{"id":142251,"date":"2025-11-18T10:00:26","date_gmt":"2025-11-18T09:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142251"},"modified":"2025-11-18T16:58:52","modified_gmt":"2025-11-18T15:58:52","slug":"stationierung-der-us-mittelstreckenraketen-in-deutschland-in-2026-ein-weiterer-schritt-der-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142251","title":{"rendered":"Stationierung der US-Mittelstreckenraketen in Deutschland in 2026 \u2013 ein weiterer Schritt der Eskalation"},"content":{"rendered":"<p>Am Rande des NATO-Gipfels in Washington 2024 entschieden der damalige US-Pr&auml;sident Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz mal eben so nebenbei, am Deutschen Bundestag und am Willen der deutschen &Ouml;ffentlichkeit vorbei, die Stationierung diverser US-Mittelstreckensysteme in Deutschland. Eine Debatte im Deutschen Bundestag, die die Tragweite dieser Entscheidung w&uuml;rdigen w&uuml;rde, gibt es dazu bis heute nicht. Ob der mittlerweile v&ouml;llig aus dem &ouml;ffentlichen Ged&auml;chtnis verschwundene damalige Bundeskanzler &uuml;berhaupt kognitiv kapiert hat, was er da getan hat? Von seinem Alter her d&uuml;rften ihm die damaligen Debatten und Proteste der fr&uuml;hen 1980er-Jahre zum NATO-Doppelbeschluss eigentlich nicht entgangen sein. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9786\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142251-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142251-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251118_Stationierung_der_US_Mittelstreckenraketen_in_Deutschland_in_2026_ein_weiterer_Schritt_der_Eskalation_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Diese Mittelstreckensysteme sollen 2026, also im kommenden Jahr, stationiert werden. Und selbstverst&auml;ndlich, wie k&ouml;nnte es auch anders sein, sollen sie unter US-Kontrolle verbleiben, soll hei&szlig;en: Erneut haben wir damit die Situation, dass ein Drittstaat &ndash; die USA &ndash; auf deutschem Staatsgebiet seine Waffen stationieren und allein &uuml;ber deren Einsatz verf&uuml;gen wird. Da das Jahr 2025 sich seinem Ende n&auml;hert und das mediale sowie &ouml;ffentliche Interesse an der Stationierung dieser Waffensysteme mal wieder &bdquo;eingeschlafen&ldquo; ist, ist es angebracht, das Thema angesichts seiner Tragweite wiederzubeleben. Denn tats&auml;chlich steht die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit in keinem Verh&auml;ltnis zur milit&auml;rischen Relevanz dieser Waffensysteme. Daher sollen im Folgenden diese Waffensysteme vorgestellt und deren sicherheitspolitische Bedeutung erl&auml;utert werden. Doch zun&auml;chst eine kleine Retrospektive.<\/p><p><strong>NATO-Doppelbeschluss<\/strong><\/p><p>Die damalige sozial-liberale Regierungskoalition unterst&uuml;tzte die Politik des NATO-Doppelbeschlusses (1979) als Reaktion auf die vorherige Stationierung sowjetischer nuklearbest&uuml;ckter oder best&uuml;ckbarer Mittelstreckenraketen (SS-20) im europ&auml;ischen Bereich der UdSSR. Dem gingen wiederum die Modernisierung der US-Nuklearwaffen in einigen europ&auml;ischen NATO-Staaten voraus und so weiter und sofort. Diese Eskalationsspirale h&auml;tte sich immer weiterdrehen lassen. Aber der NATO-Doppelbeschluss beinhaltete zwei Beschlussebenen (daher Doppelbeschluss), die in ihrer Kombination letztlich diese Eskalationsspirale durchbrachen: erstens die Stationierung dieser US-Mittelstreckensysteme (Pershing II-Raketen und bodengest&uuml;tzten Marschflugk&ouml;rper) in Europa; und gleichzeitig, also zweitens, damit Moskau ein Verhandlungsangebot zur Abr&uuml;stung dieser Systeme auf beiden Seiten zu unterbreiten. Die Verhandlungen begannen tats&auml;chlich 1980 und endeten 1987 mit dem INF-Vertrag (Intermediate Nuclear Forces), der das Wettr&uuml;sten im nuklearen Mittelstreckenbereich f&uuml;r &uuml;ber 30 Jahre beenden und dieses Waffensystem verbannen sollte &ndash; dazu mehr weiter unten.