{"id":141386,"date":"2025-11-01T15:00:57","date_gmt":"2025-11-01T14:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141386"},"modified":"2025-11-10T10:49:06","modified_gmt":"2025-11-10T09:49:06","slug":"valentina-ich-schaeme-mich-fuer-mein-land-brief-an-eine-84-jaehrige-babuschka-in-der-russischen-provinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141386","title":{"rendered":"\u201eValentina, ich sch\u00e4me mich f\u00fcr mein Land!\u201c \u2013 Brief an eine 84-j\u00e4hrige Babuschka in der russischen Provinz"},"content":{"rendered":"<p>80 Jahre nach Kriegsende macht sich Deutschland wieder &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;. Und wieder soll es gegen Russland gehen. Ich habe dies zum Anlass genommen, an eine befreundete &auml;ltere Russin zu schreiben &ndash; Namen und Ortsangaben sind anonymisiert &ndash;, die wenige Wochen nach dem deutschen &Uuml;berfall geboren wurde. Wir kennen uns seit &uuml;ber einem Vierteljahrhundert und haben uns in dieser Zeit &ouml;fters besucht, in Russland und in Deutschland. Sie steht hier stellvertretend f&uuml;r all meine Freunde in Russland, nein: im gesamten postsowjetischen Raum &ndash; auch in der Ukraine, West und Donbass. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141058\">Leo Ensel &ndash; Der &bdquo;Friedhof der D&ouml;rfer&ldquo; oder: Wie ich f&uuml;r immer &bdquo;kriegsunt&uuml;chtig&ldquo; wurde &ndash; Besuch der wei&szlig;russischen Gedenkst&auml;tte Chatyn, Herbst 1988<\/a><\/em><\/p><p>Valentina,<\/p><p>geliebte Babuschka im vierten Stock der sowjetischen Plattenbausiedlung in der Halbe-Millionen-Stadt in der russischen Provinz!<\/p><p>Ich schreibe Dir in gro&szlig;er Sorge und unendlicher Traurigkeit.<\/p><p>Vor 84 Jahren bist Du auf diese Welt gekommen &ndash; zum falschestm&ouml;glichen Zeitpunkt! Mitten hinein in den schrecklichsten aller Kriege. Und wir Deutschen hatten ihn vom Zaun gebrochen. Fast 27 Millionen Sowjetb&uuml;rger hat er das Leben gekostet. Deinen Vater hast Du nie kennengelernt. Er geh&ouml;rte zu den jungen M&auml;nnern, die gleich zu Beginn an die Front geschickt und dort verheizt wurden. Eine Schwester von Dir starb wenig sp&auml;ter als kleines Kind an Hunger und Krankheiten.<\/p><p><strong>Der Krieg<\/strong><\/p><p>Ich lasse Dich am besten selbst erz&auml;hlen. Als wir uns Ende der Neunzigerjahre kennenlernten, da schriebst Du mir:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Wenn ich das Wort &bdquo;Deutschland&ldquo; h&ouml;re, dann f&auml;llt mir als Erstes &bdquo;der Krieg&ldquo; ein. Daf&uuml;r gibt es zwei Gr&uuml;nde. Den Ersten habe ich selbst erlebt. Ich wurde im August 1941, zwei Monate nach Kriegsbeginn geboren. Ich war drei Tage alt, als mein Vater an die Front ging, wo er nach vier Monaten ums Leben kam. Ich habe meinen Vater nie in meinem Leben gesehen, und es war immer mein Wunsch, einen Vater zu haben. Das war typisch f&uuml;r alle Kinder nach dem Krieg. Nur wenige M&auml;nner kehrten aus dem Krieg zur&uuml;ck.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Meine Mutter erz&auml;hlte mir &uuml;ber die Kriegsjahre: In dem Dorf, wo wir lebten, gab es keine deutschen Truppen; sie blieben auf dem anderen Ufer des Flusses stehen. 13 Kilometer von unserem Dorf entfernt befand sich, befindet sich auch jetzt, eine sehr gro&szlig;e Eisenbahnstation &ndash; ich w&uuml;rde sagen, eine der gr&ouml;&szlig;ten in unserem Land &ndash;, die die Deutschen bombardierten.