{"id":142098,"date":"2025-11-14T14:00:07","date_gmt":"2025-11-14T13:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142098"},"modified":"2025-11-14T14:32:28","modified_gmt":"2025-11-14T13:32:28","slug":"ethisch-nicht-mehr-zu-rechtfertigen-die-schaerfste-kritik-der-atomaren-abschreckung-lieferte-im-sommer-2019-die-katholische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142098","title":{"rendered":"\u201eEthisch nicht mehr zu rechtfertigen\u201c \u2013 Die sch\u00e4rfste Kritik der atomaren Abschreckung lieferte (im Sommer 2019) \u2013 die katholische Kirche!"},"content":{"rendered":"<p>Nicht alle von den gro&szlig;en christlichen Kirchen ver&ouml;ffentlichten Papiere sind so regierungs- und NATO-nah wie die j&uuml;ngste Denkschrift der EKD. Unter dem Titel &bdquo;Die &Auml;chtung der Atomwaffen als Beginn nuklearer Abr&uuml;stung&ldquo; verabschiedete, vom Mainstream v&ouml;llig ignoriert, im Sommer 2019 die Deutsche Kommission &bdquo;Justitia et Pax&ldquo; (Gerechtigkeit und Frieden) der katholischen Kirche ein scharfsinniges Dossier, das die Politik der atomaren Abschreckung &ndash; ohne jedes Wenn und Aber &ndash; verurteilte. Hoffen wir, dass die katholische Kirche auch heute an dieser eindeutigen Position festh&auml;lt! Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p>Die <em>NachDenkSeiten<\/em> haben am <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142031\">Donnerstag<\/a> und heute am <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142050\">Freitag<\/a> &uuml;ber die j&uuml;ngst von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) verabschiedete Denkschrift <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf\">&bdquo;Welt in Unordnung &ndash; Gerechter Friede im Blick&ldquo;<\/a> kritisch berichtet, die, wie Marcus Kl&ouml;ckner treffend schreibt, &bdquo;wirkt, als k&auml;me sie direkt aus dem Bundestag&ldquo;. <\/p><p>Innerhalb der gro&szlig;en christlichen Kirchen gibt es aber durchaus auch andere Positionen. Dass der am Ostermontag verstorbene Papst Franziskus sich wiederholt unzweideutig f&uuml;r die &Auml;chtung von Atomwaffen ausgesprochen und bei einem Besuch in Hiroshima bereits den <em>Besitz<\/em> von Atomwaffen als unmoralisch verurteilt hat, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass im Juli 2019 innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands ein Dossier ver&ouml;ffentlicht wurde, das die Politik der atomaren Abschreckung vollkommen delegitimierte, indem es die Widerspr&uuml;che der Abschreckungslogik unbarmherzig auf den Punkt brachte. Der scharfsinnigen Argumentation k&ouml;nnen sich auch Andersgl&auml;ubige, Agnostiker und Atheisten problemlos anschlie&szlig;en. &ndash; Unser Autor ver&ouml;ffentlichte damals dazu einen Essay, den wir angesichts der aktuellen innerkirchlichen Diskussionen hier nochmals wiedergeben.<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die bipolare Welt beginnt sich trotz der noch vorhandenen Dominanz der Supermacht USA wirtschaftlich, politisch und milit&auml;risch zu einer multipolaren Welt zu entwickeln. Regelverletzungen und Vertragsbr&uuml;che nehmen zu, multilaterale Abkommen werden durch bilaterale &sbquo;Deals&lsquo; ersetzt, Desinformation und Fake-News verwirren &Ouml;ffentlichkeit und Politik. Vertrauen als Basis friedlicher internationaler Beziehungen verliert rapide an Wert. Die Machtverh&auml;ltnisse in der Welt verschieben sich dramatisch, ohne sich zu einer neuen Weltordnung zusammenzuf&uuml;gen, weil allgemeine Normen und Regeln entweder immer h&auml;ufiger nationalen Interessen geopfert werden oder ihr universeller Geltungsanspruch bestritten