{"id":142208,"date":"2025-11-17T09:00:07","date_gmt":"2025-11-17T08:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142208"},"modified":"2025-11-17T15:34:47","modified_gmt":"2025-11-17T14:34:47","slug":"die-schlacht-um-das-22-milliarden-imperium-von-lukoil-hat-begonnen-us-veto-stuerzt-europa-in-versorgungsnot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142208","title":{"rendered":"Die Schlacht um das 22-Milliarden-Imperium von Lukoil hat begonnen: US-Veto st\u00fcrzt Europa in Versorgungsnot"},"content":{"rendered":"<p>Der geplante Mega-Verkauf von Auslandsverm&ouml;gen des russischen &Ouml;lkonzerns Lukoil im Wert von 22 Milliarden US-Dollar an das Schweizer Unternehmen Gunvor ist durch US-Sanktionen in letzter Minute geplatzt. Nun tickt die Uhr: Bis zum 21. November muss das Unternehmen einen K&auml;ufer finden, bevor die Sanktionen sein internationales Gesch&auml;ft komplett lahmlegen. Weltweit k&auml;mpfen Staaten und Konzerne um die billigen &Uuml;berreste des Lukoil-Imperiums, w&auml;hrend in Europa (besonders Bulgarien und Finnland) die Angst vor einem akuten Versorgungsengpass im Winter w&auml;chst. Die spannende Frage ist: Gelingt die Rettung durch andere internationale K&auml;ufer oder &uuml;bernimmt der Rivale Rosneft die zerschlagene Lukoil? Eine Analyse von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4001\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142208-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142208-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251117_Die_Schlacht_um_das_22_Milliarden_Imperium_von_Lukoil_hat_begonnen_US_Veto_stuerzt_Europa_in_Versorgungsnot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem die USA Sanktionen gegen die beiden gr&ouml;&szlig;ten russischen &Ouml;lkonzerne Lukoil und Rosneft verh&auml;ngt haben, blockierte Washington &ndash; das global agierende Energiehandelsunternehmen Gunvor mit Schweizer Sitz als &bdquo;Kreml-Marionette&ldquo; bezeichnend &ndash; auch den geplanten Verkauf von Lukoil-Auslandsverm&ouml;gen an Gunvor. Diese Entscheidung k&ouml;nnte dem russischen &Ouml;lunternehmen einen Verlust von bis zu 14 Milliarden Euro zuf&uuml;gen. Sie hat Ger&uuml;chte &uuml;ber eine m&ouml;gliche &Uuml;bernahme der &bdquo;angeschlagenen&ldquo; Lukoil durch den ebenfalls sanktionierten &Ouml;lriesen Rosneft wieder aufleben lassen. Ein solches Vorhaben von Rosneft-Chef Igor Setschin, einem engen Vertrauten von Pr&auml;sident Wladimir Putin, wurde vom russischen Pr&auml;sidenten in der Vergangenheit jedoch mehrfach blockiert.<\/p><p>Die beiden Unternehmen Lukoil und Rosneft sind f&uuml;r etwa die H&auml;lfte der gesamten russischen &Ouml;lexporte von t&auml;glich 5,1 Millionen Barrel verantwortlich. Lukoil allein sichert rund zwei Prozent der globalen &Ouml;lproduktion. Doch auch mehrere internationale Akteure des Energiesektors zeigen starkes Interesse an den nun wieder zum Verkauf stehenden ausl&auml;ndischen Verm&ouml;genswerten von Lukoil. Dem Unternehmen bleibt nur noch Zeit bis zum 21. November, um sein &uuml;ber Jahrzehnte aufgebautes internationales Gesch&auml;ft zu verkaufen oder abzuschreiben, bevor die US-Sanktionen vollumf&auml;nglich greifen.<\/p><p>Gleichzeitig suchen einige europ&auml;ische L&auml;nder verzweifelt nach L&ouml;sungen, um ihre Abh&auml;ngigkeit von dem sanktionierten Unternehmen zu beenden und die Versorgungssicherheit im Winter zu gew&auml;hrleisten.