{"id":142156,"date":"2025-11-14T17:30:07","date_gmt":"2025-11-14T16:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142156"},"modified":"2025-11-14T19:02:06","modified_gmt":"2025-11-14T18:02:06","slug":"chrupalla-rothfuss-dagdelen-wie-sich-die-bilder-gleichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142156","title":{"rendered":"Chrupalla, Rothfu\u00df, Dagdelen \u2013 wie sich die Bilder gleichen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Nein, dein geheimdienstlich-medialer Komplex ist doch echt nur ein Hirngespenst&ldquo;, lachte mir k&uuml;rzlich ein guter Freund entgegen. Und ja, das mag alles nur Einbildung sein. Aber die Koordination jahrzehntelanger Anschl&auml;ge auf Sozialstaat und grundgesetzliche Friedensvorgaben sollte nicht ohne argw&ouml;hnischen Begriff bleiben. (Einige nennen es &bdquo;tiefen Staat&ldquo;. Aber das klingt eher nach einer Unkrautwurzel, die mit einem Spatenstich auszuheben w&auml;re.) Von <strong>Diether Dehm<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSind es denn nur Verschw&ouml;rungstheoretiker, die heute noch an Medien wie <em>BILD<\/em> erinnern, als diese zun&auml;chst jahrelang Sozialminister Norbert Bl&uuml;m f&uuml;r sein Pl&auml;doyer, die staatlich gest&uuml;tzte Rente sei sicherer als eine privatisierte, zum abschussreifen, komischen Vogel umgeschmiert hatten? Bevor dann BILD-Gro&szlig;inserenten wie Allianz, Maschmeyer und Co. im Rahmen der Riester-Rente ihre &bdquo;Finanzprodukte&ldquo; als &bdquo;zus&auml;tzliche Altersversorgung&ldquo; vermarkten durften?<\/p><p>Mochten die Geheimdienste damals so noch nicht aktiv gewesen sein: Ohne konspirative Koordination von Medien h&auml;tte der Kampagnen-Coup der Renten-Privatisierung so perfekt doch nicht gelingen k&ouml;nnen.<\/p><p>Wie es auch immer benannt wird: Gingen der jetzigen Ausweitung des NATO-Kriegs gegen Russland nur zuf&auml;llige Falschmeldungen voraus? Etwa, wie k&uuml;rzlich, &uuml;ber russische Raketen und Drohnen in NATO-Territorien?<\/p><p>Okay, wir verzichten auf &bdquo;Geheimdienstlich-Medialer Komplex&ldquo; und suchen einen neuen Begriff daf&uuml;r. Aber irgendwas Koordinierendes muss es doch gewesen sein, das vor dem NATO-&Uuml;berfall auf Belgrad die Racak-L&uuml;ge in Redaktionszimmer flattern lie&szlig;. Und vor der T&ouml;tung hunderttausender irakischer Kinder die M&auml;r von Saddams Massenvernichtungswaffen.<\/p><p>Waren es nur Medienzuf&auml;lle, dass in allen Parteien &ndash; von der CDU der Vierziger Jahre, &uuml;ber FDP, SPD bis PDS und Linkspartei &ndash; NATO-Kritiker zuerst mit Skandalen &uuml;berzogen wurden, bevor ihnen Funktion und &ouml;ffentliches Geh&ouml;r entzogen wurden? Und daf&uuml;r dann bei den Gr&uuml;nen durch solche &bdquo;Young Global Leaders&ldquo; (damals mittels Klaus Schwabs Davoser &bdquo;Weltwirtschaftsforum&ldquo;) ersetzt wurden wie Baerbock. Oder Nouripour, dem Beisteher von Kiesewetter (&bdquo;Das Ges&uuml;lze von Friedensverhandlungen muss aufh&ouml;ren!&ldquo;).<\/p><p>Wer fr&uuml;her B&uuml;cher von Bernt Engelmann, Erich Schmidt-Eenboom, Andreas von B&uuml;low, Peter Ferdinand Koch und anderen zitiert hat mit Belegen f&uuml;r miese Deals zwischen Geheimdiensten und Medien, f&uuml;r Platzierung von Einflussagenten in der N&auml;he von Politpromis, f&uuml;r gezielte Einwirkung auf Umfrageinstitute und Parteikarrieren, der bekam von Zeitungskonsumenten den Vogel gezeigt. Wer wollte schon hinter Artikeln seines Lokalblatts konspirative Spindoctoren netzwerken sehen? Oder hinter dem Anheizen von Kriegsbereitschaft mit serbischen, irakischen, libyschen und russischen Gr&auml;ueltaten im Tremolo seines Lieblings-Talkmasters die Aktienkurse von &bdquo;Rheinmetall&ldquo;? Wie der Kampf um die Hoheit &uuml;ber Tr&auml;nen auch ein Kampf um B&ouml;rsenkurse ist, hat zuletzt der Dichter Brecht ausgemalt. Dessen und solcherlei St&uuml;cke kommen in Deutschland aber heute auf keine &ouml;ffentlich gef&ouml;rderte B&uuml;hne mehr. Wohl auch ein Schuft, der B&ouml;ses dabei denkt!