{"id":140924,"date":"2025-10-22T14:00:44","date_gmt":"2025-10-22T12:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140924"},"modified":"2025-10-23T07:43:09","modified_gmt":"2025-10-23T05:43:09","slug":"phase-2-des-israelischen-voelkermords-besetzung-von-53-prozent-des-gazastreifens-morde-segregation-und-gelbe-linie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140924","title":{"rendered":"Phase 2 des israelischen V\u00f6lkermords: Besetzung von 53 Prozent des Gazastreifens, Morde, Segregation und gelbe Linie"},"content":{"rendered":"<p>Im Folgenden die Einsch&auml;tzung von <strong>Olga Rodr&iacute;guez<\/strong>, bekannte spanische Menschenrechtsaktivistin und Vor-Ort-Kennerin des Geschehens im Nahen Osten, insbesondere im Gazastreifen. Der <a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/internacional\/fase-2-genocidio-israeli-ocupacion-53-gaza-asesinatos-segregacion-linea-amarilla_129_12694721.html\">Artikel<\/a> erschien am 19. Oktober 2025 in der reichweitenstarken digitalen Zeitung <em>elDiario.es<\/em>, deren Mitbegr&uuml;nderin sie ist. Deutsche &Uuml;bersetzung und Ver&ouml;ffentlichung durch <strong>Eckart Leiser<\/strong> mit dem Einverst&auml;ndnis der Autorin.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7516\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-140924-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=140924-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251022_Phase_2_des_israelischen_Voelkermords_Besetzung_von_53_Prozent_des_Gazastreifens_Morde_Segregation_und_gelbe_Linie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In einer Woche Waffenstillstand hat Israel 38 Menschen get&ouml;tet, darunter mehrere Kinder, den Grenz&uuml;bergang Rafah weiterhin blockiert und seine Besetzung von mehr als der H&auml;lfte des Gazastreifens durch die Markierung einer Trennungslinie gefestigt.<\/p><p>In nur einer Woche seit der Ank&uuml;ndigung des Waffenstillstands hat die israelische Armee Dutzende Male gegen die Waffenruhe versto&szlig;en, 38 Menschen get&ouml;tet und mehr als hundert im Gazastreifen verletzt. Am Freitag t&ouml;tete sie elf Mitglieder der Familie <em>Abu Shaaban<\/em>, die in einem Fahrzeug in Gaza-Stadt unterwegs waren: sieben Kinder, zwei Frauen und zwei M&auml;nner. Sie wollten zu ihrem Haus fahren, um zu sehen, ob es noch stand, und die Sch&auml;den zu begutachten. Das gelang ihnen nicht.<\/p><p>Israel besteht darauf, dass auf alle Personen geschossen wird, die die unsichtbare Trennungslinie &ndash; die sogenannte &bdquo;gelbe Linie&rdquo; &ndash; &uuml;berqueren, die den Gazastreifen in zwei Teile teilt und im Rahmen des Plans von Donald Trump festgelegt wurde. Die pal&auml;stinensische Reporterin <em>Hind Khoudary<\/em> erkl&auml;rt aus Gaza, dass die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung keinen Zugang zum Internet und keine genaueren Informationen &uuml;ber den genauen Verlauf dieser Demarkationslinie hat.<\/p><p>Der israelische Verteidigungsminister hat angek&uuml;ndigt, dass die neue Grenze nun &bdquo;mit speziellen durchgehenden Markierungen&rdquo; vor Ort gekennzeichnet wird, was auf die offizielle Aneignung von mindestens 53 Prozent des Gebiets des Gazastreifens hinausl&auml;uft, und das ohne Ablaufdatum. Er bezeichnet diese als &bdquo;politische und der Sicherheit dienende Trennlinie&rdquo;.