<\/p><p>Angesichts des NATO-Doppelbeschlusses und der zunehmenden Spannungen zwischen Ost und West in der ersten H&auml;lfte der 1980er-Jahre kam es zu massenhaften Protesten in der westdeutschen Gesellschaft. Auf der Bonner Hofgartenwiese kam es 1981 zu einer der gr&ouml;&szlig;ten Massendemonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Bonner Politklasse verlor zunehmend die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r ihren sicherheitspolitischen Kurs. Die Gr&uuml;nen, damals noch eine Friedenspartei, erhielten durch die Proteste Aufwind. Das politische Bewusstsein, was Krieg und vor allem ein Nuklearkrieg bedeuten w&uuml;rde, war damals in der Breite der Gesellschaft noch pr&auml;sent &ndash; waren doch die protestierenden Generationen Kinder und Enkelkinder des Zweiten Weltkrieges, die den Krieg noch miterlebten oder aus erster Hand von ihren Eltern und Gro&szlig;eltern erz&auml;hlt bekamen. Auch ich lauschte damals gebannt den Erz&auml;hlungen meines Gro&szlig;vaters und meines Gro&szlig;onkels, wenn sie mir ihre Kriegserlebnisse erz&auml;hlten. <\/p><p>Nun aber, zwei Generationen weiter, gibt es diese gemachten Erfahrungen und Erz&auml;hlungen aus erster Hand nicht mehr. Die Kriegsgeneration ist tot, und damit schw&auml;cht sich auch die Vermittlung des Wissens &uuml;ber das Grauen des Krieges ab. Man k&ouml;nnte den Eindruck gewinnen, dass es in den j&uuml;ngeren Generationen (Geburtszeiten ab Mitte der 1980er-Jahre) &uuml;berhaupt kein Bewusstsein f&uuml;r die Schrecken des Krieges mehr gibt. Die ausgelutschten Propagandalosungen scheinen ohne Weiteres wieder zu verfangen &ndash; ganz so, als h&auml;tte es die antimilitaristische Aufkl&auml;rung der 1970er- und 80er-Jahre nicht gegeben. &bdquo;Bundeswehr in Schulen&ldquo; ist zur Normalit&auml;t geworden, Begriffe wie &bdquo;Kriegstauglichkeit&ldquo; geh&ouml;ren zum guten Ton in Politik und Medien. All dies w&auml;re in den 1980er-Jahren undenkbar gewesen.<\/p><p>Proteste auf den Stra&szlig;en gegen den Rutschbahneffekt in den Ukraine-Krieg sind nicht wirklich zu vernehmen. Wenn eine Fu&szlig;ball-Europa- oder -Weltmeisterschaft stattfindet, ist beim &bdquo;Public Viewing&ldquo; die Stra&szlig;e des 17. Juni vom Brandenburger Tor bis zur &ndash; im Berliner Sprachgebrauch &ndash; &bdquo;Goldelse&ldquo; [vergoldete Bronzestatue der Siegesg&ouml;ttin Viktoria auf der Berliner Siegess&auml;ule &ndash; Anm. d. Red.] voll mit begeisterten Menschen. Nicht minder beim Christopher Street Day. Geht es hingegen um den Frieden in einer Zeit, die als objektiv sehr gef&auml;hrlich bewertet werden muss und durchaus die Qualit&auml;t der Kuba-Krise 1962 aufweist, erscheinen, wenn &uuml;berhaupt, ein paar Tausend Menschen, vornehmlich ab 60 Jahren aufw&auml;rts. Offensichtlich sind organisierte Spa&szlig;veranstaltungen dann doch wichtiger im Leben der Menschen als ihr eigenes Leben selbst, anders ist die Priorit&auml;tensetzung der Menschen kaum noch zu verstehen &ndash; man m&ouml;ge mir den Sarkasmus nachsehen.<\/p><p>Jedenfalls sind die Gefahren der Stationierung von nuklear best&uuml;ckten oder nuklear best&uuml;ckbaren Mittelstreckensystemen nicht geringer als in den 1980er-Jahren &ndash; im Gegenteil. Die Gefahren wurden seinerzeit als so erheblich eingesch&auml;tzt, dass 1987 der INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces) zwischen den USA und der UdSSR abschlie&szlig;end vereinbart wurde, der die totale Abr&uuml;stung und das ausnahmslose Verbot aller landgest&uuml;tzten Mittelstreckensysteme (Reichweitenbestimmung 500 bis 5.500 Kilometer) besiegelte. Der Plan des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 ist letztlich im Abschluss dieses bilateralen INF-Vertrages 1987 aufgegangen.