{"id":1417,"date":"2006-07-17T09:12:15","date_gmt":"2006-07-17T07:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1417"},"modified":"2016-02-02T14:40:48","modified_gmt":"2016-02-02T13:40:48","slug":"kombilohne-viel-geld-fur-die-arbeitgeber-lohndumping-und-wenig-neue-jobs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1417","title":{"rendered":"Kombil\u00f6hne &#8211; Viel Geld f\u00fcr die Arbeitgeber, Lohndumping und wenig neue Jobs"},"content":{"rendered":"<p>Die Tagesschau meldete am 15.7. <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/aktuell\/meldungen\/0,1185,OID5719906_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html\">&bdquo;Zusch&uuml;sse f&uuml;r &auml;ltere Arbeitslose. M&uuml;ntefering k&uuml;ndigt Kombilohn an.&ldquo;<\/a><br>\nDas ist wieder der &uuml;bliche Aktionismus. Nicht durchdacht, nicht bedacht, dass die Besch&auml;ftigungseffekte bescheiden sein werden und die Mitnahme- und Verdr&auml;ngungseffekte beachtlich. Siehe dazu auch den <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-05720652\/hbs\/hs.xsl\/32014_73789.html\">B&ouml;ckler Impuls 06\/2006<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst noch zum Inhalt des Vorsto&szlig;es laut Tagesschau:<\/p><blockquote><p>Arbeitsminister Franz M&uuml;ntefering hat die Einf&uuml;hrung eines Kombilohns f&uuml;r &auml;ltere Arbeitslose angek&uuml;ndigt. Mit den gezielten staatlichen Lohnzusch&uuml;ssen will der SPD-Politiker die R&uuml;ckkehr &auml;lterer Arbeitsloser ins Erwerbsleben f&ouml;rdern. Das sagte er in einem Interview mit dem &ldquo;Handelsblatt&rdquo;. Er werde dem Kabinett am Mittwoch vorschlagen, daneben auch staatliche Hilfen f&uuml;r Arbeitgeber vorzusehen, die &uuml;ber 50-j&auml;hrige Arbeitslose einstellen. Der Vizekanzler konkretisierte damit seine seit Monaten angek&uuml;ndigte Initiative &ldquo;50plus&rdquo;.<\/p>\n<p><strong>Zusch&uuml;sse als Motivationshilfe<\/strong><\/p>\n<p>Der Lohnzuschuss solle &ldquo;&auml;ltere Bezieher von Arbeitslosengeld I motivieren, auch einen Job anzunehmen, der geringer bezahlt wird als ihr bisheriger&rdquo;, sagte M&uuml;ntefering. &ldquo;Diese Personen sollen aus der &ouml;ffentlichen Kasse im ersten Jahr 50 Prozent und im zweiten Jahr 30 Prozent der Lohndifferenz zu ihrem letzten Nettolohn erstattet bekommen.&rdquo; Das Angebot gelte f&uuml;r Bezieher von Arbeitslosengeld I, die &auml;lter sind als 50 Jahre. M&uuml;ntefering rechnet damit, dass diese F&ouml;rderung den Staat j&auml;hrlich rund 250 Millionen Euro kostet und von 50.000 Arbeitslosen im Jahr genutzt wird.<\/p><\/blockquote><p>Der Vorsto&szlig; sagt viel &uuml;ber die in der Regierungsspitze versammelte Inkompetenz. Dort hat man immer noch nicht verstanden, dass es heute nicht darum gehen kann, die vorhandene Arbeit durch im &Uuml;brigen hoch b&uuml;rokratische Methoden neu zu verteilen. Wichtig w&auml;re es, durch eine bessere Makropolitik mehr Arbeit zu schaffen. Wenn die Konjunktur l&auml;uft, dann kommen auch &auml;ltere Arbeitnehmer wieder besser unter.<br>\nWenn die Konjunktur nicht l&auml;uft, dann wird der Kombilohn mitgenommen, dann werden zum Beispiel nach Einf&uuml;hrung des Kombilohns &auml;ltere Arbeitnehmer entlassen und mit Zuschuss neu eingestellt. Auf einen anderen Effekt weist einer unsrer Leser hin, dem wir auch die folgenden Hinweise und Links verdanken. Siehe seine Zusammenstellung und Kommentierung:<\/p><blockquote><p>Kombilohn toll &ndash; ein weiteres Instrument zum verdeckten Lohndumping, oder glaubt wirklich einer, dass damit zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden. Doch wohl nur diejenigen, die sich auch sonst die Hose mit der Kneifzange anziehen. Es dient doch im Wesentlichen nur dazu um die jetzt Besch&auml;ftigten weiter unter Druck setzen zu k&ouml;nnen frei nach dem Motto &bdquo;entweder du arbeitest f&uuml;r weniger oder ich ersetze dich durch jemanden, den ich gef&ouml;rdert bekomme.<\/p><\/blockquote><p><strong>Und nun einzelne Hinweise, auch zu verwandten Themen wie Lohnkosten, Lohnnebenkosten und Niedriglohnsektor:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Lohnzusch&uuml;sse im Niedriglohnbereich schaffen kaum zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r gering Qualifizierte.