<\/p><p>Innerhalb von 24 Stunden dieser Wochenmitte kam es nun zu folgenden Ereignissen: Tino Chrupalla &ndash; &uuml;ber dessen forsch-forschende Anfragen zur Sprengung von Nordstream 2 sich bereits zuvor Polens Premier Tusk EU-weit echauviert hatte &ndash; verteidigte bei Lanz zun&auml;chst gewitzt die Russland-Politik seiner AfD (&bdquo;Putin hat mir nichts getan&ldquo;). Daraufhin fiel <em>BILD<\/em> (&bdquo;Die schockierendsten Chrupalla-S&auml;tze&ldquo;) mit NATO-Influencern wie Annabell Schunke (&bdquo;Meine Fresse &hellip; widerlichster Whataboutism&ldquo;) &uuml;ber ihn her, forderten implizit seinen R&uuml;cktritt. Acht Stunden sp&auml;ter meldete <em>BILD<\/em>, Alice Weidel wolle jetzt Chrupalla entmachten. Und dann &ndash; gleichsam als Best&auml;tigung f&uuml;r <em>BILD<\/em> &ndash; sahen sich Weidel und Chrupalla zu einem gemeinsamen Post veranlasst (&bdquo; &hellip; wir wollen auch k&uuml;nftig gemeinsam &hellip;&ldquo;).<\/p><p>Trotzdem nahmen viele netzwerkkoordinierte Tageszeitungen am Tag darauf den Ball auf und ungewohnt herzlich Partei f&uuml;r Alice Weidel. Und gegen Chrupalla, den sie schon f&uuml;r seinen schlauen Wehrdienst-Kompromiss (Aussetzung, solange Deutschland in der Ukraine mitk&auml;mpft) angerempelt hatten. Weidel ginge es in ihrer Auseinandersetzung mit Chrupalla um Regierungs-Option und &bdquo;W&auml;hlbarkeit&ldquo; (<em>Fuldaer Zeitung<\/em>, 14.10.). Wohlgemerkt: Die AfD ist seit Monaten die prozentst&auml;rkste Partei. Gleichwohl steht eine ganze Extra-Spalte neben dem dreispaltigen Chrupalla-Weidel-Artikel mit der &Uuml;berschrift, die CDU sei gerade ein halbes Prozent vor die AfD gerutscht. Nie war Kriegspropaganda hom&ouml;opathischer als heute!<\/p><p>In einem Roman w&uuml;rde es hei&szlig;en: zur gleichen Zeit am anderen Ort. Jetzt sagte n&auml;mlich gerade der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfu&szlig; aus Bayern seine Reise nach Moskau ab, gegen welche Medien tagelang getrommelt hatten. &bdquo;Freiwillig&ldquo;, aber nach R&uuml;cksprache mit seiner Fraktionsf&uuml;hrung.<\/p><p>Und wieder zur gleichen Zeit, aber in einer ganz anderen Partei: Die BSW-Spitze pr&auml;sentiert einen personellen Pr&auml;sidiumsvorschlag, in welchem bisherige Vorstandsmitglieder fehlen, die wegen &bdquo;prorussischen&ldquo; Aussagen medial schon mal angez&auml;hlt worden waren. Und die f&uuml;r Lieferung von konkurrenzlos billigem Gas aus Russland einstehen und sich folglich geweigert hatten, Putin in Medien &bdquo;einen Kriegsverbrecher&ldquo; zu nennen. Vor allem dr&ouml;hnt die L&uuml;cke dort, wo die nach Wagenknecht an Mikros zweitpopul&auml;rste BSW-Frau wirkt: die charismatische Friedensaktivistin Sevim Dagdelen.<\/p><p>Klar, auch das rechtfertigt keinesfalls den Verdacht auf geheimdienstlich-mediale Mitwirkung. Aber schimmert durch die Ereignisse nicht eine akute Ausweitung des NATO-Krieges gegen Russland im Kampf um die K&ouml;pfe?