wird. Zu den bedenklichen Entwicklungen geh&ouml;rt die Tendenz, die Vereinten Nationen an den Rand der internationalen Politik zu dr&auml;ngen, ganz zu ignorieren oder gar ihre Bem&uuml;hungen zu hintertreiben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, diese S&auml;tze stammen nicht aus dem Interview, das die <em><a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/670039ec-98f3-11e9-9573-ee5cbb98ed36\">Financial Times<\/a><\/em> im Juni 2019 mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin f&uuml;hrte, sondern &ndash; halten Sie sich fest! &ndash; aus einem Dossier der Deutschen Kommission <a href=\"https:\/\/www.justitia-et-pax.de\/jp\/\">&bdquo;Justitia et Pax&ldquo; <\/a>(Gerechtigkeit und Frieden) der<em> katholischen Kirche<\/em>!<\/p><p><strong>Die &Auml;chtung der Atomwaffen<\/strong><\/p><p>Jawohl, Sie haben richtig gelesen! Ziel des unter dem Titel <em><a href=\"https:\/\/www.justitia-et-pax.de\/jp\/publikationen\/pdf\/guf_137.pdf\">&bdquo;Die &Auml;chtung der Atomwaffen als Beginn nuklearer Abr&uuml;stung&ldquo;<\/a> <\/em>ver&ouml;ffentlichten Papiers ist nichts weniger als die ethische Delegitimierung der Atomwaffen und damit der gesamten Politik der atomaren Abschreckung &ndash; und zwar ohne jegliches Wenn und Aber. Das Dossier, ebenfalls vom Sommer 2019, kommt, wir greifen vor, zu dem Schluss, dass <em>&bdquo;weder der Besitz noch der Einsatz von Atomwaffen ethisch oder politisch zu rechtfertigen ist&ldquo;<\/em>.<\/p><p>Man sollte aus der Tatsache, dass das Dossier ausgerechnet im Umfeld der katholischen Kirche erstellt wurde, nicht voreilig falsche Schl&uuml;sse ziehen: Hier geht es nicht um akademische Glasperlenspiele weltfremder Moraltheologen oder -philosophen im Elfenbeinturm. Das Papier will eingreifen. Seine erkl&auml;rte Absicht ist es, <em>&bdquo;&uuml;berzeugende Impulse f&uuml;r die internationale Debatte zu leisten und die verschiedenen Friedensbem&uuml;hungen zu unterst&uuml;tzen&ldquo;<\/em>. Die moralische &Auml;chtung der Atomwaffen soll, wie der Titel der Schrift bereits andeutet, die ethische Fundierung f&uuml;r ein Verbot dieser Massenvernichtungsmittel liefern. Und damit deckt sich das Anliegen von &bdquo;Justitia et Pax&ldquo; exakt mit dem von <a href=\"https:\/\/www.icanw.org\/\">ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons)<\/a>, der 2007 gegr&uuml;ndeten Initiative zur vollst&auml;ndigen Abschaffung der Atomwaffen, die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde: im Rahmen der Vereinten Nationen mittel- oder l&auml;ngerfristig einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atomwaffenverbotsvertrag\">Vertrag zum v&ouml;lkerrechtlichen Verbot von Atomwaffen<\/a> durchzusetzen. (In einer ersten Abstimmung im Juli 2017 stimmten bereits 122 Staaten f&uuml;r diesen Vertrag. Die Atomstaaten sowie die meisten NATO-Staaten &ndash; inclusive Deutschland &ndash; entzogen sich dagegen den Verhandlungen. Der Vertrag trat am 22. Januar 2021 in Kraft &ndash; was die Atomm&auml;chte allerdings nicht daran hindert, ihr Arsenal weiter zu &sbquo;modernisieren&lsquo;.)<\/p><p><strong>Die Radikalisierung der Position: &bdquo;Ethisch nicht mehr zu rechtfertigen!