{"id":141064,"date":"2025-10-25T14:00:42","date_gmt":"2025-10-25T12:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141064"},"modified":"2025-10-25T04:22:47","modified_gmt":"2025-10-25T02:22:47","slug":"europas-sicherheitsarchitektur-gesamteuropaeisch-oder-begrenzt-europaeisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141064","title":{"rendered":"Europas Sicherheitsarchitektur \u2013 gesamteurop\u00e4isch oder begrenzt europ\u00e4isch?"},"content":{"rendered":"<p>In Zeiten des gesteigerten Propagandakrieges &ndash; auf allen Seiten &ndash; ist es wichtig, auch h&auml;ufig verwendete Begrifflichkeiten und Redewendungen auf ihren Gehalt und ihre Richtigkeit zu &uuml;berpr&uuml;fen. Zu diesen Begriffen geh&ouml;ren zweifellos die &bdquo;Europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; und die &bdquo;Europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo; &ndash; alternativ auch: &bdquo;unsere Europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; oder &bdquo;unsere Europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo;, was der Wirklichkeit bei genauerer Betrachtung &ndash; unbeabsichtigt von seinen Wortsch&ouml;pfern &ndash; n&auml;herkommt. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnd diese &bdquo;Friedensordnung&ldquo; oder &bdquo;Sicherheitsarchitektur&ldquo; sei von Russland mit seinem Angriffskrieg zerst&ouml;rt worden. Ja, Russland hat tats&auml;chlich &bdquo;die&ldquo; oder &bdquo;unsere europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; und &bdquo;unsere europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo; zerst&ouml;rt, da sie nicht gesamteurop&auml;isch ist. Sie ist nur teil-europ&auml;isch und hat somit eine geteilte, nur eine fiktive Sicherheit in Europa geschaffen, die uns dahin gebracht hat, wo wir nun stehen: Am Rande eines gro&szlig;en europ&auml;ischen Krieges. Was ist also Europa? Und warum wurde keine gesamteurop&auml;ische Sicherheitsarchitektur nach dem Kalten Krieg geschaffen, obschon man genau dies in der &bdquo;Charta von Paris&ldquo; 1990 vereinbart hatte? Was bekamen wir stattdessen? Welche Szenarien f&uuml;r die weitere Entwicklung sind realistisch? Und wie m&uuml;sste eine europ&auml;ische Sicherheitsordnung, die diesen Namen auch verdient, ausschauen?<\/p><p><strong>Was ist Europa &ndash; eine geographische Einordnung oder politischer Kampfbegriff?<\/strong><\/p><p>Wenn man von Europa spricht, so sollte der gesunde Menschenverstand davon ausgehen, dass der gesamte Kontinent damit gemeint ist.<\/p><p>Schaut man indessen nach Br&uuml;ssel, so sind Europa und die EU dasselbe. Wer nicht in der EU ist, ist nicht Europa &ndash; mit Ausnahme des Ex-EU-Landes Gro&szlig;britannien. Europa ist also nach Br&uuml;ssler Interpretation die EU und der europ&auml;ische Pfeiler der NATO. Alles andere ist irgendwas, aber nicht Europa, so das ideologisierte Denken, welches bei nahezu jeder &Auml;u&szlig;erung aus Politik und Medien deutlich wird.<\/p><p>Geographisch indessen reicht Europa viel weiter. Es erstreckt sich von Portugal bis in den russischen Ural, von Island und dem norwegischen Nordkap bis nach Malta und Zypern. Gr&ouml;nland selbst liegt auf der nordamerikanischen Kontinentalplatte, geh&ouml;rt aber zu D&auml;nemark und somit politisch im weitesten Sinne zu Europa. Heikel wird es, wenn es um die T&uuml;rkei geht: Trennt der Bosporus Europa von West-Asien, oder ist diese Vorstellung &uuml;berholt? Und &ouml;stlich der T&uuml;rkei beginnt der Kaukasus. Der Kaukasus wird ebenso wie das Kaspische Meer als Grenzregion zwischen Europa und Asien verstanden, wobei die genauen geographischen Grenzlinien nicht eindeutig sind und kulturelle sowie politische Kategorien bei der Bestimmung der Grenzen im S&uuml;dosten Europas auch eine Rolle spielen.