{"id":140937,"date":"2025-10-22T16:00:41","date_gmt":"2025-10-22T14:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140937"},"modified":"2025-10-23T07:42:53","modified_gmt":"2025-10-23T05:42:53","slug":"die-kunst-des-genauen-wegschauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140937","title":{"rendered":"Die Kunst des genauen Wegschauens"},"content":{"rendered":"<p>Der Historiker Karl Schl&ouml;gel, ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels, ruft die &bdquo;friedensverw&ouml;hnten&ldquo; Deutschen zum Kampf gegen die Russen auf. Und gegen die Russen respektive die Sowjetunion hat er schon in seinen langen Jahren als maoistischer Kaderf&uuml;hrer gek&auml;mpft. Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels kann wohl nur noch erhalten, wer in Sachen Ukraine-Krieg nach Waffen ruft und sich gegen Verhandlungen stemmt. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2188\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-140937-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=140937-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251022_Die_Kunst_des_genauen_Wegschauens_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Von der Ukraine lernen, hei&szlig;t furchtlos und tapfer sein, vielleicht auch siegen lernen.&ldquo; Markige Worte, die auch von Bandera-Fans und neonazistischen Asow-Kriegern stammen k&ouml;nnten, ja, in denen ein bisschen das Pathos von Sportpalast-Reden nachklingt. Doch diese Worte wurden in der Frankfurter Paulskirche gesprochen, mit diesen Worten hat Karl Schl&ouml;gel seine Rede als neuer Friedenspreistr&auml;ger enden lassen. Wie bitte? War Schl&ouml;gel am falschen Platz, hat er den falschen Preis erhalten? Nein, Schl&ouml;gel steht stramm in der neuen Paulskirche-Kriegstreiber-Tradition. Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels kann wohl nur noch erhalten, wer in Sachen Ukraine-Krieg nach Waffen ruft und sich gegen Verhandlungen stemmt. So wie Schl&ouml;gels Preis-Vorg&auml;nger, der ultranationalistische Autor Serhij Zhadan (&bdquo;Wir m&uuml;ssen unseren Kindern das Wichtigste weitergeben: unsere Kultur und unsere Waffen.&ldquo;) oder die Bellizistin Anne Applebaum, f&uuml;r die das Ende des Krieges nur als v&ouml;llige Niederlage Russlands denkbar ist. <\/p><p>Und nun also Karl Schl&ouml;gel, 77 Jahre alt, Historiker, von den Mainstream-Medien verehrt als Osteuropa-Kenner und Ukraine-Propagandist. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A5TY0WPOd68\">Das 3Sat-Journal &bdquo;Kulturzeit&ldquo; vom 17.10. 2025<\/a> ist anl&auml;sslich des Friedenspreises mit Schl&ouml;gel nach Lviv gefahren, dem fr&uuml;heren Lemberg. &bdquo;Er reist dorthin, wo sich Geschichte ereignet&ldquo;, erkl&auml;rt die Sprecherin in bedeutungsvollem Ton, der bestens harmoniert mit Schl&ouml;gels bedeutungsvoller Miene. Jawohl, sagt er: &bdquo;Geschichte findet statt.&ldquo; Er bewundert die Jugendstilfassaden von Lviv, die Sprecherin sagt, man f&uuml;hle sich &bdquo;sofort vertraut mit dieser Stadt&ldquo;, das sei &bdquo;Mitteleuropa im Kleinen&ldquo;, und Schl&ouml;gel verweist auf das historische Erbe: &bdquo;Man hat von Lviv als Klein-Wien gesprochen&ldquo;.