{"id":140961,"date":"2025-10-23T09:00:41","date_gmt":"2025-10-23T07:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140961"},"modified":"2025-10-23T09:26:30","modified_gmt":"2025-10-23T07:26:30","slug":"wenn-der-schlecht-bezahlte-museumswaerter-lieber-die-fuesse-stillhaelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140961","title":{"rendered":"Wenn der schlecht bezahlte Museumsw\u00e4rter lieber die F\u00fc\u00dfe stillh\u00e4lt"},"content":{"rendered":"<p>Das war ein spektakul&auml;rer Einbruch in den Pariser Louvre, meldeten Medien euphorisch. Derweil suchen die aufgewachten Sicherheitsprofis Frankreichs hektisch nach den T&auml;tern samt wertvoller Beute. Viele wichtige Akteure kommen zu der Erkenntnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Museums in die Jahre gekommen seien. Welch Blamage, wird geklagt. Doch den Verantwortlichen braucht man das Jammern nicht abzunehmen. Alles ist nicht eine Frage des Geldes, sondern eine der Priorit&auml;ten: bei der Sicherheit, Machtdemonstration und beim Prestige wie bei Polizei, Milit&auml;r, R&uuml;stung flie&szlig;en die Mittel ja auch wie im Schlaraffenland der zuckers&uuml;&szlig;e Honig. Bei den einfachen Ordnern im Louvre und moderner Technik wird hingegen gegeizt. Sp&auml;t und unaufrichtig geriet dazu die Erkenntnis des Pr&auml;sidenten Emmanuel Macron, der meinte, dass der Diebstahl ein Angriff sei auf ein Kulturgut, das man sch&auml;tze, weil es Teil der Geschichte sei. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Coup der Juwelenr&auml;uber &ndash; dank Eigenschutz-Handelns der Museumsangestellten<\/strong><\/p><p>Dieser Umstand zum spektakul&auml;ren Diebstahl von Paris ist bemerkenswert: Dass die Juwelenr&auml;uber ihren Coup im Louvre geradezu ungehindert durchziehen konnten, daf&uuml;r sorgte wohl auch die ordentliche Dienstaus&uuml;bung der anwesenden unbewaffneten Museumsangestellten, die dem Eigenschutz den vern&uuml;nftigen Vorrang einr&auml;umten, anstatt sich den wom&ouml;glich bewaffnenden Gangstern entgegenzustellen. Verletzte oder gar Tote wurden damit wohl verhindert. Und ja, eine Menge k&ouml;niglicher Klunker wurde ungehindert entwendet. Sei&acute;s drum. In einer Mitteilung zum Ereignis in den musealen R&auml;umen hie&szlig; es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Alarmanlagen am Au&szlig;enfenster der Apollo-Galerie sowie an den beiden betroffenen Vitrinen wurden ausgel&ouml;st. Im Moment des Einbruchs, der besonders schnell und brutal war, griffen die f&uuml;nf Museumsangestellten, die sich im Saal und in den angrenzenden R&auml;umen befanden, sofort ein, um das Sicherheitsprotokoll anzuwenden: Kontaktaufnahme mit den Ordnungskr&auml;ften und vorrangiger Schutz von Personen.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.heute.at\/s\/fuenf-security-mitarbeiter-stoppten-louvre-diebe-nicht-120138691\">Heute &Ouml;sterreich<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Gro&szlig;es Lamento bei den Beh&ouml;rden und zaghafte Selbstkritik<\/strong><\/p><p>Die T&auml;ter sind auf und davon (vorerst). Die Tr&uuml;mmer liegen vor den Verantwortlichen. Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen des Museums werden &ndash; jetzt, wo es zu sp&auml;t ist &ndash; kritisiert: Im Louvre mit seinen zahlreichen S&auml;len sei zum Beispiel sehr sparsam mit dem Einsatz von &Uuml;berwachungskameras umgegangen worden. Zwar soll es einen Masterplan f&uuml;r die Modernisierung geben, aber die Mittel flossen bislang eher tr&ouml;pfchenweise. Warum nur, wenn doch alles ein wichtiges Gut der Nation sei, wie Pr&auml;sident Emmanuel Macron schw&auml;rmte. Die &bdquo;Tagesschau&ldquo; meldete nun:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der franz&ouml;sische Rechnungshof prangert &ldquo;erhebliche Verz&ouml;gerungen&rdquo; bei der Installation von Sicherheitseinrichtungen an, wie es in einem noch unver&ouml;ffentlichten Bericht hei&szlig;t, aus dem franz&ouml;sische Medien zitieren. &ldquo;Aufgrund der anhaltenden Verschiebung des Masterplans zur Modernisierung der Sicherheitsausr&uuml;stung erfolgt die Installation von Kameras im Wesentlichen nur im Rahmen von Umbauarbeiten in den S&auml;len.&rdquo; Dem Bericht zufolge sind in einigen Geb&auml;udeteilen nur etwa ein Drittel der n&ouml;tigen &Uuml;berwachungskameras installiert.