{"id":1410,"date":"2006-07-13T08:53:49","date_gmt":"2006-07-13T06:53:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1410"},"modified":"2016-02-02T14:54:29","modified_gmt":"2016-02-02T13:54:29","slug":"zur-denkschrift-der-ekd-uber-armut-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1410","title":{"rendered":"Zur Denkschrift der EKD \u00fcber Armut in Deutschland."},"content":{"rendered":"<p>Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland schlie&szlig;t seinen Frieden mit dem wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesregierung. Er macht viele moralisch und theologisch begr&uuml;ndete Vorschl&auml;ge zur Armutsbek&auml;mpfung und zur gerechten Teilhabe an der Gesellschaft. &Uuml;ber die Bek&auml;mpfung der Ursachen von Armut und Ausgrenzung schweigt er sich in seiner Denkschrift leider weitgehend aus.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist h&ouml;chst anerkennenswert, dass die Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland den Armutsbegriff &uuml;ber die schiere materielle Armut hinaus um den Mangel an &bdquo;gerechter Teilhabe&ldquo;, um die &bdquo;umfassende Beteiligung Aller an Bildung und Ausbildung sowie an den wirtschaftlichen, sozialen und solidarischen Prozessen der Gesellschaft&ldquo; erg&auml;nzt und erweitert. Es ist gerade in einer Zeit, wo der Freiheitsbegriff als individuelle, noch mehr als unternehmerische Freiheit politisch usurpiert wird, gut, wenn eine starke gesellschaftliche Kraft wie die Evangelische Kirche die Bedeutung der Solidarit&auml;t f&uuml;r eine nachhaltige und gerechte wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung hervorhebt.<\/p><p>Gut zwanzig der achtzig Seiten lesen sich wie ein Armutsbericht einer parlamentarischen Enquetekommission und viele Passagen st&uuml;nden auch einem Kommissionsbericht von Bildungsexperten gut zu Gesicht.<br>\nDen &Uuml;berlegungen und Vorschl&auml;gen &uuml;ber Armutsbek&auml;mpfung und Bildungsf&ouml;rderung kann man in vielen Punkten nur zustimmen. So etwa, dass das Thema Armut nicht vom Thema Reichtum getrennt werden k&ouml;nne oder dass der entscheidende Risikofaktor zur Herausbildung von Armut die in Deutschland &uuml;ber die letzten 30 Jahre best&auml;ndig angewachsene Arbeitslosigkeit sei. Bemerkenswert ist die Kritik an der Berechnung der Regels&auml;tze f&uuml;r die Sozialhilfe, wo sich die Vermutung aufdr&auml;nge &bdquo;leitend f&uuml;r das Berechnungsverfahren sei weniger die Ermittlung eines angemessenen Existenzminimums sondern vielmehr die erwartete Belastung der &ouml;ffentlichen Haushalte gewesen&ldquo;.<br>\nUnterschreiben kann man auch den Satz, dass wenn die Summe der Sozialleistungen f&uuml;r eine Familie &bdquo;h&ouml;her liegt als das Nettoeinkommen eines Vollzeit Arbeitenden, von dem eine ganze Familie ern&auml;hrt wird&ldquo; dies &bdquo;aber nicht eine Absenkung der Leistungen f&uuml;r Familien begr&uuml;nden&ldquo; d&uuml;rfe, sondern &bdquo;zu einer Diskussion um die Ausgestaltung des Niedriglohnbereichs einschlie&szlig;lich einer differenzierten Diskussion der erhobenen Forderung nach Mindestl&ouml;hnen f&uuml;hren&ldquo; m&uuml;sse. Ein Niedriglohnsektor d&uuml;rfe kein Bereich werden, &bdquo;in dem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch eine sich stets nach unten bewegende Lohnspirale ausgebeutet werden.&ldquo; <\/p><p>Wo es nicht gen&uuml;gend Nachfrage nach Arbeit gebe, m&uuml;sse &bdquo;schon um der Menschen willen auf &ouml;ffentliche gef&ouml;rderte und wo n&ouml;tig auch auf direkt &ouml;ffentlich bereitgestellte Arbeitspl&auml;tze zur&uuml;ckgegriffen werden.