{"id":141147,"date":"2025-10-27T10:00:09","date_gmt":"2025-10-27T09:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141147"},"modified":"2025-10-27T13:09:41","modified_gmt":"2025-10-27T12:09:41","slug":"angepasst-und-ausgedruckt-die-taz-will-nicht-laenger-im-papiermuell-landen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141147","title":{"rendered":"Angepasst und ausgedruckt! Die Taz will nicht l\u00e4nger im Papierm\u00fcll landen"},"content":{"rendered":"<p>Exklusiv auf der Bildfl&auml;che oder bald ganz weg von derselben? Die <em>tageszeitung<\/em> hat sich vor einer Woche als Printmedium verd&uuml;nnisiert und taucht werktags nur noch im Internet auf. Die Macher feiern das als &bdquo;Seitenwende&ldquo; und Aufbruch in eine neue &Auml;ra. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Ein Verriss von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7400\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-141147-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=141147-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251027_Angepasst_und_ausgedruckt_Die_Taz_will_nicht_laenger_im_Papiermuell_landen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Schon gemerkt? Die <em>taz<\/em> ist weg. Also nicht ganz verschwunden, aber einfach nicht mehr zu fassen. So wie manche ihrer Beitr&auml;ge, die einen argw&ouml;hnen lie&szlig;en, man hielte die Hauspostille der NATO in der Hand. Aber damit ist es jetzt vorbei, also nicht mit Kriegspropaganda, aber mit dem In-der-Hand-Halten. Denn die <em>tageszeitung<\/em> hat sich ins Virtuelle verdr&uuml;ckt, erscheint seit 20. Oktober werktags nur noch in digitaler Form, auf der Webseite oder als E-Paper. Blo&szlig; noch die <em>wochentaz<\/em> gibt es auf Papier, der gro&szlig;e Rest hat sich quasi in Luft aufgel&ouml;st.<\/p><p>Eine Woche geht das jetzt so, und vielleicht f&uuml;hlen sich einige in die Pandemie zur&uuml;ckversetzt. Da gab es pl&ouml;tzlich auch kein Papier mehr, das f&uuml;r den Hintern. Und selbst das Lesen einer Zeitung geriet zur Ansteckungsgefahr, weshalb man sich, auch auf Anraten der <em>taz<\/em>, besser nicht die Finger schmutzig machen, vor allem tunlichst den Kontakt zu Corona-Leugnern, Verschw&ouml;rungsideologen und Spazierg&auml;ngern meiden sollte &ndash; um Bazillen zu killen und Leben zu retten. Aber irgendwie haute das nicht hin, trotz 3G-Regeln und Impfpflicht, f&uuml;r die sich auch die <em>taz<\/em> ins Zeug legte. Es gab trotzdem Tote, reichlich mehr Kollateralsch&auml;den, und die Gesellschaft ist seither tief gespalten.<\/p><p><strong>Einheitsbrei<\/strong><\/p><p>Vielleicht liegen ja auch hier die Gr&uuml;nde daf&uuml;r, weshalb die Zeitung den n&auml;chsten Schritt in die Versenkung wagt. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Tageszeitung\">Wikipedia<\/a> h&auml;lt fest, die verkaufte Auflage sei von &bdquo;2009 bis 2019 um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr gesunken&ldquo;. Dasselbe Bild bei den Abonnentenzahlen &ndash; stetig abw&auml;rts. Klar, das ist der allgemeine Trend: Die gedruckte Zeitung steht unter Druck. Junge Menschen informieren sich lieber mit dem Smartphone oder Tablet, sofern sie sich &uuml;berhaupt noch informieren oder lesen. Das Lamento der Verleger &uuml;ber das Ende der Gutenberg-&Auml;ra ist herzzerrei&szlig;end, aber eben auch leicht dahergesagt. Weil man dann &uuml;ber Qualit&auml;t nicht reden muss.