{"id":141641,"date":"2025-11-06T12:24:13","date_gmt":"2025-11-06T11:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141641"},"modified":"2025-11-11T16:06:21","modified_gmt":"2025-11-11T15:06:21","slug":"der-digitale-euro-freude-ueber-den-widerstand-aus-bruessel-ist-fehl-am-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141641","title":{"rendered":"Der digitale Euro \u2013 Freude \u00fcber den Widerstand aus Br\u00fcssel ist fehl am Platz"},"content":{"rendered":"<p>2020 brachte die EZB erstmals die Einf&uuml;hrung eines digitalen Euros ins Gespr&auml;ch und seitdem wird das Thema in der &ouml;ffentlichen Debatte so gut wie m&ouml;glich ignoriert. Das ist kein Wunder, wei&szlig; doch die breite &Ouml;ffentlichkeit &uuml;berhaupt nicht, worum es bei diesem Thema geht. Seit Ende letzter Woche hat die Debatte unter weitestgehendem Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit rasant an Fahrt aufgenommen. Erst legte die EZB <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/presse\/pressenotizen\/ezb\/eurosystem-geht-zur-naechsten-phase-des-projekts-zum-digitalen-euro-ueber-969872\">einen konkreten Zeitplan<\/a> f&uuml;r die Einf&uuml;hrung des digitalen Euros vor und nur wenige Stunden sp&auml;ter legte ein Bericht der EVP-Fraktion im Europaparlament <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/warum-der-digitale-euro-jetzt-auf-widerstand-stoesst-accg-110761650.html\">die Notbremsung ein<\/a> und stellte das gesamte Projekt infrage. Selbst sachkundige Leser werden nun gar nicht wissen, ob das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Zeit f&uuml;r ein wenig Hintergrundinfos zu einem immer noch sehr abstrakten Thema. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6932\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-141641-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=141641-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/251106_Der_digitale_Euro_Freude_ueber_den_Widerstand_aus_Bruessel_ist_fehl_am_Platz_NDS.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Keine Sorge, jetzt kommt kein Proseminar in Geldtheorie. Aber selbst wenn ich mir M&uuml;he gebe, das Thema m&ouml;glichst allgemeinverst&auml;ndlich anzugehen, kommt man ganz ohne Theorie nicht weiter. Zun&auml;chst einmal: Es gibt zwei Arten von Geld &ndash; echtes Geld, das man an dieser Stelle auch Zentralbankgeld nennen kann, und Giralgeld. Der Gro&szlig;teil unseres Geldes ist Giralgeld. Giralgeld ist immer digital. Es existiert als Zahl auf unseren Konten und stellt rechtlich einen Anspruch auf echtes Geld, also Zentralbankgeld, dar. Wenn man also z.B. einen Einkauf per &Uuml;berweisung bezahlt, &uuml;bertr&auml;gt man technisch gesehen nur eine Forderung an die Bank an eine andere Person. F&uuml;r Privatpersonen und normale Unternehmen kann diese Forderung zurzeit nur analog eingel&ouml;st werden &ndash; indem man Bargeld von seinem Konto abhebt.<\/p><p>Dabei ist das Bargeld selbst nur ein Teil des echten, also des Zentralbankgelds. Zurzeit sind im Eurosystem analoge Geldnoten im Wert von rund 1,6 Billionen Euro im Umlauf. Weitere rund 2,7 Billionen Euro Zentralbankgeld liegen jedoch bereits heute in digitaler Form vor &ndash; das ist das Geld, das die Gesch&auml;ftsbanken als Reserveguthaben auf ihren Konten bei der EZB haben. Digitales Zentralbankgeld ist also keine neue Erfindung, es steht jedoch im bisherigen Geldsystem der Eurozone nur Gesch&auml;ftsbanken und dem Staat, den wir hier aber ignorieren wollen, zur Verf&uuml;gung. Das soll sich mit den digitalen Euro &auml;ndern. Die bisherigen Konzepte sehen vor, dass jeder B&uuml;rger mit der Einf&uuml;hrung des digitalen Euros ein kostenloses Konto bei der EZB f&uuml;hren kann. Das Guthaben auf diesem Konto ist Zentralbankgeld, also echtes Geld.