<\/p><p>Im Park singt ein weiblich-kindlicher Folklore-Chor, knallig geschminkt und in wei&szlig;-roter Tracht. Die Sprecherin faselt etwas von einer &bdquo;Zeitkapsel&ldquo;, vom gl&uuml;cklichen Nebeneinander von Moderne und &bdquo;Habsburgerreich&ldquo;, und bekennt: &bdquo;Man k&ouml;nnte fast den &Uuml;berblick verlieren &uuml;ber all diese historischen Schichten &ndash; h&auml;tte man nicht Karl Schl&ouml;gel dabei!&ldquo; Der verr&auml;t uns seine Methode: &bdquo;Man muss diese Stadt zum Sprechen bringen, das ist augen&ouml;ffnend.&ldquo; Schl&ouml;gel l&auml;sst sich einger&uuml;stete Monumente und Statuen zeigen. &bdquo;Kriegsschutz!&ldquo;, wird ihm erkl&auml;rt. Er trifft den Zhadan-&Uuml;bersetzer Juri Derkot, sie schauen sich die Toten-Gedenktafel vor einem Haus an, das von einer Rakete getroffen wurde. Die t&auml;gliche Gedenkminute in Lviv endet mit dem Lautsprecher-Gru&szlig; &bdquo;Slava Ukrajini!&ldquo;. Auf einem Friedhof &uuml;berreicht ein Soldat im Kampfanzug einer Witwe die Ukraine-Fahne. <\/p><p><strong>Wo ist eigentlich die gro&szlig;e Bandera-Statue? <\/strong><\/p><p>Karl Schl&ouml;gel, der in Lviv &bdquo;diese Alarme beklagt&ldquo;, ist dar&uuml;ber verbl&uuml;fft, dass diese Stadt wieder &bdquo;bedroht wird, das war damals &uuml;berhaupt nicht absehbar.&ldquo; &Uuml;berhaupt ist Schl&ouml;gel, der gern seine Ost-Expertise herausstellt und sie den anderen gern abspricht, immer wieder verbl&uuml;fft. Zum Beispiel &uuml;ber die &bdquo;Aufrechterhaltung des Alltags&ldquo; in Lviv, inclusive Rush Hour. Was nun auch den Kulturzeit-Zuschauer verbl&uuml;fft. Haben wir nicht immer wieder &bdquo;Alltags&ldquo;-Bilder aus ukrainischen St&auml;dten gesehen, die weitaus mehr vom Krieg betroffen sind als Lviv? Ist der Versuch, einen Alltag zu leben, nicht geradezu charakteristisch f&uuml;r St&auml;dte im Krieg? Kann es also sein, dass der Historiker Karl Schl&ouml;gel ein Ignorant ist oder, etwas b&ouml;ser formuliert, ein Geschichts-Depperl?<\/p><p>Nein, eher nicht. Denn Schl&ouml;gel wei&szlig; vermutlich, was er tut. Die Hauptkompetenz dieses Mannes, der angeblich St&auml;dte und ihre Geschichte zum Sprechen bringen will, ist nicht die des genauen Hin- , sondern die des genauen Wegschauens. Das demonstriert Schl&ouml;gel auch in diesem uns&auml;glichen Kulturzeit-Beitrag. Bei den Statuen, die er sich in Lviv anschaut, fehlt zum Beispiel die gr&ouml;&szlig;te, n&auml;mlich die des Antisemiten, Faschisten, Terroristen und Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera. Sie wurde 2007 aufgestellt, ist mit Sockel sieben Meter hoch, drei&szlig;ig Meter in der H&ouml;he misst der ihr zugeh&ouml;rige Triumphbogen. Da muss man schon sehr zielgerichtet wegschauen, um so eine Statue zu &uuml;bersehen. <\/p><p>&bdquo;Die Demontage oder die Errichtung neuer Denkm&auml;ler sagt etwas &uuml;ber neues Geschichtsbewusstsein, vielleicht aber auch &uuml;ber neue Mythenbildung&ldquo;, erkl&auml;rt Schl&ouml;gel im Jahr 2024 selber in seiner Rede zur Verleihung des Gerda Henkel