{"id":141973,"date":"2025-11-12T10:01:37","date_gmt":"2025-11-12T09:01:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141973"},"modified":"2026-01-27T11:57:05","modified_gmt":"2026-01-27T10:57:05","slug":"medien-schueren-kriegsangst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141973","title":{"rendered":"Medien sch\u00fcren Kriegsangst"},"content":{"rendered":"<p>Die Schlagzeilen &uuml;berschlagen sich. Ein Angriff Russlands scheint in vielen Redaktionen nicht mehr als eine &bdquo;Ob-&ldquo;, sondern nur noch als eine &bdquo;Wann-Frage&ldquo; verstanden zu werden. In schier unz&auml;hligen Schlagzeilen finden sich alarmistische Warnungen. Mal hei&szlig;t es, Russland k&ouml;nne &bdquo;morgen&ldquo; schon angreifen, mal k&ouml;nnte der Angriff auch &bdquo;sofort&ldquo; erfolgen. Wer da nicht aufpasst, verpasst vielleicht den Angriff. Vielleicht hat er ja schon vorgestern stattgefunden &ndash; und niemand hat es bemerkt. &Uuml;ber diese &bdquo;Berichterstattung&ldquo; lie&szlig;e sich ob ihrer Schwachsinnigkeit laut lachen &ndash; aber sie ist gef&auml;hrlich! Journalistisch unverantwortlich, sch&uuml;ren Medien so Kriegsangst und helfen mit beim Feindbildaufbau. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8894\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-141973-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=141973-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251112_Medien_schueren_Kriegsangst_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine grundlegende journalistische Regel lautet: Aussagen, die als relevant f&uuml;r die Berichterstattung betrachtet werden, sind kritisch zu &uuml;berpr&uuml;fen und zu hinterfragen. Das gilt insbesondere f&uuml;r Aussagen, die von hochrangigen Pers&ouml;nlichkeiten kommen. Nicht jeder, der &uuml;ber einen Doktortitel verf&uuml;gt, sagt, &bdquo;was ist&ldquo;. Und l&auml;ngst nicht jeder, der &uuml;ber ein Amt verf&uuml;gt, wei&szlig;, was wirklich los ist. Als US-Au&szlig;enminister Colin Powell 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die angeblichen &bdquo;Massenvernichtungswaffen&ldquo; des Irak sprach, war seine Rede gespickt von Falschinformationen &ndash; warum auch immer. Das hinderte Medien rund um den Globus nicht daran, die Rede kritiklos zu verbreiten und den Worten des Politikers einen weitreichenden Realit&auml;tsstatus zuzuschreiben.<\/p><p>All das ist seit Langem bekannt. Jeder Journalist wei&szlig;, dass gerade im Vorfeld von Kriegen alle Warnanlagen angeschaltet sein m&uuml;ssen &ndash; insbesondere, was Aussagen von &bdquo;Autorit&auml;ten&ldquo; aus dem eigenen Land angeht. Wer betreibt Propaganda? Wer spielt ein falsches Spiel? Wer k&auml;ut Propaganda wieder, ohne es zu merken? Wer ist naiv und baut l&auml;ngst sein Feindbild auf Manipulationen auf, denen er selbst unterliegt? Das sind f&uuml;r Journalisten ziemlich unbequeme Fragen, denn: Wer sie stellt, eckt an. Wer diesen Fragen als Journalist konsequent nachgeht, spielt das &bdquo;Spiel&ldquo; der Feindbildbauer im eigenen Land nicht mit, sondern dekonstruiert es. Daran mit Nachdruck zu erinnern, ist gerade angebracht, denn: Seit einigen Tagen &uuml;berschlagen sich die Schlagzeilen regelrecht. &Uuml;berall ist davon die Rede, dass ein Angriff Russlands erfolgen k&ouml;nne. Jede &Auml;u&szlig;erung in dieser Richtung, get&auml;tigt von irgendeinem hochrangigen Funktionstr&auml;ger, wird von Medien aufgenommen wie ein Glas Wasser von einem Verdurstenden.<\/p><p>Da hei&szlig;t in der &Uuml;berschrift der <em><strong>Frankfurter Rundschau<\/strong><\/em>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Deutscher General sieht Angriff Russlands &bdquo;bereits morgen&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Kritische Distanz zu der Aussage des Generals? Ein Suchtrupp, der den Artikel durchk&auml;mmt, wird dergleichen nicht in dem Artikel finden.