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/louvre-einbruch-kritik-100.html\">Tagesschau<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Schmuck ist Eigentum Frankreichs, also aller Franzosen &ndash; und doch nachl&auml;ssig gesch&uuml;tzt<\/strong><\/p><p>Wenn die Verantwortlichen die zahlreichen wertvollen Exponate im Louvre mit lediglich einem Drittel der n&ouml;tigen &Uuml;berwachungskameras zu sch&uuml;tzen gedenken, stellen sich Fragen nach der Wichtigkeit, nach der Wertsch&auml;tzung, nach der wirklichen Bedeutung f&uuml;r die Gesellschaft, f&uuml;r die Allgemeinheit. In f&uuml;hrenden Medien findet sich aktuell keine &Uuml;berlegung. Doch die Sammlungen des Louvre sind das Eigentum aller Franzosen. Die B&uuml;rger werden verschmerzen, was die R&auml;uber erbeutet haben:<\/p><blockquote>\n<ul>\n<li><em>Eine Halskette und ein Ohrring aus der Kollektion von Kaiserin Marie-Louise (1791 &ndash; 1847), der zweiten Frau von Napoleon Bonaparte<\/em><\/li>\n<li><em>Eine Halskette, ein Paar Ohrringe und ein Diadem aus den Kollektionen der K&ouml;niginnen Marie-Am&eacute;lie (1782 &ndash; 1866) und Hortense (1783 &ndash; 1837)<\/em><\/li>\n<li><em>Zwei Broschen und ein Diadem aus der Kollektion der Kaiserin Eug&eacute;nie (1826 &ndash; 1920)<\/em><\/li>\n<li><em>Die Krone der Kaiserin Eug&eacute;nie wurde gestohlen, aber von den Dieben verloren.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Laut einer internen Quelle des Louvre wurde der ber&uuml;hmte &ldquo;R&eacute;gent&rdquo;, der gr&ouml;&szlig;te Diamant der Sammlung mit mehr als 140 Karat, nicht gestohlen.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.heute.at\/s\/fuenf-security-mitarbeiter-stoppten-louvre-diebe-nicht-120138691\">Heute &Ouml;sterreich<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und dennoch zeugt der Vorfall, den die Sparf&uuml;chse in den Ministerien mitzuverantworten haben, davon, dass im Staate Frankreich was faul ist. Was &uuml;berbordend in die Macht-Maschinerie des Staates investiert wird, einschlie&szlig;lich Personal und Ausr&uuml;stung, das wird nicht im Mindesten zum Beispiel bei den Mitarbeitern &ouml;ffentlicher Einrichtungen wie in den Museen oder in Galerien bereitgestellt.<\/p><p>Bezeichnend f&uuml;r unser deutsches &ouml;ffentlich-rechtliches Fernsehen ist, dass der Faktor Mensch in einem Nebensatz auftaucht. In der Kritik zur Sparpolitik hei&szlig;t es in der &bdquo;Tagesschau&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n<em>Auch beim Sicherheitspersonal wurde nach Angaben von Gewerkschaften kr&auml;ftig gespart.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/louvre-einbruch-kritik-100.html\">Tagesschau<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Knauserei erw&auml;hnte auch der <em>Deutschlandfunk<\/em> samt eines interessanten Fakts &uuml;ber die Demotivation des Personals und etwaige Folgen:<\/p><blockquote><p>\n<em>In Paris hatten die Gewerkschaften vor einigen Monaten zudem mit einem Streik auf die schlechte Personallage im Louvre hingewiesen. Auch die Bezahlung des Sicherheitspersonals ist schlecht, was dazu f&uuml;hren kann, dass Schmiergelder f&uuml;r sogenannte Inside Jobs gezahlt werden. Es ist dokumentiert, dass in der Vergangenheit Menschen, die in Museen arbeiten, Tipps an Kriminelle gegeben haben.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/louvre-kunstraub-sicherheit-museen-100.html\">Deutschlandfunk Kultur<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kleckern f&uuml;r Museen, klotzen f&uuml;r militarisierte Polizei<\/strong><\/p><p>Die Museumsangestellten, die Menschen, die in den S&auml;len leise und diskret aufpassen &ndash; ihnen wird wenig Beachtung geschenkt. Zum Vergleich habe ich eine lose Aufstellung von Ma&szlig;nahmen f&uuml;r die franz&ouml;sische Polizei, Gendarmerie und Spezialeinheiten und ihre Ausr&uuml;stung zusammengetragen, f&uuml;r die ein enormer Aufwand betrieben wird: Erh&ouml;hung der Zahl der Einsatzkr&auml;fte; Verst&auml;rkung der Bewaffnung von Streifenpolizisten; Bewaffnung der Gendarmerie mit Langwaffen; Militarisierung und Modernisierung im Bereich Waffen, Pistolen, Maschinenpistolen; Spezialeinheiten mit Ausstattung Scharfsch&uuml;tzengewehre und Taser-Elektroschockpistolen; Ausweitung des Einsatzes von &Uuml;berwachungstechnologie (Gesichtserkennung, Drohnen zur &Uuml;berwachung); Militarisierung bei den Fahrzeugen der verschiedenen Polizeiabteilungen. Die Liste ist unvollst&auml;ndig.