{"id":14114,"date":"2012-08-10T09:22:28","date_gmt":"2012-08-10T07:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14114"},"modified":"2015-04-24T11:22:22","modified_gmt":"2015-04-24T09:22:22","slug":"der-spiegel-sieht-die-ursache-der-schuldenkrise-in-einem-generationenkonflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14114","title":{"rendered":"Der Spiegel sieht die Ursache der \u201eSchuldenkrise\u201c in einem Generationenkonflikt"},"content":{"rendered":"<p>Ein junger Wirtschaftsredakteur des Spiegels hat dieser Tage eine bisher v&ouml;llig unbeachtete Ursache der &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; entdeckt: die Alten.<br>\nEr will die Jugend Europas gegen ihre Eltern auf die Barrikaden schicken und deutet den Kampfruf der &bdquo;Indignados&ldquo; &ldquo;Que se vayan todos&rdquo; (&bdquo;Alle sollen abhauen&ldquo;), um in die Parole &bdquo;Die Alten sollen abhauen&ldquo;.<br>\nVon <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs geh&ouml;rt zu den g&auml;ngigen Strategien m&auml;chtiger Interessengruppen und der von ihnen gesteuerten Regierungspropaganda sowie der sie unterst&uuml;tzenden Claqueure in den Medien bei wirtschaftspolitisch verursachten Krisen oder um den Sozialabbau zu rechtfertigen, die Schuld auf S&uuml;ndenb&ouml;cken abzuladen. Stieg etwa die Arbeitslosigkeit, wurden die Zuwanderer zum Problem gemacht (&bdquo;Die Ausl&auml;nder nehmen uns die Arbeit weg&ldquo;). Oder es werden eben die Arbeitslosen selbst daf&uuml;r verantwortlich gemacht, dass sie keine Arbeit finden (&bdquo;Jeder findet Arbeit, wenn er nur arbeiten will&ldquo;).  Als die Arbeitslosenversicherung abgeschafft wurde, waren es die &bdquo;Parasiten&ldquo; und &bdquo;Schmarotzer&ldquo; die angeblich das &bdquo;Fordern&ldquo; n&ouml;tig machten. Die Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente wurde mit dem demografischen Wandel und der &bdquo;&Uuml;beralterung&ldquo; der Gesellschaft begr&uuml;ndet. In fr&uuml;heren Zeiten, waren die Juden an allem Schuld und heute sind es die Moslems (vor allem die T&uuml;rken und Araber) die &bdquo;keine produktive Funktion&ldquo; (Sarrazin) haben. <\/p><p>Rassismus, Islamismus, Fremdenfeindlichkeit, Stigmatisierung von Homosexuellen, Frauendiskriminierung, Abwertung von Behinderten und Obdachlosen, ja auch das Auseinanderdividieren von &bdquo;Ossis&ldquo; und &bdquo;Wessis&ldquo; kurz: &bdquo;gruppenbezogene Menschfeindlichkeit&ldquo; (Heitmeyer) ist ein weitverbreitetes Syndrom und ein h&auml;ufig eingesetztes Instrument, um soziale Ungerechtigkeit zu legitimieren und bestehende Machtverh&auml;ltnisse zu rechtfertigen oder um sogar in einer Art &bdquo;Schuldumkehr&ldquo; das Versagen der Politik den Minderheiten in die Schuhe zu schieben. <\/p><p><strong>In den letzten Jahren wurden periodisch immer wieder die Jungen gegen die Alten in Stellung gebracht<\/strong><\/p><p>Vor allem als Ouvert&uuml;re und dann als st&auml;ndige Begleitmusik zum fortgesetzten Zerst&ouml;rungswerk an der gesetzlichen Rente (Riesterfaktor, Nachhaltigkeitsfaktor, nachgelagerte Besteuerung der Rente, Rente ab 67 und vor allem nat&uuml;rlich mit der Einf&uuml;hrung der kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge), bei jeder noch so minimalen Rentenanpassung, bei der Verdoppelung des Pflegeversicherungsbeitrags, bei der Einf&uuml;hrung eines Zusatzbeitrags f&uuml;r die gesetzliche Krankenkassen oder bei der Frage, ob die Kassen noch Zahnprothesen oder k&uuml;nstliche H&uuml;ften f&uuml;r Senioren finanzieren sollten, gab es regelm&auml;&szlig;ig ein von den Arbeitgebern und der Finanzwirtschaft