<\/p><p>Diese gelbe Grenze erscheint bereits auf den israelischen Karten, die derzeit von der Regierung ver&ouml;ffentlicht werden. Das ist wie 1949, als die sogenannte &bdquo;Gr&uuml;ne Linie&rdquo; gezogen wurde, um das von Israel w&auml;hrend der Nakba von 1948 besetzte Gebiet zu markieren. Die gr&uuml;ne Linie sollte, ebenso wie heute die gelbe, nur vor&uuml;bergehend sein, eine &bdquo;Waffenstillstandslinie&rdquo;, wurde aber zur De-facto-Grenze, bis die israelische Armee 1967 weiteres pal&auml;stinensisches Gebiet eroberte.<\/p><p>Mit dieser neuen Markierung besiegelt Israel einen Teil seiner Kriegsziele: Gaza territorial zerrei&szlig;en, die Bev&ouml;lkerung in einem begrenzten Ghetto halten und einen weiteren Schritt in Richtung auf seine illegale Besetzung vollziehen.<\/p><p>Der Direktor der Forschungsgruppe &bdquo;Forensic Architecture&ldquo;, <em>Eyal Weizman<\/em>, hat ein Luftbild aus den 1960er-Jahren gezeigt, auf dem zu sehen ist, dass die jetzt von Israel gezogene &bdquo;gelbe Linie&rdquo; &bdquo;in etwa mit der Grenze der K&uuml;stend&uuml;ne des Gebiets &uuml;bereinstimmt, wodurch Gaza den gr&ouml;&szlig;ten Teil seiner landwirtschaftlichen Fl&auml;chen auf den fruchtbaren B&ouml;den im Osten verliert&rdquo;.<\/p><p><strong>Regelm&auml;&szlig;ige Verst&ouml;&szlig;e<\/strong><\/p><p>&bdquo;Seit 2008\/09 wiederholt Israel das gleiche Muster: Der israelische Waffenstillstand lautet: Du h&auml;ltst still und ich schie&szlig;e&rdquo;, kritisierte die UN-Sonderberichterstatterin <em>Francesca Albanese<\/em> diese Woche im Blick auf die Verst&ouml;&szlig;e Israels gegen die Waffenruhe. Die Vorgehensweise ist nicht &uuml;berraschend. Seit dem vor einem Jahr im Libanon vereinbarten Waffenstillstand hat Israel diesen mehr als 4.500-mal gebrochen, &bdquo;Hunderte von Menschen, darunter auch Minderj&auml;hrige, get&ouml;tet, Zehntausende von H&auml;usern zerst&ouml;rt und f&uuml;nf Gebiete des Landes annektiert&ldquo;, so der ehemalige britische Botschafter <em>Craig Murray<\/em>. Am gestrigen Freitag hat die israelische Armee erneut libanesisches Gebiet bombardiert.<\/p><p>Auch die illegale Besetzung des Westjordanlands wurde nicht gelockert, wo Israel weitere Gebiete annektiert hat und bereits den Bau von 22 neuen Siedlungen plant, den gr&ouml;&szlig;ten Landraub der letzten Jahrzehnte in dieser Region. Dort, in einem Dorf in der N&auml;he von Hebron, t&ouml;tete die israelische Armee diese Woche ein weiteres Kind, den zehnj&auml;hrigen <em>Muhammad al Hallaq<\/em>.<\/p><p>Damit sind seit Oktober 2023 im Westjordanland bisher 1.001 Menschen durch israelische Truppen und Siedler ums Leben gekommen. Ein F&uuml;nftel der Get&ouml;teten sind laut Zahlen der Vereinten Nationen Kinder. &bdquo;Die Annexion des Westjordanlands muss r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden, und &uuml;ber alle Verst&ouml;&szlig;e gegen das V&ouml;lkerrecht muss Rechenschaft abgelegt werden&ldquo;, betonte der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen f&uuml;r Menschenrechte, <em>Volker T&uuml;rk<\/em>.<\/p><p>Der Waffenstillstand ist auf die Interessen Israels zugeschnitten. Er gibt gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Besetzung weiterer pal&auml;stinensischer Gebiete im Gazastreifen, errichtet eine koloniale Kontrolle, sieht keine Rechenschaftspflicht vor und &ouml;ffnet die T&uuml;r f&uuml;r einen langsamen V&ouml;lkermord.