Preises, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/558018\/gestrandet-auf-der-sandbank-der-zeit-oder-wie-man-lernt-sein-russlandbild-neu-zusammenzusetzen\/\">die von der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung abgedruckt wurde<\/a>. Ein Satz, der f&uuml;r die Ukraine sicher zutrifft, die alles Russische niederrei&szlig;t und durch Patriotisch-Nationalistisches ersetzt. Das neue Geschichtsbewusstsein der Ukraine ist tats&auml;chlich gepr&auml;gt von neuer Mythenbildung. Einer neuen Mythenbildung mit alten Figuren. N&auml;mlich Figuren wie Stepan Bandera, dem F&uuml;hrer der terroristischen Bewegung OUN, der von der neuen Ukraine posthum als &bdquo;Held&ldquo; seines Landes ausgezeichnet wurde. <\/p><p><strong>Das kosmopolitische Lemberg gibt es nicht mehr<\/strong><\/p><p>Ist der Historiker Karl Schl&ouml;gel tats&auml;chlich einverstanden mit diesem neuen Geschichtsbewusstsein der Ukraine? Auch mit dem, was Bandera gedacht und getan hat? In einem schon 2010 von der j&uuml;dischen Gemeinde Berlin publizierten Text, der den Titel &bdquo;Nazikollaborateur als neuer Held der Ukraine&ldquo; tr&auml;gt, schreiben Levi Salomon, Isabella Hobe und Hannes Tulatz:<em> &bdquo;<\/em>Innerhalb der ersten drei Tage nach dem Einmarsch der Deutschen wurden ungef&auml;hr 7000 Juden umgebracht. ,Volk! Das musst Du wissen, Moskowiten, Polen, Ungaren und Juden &ndash; sie sind deine Feinde. Vernichte Sie! Das musst Du wissen! Deine F&uuml;hrung &ndash; das ist die F&uuml;hrung der ukrainischen Nationalisten, die OUN. Dein F&uuml;hrer &ndash; Stepan Bandera&lsquo;, so lautete die Propaganda f&uuml;r diese Gr&auml;uel&hellip;&ldquo; Auch der <em>Tagesspiegel<\/em> schreibt noch am 5.11.2019: &bdquo;Und Banderas Rolle? Dass die OUN in Lemberg ma&szlig;geblich an pogromartigen Ausschreitungen gegen die j&uuml;dische Bev&ouml;lkerung beteiligt war, gilt heute als unbestritten. Sp&auml;ter ermorden die UPA-K&auml;mpfer 80 000 Polen, darunter viele Zivilisten. Ihr Ziel: eine ethnisch homogene Ukraine.&ldquo;<\/p><p>Eine ethnisch homogene Ukraine! &bdquo;Noch in den 1930er Jahren&ldquo;, so schreibt der Historiker Lutz C. Klevemann in seinem 2017 erschienenen Buch &bdquo;Lemberg. Die vergessene Mitte Europas&ldquo;, lebten in dieser Stadt &bdquo;mehrere gro&szlig;e Volksgruppen mit verschiedenen Kulturen: etwa 160.000 Polen, 100.000 Juden und nur 25.000 Ukrainer, au&szlig;erdem Armenier und so genannte Galiziendeutsche&ldquo;. Heute, nach Besetzung, Vertreibung und Massenmord, habe Lemberg sein Ged&auml;chtnis und seine Identit&auml;t verloren und sei tats&auml;chlich ethnisch homogen. Die B&uuml;rgerh&auml;user wirkten nun, so Klevemann, &bdquo;wie Kulissen, zu deren trister Eleganz die gegenw&auml;rtigen Bewohner nicht recht passen wollen.&ldquo; Heute ist Lviv das Zentrum der Bandera-Verehrung und jener ultranationalistischen Ukraine, die ihren russischsprachigen B&uuml;rgern diese Sprache verbietet. Als Lemberg in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts mal polnisch war und gegen die Vielsprachigkeit zu Felde zog, schrieb der reisende Autor Joseph Roth: &bdquo;Nationale und sprachliche Einheitlichkeit kann eine St&auml;rke sein, nationale und sprachliche Vielf&auml;ltigkeit ist es immer. In diesem Sinn ist Lemberg eine Bereicherung des polnischen Staates.