<\/p><p><strong>Der beabsichtigte Mega-Deal<\/strong><\/p><p>Gunvor zog sein 22-Milliarden-Dollar-Angebot f&uuml;r den Kauf der internationalen Verm&ouml;genswerte von Lukoil zur&uuml;ck, nachdem die Vereinigten Staaten beschlossen hatten, das Gesch&auml;ft zu blockieren. Das US-Finanzministerium erkl&auml;rte in einem Post auf der Plattform <em>X<\/em> (ehemals <em>Twitter<\/em>), es werde dem Schweizer Handelsunternehmen keine Genehmigung zur Verwaltung der Lukoil-Verm&ouml;genswerte erteilen, &bdquo;solange Putin seine sinnlosen Morde&ldquo; in der Ukraine fortsetze. Das Ministerium bezeichnete Gunvor, das von einem engen Verb&uuml;ndeten des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin gegr&uuml;ndet wurde, der sich aber sp&auml;ter vom Land zu distanzieren versuchte, als &bdquo;Kreml-Marionette&ldquo;.<\/p><p>Lukoil begann mit der Suche nach K&auml;ufern f&uuml;r seine internationalen Verm&ouml;genswerte &ndash; einschlie&szlig;lich seiner US-Aktivit&auml;ten &ndash;, nachdem die Regierung von Donald Trump im Oktober umfassende Sanktionen gegen den russischen &Ouml;lriesen verh&auml;ngt hatte. Diese Ma&szlig;nahmen, die auch die vom Kreml kontrollierte Rosneft betreffen, haben Washingtons Druck auf Putin zur Beendigung des Krieges in der Ukraine verst&auml;rkt.<\/p><p>Die Erkl&auml;rung des US-Finanzministeriums zu Gunvor ist der j&uuml;ngste Schritt in Washingtons Strategie, die Kan&auml;le f&uuml;r russische &Ouml;lexporte zu unterbrechen, die weiterhin eine zentrale Finanzierungsquelle f&uuml;r Moskaus Milit&auml;roperationen darstellen. Lukoil erwog nach der Verh&auml;ngung der US-Sanktionen den Verkauf ausl&auml;ndischer Verm&ouml;genswerte im Wert von 22 Milliarden US-Dollar in Europa und im Nahen Osten.<\/p><p>Mit dem R&uuml;ckzug droht ein Gesch&auml;ft von kaum fassbarer Gr&ouml;&szlig;e zu scheitern. Der Wert des internationalen Gesch&auml;fts von Lukoil betr&auml;gt 22 Milliarden US-Dollar, mehr als das Dreifache des Eigenkapitals von Gunvor. Durch das Gesch&auml;ft h&auml;tte Gunvor sich schlagartig von einem der gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lhandelsunternehmen der Welt in einen riesigen, integrierten &Ouml;lindustrie-Koloss verwandeln k&ouml;nnen. Das zum Verkauf stehende Paket enthielt alles, was zur globalen &Ouml;lmarkt-Dominanz notwendig war: Raffinerien in wichtigen europ&auml;ischen H&auml;fen, enorme Produktionskapazit&auml;ten und ein Tankstellennetz, das einen Gro&szlig;teil der Welt umspannt. Das Unternehmen h&auml;tte damit eine &Ouml;lf&ouml;rderkapazit&auml;t von rund 440.000 Barrel pro Tag hinzugewonnen &ndash; was in etwa der gesamten Tagesproduktion Ecuadors entspricht.<\/p><p>Das mit Gunvor geplante Gesch&auml;ft h&auml;tte die Raffinerien des Unternehmens in Rum&auml;nien und Bulgarien, sein Tankstellennetz in den Vereinigten Staaten und Europa sowie &Ouml;l- und Gasfelder im Nahen Osten, in Zentralasien und Afrika umfasst.<\/p><p><strong>Lukoils globales Imperium<\/strong><\/p><p>Lukoil, Russlands gr&ouml;&szlig;tes privates &Ouml;lunternehmen, verf&uuml;gt weltweit &uuml;ber ein Netz von rund 5.000 Tankstellen, wovon Hunderte in der EU betrieben werden, so in Belgien, Finnland, den baltischen L&auml;ndern und auf dem Balkan. Dar&uuml;ber hinaus betreibt Lukoil ein Netz von etwa 200 Tankstellen und damit verbundene Einzelhandelsgesch&auml;fte (Convenience Stores) in den Vereinigten Staaten. Es betreibt riesige Raffinerien in Rum&auml;nien und Bulgarien &ndash; Neftochim Burgas, die gr&ouml;&szlig;te Raffinerie auf dem Balkan, sowie Petrotel in Rum&auml;nien &ndash; und h&auml;lt eine 45-prozentige Beteiligung an einer niederl&auml;ndischen Kraftstoffverarbeitungsanlage. Das gr&ouml;&szlig;te ausl&auml;ndische Verm&ouml;gen von Lukoil ist ein &Ouml;lfeld im Irak, eines der gr&ouml;&szlig;ten der Welt, an dem das Unternehmen eine 75-prozentige Beteiligung h&auml;lt.