<\/p><p>Angesichts der Fragestellung ist aber die interessante Frage: Wo endet Europa im Osten? Europa endet am Ural-Gebirge in Russland, und der gr&ouml;&szlig;te Berg Europas hei&szlig;t Elbrus; er liegt im russischen Teil des Kaukasus-Gebirges. Und in diesem europ&auml;ischen Teil Russlands, der bedeutend kleiner als der asiatische Teil Russlands ist, leben nach unterschiedlichen Quellen rund 75 bis 85 Prozent der Menschen. Bei rund 144 Millionen Einwohnern der Russischen F&ouml;deration leben 110 bis 122 Millionen Menschen also in Europa. Auch liegen die beiden gr&ouml;&szlig;ten St&auml;dte Russlands &ndash; Moskau und St. Petersburg &ndash; im europ&auml;ischen Teil des Riesenlandes. Moskau selbst ist die gr&ouml;&szlig;te Stadt Europas mit rund 13 Millionen Einwohnern &ndash; z&auml;hlt man Istanbul (rund 15 Millionen Einwohner) nicht dazu. Ber&uuml;cksichtigt man hingegen nur den europ&auml;ischen Teil Istanbuls (rund zehn Millionen Einwohner), dann w&auml;re das europ&auml;ische Istanbul die zweitgr&ouml;&szlig;te Stadt Europas. Kommen London mit etwa neun Millionen und St. Petersburg mit etwa f&uuml;nf Millionen Einwohnern hinzu, dann liegen die vier gr&ouml;&szlig;ten St&auml;dte Europas nicht in EU-Europa. Auch kulturell und ethnisch ist die Mehrheit der russischen Bev&ouml;lkerung europ&auml;isch.<\/p><p>Mehr noch: Der europ&auml;ische Teil Russlands umfasst etwa vier Millionen Quadratkilometer (23 Prozent der Gesamtstaatsfl&auml;che der Russischen F&ouml;deration) und nimmt sodann etwa 40 Prozent des europ&auml;ischen Kontinents (rund 10,5 Millionen Quadratkilometer) ein. Angesichts dieser Zahlen verwundert es schon, dass Europa so unwidersprochen auf die EU reduziert wird.<\/p><p><strong>Was bekamen wir nach 1990? &bdquo;Unsere europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; oder &bdquo;unsere europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wenden wir uns zun&auml;chst der Nominalkomposition der europ&auml;ischen &bdquo;Sicherheitsarchitektur&ldquo; zu. Diese Komposition besteht aus zwei Substantiven: Die &bdquo;Sicherheit&ldquo; und die &bdquo;Architektur&ldquo;.<\/p><p>Eine Architektur besteht aus S&auml;ulen. Die vertikalen S&auml;ulen sind &bdquo;tragend&ldquo;, andere, die horizontalen oder diagonalen, sind &bdquo;verbindend&ldquo;. Aber alle S&auml;ulen tragen zur Gesamtarchitektur bei &ndash; besonders jedoch die tragenden. Die gr&ouml;&szlig;ten und st&auml;rksten S&auml;ulen sollten naturgem&auml;&szlig; tragend sein. Wie kann man also eine Architektur f&uuml;r eine Sicherheit bauen, bei der eine der gr&ouml;&szlig;ten vorhandenen S&auml;ulen nicht nur unachtsam au&szlig;en vor belassen, sondern gezielt au&szlig;en vor belassen bzw. daran gehindert wird, Teil des Ganzen zu werden? Daher auch die richtigen Aussagen von den noch klugen Strategen der 1970er-Jahre wie beispielsweise &bdquo;ohne Russland oder gar gegen Russland sei Sicherheit nicht m&ouml;glich in Europa&ldquo;. Banal, aber richtig, wie die Gegenwart uns gerade lehrt.<\/p><p>Weiter zur Nominalkomposition &bdquo;Friedensordnung&ldquo;: Auch diese Komposition besteht aus zwei Substantiven: &bdquo;Frieden&ldquo; und &bdquo;Ordnung&ldquo;. Beide Begriffe sind positiv besetzt, assoziiert man doch mit beiden Begriffen Stabilit&auml;t, Sicherheit und Leben. Nur, wie kann eine &bdquo;Ordnung&ldquo; &bdquo;Frieden&ldquo; bringen, wenn ein wesentlicher Akteur au&szlig;en vor belassen wird oder gar in seinen Augen dessen vitale Sicherheitsinteressen unber&uuml;cksichtigt bleiben? Auch hier gilt: Echter Frieden ohne oder gegen Russland ist nicht m&ouml;glich.<\/p><p>Und nun setzen wir das Possessivpronomen &bdquo;unser&ldquo; noch davor: &bdquo;Unsere europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; (so beispielsweise Die Gr&uuml;nen: <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/unsere-politik\/unsere-ziele\/sicherheit-frieden-abruestung\/\">&bdquo;Wir m&uuml;ssen in der Lage sein, unsere Friedensordnung (&hellip;) gegen ihre Feinde zu sch&uuml;tzen.&ldquo;<\/a>) und &bdquo;unsere europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo;.<\/p><p>Nur, was ist mit &bdquo;unsere&ldquo; gemeint? Zumindest nicht das geographische Europa oder das fast deckungsgleiche politische Europa der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/189558\/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd\/charta-data.pdf\">&bdquo;Charta von Paris&ldquo;<\/a> aus dem Jahre 1990: Ein Europa, das gemeinsame Sicherheit versprach statt geteilter Sicherheit und somit Unsicherheit schaffen sollte. Ein Europa, das zusammen wachsen sollte von Lissabon bis Wladiwostok (weil Russland geographisch betrachtet ein eurasisches Land ist). Auch die USA und Kanada (von &bdquo;Vancouver bis Wladiwostok&ldquo;) sollten Bestandteil dieses neuen, auf Zusammenarbeit in Sicherheits- und anderen Fragenkomplexen angelegten Projektes sein. Sie alle unterzeichneten die Erkl&auml;rung.