&ldquo; <\/p><p><strong>Das mutwillige Ignorieren der Vorgeschichte<\/strong><\/p><p>Kleiner Exkurs mit Meldungen aus Lwiw: Am 4.8.2019 ist in einem ntv-St&auml;dtetrip zu h&ouml;ren: &bdquo;Die Lemberger lieben es, in mancher Kneipe in der Altstadt mit merkw&uuml;rdigen &Uuml;berraschungen aufzuwarten. In der bekanntesten, der ,Kriyevka&lsquo;, einem Lokal im Milit&auml;r-Stil, darf man auf eine Scheibe mit Putin-Gesicht schie&szlig;en und wird bedient von Kellnern im Soldaten-Look.&ldquo; Und am 24.3.2022 berichtet das <em>Handelsblatt<\/em>: &bdquo;Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine mehren sich in sozialen Netzwerken Fotos von an Pf&auml;hlen und Masten gebundenen mutma&szlig;lichen Pl&uuml;nderern und Dieben. Demnach wurden in mehreren St&auml;dten junge M&auml;nner mit heruntergelassenen Hosen fixiert. Bilder aus Lwiw (Lemberg) zeigen gefesselte Frauen an Laternenpf&auml;hlen. In Lwiw findet derzeit kaum Kriegsgeschehen statt, das Pl&uuml;nderer ausnutzen k&ouml;nnten &hellip; Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denyssenko, rechtfertigte die Aktionen. Die Polizeikr&auml;fte w&uuml;rden in der aktuellen Situation nicht ausreichen, sagte Denyssenko der Nachrichtenseite Strana. ,Ein Pl&uuml;nderer muss begreifen, dass er in jedem Fall das bekommt, was er verdient: Erst wird er an einen Mast gebunden und danach auf jeden Fall f&uuml;r zehn Jahre ins Gef&auml;ngnis gesteckt.&lsquo;&ldquo;<\/p><p>&bdquo;&Uuml;ber allem, was die Menschen in dieser Stadt tun, liegt eine tiefe Ernsthaftigkeit&ldquo;, so hat es die Sprecherin in der &bdquo;Kulturzeit&ldquo;-Lemberg-Reise beobachtet. Und damit zur&uuml;ck zu Karl Schl&ouml;gel. Er kennt nat&uuml;rlich die Geschichte Lembergs, er wei&szlig; auch von Pogromen, Vertreibungen und Massenmorden in den Vierziger-Jahren &ndash; aber er will es nicht mehr wissen. Schl&ouml;gel legt keine historischen Schichten mehr frei, er und seine 3Sat-Reisebegleiter sch&uuml;tten sie zu. Nur in dieser vorgesch&uuml;tzten Geschichtsblindheit und dem mutwilligen Ignorieren aller Vorgeschichte kann sich der Historiker Schl&ouml;gel &uuml;berrascht geben, dass es zum Ukraine-Krieg gekommen ist. &bdquo;Wir m&uuml;ssen wieder ganz von vorne beginnen, weil uns in tiefer Ratlosigkeit die Worte fehlen, um zu beschreiben, was vor unseren Augen geschieht&ldquo;, so zitiert ihn die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> (20.10.2025).<\/p><p><strong>Diese feige und erlebnisarme Generation! <\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r, dass er ratlos ist und ihm die Worte fehlen, setzt Schl&ouml;gel allerdings viele starke Meinungen in die &Ouml;ffentlichkeit. &bdquo;Drei Tage nach dem russischen &Uuml;berfall auf die Ukraine sa&szlig; der Osteuropa-Historiker Karl Schl&ouml;gel in einem Talkshow-Sessel bei Anne Will und rang nach Worten&ldquo;, so schreibt Wolfgang Michal in <em>Der Freitag<\/em> (4.11.2022) und f&auml;hrt fort: &bdquo;Bebend vor Zorn forderte der 74-J&auml;hrige: ,Eigentlich sollten wir nicht hier sitzen, sondern &ndash; wie in Spanien 1936 &ndash; in Internationale Brigaden gehen und k&auml;mpfen.