{"id":140850,"date":"2025-10-21T09:00:25","date_gmt":"2025-10-21T07:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140850"},"modified":"2026-01-27T11:55:46","modified_gmt":"2026-01-27T10:55:46","slug":"presseclub-und-wehrpflicht-debatte-unerwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140850","title":{"rendered":"Presseclub und Wehrpflicht: Debatte unerw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag hat der <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/presseclub\/sendungen\/wehrpflicht-154.html\">&bdquo;Presseclub&ldquo; zum Thema Wehrpflicht &bdquo;debattiert&ldquo;<\/a>. Die Sendung dokumentiert wie unter einem Brennglas: Einseitigkeit und Qualit&auml;tsdefizite pr&auml;gen in weiten Teilen den milliardenschweren &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Kurzanalyse anhand von Tweets, die die Presseclub-Redaktion auf der Plattform <em>X<\/em> ver&ouml;ffentlicht hat. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9162\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-140850-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=140850-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251021_Presseclub_und_Wehrpflicht_Debatte_unerwuenscht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der &bdquo;Presseclub&ldquo; hat geladen. Das Thema Wehrpflicht soll &bdquo;debattiert&ldquo; werden. Vier G&auml;ste sind im Studio.<\/p><p>Zun&auml;chst zum Selbstverst&auml;ndnis des &bdquo;Presseclubs&ldquo;. Auf der ARD-Webseite <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/presseclub\/ueberuns\/diesendung100.html\">hei&szlig;t es<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der Presseclub ist eine aktuelle Diskussionssendung, in der das jeweils wichtigste politische Thema der Woche aufgearbeitet wird. Journalistinnen und Journalisten mit unterschiedlichen Standpunkten analysieren aus unterschiedlichen Blickwinkeln politische Ereignisse und Entwicklungen. Dabei wird der Hintergrund von Schlagzeilen aufgehellt, und es entsteht im Dialog ein Wettstreit um die Interpretation von politischen Vorg&auml;ngen. F&uuml;r das Publikum ergibt sich damit ein Angebot von Meinungen, die sich in der Diskussion &uuml;berpr&uuml;fen lassen m&uuml;ssen und auf diese Weise ihre Glaubw&uuml;rdigkeit und Plausibilit&auml;t unter Beweis stellen m&uuml;ssen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>In den Ausf&uuml;hrungen spiegelt sich der Kernauftrag des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks wider, das hei&szlig;t: f&uuml;r Land und Gesellschaft zentrale Themen aufgreifen, aufarbeiten, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen, Dialog und Diskussion herstellen, aber auch kritisch analysieren.<\/p><p>Das Problem: Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstdarstellung und der Realit&auml;t.<\/p><p>Zur Realit&auml;t und damit zur Sendung vom 19. Oktober 2025:<\/p><p><a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/presseclub\/sendungen\/wehrpflicht-154.html\">Neuer Koalitionsstreit: Mit Wehrpflicht-Lotto gegen Putin?<\/a>, lautet der Titel der Sendung.<\/p><p>Zu den G&auml;sten geh&ouml;ren Hauke Friederichs (<em>Die Zeit<\/em>), Lisa-Martina Klein (<em>Security.Table<\/em>), Paul-Anton Kr&uuml;ger (<em>Der Spiegel<\/em>) und Julia Weigelt (Freie Journalistin, Moderatorin).<\/p><p>In Anbetracht der G&auml;steauswahl dr&auml;ngt sich die Frage auf: Was soll diese G&auml;stezusammensetzung widerspiegeln? Die in der Selbstdarstellung proklamierten &bdquo;unterschiedlichen Standpunkte&ldquo; und &bdquo;unterschiedlichen Entwicklungen&ldquo;?<\/p><p>Eine Auseinandersetzung mit Tweets der Presseclub-Redaktion verdeutlicht das Grundproblem.<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979934205552230538\">&bdquo;Wenn man das Land verteidigen will, braucht man nat&uuml;rlich Frauen&ldquo;, sagt @haukefriederic1 von @zeitonline. Es sei fahrl&auml;ssig, wenn man Frauen aus politischen Gr&uuml;nden dabei ausnehme. Brauchen wir eine allgemeine Dienstpflicht?