<\/p><p>Nun jedoch kommen zwei Momente hinzu, die das Gefahrenniveau sogar erh&ouml;hen: Erstens werden diese Mittelstreckensysteme, anders als beim NATO-Doppelbeschluss, ausschlie&szlig;lich in Deutschland stationiert statt in mehreren europ&auml;ischen L&auml;ndern, womit sich die russischen Zielkoordinaten einmal mehr auf Deutschland fokussieren d&uuml;rften. Zweitens ist die Stationierung nicht mit einem Verhandlungsangebot an Moskau (&bdquo;Doppelbeschluss&ldquo;) gekoppelt, womit seinerzeit die Eskalationsspirale hinsichtlich dieser Waffensysteme unterbrochen werden konnte. Diese Option des Verhandlungsanreizes zur gegenseitigen Abr&uuml;stung wurde hier nicht mitgedacht. Die Konsequenz d&uuml;rfte die Fortsetzung der R&uuml;stungseskalation auch im Bereich der Mittelstreckensysteme sein &ndash; sowohl mit nuklearen als auch konventionellen Sprengk&ouml;pfen.<\/p><p>Bekannterweise wurde der INF-Vertrag 2019 von den USA einseitig gek&uuml;ndigt mit dem Hinweis, Russland habe ihn mit der Entwicklung eines Marschflugk&ouml;rpers, der in den Mittelstreckenbereich hineinfliegen k&ouml;nne, verletzt. Russland wiederum bestritt eine Reichweite des Systems von &uuml;ber 500 Kilometern, sah sich also INF-vertragskonform. Im Gegenzug beschuldigte Russland die USA, mit der Stationierung des <em>Launcher-Systems Mk 41<\/em> im Kontext der NATO-Raketenabwehr in Polen und Rum&auml;nien auch die M&ouml;glichkeit zu haben, Marschflugk&ouml;rper des Typs &bdquo;Tomahawk&ldquo; von dort verschie&szlig;en zu k&ouml;nnen und damit selbst gegen den INF-Vertrag zu versto&szlig;en. <\/p><p>Diese M&ouml;glichkeit bestritt die US-Administration zun&auml;chst vehement. Allerdings vers&auml;umte sie es, ihr Wording mit dem Hersteller des Mk 41- Launchersystems, Lockheed Martin, zu harmonisieren. In dem fact sheet [technische Beschreibung\/Daten des Herstellers &ndash; Anm. d. Red.] von 2019 mit dem Titel &bdquo;<em>MK41 VERTICAL LAUNCHING SYSTEM&ldquo;<\/em> erkl&auml;rte das R&uuml;stungsunternehmen in eigentlich recht verst&auml;ndlicher und typischer Werbesprache:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Dies ist eine einzigartige F&auml;higkeit des MK 41 VLS. Zu den derzeit in das MK 41 VLS integrierten Raketen geh&ouml;ren die Evolved Sea Sparrow Missile (ESSM), der <u><strong>Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper<\/strong><\/u> [Hervorhebung A.N.], die Standard Missile 2, die Standard Missile 3, die Standard Missile 6 und die Vertical Launch ASROC (VLA).&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>(&bdquo;This is a capability unique to MK 41 VLS. The missiles currently integrated with MK 41 VLS include Evolved Sea Sparrow Missile (ESSM), Tomahawk Cruise Missile,<\/em><\/p>\n<p><em>Standard Missile 2, Standard Missile 3, Standard Missile 6 and Vertical Launch ASROC (VLA).&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.lockheedmartin.com\/content\/dam\/lockheed-martin\/rms\/documents\/naval-launchers-and-munitions\/MK41-VLS-product-card.pdf\">Lockheed Martin<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wie auch immer die gegenseitigen Beschuldigungen begr&uuml;ndet oder unbegr&uuml;ndet sein m&ouml;gen &ndash; hervorhebenswert ist, dass beide Seiten keine gr&ouml;&szlig;eren Anstrengungen zur Rettung des INF-Vertrages unternommen haben, es fehlte schlichtweg der politische Wille. Die Europ&auml;er ihrerseits stellten mal wieder einen sicherheitspolitischen Trauerfall dar, obschon sie allein unter dem Einsatz von Mittelstreckensystemen zu leiden h&auml;tten und somit deren Engagement zur Rettung des Vertrages naheliegender h&auml;tte sein m&uuml;ssen.