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich argumentiert das Papier zun&auml;chst immanent, das hei&szlig;t: Es setzt am letzten Stand der &ndash; vor allem in den Achtziger Jahren, der Hoch-Zeit der Friedensbewegung, intensiv gef&uuml;hrten &ndash; innerkatholischen Debatte zur Legitimit&auml;t der Abschreckungsstrategie und des Atomwaffenbesitzes an und konfrontiert den damaligen Debattenstand mit der aktuellen durch Erosion der Sicherheitspolitik und allseitige erneute atomare Aufr&uuml;stung gekennzeichneten milit&auml;rpolitischen Weltlage. Die Kernargumente aber &ndash; das wird sich gleich zeigen und das macht den brisanten, &uuml;ber das katholische Umfeld weit hinausgehenden Stellenwert des Dossiers aus &ndash; sind nahezu eins zu eins auch f&uuml;r Protestanten, Orthodoxe, Gl&auml;ubige anderer Religionen sowie f&uuml;r Agnostiker und Atheisten &uuml;bernehmbar.<\/p><p>Anschlussf&auml;hig sind diese Argumente nicht zuletzt deshalb, weil, wie das Papier klarstellt, <em>&bdquo;das &uuml;bergreifende Anliegen der von katholischer Seite geforderten Friedenspolitik darin besteht, die Institution des Krieges durch den Auf- und Ausbau internationaler Institutionen und somit durch gewaltfreie und gewaltarme Konfliktl&ouml;sungswege zu ersetzen. Die internationale Ordnung soll durch die Vereinten Nationen, den Internationalen Gerichtshof und Schiedsgerichte, durch internationales Recht und internationale Abkommen gest&uuml;tzt werden und ein friedliches Zusammenleben der V&ouml;lker erm&ouml;glichen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Das Dossier radikalisiert die bisherige Position der katholischen Kirche zur nuklearen Abschreckung und verabschiedet sich damit von den gewundenen Formulierungen der Achtziger Jahre, die diese moralisch &ndash; mit viel Ach und Krach oder in den damaligen Worten: <em>&bdquo;mit schwersten Bedenken&ldquo;<\/em> &ndash; als Kriegsverh&uuml;tungsstrategie als gerade noch <em>&bdquo;befristet hinnehmbar&ldquo;<\/em> bezeichnet hatten, <em>&bdquo;vorausgesetzt, die durch sie erkaufte Zeit werde politisch genutzt, um das &sbquo;Gleichgewicht des Schreckens&lsquo; zu &uuml;berwinden.&ldquo;<\/em> Die wichtigste Bedingung f&uuml;r diese vorbehaltliche Zustimmung lag also <em>&bdquo;in dem erkennbar ernsthaften Willen der Regierungen, diese prek&auml;re und auf Dauer weder erfolgversprechende noch hinnehmbare Konzeption der Friedenssicherung durch weniger riskante Alternativen abzul&ouml;sen.&ldquo;<\/em> Die Schrift von &bdquo;Pax et Justitia&ldquo; kommt dagegen zu dem unzweideutigen Schluss, <em>&bdquo;dass die bedingte Zustimmung zum Besitz von Atomwaffen ethisch nicht mehr zu rechtfertigen ist&ldquo;<\/em>. Der Einsatz f&uuml;r eine friedliche Welt verlange vielmehr <em>&bdquo;eine uneingeschr&auml;nkte internationale &Auml;chtung von Atomwaffen, die ihren v&ouml;lkerrechtlichen Ausdruck in einem vollst&auml;ndigen Verbot von Atomwaffen findet, sowie gemeinsame Abr&uuml;stung&ldquo;<\/em>.<\/p><p><strong>Die Erosion des Abschreckungssystems<\/strong><\/p><p>Es ist nicht nur die &ndash; trotz zeitweiliger atomarer Abr&uuml;stungsschritte Ende der Achtziger Jahre &ndash; nicht genutzte Chance, die Strategie der Abschreckung grunds&auml;tzlich zu &uuml;berwinden, die &bdquo;Justitia et Pax&ldquo; zu einer Revision der bisherigen Bewertung gen&ouml;tigt hat. Es ist vielmehr ein B&uuml;ndel der diesem System inh&auml;renten Widerspr&uuml;che auf dem Hintergrund dramatischer globaler Umbr&uuml;che, die in ihrer Zusammenschau diesen Schluss f&uuml;r die Autoren als zwingend erscheinen lassen.<\/p><p>Das System der atomaren Abschreckung erweist sich n&auml;mlich bei genauerer Analyse als un&uuml;berwindbar instabil und als unaufhebbar widerspr&uuml;chlich. <em>Un&uuml;berwindbar instabil<\/em> ist das System, weil es in seiner tiefsten Wurzel von einem abgr&uuml;ndigen Misstrauen gen&auml;hrt wird, das sich in den Worten der Autoren <em>&bdquo;fortw&auml;hrend best&auml;tigt sieht und hartn&auml;ckig auf Abhilfe durch mehr, bessere und &uuml;berlegene Waffen dr&auml;ngt. Den fortgesetzten Anstrengungen der USA, einen zuverl&auml;ssigen Abwehrschirm durch Raketen oder Laser aufzubauen, entspricht folgerichtig das Streben Russlands, superschnelle Raketen zu entwickeln, die durch kein Abwehrsystem abgefangen werden k&ouml;nnen.