{"id":140684,"date":"2025-10-16T15:56:54","date_gmt":"2025-10-16T13:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140684"},"modified":"2025-10-16T17:24:57","modified_gmt":"2025-10-16T15:24:57","slug":"jenseits-der-schlagzeilen-die-truemmer-von-gaza-und-ein-neokoloniales-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140684","title":{"rendered":"Jenseits der Schlagzeilen &#8211; Die Tr\u00fcmmer von Gaza und ein neokoloniales Projekt"},"content":{"rendered":"<p>Sie &bdquo;blicken nach vorn&ldquo;, sie sprechen vom &bdquo;Wiederaufbau von Gaza&ldquo; &ndash; aber ohne die Pal&auml;stinenser einzubeziehen. Die scheinbaren &bdquo;Siegerm&auml;chte&ldquo; hinter Trump und Netanyahu haben, wenn sie &bdquo;nach vorn&ldquo; blicken, nicht nur die unerschlossenen Gasfelder vor den K&uuml;sten von Syrien, Libanon und Gaza im Blick. Das angebliche Engagement f&uuml;r die Menschen in Gaza zielt auch auf die Kontrolle und Pl&uuml;nderung der gesamten Region. Von <strong>Karin Leukefeld.<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nSeit dem 15. Oktober findet die Jahrestagung des Internationalen W&auml;hrungsfonds und der Weltbank in Washington statt. Deutschland ist durch Finanzminister Lars Klingbeil und Reem Alabali Radovan, Ministerin f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), vertreten. <\/p><p>Alabali Radovan werde als &bdquo;deutsche Gouverneurin der Weltbank&ldquo; an der Sitzung des Entwicklungsausschusses teilnehmen, &bdquo;dem zentralen Gremium der Tagung&ldquo;, hie&szlig; es in einer Terminvorschau des BMZ f&uuml;r die 42. Kalenderwoche. Die &bdquo;inhaltlichen Schwerpunkte&ldquo; seien &bdquo;die Themen Jobs und Privatsektormobilisierung&ldquo;. Sie werde sich mit afrikanischen Partnern treffen, auch &uuml;ber die Unterst&uuml;tzung der Ukraine solle gesprochen werde. Schlie&szlig;lich gehe es um &bdquo;die Perspektiven f&uuml;r Nahost und die Rolle der Weltbank mit Blick auf Gaza&ldquo;.<\/p><p><strong>Perspektiven f&uuml;r Nahost<\/strong><\/p><p>Der Nahe Osten, genauer gesagt Israel, ist ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. In einer Erkl&auml;rung vom 9. Oktober begr&uuml;&szlig;te die Entwicklungshilfeministerin den &bdquo;vereinbarten Waffenstillstand&ldquo; als &bdquo;sehr gute Nachricht&ldquo;. Die israelischen Gefangenen aus dem Gazastreifen &bdquo;sollen endlich freigelassen werden&ldquo;, sie freue sich f&uuml;r deren Familien. Uneingeschr&auml;nkt k&ouml;nne man jetzt die notleidende Zivilbev&ouml;lkerung versorgen, &bdquo;das Hungern in Gaza wird endlich ein Ende haben&ldquo;, so die Ministerin.<\/p><p>F&uuml;r den Wiederaufbau Gazas stehe Deutschland bereit, die Bundesregierung arbeite &bdquo;Hand in Hand mit Au&szlig;enminister (Johann) Wadephul&ldquo;. Die Ministerin selbst habe bereits zahlreiche Gespr&auml;che in &Auml;gypten, in den pal&auml;stinensischen Gebieten, Jordanien und Saudi-Arabien gef&uuml;hrt. Viele &bdquo;weitere Gespr&auml;che zur Steuerung und Finanzierung des Wiederaufbaus stehen an &ndash; auch bei der Weltbank-Jahrestagung in Washington&ldquo;.<\/p><p>Deutschland bietet Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Versorgung mit Wasser und Energie, Anlagen f&uuml;r die Lebensmittelherstellung, medizinische Versorgung und vor&uuml;bergehend Unterk&uuml;nfte an. &bdquo;Dabei m&uuml;ssen wir immer die Zweistaatenl&ouml;sung als Ziel im Blick behalten&ldquo;, so Alabali Radovan. <\/p><p>Die &bdquo;Zweistaatenl&ouml;sung&ldquo; lehnt die israelische Netanyahu-Regierung explizit ab. Die israelische Knesset verabschiedete mehrheitlich Mitte Juli eine Resolution, in der ebenfalls <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/nahost-krieg-un-generalsekretaer-guterres-nennt-ablehnung-einer-zweistaatenloesung-inakzeptabel\/\">die &bdquo;Zweistaatenl&ouml;sung&ldquo; abgelehnt wird<\/a>. Wenige Tage sp&auml;ter wurde von der Knesset in einer nicht bindenden Resolution auch die Annexion des von Israel besetzten Westjordanlandes gefordert.