&ldquo; Ein zweiter oder gar dritter Arbeitsmarkt d&uuml;rfe kein Tabu sein.<\/p><p>Auch f&uuml;r die Bildungspolitik wird Richtiges angemahnt:<br>\n&bdquo;Zu den Schl&uuml;sselfragen einer erfolgreichen Sozialstaatsstrategie geh&ouml;rt ein energisches Setzen auf Bildung &ndash; einschlie&szlig;lich der fr&uuml;hkindlichen Bildung in Kindertagesst&auml;tten &ndash; und Weiterbildung.&ldquo;<br>\nHeftige Kritik wird daran ge&uuml;bt, &bdquo;dass der Schulerfolg eines Kindes vergleichsweise zu sehr von seiner sozialen Herkunft und zu wenig von seinen Begabungen bestimmt wird&ldquo;.<br>\nEs wird sogar an bildungspolitischen Tabus ger&uuml;ttelt: &bdquo;Unter dem Aspekt der Schaffung eines armutsverringernden Bildungssystems&ldquo; m&uuml;sse &bdquo;&uuml;ber die Kultur des drei- und mehrgliedrigen Schulsystems in Deutschland diskutiert werden. In keinem vergleichbaren Industrieland gliedert sich das Schulwesen im Ergebnis so rigide wie in Deutschland. Nirgendwo sonst fallen die faktischen Entscheidungen &uuml;ber k&uuml;nftige Lebenschancen in so jungen Jahren. Es scheint einiges daf&uuml;r zu sprechen, dass es vor allem die Notwendigkeit der schnellen Selektion der Sch&uuml;ler in den meisten Bundesl&auml;ndern nach nur vier Jahren ist, die den auch entsprechenden Druck bei den Lehrern versch&auml;rft und so zur problematischen Gesamtsituation beitr&auml;gt.&ldquo;<\/p><p>Selbst die viel gefeierte (neue) Familienpolitik der Bundesregierung bekommt &bdquo;ihr Fett weg&ldquo;: &bdquo;Der Schwerpunkt dieser (familienpolitischen) Aktivit&auml;ten liegt in der Erleichterung der Situation relativ besser Verdienender. Die gro&szlig;e Zahl von Kindern in Armut werden durch diese Ma&szlig;nahmen nicht erreicht und nicht besser gef&ouml;rdert. Ihnen hilft nach aller Erfahrung auch nicht die Erh&ouml;hung von materiellen Leistungen als solches, sondern vor allem die Bereitstellung institutioneller F&ouml;rderleistungen. In dieser Hinsicht ist der kostenlose Zugang zu Kindertagesst&auml;tten vom zweiten Lebensjahr an der richtige Weg&ldquo;.<\/p><p>Die Denkschrift widerspricht all denjenigen, die soziale Gerechtigkeit in eine formale &bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo; umdeuten wollen: &bdquo;Ohne materielle Verteilungsgerechtigkeit l&auml;uft Chancengleichheit ins Leere&hellip; Der Aspekt der Verteilungsgerechtigkeit bleibt daher von gro&szlig;er Bedeutung, denn wenn Menschen in die Situation geraten, kein eigenes Einkommen erzielen zu k&ouml;nnen, ist der Anspruch auf materielle Basissicherung die Voraussetzung daf&uuml;r, weiter gehende, nichtmaterielle Unterst&uuml;tzung &uuml;berhaupt nutzen zu k&ouml;nnen.&ldquo; (S.8ff)<\/p><p>Statt eines blo&szlig; formal gerechten Angebots an Chancen im Sinne einer &bdquo;Bef&auml;higungsgerechtigkeit&ldquo;, nach dem Prinzip &bdquo;Jedem das Seine&ldquo;, m&uuml;ssten &uuml;ber die &bdquo;solidarisch gew&auml;hrte materielle Unterst&uuml;tzung&ldquo; hinaus &bdquo;von staatlicher Seite <strong>aktivierende und unterst&uuml;tzende<\/strong> Hilfen und insbesondere wirksame Bildungsm&ouml;glichkeiten bereitgehalten werden, um eine breite Teilhabe der betreffenden Menschen an der Gesellschaft zu sichern bzw. wiederherzustellen.&ldquo;<br>\nIm Mittelpunkt aktivierender und unterst&uuml;tzender Hilfen m&uuml;sse &bdquo;die auf allen Ebenen, insbesondere aber durch das Bildungssystem zu leistende Vermittlung von Kompetenzen&ldquo; stehen. Diese Kompetenzen sollten &bdquo;vor allem auf die Entwicklung von Eigenverantwortung und Solidarit&auml;t.