&ldquo; &ndash; Unaufhebbar widerspr&uuml;chlich<\/em> ist die Abschreckungsstrategie, weil sie erstens als Strategie der &bdquo;massiven Vergeltung&ldquo;, um glaubw&uuml;rdig zu sein, genau <em>das<\/em> minuti&ouml;s planen und vorbereiten muss, was sie angeblich verhindern will: Die alles vernichtende atomare Apokalypse. Sie ist es zweitens, wenn sie als Strategie der &bdquo;flexible response&ldquo; auf der Illusion basiert, den Ablauf eines atomaren Konflikts steuern, gar begrenzen und gewinnen zu k&ouml;nnen. <em>&bdquo;Damit aber&ldquo;<\/em>, so die Autoren,<em> &bdquo;hebt sich die Strategie der atomaren Abschreckung selber auf. Denn womit lie&szlig;e sich eine Atommacht, die einen atomaren Schlagabtausch siegreich beenden k&ouml;nnte, von einem Atomwaffenangriff abschrecken?&ldquo;<\/em><\/p><p>Dem System der Abschreckung liegen zudem, laut &bdquo;Pax et Justitia&ldquo;, zwei verh&auml;ngnisvolle Illusionen zugrunde: die Illusion der Wirkungskontrolle und die Illusion der Eskalationskontrolle. Zur <em>angeblichen<\/em> <em>Wirkungskontrolle<\/em>: Es liegt im Begriff der Massenvernichtungsmittel, dass sie den ethisch und v&ouml;lkerrechtlich hochbedeutsamen Grundsatz, die Zivilbev&ouml;lkerung zu schonen, ignorieren. Dies gilt auch f&uuml;r die gegenw&auml;rtig geplanten sogenannten &sbquo;kleinen&lsquo; Atombomben, deren Sprengkraft kaum der Hiroshimabombe nachsteht. <em>&bdquo;Wenn in der neuen Nuklearplanung der USA ins Auge gefasst wird, auch gegnerische Zentren der Cyber-War-Kriegsf&uuml;hrung nuklear zu attackieren, dann f&auml;llt es schwer, sich vorzustellen, wie das ohne die T&ouml;tung von Zivilisten durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte.&ldquo;<\/em> Von den lokal gar nicht zu begrenzenden Strahlensch&auml;den ganz zu schweigen. &ndash; Bezogen auf die <em>Illusion der Wirkungskontrolle<\/em> zitieren die Autoren trocken das bekannte Clausewitz&lsquo;sche Dictum, nach dem keine menschliche T&auml;tigkeit so eng mit dem Zufall verbunden ist, wie der Krieg. <em>&bdquo;Die Strategie der atomaren Abschreckung ist kein rationales Kalk&uuml;l, sondern verleitet zu einem riskanten Spiel mit H&ouml;chsteinsatz. Dessen Gef&auml;hrlichkeit w&auml;chst in tendenziell unbeherrschbarem Ma&szlig;, je mehr in einer multipolaren Welt mit noch mehr Atomm&auml;chten schon rein rechnerisch die Zahl der m&ouml;glichen Konflikte steigt.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Das Verbot der Atomwaffen und ihre vollst&auml;ndige Abr&uuml;stung<\/strong><\/p><p>Nach dieser schonungslosen Analyse liegen die Konsequenzen auf der Hand, auch wenn sie vorerst utopisch scheinen m&ouml;gen: Das gesamte Konzept der atomaren Abschreckung ist ethisch nicht l&auml;nger verantwortbar, die Atomwaffen m&uuml;ssen als uneingeschr&auml;nkt verwerflich v&ouml;lkerrechtlich ge&auml;chtet, abger&uuml;stet und vollst&auml;ndig aus der Welt geschafft werden! Den Segen von Papst Franziskus daf&uuml;r gibt es bereits.