<\/p><p>Sind Sie auch schon ganz begeistert, k&uuml;nftig auch eine digitale Forderung an die EZB statt einer digitalen Forderung an ihre Sparkasse besitzen zu d&uuml;rfen? Wohl eher nicht. Und hier sind wir schon bei einem der vielen Knackpunkte in der Debatte. Was Geldtheoretiker fasziniert, ist der &uuml;berwiegenden Mehrheit der Bev&ouml;lkerung egal. Hinzu kommt, dass viele technische Details immer noch unklar sind. Wie soll dieses Konto bei der EZB konkret aussehen? Klar ist nur, dass die EZB ihre bald rund 350 Millionen Endkunden nicht direkt betreuen wird. Das EZB-Konto soll stattdessen wohl mit ihrem normalen Girokonto bei der Bank gekoppelt werden, was den Unterschied f&uuml;r Otto Normalverbraucher noch unsichtbarer werden l&auml;sst.<\/p><p>Einige Leser, die bereits tiefer im Thema sind, werden an dieser Stelle zucken. Wenn die B&uuml;rger ein Konto in Zentralbankgeld direkt bei der EZB haben, wer braucht dann f&uuml;r den normalen Zahlungsverkehr eigentlich noch die kostenpflichtigen Konten bei den Gesch&auml;ftsbanken? Und finanzpolitisch besonders wichtig: Wenn die B&uuml;rger ihre Guthaben von den Gesch&auml;ftsbanken auf die EZB &uuml;bertragen &ndash; womit sollen die Banken dann ihre Reserveverpflichtungen bei der EZB leisten? Hei&szlig;t dies nicht im Endeffekt, dass die Banken pleitegehen oder aber zumindest ihr Kreditvolumen herunterfahren m&uuml;ssen, was in der Realwirtschaft zu h&ouml;heren Zinskosten f&uuml;hren wird? Ja, das hie&szlig;e es. Darum f&uuml;hrt die EZB auch eine Saldengrenze f&uuml;r diese Konten ein. Die Rede ist zurzeit von rund 3.000 bis 4.000 Euro. Mehr Zentralbankgeld darf der B&uuml;rger nicht auf seinem Konto bei der EZB haben. Das h&ouml;ren die Banken gerne, aber einfacher verst&auml;ndlich wird die Sache f&uuml;r den B&uuml;rger dadurch auch nicht.<\/p><p>Noch komplizierter wird es, wenn es um die konkreten Anwendungen des digitalen Euros geht. Er ist Zentralbankgeld, also ist die Annahme des digitalen Euros gesetzlich verpflichtend &ndash; was kaum jemand wei&szlig;, f&uuml;r Giralgeld gibt es diese gesetzliche Verpflichtung nicht, ein H&auml;ndler ist nicht verpflichtet, eine &Uuml;berweisung oder eine Kartenzahlung anzunehmen. Wie ich aber k&uuml;nftig mein Br&ouml;tchen beim B&auml;cker mit dem digitalen Euro bezahlen soll, ist offen. Das wird wohl wahrscheinlich &uuml;ber verpflichtende Zusatzfunktionen in den Bankkarten und\/oder den einschl&auml;gigen Bezahlapps funktionieren. Wahrscheinlich werden die Banken auch gezwungen, eine derartige Option &uuml;ber das Onlinebanking zur Verf&uuml;gung zu stellen. Sp&auml;testens hier stellt sich aber die Frage, welchen Mehrwert das dem B&uuml;rger &uuml;berhaupt bringen soll.<\/p><p>Die Erkl&auml;rung der EZB wirkt diesbez&uuml;glich wie aus der Zeit gefallen: Das Bezahlen soll einfacher und unkomplizierter werden. Nun mag man zu PayPal oder gar dem kontaktlosen Bezahlen via Smartphone ja gerne auch kritisch gegen&uuml;berstehen &ndash; aber auf die Idee, dass dies nicht jetzt schon extrem einfach und unkompliziert ist, muss man auch erst einmal kommen. Die EZB wirbt hier mit Features, die es l&auml;ngst schon gibt. Was soll das?