<\/p><p>Die Raffinerie in Burgas deckt mehr als zwei Drittel des bulgarischen Kraftstoffbedarfs, w&auml;hrend die rum&auml;nische Petrotel-Raffinerie etwa ein Drittel der Raffineriekapazit&auml;t des Landes ausmacht. Lukoil ist aber auch in Zentralasien pr&auml;sent. In Usbekistan h&auml;lt es beispielsweise zusammen mit Uzbekneftegaz den Kandym-Gasverarbeitungskomplex. Dies ist jedoch nicht das einzige Projekt von Lukoil im Gasproduktions- und Verarbeitungssektor des Landes, ganz zu schweigen vom ausgedehnten Tankstellennetz des Unternehmens.<\/p><p><strong>Gunvor wehrt sich gegen Vorw&uuml;rfe<\/strong><\/p><p>Als Reaktion auf die Mitteilung des US-Finanzministeriums nannte Gunvor die Behauptungen &uuml;ber das Unternehmen als im Grunde fehlerhaft und falsch. Das Unternehmen betonte, dass es in seinen Gesch&auml;ften mit Russland &bdquo;offen und transparent&ldquo; gehandelt habe und sich in den letzten &bdquo;mehr als zehn Jahren bem&uuml;ht habe, sich von Russland zu distanzieren&ldquo;. Zuvor hatte Gunvor kontinuierlich mit den f&uuml;r die US-Sanktionen zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden verhandelt, um die Genehmigung f&uuml;r das Gesch&auml;ft zu erhalten. Offenbar waren dies nicht die erfolgreichsten Verhandlungen des Unternehmens seit seiner Gr&uuml;ndung.<\/p><p>Die Schweizer Gunvor wurde in den 1990er-Jahren von dem Unternehmer Torbj&ouml;rn T&ouml;rnqvist gemeinsam mit Gennadi Timtschenko, einem der engsten Verb&uuml;ndeten Putins, gegr&uuml;ndet.<\/p><p>Die entschlossene Haltung der USA hat die fr&uuml;heren russischen Verbindungen von Gunvor wieder ans Licht gebracht. Der Schatten der Vergangenheit hat das Unternehmen nun wieder eingeholt. T&ouml;rnqvist hatte zuvor gerade erkl&auml;rt, das Gesch&auml;ft h&auml;tte einen Bruch mit der Verwaltung der Lukoil-Verm&ouml;genswerte unter russischem Einfluss bedeutet. Das US-Finanzministerium behauptete bereits 2014, dass Putin Beteiligungen an Gunvor habe. Nach dem Anschluss der Krim an Russland wurde Timtschenko mit US-Sanktionen belegt und verkaufte seine Anteile an dem Unternehmen an T&ouml;rnqvist, der bis heute Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer (CEO) ist. Vertreter von Gunvor behaupten, dass Timtschenko seit dem Verkauf seiner Anteile &bdquo;keine Verbindung&ldquo; mehr zu dem Unternehmen habe.<\/p><p>Es sieht so aus, als w&uuml;rde die gigantische Transaktion im Wert von 22 Milliarden Dollar, die die Landkarte des globalen &Ouml;lmarktes neu gezeichnet h&auml;tte, nicht zustande kommen. Was wird nun aus der &Ouml;lversorgung und dem Schicksal von Lukoil?<\/p><p>Mit dem R&uuml;ckzug von Gunvor stehen die internationalen Beteiligungen von Lukoil wieder zum Verkauf. Eine Frage ist, ob es einen anderen K&auml;ufer gibt, der ein Angebot abgeben kann, ohne den Zorn Washingtons bef&uuml;rchten zu m&uuml;ssen. Die andere ist, welche Auswirkungen der R&uuml;ckzug auf die Versorgung hat. Dies ist besonders relevant, wenn die US-amerikanischen, britischen und europ&auml;ischen Beh&ouml;rden die Genehmigung f&uuml;r die Abwicklung der noch laufenden Transaktionen der Lukoil-Gruppe nicht verl&auml;ngern.<\/p><p>Es &uuml;berrascht daher nicht, dass das Interesse an den ausl&auml;ndischen Verm&ouml;genswerten von Lukoil in der Hoffnung auf g&uuml;nstige Konditionen gro&szlig; ist. Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur <em>Bloomberg<\/em> es ausdr&uuml;ckt, ist von Europa &uuml;ber Zentralasien bis zum Nahen Osten der Kampf um das Verm&ouml;gen von Lukoil entbrannt.