<\/p><p>Was bekamen wir faktisch? Statt umfassender, ehrlicher Zusammenarbeit auf Augenh&ouml;he in einem Gesamteuropa bildete sich erneut ein k&uuml;nstlich verknapptes Rumpf-Europa heraus, dessen Grenzen im Osten in der Ukraine statt im Ural bzw. in Wladiwostok endet.<\/p><p>Ein &bdquo;Rumpf-Europa&ldquo;, das bislang auf zwei S&auml;ulen steht: der NATO und der EU. Die oder &bdquo;unsere europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo; besteht sodann ausschlie&szlig;lich aus den beiden S&auml;ulen NATO und EU. Die OSZE, die gesamteurop&auml;ische &bdquo;Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&ldquo;, ein durchaus vielversprechendes Projekt f&uuml;r ungeteilte und somit gemeinsame Sicherheit im gesamteurop&auml;ischen Raum, wurde zum Wahlbeobachterverein degradiert.<\/p><p>Beide S&auml;ulen &ndash; NATO und EU &ndash; wurden und werden nach Osten erweitert und somit die geopolitische Einflusssph&auml;re einseitig nach Osten ausgedehnt. Die Grenze ist Russland. Das gr&ouml;&szlig;te europ&auml;ische Land soll nicht Europa sein, soll nicht eine S&auml;ule der europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur, der europ&auml;ischen Friedensordnung sein. Damit ist diese europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur eben auch nur eine Sicherheitsarchitektur f&uuml;r einen Teil Europas, womit eine Gesamteuropa umfassende europ&auml;ische Friedensordnung schlichtweg nicht gegeben ist &ndash; eigentlich logisch, oder?<\/p><p>Es h&auml;tte so nicht sein m&uuml;ssen. Die Umsetzung der &bdquo;Charta von Paris&ldquo; sowie die Angebote des russischen Pr&auml;sidenten Putin im Deutschen Bundestag 2001 h&auml;tten f&uuml;r Europa einen anderen, einen friedlichen und stabilen Weg aufzeigen k&ouml;nnen. Diese Rede wurde &uuml;brigens mit sehr viel Applaus aller Bundestagsfraktionen quittiert.<\/p><p>Mehr noch: Deutschland und Russland verweigerten sich sogar gemeinsam mit Frankreich der Teilnahme an dem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen den Irak 2003. Damals im Zeitraum 2001 bis 2005 schien unter Kanzler Schr&ouml;der, den franz&ouml;sischen und russischen Pr&auml;sidenten Chirac und Putin alles m&ouml;glich &ndash; nur nicht das, was wir jetzt haben: am Rande eines gro&szlig;en europ&auml;ischen Krieges zu stehen.<\/p><p>Noch im Sommer 2010 trafen sich auf Schloss Meseberg, dem G&auml;stehaus der deutschen Bundesregierung, der russische Pr&auml;sident Medwedew und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und verabschiedeten das sogenannte &bdquo;Meseberg-Memorandum&ldquo;. In diesem Dokument stellten beide fest, dass <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/2065474\/452948\/0b04ce5fa0040474fa108a904db361e4\/2010-06-07-meseberg-memorandum-deutsch-data.pdf?download=1\">die &bdquo;<em>Sicherheit aller Staaten in der euro-atlantischen Gemeinschaft unteilbar<\/em>&ldquo; sei<\/a>.<\/p><p>Sie schlugen den Aufbau eines gemeinsamen Forums, des &bdquo;Europ&auml;isch-Russischen Politischen und Sicherheitspolitischen Komitees&ldquo; auf Ministerebene vor. Als erstes Testfeld dieser neuen Sicherheitskooperation strebten beide Seiten an, den Transnistrien-Konflikt in der Republik Moldau einvernehmlich zu l&ouml;sen.<\/p><p>Jedoch wurde das Projekt bereits torpediert, bevor es auch nur den ersten Schritt seiner Konkretisierung nahm. Das Projekt laufe &bdquo;an der NATO und den USA vorbei&ldquo; oder es ziele auf eine &bdquo;Spaltung der NATO&ldquo; ab, so die transatlantischen Kritiker des Projekts, die die au&szlig;en- und sicherheitspolitische Selbstst&auml;ndigkeit EU-Europas von den USA erfolgreich untergruben und sodann die europ&auml;ischen Sicherheitsinteressen den US-amerikanischen Hegemonialinteressen wieder einmal unterordneten.<\/p><p>2013\/14 kam es zur &bdquo;bunten Revolution&ldquo; und nachfolgend zum Staatsstreich gegen die gew&auml;hlte Regierung in Kiew mit westlicher Unterst&uuml;tzung &ndash; angefangen von Solidarit&auml;tsbesuchen westlicher Politiker auf dem Maidan bis hin zur Bestimmung der personellen Zusammensetzung der &bdquo;neuen Regierung&ldquo; (&bdquo;Fuck the EU&ldquo; &ndash; Victoria Nuland im Streit mit der EU, wer welches Amt in der neuen Regierung &uuml;bernehmen m&ouml;ge).