<\/p><p>Ganz einfach: F&uuml;r den B&uuml;rger als Kunden gibt es zun&auml;chst erstmal keinen wirklich ersichtlichen Vorteil. Welche Technik und welche geldpolitischen Mechanismen hinter den Kulissen zum Einsatz kommen, ist 99,9 Prozent der Nutzer schlichtweg egal. Funktionieren muss es und sicher sein. Bei der Sicherheit kann der digitale Euro zwar punkten, da echtes Zentralbankgeld nat&uuml;rlich sicherer ist als Giralgeld. Die Sorge der B&uuml;rger, dass die Forderungen an die Banken, die mit dem Giralgeld verbunden sind, platzen, sind zurzeit aber auch eher marginal. Wenn ich mich mit Kritikern digitaler Zahlungsmittel unterhalte, h&ouml;re ich viele &ndash; oft ja auch valide &ndash; Kritikpunkte; die M&ouml;glichkeit, dass die eigene Bank pleitegehen k&ouml;nnte und die Sichtguthaben (Forderungen) dadurch wertlos werden, geh&ouml;rt jedoch meist nicht dazu. Auch hier bietet die EZB also eine L&ouml;sung f&uuml;r ein Problem, das zwar theoretisch existiert, aber nicht als solches wahrgenommen wird.<\/p><p>W&auml;hrend der Mehrwert f&uuml;r den B&uuml;rger als Kunden also nicht wirklich erkennbar ist, sieht es f&uuml;r den Handel schon anders aus. Erst vor einigen Wochen habe ich in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139227\">einem Artikel &uuml;ber den neuen Zahlungsdienst Wero<\/a> die Kosten aufgeschl&uuml;sselt, die heute beim Bezahlvorgang mit digitalen Zahlungsmitteln anfallen. Sicher, diese Kosten werden auf den Kunden umgelegt. Das &auml;ndert aber nichts daran, dass sie anfallen. Hier k&ouml;nnte der digitale Euro punkten. Welche Technik unter der Motorhaube zum Einsatz kommt, ist noch offen. Dass diese Dienste um L&auml;ngen g&uuml;nstiger sein werden als die Dienste kommerzieller Anbieter wie PayPal, Visa oder Mastercard d&uuml;rfte jedoch klar sein. Im Grunde k&ouml;nnte die EZB diesen Dienst sogar kostenfrei anbieten. Das geht aber freilich nur, wenn sie auf ein weitverbreitetes technisches Vehikel aufsetzt &ndash; also z.B. die Bankkarte oder Apple und Google Pay. Diese &bdquo;Plattformanbieter&ldquo; werden sich aber massiv dagegen wehren, eine Technik zu integrieren, die ihnen selbst das Gesch&auml;ft kaputtmacht.<\/p><p><strong>Chancen und Risiken<\/strong><\/p><p>Immer wenn ich mit unseren Lesern &uuml;ber diese Themen spreche, kommen an allererster Stelle Bedenken &uuml;ber den Datenschutz. Dies ist das zentrale Thema aus Sicht des Endkunden und diese Bedenken sind auch angebracht. Dennoch geht hier h&auml;ufig einiges durcheinander. Wir haben &ndash; grob gesagt &ndash; zwei Ebenen: Die Zahlung in bar und die digitale Zahlung. Wirklich anonym ist die Zahlung in bar &uuml;brigens auch nicht, da die Bank zumindest wei&szlig;, wann, wo und wieviel Geld man sich vom Konto abhebt. Der Bezahlvorgang selbst ist jedoch vollkommen anonym. Das ist bei der digitalen Zahlung anders, doch hier gibt es sehr gro&szlig;e Unterschiede. Zahle ich z.B. mit meiner Bankkarte im Supermarkt, wissen meine Bank und die Dienstleister, die diese Zahlung abwickeln, zwar, dass Herr Berger um die und die Uhrzeit in dem und dem Rewe f&uuml;r 100 Euro eingekauft hat &ndash; was ich dort gekauft habe, wissen sie aber nicht. Diese L&uuml;cke schlie&szlig;en aus Sicht der Datenkraken die &auml;u&szlig;erst kritisch zu sehenden Kunden- und Rabattkarten.