<\/p><p>Der Waffenstillstand &auml;ndert den Ablauf, das Tempo und einige Methoden, schafft einen Rahmen, der besser auf die narrativen Zw&auml;nge der westlichen Regierungen abgestimmt ist, die mit den USA und Israel verb&uuml;ndet sind und ihn bereits als Vorwand nutzen, um keine Sanktionen gegen Tel Aviv zu verh&auml;ngen. Mit ihm h&ouml;ren jedoch nicht die Verbrechen, die Segregation und die fortschreitende Enteignung des pal&auml;stinensischen Volkes auf.<\/p><p>Mit ihm verzichtet die israelische Regierung aber nicht auf ihre Ziele: Vertreibung oder Zwangsumsiedlung der Bev&ouml;lkerung des Gazastreifens, Kontrolle des Territoriums und endg&uuml;ltige Gestaltung des &bdquo;Gro&szlig;israels&rdquo;, welches Gaza, das Westjordanland, Ostjerusalem, die syrischen Golanh&ouml;hen und Gebiete im S&uuml;dlibanon einschlie&szlig;t. Am Montag verteidigte Premierminister <em>Benjamin Netanjahu<\/em> erneut die &bdquo;israelische Souver&auml;nit&auml;t&rdquo; &uuml;ber Jerusalem, das Westjordanland und die syrischen Golanh&ouml;hen, alles illegal besetzte Gebiete.<\/p><p><strong>Blockade<\/strong><\/p><p>Diese Woche hat Israel erneut die Lieferung von lebensnotwendigen G&uuml;tern in den Gazastreifen blockiert und beschr&auml;nkt diese nun auf etwa 300 Lastwagen pro Tag, was nicht ausreicht. Dar&uuml;ber hinaus h&auml;lt es mehrere Grenz&uuml;berg&auml;nge geschlossen, darunter den wichtigen Grenz&uuml;bergang Rafah. Der Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung lebt in Zelten oder anderen provisorischen Unterk&uuml;nften, bei fallenden Temperaturen, und die Krankenh&auml;user verf&uuml;gen weiterhin nicht &uuml;ber das N&ouml;tigste.<\/p><p>&bdquo;Kinder und Babys ringen nach wie vor mit der Unterern&auml;hrung; wir sehen einen Anstieg der F&auml;lle von Durchfall, Kr&auml;tze und Lungenentz&uuml;ndung in unseren Gesundheitszentren&ldquo;, berichtet <em>Save the Children<\/em>. Hinzu kommen die zerst&ouml;rten Familienstrukturen durch die Massaker.<\/p><p>In den letzten zwei Jahren wurden laut Angaben der Vereinten Nationen durch israelische Angriffe st&uuml;ndlich zwei Frauen und M&auml;dchen get&ouml;tet, insgesamt mehr als 33.000. &bdquo;Heute fehlen mehr als einer Million Frauen und M&auml;dchen Nahrungsmittel und 250.000 ben&ouml;tigen dringend Nahrungshilfe. Jede siebte Familie in Gaza wird von einer Frau gef&uuml;hrt&ldquo;, hei&szlig;t es bei <em>UN Women<\/em>.<\/p><p>Luftaufnahmen des Gazastreifens zeigen ein von Bomben verw&uuml;stetes Gebiet, in dem ein Gro&szlig;teil der Geb&auml;ude besch&auml;digt, zerst&ouml;rt oder einsturzgef&auml;hrdet ist.<\/p><p>&bdquo;Es gibt f&uuml;nfzig Millionen Tonnen Schutt, vermischt mit menschlichen Knochen von Kindern und Erwachsenen, mit nicht detonierten Sprengstoffen und mit chemischen R&uuml;ckst&auml;nden und anderen Schadstoffen aus Waffen. Was soll damit geschehen?&ldquo;, fragt die US-amerikanische Forscherin <em>Phyllis Bennis<\/em> vom &bdquo;Transnational Institute&ldquo; und &bdquo;Institute for Policy Studies&ldquo;. &bdquo;Hinter dem Begriff Wiederaufbau verbirgt sich eine neu gestaltete Besatzung durch wirtschaftliche Kontrolle und ausl&auml;ndische Verwaltung&ldquo;, warnt sie.