<\/p><p>Dem Staatsstreich im Februar 2014 in Kiew liegt eben auch und besonders eine geopolitische Motivation zugrunde: die Integration der Ukraine in die westliche Einflusszone (NATO und EU). Und somit ist dieser Krieg eben auch eine besonders grausame Ausdrucksform der gegenw&auml;rtigen geopolitischen Neuvermessung der Welt.<\/p><p>Die weitere Geschichte hin zur russischen Invasion 2022 in die Ukraine und der gegenw&auml;rtigen Zuspitzung der Eskalation bis hin zum m&ouml;glichen gro&szlig;en europ&auml;ischen Krieg ist bekannt.<\/p><p>Das Kind ist nun im Brunnen. Ein echter gesamteurop&auml;ischer und ungeteilter Sicherheitsraum ist auf absehbare Zeit nicht mehr realistisch. Unsere Entscheidungseliten in Deutschland und EU-Europa unter wohlwollender F&uuml;hrung des gro&szlig;en Bruders jenseits des Atlantiks entschieden sich &bdquo;zum Wohle ihrer B&uuml;rger&ldquo; f&uuml;r den anderen Weg &ndash; n&auml;mlich, den Sieg im Kalten Krieg auch f&uuml;r geopolitische Machtzugewinne zu nutzen.<\/p><p>Wir haben den Kalten Krieg gewonnen, und damit bestimmen wir die Spielregeln (Stichwort: regelbasierte internationale Ordnung).<\/p><p>Zu den unilateralen Spielregeln geh&ouml;rt auch die Kompetenz, zu bestimmen, wer Anspruch auf legitime Sicherheitsinteressen und Souver&auml;nit&auml;t formulieren darf und wer nicht: nur westliche und pro-westliche L&auml;nder. Somit wurden die Warnungen und Forderungen aus Russland bestenfalls ignoriert und schlimmstenfalls als anma&szlig;ende Gro&szlig;machtpolitik abgetan &ndash; zuletzt in den beiden <a href=\"https:\/\/elpais.com\/infografias\/2022\/02\/respuesta_otan\/respuesta_otan_eeuu.pdf\">Antwortbriefen Br&uuml;ssels und Washingtons<\/a> und im <a href=\"https:\/\/english.elpais.com\/usa\/2022-02-02\/us-offers-disarmament-measures-to-russia-in-exchange-for-a-deescalation-of-military-threat-in-ukraine.html\">Artikel von <em>El Pais<\/em><\/a> auf die beiden Briefe Moskaus (<a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211217_Draft_Russia_NATO_security_guarantees.pdf\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211217_Draft_RUS_USA_security_guarantees.pdf\">hier<\/a>), in denen Zugest&auml;ndnisse an die russischen Sicherheitsinteressen ultimativ eingefordert wurden. Mit den negativen Antworten aus Br&uuml;ssel und Washington startete der Countdown f&uuml;r den Einmarsch der Russen am 24. Februar 2022.<\/p><p>Der Krieg verl&auml;uft entgegen anderweitiger Erwartungen Moskaus indessen l&auml;nger als gedacht und geplant: Weder sind ukrainische Truppenteile &uuml;bergelaufen noch wurde die Ukraine in einem &bdquo;Blitzkrieg&ldquo; unterworfen. Hiermit beweist sich die Weisheit des preu&szlig;ischen Kriegsphilosophen von Clausewitz einmal mehr: &bdquo;<em>So stimmt sich im Kriege durch den Einflu&szlig; unz&auml;hliger kleiner Umst&auml;nde, die auf dem Papier nie geh&ouml;rig in Betrachtung kommen k&ouml;nnen, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel.&ldquo; <\/em>Oder einfacher ausgedr&uuml;ckt: Man beginnt schneller einen Krieg, als man ihn wieder zu beenden vermag.<\/p><p>Sodann ist bis dato kein Ende des Krieges erkennbar, zumal die NATO und EU-Europa sich zunehmend in dem Krieg auf der Seite der Ukraine &bdquo;engagieren&ldquo; &ndash; mit R&uuml;stungslieferungen, Finanzspritzen, logistische Unterst&uuml;tzung, Ausbildung und Aufkl&auml;rung von Zieldaten. Westliche S&ouml;ldner k&auml;mpfen in der Ukraine und m&ouml;glicherweise auch verdeckte Spezialeinheiten aus NATO-Staaten.<\/p><p>Das zunehmende &bdquo;Engagement&ldquo; des Westens indiziert unstreitig auf den doppelten Charakter des Krieges: ein vordergr&uuml;ndig russisch-ukrainischer Krieg und auf der Metaebene der wahre Krieg, der Stellvertreterkrieg, bei dem es um die Neubestimmung der Weltordnung geht. Und Europa ist, wie auch S&uuml;dostasien (Taiwan-Konflikt), ein zentraler Schauplatz dieses Weltneuordnungskrieges. Vieles, vielleicht auch alles h&auml;ngt von dem Ausgang des vordergr&uuml;ndigen wie auch des wahren Krieges ab. Besonders f&uuml;r Europa, denn die USA werden selbst bei einer Niederlage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwar einen Machtverlust, eine Degradierung weg von der alleinigen Supermacht, der &bdquo;einzigen Weltmacht&ldquo; (Zbigniew Brzezinski), hin zu einer Gro&szlig;macht erleiden. EU-Europa jedoch spielt bereits jetzt in der internationalen Politik keine gestaltende Rolle mehr. Was steht uns sodann bevor?