<\/p><p>In dem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139847\">20-Punkte-Plan von USA und Israel<\/a> ist die Rede von einem &bdquo;Friedensrat&ldquo;, einer Schutztruppe und einer Art &bdquo;Pal&auml;stina-Verwaltung&ldquo; nach britischem Mandatsvorbild. Erst in Punkt 19 hei&szlig;t es im Konjunktiv, wenn alle zuvor beschriebenen Ma&szlig;nahmen funktionierten, k&ouml;nnten die Voraussetzungen f&uuml;r pal&auml;stinensische Selbstbestimmung und ein Staatenwesen erreicht sein, wie es sich das pal&auml;stinensische Volk erhoffe. <\/p><p>Bis dahin ist der &ndash; von Tony Blair vorgelegte &ndash; Plan, die 1919 installierte britische Mandatsverwaltung f&uuml;r Pal&auml;stina wieder auferstehen zu lassen. Unter dem Namen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140182\">&bdquo;Gaza International Transitional Administration Authority (GITA)&ldquo; <\/a> soll ein Gremium aus bis zu zehn Staaten entstehen, das mit einer Resolution des UN-Sicherheitsrates ausgestattet f&uuml;r zun&auml;chst drei Jahre die Kontrolle &uuml;bernehmen soll. <\/p><p>Der Blair-Plan basiert auf dem als &bdquo;Friedensplan&ldquo; von Donald Trump bezeichneten 20-Punkte-Plan und einem von Benjamin Netanyahu erstellten Nachkriegsplan, den er im Februar 2024 seiner Regierung vorgelegt hatte. F&uuml;r Gaza ist darin kein Staat vorgesehen, sondern eher eine Art &bdquo;Reservat&ldquo;, das von lokalen ausgew&auml;hlten Beamten verwaltet werden soll. Prominent sollen arabische Staaten in das Gremium eingebunden werden, um zu bezahlen und um deren Politik <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/presenting-post-war-plan-to-cabinet-pm-aims-for-local-officials-to-govern-gaza\/\">den Interessen des Westens und Israels anzupassen<\/a>.<\/p><p><strong>Deutschland bereit, &bdquo;mit anzupacken&ldquo;<\/strong><\/p><p>Entwicklungshilfeministerin Alabali Radovan geht auf die israelische Weigerung, einen pal&auml;stinensischen Staat anzuerkennen, nicht ein. Vielmehr sei nun die Zeit, &bdquo;Weichen zu stellen f&uuml;r den Wiederaufbau nach den Zerst&ouml;rungen des Krieges, um den schwierigen Prozess f&uuml;r Frieden und Zusammenarbeit im Nahen Osten zu unterst&uuml;tzen&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Erkl&auml;rung am 13. Oktober. Deutschland stehe bereit, &bdquo;mit anzupacken&ldquo;. Die &bdquo;notleidenden Menschen in Gaza&ldquo; werde man &bdquo;mit schneller Hilfe unterst&uuml;tzen&ldquo;, &Uuml;bergangsunterk&uuml;nfte st&uuml;nden in Ramallah bereit, &bdquo;die schnell nach Gaza gebracht werden k&ouml;nnen, sobald wir von den verantwortlichen Beh&ouml;rden Gr&uuml;nes Licht bekommen&rdquo;. Deutschland arbeite mit &bdquo;Partnern in Nahost, Europa und Amerika mit Hochdruck an den Vorbereitungen f&uuml;r die Konferenz f&uuml;r den Wiederaufbau, die in &Auml;gypten stattfinden&ldquo; werde.<\/p><p>Mit &bdquo;verantwortlichen Beh&ouml;rden&ldquo; meint die Ministerin <a href=\"https:\/\/www.gov.il\/en\/departments\/coordination-of-government-activities-in-the-territories\/govil-landing-page\">die israelische Milit&auml;rbeh&ouml;rde COGAT<\/a>, die der Netanyahu-Regierung untersteht. <\/p><p>Seit dem Waffenstillstand (10.10.2025) hat die israelische Regierung lediglich zwei <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/features\/2022\/6\/15\/the-seven-border-crossings-of-gaza\">der sieben Grenz&uuml;berg&auml;nge in den Gazastreifen<\/a> &ndash; die &uuml;brigens jeweils einen arabischen und einen hebr&auml;ischen Namen tragen &ndash; f&uuml;r den Transport von Hilfsg&uuml;tern ge&ouml;ffnet. <\/p><p>Journalisten d&uuml;rfen noch immer nicht in das Gebiet, es sei denn, sie fahren &bdquo;eingebettet&ldquo; mit der israelischen Armee. Die schikan&ouml;se, einem milit&auml;rischen Protokoll folgende Inspektion der Hilfspakete auf den Lastwagen durch Israel gibt es noch immer. Hilfsorganisationen verweisen auch darauf, dass Israel keine Lastwagen in den Norden des Gazastreifens fahren l&auml;sst und lediglich zwei Grenz&uuml;berg&auml;nge im S&uuml;den ge&ouml;ffnet hat. Ein Grenz&uuml;bergang ist Kerem Shalom, so die hebr&auml;ische Bezeichnung oder Karem Abu Salam, wie es in Arabisch hei&szlig;t. Der zweite Grenz&uuml;bergang ist Al Auda (Arabisch)\/Sufa (Hebr&auml;isch). Die Lastwagen mit den Hilfsg&uuml;tern m&uuml;ssen eine m&uuml;hsame Route vom S&uuml;den in den Norden durchfahren, durch Tr&uuml;mmerw&uuml;sten und &uuml;ber zerst&ouml;rte Stra&szlig;en. Oft werden sie von hilfsbed&uuml;rftigen Menschenmassen so sehr umringt, dass sie nicht weiterfahren k&ouml;nnen und die Ladung &ndash; unkontrolliert &ndash; von den Menschen abger&auml;umt wird.