finanziertes und von dienstwilligen &bdquo;Experten&ldquo; wie Meinhard Miegel, Bernd Raffelh&uuml;schen oder Hans-Werner Sinn inszenierten medialen Trommelwirbel  gegen die &bdquo;gierigen Alten&ldquo; oder die &bdquo;pl&uuml;ndernde&ldquo; &bdquo;Rentner-Demokratie&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article1890924\/Herzog-warnt-vor-einer-Rentner-Demokratie.html\">Altbundespr&auml;sident Roman Herzog <\/a>)<\/p><p>&bdquo;Wie die Alten die Jungen auspl&uuml;ndern&ldquo; titelte der SPIEGEL, &bdquo;Die Jungen werden verschaukelt&ldquo; schrieb Henning Krumrey im  FOCUS, &bdquo;Rentner &ndash; Leben auf Kosten der Anderen&ldquo;, meinte Viktoria Unterreiner in der WELT, &bdquo;Ran an die Rente&ldquo;, forderte der FOCUS.  &bdquo;Ran an das Geld der Rentner&ldquo; (Dorothea Siems, DIE WELT), &bdquo;Die gierigen Alten&ldquo; (J&ouml;rg Tremmel,  SRzG in 3-Sat), &bdquo;Alte gebt den L&ouml;ffel ab&ldquo; (Jan A. Dittrich FDP,  in BILD), &bdquo;Die Alten haben zu w&auml;hlen &ndash; Verzicht oder Krieg&ldquo; (Hans-Ulrich J&ouml;rges, im STERN).<br>\nUnd selbst die seri&ouml;se FAZ schrieb: &bdquo;Nie zuvor haben die &Auml;lteren ihre Nachkommen so schamlos ausgenommen.&rdquo;  Die <a href=\"http:\/\/www.altersdiskriminierung.de\/themen\/artikel.php?id=2580\">Liste solcher Aufrufe<\/a> zum Kampf der Jungen gegen die Alten lie&szlig;e sich beliebig fortsetzen. <\/p><p>In der Sache ging es bei allen diesen Kampagnen im Namen des sog. &bdquo;Generationenkonflikts&ldquo; um die Senkung der parit&auml;tisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanzierten Versicherungsbeitragss&auml;tze unter dem Tarnwort der Senkung der sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;. Das hei&szlig;t, es ging um die Verlagerung der Altersvorsorge, der Gesundheits- oder Pflegekosten auf private Finanzierungssysteme, also allein auf Kosten der Arbeitnehmer. Das eigentlich &bdquo;Ungerechte&ldquo; gegen&uuml;ber der j&uuml;ngeren Generation ist, dass den Jungen einerseits sowohl die B&uuml;rde aufgeladen wird, &uuml;ber das Umlageverfahren die &Auml;lteren zu versorgen, als auch noch zus&auml;tzlich privat einen Kapitalstock f&uuml;r ihre eigene Altersvorsorge aufzubauen.  <\/p><p>Der &bdquo;demographische Wandel&ldquo; und die Sicherung der &bdquo;internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; (angeblich durch Senkung der  &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;) waren die politischen Hebel zur Einf&uuml;hrung der Sozial-&bdquo;Reformen&ldquo; seit der Jahrtausendwende. Tats&auml;chlich ging es aber nur  um einen Verteilungskampf zwischen Kapital und Arbeit und um das Anbohren einer &bdquo;&Ouml;lquelle&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8338\">Maschmeyer<\/a>) f&uuml;r die Versicherungswirtschaft. Und es ging immer auch um die &bdquo;Konsolidierung&ldquo; der durch den &bdquo;Unternehmenssteuersenkungswahn&ldquo; (Rudolf Hickel)  gefledderten &ouml;ffentlichen Haushalte. Bei der daraus resultierenden Suche nach Begr&uuml;ndungen f&uuml;r das &bdquo;Sparen&ldquo; und damit f&uuml;r den Sozialabbau lie&szlig; sich der demografische Wandel als vordergr&uuml;ndig &bdquo;objektive&ldquo; Tatsache f&uuml;r politische Kampagnen hervorragend nutzen. Die Soziale Gerechtigkeit wurde durch den Begriff der sog. &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; abgel&ouml;st.   <\/p><p>Wer k&ouml;nnte schon etwas gegen &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; einwenden? <\/p><p>Die Frage, ob es den Jungen tats&auml;chlich besser ginge, wenn es den Alten schlechter geht, konnte mit diesem Schlagwort umgangen werden. Und hinter der Tatsache, dass es der Masse der Jungen und der Masse der Alten durch die mit der &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; begr&uuml;ndeten &bdquo;Reformen&ldquo; st&auml;ndig schlechter ging, konnte man die weithin verschwiegene zunehmende Umverteilung des erwirtschafteten Reichtums zugunsten einer m&auml;chtigen Minderheit nur zu gut verstecken. Der Verteilungskampf wurde auf die Ebene des Kampfes zwischen den Generationen geschoben. <\/p><p><strong>Der SPIEGEL entdeckt die Alten als Ursache der Euro-Krise<\/strong><\/p><p>Einem 35-j&auml;hrigen Wirtschaftsredakteur hat SPIEGEL Online dieser Tage die Plattform geboten nun auch noch die &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; (man beachte schon die herrschende Umdeutung der Finanzkrise in eine &bdquo;Schuldenkrise&ldquo;) als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/warum-die-euro-krise-ein-generationenkonflikt-ist-a-848758.html\">einen Generationenkonflikt auszumachen<\/a>. Er will die Jugend Europas gegen ihre Eltern auf die Barrikaden schicken. Er deutet den Kampfruf der &bdquo;Indignados&ldquo; &ldquo;Que se vayan todos&rdquo; (&bdquo;Alle sollen abhauen&ldquo;), der gegen die herrschenden Parteien und Geldeliten gerichtet war, um in die Parole &bdquo;Die Alten sollen abhauen&ldquo;. <\/p><p>Gest&uuml;tzt auf eine die wachsende Ungleichheit in Deutschland <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7884\">weichspielende Studie der Bertelsmann Stiftung<\/a> verweist der Autor auf die schlechten Pl&auml;tze der S&uuml;deurop&auml;er im Ranking bei der &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo;.<br>\nWie bei den demografischen Modellrechnungen werden auf den ersten Blick dramatische Fakten &ndash; wie die doppelt so hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen in Griechenland und Spanien sowie Teilen S&uuml;ditaliens &ndash; zur Demagogie gegen die (noch) in Arbeit stehenden Alten genutzt:<\/p><ol>\n<li>&Auml;ltere Arbeitnehmer gen&ouml;ssen &bdquo;im internationalen Vergleich hohen K&uuml;ndigungsschutz&ldquo;, w&auml;hrend die Jungen nur befristet besch&auml;ftigt w&uuml;rden.<\/li>\n<li>Die Lasten und Risiken der Euro-Rettung  und die steigende Staatsverschuldung m&uuml;ssten vor allem die Jungen tragen.<\/li>\n<\/ol><blockquote><p><em>&bdquo;Es sind eben nicht nur Politiker und Banker schuld an der Krise. Weite Teile der &auml;lteren Generation waren Komplizen der taumelnden Systeme&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>res&uuml;miert der SPIEGEL-Autor. <\/p><p>Und wie immer, wenn der &bdquo;Generationenkonflikt&ldquo; beschworen wird, pl&auml;diert der studierte Politologie und Psychologe in der Wirtschaftsredaktion des Spiegels f&uuml;r den Abbau sozialer Errungenschaften:<br>\nLockerung des K&uuml;ndigungsschutzes, &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo;, Verringerung des Abstands der Einkommen zwischen J&uuml;ngeren und der &Auml;lteren. (Und das noch auf der Basis einer Forderung des Ifo-Instituts, das bekannterma&szlig;en ja schon immer f&uuml;r Lohnsenkungen von Alt und Jung eintritt.) Schlie&szlig;lich wird noch gegen die &bdquo;Rentengarantie&ldquo; (!) in Deutschland polemisiert, deren einzige Garantie die Senkung des Rentenniveaus auf 43% vom Netto vor Steuern ist (die Abschl&auml;ge durch die Einf&uuml;hrung der Rente mit 67 noch gar nicht eingerechnet). <\/p><p>Seine Forderung nach Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r Reiche und sein Aufruf zum  Kampf gegen Steuerhinterziehung gelten nat&uuml;rlich nur f&uuml;r die S&uuml;deurop&auml;er. <\/p><p>Die