<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Noch ein Tweet:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979920460688027926\">260.000 aktive Soldaten &ndash; auf die Zahl soll die Bundeswehr heranwachsen. Das erwarten die Nato-B&uuml;ndnispartner von Deutschland. Auf Freiwilligkeit allein k&ouml;nnten wir uns dabei nicht verlassen, sagt @pkr77 (@derspiegel) im #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter &bdquo;zwitschert&ldquo; die Redaktion:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979914424686154006\">Wie macht man die Bundeswehr attraktiver? &ldquo;Das ist eine Frage des politischen Willens&rdquo;, so @Julia_Weigelt. Man brauche ein soldatisches Selbstverst&auml;ndnis, das die W&uuml;rde von Menschen im Sinne des Grundgesetzes ernst nehme. #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Au&szlig;erdem hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979899986159575405\">Das Losverfahren sei demotivierend, sagt @haukefriederic1 von @zeitonline. Wer per Los zur Bundeswehr m&uuml;sse, f&uuml;hle sich als Verlierer. @pkr77 von @derspiegel kann dem Verfahren aber durchaus etwas abgewinnen. Was denken Sie? #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Des Weiteren:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979860716036465074\">&ldquo;Je schneller wir aufh&ouml;ren, das tote Pferd der Wehrpflicht zu reiten, desto eher k&ouml;nnen wir anfangen, wirkliche Ma&szlig;nahmen zu treffen, um mehr Zeit- und Berufssoldaten zu bekommen&rdquo;, sagt @Julia_Weigelt #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>In einem anderen Tweet ist zu lesen:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979858704284655758\">Es h&auml;tte eine massive Signalwirkung auf Russland, wenn sich Deutschland f&uuml;r eine Wehrpflicht entscheiden w&uuml;rde, sagt @LisaMissLittle von @TableBriefings. &ldquo;Das w&uuml;rde die Abschreckung massiv st&auml;rken.&rdquo; #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Und:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/ARD_Presseclub\/status\/1979856088611901721\">&bdquo;Gegen die Wehrpflicht spricht, dass sie nur sechs Monate dauert&rdquo;, sagt @haukefriederic1 von @zeitonline. Das sei zu kurz f&uuml;r eine ausreichende Ausbildung an komplexen Waffensystemen und bringe die Bundewehr [sic] nicht dahin, wo sie eigentlich hinwolle. #Presseclub<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Beispiele sollen gen&uuml;gen. Und, damit keine Missverst&auml;ndnisse entstehen: Die Tweets sind nicht verzerrend ausgesucht. Die Tweets wurden in dieser Reihenfolge von unten nach oben von der Redaktion ver&ouml;ffentlicht. Tweets, die inhaltlich anders angelagert sind, gibt es keine. Auch die restlichen Tweets spiegeln den hier zum Vorschein kommenden Tenor wider.<\/p><p>Zu einer umfassenden Analyse der Sendung w&auml;re es sicherlich notwendig, die gesamte &bdquo;Diskussion&ldquo; n&auml;her zu betrachten. Das w&uuml;rde den Rahmen dieser Kurzanalyse sprengen. Aber die Tweets d&uuml;rften redaktionell ausgesucht sein und damit exemplarisch zentrale Grundpositionen der Teilnehmer und der &bdquo;Diskussion&ldquo; widerspiegeln.<\/p><p>Was auff&auml;llt: Keiner der G&auml;ste hinterfragt die grundlegende politische Erz&auml;hlung, wonach es eine Notwendigkeit f&uuml;r den Ausbau der Bundeswehr geben soll. Die Grundpr&auml;missen, wonach Russland eine Bedrohung darstellt und deshalb ein &bdquo;Aufwuchs&ldquo; stattfinden muss, sind gesetzt. Die gebotene Diskussion bewegt sich um das &bdquo;Wie?&ldquo;, aber nicht um &bdquo;ob &uuml;berhaupt?&ldquo;. Und somit ist auch kein Raum, die massive politische Propaganda, die derzeit die &Ouml;ffentlichkeit umgibt, zu dekonstruieren. Genau <em>das <\/em>w&auml;re aber die Aufgabe des milliardenschweren &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Schlie&szlig;lich wurde der &Ouml;RR vor allem aufgrund der Erfahrungen aus der Nazi-Zeit &ndash; mit einer gleichgeschalteten Presse &ndash; konzipiert und mit gen&uuml;gend Mitteln ausgestattet, um Propaganda im eigenen Land entgegenzutreten &ndash; so zumindest die naive Betrachtung.