<\/p><p>Dennoch sollte man das Problem nicht kleinreden. Ganz im Gegenteil. Besonders problematisch ist es, dass heute bei digitalen Zahlungsvorg&auml;ngen vor allem amerikanische Datenkraken zum Einsatz kommen, die sich weitestgehend deutscher und europ&auml;ischer Regulierungen entziehen. Ich pers&ouml;nlich habe zum Beispiel kein gro&szlig;es Problem damit, dass meine Volksbank wei&szlig;, wo und wieviel Geld ich ausgebe &ndash; wof&uuml;r ich es ausgebe, wei&szlig; meine Bank ja in der Regel ohnehin (zum Gl&uuml;ck) nicht. Ich habe aber ein sehr gro&szlig;es Problem damit, wenn Datenkraken wie PayPal, Apple, Google oder gar Palantir diese Informationen bekommen, da sie &ndash; anders als meine Volksbank &ndash; diese Daten mit anderen Daten, die &uuml;ber mich verf&uuml;gbar sind (und das sind vor allem bei Apple und Google so einige) kombinieren und kommerziell nutzen. Dass diese Daten auch politisch genutzt werden k&ouml;nnen, steht zumindest f&uuml;r mich au&szlig;er Zweifel. Oder glaubt irgendwer ernsthaft, dass NSA und Co. keinen Zugriff auf die Daten von Apple, Google und Co. haben? Und wenn Unternehmen wie Palantir auch Zugriff auf diese Daten bekommen, ist ohnehin alles aus. Das w&auml;re dann der Datenschutz-Albtraum.<\/p><p>Diese Gefahr mit den zweifelsohne auch vorhandenen Gefahren eines digitalen Euros gleichzusetzen, w&auml;re jedoch zu kurz gedacht. Hier w&uuml;rden diese Daten &ndash; vorausgesetzt, die Techniken werden ohne Hintert&uuml;r aufgesetzt &ndash; bei der EZB anfallen. Nennen Sie mich ruhig naiv &ndash; aber einer europ&auml;ischen Beh&ouml;rde wie der EZB vertraue ich im Zweifel lieber meine Daten an als amerikanischen Datenkraken. Klar &ndash; wer &auml;u&szlig;erst datenschutzsensibel ist, sollte gar nicht digital, sondern nur in bar zahlen. Aber &ndash; Hand aufs Herz &ndash; oft siegt die Bequemlichkeit und zumindest ich habe auch nicht gerade das sicherste Gef&uuml;hl, wenn ich immer gr&ouml;&szlig;ere Mengen an Bargeld durch die Gegend trage. Aber das muss jeder f&uuml;r sich selbst entscheiden. <\/p><p>Den digitalen Euro aus Datenschutzgr&uuml;nden zu verteufeln, ist jedoch ein zweifelhaftes Unterfangen, das zu Ende gedacht nur den amerikanischen Datenkraken nutzt. Deren Produkte sind die eigentliche Konkurrenz zum digitalen Euro und nicht das Bargeld. Wenn ich lieber bar zahle, kann ich das auch machen, wenn es k&uuml;nftig einen digitalen Euro gibt. Konkrete Pl&auml;ne, die Annahme von Bargeld zu verbieten, wenn es den digitalen Euro gibt, kenne ich jedenfalls nicht. Und wenn man mal ein wenig weiter spinnt &ndash; die Plattform des digitalen Euro w&uuml;rde aus technischer Sicht sogar anonyme digitale Bezahlvorg&auml;nge m&ouml;glich machen; das die Politik dies zul&auml;sst, ist allerdings eher unwahrscheinlich.<\/p><p>Kommen wir zur eigentlich entscheidenden Frage. Warum ist die EZB eigentlich so erpicht darauf, ein Produkt einzuf&uuml;hren, dessen Nutzen sich zumindest nicht sofort erschlie&szlig;t und das ja in der Tat vom B&uuml;rger auch gar nicht nachgefragt wird? Hier kommen wir zur Geopolitik. Hatte sich die EZB diesbez&uuml;glich lange bedeckt gehalten, <a href=\"https:\/\/finanzbusiness.de\/nachrichten\/banken\/article18567365.ece\">adressiert sie ihre Motive<\/a> mittlerweile vergleichsweise offen: Europa soll &bdquo;unabh&auml;ngiger von US-Anbietern wie Paypal, Apple Pay, Mastercard oder Visa&ldquo; werden. Und das ist ein wirklich wichtiger Punkt, den ich ja selbst schon in vielen Artikeln angesprochen habe.