{"id":141913,"date":"2025-11-11T09:00:11","date_gmt":"2025-11-11T08:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141913"},"modified":"2025-11-13T11:32:40","modified_gmt":"2025-11-13T10:32:40","slug":"russlands-reaktionen-auf-die-westlichen-abwehrsysteme-oder-abschreckung-als-harte-waehrung-im-weltneuordnungskrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141913","title":{"rendered":"Russlands Reaktionen auf die westlichen Abwehrsysteme \u2013 oder Abschreckung als harte W\u00e4hrung im Weltneuordnungskrieg"},"content":{"rendered":"<p>Politik ist mehr als aktuelle tagespolitische Debatten und Entscheidungen. Diese sind nicht selten Ergebnisse vorausgegangener Ereignisse. Diese Ereignisse k&ouml;nnen Jahrzehnte zuvor stattgefunden haben. In diesem Kontext sind auch die Vorstellung neuester russischer Gro&szlig;waffensysteme wie Poseidon, Burewestnik, Kinshal, Oreschnik, Zircon und Awangard zu verstehen. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1397\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-141913-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=141913-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/251111_Russlands_Reaktionen_auf_die_westlichen_Abwehrsysteme_oder_Abschreckung_als_harte_Waehrung_im_Weltneuordnungskrieg_NDS_AN.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Im Jahre 1972, mitten im Kalten Krieg 1.0, trat der ABM-Vertrag (Anti-Ballistic-Missile &ndash; ein Vertrag zur Regelung von Raketenabwehrsystemen) zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA in Kraft. Dieser Vertrag regelte die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen f&uuml;r beide Superm&auml;chte. Er war zeitlich nicht begrenzt, jedoch einseitig k&uuml;ndbar. Auf den ersten Blick mag es befremdlich wirken, dass es einen Vertrag &uuml;ber die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen, also einen Vertrag &uuml;ber ein vornehmlich defensives Waffensystem gibt. Die Erkl&auml;rung f&uuml;r diesen auf den ersten Blick seltsam anmutenden Ansatz ergibt sich durch die Wahrung der Nuklear-&bdquo;Strategischen Stabilit&auml;t&ldquo;. Es sollten nur wenige Raketenabwehrsysteme zur Bek&auml;mpfung strategischer ballistischer Tr&auml;gersysteme &ndash; hier ICBMs (Strategische Interkontinentalraketen) entwickelt und in Dienst gestellt werden. Man einigte sich darauf, dass entweder ein ICBMs-Stationierungsraum jeweils in den USA und in der UdSSR oder die jeweilige Hauptstadt &ndash; Washington und Moskau &ndash; von ABM-Systemen gesch&uuml;tzt werden sollten. Die &uuml;brigen gro&szlig;en Territorien jenseits dieser punktuellen Schutzr&auml;ume sollten offen, also der Gefahr eines effektiven Nuklearschlages ausgesetzt bleiben.<\/p><p>Dieser auf den ersten Blick absurd anmutende Ansatz ist mit der Doktrin der &bdquo;mutual assured destruction&ldquo; (MAD-Doktrin) zu erkl&auml;ren: die gegenseitig gesicherte Vernichtung beider nuklearer Superm&auml;chte angesichts der nuklearen Zweitschlagsf&auml;higkeit, der Vergeltungsf&auml;higkeit, des angegriffenen Staates. Sie war und ist immer noch oder vielleicht sogar wieder (Stichwort neue russische Gro&szlig;waffensysteme) tats&auml;chlich ein Stabilit&auml;tsmechanismus &ndash; pervers, aber in der nuklearen Logik wirksam. Die Abschreckung scheint unter realpolitischer Perspektive nach wie vor die h&auml;rteste W&auml;hrung zu sein &ndash; scheitert die Diplomatie, so ist die nukleare Abschreckung die letzte Schutzmauer zur Wahrung der Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Integrit&auml;t eines Staates. H&auml;tte Jugoslawien &uuml;ber Atomwaffen verf&uuml;gt, best&uuml;nde der Staat wahrscheinlich immer noch in den Grenzen seiner Gr&uuml;ndung &ndash; zumindest aber h&auml;tte die NATO das Land 1999 nicht angegriffen. Nachdem der Kalte Krieg ab 1989\/91 eine kurze Pause einlegte, der US-gef&uuml;hrte Westen den Ost-West-Konflikt f&uuml;r sich entschied, der Warschauer Pakt aufgel&ouml;st und die Sowjetunion in Tr&uuml;mmern lag, sah man in den USA nicht mehr die Notwendigkeit, das ABM-Vertragswerk aufrechtzuerhalten. Das neue Ziel war es, die USA m&ouml;glichst umfassend unverletzbar zu machen, um ihre Globaldominanz ohne Risiko f&uuml;r die USA selbst milit&auml;risch ausbauen und sichern zu k&ouml;nnen. Daf&uuml;r mussten dann irgendwelche drittrangigen &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; (&bdquo;rogue states&ldquo;) als Argument herhalten. Hier kamen argumentativ die Terroranschl&auml;ge vom 11. September 2001 der Bush-Administration durchaus gelegen. Sie dienten als Beweis, dass es neue Bedrohungen gebe, denen man etwas entgegensetzen m&uuml;sse, und der ABM-Vertrag entsprechende sichernde Ma&szlig;nahmen behindere.<\/p><p>Zun&auml;chst k&uuml;ndigten die USA unilateral den ABM-Vertrag 2001, der 2002 dann endete. Damit hatte Washington eines der wichtigsten R&uuml;stungskontrollabkommen vernunftwidrig und getrieben durch die eigene Hybris aufgek&uuml;ndigt. Warum noch &bdquo;Strategische Stabilit&auml;t&ldquo;, wo doch der Hauptgegner weg ist? Die absolute Handlungsfreiheit wurde zur Handlungsmaxime des US-gef&uuml;hrten Westens w&auml;hrend der kurzen Periode der unipolaren Weltordnung.<\/p><p>Die USA begannen alsbald mit der Entwicklung von Abwehrsystemen. Sie beharrten darauf, dass diese auch in den europ&auml;ischen NATO-Staaten aufgebaut werden m&uuml;ssten. Zun&auml;chst zauderten einige europ&auml;ische NATO-Staaten &ndash; auch in Deutschland gab es nur eine &uuml;berschaubare Begeisterung. Die Debatten konnte ich im Verteidigungsausschuss verfolgen. Mit dem NATO-Gipfel 2012 in Chicago wurde dann pl&ouml;tzlich das US-Raketenabwehrsystem zu einem NATO-Raketenabwehrsystem, und im Verteidigungsausschuss waren nat&uuml;rlich fast alle Fraktionen daf&uuml;r. Wir erhielten Landkarten mit Abfangreichweiten der US- und nun NATO-Abwehrsysteme, die beweisen sollten, dass diese sich nicht gegen Russland richteten, sondern gegen den Iran und vielleicht auch gegen Nordkorea. Moskau wiederum protestierte bereits gegen das US-NATO-Raketenabwehrsystem, da es seine nuklearen Zweitschlagsf&auml;higkeiten zu bedrohen schien. Washington jedoch beteuerte, es richte sich nicht gegen Russland, sondern nur gegen den Iran und andere &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo;.<\/p><p>Daraufhin testete Moskau 2007 Washington mit einem einfachen Angebot: Die Russen boten an, Aufkl&auml;rungsf&auml;higkeiten mit denen der NATO zu teilen. Konkret sollte der Luftraum s&uuml;dlich von Russland durch bereits in Aserbaidschan (Standort: Gabala) stationierte russische Fr&uuml;hwarnradarsysteme gemeinsam mit der NATO &uuml;berwacht werden. Russland sah mit diesem Angebot die Notwendigkeit der Stationierung von US-Abwehrsystemen als nicht mehr notwendig an. Allerdings ist die Aufkl&auml;rung von Raketenstarts das eine und das Abfangen von Raketen das andere. Letzteres bot Moskau nicht an. Erwartungsgem&auml;&szlig; lehnten die USA das Angebot der gemeinsamen Nutzung des russischen Fr&uuml;hwarnradarsystems mit meiner Meinung nach fadenscheinigen Begr&uuml;ndungen ab. Letztlich wollten die USA dieses Raketenabwehrsystem in Europa ohne jegliche Beteiligung Russlands, um sich die Entscheidungshoheit &uuml;ber den Einsatz von Raketenabwehrsystemen nicht teilen zu m&uuml;ssen. Zwischenzeitlich wurden zwei Raketenabwehrsysteme im rum&auml;nischen Deveselu (2016) und im polnischen Redzikowo (2024) aufgebaut. Hinzu kommen seegest&uuml;tzte AGIS BMD-Systeme im Mittelmeer. In Ramstein (Deutschland) befindet sich die NATO-Kommandozentrale f&uuml;r die Koordination der Raketenabwehr (Ramstein w&auml;re auch aufgrund der NATO-Kommandozentrale im Ernstfall ein priorit&auml;res Ziel russischer Schl&auml;ge). Obschon die Kommandozentrale offiziell eine NATO-Einrichtung ist, behalten sich die USA die Kontrolle &uuml;ber den Einsatz der Abwehrraketen einseitig vor &ndash; also US-amerikanischer Entscheidungsvorbehalt auf deutschem Boden. Der Konflikt mit Moskau &uuml;ber diese Raketenabwehrsysteme hat zwei Ebenen:<\/p><p>Erstens: Die Russen erkl&auml;ren, dass sich das System auch gegen sie, sprich die russischen Zweitschlagsf&auml;higkeiten richte. Mit anderen Worten: Sollte das US-NATO-Raketenabwehrsystem gegen&uuml;ber den bis vor Kurzem vorhandenen russischen F&auml;higkeiten funktionieren, so k&ouml;nnten die USA jederzeit, ohne effektiven russischen Gegenschlag f&uuml;rchten zu m&uuml;ssen, einen Enthauptungsschlag der russischen politischen und milit&auml;rische F&uuml;hrung sowie der milit&auml;rischen F&auml;higkeiten f&uuml;hren. Selbst wenn die USA dies faktisch nicht beabsichtigten, w&uuml;rden allein die F&auml;higkeiten der USA, dies tun zu k&ouml;nnen, wie ein Damoklesschwert &uuml;ber Russland schweben. Russlands Souver&auml;nit&auml;t w&auml;re aufgrund der potenziellen Neutralisierung seiner nuklearen Zweitschlagsf&auml;higkeit sodann ebenfalls zerst&ouml;rt, weil erpressbar.<\/p><p>Zweitens: Das aufgestellte Startsystem, das MK-41, f&uuml;r die Raketenabwehr k&ouml;nne auch f&uuml;r Angriffssysteme wie die &bdquo;Tomahawk&ldquo; genutzt werden. Es bed&uuml;rfe nur einer anderen Software, so die Argumentation.<\/p><p>F&uuml;r die russische Seite ergaben sich daraus drei Handlungsoptionen:<\/p><p>Erstens: Akzeptanz der Stationierung des US-NATO-Raketenabwehrsystems ohne russische Gegenma&szlig;nahmen in der Hoffnung, die USA w&uuml;rde es nicht &ndash; weder politisch noch milit&auml;risch &ndash; gegen Russland einsetzen.<\/p><p>Diese Option w&auml;re die naive Variante, die sich gegen alle Annahmen der politischen Theorie des Realismus richteten.<\/p><p>Zweitens: Die Zahl der russischen Tr&auml;gersysteme zu vervielfachen in der Hoffnung, dass im Ernstfall doch einige von ihnen die Raketenabwehr &uuml;berwinden k&ouml;nnten und somit zumindest eine Teil-Zweitschlagsf&auml;higkeit erhalten bliebe.<\/p><p>Diese Option ist zu vage und sehr kostenintensiv.<\/p><p>Drittens: Die Entwicklung neuer Waffensysteme, die die physikalischen Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten herausfordern w&uuml;rden.<\/p><p>Diese Option war ebenfalls vage, da die physikalisch-wissenschaftlichen Herausforderungen enorm und sodann deren Ergebnisse nicht unbedingt aussichtsreich h&auml;tten sein m&uuml;ssen.<\/p><p>In Moskau fiel die Entscheidung f&uuml;r die dritte Option &ndash; die Forschung und Entwicklung sowie dann die Beschaffung und Inbetriebnahme neuer Typen von Waffensystemen, die in der Lage sind, die westliche Luftabwehrsysteme zu &uuml;berwinden &ndash; entweder durch Hyperschallgeschwindigkeit (ab Mach 5., d.h. ab 6.200 Kilometer pro Stunde) oder durch einen Dauereinsatz und die damit verbundene Flexibilit&auml;t, &uuml;berall und jederzeit undetektiert zuschlagen zu k&ouml;nnen: die Hyperschallwaffen Kinshal, Awangard, Zirkon, Oreschnik sowie die nukleargetriebene Luftdrohne Burewestnik und ebenfalls nukleargetriebene Seedrohne Poseidon.<\/p><p>Im Folgenden sollen die technischen F&auml;higkeiten der neuen russischen Waffensysteme &ndash; auf der Grundlage der zur Verf&uuml;gung stehenden Daten &ndash; skizziert werden, um aufzuzeigen, worum es in der gegenw&auml;rtigen Debatte genau geht.