<\/p><p>Alle hier in den Tweets angef&uuml;hrten Aussagen werden der propagandistisch-manipulativ aufgeladenen Komplexit&auml;t der Verh&auml;ltnisse im Hinblick auf die Einf&uuml;hrung der Wehrpflicht nicht gerecht. Im Gegenteil: In weiten Teilen muten sie wie ein journalistischer Offenbarungseid an. Wenn es etwa hei&szlig;t, dass die Entscheidung Deutschlands f&uuml;r die Wehrpflicht eine &bdquo;massive Signalwirkung auf Russland&ldquo; h&auml;tte, ist das weder journalistisch noch intellektuell tragf&auml;hig. Ob Deutschland seine Armee nun etwas vergr&ouml;&szlig;ert oder nicht, ob Deutschland die Wehrpflicht einf&uuml;hrt oder nicht, ist &ndash; bei Lichte betrachtet &ndash; f&uuml;r die Atommacht (!) Russland ohne Bedeutung.<\/p><p>Nicht besser die Aussage, wer per Los zur Bundeswehr gezogen werde, f&uuml;hle sich &bdquo;als Verlierer&ldquo;.<\/p><p>Die Politik hat die Losung &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; ausgegeben. F&uuml;r junge Menschen folgt am langen Ende m&ouml;glicherweise ein Kriegseinsatz &ndash; mit allem, was dazugeh&ouml;rt: Tod, Verst&uuml;mmelung, Leid, Schmerz, Traumatisierung. In der Diskussion um die Wehrpflicht hat es <em>nicht<\/em> darum zu gehen, ob sich junge Menschen als &bdquo;Verlierer&ldquo; oder &bdquo;Gewinner&ldquo; &bdquo;f&uuml;hlen&ldquo;. Schlie&szlig;lich: Wenn sich etwa ein 20-J&auml;hriger als &bdquo;Gewinner&ldquo; f&uuml;hlen sollte, ihm aber irgendwann auf dem Schlachtfeld der Kopf weggeschossen w&uuml;rde, dann w&auml;re es f&uuml;r ihn zu sp&auml;t, zu begreifen, dass das mit einem &bdquo;Gewinn&ldquo;, was den Milit&auml;rdienst angeht, so eine Sache ist.<\/p><p>Die Debatte muss sich zwingend darum drehen, dass Journalisten militaristische Propaganda, die die Bestrebung nach einer Wehrpflicht umgibt, offen kenntlich machen.<\/p><p>Journalisten m&uuml;ssen jungen Menschen die Tragweite des politischen Gro&szlig;unternehmens Kriegst&uuml;chtigkeit im Verbund mit der neuen Wehrpflicht vor Augen f&uuml;hren. Die Fokussierung auf eine vage Gef&uuml;hlsebene, auf der sich die Wahrnehmungen um ein &bdquo;Gewinnen&ldquo; und &bdquo;Verlieren&ldquo; drehen, erfasst nicht einmal im Ansatz das eigentliche Grundproblem.<\/p><p>Auch wenn es hei&szlig;t, es g&auml;lte aufzuh&ouml;ren, das &bdquo;tote Pferd&ldquo; der Wehrpflicht &bdquo;zu reiten&ldquo;, um anzufangen, &bdquo;wirkliche Ma&szlig;nahmen&ldquo; zu treffen, damit sich mehr Berufs- und Zeitsoldaten gewinnen lie&szlig;en, geht an jenen Diskussionspunkten vorbei, &uuml;ber die dringend in einer solchen Sendung wie dem &bdquo;Presseclub&ldquo; zu diskutieren gewesen w&auml;re. Denn: Warum soll &bdquo;die Truppe&ldquo; &uuml;berhaupt anwachsen? Warum soll Deutschland &uuml;berhaupt mehr Berufs- und Zeitsoldaten ben&ouml;tigen?<\/p><p>Die Antwort aus der Politik ist bekannt: Wegen Putin! Stichwort: &bdquo;Zeitenwende!&ldquo; Und genau an dieser Stelle m&uuml;sste eine Diskussion, die diesen Namen auch wirklich verdient, ansetzen. Hier k&ouml;nnte von kritischen Mitdiskutanten die Axt an bestehende Propagandanarrative angesetzt werden. Das passiert aber nicht, weil die Redaktion niemanden eingeladen hat, der dazu f&auml;hig oder gewillt w&auml;re.<\/p><p>Zum Schluss noch ein stichpunktartiger Blick in die Sendung.<\/p><p>Bei Minute 2:50 sagt Hauke Friederichs von der <em>Zeit<\/em> das Folgende: &bdquo;(&hellip;) denn, dass wir im Fokus russischer Dienste stehen, dass merkt man ja mit den zahlreichen Drohnen&uuml;berfl&uuml;gen (&hellip;)&ldquo;.<\/p><p>Beweise f&uuml;r diese Ausf&uuml;hrungen werden nicht geliefert. &bdquo;Man&ldquo; &bdquo;merkt&ldquo; das eben &ndash; es <em>ist<\/em> eben so. Kritisches Nachfassen vonseiten der Moderation, Kritik von den Mitdiskutanten: erfolgt nicht.<\/p><p>Eine ganze Reihe von Problemen wird deutlich.<\/p><p><strong>Erstens:<\/strong> Die zitierten Aussagen sind von d&uuml;rftiger Qualit&auml;t. Redaktionelle Aufgabe w&auml;re es gewesen, f&uuml;r eine G&auml;steauswahl zu sorgen, die journalistische, inhaltliche, analytische und intellektuelle Qualit&auml;t widerspiegelt.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Wenn eine Redaktion offensichtlich schon G&auml;ste einl&auml;dt, die sich so positionieren und &auml;u&szlig;ern wie die Eingeladenen, m&uuml;sste es zwingend Gegengewichte geben. Das ist, wie gesagt, nicht der Fall.