<\/p><p>Der Sprecher der UN-Organisation f&uuml;r Kinder (UNICEF), James Elder, sagte Journalisten, was Israel tun m&uuml;sse, sei &bdquo;ganz einfach&ldquo;. Es m&uuml;sse &bdquo;f&uuml;nf oder sechs Grenz&uuml;berg&auml;nge &ouml;ffnen&ldquo;, sodass t&auml;glich bis zu 1.000 Lastwagen auf verschiedenen Routen in das Pal&auml;stinensergebiet fahren k&ouml;nnten. Das UN-Hilfswerk f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge (UNRWA) fordert, alle Grenz&uuml;berg&auml;nge zu &ouml;ffnen. Nur so k&ouml;nne eine stetige Lieferung von humanit&auml;rer Hilfe zu den 2,1 Millionen Menschen im K&uuml;stengebiet gelangen.<\/p><p>Korrespondenten der spanischen Tageszeitung <em>El Pais<\/em> berichteten am vergangenen Montag, dass noch immer lange Schlangen von Lastwagen mit Hilfsg&uuml;tern in &Auml;gypten vor dem von Israel zerst&ouml;rten und besetzten Grenz&uuml;bergang Rafah auf Durchfahrt warteten. 400 Lastwagen mit Hilfsg&uuml;tern des &auml;gyptischen Roten Halbmonds h&auml;tten am Freitag den K&uuml;stenstreifen erreicht, 50 weitere Lastwagen mit Benzin konnten ebenfalls am Freitag die Grenze passieren. Auch Fahrzeuge des Weltern&auml;hrungsprogramms (WFP) und anderer humanit&auml;rer Organisationen h&auml;tten Hilfsg&uuml;ter in den Gazastreifen bringen k&ouml;nnen. <\/p><p>Nach dem Abkommen sollen in der ersten Phase t&auml;glich (!) 600 Lastwagen mit Hilfsg&uuml;tern und 50 Lastwagen mit Benzin nach Gaza fahren k&ouml;nnen. Danach soll die t&auml;gliche Lastwagenzahl erh&ouml;ht werden. Doch humanit&auml;re Helfer <a href=\"https:\/\/english.elpais.com\/international\/2025-10-13\/humanitarian-aid-enters-gaza-but-un-warns-it-is-still-insufficient-what-israel-needs-to-do-is-very-simple.html\">sind sich sicher, dass die Hilfsg&uuml;ter nicht reichen werden<\/a>. Die erkl&auml;rte Hungersnot im Norden von Gaza und 2,1 Millionen Menschen, die in gro&szlig;er Armut leben, ben&ouml;tigen mehr als Milchpulver, Wasser, Reis und Linsen.<\/p><p><strong>Wadephul: Daf&uuml;r sorgen, dass Ordnung hineinkommt<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung, die nach eigenen Angaben einen intensiven Gespr&auml;chskontakt zur Netanyahu-Regierung hat, k&ouml;nnte auf die israelische Regierung einwirken, um die dringend ben&ouml;tigte schnelle Hilfe zu beschleunigen. Allerdings stehen f&uuml;r das politische Berlin, f&uuml;r Entwicklungsministerin Alabali Radovan und Au&szlig;enminister Johann Wadephul die Absprachen auf Konferenzen f&uuml;r den Wiederaufbau im Vordergrund. <\/p><p>Eine solche Konferenz solle mit &Auml;gypten organisiert werden, so Wadephul <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/video\/video-1515092.html\">im ARD-Fernsehen<\/a>, man werde Geberl&auml;nder einladen und &bdquo;einfach ganz praktisch&ldquo; dar&uuml;ber reden, wie man das Land wieder aufbauen k&ouml;nne. &bdquo;Wie kann man H&auml;user errichten, am Anfang nat&uuml;rlich Krankenhausinfrastruktur, Wasserleitungen, alles das, was man braucht, Elektrizit&auml;t, um dort leben zu k&ouml;nnen.&ldquo; &bdquo;Geberl&auml;nder&ldquo; sind Staaten, die Finanzierung der geplanten Wiederaufbauma&szlig;nahmen zusagen sollen. Aber dann m&uuml;sse &bdquo;der politische Prozess beginnen&ldquo;, so der deutsche Au&szlig;enminister weiter. &bdquo;Wir m&uuml;ssen daf&uuml;r sorgen, dass Ordnung hineinkommt, dass verwaltet wird und dass Sicherheit hergestellt wird.&ldquo;<\/p><p>Wadephul fordert dar&uuml;ber hinaus eine UN-Sicherheitsratsresolution, in der es um die Schaffung eines rechtssicheren Raums f&uuml;r eine Schutztruppe f&uuml;r Gaza gehen m&uuml;sse. China und Russland m&uuml;ssten zustimmen. Die Hamas m&uuml;sse entwaffnet werden und d&uuml;rfe keinen politischen Einfluss mehr haben, so Wadephul. Die Pal&auml;stinenser m&uuml;ssten <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wadephul-palaestinenser-muessen-sich-von-hamas-lossagen-104.html\">sich von der Organisation lossagen<\/a>. Das kommt den Vorstellungen von Netanyahu, Trump und Blair geradezu wortgleich entgegen. <\/p><p><strong>Erfolgreiche Wirtschaft weltweit<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Bundesregierung scheint die Entwicklung um den Gazastreifen eine gro&szlig;artige Gelegenheit zu sein, ihren <a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/starke-partnerschaften-269800\">&bdquo;Aktionsplan f&uuml;r Wirtschaft und Entwicklung&ldquo;<\/a> umzusetzen, der vom BMZ am 7. Oktober 2025 im Rahmen der Veranstaltung &bdquo;Starke Partnerschaften f&uuml;r eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit&ldquo; vorgestellt wurde.