<\/p><p>Sollte der digitale Euro sich in der von der EZB gew&uuml;nschten Form durchsetzen, w&auml;re er in der Tat ein sehr wichtiger Schritt zur Souver&auml;nit&auml;t Europas. Heute ist Europa beim digitalen Zahlungsverkehr vollkommen abh&auml;ngig von den USA. Sollte z.B. Trump es ernst meinen, k&ouml;nnte er mit einem Fingerschnipp daf&uuml;r sorgen, dass ab jetzt in Europa keine einzige &Uuml;berweisung, keine einzige Kreditkartenzahlung und kein einziger digitaler Zahlungsvorgang mehr durchgef&uuml;hrt werden kann. Und das wird in Zukunft eher schlimmer als besser. <\/p><p>Sowohl in den USA als auch in China haben Tech-Giganten bereits &uuml;ber Apps und Plattforml&ouml;sungen die Kernaufgaben von Finanzinstituten &uuml;bernommen. In China wurden diese Unternehmen (z.B. Ant Group, WeChat- und Ali-Pay) bereits zurechtgestutzt, US-Unternehmen sto&szlig;en indes kaum auf regulatorische Barrieren. Bis 2022 wollte der US-Techgigant Meta mit dem Libra seinen eigenen Stablecoin einf&uuml;hren, der dank der Marktmacht von Meta durchaus eine Perspektive hatte, W&auml;hrungen wie den Dollar und den Euro zu unterminieren. Das w&auml;re &ndash; nicht nur geldpolitisch &ndash; eine Katastrophe. 2022 legte die amerikanische FED noch ihr Veto gegen Meta ein. Ob die FED in der Trump-&Auml;ra k&uuml;nftige Bestrebungen in diese Richtung auch noch verhindern kann, ist fraglich. <\/p><p>Gerade unter diesem Gesichtspunkt w&auml;re eine digitale W&auml;hrung, die &ndash; wie es ja sein sollte &ndash; von einer Zentralbank, einer &ouml;ffentlichen Institution, kontrolliert und betrieben wird, nat&uuml;rlich eine sinnvolle Alternative. Viel Zeit haben wir wohl ohnehin nicht mehr, wenn wir verhindern wollen, dass US-Konzerne auch diesen Markt schaffen und dann beherrschen.<\/p><p>All dies im Hinterkopf wirkt der Widerstand des Europaparlaments zwiesp&auml;ltig. Ginge es nur darum, die EZB an die Kandare zu nehmen und den digitalen Euro vor allem aus datenschutzrechtlicher Sicht sicher zu machen, w&auml;re dies ja zu begr&uuml;&szlig;en. Aber gerade der EVP &ndash; also der CDU- und Von-der-Leyen-Fraktion &ndash; geht es nat&uuml;rlich nicht um Datenschutz, Anonymit&auml;t und Sicherheit. Nein, hier geht es in erster Linie um die Interessen der Banken. Und die wollen nat&uuml;rlich den digitalen Euro kleinhalten, bedroht er doch ihr lukratives Gesch&auml;ft. Und auf der anderen Seite des Atlantiks lachen sich die Tech-Konzerne und Donald Trump ins F&auml;ustchen.<\/p><p><small>Titelbild: gotphotos\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/073c849d0c454dafacdcf2bef8f89d50\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Beitrag<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141934\">Leserbriefe zu &bdquo;Der digitale Euro &ndash; Freude &uuml;ber den Widerstand aus Br&uuml;ssel ist fehl am Platz&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2020 brachte die EZB erstmals die Einf&uuml;hrung eines digitalen Euros ins Gespr&auml;ch und seitdem wird das Thema in der &ouml;ffentlichen Debatte so gut wie m&ouml;glich ignoriert. Das ist kein Wunder, wei&szlig; doch die breite &Ouml;ffentlichkeit &uuml;berhaupt nicht, worum es bei diesem Thema geht. Seit Ende letzter Woche hat die Debatte unter weitestgehendem Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141641\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":141642,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,136,134,54],"tags":[1870,3144,850,3311,507,1556],"class_list":["post-141641","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzen-und-waehrung","category-gestaltete-pdf","tag-bargeld","tag-bargeldloser-zahlungsverkehr","tag-datenschutz","tag-digitaler-euro","tag-ezb","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/shutterstock_2382351389.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141641"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":141947,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141641\/revisions\/141947"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/141642"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}