<\/p><p><strong>Drittens:<\/strong> Das Fehlen jener Stimmen, die die politische Propaganda in Deutschland auseinandernehmen, wiegt schwer. Um es nochmal zu sagen: Aufgabe des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks muss es sein, auch die politische Propaganda und Manipulation der Regierung aufzuzeigen. Gerade bei einem Thema wie der Wehrpflicht, das unweigerlich mit der Frage von &bdquo;Krieg und Frieden&ldquo; verbunden ist, darf nicht den politischen Erz&auml;hlungen, befreit von Fundamentalkritik, gefolgt werden. Ist das der Fall, macht sich ein Medium selbst zum verl&auml;ngerten Arm der Propaganda. In Deutschland gibt es zahlreiche kritische Journalisten, Autoren und Medienschaffende, die sich vor allem in alternativen Medien gegen die Wehrpflicht und die deutsche Russlandpolitik stellen. Diesen Stimmen m&uuml;sste die Redaktion zwingend Raum geben. Denn: Wie Umfragen zeigen, spiegeln diese Stimmen einen beachtlich gro&szlig;en Teil der Bev&ouml;lkerung wider. Ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Rundfunk, der eine solche Sendung abliefert wie diesen &bdquo;Presseclub&ldquo;, verfehlt seinen Auftrag.<\/p><p><strong>Viertens:<\/strong> Nicht nur, dass die Zusammensetzung der Runde von inhaltlicher Eindimensionalit&auml;t gepr&auml;gt ist: Auch die Moderation stellt kein Gegengewicht dar. Die Ver&ouml;ffentlichung der Tweets ohne redaktionelle &bdquo;Einordnung&ldquo; l&auml;sst letztlich die Leser mit der Meinung der jeweiligen Journalisten allein. Das w&auml;re vertretbar &ndash; wenn auch entsprechende Gegenmeinungen von anderen Journalisten ver&ouml;ffentlicht w&uuml;rden. Indem das aber nicht erfolgt und die Redaktion selbst auch nicht kritisch perspektiviert, stehen die Aussagen f&uuml;r sich &ndash; und zwar mit einem enormen Gewicht, symbolisch maximal aufgeladen durch die Reputation und Stellung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks.<\/p><p><strong>F&uuml;nftens:<\/strong> Die Auswahl der G&auml;ste samt der entsprechenden Rahmung bzw. Moderation der Sendung zeigt, dass die Redaktion ihrer Aufgabe und dem Thema nicht gewachsen ist. Somit findet sich erneut ein &Ouml;RR-Beitrag, in dem die notwendige Grundsatzkritik fehlt. W&uuml;rde es sich um <em>einen <\/em>Beitrag dieser Art handeln, lie&szlig;e sich dar&uuml;ber hinwegsehen. Aber: Auf diese Weise angelagerte Beitr&auml;ge finden sich zuhauf und reihen sich nahtlos aneinander &ndash; nicht nur im &Ouml;RR, sondern in vielen gro&szlig;en Medien. Das f&uuml;hrt zu einer schweren Schieflage in der journalistischen Darstellung der Realit&auml;t.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot ARD<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/c8d39077bbf1487d9704f661b2e3087a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag hat der <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/presseclub\/sendungen\/wehrpflicht-154.html\">&bdquo;Presseclub&ldquo; zum Thema Wehrpflicht &bdquo;debattiert&ldquo;<\/a>. Die Sendung dokumentiert wie unter einem Brennglas: Einseitigkeit und Qualit&auml;tsdefizite pr&auml;gen in weiten Teilen den milliardenschweren &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Kurzanalyse anhand von Tweets, die die Presseclub-Redaktion auf der Plattform <em>X<\/em> ver&ouml;ffentlicht hat. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":140853,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,123,41,183],"tags":[313,2947,1544,1163,893,1551,244,2433],"class_list":["post-140850","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-oerr","tag-herdenjournalismus","tag-kampagnenjournalismus","tag-meinungspluralismus","tag-militarisierung","tag-presseclub","tag-vierte-gewalt","tag-wehrdienst"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/251021-presseclub.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=140850"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140850\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":140881,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140850\/revisions\/140881"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/140853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=140850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=140850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=140850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}