hohe Jugendarbeitslosigkeit (nicht nur in den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern) ist nicht zu bestreiten. Auch dass es die Generation &bdquo;Praktikum&ldquo;  (auch bei uns) viel schwerer hat, gute Arbeit zu finden ist ein Trauerspiel. Falsch wird die Argumentation des selbsternannten Anwalts der Jungen aber schon bei der Annahme, dass die Realeinkommen der j&uuml;ngeren Generation niedriger liegen als zu Zeiten als die Alten noch j&uuml;nger waren. Es waren die Alten, die in der Vergangenheit durch Verzicht auf angemessenen Lohn und durch Sparen (Verzicht auf Konsum), den vorhandenen Kapitalstock aufgebaut haben, aus dem Alte wie Junge allerdings in den letzten Jahrzehnten leider nicht mehr ihre &bdquo;Gewinne&ldquo; erzielen konnten. Und erbt etwa nicht die Nachfolgegeneration die Verm&ouml;genswerte auf denen die Alten sitzen? Es kommt eben nur darauf an, ob die Erben zu aus reichen Familien stammen oder ob ihre Eltern zu den Habenichtsen geh&ouml;ren.  <\/p><p>Es gibt eine zunehmende Zahl von Menschen, ob sie nun jung sind oder alt, die mit immer weniger Einkommen und sozialen Leistungen auskommen m&uuml;ssen. Es gibt immer mehr Arme unter den Jungen wie unter den Alten und es gibt wenige Reiche, die immer reicher wurden &ndash; auch dort, ob jung oder alt. Die Unterstellung von den reichen Alten trifft im &Uuml;brigen f&uuml;r die Mehrheit der &Auml;lteren nicht zu, mehr als die H&auml;lfte aller Renten sind Kleinstrenten und die Altersarmut ist programmiert. Die Kernfrage m&uuml;sste also sein, warum in einer wachsenden Wirtschaft immer mehr Menschen &ndash; jung oder alt &ndash; mit immer geringerem Einkommen und immer schlechteren arbeitsrechtlichen und sozialen Absicherungen leben m&uuml;ssen. <\/p><p>G&auml;be es denn in S&uuml;deuropa insgesamt mehr Arbeit, wenn &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo; durchgef&uuml;hrt w&uuml;rden und der K&uuml;ndigungsschutz gelockert w&uuml;rde? H&auml;tten die J&uuml;ngeren wirklich etwas davon, wenn das Lohniveau der &Auml;lteren noch weiter abgesenkt w&uuml;rde? <\/p><p>Selbst am Beispiel, des angeblich so prosperierenden Deutschland l&auml;sst sich doch ablesen, dass dadurch nur das Lohnniveau insgesamt gesenkt w&uuml;rde und atypische und prek&auml;re Arbeit dramatisch ansteigen. Entscheidend sind eben die tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse auf dem Arbeitsmarkt und nicht das Verh&auml;ltnis zwischen Alt und Jung.   <\/p><p>Ja, die j&uuml;ngere Generation ist gegen&uuml;ber der Generation der &bdquo;Baby-Boomer&ldquo; tats&auml;chlich benachteiligt, aber das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem demografischen Wandel, sondern ausschlie&szlig;lich mit der &Ouml;konomie und einer grottenschlechten Wirtschaftspolitik zu tun. <\/p><p>Mit dem Aufruf zum Kampf der J&uuml;ngeren gegen die &Auml;lteren will der Jung-Journalist von den zugrundeliegenden Ursachen etwa f&uuml;r den dramatischen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in S&uuml;deuropa ablenken &ndash; n&auml;mlich von der durch kriminelle Machenschaften herbeigef&uuml;hrte Finanzkrise und deren katastrophalen Folgen f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte sowie f&uuml;r die Realwirtschaft  und schlie&szlig;lich von der auf einer falschen Euro-Krisen-Analyse basierenden Austerit&auml;tspolitik, die gerade von der Bundesregierung f&uuml;r ganz Europa durchgesetzt wurde. <\/p><p>Wie sollen in einer politisch bewusst herbeigef&uuml;hrten wirtschaftlichen Rezession in den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern neue Arbeitspl&auml;tze entstehen. Werden durch das Sparen ohne R&uuml;cksicht auf Verluste nicht viel mehr Alte entlassen, als dass Junge eingestellt werden k&ouml;nnten? Werden etwa durch die Senkung der Arbeitslosenhilfen oder der Renten nicht Alte und Junge gleich betroffen?  