&lsquo;&ldquo; An der Seite von neofaschistischen Asow-K&auml;mpfern in den Krieg ziehen? Indem Karl Schl&ouml;gel den Ukraine-Krieg und den spanischen B&uuml;rgerkrieg auf eine Stufe stellt, unterl&auml;uft er alle wissenschaftlichen Anspr&uuml;che an seine Zunft. Er ist nun ganz klar Partei, und er fordert, ebenfalls gleich zu Kriegsbeginn (der ja eigentlich schon fr&uuml;her und sp&auml;testens nach dem Maidan-Putsch 2014 begonnen hat), eine von der NATO kontrollierte Flugverbotszone &uuml;ber ukrainischem Himmel, was zum direkten Krieg zwischen Russland und dem sogenannten Westen gef&uuml;hrt h&auml;tte. Aber w&auml;re so ein Krieg nicht doch mal ein Erlebnis &bdquo;f&uuml;r die friedensgewohnte und friedensverw&ouml;hnte, in dieser Hinsicht so erlebnisarme Generation, der ich angeh&ouml;re&ldquo;, eine Generation, f&uuml;r die Krieg &bdquo;nur aus Fernsehnachrichten oder Filmen bekannt war&ldquo;? Soll man sich da ein &bdquo;leider&ldquo; dazudenken? <\/p><p>Oder rumoren in Schl&ouml;gels Kopf doch noch Reste von Vernunft? Er erkl&auml;rt ja 2024 in seiner schon erw&auml;hnten Rede zur Verleihung des Gerda Henkel Preises: &bdquo;Wir m&uuml;ssen Putin nicht d&auml;monisieren&ldquo;, und haut dann &ndash; es gibt jetzt kein Halten mehr! &ndash; noch einen drauf: &bdquo;..denn er hat alles in den Schatten gestellt, was man nicht einmal einem D&auml;mon zutraut.&ldquo; Man muss wohl konstatieren: Der Historiker ist zum Hysteriker geworden. Die deutschen Mainstream-Medien aber sind voll des Lobes &uuml;ber diesen Mann. Schl&ouml;gel sei n&auml;mlich ein echter Russlandversteher, so die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> in ihrem Friedenspreis-Artikel, &bdquo;der seit seiner Jugend alles daran gesetzt hat, den Horizont Richtung Osten zu erweitern&ldquo;. Und dann wird es, in der Aufz&auml;hlung schier &uuml;bermenschlicher Schl&ouml;gel&rsquo;scher F&auml;higkeiten fast schon lyrisch: Der Geehrte habe &bdquo;den Raum seiner Leidenschaft in seinen historischen Tiefenschichten wie in allen Auspr&auml;gungen gegenw&auml;rtiger Lebenswelten als Reisender, Wissenschaftler, Publizist durchmessen&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Tiefenschichten des Karl Schl&ouml;gel<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich das Portr&auml;t, das die <em>ZEIT<\/em> (16.10.2025) dem Preistr&auml;ger spendiert. &bdquo;Ein Grundmuster dieses intellektuellen Lebens kann man also schon beim 21-j&auml;hrigen Studenten entdecken: Die Anschauung, das Erleben, das Hinsehen, das sinnliche Erfassen der verschiedenen Dimensionen geh&ouml;ren zur Erkenntnismethode dieses Historikers &hellip;&ldquo; Aber in diesem Portr&auml;t wird auch mal kurz das erw&auml;hnt, was die meisten Jubler auslassen (oder nicht wissen?), und was auch Schl&ouml;gel selbst, wenn schon nicht leugnet, dann doch gern verschweigt: Seine langen Jahre als maoistischer KPD(AO)-Funktion&auml;r. Von einer &bdquo;ideologischen