<\/p><p>Dort hatte Ministerin Alabali Radovan erkl&auml;rt, ihr Ministerium wolle &bdquo;die deutsche Wirtschaft enger&ldquo; in die entwicklungspolitische Arbeit einbinden. Gemeinsam sollten nachhaltiges Wachstum und faire Partnerschaften weltweit gef&ouml;rdert werden. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, &bdquo;um (&uuml;ber) die wirtschaftlichen Chancen und Herausforderungen von Partnerschaften mit L&auml;ndern des Globalen S&uuml;dens zu diskutieren&ldquo;. Deutschlands St&auml;rke beruhe auf Handel und Export, die Wirtschaftsbeziehungen sollten &bdquo;breiter aufgestellt&ldquo; werden. &bdquo;Deutschland braucht starke Partner weltweit &ndash; und der Globale S&uuml;den braucht faire Chancen&ldquo;, so die Ministerin. Tats&auml;chlich kann Deutschland Erfahrungen und Kenntnis vorweisen, wie Kriege, Krisen und Fluchtbewegungen als &bdquo;Chance&ldquo; gewendet werden k&ouml;nnen. Motto ist die &bdquo;humanit&auml;re Hilfe&ldquo; und die &bdquo;Wahrung von Menschenrechten verletzlicher (vulnerabler) Bev&ouml;lkerungsgruppen&ldquo;. Man spricht auch vom Einsatz von &bdquo;Soft Power&ldquo;.<\/p><p>Dieses &bdquo;humanit&auml;re&ldquo; Engagement entspricht in keiner Weise dem au&szlig;enpolitischen Verhalten bundesdeutscher Regierungen, die gegen&uuml;ber eben jenen L&auml;ndern, in denen Krisen und Kriege Menschen vertreiben, den n&ouml;tigen Dialog blockiert und Konflikte versch&auml;rft, Sanktionen verh&auml;ngt oder regierungsfeindliche Bewegungen unterst&uuml;tzt. J&uuml;ngstes Beispiel ist der Krieg in Syrien f&uuml;r den Sturz der Regierung von Bashar al Assad, wo heute ein langj&auml;hriger Al-Qaida-Anf&uuml;hrer von der &bdquo;freien Welt&ldquo; zum Interimspr&auml;sidenten gek&uuml;rt wurde. <\/p><p>Mit der Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW) versorgt Deutschland in der T&uuml;rkei, Syrien, Irak, Jordanien und Libanon Menschen, die vor dem Syrien-Krieg und der Gewalt des &bdquo;Islamischen Staates im Irak und in der Levante&ldquo; fliehen mussten. Finanziert werden staatliche und private Hilfsorganisationen in Fl&uuml;chtlingslagern im t&uuml;rkisch-syrischen Grenzgebiet Idlib, Aleppo und auf t&uuml;rkischem Territorium <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/syrien-node\/humanitaere-hilfe-syrien-2601800\">bis heute<\/a>. <\/p><p>Deutschland <a href=\"https:\/\/www.kfw-entwicklungsbank.de\/SDG-portal\/SDG-11\/Reconstruction-Mosul\/\">unterst&uuml;tzt<\/a> den Wiederaufbau der nordirakischen Stadt Mossul. <\/p><p>In der jordanischen W&uuml;ste wurde (2012) <a href=\"https:\/\/www.kfw.de\/stories\/dossier-zaatari.html\">das Fl&uuml;chtlingslager Zaatari f&uuml;r syrische Fl&uuml;chtlinge errichtet<\/a> und mit Solarenergie und einer Wasseraufbereitungsanlage ausgestattet. Bis heute leben Syrer in dem Lager, das zu einer Kleinstadt geworden ist.<\/p><p>Die Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit GIZ <a href=\"https:\/\/www.giz.de\/en\/regions\/asia\/jordan\">ist in Jordanien<\/a> im Bereich der M&uuml;llentsorgung, Wasserwirtschaft, Bildung und Ausbildung aktiv.<\/p><p>F&uuml;r die pal&auml;stinensischen Gebiete (Ostjerusalem, Westjordanland, Gaza) stellte die Bundesregierung seit dem 7. Oktober 2023 mehr als 375 Millionen Euro zur Verf&uuml;gung. Nach dem Waffenstillstand, der am 10. Oktober 2025 begann, k&uuml;ndigte die Bundesregierung zus&auml;tzliche 29 Millionen Euro f&uuml;r die Gaza-Hilfe an.