<\/p><p><strong>Koloniale Hierarchie<\/strong><\/p><p>Was vorangetrieben wird, ist nicht Frieden, sondern ein System der Festigung kolonialer Macht, das von den Vereinigten Staaten und Israel mit der Unterschrift &Auml;gyptens, der T&uuml;rkei und Katars und mit der Unterst&uuml;tzung anderer arabischer und europ&auml;ischer L&auml;nder entworfen wurde. Der aufgezwungene Plan schafft einen Rahmen f&uuml;r die Kontrolle des Territoriums und der dort lebenden pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung. Der Waffenstillstand stoppt nicht die Herrschaftsstrukturen. Diese bestimmen, wer Gaza regieren, wer die Hilfe verwalten und wer vom Wiederaufbau profitieren soll.<\/p><p>Das Projekt des US-Pr&auml;sidenten, Besch&uuml;tzer von <em>Netanjahu<\/em>, schlie&szlig;t die Pal&auml;stinenser von den wichtigsten Entscheidungsebenen aus. Sein Entwurf sieht eine hierarchische Organisationsstruktur vor, an deren Spitze eine Regierungsbeh&ouml;rde namens &bdquo;Internationale &Uuml;bergangsbeh&ouml;rde f&uuml;r Gaza&rdquo; steht, ein Begriff, der dem der &bdquo;Provisorischen Koalitionsbeh&ouml;rde f&uuml;r den Irak&rdquo; &auml;hnelt, dem Namen der illegalen Besatzungsregierung des Irak im Jahr 2003.<\/p><p>Unterhalb dieser sollen wirtschaftliche Agenturen geschaffen werden, die Investitionen und Gesch&auml;fte im Bereich Stadtentwicklung und Wiederaufbau kontrollieren sollen, mit Konsortien internationaler Unternehmen an der Spitze. Au&szlig;erdem sollen Sicherheitsteams und auf einer niedrigeren Ebene Komitees f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe eingerichtet werden. &bdquo;Auf der untersten Ebene wird das Koordinierungsteam aus pal&auml;stinensischen Technokraten stehen, von denen niemand wei&szlig;, wer sie sein werden und wie sie ausgew&auml;hlt werden&ldquo;, erkl&auml;rt <em>Bennis<\/em>.<\/p><p>Die &Uuml;berwachung der Pal&auml;stinenser ist das R&uuml;ckgrat des Plans, der auf derselben rassistischen Idee basiert, die vor mehr als einem Jahrhundert die britischen Mandate und franz&ouml;sischen Protektorate in der gesamten arabischen Welt st&uuml;tzte, als der Kolonialismus noch nicht durch das V&ouml;lkerrecht verboten war. Damals besetzten die Kolonialherren Gebiete mit der Begr&uuml;ndung, sie m&uuml;ssten die &bdquo;barbarischen V&ouml;lker&rdquo; zivilisieren, weil man denen nicht zutrauen k&ouml;nne, sich selbst zu regieren.<\/p><p>&bdquo;Fr&uuml;her taten sie dies im Namen der Zivilisation. Heute nennen sie es Frieden&rdquo;, kritisiert der pal&auml;stinensisch-amerikanische Journalist <em>Ahmed El Din<\/em>.<\/p><p><strong>Folter<\/strong><\/p><p>Im Rahmen von Trumps Plan ist die dringendste Ma&szlig;nahme weder die Beseitigung der riesigen Tr&uuml;mmermassen noch die Bergung der Leichen Tausender in Gaza versch&uuml;tteter Pal&auml;stinenser, sondern die Suche nach den Leichen der 18 vermissten israelischen Geiseln. Viele pal&auml;stinensische Familien m&uuml;ssen warten, bis sie an der Reihe sind, ihre Toten zu suchen.<\/p><p>Diese Woche &uuml;bergab Israel im Rahmen der getroffenen Vereinbarung Dutzende Leichen von verhafteten Pal&auml;stinensern. Die meisten waren nicht mehr zu erkennen, wiesen Spuren von Misshandlung, Folter und summarischen Hinrichtungen auf, hatten gefesselte Arme und Beine und zeigten Anzeichen von Schl&auml;gen, Schnitten, Schnittwunden und Schussverletzungen.