Irrfahrt nach 1968&ldquo; ist da die Rede, bei der auch, so die <em>ZEIT<\/em> entschuldigend, viele andere heute bekannte Personen mitgefahren w&auml;ren. Bei Schl&ouml;gel sei diese Phase zwar &bdquo;besonders intensiv&ldquo; gewesen, aber &bdquo;nie prosowjetisch, sondern chinatreu maoistisch&ldquo;. <\/p><p>An Maos Lippen h&auml;ngen und vermutlich auch die massenm&ouml;rderischen Roten Khmer und deren F&uuml;hrer Pol Pot hofieren? F&uuml;r die <em>ZEIT<\/em> ist das nicht so schlimm und wird fast schon aufgewogen durch Schl&ouml;gels Kampf gegen die Sowjetunion. Und es war ja nur eine Phase, &uuml;ber die sich Schl&ouml;gel heute selber wundert: &bdquo;Es ist schwer, in diese Jahre eine Logik hineinzubringen.&ldquo; Laut <em>ZEIT<\/em> dauerten sie bis Ende der Siebziger, tats&auml;chlich schrieb Karl Schl&ouml;gel seinen Aufmacher zur Aufl&ouml;sung der KPD in der <em>Roten Fahne<\/em> erst am 19.3.1980. Da war Schl&ouml;gel Anfang drei&szlig;ig, also zu alt f&uuml;r Jugends&uuml;nden, und ob er zu dieser Zeit gedanklich oder nur organisatorisch aus seiner &bdquo;ideologischen Irrfahrt&ldquo; ausgestiegen ist, das wei&szlig; wohl nur er selber. Die Tiefenschichten des Karl Schl&ouml;gel m&uuml;ssten im Detail wohl noch freigelegt werden, auch wenn er sich heute selber eine &bdquo;Immunisierung&ldquo; gegen Ideologien bescheinigt.<\/p><p>Noch einmal ein Schl&ouml;gel-Zitat aus seiner Gerda-Henkel-Preis-Rede: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Man scheut sich in unseren aufgekl&auml;rten Zeiten vom ,absolut B&ouml;sen&lsquo; zu sprechen. Anders als in den 1930er Jahren, in denen um eine ,Theorie des Faschismus&lsquo; gerungen wurde, steht eine Diskussion zur theoretischen Bew&auml;ltigung des Putinismus aus. Das ist besonders auff&auml;llig in Deutschland, das gefordert ist, seiner ,Vergangenheitsbew&auml;ltigung&lsquo; eine Bew&auml;ltigung der Gegenwart folgen zu lassen. Dies umso mehr als sich die Spuren des heutigen russischen Krieges mit denen des deutschen Krieges auf ukrainischem Territorium immer wieder &uuml;berkreuzen.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da ist sie also wieder, und diesmal in besonders infamer Form: die Hitler-und-Putin-Gleichsetzung. In seiner die eigene Biografie anf&uuml;hrenden Gerda-Henkel-Preisrede (&bdquo;F&uuml;r 1968er Aktivisten wie mich war der real existierende Sozialismus der Sowjetunion, noch dazu in n&auml;chster N&auml;he verk&ouml;rpert in der DDR, abschreckend&ldquo;) klammert Schl&ouml;gel seine langen maoistischen Jahre komplett aus. <\/p><p><strong>Schon wieder auf der richtigen Seite der Front!<\/strong><\/p><p>Heute und in Sachen Ukraine best&auml;tigt sich Schl&ouml;gel jedoch ein Erweckungserlebnis, dessen Wortwahl wie inspiriert wirkt von der alten Ideologie-Diktion: &bdquo;Es gibt den Augenblick, in dem es einem wie Schuppen von den Augen f&auml;llt, weil die Unterscheidung T&auml;ter und Opfer so klar und eindeutig ist wie die zwischen Solidarit&auml;t und Verrat&ldquo; (Zitat noch einmal aus der Gerda-Henkel-Preisrede). Nein, als Meister der Zwischent&ouml;ne kann Karl Schl&ouml;gel eher nicht bezeichnet werden. Der Autor Hans Christoph Buch stellt sich heute, was die KPD-Jahre angeht, die Frage: &bdquo;Was aber brachte weitsichtige, klar denkende Intellektuelle dazu, totalit&auml;re Staaten zu preisen und zusammen mit Mao auch Stalin zu huldigen?