<\/p><p><strong>Kinshal<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: luftgest&uuml;tzte Hyperschallrakete (Tr&auml;gersystem), transportiert von der MiG-31<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 10 laut russischer Angabe und Mach 5 nach westlichen Einsch&auml;tzungen<\/li>\n<li>Flugbahn: horizontal mit Man&ouml;vrierf&auml;higkeiten, d.h. kann die Flugbahn &auml;ndern, um Abwehrsystemen auszuweichen<\/li>\n<li>Sprengkopf: konventioneller und nuklearer Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: bis zu 2.000 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: milit&auml;rische Infrastruktur wie Kommando- und Kommunikationsstrukturen, Milit&auml;rflugh&auml;fen, Raketenabwehrsysteme, milit&auml;rische Lager- und Produktionsst&auml;tten des Gegners<\/li>\n<li>Indienststellung: 2017 bis 2019<\/li>\n<\/ul><p><strong>Zirkon<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: see- bzw. schiffsgest&uuml;tzte Hyperschallmarschflugk&ouml;rper<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 8 &ndash; 9<\/li>\n<li>Flugbahn: Marschflug, d.h. 30 &ndash; 40 Meter horizontal &uuml;ber Meeresspiegel*<\/li>\n<li>Sprengkopf: konventioneller und nuklearer Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: 250 &ndash; 500 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Bek&auml;mpfung seegest&uuml;tzter Plattformen (Schiffe) sowie seenaher Ziele auf dem Festland<\/li>\n<li>Indienststellung: 2023<\/li>\n<\/ul><p><strong>Awangard<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Stratosph&auml;ren-Hyperschallgleiter &ndash; transportiert von Interkontinentalrakete<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 20 &ndash; 27<\/li>\n<li>Flugbahn: zun&auml;chst ballistische Flugbahn, dann wellenf&ouml;rmige Flugbahn auf den oberen Atmosph&auml;renschichten mit Man&ouml;vrierf&auml;higkeiten<\/li>\n<li>Sprengkopf: konventioneller und nuklearer Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: interkontinentale Reichweite<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Bek&auml;mpfung strategischer Hochwertziele wie Kommando- und F&uuml;hrungsstrukturen sowie nukleare F&auml;higkeiten des Gegners<\/li>\n<li>Indienststellung: 2019<\/li>\n<\/ul><p><strong>Oreschnik<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: bodengest&uuml;tzte mobile (LKW) Mittelstreckenrakete<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 10<\/li>\n<li>Flugbahn: Rakete fliegt ballistisch und Gefechtsk&ouml;pfe sollen man&ouml;vrierf&auml;hig sein<\/li>\n<li>Sprengkopf: bis zu sechs konventionelle und nukleare Sprengk&ouml;pfe<\/li>\n<li>Reichweite: bis zu 5.000 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Bek&auml;mpfung strategischer Hochwertziele wie Kommando- und F&uuml;hrungsstrukturen &uuml;ber eine sehr gro&szlig;e Entfernung<\/li>\n<li>Indienststellung: 2024<\/li>\n<\/ul><p><strong>Poseidon<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Unterwasserdrohne &ndash; transportiert von U-Booten<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: 100 &ndash; 200 km\/h, je nach Quelle<\/li>\n<li>Sprengkopf: nuklearer Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: bis zu 1.000 Meter Tiefe und angesichts des nuklearen Antriebssystems (ein Minikernkraftwerk) im Prinzip unbegrenzt &ndash; System kann theoretisch jahrelang in den Ozeanen lauern bis zum nuklearen Einsatzbefehl<\/li>\n<li>Einsatzzweck: strategische Abschreckung, Marinest&uuml;tzpunkte und K&uuml;stenst&auml;dte durch Erzeugung eines durch Nuklearbomben motivierten Tsunami<\/li>\n<li>Indienststellung: geplant 