<\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/510522.zeitungskrise-rudi-der-druck-geht-weiter.html?sstr=taz\"><em>junge Welt (jW)<\/em><\/a> &auml;u&szlig;erte den Verdacht, die Abkehr vom Gedruckten habe &bdquo;m&ouml;glicherweise (&hellip;) ein klein wenig damit zu tun, dass Medienh&auml;user verl&auml;sslich das Niveau absenken, der Konformit&auml;t unterliegen und sie zugleich erzeugen und damit, dass ihre Zeitungen und sonstigen Formate folglich einander immer &auml;hnlicher werden, weshalb, letzte Konsequenz, das Zeug nun auch keiner mehr lesen, geschweige denn kaufen will&ldquo;. Anders <em>jW<\/em>, die &bdquo;bleibt Printzeitung&ldquo; und titelte zur <em>taz<\/em>-D&auml;mmerung: &bdquo;Rudi, der Druck geht weiter.&ldquo;<\/p><p><strong>Lechts wie rinks<\/strong><\/p><p>H&auml;tte Dutschke das erleben m&uuml;ssen. Wie eine Zeitung, vor 47 Jahren als publizistisches Organ &bdquo;linker Gegen&ouml;ffentlichkeit&ldquo; gegr&uuml;ndet, sich im Zuge der Jahrzehnte vom B&uuml;rgerschreck zu einem Spiegel zur Selbstvergewisserung des Gutb&uuml;rgertums entwickeln konnte. Zwar immer irgendwie &bdquo;alternativ&ldquo;, anders und pfiffiger als der namentliche <em>Spiegel<\/em>, aber von der Substanz ziemlich deckungsgleich, ganz dicht dran am publizistisch erzeugten Zeitgeist, sprich der ver&ouml;ffentlichten Meinung. Als links geht die <em>taz<\/em> nur noch durch, sofern links alles andere als Nazi und irgendwas mit &Ouml;ko bedeutet. Wobei es daf&uuml;r gen&uuml;gt, am Abend ein Tofuschnitzel zu verdr&uuml;cken, das man davor mit gutem gr&uuml;nen Gewissen und dem dicksten Hybrid-SUV bei Alnatura f&uuml;r teuer Geld erstanden hat. Wer die <em>taz<\/em> liest, h&auml;lt solche Widerspr&uuml;che locker aus und f&uuml;hlt sich gut dabei.<\/p><p>Ungut wird&rsquo;s erst, wenn wer das gute Lebensgef&uuml;hl in der, jW-Zitat, &bdquo;Echokammer eines selbstgef&auml;lligen und selbstreferentiellen Milieus&ldquo; mit unerh&ouml;rten Attacken auf die rundum hehren Werte des Wertewestens st&ouml;rt &ndash; sprich Leute wie Putin, Trump oder Orban. Das geht dann so weit, dass man bei der <em>taz<\/em> schon mal mit dem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86057\">Einsatz von NATO-Bodentruppen in der Ukraine<\/a> &bdquo;f&uuml;r eine Welt von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und V&ouml;lkerrecht&ldquo; lieb&auml;ugelt und dabei den dritten Weltkrieg als m&ouml;gliche Randerscheinung mit- oder eben nicht mitdenkt.<\/p><p><strong>&bdquo;Zu den Waffen, Genossen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Insofern hat der Marsch durch die Institutionen, den die B&uuml;ndnis-Gr&uuml;nen mit ihrem Leib- und Magenblatt gegangen sind, in sattem Olivgr&uuml;n auf Redaktion und Schreiber durchgef&auml;rbt. Von &bdquo;Waffen f&uuml;r El Salvador&ldquo; &uuml;ber das Bauchgrummeln ob Joschka Fischers &bdquo;Nie wieder Auschwitz&ldquo; zur Rechtfertigung des v&ouml;lkerrechtswidrigen NATO- und Bundeswehr-Krieges im Kosovo bis zu aktuellen Kriegsert&uuml;chtigungsbeitr&auml;gen wie <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kaempfen-fuer-Deutschland\/!6028014\/\">&bdquo;Zu den Waffen, Genossen!&ldquo;<\/a> war es ein langer Lernprozess. Wo fr&uuml;her einmal Pazifismus die Feder gef&uuml;hrt haben mag, herrscht heute ein ausgepr&auml;gter Hang zum Bellizismus, ganz unverkrampft und mit Biosiegel. Wohl nicht allen (ehemaligen) Lesern schmeckt das.