&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/68-er-generation-die-propagandaluegen-westlicher-maoisten-ld.1602344\">NZZ, 22.1.2022<\/a>). Der Autor nennt auch den Namen Karl Schl&ouml;gel. Buch kommt zu dem Schluss: &bdquo;Die Antwort ist deprimierend, denn es war nicht die im Marxismus enthaltene Hoffnung auf Emanzipation. Es war die jakobinische Sch&auml;rfe, ein mit Fanatismus gepaarter Vernichtungswillen, was sie fasziniert hat.&ldquo;<\/p><p>Karl Schl&ouml;gel, in dem sich Ideologie, Irrtum und Propaganda verkn&auml;ueln, braucht einen Feind, und er ist sich schon wieder sicher, dass er auf der richtigen Seite, genauer: auf der richtigen Seite der Front steht. &bdquo;Ich m&ouml;chte, dass die Leute sehen, was ich sehe&ldquo;, sagt er in einem <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/kultur\/der-osten-ist-eine-art-pompeji\/43488\">&bdquo;Cicero&ldquo;-Portr&auml;t<\/a>. Und der <em>ZEIT<\/em> vertraut er an: &bdquo;Ich habe die Gewissheit, dass ich noch einmal auf dem Bergufer bei Nischni Nowgorod stehen und &uuml;ber die Wolga hin&uuml;berschauen werde. Und zwar sehr bald.&ldquo; Mit und neben ihm, man muss es sich wohl so vorstellen, ukrainische Asow-K&auml;mpfer, NATO-Verb&auml;nde und vor allem deutsche Truppen. So w&auml;re Russland, der altb&ouml;se Feind, am Ende doch noch niedergezwungen, so h&auml;tte sich am Ende das Schl&ouml;gel&rsquo;sche Lebenswerk gerundet. Noch einmal: &bdquo;Von der Ukraine lernen, hei&szlig;t furchtlos und tapfer sein, vielleicht auch siegen lernen.&ldquo;<\/p><p>P.S. Die Ukraine war 2003 beim v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak dabei. Mit ihren 1.650 beteiligten Soldaten belegte sie Platz 6 in der Koalition der Willigen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot ARD<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136675\">&bdquo;Russland ist der Feind&ldquo;: Karl Schl&ouml;gel erh&auml;lt &bdquo;Friedenspreis&ldquo; des deutschen Buchhandels<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140883\">Wenn Deutschlands Buchhandel weiterhin seinen sogenannten &bdquo;Friedenspreis&ldquo; an Kriegstreiber verleiht, dann sollten wir ihm den R&uuml;cken kehren<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89603\">Die Russen sind &bdquo;Unrat&ldquo;: Pamphlet erh&auml;lt den &bdquo;Friedenspreis&ldquo; des Buchhandels<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118746\">Alle Friedenspreise erobert!<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Historiker Karl Schl&ouml;gel, ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels, ruft die &bdquo;friedensverw&ouml;hnten&ldquo; Deutschen zum Kampf gegen die Russen auf. Und gegen die Russen respektive die Sowjetunion hat er schon in seinen langen Jahren als maoistischer Kaderf&uuml;hrer gek&auml;mpft. 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