&ldquo; Hier liege der Schl&uuml;ssel f&uuml;r eine wirksame Armutsbek&auml;mpfung.<\/p><p>Es ist geradezu raffiniert intelligent, um nicht zu sagen typisch f&uuml;r den staatsorientierten deutschen Protestantismus, wie hier die reformerischen Begriffe vom &bdquo;aktivierenden&ldquo; oder &bdquo;vorsorgenden&ldquo; Sozialstaat, das &bdquo;f&ouml;rdern&ldquo; und das &ndash; meist nur repressiv eingesetzte &ndash; &bdquo;fordern&ldquo; oder der blo&szlig;e Appell an die &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; umgedeutet werden, in die Forderung nach &bdquo;aktivierenden Wegen mit dem Ziel, Menschen dabei zu helfen, wieder f&uuml;r sich selbst sorgen zu k&ouml;nnen.&ldquo; Es ist der Versuch dem &uuml;berwiegend finanzpolitisch motivierten Umbau des Sozialstaats das konstruktive Konzept iner &bdquo;teilhabefreundliche Erneuerung des Sozialstaates&ldquo; entgegen zu stellen.<\/p><p>An manchen Stellen wirkt es geradezu penetrant, wie die Autoren der Denkschrift versuchen, sich begrifflich an den allgemeinen Reformjargon anzuschmiegen und ihn inhaltlich im Sinne einer protestantischen Sozialethik umzudeuten.<\/p><p>All das, was hier lobend erw&auml;hnt worden ist &ndash; und es g&auml;be einiges mehr hinzuzuf&uuml;gen &ndash; kann aber nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass sich die Denkschrift mit all ihren unterst&uuml;tzensw&uuml;rdigen Vorschl&auml;gen und Appellen, sich wirtschaftspolitisch voll und ganz an das vorherrschende angebotsorientierte &ouml;konomische Dogma angepasst hat.<br>\nMan hat an manchen Passagen geradezu den Eindruck als w&auml;ren da Texte aus den Schubladen, des die Denkschrift verlegenden Bertelsmann-Konzerns oder aus dem Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) dazwischen gemischt worden. Letzteres w&auml;re auch kein Wunder der der Vorsitzende der die Denkschrift vorbereitende Kammer der EKD f&uuml;r Soziale Ordnung Gert G. Wagner kommt aus diesem Stall.<\/p><p>Die Denkschrift verlangt eine &bdquo;enge Verzahnung von Sozial-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik&ldquo;. Warum eigentlich nicht auch und gerade der Wirtschaftspolitik?<\/p><p>W&auml;hrend einleitend von der &bdquo;teilhabefreundliche Erneuerung des Sozialstaates&ldquo; gesprochen wird, hei&szlig;t auf weiter hinten &bdquo;es braucht einen entschiedenen Umbau&ldquo;. (S.51)<br>\nEs brauche &bdquo;Impulse, um die wirtschaftliche Wettbewerbsf&auml;higkeit und die Besch&auml;ftigungsspielr&auml;ume zu erweitern.&ldquo; (S.52) Man tut also so, als w&auml;re die Wettbewerbsf&auml;higkeit und nicht etwa die stagnierende Binnennachfrage unser Problem.<\/p><p>Da ist pl&ouml;tzlich nicht mehr davon die Rede, dass Arbeit &bdquo;als ein Teil des von Gott gegebenen Auftrags an den Menschen&ldquo; ist, sondern es hei&szlig;t im &uuml;blichen Jargon, dass &bdquo;eine weitere Verteuerung des Faktors Arbeit kontraproduktiv w&auml;re&ldquo;. Und: &bdquo;Ohne eine sp&uuml;rbare Senkung der Abgaben auf Arbeit droht legale Besch&auml;ftigung auch k&uuml;nftig in vielen F&auml;llen zu teuer zu sein, droht die Schattenwirtschaft weiter zuzunehmen .&ldquo; Das k&ouml;nnte man auch wortgleich in den Denkschriften des DIHK nachlesen.<\/p><p>Geradezu aus einem Bertelsmann-Ranking abgeschrieben sein, k&ouml;nnten Behauptungen wie etwa: &bdquo;Im internationalen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen einer guten Besch&auml;ftigungslage eines Landes und einer niedrigen Belastung der Arbeitsverh&auml;ltnisse,&hellip;durch lohnbezogene Sozialabgaben.