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Meine Mutter wurde zusammen mit drei von ihren f&uuml;nf Kindern (sechs Jahre, vier Jahre und ich) aus dem Dorf ungef&auml;hr 100 Kilometer weiter nach Osten evakuiert. Wir fuhren in einem Zug &ndash; nat&uuml;rlich ohne Bequemlichkeiten und Heizung, aber es war schon Winter. Ich war einige Monate alt und wenn meine Windeln nass waren, dann schlug meine Mutter sich selbst mit ihnen ein, um sie mit ihrer K&ouml;rperw&auml;rme ein bisschen zu trocknen. Manchmal waren wir gezwungen, den Zug zu verlassen, weil die deutschen Flugzeuge uns bombardierten. Wir sa&szlig;en irgendwo nicht weit vom Zug, manchmal im Schnee &ndash; meine Mutter mit uns Kindern. Einmal flog das Flugzeug so niedrig, da&szlig; man das Gesicht des Piloten sehen konnte. Meine Mutter erz&auml;hlte, dass er lachte; an sein Gesicht konnte sie sich noch nach 50 Jahren erinnern. Sie vermutete, dass es ein Aufkl&auml;rungsflugzeug war. Die Frauen beugten sich mit ihrem K&ouml;rper &uuml;ber ihre Kinder, obwohl alle wussten, dass sie sie damit nicht vor den Bomben retten konnten. Aber so sind alle M&uuml;tter.<\/em><\/p>\n<p>    <em>W&auml;hrend der Evakuierung lebten wir in einem anderen Dorf. In diesem Haus war auch eine Frau mit Kindern. Sie hatten selbst nicht viel zu essen und dann kamen wir noch dazu! Aber immer wurde das Essen &ndash; gew&ouml;hnlich Kartoffeln und Brot &ndash; unter allen im Haus verteilt. In erster Linie bekamen das die Kinder. Wir waren einige Monate evakuiert. Ich hatte noch zwei weitere Geschwister, 14 und 16 Jahre alt. Sie blieben in unserem Dorf und sollten wie alle anderen Altersgenossen Sch&uuml;tzengr&auml;ben ausheben. W&auml;hrend des Krieges starb eine von meinen Schwestern im Alter von fast f&uuml;nf Jahren an Hunger und Krankheiten.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Auch das Leben nach dem Krieg war sehr schwer. Am Tag arbeitete meine Mutter im Kolchos, meistens auf dem Feld, sieben Kilometer von unserem Haus entfernt. Den Weg hin und zur&uuml;ck ging sie gew&ouml;hnlich zu Fu&szlig;. Und in der Nacht buk sie f&uuml;r den Kolchos Brot, jedes zehnte durfte sie kostenlos behalten. So hat sie uns alle durchgebracht. Ich habe meine Mutter so gut wie nie schlafen gesehen. Manchmal wenn ich mich daran erinnere, kann ich es nicht verstehen: Wie kann ein Lebewesen so etwas ertragen? Sie muss sehr stark gewesen sein. Ich zum Beispiel kann nicht sicher sagen, ob ich auch so stark w&auml;re. Ich erinnere mich noch daran, da&szlig; alle Kinder trotz Hunger und Verw&uuml;stung in die Schule wollten und meistens mit Vergn&uuml;gen lernten.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und Gennadij, Dein verstorbener Mann, schrieb mir damals &uuml;ber diese Zeit:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Auch nach dem Krieg war das Leben kompliziert, besonders Ende der Vierzigerjahre. Da herrschte Hunger. Meine Mutter war gezwungen, aus den Schalen von Sonnenblumenkernen Mehl zu mahlen. Heute ist das f&uuml;r mich unvorstellbar, aber damals a&szlig;en wir das. Weil meine Mutter die Schale nicht bis zum Ende zerkleinern konnte, waren im Mehl oft noch kleine St&uuml;ckchen von der Schale. Alles, was meine Mutter buk, a&szlig;en wir mit Blut im Mund, denn diese St&uuml;ckchen ritzten das Zahnfleisch auf.