<\/p><p>Die Autoren sind nicht blau&auml;ugig:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es w&auml;re eine naive Illusion zu meinen, Konventionen oder Vertr&auml;ge br&auml;chten per se diese oder andere Waffen zum Verschwinden. Aber sie helfen nachweisbar dabei, Kontrollregime aufzubauen, die es wirksam erschweren, sie in gro&szlig;em Umfang herzustellen und zu lagern. Die beunruhigende Tendenz der Atomm&auml;chte, sich der wenigen bestehenden Fesseln der nuklearen R&uuml;stung durch R&uuml;stungskontrolle und Abr&uuml;stung zu entledigen, darf auf keinen Fall widerspruchslos hingenommen werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Da die &Auml;chtung der Atomwaffen, die &Uuml;berwindung der Strategie der atomaren Abschreckung und die Beseitigung der Atomwaffen ohne oder gegen die Atomm&auml;chte nicht m&ouml;glich sein wird, pl&auml;dieren die Autoren leidenschaftlich daf&uuml;r, alles zu unternehmen, um die Atmosph&auml;re in den internationalen Beziehungen zu verbessern. Die Vertrauensbasis zwischen den Atomm&auml;chten m&uuml;sse schrittweise durch regelm&auml;&szlig;ige Kontakte und Gespr&auml;che in unterschiedlichen Foren und Formaten wiederhergestellt werden. <em>&bdquo;Das ist eine der Lehren aus den Jahren der Entspannungspolitik mit ihren Konsequenzen f&uuml;r die R&uuml;stungskontrolle und R&uuml;stungsbegrenzung.&ldquo;<\/em> Der erste Schritt solle dabei vom Westen ausgehen: Die westlichen Staaten, insbesondere die USA, sollten erkl&auml;rterma&szlig;en auf ihre milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit verzichten. Diese Erkl&auml;rung sollte<em> &bdquo;mit einer vorbehaltslosen Einladung an Russland und China verbunden sein, sich an der Wiederbelebung entspannungsorientierter Diplomatie zu beteiligen&ldquo;<\/em>. Absolute Priorit&auml;t habe zudem die Reformierung, F&ouml;rderung und St&auml;rkung der Vereinten Nationen, die in einer globalisierten Welt unverzichtbar seien.<\/p><p><strong>Die feine Nase des Mainstream<\/strong><\/p><p>Die aufmerksame Lekt&uuml;re des Dossiers von &bdquo;Justitia et Pax&ldquo; l&auml;sst nur einen Schluss zu: Hier war ein Team bestens informierter und scharfsinnig argumentierender Fachleute am Werke, das bereit ist, aus seinen Analysen kompromisslos die Konsequenzen zu ziehen und sie unmissverst&auml;ndlich auf den Punkt zu bringen. Das Dossier wurzelt in der katholischen Friedensethik, seine sicherheitspolitischen Analysen und deren radikale Konsequenzen jedoch &ndash; und das macht das Papier brisant &ndash; sind auch f&uuml;r Anders- oder Nichtgl&auml;ubige kompatibel.<\/p><p>Und daher wird es diesmal f&uuml;r die atomaren Aufr&uuml;stungsapologeten s&auml;mtlicher Couleur wirklich gef&auml;hrlich. Denn diese Schrift &ndash; vorausgesetzt, sie wird zur Kenntnis genommen und intensiv diskutiert &ndash; hat das Potenzial, die gesellschaftliche Mitte, die hier allein auf Dauer wirkungsvollen Druck entfalten kann, tats&auml;chlich zu erreichen.<\/p><p>Keiner hat das besser verstanden als der Mainstream in Medien und Politik, der mit seiner feinen Nase das Papier vollst&auml;ndig ignorierte. Dass niemand Geringeres als die katholische Kirche in ihrem Bem&uuml;hen um die &Auml;chtung der Atomwaffen nun ihrerseits vom Mainstream ge&auml;chtet wird, das ist eine besonders delikate Kapriole unserer an paradoxen Salti mortali nicht armen vielf&auml;ltigen Medienlandschaft!<\/p><p>Kurz: Man kann &bdquo;Justitia et Pax&ldquo; zu diesem Dossier nur begl&uuml;ckw&uuml;nschen und ihm weitestm&ouml;gliche Verbreitung w&uuml;nschen! (Und man tr&auml;umt davon, die katholische Kirche w&uuml;rde sich in anderen Lebensbereichen, wie zum Beispiel im Missbrauchsskandal, ebenso klar und konsequent verhalten &hellip;)<\/p><p><small>Titelbild: vetre\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht alle von den gro&szlig;en christlichen Kirchen ver&ouml;ffentlichten Papiere sind so regierungs- und NATO-nah wie die j&uuml;ngste Denkschrift der EKD. 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