<\/p><p><strong>Was kommt nach dem Krieg &ndash; Ende NATO oder EU?<\/strong><\/p><p>Hierzu ein paar Szenarien, die in der Natur liegend sehr holzschnittartig sind, jedoch Vorstellungen davon bieten, wohin die Reise nach jetzigem Stand der Dinge gehen k&ouml;nnte.<\/p><p>Im Folgenden werden die Szenarien in Anlehnung an meine Analyse <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130968\">&bdquo;Weltgeschichte im Zeitraffer: Wo bleibt EU-Europa? &ndash; Sechs Szenarien&ldquo;<\/a> vom M&auml;rz 2025 angesichts der weiteren Entwicklung aktualisiert. Die reale operative Entwicklung auf dem ukrainischen Schlachtfeld gestaltet sich zunehmend aussichtsloser f&uuml;r die ukrainische Armee. Langsam, jedoch stetig werden Territorien &ndash; unter Inkaufnahme eines hohen russischen Blutzolls &ndash; erobert. Ukrainische R&uuml;stungsschmieden und Lagerst&auml;tten werden zunehmend gezielt zerst&ouml;rt, Transport- und Logistikwege &uuml;ber Schienen, Flug- und Seeh&auml;fen sowie die Energieinfrastruktur werden ausgeschaltet. Und am bedeutsamsten: Die ukrainische Armee wird personell durch die Methode des Abnutzungskriegs ausgeblutet. Die Methode ist so einfach, wie sie grausam ist: Waffensysteme sind mitunter rasch ersetzbar, insbesondere durch westliche Lieferungen. Wehrf&auml;hige M&auml;nner sind f&uuml;r ein bis zwei Generationen nicht so einfach ersetzbar, sie sind schlichtweg nicht in ausreichender Menge existent. Die Friedh&ouml;fe in der Ukraine, die auf Widerstand sto&szlig;enden gewaltsamen Rekrutierungsma&szlig;nahmen und die Flucht in den Westen sprechen B&auml;nde &uuml;ber die personelle Situation. Hinzu kommt: Nach dem Krieg fehlen die Generationen auch f&uuml;r den erfolgreichen Wiederaufbau des Landes. Russlands materielle, finanzielle und personelle Ressourcen hingegen scheinen auf absehbare Zeit kein kritisches Niveau zu erreichen.<\/p><p>Diese Entwicklungen lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zwei grobe Szenarien zu:<\/p><p>Erstens: Der Sieg der Russischen F&ouml;deration &uuml;ber die Ukraine im vordergr&uuml;ndigen Krieg. Dieser Sieg h&auml;tte unmittelbare Konsequenzen f&uuml;r die &bdquo;europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo;, insbesondere auch mit Blick auf die k&uuml;nftige Qualit&auml;t der EU und der NATO als die beiden S&auml;ulen dieser Sicherheitsarchitektur.<\/p><p>Oder zweitens: Der Eintritt des Westens, insbesondere der Europ&auml;er, in den bisherigen Stellvertreterkrieg, womit der wirkliche Konfliktcharakter, der wahre Krieg um die Neubestimmung der Weltordnung, die Metaebene verl&auml;sst und zur realen Schlacht w&uuml;rde. Das erste Grobszenario schlie&szlig;t an die Szenarien 4 und 5 in meinem Beitrag &bdquo;<em>Weltgeschichte im Zeitraffer &ndash; Sechs Szenarien<\/em>&ldquo; an, das zweite Grobszenario an das 6. Szenario in dem damaligen Beitrag.<\/p><p><strong>Zu Szenario 1 &ndash; Sieg der Russischen F&ouml;deration &uuml;ber die Ukraine<\/strong><\/p><p>Die NATO und die EU sowie ihre Mitgliedsstaaten haben den Sieg der Ukraine &uuml;ber den russischen Angriffskrieg zu einer europ&auml;ischen\/westlichen Schicksalsfrage erkl&auml;rt. Unendlich viele materielle, finanzielle und politische Ressourcen sind vergeblich in die Ukraine investiert worden. Das Vertrauen in die beiden &ndash; bis dahin &ndash; tragenden S&auml;ulen (NATO und EU) der sogenannten &bdquo;europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur&ldquo;, geht &ndash; nachdem der russische Angriff diese Architektur ohnehin besch&auml;digt hat &ndash; nach innen und au&szlig;en endg&uuml;ltig verloren.<\/p><p>Nach au&szlig;en hei&szlig;t: Der globale Nicht-Westen sieht den Westen als gebrochen an. Ein Staat, Russland, hat dem Westen mit dem weltweit gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;rbudget das R&uuml;ckgrat gebrochen. Der globale Neuordnungsprozess beschleunigt sich hierdurch um ein weiteres Mal, da der Westen nur noch als ein fraktionierter und begrenzt handlungsf&auml;higer Akteur in der Weltpolitik wahrgenommen w&uuml;rde.