<\/strong> Eine fl&auml;chendeckende Einf&uuml;hrung von Kombil&ouml;hnen w&uuml;rde die &ouml;ffentlichen Haushalte enorm belasten. Einige Modelle k&ouml;nnten immerhin zur Armutsbek&auml;mpfung beitragen. Das zeigt der neue IMK-Report der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung:<br>\n<strong>Niedriglohn, Kombilohn, Mindestlohn<\/strong><br>\nHintergrundwissen zur aktuellen Debatte um Niedrigl&ouml;hne, Kombilohn und Mindestlohn.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-A4A45A5A\/hbs\/hs.xsl\/32014_73790.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-A4A45A5A\/hbs\/hs.xsl\/32014_73790.html\">B&ouml;ckler Impuls 06\/2006<\/a><\/li>\n<li><strong>Zu hohe L&ouml;hne und Lohnnebenkosten &ndash; Eine &ouml;konomische M&auml;r<\/strong><br>\nDie Lohnnebenkostendebatte in Deutschland ist eine Phantomdiskussion. Die damit beabsichtigte Senkung der L&ouml;hne dient einer ideologisch intendierten Angebotsapologetik, die insgesamt auf eine K&uuml;rzung des Arbeitsentgeltes im Interesse des Kapitals setzt. Es soll zu einer Umverteilung von der Lohn- zur Gewinnquote kommen. Empirisch ist die echte Lohnnebenkostenquote seit Beginn der 80er Jahre weitgehend stabil. Auch der Anstieg des gesetzlichen Anteils innerhalb der Lohnnebenkosten ist als nicht dramatisch einzustufen. Au&szlig;erdem sind die in Relation zum Direktentgelt gestiegenen Lohnnebenkosten in bezug auf die sich dahinter verbergenden Leistungen (Produktivit&auml;ten), ausgedr&uuml;ckt als Lohnst&uuml;ckkosten, in einem internationalen Vergleich weder zu hoch noch wettbewerbsgef&auml;hrdend gestiegen. Wer wirtschaftspolitisch insgesamt auf eine Senkung der Arbeitskosten (Direktentgelt plus Lohnnebenkosten) setzt, sollte wissen, dass er damit zu einer nachhaltigen Schw&auml;chung der binnenwirtschaftlich dringend ben&ouml;tigten Nachfrage beitr&auml;gt. Anstatt zu einer Krisenbek&auml;mpfung kommt es zu einer Krisenversch&auml;rfung.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/169_30661.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/169_30661.html\">WSI-Mitteilungen 06\/2004<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/suchergebnis_gesamt.html?fulltext.search.query=lohnst%FCckkosten&amp;schnellsuche=schnellsuche\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/suchergebnis_gesamt.html?fulltext.search.query=lohnst%FCckkosten&amp;schnellsuche=schnellsuche\">Hans-B&ouml;ckler Stiftung: Suche nach &bdquo;Lohnst&uuml;ckkosten&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><strong>Politik der Krisenversch&auml;rfung (siehe auch Deflationspolitik)<\/strong><br>\nDer Untergang der Weimarer Republik Zerst&ouml;rung der Demokratie 1930 &ndash; 1932<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/themen\/I2FWNH,3,0,Zerst%F6rung_der_Demokratie_1930_1932.html#art3\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bpb.de\/themen\/I2FWNH,3,0,Zerst%F6rung_der_Demokratie_1930_1932.html#art3\">Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung<\/a><\/li>\n<li><strong>Sind die L&ouml;hne in Deutschland zu hoch?<\/strong><br>\nProf. Dr J&uuml;rgen Kromphardt Professor f&uuml;r Wirtschaftstheorie<br>\nDie Klage &uuml;ber zu hohe L&ouml;hne ist so alt wie die Lohnarbeit selbst. Schon immer erhofften sich die Unternehmer (ber&uuml;hmte Ausnahme: Henry Ford) in einzelwirtschaftlicher Sicht von einer Senkung der L&ouml;hne Kostensenkungen und Wettbewerbsvorteile. Wenn man aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die Nachfragewirkungen ber&uuml;cksichtigt, die sich aus dem &bdquo;Doppelcharakter&ldquo; der L&ouml;hne ergeben, gleichzeitig Kostenelement und Grundlage f&uuml;r die Nachfrage der Arbeitnehmer zu sein, ist diese Hoffnung tr&uuml;gerisch:<br>\n  Auch die Entwicklung der Lohnst&uuml;ckkosten seit Mitte der 90er Jahre passt nicht zu der Behauptung zu hoher L&ouml;hne im internationalen Wettbewerb. Gerade in der Zeit, in der Deutschland im Wachstum so stark zur&uuml;ckgefallen ist, sind unter den Industriestaaten die Lohnst&uuml;ckkosten in Deutschland am langsamsten gestiegen.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2004_06_Kromphardt.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2004_06_Kromphardt.pdf\">Sind die L&ouml;hne in Deutschland zu hoch? [PDF &ndash; 107 KB]<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/169_30658.