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Ich wei&szlig; nicht warum, aber heute assoziiere ich Deutschland nicht mehr mit dem Krieg. Das heutige Deutschland ist ein anderes Land mit einer anderen Generation. Aber wir alle, die Deutschen und die Russen, sollen daraus Konsequenzen ziehen und das nicht vergessen. Ich wei&szlig;, dass die deutschen Sch&uuml;ler &uuml;ber den Krieg ganz wenig im Geschichtsunterricht erfahren und manche fest glauben, dass die Engl&auml;nder und Amerikaner allein den Krieg gewonnen haben. Das ist nicht die beste Strategie, ausgerechnet eine der wichtigsten Tatsachen der Geschichte zu verschweigen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und jetzt noch einmal Du:<\/p><blockquote><p><em>Der zweite Grund, warum ich Deutschland mit dem Krieg assoziiere, sind unsere Filme aus der Sowjetzeit. Immer wieder gab es Filme &uuml;ber den Krieg, wo die Deutschen immer eklig aussahen, grob und brutal waren. Aber ich w&uuml;rde sagen, jetzt hasse ich dieses Land und die Deutschen nicht. Jetzt lebt in diesem Land, wie auch in Russland, eine andere Generation. Es gibt noch diejenigen, die den Krieg erlebten. Aber sie sollten den j&uuml;ngeren Generationen keinen Hass beibringen, sondern erz&auml;hlen, wie es war, damit die J&uuml;ngeren ihre Schl&uuml;sse daraus ziehen k&ouml;nnen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>&bdquo;<strong>Wir empfinden keinen Hass&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir empfinden keinen Hass.&ldquo; &ndash; &bdquo;Heute lebt in Deutschland eine andere Generation.&ldquo; &ndash; &bdquo;Wir haben nicht gegen die Deutschen gek&auml;mpft, sondern gegen die Faschisten.&ldquo; &ndash; &bdquo;Wir d&uuml;rfen nicht vergessen; wir m&uuml;ssen es den jungen Generationen erz&auml;hlen, damit sich das nicht wiederholt!&ldquo;<\/p><p>Wie oft habe ich seit 1996 diese S&auml;tze geh&ouml;rt! W&auml;hrend meiner <a href=\"https:\/\/ostexperte.de\/saubere-preussen-wilde-russen-deutschlandbilder-in-der-gus\/\">interkulturellen Trainings<\/a> f&uuml;r die Goethe-Institute und andere deutsche Organisationen in der ehemaligen Sowjetunion. In Moskau, in Jelez (Schwarzerderegion), in Kasan an der Wolga, in Ufa am Ural, in Nowosibirsk und in Irkutsk unweit des Baikal. In Minsk und in der wei&szlig;russischen Provinz. In Almaty und in der kasachischen Steppe. In Kiew, in Donezk und in <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/auf-den-spuren-der-deutschen-besatzer-besuch-im-donbass-mai-2005\/\">Kleinst&auml;dten des &ouml;stlichen Donbass<\/a>. Und immer habe <em>ich<\/em> dieses Thema angesprochen, niemals meine russischen, belarussischen, kasachstanischen oder ukrainischen Seminarteilnehmerinnen. Niemals und nirgendwo wurde ich komisch angeschaut, weil ich Deutscher bin.<\/p><p>Was f&uuml;r ein kostbares Geschenk habt Ihr uns damit gemacht. Welch grandiose zivilisatorische Vorleistung f&uuml;r eine friedlichere Welt! (Hierzulande ist sie noch unbekannter als die Verbrechen, die unsere V&auml;ter und Gro&szlig;v&auml;ter bei Euch in der Sowjetunion begangen haben.) Wenn doch viel mehr Menschen bei uns in Deutschland das sehen und w&uuml;rdigen k&ouml;nnten!<\/p><p><strong>Das Ende des Kalten Krieges<\/strong><\/p><p>Valentina,<\/p><p>Du bist ein (russisches) Kind des Krieges, ich bin ein (westdeutsches) Kind des Kalten Krieges. Die <a href=\"https:\/\/ostexperte.de\/essay-russlandbilder-einer-kindheit-im-kalten-krieg\/\">Angst vor &bdquo;den Russen&ldquo;<\/a> habe ich mit der Muttermilch eingesogen. Mein halbes Leben lang hatte ich Angst vor Krieg. Einem Krieg, bei dem hier in beiden deutschen Staaten kein Stein mehr auf dem anderen geblieben w&auml;re! Wie gl&uuml;cklich war ich nach dem f&uuml;r uns Deutsche so gl&uuml;cklichen Ende des Kalten Krieges. (F&uuml;r Euch, f&uuml;r Dich war es das nicht. Da begann eine schwere Zeit, ich wei&szlig; es.)