<\/p><p>Nach innen w&uuml;rde dies das Ende EU-Europas und der NATO, so wie wir die beiden Akteure kennen, bedeuten. Weder NATO noch EU w&uuml;rden sich offiziell aufl&ouml;sen. Faktisch aber w&uuml;rden sich Zentrifugalkr&auml;fte herausbilden und NATO- sowie EU-Br&uuml;ssel w&uuml;rden zunehmend an Handlungskompetenzen einb&uuml;&szlig;en, da die Niederlage offenbart, dass beide Organisationen keine ernst zu nehmenden Sicherheitsgarantien leisten k&ouml;nnen. Eine R&uuml;ckbesinnung auf nationale Souver&auml;nit&auml;t und bilaterale Absicherungsbestrebungen w&uuml;rde um sich greifen: Die ersten EU- und europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsstaaten w&uuml;rden sich in der Hoffnung auf einen bilateralen US-Schutzschirm zun&auml;chst verdeckt, dann immer offener auf die Trump-Administration orientieren. Es beg&auml;nne ein Wettlauf europ&auml;ischer Staaten um die Gunst der USA.<\/p><p>Andere, insbesondere osteurop&auml;ische Staaten k&ouml;nnten auf Ann&auml;herung und Ausgleich mit Russland setzen in der Hoffnung, dass dies angesichts der neuen Realit&auml;ten ihrer eigenen Sicherheit zutr&auml;glicher w&auml;re als ein Konfrontationskurs.<\/p><p>Der EU-europ&auml;ischen &Ouml;ffentlichkeit w&uuml;rde dies zun&auml;chst als R&uuml;ckkehr zum Leitbild des &bdquo;Europas der Vaterl&auml;nder&ldquo; verkauft, bis die Differenzen un&uuml;bersehbar w&uuml;rden<em>.<\/em> Die europ&auml;ische &Ouml;ffentlichkeit k&ouml;nnte angesichts dieser Vielfachkrisen des Desintegrationsprozesses, der wachsenden Wirtschaftskrise, des forcierten Sozialabbaus zu Gunsten der weiteren Aufr&uuml;stung sowie wachsender Kriminalit&auml;t ihre Unzufriedenheit mit der strategischen F&uuml;hrungsf&auml;higkeit ihrer Eliten Ausdruck verleihen. Ein Austausch der liberalen F&uuml;hrungs- und Entscheidungseliten in EU-Europa k&ouml;nnte sich zu Gunsten konservativer und rechter Eliten abzeichnen &ndash; <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/rekordprognose-fuer-die-afd-umfrage-knaller-in-sachsen-anhalt-68f08cad672b2f7280fac0f8\">in Deutschland die AfD<\/a>. Bereits jetzt sind erste massenmediale Anzeichen f&uuml;r ein Br&ouml;ckeln in das Vertrauen der uneingeschr&auml;nkten Hegemonie des liberalen Politikverst&auml;ndnisse <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/trump-holt-putin-nach-europa-blamage-fuer-merz-und-co-mit-einem-brisanten-detail_eb5993cf-70b4-4f98-aa72-f409652b3a84.html\">zu erkennen<\/a>. In diesem Zusammenhang ist auch wieder das verst&auml;rkte Erscheinen des BSW (Partei von Sahra Wagenknecht) in den Mainstreammedien mit der Forderung nach Neuausz&auml;hlung <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/hoersaal\/das-bsw-und-die-bundestagswahl-der-wahlkrimi-ist-noch-nicht-aus-accg-110665709.html\">zu beobachten<\/a>. All das sind keine Zuf&auml;lle: W&uuml;rde eine Neuausz&auml;hlung erfolgen, so w&auml;re ein nachtr&auml;glicher Einzug der Partei in den Bundestag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Fall. Dies w&uuml;rde eine Schockwelle im politischen Berlin bedeuten, da die Merz-Klingbeil-Regierungskoalition &uuml;ber keine eigenen Mehrheiten mehr verf&uuml;gen w&uuml;rde.<\/p><p>Um die Gefahr einer umfassenden gesellschaftspolitischen Eruption abzuwenden oder zumindest einzud&auml;mmen, k&ouml;nnten sich die liberalen Eliten entschlie&szlig;en, tempor&auml;r oder auch auf unbestimmte Zeit restriktive Ma&szlig;nahmen zu ergreifen. Die politische Konfrontation mit Russland k&ouml;nnte genutzt werden, auch den Spannungsfall zu verk&uuml;nden, damit Grundrechte auszusetzen und sogar Bundestagswahlen (Art. 80a in Verbindung mit Art. 115h Grundgesetz) zu verschieben. All dies w&uuml;rde die Gefahr der Aush&ouml;hlung des politischen Liberalismus erh&ouml;hen und die Republik auf den Kopf stellen.<\/p><p>Und genau dieses gesellschaftspolitische Niedergangszenario vor den Augen des politischen Mainstreams ist die Triebfeder f&uuml;r den verzweifelten Versuch EU-Europas, den Krieg der Ukraine gegen die russische Invasion in der Hoffnung fortzusetzen, dass den Russen eher die Puste ausgeht als der Ukraine und Europa &ndash; w&auml;ren da nicht die st&auml;ndigen Sonderwege Trumps mit Putin, die die Marginalisierung EU-Europas manifestieren.