<\/p><p>Russengas-Freund und IG-Metaller Alexander Ulrich verzichtete &bdquo;freiwillig&ldquo; auf eine Kampfkandidatur ums BSW-Pr&auml;sidium. Er will als Vorsitzender von Rheinland-Pfalz die Landtagswahl nicht zus&auml;tzlich gef&auml;hrden. Aber wer &ndash; bei allen BSW-Hommagen an mittelst&auml;ndische Erfolgsm&auml;nner &ndash; vertritt jetzt die Arbeiter? Oskar Lafontaine hatte zwar stets Kleinunternehmer an seiner Seite, aber seine massive Popularit&auml;t verdankte er der N&auml;he zu den Stahlarbeitern an der Saar.<\/p><p>Bislang ist Ex-MdB Zaklin Nastic BSW-Vorstandsmitglied. Aber &bdquo;nach Correctiv-Recherchen&ldquo; soll sie einst einen &bdquo;russischen Nationalisten&ldquo; besch&auml;ftigt haben, der so indirekt &bdquo;Zugang zu sicherheitsrelevanten Inhalten, beispielsweise zur Terrorismusbek&auml;mpfung oder der Verteidigung von Deutschland im Kriegsfall&ldquo; gehabt haben soll. Alles &bdquo;Correctiv&ldquo;-Gequatsche l&ouml;ste sich sp&auml;ter zwar in Rauch auf. Aber f&uuml;r eine &bdquo;freiwillige&ldquo; erneute Kandidatur f&uuml;r den BSW-Vorstand wurde sie von der Spitze gar nicht erst gefragt.<\/p><p>Andrej Hunko wird medial als besonderer &bdquo;Kreml-Versteher&ldquo; ausgedeutet, seit er mit dem damaligen Linken-Fraktionsvize Wolfgang Gehrcke eine Spende f&uuml;r ein Kinderkrankenhaus in den Donbass gebracht hatte. K&uuml;rzlich sollte er &bdquo;freiwillig&ldquo; auf seine Kandidatur zum NRW-Landesvorsitz des BSW verzichten. Was er nicht tat und im ersten Wahlgang gew&auml;hlt wurde. Gegen Thomas Geisel, der die Th&uuml;ringer BSW-Koalition&auml;rin Katja Wolf unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Kurze R&uuml;ckblende: Als es &ouml;ffentlich geworden war, dass der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, am 23. November 2009 dem damaligen US-Botschafter Philipp D. Murphy versichert hatte, die soeben beschlossene NATO-Ablehnung seiner Fraktion sei nicht so ernst gemeint, gab es scharfe Kritik von Wagenknecht-Leuten. Die allermeisten, die diese damals &auml;u&szlig;erten, fehlen jetzt auf der Liste f&uuml;r das BSW-Pr&auml;sidium. Wer sch&auml;mt sich da seiner Tradition?<\/p><p>Sicher gibt es bei alledem keinerlei evidente Hin- oder gar Beweise f&uuml;r geheimdienstliche Einwirkung, hingegen: f&uuml;r mediale Orchestrierung solcher Parteizerw&uuml;rfnisse zuhauf! Aus Tolstois &bdquo;Krieg und Frieden&ldquo; stammt der Satz: &bdquo;Wie sich die Bilder gleichen!&ldquo;<\/p><p>Klar, ob bei alldem in AfD oder BSW: Die medial eingeforderte &ndash; die Friedensbewegung l&auml;hmende &ndash; Brandmauer und der &bdquo;Fleischtopf&ldquo; &bdquo;Regierungsbeteiligung&ldquo; liefern ja alleine schon Motive genug, um moralisch und charakterlich weich zu werden. Dazu braucht es kein gro&szlig;es Zutun von au&szlig;en. Und &uuml;ber allem h&auml;ngt die Medienvorgabe Russenhass. Aber mal anders gefragt: K&ouml;nnte von diesen Vorg&auml;ngen in AfD und BSW nicht doch zumindest appetitanregender Duft zu externen BND-Spindoktoren aufsteigen, das eine oder andere Fingerchen an parteiinterne Stellschrauben zu legen?<\/p><p>Ein Wagnis bleibt es, &bdquo;rechts&ldquo; und &bdquo;links&ldquo; jetzt in einem Atemzug anzusprechen. Aber es geht gegen einen dritten Weltkrieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Nein, dein geheimdienstlich-medialer Komplex ist doch echt nur ein Hirngespenst&ldquo;, lachte mir k&uuml;rzlich ein guter Freund entgegen. Und ja, das mag alles nur Einbildung sein. Aber die Koordination jahrzehntelanger Anschl&auml;ge auf Sozialstaat und grundgesetzliche Friedensvorgaben sollte nicht ohne argw&ouml;hnischen Begriff bleiben. (Einige nennen es &bdquo;tiefen Staat&ldquo;. 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