<\/p><p>Welch gro&szlig;artige politische Chancen er&ouml;ffneten sich f&uuml;r einen kurzen wundersch&ouml;nen Wimpernschlag der Weltgeschichte f&uuml;r unseren gemeinsamen eurasischen Kontinent! Ein Kontinent des Friedens und der Zusammenarbeit f&uuml;r die n&auml;chsten hundert Jahre zeichnete sich bereits in Umrissen ab. Michail Gorbatschow, den ich verehre und von dem Du nichts h&auml;ltst, sprach 1990 in Bonn gar vom <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138194\">&bdquo;Ewigen Frieden&ldquo;<\/a> &hellip; Noch vor wenig mehr als einem Jahrzehnt waren wir Deutschen bei Euch in Russland das nach den Menschen in Belarus zweitbeliebteste Volk. &ndash; Und jetzt?<\/p><p>Wir, &sbquo;der Westen&lsquo;, haben es vergeigt! Wir haben Euch und Eurem Land, dem wir im Wesentlichen das friedliche Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung zu verdanken hatten, nicht genug Respekt entgegengebracht. In den USA jubelten sie sofort nassforsch-triumphalistisch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84514\">&bdquo;By the grace of God America won the Cold War!&ldquo;<\/a> Und dann hat &sbquo;der Westen&lsquo;, &bdquo;siegestrunken&ldquo; und in blindem Hochmut, jahrzehntelang systematisch Euer Sicherheitsbed&uuml;rfnis ignoriert. Die Hauptschuld &ndash; die meisten in meinem Land stimmen mir hier nicht zu &ndash; f&uuml;r das, was jetzt in der Ukraine geschieht und vielleicht noch geschehen kann, liegt daher bei uns! (Ich wei&szlig;, Du m&ouml;chtest am liebsten gar nicht, dass ich dar&uuml;ber rede. Du willst mit Politik nichts zu tun haben. Aber leider &sbquo;interessiert&lsquo; sich die Politik f&uuml;r <em>uns<\/em>! Wir k&ouml;nnen ihr nicht entfliehen.)<\/p><p><strong>Es geht wieder los &hellip;<\/strong><\/p><p>Valentina,<\/p><p>jetzt bist Du alt und krank &ndash; und es soll wieder losgehen! Politiker und Medien reden hier den Krieg gegen Dein Land, Russland, f&ouml;rmlich herbei. Dabei haben sie alle keine Ahnung, <em>wovon<\/em> sie reden: Sie wissen &uuml;berhaupt nicht mehr, was Krieg <em>bedeutet <\/em>&ndash; wenn sie es denn je gewusst hatten. Sie haben jegliche Bodenhaftung verloren und hantieren gef&auml;hrlich locker mit den Gewichten. Der Ton wird tagt&auml;glich schriller, das Datum immer weiter nach vorne verlegt: 2030, 2029 &ndash; nun sollen wir den <a href=\"https:\/\/rundumdeutschland.de\/militaerhistoriker-soenke-neitzel-warnt-das-koennte-unser-letzter-sommer-im-frieden-sein-wie-real-ist-die-kriegsgefahr-in-europa\/\">letzten Friedenssommer<\/a> schon hinter uns haben &hellip; Laut unserem Bundeskanzler, der den Hals nicht vollkriegt, sind wir bereits <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/ausland\/merz-frieden-bedrohung-russland-100.html\">&bdquo;nicht mehr im Frieden&ldquo;<\/a>, und unser Au&szlig;enminister verspricht, Russland werde <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/kuenftiger-aussenminister-wadephul-russland-wird-immer-ein-feind-fuer-uns-bleiben-li.2320148\">&bdquo;immer ein Feind&ldquo;<\/a> bleiben. (Unsere frauenbewegte Ex-Au&szlig;enministerin wollte Euch ja schon vor dreieinhalb Jahren <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article237145901\/Ukraine-Krieg-Baerbock-bestaetigt-EU-Sanktionen-gegen-Putin-und-Lawrow.html\">&bdquo;ruinieren&ldquo;<\/a>.) Jeden