<\/p><p><strong>Beispiele f&uuml;r Interessenten und Ma&szlig;nahmen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend das Lukoil-Imperium zerf&auml;llt, hoffen Regierungen und Partner, die ausl&auml;ndischen Verm&ouml;genswerte des Unternehmens zu niedrigen Preisen zu erwerben. Das staatliche Unternehmen Kasachstans KazMunayGas soll Berichten zufolge ein Angebot f&uuml;r die Verm&ouml;genswerte von Lukoil in dem Land vorbereiten. Lukoil h&auml;lt neben Eni, Shell, Chevron und KazMunayGas eine Beteiligung an <a href=\"https:\/\/www.kmg.kz\/en\/press-center\/media\/severo-kaspiyskiy-proekt4336171\/\">Karachaganak<\/a> in Kasachstan, einem der weltweit gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;l- und Gaskondensatfelder. Nach Angaben des kasachischen Energieministeriums werden die Projektteilnehmer unter Ber&uuml;cksichtigung der Sanktionen &uuml;ber eine neue Partnerschaft entscheiden.<\/p><p>Shell, eines der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Mineral&ouml;l- und Erdgasunternehmen mit Sitz in London, interessiert sich f&uuml;r die Tiefseebl&ouml;cke von Lukoil in Ghana und Nigeria. In &Auml;gypten h&auml;lt Lukoil drei Konzessionen <em>[Anm. Red.: Genehmigung einer Beh&ouml;rde f&uuml;r eine gewerbliche T&auml;tigkeit]<\/em> und hat die Regierung &uuml;ber Pl&auml;ne f&uuml;r einen m&ouml;glichen Verkauf der Verm&ouml;genswerte informiert. Unterdessen hat die moldauische Regierung Verhandlungen &uuml;ber die Verstaatlichung der Infrastruktur von Lukoil am Flughafen Chi&#537;in&#259;u aufgenommen.<\/p><p>Das russische Unternehmen steht vor einem ernsten Dilemma. Der Verkauf k&ouml;nnte zur Einfrierung von Einnahmen f&uuml;hren, w&auml;hrend das Warten zur Verstaatlichung bestimmter Verm&ouml;genswerte f&uuml;hren kann.<\/p><p><strong>Sorgen in Europa<\/strong><\/p><p>Die betroffenen Regierungen in Europa und im Nahen Osten sind bestrebt, die ausl&auml;ndischen Verm&ouml;genswerte von Lukoil zu erhalten. Bulgarien und Rum&auml;nien f&uuml;hren Gespr&auml;che mit dem US-Finanzministerium, um den Betrieb der gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lraffinerie in Burgas zu erhalten und die Kontrolle dar&uuml;ber zu erlangen. Bisher ist es jedoch nur Ungarn &ndash; und Deutschland f&uuml;r die Raffinerie in Schwedt &ndash; gelungen, eine Ausnahmeregelung von den Sanktionen zu erhalten.<\/p><p>Nach der Ank&uuml;ndigung der Sanktionen, die am 21. November in Kraft treten, verf&uuml;gt Bulgarien nur noch &uuml;ber Benzinvorr&auml;te f&uuml;r einen Monat, was in Sofia angesichts der Kraftstoffversorgung vor dem Winter Besorgnis ausgel&ouml;st hat. Nach Angaben der Bulgarischen Staatlichen Reserveagentur verf&uuml;gt das Land &uuml;ber Dieselvorr&auml;te f&uuml;r 50 Tage und Benzin f&uuml;r 35 Tage. Lukoil betreibt die &Ouml;lraffinerie in Burgas, ein Schl&uuml;sselelement des ausl&auml;ndischen Gesch&auml;ftsimperiums des Unternehmens, sowie Hunderte von Tankstellen. Sollte sich die Krise weiter zuspitzen, droht Bulgarien ein Regierungssturz.<\/p><p>Daher wollen Bulgarien und Rum&auml;nien erreichen, dass die russischen &Ouml;lraffinerien von den Sanktionen ausgenommen werden. Zu diesem Zweck neigen sowohl Sofia als auch Bukarest dazu, das deutsche Modell zu kopieren und die Kontrolle &uuml;ber die Raffinerien durch den Staat zu &uuml;bernehmen. Nach bulgarischen Vorstellungen k&ouml;nnte der Staat die Raffinerie sogar verkaufen, und Lukoil w&uuml;rde den Erl&ouml;s erst nach Aufhebung der Sanktionen erhalten. Die moldauischen Beh&ouml;rden verhandeln unterdessen auch mit Lukoil &uuml;ber den Kauf eines Kraftstofflagers f&uuml;r den Flughafen Chi&#537;in&#259;u.