<\/p><p>So unterbreitete die russische Seite unter anderem Deutschland im Jahr 2019 ein Angebot, Experten zur Verifikation des in der Kritik stehenden Marschflugk&ouml;rpers zu entsenden. Es wurde seinerzeit abgelehnt &ndash; auch mit dem erstaunlichen Hinweis, es sei ein bilateraler Vertrag zwischen den USA und Russland, da k&ouml;nne man sich nicht einmischen &ndash; so die Antwort auf meine damalige schriftliche Frage als Obmann im Verteidigungsausschuss. Diese Antwort hat mich ratlos zur&uuml;ckgelassen. Wie infantil, ja geradezu willig und unterw&uuml;rfig man die Sicherheit Europas einer fremden transkontinentalen Macht g&auml;nzlich &uuml;berl&auml;sst, ist mehr als verst&ouml;rend.<\/p><p><strong>US-Mittelstreckensysteme &ndash; F&auml;higkeiten und Gefahren<\/strong><\/p><p>Die neuesten Entwicklungen von Mittelstreckensystemen sind angesichts ihrer noch h&ouml;heren Geschwindigkeit oder Flugweise (Marschflug) f&uuml;r den Gegner noch weniger berechenbar, was seine Reaktionszeiten weiter mindert und somit die Gefahren des nuklearen Gegen- oder Zweitschlages weiter erh&ouml;ht.<\/p><p>Es handelt sich konkret um drei Mittelstreckensysteme: die SM 6, der Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper sowie das Dark-Eagle-System, eine Hyperschallwaffe.<\/p><p><strong>Tomahawk<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Marschflugk&ouml;rper<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: ca. 900 km\/h<\/li>\n<li>Flugbahn: Marschflug, d.h. horizontal &uuml;ber der Bodenlinie<\/li>\n<li>Sprengkopf: gegenw&auml;rtig konventioneller Sprengkopf, k&ouml;nnte jedoch mit nuklearem Sprengkopf modifiziert werden<\/li>\n<li>Reichweite: unterschiedliche Angaben verweisen auf 1.600 &ndash; 2.000 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Bek&auml;mpfung milit&auml;rischer Hochwertziele (Kommando- und Kommunikationszentren, Radare und Luftabwehrsysteme.<\/li>\n<li>Indienststellung: ab 1983<\/li>\n<\/ul><p><strong>SM 6 (Standard Missile 6):<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Rakete<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 3 [ca. 3.700 km\/h &ndash; Anm. d. Red.]<\/li>\n<li>Flugbahn: gelenkte Flugphase<\/li>\n<li>Sprengkopf: konventioneller Sprengkopf <\/li>\n<li>Reichweite: unterschiedliche Angaben von 370 &ndash; 740 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Flugabwehr, See- und Landziele<\/li>\n<li>Indienststellung: 2013<\/li>\n<\/ul><p><strong>Dark Eagle:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Typus: Hypersonischer Gleiter<\/li>\n<li>Geschwindigkeit: Mach 5 [ca. 6100 km\/h &ndash; Anm. d. Red.]<\/li>\n<li>Flugbahn: man&ouml;vrierf&auml;higer Gleitflug auf den Atmosph&auml;renschichten<\/li>\n<li>Sprengkopf: konventioneller Sprengkopf<\/li>\n<li>Reichweite: ca. 2.800 Kilometer<\/li>\n<li>Einsatzzweck: Zerst&ouml;rung milit&auml;rische Hochwertziele wie Langstreckensysteme und Kommandoposten etc.<\/li>\n<li>Indienststellung: vermutlich Ende 2025<\/li>\n<\/ul><p><strong>Strategische Bedeutung der F&auml;higkeiten<\/strong><\/p><p>Die Reichweite der drei Tr&auml;gersysteme &ndash; best&uuml;ckbar mit bislang konventionellen (aber auch umr&uuml;stbar auf nukleare) Sprengk&ouml;pfen &ndash; liegt im Bereich der Mittelstreckendefinition (500 &ndash; 5.500 Kilometer) des nicht mehr existierenden INF-Vertrages. Damit handelt es sich eindeutig um bodengest&uuml;tzte Mittelstreckensysteme. Die F&auml;higkeiten (Hyperschallgeschwindigkeit und Marschflug) und damit die M&ouml;glichkeit der Vernichtung von strategischen Hochwertzielen &ndash; politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung des gegnerischen Landes, Zerst&ouml;rung seiner nuklearen (Zweitschlags-)F&auml;higkeiten und seiner Kommunikations- und F&uuml;hrungsf&auml;higkeiten &ndash; machen diese Systeme von der F&auml;higkeit her zu strategischen Systemen; nicht anders als auch die neuen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141913\">russischen Hyperschall-Waffen gegen&uuml;ber dem Westen<\/a>.