<\/p><p><strong>Zu Szenario 2 &ndash; Der Eintritt der Europ&auml;er in den Krieg<\/strong><\/p><p>Ob die europ&auml;ischen Entscheidungseliten unter F&uuml;hrung Londons, Paris, Berlins und EU-Br&uuml;ssels in den Krieg mit Absicht (Seeblockade in der Ostsee, Entsendung eigener Truppen in die Ukraine, Einrichtung einer Flugverbotszone in der Ukraine oder andere Ma&szlig;nahmen) eintreten oder durch Fahrl&auml;ssigkeit und Fehleinsch&auml;tzungen (Lieferung von weitreichenden Waffensystemen wie Taurus oder von den USA gekauften Tomahawks) in den Krieg schlafwandeln, sei dahingestellt.<\/p><p>Das Ergebnis w&auml;re eine r&auml;umliche Entgrenzung der Kampfhandlungen &uuml;ber den ukrainischen Raum hinweg nach Resteuropa, d.h. sowohl in den EU- und NATO-Raum als auch nach Russland.<\/p><p>Die neuen hochkomplexen Hyperschallwaffen Russlands &ndash; mit konventionellen Sprengk&ouml;pfen ausgestattet &ndash; w&uuml;rden nicht ausreichen, um die europ&auml;ische milit&auml;rische Infrastruktur nachhaltig auszuschalten. Die quantitative <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129641\">&Uuml;berlegenheit in Personal und Waffensystemen der europ&auml;ischen Armeen<\/a> w&uuml;rde zu einer Niederlage Russlands f&uuml;hren. Luftschl&auml;ge mit konventionellen Waffensystemen und gegebenenfalls K&auml;mpfe auf kernrussischem Gebiet (auch in der Exklave Kaliningrad) w&uuml;rden die Kriterien der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125274\">russischen Nukleardoktrin<\/a> erf&uuml;llen. Ein Verzicht Russlands auf nukleare Gegenschl&auml;ge w&auml;re nur zum Preis der Akzeptanz der eigenen Niederlage mit unabsehbaren Folgen f&uuml;r die Staatlichkeit Russlands zu haben &ndash; f&uuml;r die russische Entscheidungselite ein unannehmbarer Preis. Eine mit Unw&auml;gbarkeiten behaftete, jedoch angesichts der ausweglosen Lage denkbare Option w&auml;re, &bdquo;nur&ldquo; auf taktische Atomwaffen zur Zur&uuml;ckdr&auml;ngung der europ&auml;ischen Streitkr&auml;fte, zur Ausschaltung der milit&auml;rischen und gegebenenfalls auch zivilen Infrastruktur Westeuropas zur&uuml;ckzugreifen und dabei den USA zu erm&ouml;glichen, die Beistandsklausel des zwischenzeitlich ber&uuml;hmten <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/official_texts_17120.htm?selectedLocale=de\">Artikel 5 des NATO-Statuts<\/a> nicht-milit&auml;risch zu lesen (was &uuml;brigens durchaus im Rahmen der Formulierung der Beistandsklausel m&ouml;glich ist und somit ein milit&auml;rischer Beistandsautomatismus ausgeschlossen w&auml;re). Auf diese Weise w&uuml;rde zwar Europa massiv zerst&ouml;rt werden, ein dritter, umfassender Weltkrieg w&auml;re hingegen nicht zwingend, so die Kalkulation. Die USA k&ouml;nnten, insbesondere unter Pr&auml;sident Trump, mit dieser Option durchaus leben. Allein die Tatsache, dass die Europ&auml;er US-amerikanische Waffensysteme (ggf. auch Tomahawk) f&uuml;r die Ukraine kaufen sollen, hat nicht nur einen gesch&auml;ftlichen Hintergrund, sondern auch einen strategischen: Die USA verkaufen scheinbar &bdquo;nur&ldquo;. Die Europ&auml;er liefern und bedienen die hochkomplexen Waffensysteme und werden damit zu Mitverantwortlichen. Die Eskalationsverantwortung kann Trump aus seiner Perspektive auf die Europ&auml;er abw&auml;lzen.<\/p><p>Jedenfalls w&auml;re das Kriegsszenario mit taktisch atomarer Dimension das Ende f&uuml;r Europa. &Uuml;ber eine &bdquo;europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo; oder &bdquo;Friedensordnung&ldquo; muss dann nicht mehr diskutiert werden. Das gleiche Ergebnis gilt f&uuml;r das Szenario, dass die USA doch in den Krieg eingriffen, womit jedoch dann das globale nukleare Armageddon anst&uuml;nde.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251025-Sicherheitsarchitektur.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251025-Sicherheitsarchitektur.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>Schaubild der Szenarien &ndash; Alexander Neu<\/small><\/p><p><strong>Wie m&uuml;sste eine europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur \/ Friedensordnung aussehen?