<\/p><p>Auch in Finnland verursachen die Sanktionen vor&uuml;bergehende Versorgungsprobleme. Die hundertprozentige Lukoil-Tochter Teboil verf&uuml;gt &uuml;ber 430 Tankstellen, was etwa einem F&uuml;nftel der 2.250 Tankstellen des nordischen Landes entspricht. Laut der finnischen Tageszeitung <em>Helsingin Sanomat (HS)<\/em> gehen der Tankstellenkette Teboil die Kraftstoffe aus, was dazu f&uuml;hrt, dass an einigen Stationen bereits bestimmte Kraftstoffarten vergriffen sind.<\/p><p>Dies ist das erste EU-Land, in dem Tankstellen schlie&szlig;en m&uuml;ssen, da die US-Sanktionen den Betrieb der Muttergesellschaft behindern. Die finnische Finanzaufsichtsbeh&ouml;rde erkl&auml;rte im Oktober, dass Banken und andere finnische Institutionen, die ihrer Regulierung unterliegen, bei Gesch&auml;ften mit Lukoil und den direkt oder indirekt im Besitz befindlichen Unternehmen vorsichtig vorgehen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Bedrohung durch &bdquo;H&ouml;here Gewalt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Lukoil hatte zuvor &bdquo;h&ouml;here Gewalt&ldquo; (vis maior) auf einem irakischen &Ouml;lfeld erkl&auml;rt, was mit dem Ausfall der Produktion des als Kronjuwel des Unternehmens geltenden Vorkommens droht. Das West-Qurna-2-Feld ist eines der gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lfelder der Welt und liefert derzeit t&auml;glich etwa 480.000 Barrel, fast neun Prozent der gesamten irakischen Produktion. Die Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em> berichtete, dass Lukoil am 7. November seine ausl&auml;ndischen Mitarbeiter entlassen und nur russische und irakische Fachkr&auml;fte behalten habe.<\/p><p>Der Irak ist lediglich ein Beispiel f&uuml;r die weitreichenden Sanktionsfolgen. Viele Partnerunternehmen haben ihre Zahlungen an Lukoil eingestellt, bis das Verbot aufgehoben oder eine L&ouml;sung gefunden ist. Die Gefahr besteht, dass zahlreiche weitere Auslandst&ouml;chter in den Zustand der &bdquo;H&ouml;heren Gewalt&ldquo; abrutschen. Der russische &Ouml;lriese muss unverz&uuml;glich handeln, da die ab dem 21. November wirksamen Sanktionen seine internationale Marktpr&auml;senz komplett unterbinden k&ouml;nnten.<\/p><p><small>Titelbild: Koshiro K \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong> \n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141535\">&bdquo;Falken&ldquo; und &bdquo;Tauben&ldquo; in Washington: Trumps Ukraine-Kurs unter der Lupe<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139930\">Bericht aus Sotschi vom Waldai-Treffen: &bdquo;Deutschland besonders gef&auml;hrlich und revanchistisch&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129457\">Stimmen aus Ungarn: Das Spiel mit dem Feuer &ndash; Wie die Ukraine die Sicherheit Europas bedroht<\/a> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140982\">Drohende Chipkrise bei deutschen Autobauern &ndash; ein weiteres Opfer im Wirtschaftskrieg der USA<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/253d3758d2364393ae40db9bcee7f91c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der geplante Mega-Verkauf von Auslandsverm&ouml;gen des russischen &Ouml;lkonzerns Lukoil im Wert von 22 Milliarden US-Dollar an das Schweizer Unternehmen Gunvor ist durch US-Sanktionen in letzter Minute geplatzt. Nun tickt die Uhr: Bis zum 21. November muss das Unternehmen einen K&auml;ufer finden, bevor die Sanktionen sein internationales Gesch&auml;ft komplett lahmlegen. 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