<\/p><p>Beim Wiederaufbau in Gaza sind nicht die Pal&auml;stinenser die &bdquo;starken Partner&ldquo;, sondern es sind die arabischen Golfstaaten, allen voran Katar, die finanziell erheblich zum Wiederaufbau beitragen sollen. Bundeskanzler Merz traf im &auml;gyptischen Scharm al-Sheikh mit dem Emir von Katar zusammen, Einzelheiten des Treffens wurden nicht bekannt. Gegen&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/statement-aegypten-2388816\">der Presse erkl&auml;rte Merz<\/a>, Deutschland werde &bdquo;seinen Beitrag leisten, und wir sehen vor allem die humanit&auml;re Verpflichtung, dass wir in den n&auml;chsten Tagen und Wochen alles tun, damit die Menschen, die dort immer noch leben, ausreichend mit medizinischer Versorgung ausgestattet werden und dass sie vor allen Dingen ein Dach &uuml;ber dem Kopf bekommen, dass sie Wasser bekommen, dass sie medizinische Hilfe bekommen, wo immer das m&ouml;glich ist&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Die Bundesrepublik Deutschland und die Bundesregierung stehen an der Seite Israels&ldquo;, so Merz weiter. &bdquo;Das war immer so, und das wird auch immer so bleiben. Gerade deshalb bieten wir auch an, dabei mitzuhelfen, in der Region jetzt alle Voraussetzungen zu schaffen, damit es eine dauerhafte Friedensl&ouml;sung geben kann.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Kosten des Krieges<\/strong><\/p><p>Kein Wort verlor Bundeskanzler Merz &uuml;ber die Mitverantwortung f&uuml;r den Krieg, der Gaza weitgehend dem Erdboden gleichmachte. Seit dem 7. Oktober 2023 lieferte Deutschland Waffen und R&uuml;stungsg&uuml;ter im Wert von knapp 500 Millionen Euro. Die Nachrichtenagentur <em>dpa<\/em> berichtete unter Berufung auf die Antwort des Au&szlig;enministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, dass seit dem 7. Oktober 2023 bis zum 13. Mai 2025 konkret &bdquo;Waffenexporte an Israel im Wert von 485,1 Millionen Euro&ldquo; genehmigt wurden. Es ist davon auszugehen, dass die R&uuml;stungsg&uuml;ter in allen sieben Kriegen Israels zum Einsatz kamen: Gaza, Westjordanland, Libanon, Jemen, Syrien, Irak und Iran. Nach Angaben der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/kurzmeldungen-1082536\">Parlamentsnachrichten des Deutschen Bundestages<\/a> umfassten die Lieferungen &bdquo;unter anderem Feuerwaffen, Munition, Waffenteile, spezielle Ausr&uuml;stung f&uuml;r Heer und Marine, elektronische Ausr&uuml;stung sowie Spezialpanzer&ldquo;.<\/p><p>Bundeskanzler Merz hatte in Scharm al-Scheikh offenbar auch vergessen, dass er dem israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanyahu vor laufender Kamera &ndash; im Juni 2025, w&auml;hrend des israelischen Angriffs auf Iran &ndash; daf&uuml;r dankte, dass dieser <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/g7-gipfel-merz-100.html\">&bdquo;die Drecksarbeit f&uuml;r uns alle erledigt&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Am 1. Oktober wurde bekannt, dass die Bundesregierung die Lieferung von R&uuml;stungsg&uuml;tern an Israel &ndash; die teilweise am 8. August ausgesetzt worden war &ndash; <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neue-Genehmigungen\/!6117228\/\">wieder aufgenommen hatte<\/a>. Das ging aus der Antwort einer Anfrage der Linksfraktion an die Bundesregierung hervor.<\/p><p>Auf pal&auml;stinensischer Seite listen sich die Kosten des Krieges ebenfalls auf, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/10\/7\/two-years-of-israels-genocide-in-gaza-by-the-numbers\">wie UN-Statistiken und andere Quellen berichten<\/a>. Mehr als 67.000 Menschen wurden get&ouml;tet, mehr als 170.000 wurden verletzt. Tausende Leichen befinden sich noch unter den Tr&uuml;mmern, Zehntausende werden an den Folgen ihrer Verletzungen und an Krankheiten sterben. Durch israelische Bombardierung sind 92 Prozent aller Wohngeb&auml;ude im Gazastreifen ganz oder teilweise zerst&ouml;rt. Mehr als 2.300 Bildungseinrichtungen, darunter 63 Universit&auml;tsgeb&auml;ude, wurden zerst&ouml;rt. 658.000 Schulkinder und 87.000 Studierende konnten seit zwei Jahren nicht unterrichtet werden. Mindestens 780 Lehrer und Professoren wurden get&ouml;tet. <\/p><p>125 Krankenh&auml;user und Kliniken wurden ganz oder teilweise zerst&ouml;rt, 1.722 Krankenpfleger und medizinisches Personal wurden get&ouml;tet. Mindestens 2.600 Menschen wurden get&ouml;tet bei dem Versuch, Nahrungsmittel f&uuml;r ihre Familien zu finden, mehr als 19.000 wurden dabei verletzt. 89 Prozent der Wasser- und Sanit&auml;ranlagen in Gaza wurden ganz oder teilweise zerst&ouml;rt. 88 Prozent aller Werkst&auml;tten und Gesch&auml;fte wurden zerst&ouml;rt. 62 Prozent der Bewohner des Gazastreifens haben ihre Besitzurkunden f&uuml;r Land und H&auml;user verloren.