<\/strong><\/p><p>Die Voraussetzung zur &Uuml;berlegung einer neuen europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur\/Friedensordnung ist, dass der Krieg nicht &uuml;ber den ukrainischen Raum ausgreifen darf &ndash; also weder einen intendierten Kriegseintritt der Europ&auml;er noch unbeabsichtigte Zwischenf&auml;lle mit eskalierender Eigendynamik. Nach gegenw&auml;rtiger Entwicklung auf dem Schlachtfeld w&uuml;rde dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bedeuten, dass Russland das Kriegsende im Wesentlichen zu seinen Bedingungen diktieren w&uuml;rde. EU-Europa und die europ&auml;ischen NATO-Staaten, au&szlig;en- und innenpolitisch geschw&auml;cht, w&auml;ren den Vorstellungen Russlands in gewissem Ausma&szlig; ausgeliefert. Ein Diktatfrieden durch eine Niederlage der Ukraine w&auml;re auch eine Art Diktatfrieden f&uuml;r Resteuropa, da EU-Europa und NATO, wie bereits oben ausgef&uuml;hrt, ihr Schicksal ohne N&ouml;te mit der Ukraine angeblich alternativlos verbunden haben.<\/p><p>Ob Russland gegen&uuml;ber einem massiv geschw&auml;chten EU-Europa oder gegen&uuml;ber den einzelnen Mitgliedsstaaten auf kooperative Strukturen oder Dominanzstrukturen setzen w&uuml;rde, bewegt sich im Reich der Spekulation. Jedenfalls w&auml;re eine unilateral &ndash; nun von Russland &ndash; aufgedr&uuml;ckte, sozusagen &bdquo;russische Sicherheitsarchitektur\/Friedensordnung&ldquo; f&uuml;r Europa alles andere als w&uuml;nschenswert und zukunftstr&auml;chtig. Die Flucht in eine EU-Aufr&uuml;stungsorgie, um als EU-Milit&auml;rmacht auftreten zu k&ouml;nnen, ist aus vielf&auml;ltigen Gr&uuml;nden keine L&ouml;sung. Das wichtigste Argument lautet: Man kann die gr&ouml;&szlig;te Atommacht der Welt nicht mit konventionellen Waffensystemen auf dem Schlachtfeld besiegen. Da kann man noch so viel aufr&uuml;sten. Wer das glaubt, sollte nochmals tief in sich gehen.<\/p><p>Nur eine gemeinsam konzipierte und vertraglich geregelte gesamteurop&auml;ische Sicherheitsarchitektur\/Friedensordnung h&auml;tte eine Zukunft. Das Mindeste, was indes herauskommen m&uuml;sste, w&auml;re die Akzeptanz einer nachhaltigen friedlichen Koexistenz in Europa.<\/p><p>Die Chancen f&uuml;r eine positive gesamteurop&auml;ische Sicherheitsordnung von Europa f&uuml;r Europa sinken jedoch mit jedem weiteren Kriegstag. Je eher in EU-Br&uuml;ssel und vor allem in Berlin, Paris und London die Aussichtslosigkeit eines Sieges der Ukraine erkannt wird und diplomatische Bem&uuml;hungen mit Moskau gesucht werden, desto gr&ouml;&szlig;er die Chancen auf einen europ&auml;ischen Reset, vergleichbar mit der Chance 1989\/91.<\/p><p><small>Titelbild: NicoElNino\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/29a22430399040aca9f86dd22f978b6d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten des gesteigerten Propagandakrieges &ndash; auf allen Seiten &ndash; ist es wichtig, auch h&auml;ufig verwendete Begrifflichkeiten und Redewendungen auf ihren Gehalt und ihre Richtigkeit zu &uuml;berpr&uuml;fen. Zu diesen Begriffen geh&ouml;ren zweifellos die &bdquo;Europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; und die &bdquo;Europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo; &ndash; alternativ auch: &bdquo;unsere Europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; oder &bdquo;unsere Europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&ldquo;, was der Wirklichkeit bei genauerer Betrachtung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141064\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":141065,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,181,171],"tags":[1519,3180,3360,1101,2102,1268,466,663,3125,259,2794,2700,260,1556,2377],"class_list":["post-141064","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-europapolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-charta-von-paris","tag-europaeische-union","tag-europaeischer-gedanke","tag-geostrategie","tag-kalter-krieg","tag-nato","tag-putsch","tag-regelbasierte-ordnung","tag-russland","tag-stellvertreterkrieg","tag-systemkonkurrenz","tag-ukraine","tag-usa","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/shutterstock_2212948463.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141064"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":141117,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141064\/revisions\/141117"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/141065"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}