Tag gibt es neue Horrormeldungen &uuml;ber den sogenannten <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/aussenpolitik\/id_100789382\/trump-und-die-nato-kann-sich-der-westen-auch-ohne-die-usa-verteidigen-.html\">&bdquo;grauen&ldquo;<\/a>, &bdquo;hybriden&ldquo; Krieg, den Dein Land angeblich l&auml;ngst gegen uns f&uuml;hrt. Ein Krieg gegen Russland sei <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/experte-schockiert-bei-maischberger-ist-krieg-gegen-putin-unausweichlich-68e7004014154520ea137a7a\">&bdquo;unausweichlich&ldquo;<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus68f8b35459e2e0975070813c\/ex-generalinspekteur-zorn-angriffsziel-deutschland-es-koennte-2026-sein-es-koennte-heute-abend-sein.html\">&bdquo;Es k&ouml;nnte heute Abend sein&ldquo;<\/a>, titeln sie. Sie faseln von &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134646\">&bdquo;Kampfkraft&ldquo;<\/a>. Eltern werden aufgefordert, ihre Kinder zu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134070\">&bdquo;opfern&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Diplomatie und Verst&auml;ndigung sind nun Schimpfworte! Wer f&uuml;r Entspannungspolitik pl&auml;diert, wer an Willy Brandt und Egon Bahr erinnert, wird mit Hohn und Spott &uuml;bergossen. Mit Eurem Pr&auml;sidenten, der ja lange Zeit mit uns <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84520\">zusammenarbeiten<\/a> wollte, &bdquo;k&ouml;nne man nicht reden&ldquo;. Er verstehe, so t&ouml;nen sie, nur die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/regierungserklaerung-von-friedrich-merz-warnung-vor-russischer-bedrohung-li.2336148\">&bdquo;Sprache der St&auml;rke&ldquo;<\/a>. Und so haben sie &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/deutschland\/merz-schulden-kehrtwende-finanzpolitik-100.html\">&bdquo;whatever it takes&ldquo;<\/a> &ndash; ein schuldenfinanziertes, billionenschweres Aufr&uuml;stungsprogramm initiiert, das uns und unsere Kinder auch ohne Krieg in den Abgrund rei&szlig;en wird.<\/p><p>Und zur &sbquo;Kr&ouml;nung des Ganzen&lsquo; sollen n&auml;chstes Jahr hier wieder Mittelstreckenraketen stationiert werden, die auch Deine Stadt treffen k&ouml;nnten.<\/p><p>Valentina, mir wird schlecht! Und ich sch&auml;me mich zu Tode. Ich erkenne mein Land nicht mehr wieder. Niemals in meinem Leben h&auml;tte ich f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, was jetzt hier geschieht!<\/p><p>Nein, die Menschen hier in Deutschland wollen keinen Krieg. Sie wollen keine Eskalation &ndash; aber sie tun auch nichts dagegen! Stattdessen arbeiten sie sich an tausend Nebens&auml;chlichkeiten ab. Unsere Politiker, die ich nicht gew&auml;hlt habe, und unsere Leitmedien, die allesamt dasselbe schreiben, haben es ihnen &uuml;ber Jahre hinweg eingeh&auml;mmert und es wirkt: Sie haben jetzt mehr Angst vor eurem Pr&auml;sidenten als vor einem Krieg, der sich im schlimmsten Falle zu einem Atomkrieg ausweiten k&ouml;nnte.<\/p><p>Valentina, vor 84 Jahren bist Du mitten im schrecklichsten aller Kriege auf die Welt gekommen &ndash; und auf welch schaurige Weise wird Dein Leben auf den letzten Metern jetzt &sbquo;rund&lsquo;!<\/p><p><strong>Niemals werde ich Euch als Feind betrachten!<\/strong><\/p><p>Es kann nur eine einzige Konsequenz geben: Wir, die sogenannten einfachen Menschen in allen L&auml;ndern, m&uuml;ssen jetzt zusammenhalten. Wir d&uuml;rfen uns nicht noch einmal zu Feinden machen und gegeneinander aufhetzen lassen.