&ldquo;<br>\nWie selbstverst&auml;ndlich wird als &bdquo;vorteilhaft&ldquo; unterstellt, &bdquo;Arbeitsverh&auml;ltnisse st&auml;rker von der Belastung durch Sozialabgaben zu befreien und die Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme verst&auml;rkt und nachhaltig &uuml;ber Steuern sicherzustellen.&ldquo; Der Mythos von den zu hohen Lohnnebenkosten findet nun also seine theologischen Weihen.<br>\nDer Einzelne werde sich &bdquo;f&uuml;r den Erhalt seines jeweiligen Wohlstandsniveaus gegen zus&auml;tzliche Risiken st&auml;rker selbst sichern m&uuml;ssen.&ldquo; Es gebe die &bdquo;Notwendigkeit verst&auml;rkter privater Vorsorge&ldquo;.<br>\nAuch bei der Alterssicherung wird f&uuml;r eine &bdquo;st&auml;rkere Mischung von Umlage- und Kapitaldeckung&ldquo; pl&auml;diert und einfach behauptet, &bdquo;dass st&auml;rker gemischte Deckungsstrategien offenbar eine stabilere Abgabenentwicklung f&uuml;r Erwerbst&auml;tige und Unternehmen erm&ouml;glichen&ldquo;. (S. 55)<br>\nAuch bei der EKD hat also die Kampagne der Versicherungswirtschaft zur Ruinierung der gesetzlichen Sozialversicherungssysteme und die Propaganda zur privaten Versicherung ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt.<\/p><p>&bdquo;Die f&uuml;r 2005 beschlossene Zusammenlegung der Hilfsangebote aus der fr&uuml;her getrennten Arbeitsf&ouml;rderung und Sozialberatung und vor allem die intensivierte, ganzheitliche Beratung ist &hellip;ein grunds&auml;tzlich richtiger Weg. Er muss aber konsequent und f&uuml;r die Betroffenen sp&uuml;rbar umgesetzt werden.&ldquo;<br>\nDie Hartz-Reformen werden also abgesegnet. Ist es aber wirklich &bdquo;gerechte Teilhabe&ldquo;, wenn jahrzehntelang Besch&auml;ftigte nach Hartz IV k&uuml;nftig schon nach einem Jahr in die Bed&uuml;rftigkeit und damit in den von der Denkschrift selbst kritisierten Zustand der Armut fallen. <\/p><p>Und im Sinne der herrschenden Wirtschaftslehre darf nat&uuml;rlich auch nicht fehlen: &bdquo;Unverzichtbar ist eine wirkliche Verringerung der Staatsverschuldung, deren Ausma&szlig; schon heute die kommenden Generationen in einer unzumutbaren Weise belastet.&ldquo; (S. 58) Kein Wort dar&uuml;ber, warum die jahrelange Konsolidierungspolitik scheitern musste und zu welchen sozialpolitischen Konsequenzen die bisherige Sparpolitik gef&uuml;hrt hat.<\/p><p>Einen besonders zynischen Ausrutscher sogar ins patriarchalische Denken des 19. Jahrhunderts leistet sich die Denkschrift gegen&uuml;ber den alleinerziehenden M&uuml;ttern:<br>\n&bdquo;Sorgf&auml;ltig muss bedacht werden, ob angesichts schlechter Bildungs- und Berufsperspektiven die Gefahr besteht, dass h&ouml;here finanzielle Transfers &uuml;ber der Armutsrisikogrenze (also &uuml;ber 1.219 Euro pro Monat) dazu beitragen k&ouml;nnten, dass es f&uuml;r junge Frauen aus &auml;rmeren Familien und mit schlechten Berufsperspektiven attraktiv erscheint, zur Hebung oder Sicherung des eigenen Lebensstandards ein Kind zu bekommen, anstatt den langfristig nachhaltigen Weg einer m&ouml;glichst guten Ausbildung zu gehen. (S. 34)<\/p><p>Man k&ouml;nnte auch daf&uuml;r, dass die EKD ihren Frieden mit der herrschenden neoliberalen &ouml;konomischen Lehre geschlossen hat, viele weitere Beispiele anf&uuml;gen.