<\/p><p>Die Aussagen der mehr als 1.900 Pal&auml;stinenser, die am Montag im Austausch gegen die letzten 20 lebenden israelischen Geiseln freigelassen wurden, berichten ebenfalls von Misshandlungen oder Folter. Dies gilt beispielsweise f&uuml;r <em>Dr. Ahmad Mhanna<\/em>, Direktor des Al-Awda-Krankenhauses in Gaza, der vor einem Jahr und zehn Monaten verhaftet wurde, oder f&uuml;r den 28-j&auml;hrigen <em>Mahmoud Abu Foul<\/em>, der mit zerst&ouml;rten Augen freigelassen wurde. &bdquo;Sie haben mich durch wiederholte Elektroschocks erblinden lassen und mir dann die notwendige medizinische Behandlung verweigert&ldquo;, klagt er.<\/p><p>Die meisten der aus israelischen Gef&auml;ngnissen freigelassenen Pal&auml;stinenser waren weder angeklagt noch verurteilt worden. Willk&uuml;rliche Verhaftungen ohne Garantien und oft ohne Besuchsrecht sind in Israel g&auml;ngige Praxis, wie Berichte von UN-Sonderberichterstattern und internationalen Menschenrechtsorganisationen belegen. Ein israelisches Gesetz erlaubt es, jeden Pal&auml;stinenser, auch Minderj&auml;hrige, ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren zu verhaften, wobei die Haft alle sechs Monate verl&auml;ngert werden kann, was die Menschen de facto zu Geiseln macht.<\/p><p>Derzeit befinden sich von den 9.000 Pal&auml;stinensern, die in israelischen Gef&auml;ngnissen sitzen, mindestens 3.500 in dieser Situation: ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren. Unter ihnen sind etwa 400 Minderj&auml;hrige, 52 Frauen und Dutzende von &Auml;rzten und Gesundheitspersonal, die aus ihren eigenen Krankenh&auml;usern entf&uuml;hrt wurden.<\/p><p><strong>Rassenhierarchie<\/strong><\/p><p>Die Entmenschlichung der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung ist normalisiert worden, und die pro-israelische Propaganda versucht nun, noch einen Schritt weiter zu gehen. Dies prangert die UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r Pal&auml;stina, <em>Francesca Albanese<\/em>, an: &bdquo;Die Welt wei&szlig; von keinen pal&auml;stinensischen GEISELN [sic] aufgrund einer &sbquo;Barriere hinsichtlich ihrer Spezies&lsquo;: In der Hierarchie des menschlichen Wertes werden Pal&auml;stinenser nicht als vollwertige Menschen angesehen und k&ouml;nnen daher keine &sbquo;Geiseln&lsquo; in den H&auml;nden von vollwertigen Menschen sein. Wir sind immer noch dort: Barbarei, getarnt als Ordnung.&ldquo;<\/p><p>Die rassistische Hierarchie, die das israelische Apartheid-System gegen die Pal&auml;stinenser anwendet, wurde auch in den Plan von Trump und anderen internationalen Politikern, die ihn unterst&uuml;tzen, &uuml;bernommen. Man schaut weg, wenn es um Beweise f&uuml;r Folter und Massenverbrechen geht. Man unterst&uuml;tzt weiterhin den Urheber des V&ouml;lkermords und unterdr&uuml;ckt seine Opfer.<\/p><p>In diesem Sinne hat die israelische Organisation <em>B&rsquo;Tselem <\/em>diese Woche darauf hingewiesen, dass &bdquo;die Grundlage, die Israels Verbrechen in Gaza und im Westjordanland in den letzten zwei Jahren erm&ouml;glicht hat, nach wie vor intakt ist: die v&ouml;llige Missachtung des Lebens und der W&uuml;rde der Pal&auml;stinenser im Namen der j&uuml;dischen Vorherrschaft. Die Besatzung und die Apartheid dauern mit voller Kraft an; die st&auml;ndige Leugnung der Menschlichkeit und Identit&auml;t der Pal&auml;stinenser, die den V&ouml;lkermord erm&ouml;glicht hat, dauert bis heute an.