesgleichen ihr S&uuml;ppchen, von wegen: das Soziale nimmt &uuml;berhand. Dabei ist es seine Politik und die der Vorg&auml;ngerregierung, die die Misere im Wesentlichen herbeigef&uuml;hrt haben. Vor allem die &uuml;berst&uuml;rzte Abkehr von g&uuml;nstiger russischer Energie hat die deutsche Industrie in eine existenzielle Krise gest&uuml;rzt. T&auml;glich schlittern mehr Unternehmen in die Pleite, Zehntausende Jobs gingen bereits verloren, viele weitere werden folgen und die Erwerbslosigkeit wird lange Zeit unbekannte H&ouml;hen erreichen.<\/p><p>Das hat wahrhaftig Potenzial f&uuml;r einen sich verteuernden Sozialstaat, weil die Zahl der Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld I betr&auml;chtlich anziehen wird. Dagegen sind die Sch&auml;den durch kriminelle B&uuml;rgergeld-Abzocker oder &bdquo;Totalverweigerer&ldquo; zu vernachl&auml;ssigen. Das Institut f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat nachgez&auml;hlt, wie vielen Menschen zwischen April 2024 und Juni 2025 die Leistungen komplett gestrichen wurden. Die Zahl bewegt sich in einem <a href=\"https:\/\/iab-forum.de\/100-prozent-sanktionen-gegen-erwerbsfaehige-leistungsberechtigte-die-nachhaltig-arbeit-verweigern-werden-nur-sehr-selten-verhaengt\/\">&bdquo;niedrigen zweistelligen Bereich&ldquo;<\/a>. Das w&auml;ren h&ouml;chstens 50 und im Verh&auml;ltnis zu den Hunderten Milliarden Euro, die die Bundesregierung in Deutschlands Hochr&uuml;stung stecken will, ein eher nichtiges &Uuml;bel. Wer jedoch in so irrsinnigen Dimensionen Geld verpulvert, muss es irgendwo anders reinholen oder wenigstens so tun als ob. Daf&uuml;r braucht es S&uuml;ndenb&ouml;cke, auch um von der eigenen Verantwortung f&uuml;r die wirtschaftliche Misere abzulenken.<\/p><p><strong>Analyse statt Alarmismus<\/strong><\/p><p>Zu verbaler Abr&uuml;stung r&auml;t hingegen IMK-Direktor Dullien: &bdquo;Wir brauchen mehr realistische Analyse, weniger Alarmismus&ldquo;, befand er in einer <a href=\"https:\/\/www.imk-boeckler.de\/de\/pressemitteilungen-15992-sozialstaat-ausgaben-fur-rente-und-arbeitslose-niedriger-als-frueher-71955.htm\">Medienmitteilung<\/a>. Die Debatte kranke an einem Fokus auf &bdquo;Schein- oder sekund&auml;re Probleme&ldquo;. Das IMK hatte schon im Februar nachgewiesen, dass Deutschland bei den staatlichen Ausgaben f&uuml;rs Soziale mit <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/data\/Impuls_2024_04_S6-7.pdf\">26,7 Prozent am BIP<\/a> im internationalen Vergleich keinesfalls heraussticht und damit in Europa hinter Frankreich, Italien, &Ouml;sterreich, Belgien, Finnland und Spanien rangiert.<\/p><p>Noch viel weiter hinten liegt die BRD beim Ausgabenwachstum. Zwischen 2002 und 2022 betrug dieses lediglich 26 Prozent. Nur Griechenland mit 17 Prozent und die Niederlande mit neun Prozent waren knausriger. Vorne stehen Neuseeland (136 Prozent), Island (131 Prozent) und Irland (130 Prozent). Selbst die f&uuml;r ihre soziale K&auml;lte ber&uuml;chtigten USA steigerten die Ausgaben um 83 Prozent, und das sogar in einem k&uuml;rzeren Zeitraum von 2002 bis 2019. Auch mit Blick auf die Bundesausgaben f&uuml;r Soziales (ohne die Beitr&auml;ge der Versicherten) bewegt sich alles im Bereich des Normalen. Laut Statistischem Bundesamt entsprachen die Aufwendungen 2024 einem Anteil von <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/konjunktur\/ausgaben-sozialstaat-bip-100.html\">5,53 Prozent am BIP<\/a>, im Vergleich zu 5,64 Prozent im Jahr 2015.<\/p><p><strong>Zwei Nullrunden beim B&uuml;rgergeld<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Aufsehen hatte zuletzt die Zunahme der Kosten f&uuml;rs B&uuml;rgergeld gesorgt. Die beliefen sich 2024 auf 47 Milliarden Euro statt davor 43 Milliarden Euro. Grund daf&uuml;r waren vor allem die inflationsbedingte Erh&ouml;hung der Regels&auml;tze nach der allgemeinen Preisexplosion im Gefolge des Ukraine-Krieges. Ohne diesen Zuschlag &uuml;ber das &uuml;bliche Ma&szlig; hinaus h&auml;tte das Land eine gewaltige Welle an Armut und Elend erfasst. Dennoch hielt die Anpassung nicht mit der realen Teuerung mit, womit die Betroffenen seither noch schlechter dastehen als davor. &bdquo;Zum Dank&ldquo; gibt es f&uuml;r sie im laufenden und n&auml;chsten Jahr zwei Nullrunden. Damit bluten letztlich auch sie f&uuml;r die &ouml;konomisch verheerende Russland-Politik.