<\/p><p>Bis zu 270 Journalisten, Kameraleute und Medienpersonal wurden get&ouml;tet. Am 12. Oktober wurde in Gaza Stadt <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/saleh-aljafarawi-palestinian-journalist-killed-by-israels-collaborators\/\">der Journalist Saleh Aljafarawi<\/a> gezielt von bewaffneten Milizen erschossen, die im Sold Israels standen. Aljafarawi hatte zuletzt Berichte und Bilder von Menschen geschickt, die in den Tr&uuml;mmern den Waffenstillstand feierten. Ein Foto zeigt ihn mit Kindern, die aus dem Wrack eines ausgebrannten Fahrzeugs lachen.<\/p><p><strong>Krieg gegen die UNRWA<\/strong><\/p><p>Die Scholz-Regierung hat die Zahlungen an das UN-Hilfswerk f&uuml;r pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlinge (UNRWA) im Januar 2024 <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/2641704-2641704\">ausgesetzt<\/a>. Angeblich sollten Mitarbeiter des Hilfswerks K&auml;mpfer der Hamas gewesen sein, hatte die israelische Regierung behauptet.<\/p><p>Ende April 2024 <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/2654388-2654388?isLocal=false&amp;isPreview=false\">nahm die Bundesregierung die Zahlungen an die UNRWA wieder auf<\/a>, weil eine UN-Untersuchung ergeben hatte, dass sich die Vorw&uuml;rfe nicht best&auml;tigen lie&szlig;en. F&uuml;r die durch die Aussetzung der Zahlungen entstandene Behinderung der UNRWA-Arbeit im Gazastreifen sowie bei den tausenden UNRWA-Mitarbeitern, die von Israel unter Generalverdacht gestellt worden waren, entschuldigte sich niemand.<\/p><p>Die israelische Knesset <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/05\/1149586\">erkl&auml;rte die UNRWA zur &bdquo;Terrororganisation&ldquo;<\/a> und verwies sie des Landes. Das Hauptquartier der Organisation in Ostjerusalem wurde im Mai 2024 zwei Mal von bewaffneten Israelis in Brand gesetzt. Die UNRWA schloss daraufhin aus Sicherheitsgr&uuml;nden die B&uuml;ror&auml;ume.<\/p><p><strong>Die Verantwortung f&uuml;r den Krieg<\/strong><\/p><p>Das in Sachen UNRWA Beschriebene ist nur ein Ausschnitt der israelischen Angriffe auf UN-Einrichtungen und der T&ouml;tung von UN-Personal im Zuge des j&uuml;ngsten Gaza-Krieges. <\/p><p>Es ist erstaunlich, dass weder die politisch Verantwortlichen (nicht nur) in Deutschland noch die Medien die Frage nach der eigenen Mitverantwortung f&uuml;r die Verw&uuml;stung stellen, die nun wieder wegger&auml;umt werden soll. <\/p><p>Die weitgehend &uuml;bereinstimmende Darstellung (Neudeutsch: Narrativ) seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 ist, dass die Hamas und die pal&auml;stinensischen Organisationen f&uuml;r den Krieg verantwortlich seien, weil sie mit dem Angriff am 7. Oktober 2023 &bdquo;angefangen&ldquo; und den Krieg ausgel&ouml;st h&auml;tten. Israel bezeichnete seine Reaktion umgehend als &bdquo;Selbstverteidigung&ldquo;. Israel m&uuml;sse sich &bdquo;gegen den Terror der Hamas&ldquo; verteidigen, wie einst die USA nach dem 11. September 2001, so Netanyahu. Die westlichen Verb&uuml;ndeten Israels, auch die damalige Bundesregierung unter Olaf Scholz, stimmten zu, die Bundesregierung wurde &ndash; wie bereits beschrieben &ndash; <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/paper\/AidToIsrael\">zum zweitgr&ouml;&szlig;ten Waffenlieferanten an Israel<\/a> nach den USA.<\/p><p>Als &bdquo;Verteidigung&ldquo; kam der Krieg ohne Zweifel zu sp&auml;t und Krieg gegen die Hamas f&uuml;hrt Israel mindestens seit 2007. Damals hatte Israel die Hamas zur &bdquo;Terrororganisation&ldquo; erkl&auml;rt und riegelte den Gaza-Streifen, wo die Hamas nach den Wahlen 2006 die Regierung f&uuml;hrte, hermetisch am Boden, aus der Luft und vom Meer her ab. Es folgten die Kriege 2008\/09, 2012, 2014, 2021. Die Pal&auml;stinenser reagierten auf die Abriegelung mit dem Bau von Tunneln, die als &bdquo;Luftr&ouml;hre&ldquo; ins Ausland f&uuml;hrten und durch die Waren nach Gaza kamen &ndash; sogar Jungvieh &ndash;, um die Wirtschaft in dem K&uuml;stenstreifen aufrechtzuerhalten.<\/p><p>Die Waffenproduktion der Hamas wurde durch die Tunnel vermutlich gen&auml;hrt, vor allem aber nutzten die &bdquo;R&uuml;stungsschmieden&ldquo; im Gazastreifen alte Waffen, die aus vorherigen Kriegen von Israel zur&uuml;ckgeblieben waren. Es gab seitens westlicher Staaten keinerlei politische Anstrengung, das Oslo-Abkommen umzusetzen oder einen ernsthaften bilateralen Dialog einzuleiten und die Rechte der Pal&auml;stinenser gegen&uuml;ber der israelischen Besatzungsmacht einzufordern. Die Abriegelung des Gebiets seit 2007 bis heute verst&ouml;&szlig;t gegen das internationale Recht.