<\/p><p>Nun k&ouml;nnte man einwenden, das Einschwenken auf den Agenda-Kurs und seiner Vertiefung durch die Gro&szlig;e Koalition sei doch vorbildlich, nur so k&ouml;nnte man doch konstruktive Vorschl&auml;ge machen und mitgestalten. Da sollten sich doch die Linken und die &bdquo;traditionalistischen&ldquo; Gewerkschaften doch mal ein Beispiel an den Kirchen nehmen. <\/p><p>Sch&ouml;n w&auml;r`s ja, wenn das so einfach w&auml;re.<br>\nHat nicht gerade diese Art der Wirtschaftspolitik, an die sich der Protestantismus jetzt anpasst, zur Zunahme des Armutsrisikos und der Armut gef&uuml;hrt?<br>\nHaben die in der Denkschrift f&uuml;r richtig gehaltenen Hartz-Gesetze nicht f&uuml;r Millionen von Menschen so erhebliche Verschlechterungen gebracht, dass ihnen die materielle Basis f&uuml;r &bdquo;Teilhabe&ldquo; weitgehend entzogen wurde?<br>\nHat nicht die einseitig auf die Verbesserung der Kapital- und Verm&ouml;genseinkommen ausgerichtete Lohn- und Steuerpolitik zu einem guten Teil dazu beigetragen, dass &ndash; wie in der Denkschrift beklagt &ndash; die &bdquo;Gesellschaft nicht mehr als gerecht erlebt wird&ldquo;?<br>\nWie will man ohne eine aktive Konjunktur- und Besch&auml;ftigungspolitik das gr&ouml;&szlig;te Armutsrisiko, n&auml;mlich die Arbeitslosigkeit und die Senkung der L&ouml;hne unter die Armutsgrenze bek&auml;mpfen?<br>\nWie will man ohne eine aktive Wirtschaftspolitik die Ankn&uuml;pfungspunkte f&uuml;r eine &bdquo;aktivierende&ldquo; Arbeitsmarktpolitik schaffen? (Wo blieb denn bei Hartz das &bdquo;F&ouml;rdern&ldquo; nach dem &bdquo;Fordern&ldquo;?)<br>\nOder wie soll ein Staat, der die Steuern f&uuml;r die Verm&ouml;genden und Besserverdienenden am laufenden Band senkt und auch dadurch immer weniger Geld f&uuml;r Bildung investieren kann, die materiellen Voraussetzungen f&uuml;r eine &bdquo;teilhabegerechte&ldquo; und &bdquo;armutsverringernde&ldquo; Bildungsf&ouml;rderung schaffen?<br>\nFragen &uuml;ber Fragen, die man an die meisten der in der Denkschrift genannten Vorschl&auml;ge richten m&uuml;sste.<\/p><p>Der Rat der Evangelischen Kirch in Deutschland bietet mit seiner Denkschrift zur Armut in Deutschland viele gut gemeinte moralische Appelle und theologisch begr&uuml;ndete Vorschlage. Er mischt sich in das &bdquo;politische Gesch&auml;ft&ldquo; ein &ndash; wie Bischof Huber betonte -, aber es ist ein Einmischen durch die Anpassung, um nicht zu sagen Anbiederung an das derzeitige politische Gesch&auml;ft des Kurierens an den Symptomen und nicht bei der Bek&auml;mpfung der Ursachen der Armut in Deutschland.<br>\n&Uuml;ber die Bek&auml;mpfung der Ursachen der Armut schweigt sich die Denkschrift leider weitgehend aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland schlie&szlig;t seinen Frieden mit dem wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesregierung. Er macht viele moralisch und theologisch begr&uuml;ndete Vorschl&auml;ge zur Armutsbek&auml;mpfung und zur gerechten Teilhabe an der Gesellschaft. &Uuml;ber die Bek&auml;mpfung der Ursachen von Armut und Ausgrenzung schweigt er sich in seiner Denkschrift leider weitgehend aus.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,199,132,30],"tags":[532,317,214,408,218,291],"class_list":["post-1410","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-kirchen-religionen","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-ekd","tag-mindestlohn","tag-regelsatz","tag-soziale-herkunft","tag-teilhabe","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1410","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1410"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30804,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1410\/revisions\/30804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}