&rdquo;<\/p><p>Die Direktorin von Amnesty International, <em>Agn&egrave;s Callamard<\/em>, hat ebenfalls darauf hingewiesen, dass die Verbrechen weitergehen, und bedauert, dass die Europ&auml;ische Union die Abstimmung &uuml;ber die Aussetzung einiger Punkte des Pr&auml;ferenzhandelsabkommens mit Israel aufgrund des &bdquo;ver&auml;nderten Kontextes&ldquo; zur&uuml;ckgezogen hat: &bdquo;Ein Waffenstillstand bedeutet nicht das Ende des V&ouml;lkermords, der illegalen Besatzung oder der Apartheid. Das Abkommen zwischen der EU und Israel muss ausgesetzt werden&ldquo;, schrieb sie.<\/p><p>Nach zwei Jahren voller Massaker, Zwangsumsiedlungen und Hunger, aus denen es f&uuml;r den Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung kein Entkommen gibt, verlangsamen sich in der zweiten Phase des israelischen V&ouml;lkermords zwar das Tempo und die Zahl der Morde, doch sie h&ouml;ren nicht auf. Israel zerst&ouml;rt nach wie vor das pal&auml;stinensische Volk durch Besatzung, Segregation, Einkerkerung hinter Mauern und Z&auml;unen, Morde und Zwangsvertreibung. Trumps Plan verschleiert dieses neue Szenario, um weiterhin Apartheid und eine de facto milit&auml;rische Besatzung zu erm&ouml;glichen, die den Pal&auml;stinensern zus&auml;tzliches Territorium raubt.<\/p><p><small>Titelbild: tayifmukta\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden die Einsch&auml;tzung von <strong>Olga Rodr&iacute;guez<\/strong>, bekannte spanische Menschenrechtsaktivistin und Vor-Ort-Kennerin des Geschehens im Nahen Osten, insbesondere im Gazastreifen. Der <a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/internacional\/fase-2-genocidio-israeli-ocupacion-53-gaza-asesinatos-segregacion-linea-amarilla_129_12694721.html\">Artikel<\/a> erschien am 19. Oktober 2025 in der reichweitenstarken digitalen Zeitung <em>elDiario.es<\/em>, deren Mitbegr&uuml;nderin sie ist. Deutsche &Uuml;bersetzung und Ver&ouml;ffentlichung durch <strong>Eckart Leiser<\/strong> mit dem Einverst&auml;ndnis der Autorin.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140924\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":140925,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171],"tags":[2580,2637,927,302,1917,2222,1557,1792,1311,849,826,1174,2039,639,1703,2376,2474,2360],"class_list":["post-140924","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-apartheid","tag-embargo","tag-folter","tag-gaza","tag-genozid","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-landgrabbing","tag-nahrungsmittel","tag-rassismus","tag-segregation","tag-siedlungspolitik","tag-uno","tag-voelkerrecht","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-wiederaufbau","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/shutterstock_2582572161.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140924","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=140924"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140924\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":140956,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140924\/revisions\/140956"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/140925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=140924"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=140924"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=140924"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}