<\/p><p>Innerpal&auml;stinensische politische Differenzen wurden vom Ausland dadurch versch&auml;rft, dass auch in Europa und den USA die Hamas zur &bdquo;Terrororganisation&ldquo; erkl&auml;rt und durch Sanktionen isoliert und wirtschaftlich geschw&auml;cht wurde. Die pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde wurde durch Geldzahlungen dazu gebracht, sich von der Hamas fernzuhalten. Europ&auml;ische und internationale &bdquo;Vermittler&ldquo; kritisierten den fortgesetzten illegalen Siedlungsbau Israels im besetzten Westjordanland. Doch niemand stellte die wirtschaftliche, politische und milit&auml;rische Kooperation mit Israel infrage. Als &bdquo;einzige Demokratie&ldquo; in der Region erhielt Israel selbst in Sport und Kultur eine Art EU-Status, herausragend war und ist die milit&auml;rische Kooperation Israels mit den USA und der NATO. Das betrifft nicht nur die milit&auml;rische Kooperation, sondern auch die Kooperation der Geheimdienste. Und, nicht zu vergessen, die Entwicklung neuer Waffen- und &Uuml;berwachungssysteme <a href=\"https:\/\/www.ftm.eu\/newsletters\/bureau-brussels-eu-funds-israel-defense-sector\">im Rahmen von EU-Programmen<\/a>. <\/p><p>EU-Staaten, auch Deutschland, kaufen von Israel Waffen wie Drohnen, Luftabwehrsysteme und Waffensysteme mit K&uuml;nstlicher Intelligenz. Nicht zu vergessen Spionagesoftware wie Pegasus, die in Mobiltelefonen und digitaler Kommunikation eingesetzt wird. Alle israelischen &Uuml;berwachungs-, Kontroll- und Waffensysteme tragen ein m&ouml;rderisches G&uuml;tesiegel: <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/features\/2023\/11\/17\/israels-weapons-industry-is-the-gaza-war-its-latest-test-lab\">getestet im Krieg gegen Pal&auml;stinenser<\/a>. So wirbt das israelische R&uuml;stungsunternehmen Elbit Systems <a href=\"https:\/\/www.elbitsystems.com\/blog\/iron-stings-precision-counters-tunnel-shafts\">selber f&uuml;r seine Waffen<\/a>. <\/p><p>All das und viel mehr meinte UN-Generalsekret&auml;r Antonio Guterres mit dem Satz, die Angriffe der Pal&auml;stinenserorganisationen seien &bdquo;nicht im luftleeren Raum erfolgt&ldquo;. Seit 56 Jahren litten die Pal&auml;stinenser unter &bdquo;erstickender Besatzung&ldquo;. Der israelische Au&szlig;enminister Eli Cohen <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/un-generalsekretaer-guterres-kritisiert-israel-verurteilt-aber-auch-die-hamas-scharf\/\">forderte daraufhin den R&uuml;cktritt des UN-Generalsekret&auml;rs<\/a>.<\/p><p><strong>Das neo-koloniale Projekt<\/strong><\/p><p>Zwei Jahre sp&auml;ter versammelt US-Pr&auml;sident Donald Trump zahlreiche Regierungschefs um sich in Scharm al-Scheikh, um das &bdquo;gro&szlig;artige Abkommen&ldquo; zu unterzeichnen, das &ndash; so Trump &ndash; einen &bdquo;3000 Jahre w&auml;hrenden Krieg&ldquo; beendet habe. Trump, wie Netanyahu und vermutlich die meisten der Politiker, die sich zu dem bizarren &bdquo;Familienfoto mit Dame&ldquo; &ndash; die Dame ist die EU-Au&szlig;enbeauftrage Kaja Kallas &ndash; in dem &auml;gyptischen Badeort aufgestellt haben, weisen jede Verantwortung f&uuml;r das Unrecht an den Pal&auml;stinensern, f&uuml;r die Verw&uuml;stung des Gazastreifens, f&uuml;r die israelischen Angriffe auf das Westjordanland und auf den Libanon, Syrien, Jemen, Irak und Iran von sich.<\/p><p>Sie &bdquo;blicken nach vorn&ldquo;, sprechen vom &bdquo;Wiederaufbau von Gaza&ldquo;, ohne die Pal&auml;stinenser einzubeziehen. Es geht um Gesch&auml;fte, die sich nur machen lassen, wenn man sich &ndash; im wahrsten Sinne des Wortes &ndash; hinter Trump und auch hinter Netanyahu stellt. Die scheinbaren &bdquo;Siegerm&auml;chte&ldquo; hinter Trump und Netanyahu haben, wenn sie &bdquo;nach vorn&ldquo; blicken, nicht nur die unerschlossenen Gasfelder vor den K&uuml;sten von Syrien, Libanon und Gaza im Blick. Das scheinbare Engagement f&uuml;r die Menschen in Gaza richtet sich auf die Kontrolle und Pl&uuml;nderung der gesamten Region mit Hilfe einer Internationalen &Uuml;bergangsbeh&ouml;rde, die mit einer UN-Sicherheitsratsresolution autorisiert werden soll. <\/p><p>Dieses neo-koloniale Projekt des politischen Westens basiert auf der britisch-franz&ouml;sischen Aufteilung der Region durch Sykes-Picot (1916) und die britische Balfour-Deklaration (1917), die der zionistischen Bewegung die Gr&uuml;ndung eines Staates zusagte. Die F&ouml;rderung und Absicherung dieser &bdquo;J&uuml;dischen Heimstatt in Pal&auml;stina&ldquo; wurde 1920 durch den V&ouml;lkerbund autorisiert und der damaligen Mandatsmacht Gro&szlig;britannien &uuml;bertragen. Nach mehr als 100 Jahren Krieg gegen die urspr&uuml;ngliche Bev&ouml;lkerung der Region soll aus den Tr&uuml;mmern Pal&auml;stinas nun &bdquo;Gro&szlig;-Israel&ldquo; erstehen.