<\/p><p>Valentina, vor &uuml;ber dreieinhalb Jahrzehnten, im Herbst 1988, habe ich mit Freunden eine Friedens- und Vers&ouml;hnungsreise in die Sowjetunion organisiert: nach Minsk, Moskau und Leningrad. Wir wollten mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren h&ouml;ren, welche Verbrechen Deutsche w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges den Menschen dort angetan hatten. Im wei&szlig;russischen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141058\">Chatyn<\/a>, auf dem Friedhof f&uuml;r 186 abgefackelte belarussische D&ouml;rfer hatten wir spontane Begegnungen mit Menschen aus Sibirien und baten sie stellvertretend f&uuml;r alle Sowjetb&uuml;rger um Verzeihung. Und da konnten wir &ndash; Deutsche und Russen &ndash; auf einmal nur noch gemeinsam herzzerrei&szlig;end weinen! Wir, wildfremde Menschen, fielen uns in die Arme.<\/p><p>Allersp&auml;testens seitdem habe ich es in meiner DNA: Es darf nie wieder geschehen! Wir Menschen, ob in Russland, in Deutschland oder in der Ukraine (West und Donbass), wir geh&ouml;ren doch zusammen. Wir sind nicht auf der Welt, um uns gegenseitig umzubringen &ndash; und unseren kostbaren einzigartigen Planeten am Ende noch mit. Niemals, Du liebe Babuschka in der russischen Provinz, werde ich Dich und Deine Landsleute als Feinde betrachten!<\/p><p>Der Krieg muss beendet, die Fahrt in den Abgrund so schnell wie m&ouml;glich gestoppt werden. Wir alle m&uuml;ssen wieder lernen, uns zu respektieren, uns zuzuh&ouml;ren, zu verzeihen. Irgendwann, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, m&uuml;ssen unsere L&auml;nder wieder Freunde werden. F&uuml;r unsere Kinder und Enkelkinder. Wir haben nur diese eine Zukunftsoption!<\/p><p>Ich werde daf&uuml;r tun, was ich kann. Jeden Tag. Solange es mich gibt.<\/p><p>Das verspreche ich Dir.<\/p><p><em>Mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/valentina-ich-schaeme-mich-fuer-mein-land-brief-an-eine-84jaehrige-babuschka-in-der-russischen-provinz\/\">Globalbridge<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Botschaft der Republik Belarus in der Bundesrepublik Deutschland<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>80 Jahre nach Kriegsende macht sich Deutschland wieder &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;. Und wieder soll es gegen Russland gehen. Ich habe dies zum Anlass genommen, an eine befreundete &auml;ltere Russin zu schreiben &ndash; Namen und Ortsangaben sind anonymisiert &ndash;, die wenige Wochen nach dem deutschen &Uuml;berfall geboren wurde. Wir kennen uns seit &uuml;ber einem Vierteljahrhundert und haben uns<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141386\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":141387,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,170],"tags":[1543,1120,1644,1268,2301,2394,2250,259,2147,966],"class_list":["post-141386","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","tag-deutsche-einheit","tag-friedensbewegung","tag-gorbatschow-michail","tag-kalter-krieg","tag-konfrontationspolitik","tag-kriegstrauma","tag-nachkriegszeit","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Chatyn-Namen-ausgeloeschter-Doerfer-.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141386"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":141443,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141386\/revisions\/141443"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/141387"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}