Was ist daran Generationen-&bdquo;gerecht&ldquo;, dass alle auf einem immer niedrigeren Niveau darben sollen, obwohl in der Vergangenheit der gesamte Reichtum der Gesellschaft gr&ouml;&szlig;er geworden ist? Die Ungerechtigkeit nimmt nur zu, egal welcher Generation man angeh&ouml;rt. <\/p><p>Nur wer danach fragt, warum immer mehr gesellschaftlicher Reichtum zu immer mehr Armut f&uuml;hrt, wird zu einer L&ouml;sung der Probleme auch f&uuml;r die Jungen finden. <\/p><p>Damit solche Fragen aber gar nicht erst aufkommen, liefert der Appell an die &bdquo;Generationengerechtigkeit&rdquo; eine Ausflucht. Damit lassen sich die Kritik an den L&ouml;sungskonzepten der Euro-Krise und die Forderung nach einem Politikwechsel trefflich umlenken: Man hat endlich wieder einen S&uuml;ndenbock &ndash; n&auml;mlich die Alten. <\/p><p>Wer wirtschaftliche und soziale Entwicklungen auf ein Generationenproblem reduziert, blendet wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Rahmenbedingungen bewusst aus. <\/p><p>&bdquo;Schuldenkrise als Generationskonflikt&ldquo; &uuml;berschreibt der Spiegel diese die falsche Krisenpolitik kaschierende und rechtfertigende journalistische Pannenhilfe.<br>\nAber auch was die  Schulden anbetrifft, h&auml;tte ein &bdquo;Wirtschaftsredakteur&ldquo; auf die ziemlich banale Einsicht kommen k&ouml;nnen, dass den Staatsschulden die Forderungen derjenigen gegen&uuml;berstehen, die den Staaten das Geld geliehen haben. Es werden also auch k&uuml;nftig nicht die nachkommenden &bdquo;Generationen&ldquo; belastet, sondern eine k&uuml;nftige Gruppe von B&uuml;rgern zugunsten einer anderen, die im Besitz der Staatsobligationen ist. Da Kredite an den Staat typischerweise von den Wohlhabenderen gegeben werden k&ouml;nnen, empfangen diese also auch wieder die Auszahlungen, und zwar v&ouml;llig egal ob sie jung oder alt sind. Der Besitz ist nur ungleich verteilt. Schulden sind also kein Problem zwischen Alt und Jung, sondern auch in aller Zukunft eine Frage von  Arm und Reich. Diese soziale Ungleichheit wird auch auf bei der Schuldenkrise in einen Generationenkonflikt umgedeutet.<br>\nEinmal mehr wird von einer Armuts-Reichtums-Debatte abgelenkt und die tats&auml;chlichen Konfliktlinien in den Gesellschaften werden verschleiert und stattdessen wird versucht die Jungen gegen die Alten auf Barrikaden zu treiben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein junger Wirtschaftsredakteur des Spiegels hat dieser Tage eine bisher v&ouml;llig unbeachtete Ursache der &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; entdeckt: die Alten.<br \/> Er will die Jugend Europas gegen ihre Eltern auf die Barrikaden schicken und deutet den Kampfruf der &bdquo;Indignados&ldquo; &ldquo;Que se vayan todos&rdquo; (&bdquo;Alle sollen abhauen&ldquo;), um in die Parole &bdquo;Die Alten sollen abhauen&ldquo;.<br \/> Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[158,39,11],"tags":[420,291],"class_list":["post-14114","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-generationenkonflikt","category-rente","category-strategien-der-meinungsmache","tag-spiegel","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14114"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25819,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14114\/revisions\/25819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}