<\/p><p>Aber die Macher sind originell und machen auf Selbstironie. Oder vielleicht doch nicht? Jedenfalls nix da mit Auslaufmodell, sondern <a href=\"https:\/\/taz.de\/Seitenwende\/!t6074274\/\">&bdquo;Seitenwende&ldquo;<\/a>. So nennen sie ihren &bdquo;Aufbruch&ldquo; ins Digitale. Scholz und Habeck f&uuml;hlen sich bestimmt geehrt. Aber offenbar nicht alle Leser wollen mit umziehen. &bdquo;57 Prozent unserer bisherigen t&auml;glichen Print-Abonnent*innen&ldquo; h&auml;tten sich bereits verpflichtet, <a href=\"https:\/\/taz.de\/taz-Geschaeftsfuehrung-zur-Seitenwende\/!vn6116230\/\">&bdquo;bei uns zu bleiben&ldquo;<\/a>, lie&szlig; vor elf Tagen die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung verlauten. Das sollte eine frohe Botschaft sein. Zuletzt waren es noch 14.000 Leser, die sich die <em>tageszeitung <\/em>nach Hause schicken lie&szlig;en. 60 Prozent der Nutzer greifen schon heute digital auf das Produkt zu.<\/p><p><strong>Papier alle, Licht aus<\/strong><\/p><p>Von nicht weniger als einem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Letzte-werktaegliche-taz\/!vn6122467\/\">&bdquo;historischen Augenblick&ldquo;<\/a> schrieb die <em>taz<\/em> am vergangenen Mittwoch. &bdquo;Mit ihrem beispiellosen Schritt&ldquo; zeige man &bdquo;wo die Zukunft der Medienwelt liegen d&uuml;rfte&ldquo;. Printmedien aus ganz Deutschland verfolgten die Vorg&auml;nge &bdquo;besonders aufmerksam&ldquo;. Stolz verwies man auf Beitr&auml;ge der Konkurrenz. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/medien\/taz-letzte-ausgabe-berlin-zeitung-tageszeitung-e343127\/?reduced=true\">&bdquo;Nur Klopapier ist unersetzlich&ldquo;<\/a>, titelte die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em>, und <em>Die Zeit<\/em> huldigte geradezu, die <em>tageszeitung<\/em> geh&ouml;re <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/44\/die-taz-tageszeitung-digitalisierung-druck-journalismus-gxe\">&bdquo;wieder einmal zur Avantgarde&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Solche Anteilnahme macht die Verantwortlichen stolz. Man mag das wohlige Gef&uuml;hl, voll mitzuschwimmen im gro&szlig;en Strom des Mainstream, ganz zeitgem&auml;&szlig; halt, aber kein bisschen mehr unbequem, rebellisch oder wirklich links. Ob das ein gutes Zukunftsrezept ist? Noch einmal die Gesch&auml;ftsleitung: &bdquo;Wir gehen unseren Weg, weil wir den Verlust der <em>taz<\/em> nicht ertragen und verantworten k&ouml;nnten.&ldquo; Mal schauen &hellip; Vielleicht hei&szlig;t es dereinst einmal: Zuerst ging das Papier aus, dann das Licht.<\/p><p><small>Titelbild: Hadrian\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/94a40106e60243ff9a96794c1dfa3f1b\" alt=\"\" tile=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv auf der Bildfl&auml;che oder bald ganz weg von derselben? Die <em>tageszeitung<\/em> hat sich vor einer Woche als Printmedium verd&uuml;nnisiert und taucht werktags nur noch im Internet auf. Die Macher feiern das als &bdquo;Seitenwende&ldquo; und Aufbruch in eine neue &Auml;ra. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Ein Verriss von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141147\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":141148,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,183],"tags":[3293,2094,3028,2269,2669,590],"class_list":["post-141147","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-bellizismus","tag-digitalisierung","tag-haltungsjournalismus","tag-konformitaetsdruck","tag-leitmedien","tag-taz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/shutterstock_2418521121.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141147","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141147"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141147\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":141160,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141147\/revisions\/141160"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/141148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}