2026\/27<\/li>\n<\/ul><p><strong>Burewestnik<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Marschflugk&ouml;rper<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: 1.200 &ndash; 1.300 km\/h, je nach Quelle<\/li>\n<li>Flugbahn: Marschflug, d.h. 25 &ndash; 100 Meter horizontal &uuml;ber der Bodenlinie<\/li>\n<li>Sprengkopf: prim&auml;r nuklearer, aber auch m&ouml;glicherweise konventioneller Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: angesichts des nuklearen Antriebssystems (ein Minikernkraftwerk) im Prinzip unbegrenzt &ndash; System kann theoretisch jahrelang im Luftraum lauern bis zum nuklearen Einsatzbefehl<\/li>\n<li>Einsatzzweck: strategische Abschreckung und Bek&auml;mpfung strategischer Ziele<\/li>\n<li>Indienststellung: noch ungekl&auml;rt, da Testphasen laufen<\/li>\n<\/ul><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>All diese neuen Waffensysteme sind nicht nur ein einfaches Abschreckungsmittel, sondern ersch&uuml;ttern, sofern sie die Leistungsmerkmale &ndash; wie sie &ouml;ffentlich durch Russland dargestellt werden &ndash; und den damit einhergehenden Zweck der Umgehung der westlichen Abwehrsysteme erf&uuml;llen, das bisherige Strategische Gleichgewicht zwischen den USA und Russland nicht zu Gunsten der USA.<\/p><p>Die USA versuchten ohne N&ouml;te, jedoch getrieben durch die eigene Hybris, sich mit der Aufk&uuml;ndigung des ABM-Vertrages einen Vorteil zu verschaffen, das Strategische Gleichgewicht zu ihren Gunsten nachhaltig zu ver&auml;ndern und somit die unipolare Weltordnung, die &bdquo;Pax Americana&ldquo;, auf unbestimmte Zeit zu zementieren. Russlands diplomatische Versuche, die USA weiter an den ABM-Vertrag zu binden, um die Strategische Stabilit&auml;t zu wahren, blieben erfolglos. Ganz nach dem Motto &bdquo;the winner takes it all&ldquo; wurden s&auml;mtliche russischen Bedenken beiseitegeschoben.<\/p><p>Nun jedoch offenbart sich, dass das unilaterale US-amerikanische Vorgehen gewaltig nach hinten losgeht. Nun sind vielmehr die USA umgekehrt mit der Situation konfrontiert, dass die russischen Antworten &ndash; das Umgehen der westlichen Abwehrsysteme durch v&ouml;llig neue Waffensysteme &ndash; Washington und die von ihr gef&uuml;hrte NATO in Bedr&auml;ngnis bringen. Es zeigt sich erneut, dass ein &uuml;berlegenheitsideologisch motoviertes Denken, oder vielleicht besser gesagt Nicht-Denken, nicht immer unmittelbar, sondern mitunter erst Jahre oder Jahrzehnte sp&auml;ter Konsequenzen nach sich ziehen kann &ndash; Konsequenzen, die man auch h&auml;tte antizipieren k&ouml;nnen, wenn man ungeblendet von der eigenen Hybris einen klaren realpolitischen Blick beibehalten h&auml;tte.<\/p><p>Es bleibt zu hoffen, dass die Trump-Administration zumindest jetzt erkennt, dass es auch im Interesse der USA ist, zumindest den im Februar 2026 auslaufenden START-Vertrag &ndash; den letzten R&uuml;stungskontrollvertrag &ndash; mit Russland zu erneuern, um einen erneuten R&uuml;stungswettlauf im nuklearstrategischen Bereich zu verhindern.<\/p><p><em>* Korrektur 12.11.2025 17:45 Uhr: An dieser Stelle stand zuvor irrt&uuml;mlich Kilometer statt Meter. Dies haben wir korrigiert.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Bordovski Yauheni<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/9d8d434b61214284a1544f5c98368dc5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik ist mehr als aktuelle tagespolitische Debatten und Entscheidungen. Diese sind nicht selten Ergebnisse vorausgegangener Ereignisse. Diese Ereignisse k&ouml;nnen Jahrzehnte zuvor stattgefunden haben. In diesem Kontext sind auch die Vorstellung neuester russischer Gro&szlig;waffensysteme wie Poseidon, Burewestnik, Kinshal, Oreschnik, Zircon und Awangard zu verstehen. 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