<\/p><p><strong>Komplizen zur Rechenschaft ziehen<\/strong><\/p><p>Weltweit weisen mutige Stimmen &ndash; trotz Diffamierung und Kriminalisierung &ndash; auf die Verantwortung hin, die Israel, die USA, NATO- und EU-Staaten &ndash; auch Deutschland &ndash; sowie internationale Unternehmen an dem V&ouml;lkermord in Gaza tragen. An vielen Tagen haben sich Staaten und Unternehmen der westlichen Welt zu Komplizen des Vernichtungskrieges gemacht und m&uuml;ssen damit rechnen, neben Israel vor den Internationalen Strafgerichtshof geladen zu werden. Dort l&auml;uft <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7Dn56gacYmM\">ein von S&uuml;dafrika angestrengtes Verfahren<\/a> wegen des Verdachts auf V&ouml;lkermord, das von mindestens zehn Staaten unterst&uuml;tzt wird. Die USA drohen S&uuml;dafrika und dem Gericht und haben Sanktionen gegen Richter verh&auml;ngt, die mit dem Fall befasst sind. <\/p><p>Francesca Albanese, die UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r die Lage der Menschenrechte in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten, ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/law4palestine.org\/summary-of-the-un-special-rapporteurs-report-on-corporate-complicity-in-the-economy-of-occupation-and-genocide-including-a-list-of-referenced-companies\/\">den Bericht &bdquo;Von der &Ouml;konomie der Besatzung zur &Ouml;konomie des V&ouml;lkermordes&ldquo;<\/a>, in dem internationale Gro&szlig;unternehmen gelistet werden, die von Besatzung und Krieg profitierten. Die USA setzte Albanese auf die Sanktionsliste.<\/p><p>30 Staaten haben sich <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/gaza-war-several-states-announce-six-concrete-steps-against-israel-bogota-summit\">in der &bdquo;Haag Gruppe&ldquo; zusammengeschlossen<\/a>, um dem internationalen Recht zum Durchbruch zu verhelfen und daf&uuml;r zu sorgen, dass es nicht mehr als &bdquo;optional&ldquo; gilt, sondern verpflichtend angewendet werden muss.<\/p><p>Ein <a href=\"https:\/\/jurdi.fr\/en\/dans-les-medias\/interview-of-the-president-of-jurdi-lawyers-take-eu-commission-council-to-court-over-their-failure-to-act-on-gaza-genocide\/\">Zusammenschluss von Rechtsanw&auml;lten aus Frankreich und Belgien<\/a> hat Klage gegen die EU-Kommission und den EU-Rat eingereicht. Sie werfen den EU-Institutionen vor, &bdquo;nichts gegen den V&ouml;lkermord in Gaza&ldquo; unternommen zu haben.<\/p><p>Schlie&szlig;lich <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2024-10-21\/ty-article\/reports-israel-police-nsc-warned-of-unusual-activity-by-hamas-before-dawn-on-october-7\/00000192-ae28-da5c-a9b7-fe3d58f30000\">stellt auch die israelische Tageszeitung <em>Haaretz<\/em><\/a> die zentrale Frage, die mit dem Anfang des Krieges am 7. Oktober 2023 zu tun hat. Warum haben die israelische Regierung, Armee, Sicherheitsbeh&ouml;rden die Warnungen ihrer eigenen Aufkl&auml;rungseinheiten am Sicherheitszaun entlang des &ouml;stlichen Gazastreifens ignoriert, anstatt ihnen nachzugehen? Soldatinnen, die als &bdquo;Sp&auml;her&ldquo; dort eingesetzt waren, berichteten schon in der Nacht zum 7. Oktober &ndash; bevor die pal&auml;stinensischen K&auml;mpfer den Sicherheitszaun &uuml;berwanden &ndash; &uuml;ber &bdquo;ungew&ouml;hnliche Aktivit&auml;ten&ldquo; der Hamas in Gaza.<\/p><p><small>Titelbild: Andy.LIU \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie &bdquo;blicken nach vorn&ldquo;, sie sprechen vom &bdquo;Wiederaufbau von Gaza&ldquo; &ndash; aber ohne die Pal&auml;stinenser einzubeziehen. Die scheinbaren &bdquo;Siegerm&auml;chte&ldquo; hinter Trump und Netanyahu haben, wenn sie &bdquo;nach vorn&ldquo; blicken, nicht nur die unerschlossenen Gasfelder vor den K&uuml;sten von Syrien, Libanon und Gaza im Blick. 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