<\/p><p>Warum das Ganze? Die &bdquo;Militarisierung&ldquo; aller franz&ouml;sischen Polizeikr&auml;fte ist Ausdruck des Machtmissbrauchs der politischen Klasse gegen die Bev&ouml;lkerung. Statt eine soziale Politik zu realisieren, setzen die Verantwortlichen auf die Ordnungskr&auml;fte und diese bei Widerstand des Volkes ein. Wer aufmuckt &hellip; In einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100298\">NachDenkSeiten-Beitrag<\/a> schrieb ich dazu:<\/p><blockquote><p>\n<em>&hellip; die Polizei zu einer Armee im Innern aus: paramilit&auml;risch, aggressiv ausgestattet, gef&auml;hrliche bis international ge&auml;chtete Waffen bei Protesten einsetzend. Die Vorst&auml;dte Frankreich hei&szlig;en Banlieues, sie gelten bis heute nicht als Orte der Hoffnung und des sch&ouml;nen franz&ouml;sischen Lebens. Die Verarmung der Menschen dort, deren Herabw&uuml;rdigung, deren gesellschaftliche Ausgrenzung haben noch zugenommen. Dagegen zeigt sich der Staat, die B&uuml;rokratie in all seiner zynischen Gr&ouml;&szlig;e und Machtf&uuml;lle. Die Polizei patrouilliert durch die Viertel, sie sorgt f&uuml;r Ordnung und Sicherheit, hei&szlig;t es.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wie in Frankreich, so auch bei uns<\/strong><\/p><p>Die sinnlose wie arrogante Sparpolitik bis in die wichtigen &ouml;ffentlichen Einrichtungen eines Landes hinein, wie in Frankreich eben der Louvre, sie wird auch in unserem Land praktiziert. Das zivilisatorische Leben leidet, der Zwang hat Vorfahrt, soziale, kulturelle, gesellschaftliche Errungenschaften zu beschneiden, zu vernachl&auml;ssigen, hinten anzustellen, um &bdquo;wichtigere&ldquo; Dinge zu finanzieren (zum Beispiel Aufr&uuml;stung, Umverteilung von unten nach oben). Was dabei herauskommt? Der brave B&uuml;rger h&ouml;rt Radio, so von der spektakul&auml;ren Geschichte aus Paris, aber auch von kleinen wie traurigen Geschichten aus der deutschen Provinz. Im Osterzgebirge und in der Oberlausitz zum Beispiel &uuml;berlegen gerade die engagierten wie machtlosen Verantwortlichen an der Basis, wie sie die Bewirtschaftung von musealen Einrichtungen in einigen Kommunen angesichts der K&uuml;rzungspl&auml;ne der Landespolitik noch stemmen k&ouml;nnen. Museumsschlie&szlig;ungen, mindestens die Verk&uuml;rzung von &Ouml;ffnungszeiten stehen im Raum. In einem weiteren Ort in der Oberlausitz, G&ouml;rlitz, hingegen l&auml;uft die Umwandlung der traditionsreichen zivilen Waggonproduktion zur R&uuml;stungsproduktion auf Hochtouren. Was die geschlossenen Museen anbetrifft: Wenigstens w&auml;re da nichts mehr zu klauen. Was die k&uuml;nftige R&uuml;stungsschmiede anbelangt: die Gewinne werden sprudeln.<\/p><p><small>Titelbild: Olha Solodenko\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war ein spektakul&auml;rer Einbruch in den Pariser Louvre, meldeten Medien euphorisch. Derweil suchen die aufgewachten Sicherheitsprofis Frankreichs hektisch nach den T&auml;tern samt wertvoller Beute. Viele wichtige Akteure kommen zu der Erkenntnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Museums in die Jahre gekommen seien. Welch Blamage, wird geklagt. Doch den Verantwortlichen braucht man das Jammern nicht abzunehmen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140961\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":140962,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,917,20,156],"tags":[423,1043,1760,918,893,1367],"class_list":["post-140961","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innere-sicherheit","category-kultur-und-kulturpolitik","category-landerberichte","category-schulden-sparen","tag-austeritaetspolitik","tag-frankreich","tag-kriminalitaet","tag-kulturlandschaft","tag-militarisierung","tag-ruestungsausgaben"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/shutterstock_2517456945.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=140961"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140961\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":140970,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/140961\/revisions\/140970"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/140962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=140961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=140961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=140961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}