<\/p><p>In der Gesamtschau taugt aber auch der kurzzeitige Kostenschub beim B&uuml;rgergeld nicht zum Aufreger. W&auml;hrend die Hartz-IV-Leistungen 2010 noch 1,8 Prozent des BIP ausmachten, lag der Anteil zuletzt bei <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/faktencheck\/hintergrund\/2025\/09\/30\/das-buergergeld-die-hartnaeckigsten-behauptungen-im-faktencheck\/\">1,4 Prozent<\/a>. Bezogen auf den Bundeshaushalt lagen die Kosten daf&uuml;r im Jahr 2017 bei anteilig <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/34959\/ausgaben-des-bundes-fuer-das-buergergeld\/\">8,5 Prozent<\/a>. Dasselbe Ergebnis wird f&uuml;r 2025 erwartet.<\/p><p><strong>Mittelm&auml;&szlig;ige Gesundheit<\/strong><\/p><p>Aufschlussreich ist eine detaillierte Betrachtung, wie sie das IMK vorgenommen hat. So sind in der Rentenversicherung die Ausgaben samt Bundeszusch&uuml;ssen relativ zum BIP in den zur&uuml;ckliegenden 20 Jahren gesunken, von 10,4 auf 9,4 Prozent. Faktisch wurde mithilfe der Propaganda von der &bdquo;demographischen Katastrophe&ldquo; das Leistungsniveau in der Breite abgesenkt, w&auml;hrend die Neoliberalen das System unentwegt als &bdquo;Fass ohne Boden&ldquo; verteufeln. Zur&uuml;ckgegangen sind ebenso die Kosten der Erwerbslosenversicherung, von 2,3 auf 0,9 Prozent des BIP, wobei sich dies auch mit Verschiebungen durch die Hartz-Reformen erkl&auml;rt. Nimmt man alle Ausgaben zusammen, ist das Niveau &bdquo;seit 2004 unver&auml;ndert geblieben&ldquo;, stellten die Forscher fest. B&uuml;rgergeld, Eingliederungshilfen und Sozialhilfe kosteten 2024 mit 2,7 Prozent im BIP-Vergleich sogar weniger als im Jahr 2010 mit 2,8 Prozent.<\/p><p>Gestiegene Kosten zeigen sich hingegen bei der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Pflegeversicherung. Allerdings geht dies laut IMK auf &bdquo;sehr sinnvolle politische Entscheidungen&ldquo; zur&uuml;ck, etwa den Ausbau der Kinderbetreuung oder pr&auml;ventionsorientierte Leistungen bei Demenzerkrankungen. Hier also heiligt der Zweck die Mittel &ndash; mehr Geld bringt auch zus&auml;tzlichen Nutzen. F&uuml;r das Gesundheitswesen gilt dies bestenfalls mit Abstrichen, was die Wissenschaftler als &bdquo;problematisch&ldquo; erachten. 2004 h&auml;tten die gesetzlichen Krankenkassen noch sechs Prozent des BIP ausgegeben, 2024 dann schon 7,5 Prozent, und dies &bdquo;bei mittelm&auml;&szlig;iger Gesundheit der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. Ein Faktor seien dabei die Ausgaben f&uuml;r Medikamente, die pro Kopf anderthalbmal so hoch ausfallen wie im europ&auml;ischen Mittel.<\/p><p><strong>L&uuml;gen f&uuml;r BlackRock<\/strong><\/p><p>Das deutsche Gesundheitssystem ist bekanntlich hochgradig kommerzialisiert. Gro&szlig;e Teile der Ausgaben wandern als Profit in die Kassen von Krankenhaus- und Pharmakonzernen. Hier lie&szlig;en sich tats&auml;chlich besten Gewissens zum Vorteil von Versicherten und Patienten gewaltige Summen einsparen. Daran denkt der Kanzler aber gerade nicht, geschweige denn an &bdquo;Totalsanktion&ldquo; f&uuml;r die Chefs von Bayer, Merck oder BlackRock. Der weltweit f&uuml;hrende Verm&ouml;gensverwalter h&auml;lt <a href=\"https:\/\/www.boerse-express.com\/news\/articles\/fresenius-aktie-blackrock-reduziert-anteil-805871\">Anteile an der Klinikkette Fresenius<\/a> und war einmal Merz&lsquo; Br&ouml;tchengeber. Daf&uuml;r erz&auml;hlt er die M&auml;r vom aufgebl&auml;hten Sozialstaat nur zu gern. Dumm nur, wenn keiner mehr darauf reinf&auml;llt.<\/p><p><small>Titelbild: Ryan Nash Photography \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/a85ee86792774a3c82124645b7a7184c\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sozialstaat ist zu teuer, behauptet der Bundeskanzler, und beklagt &bdquo;&uuml;berbordende&ldquo; Kosten. Alles Quatsch! Die Zahlen geben das nicht her. In der Gesamtsicht sind die Ausgaben konstant, in einzelnen Bereichen sogar r&uuml;ckl&auml;ufig. H&ouml;chste Zeit, dass die Demagogen Kontra kriegen. 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