<\/p><p>Eine &Uuml;berschrift auf dem Portal <em><strong>t-online<\/strong><\/em> lautet:<\/p><blockquote><p>\n<em>Putin kann schon jetzt angreifen: Bundeswehrgeneral warnt vor St&auml;rke Russlands<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Nachrichtendienst <em><strong>MSN<\/strong><\/em> schreibt in der &Uuml;berschrift:<\/p><blockquote><p>\n<em>Deutscher Top-General schl&auml;gt Alarm: Russland k&ouml;nnte &bdquo;schon morgen&ldquo; die Nato angreifen<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die <strong>Merkur<\/strong>-Redaktion f&auml;hrt folgende &Uuml;berschrift auf:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wladimir Putin k&ouml;nnte NATO laut Bundeswehr &bdquo;morgen&ldquo; angreifen<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die <em><strong>ZEIT<\/strong><\/em> f&uuml;hrt an:<\/p><blockquote><p>\n<em>Sicherheitspolitik: Boris Pistorius warnt auf Bundeswehrtagung vor Gefahr aus Russland<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bei der <em><strong>Berliner Morgenpost<\/strong><\/em> ist folgende Schlagzeile zu lesen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Regierung und Milit&auml;rs warnen: &bdquo;Russland r&uuml;stet sich f&uuml;r weiteren Krieg&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auf der Plattform von <em><strong>1&amp;1<\/strong><\/em> ist zu lesen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Bundeswehr: Russland k&ouml;nnte sofort angreifen<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und so geht es reihum. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Schlagzeilen der vergangenen Tage. Wer mit entsprechenden Suchanfragen auf den &bdquo;News-Seiten&ldquo; der Suchmaschinen nachforscht, sieht: So geht es seit Jahren &ndash; mit augenscheinlich zunehmender Intensit&auml;t.<\/p><p>Wie oft soll man es den Redaktionen noch sagen? Richtig ist: Die Aussage eines Generals hat ein Gewicht. Aber: Es geht hier um nichts Geringeres als um die gro&szlig;e Frage von Krieg und Frieden. Den Positionierungen von Milit&auml;rs sind von Redaktionen gerade in einer Zeit, wo die Politik von &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; redet, mit &auml;u&szlig;erster Vorsicht und Distanz zu begegnen. Generalleutnant Alexander Sollfrank mag seine Einsichten und Einsch&auml;tzungen haben. Aber: Wie sehen Experten das, die inhaltlich eine andere Position vertreten? Begreifen Redaktionen nicht? Ohne kritische Perspektivierung, Einordnung, Gegenstimmen machen sie an dieser Stelle ihre &bdquo;Berichterstattung&ldquo; zum verl&auml;ngerten Arm einer Politik, die von Interessen, Propaganda und Manipulation durchtr&auml;nkt ist. So wie damals Journalisten den Aussagen Powells nicht h&auml;tten trauen d&uuml;rfen, so kommt es heute darauf an, jeden Satz, der im Zusammenhang mit Russland ge&auml;u&szlig;ert wird, kritisch zu zerlegen.<\/p><p>Die angef&uuml;hrten Schlagzeilen verdeutlichen exemplarisch: Weite Teile der deutschen Medien sind dazu nicht in der Lage &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer.<\/p><p><small>Titelbild: JoeBakal\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/a6a65dd5ab37484eba01d1a354d195ca\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Beitrag<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142090\">Leserbriefe zu &bdquo;Medien sch&uuml;ren Kriegsangst&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schlagzeilen &uuml;berschlagen sich. Ein Angriff Russlands scheint in vielen Redaktionen nicht mehr als eine &bdquo;Ob-&ldquo;, sondern nur noch als eine &bdquo;Wann-Frage&ldquo; verstanden zu werden. In schier unz&auml;hligen Schlagzeilen finden sich alarmistische Warnungen. Mal hei&szlig;t es, Russland k&ouml;nne &bdquo;morgen&ldquo; schon angreifen, mal k&ouml;nnte der Angriff auch &bdquo;sofort&ldquo; erfolgen. 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