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-89AD8878\/hbs\/hs.xsl\/169_30658.html\">WSI-Mitteilungen &ndash; Ausgabe 06\/2004<\/a><\/li>\n<li><strong>Die soziale Situation in Deutschland &ndash; Zahlen und Fakten<br>\nWirtschaftswachstum und Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen<\/strong>\n<p><strong>Fakten<\/strong><\/p>\n<p>Die Wirtschaft in Deutschland weist seit Beginn der 90er Jahre lediglich moderate Wachstumsraten auf, die sich seit 2000 noch einmal abgeschw&auml;cht haben. Von 1991 bis 2004 ist das Bruttoinlandsprodukt um insgesamt 45 Prozent gestiegen. Werden die Preissteigerungsraten aus diesem Zuwachs herausgerechnet, so bleibt ein reales Wachstum von 18 Prozent.<\/p>\n<p>Die Arbeitnehmereinkommen sind dagegen deutlich schw&auml;cher gestiegen: Sie haben brutto nur um 34,6 Prozent und netto, also nach Abzug von Sozialversicherungsbeitr&auml;gen und Steuern, nur um 27,7 Prozent zugelegt. Werden auch hier die Preissteigerungsraten ber&uuml;cksichtigt, um die Kaufkraft zu ermitteln, dann zeigt sich, dass die realen Nettol&ouml;hne und -geh&auml;lter in den zur&uuml;ckliegenden 13 Jahren gesunken sind. Im Jahr 2004 lag das Nettorealeinkommen nur bei 98,5 Prozent des Niveaus von 1991.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/Z8ZY11,0,0,Einkommen_.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/Z8ZY11,0,0,Einkommen_.html\">Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Einkommen und Armut &ndash; Fakten<\/strong>\n<p>Um die Einkommen vergleichbar zu machen, werden in der Regel Netto&auml;quivalenzeinkommen von Haushalten ermittelt, die nach dem Bedarf der Haushaltsmitglieder gewichtet sind. Das durchschnittliche Netto&auml;quivalenzeinkommen betrug im Jahr 2003 1.564 Euro im Monat. Das sind rund 189 Euro mehr als 1998. In den neuen Bundesl&auml;ndern lag das Netto&auml;quivalenzeinkommen um rund ein F&uuml;nftel unter dem Westniveau. <\/p>\n<p>Vom Netto&auml;quivalenzeinkommen der Haushalte wird die Armutsrisikogrenze abgeleitet. Dies ist die Grenze, unterhalb derer ein Haushalt als arm gilt. Konkret hei&szlig;t das: In Haushalten, deren bedarfsgewichtetes Netto&auml;quivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Median betr&auml;gt, besteht ein Armutsrisiko. In Deutschland lag die Armutsrisikogrenze 2003 bei 938 Euro pro Monat.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/8SE20H,,0,Armutsrisikogrenze_und_Netto%E4quivalenzeinkommen.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/8SE20H,,0,Armutsrisikogrenze_und_Netto%E4quivalenzeinkommen.html\">Armuts- und Reichtumsbericht 2002 und 2004\/2005<\/a><\/p>\n<p><strong>Fakten<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als ein Drittel der Bev&ouml;lkerung in Deutschland lebt im Niedrigeinkommensbereich, das hei&szlig;t, das bedarfsgewichtete Haushaltsnettoeinkommen erreicht nicht einmal 75 Prozent des durchschnittlichen Netto&auml;quivalenzeinkommens. <\/p>\n<p>Allerdings ist hier ein West-Ost-Gef&auml;lle zu beobachten: W&auml;hrend in Westdeutschland etwa jeder Dritte in einem Haushalt wohnt, dem lediglich ein Niedrigeinkommen zur Verf&uuml;gung steht, muss in Ostdeutschland nahezu jeder Zweite mit einem Niedrigeinkommen auskommen. <\/p>\n<p>Im Jahr 2002 lebten rund 13 Prozent der Deutschen in Armut, 11 Prozent hatten sogar weniger als die H&auml;lfte des durchschnittlichen Netto&auml;quivalenzeinkommens zur Verf&uuml;gung. Die westdeutsche Bev&ouml;lkerung ist dabei leicht unterproportional, die ostdeutsche deutlich &uuml;berproportional von Einkommensarmut betroffen, unabh&auml;ngig von den unterschiedlichen Definitionen von Armut.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/CNLY1A,0,Armut_und_Niedrigeinkommen.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bpb.de\/wissen\/CNLY1A,0,Armut_und_Niedrigeinkommen.html\">Statistisches Bundesamt<\/a><\/p>\n<p>Das Internet-Portal <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/\">&ldquo;Sozialpolitik-aktuell&rdquo;<\/a> ist ein Service-Angebot des Lehr- und Studienbuchs &ldquo;Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland&rdquo; (Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000).<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tagesschau meldete am 15.7. <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/aktuell\/meldungen\/0,1185,OID5719906_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html\">&bdquo;Zusch&uuml;sse f&uuml;r &auml;ltere Arbeitslose. 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