<\/p><p>Hierzu schreibt der Bundeswehr-Oberst a. D. und sicherheitspolitische Experte Wolfgang Richter (fr&uuml;her Mitarbeiter der &bdquo;Stiftung Wissenschaft und Politik&ldquo; sowie Publizist) in einer Kurzstudie mit dem Titel <a href=\"https:\/\/kurzlinks.de\/csfc\">&bdquo;Stationierung von U.S. Mittelstreckenraketen in Deutschland &ndash; Konzeptioneller Hintergrund und Folgen f&uuml;r die europ&auml;ische Sicherheit&ldquo;<\/a> f&uuml;r die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Stationierung landgest&uuml;tzter Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von knapp 3.000 km hat das Potential, von Deutschland aus Ziele von strategischer Bedeutung in der Tiefe Russlands nach kurzer, verdeckter Vorbereitung anzugreifen. Gegen&uuml;ber see- und luftgest&uuml;tzten Systemen sind die verbleibenden Warnzeiten erheblich reduziert. Die Stationierung ver&auml;ndert somit das strategische Gleichgewicht zwischen den USA und Russland. Die Bedrohung vitaler Sicherheitsinteressen Moskaus allein als eine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen, greift angesichts der schwerwiegenden Folgen zu kurz. Denn eine Ausweitung des Konflikts auf ganz Europa und eine Gef&auml;hrdung der strategischen nuklearen Stabilit&auml;t muss verhindert werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bedauerlicherweise scheint die sozialdemokratische F&uuml;hrungsriege die Expertisen ihrer eigenen Stiftung nicht zu lesen und erst recht nicht diese zu verstehen.<\/p><p>Da die neuen russischen Hyperschallwaffen von taktischer Reichweite als Reaktion auf den Aufbau von ABM-Systemen der NATO bereits das strategische Gleichgewicht zu Gunsten Moskaus ver&auml;ndert haben, w&auml;re die Stationierung der US-amerikanischen Mittelstreckensysteme in Deutschland eine US-Reaktion auf eine russische Reaktion. Dieses Spielchen des &bdquo;<em>du hast zuerst angefangen<\/em>&ldquo; kann man sicherlich bis in die Steinzeit zur&uuml;ck diskutieren. Die massive Gefahr dieser Mittelstreckenwaffensysteme erlaubt jedoch keine Schuldzuweisung, sondern erfordert vielmehr den Verhandlungsbeginn zu einer Neuauflage des INF-Vertrages &ndash; zwischen Russland, den USA und Deutschland. <\/p><p>Dass es machbar ist, zeigt der INF-Vertrag von 1987. Selbst wenn eine vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung dieser Systeme &ndash; aus welchen fadenscheinigen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; nicht machbar sein sollte, so w&auml;re eine verifizierbare R&uuml;ckdislozierung dieser Waffen hinter den Ural in den asiatischen Bereich der Russischen F&ouml;deration sowie eine Nichtstationierung der US-Systeme in Europa, hier Deutschland, eine gangbare L&ouml;sung, wenn denn der politische Wille best&uuml;nde &ndash; auch in Deutschland.<\/p><p>Und hier kommt wieder der deutsche Michel ins Spiel, denn Politik reagiert auf Druck: Wird also der deutsche Michel gegen die Stationierung massenhaft auf die Stra&szlig;e gehen und somit Druck auf die Bundesregierung aus&uuml;ben? Vermutlich nicht, denn es handelt sich ja nicht um ein Fu&szlig;ball-L&auml;nderspiel, das sein Gem&uuml;t erregen k&ouml;nnte. Oder die sonst viel gelobte organisierte Zivilgesellschaft wie &bdquo;Omas gegen rechts&ldquo; oder &bdquo;Fridays for Future&ldquo;? Wie w&auml;re es zur Abwechslung mal mit &bdquo;Omas gegen Krieg&ldquo; &ndash; denn was ist rechter als Krieg, dessen Wesen auf dem Darwin&acute;schen Gesetz des St&auml;rkeren gegen den Schw&auml;cheren beruht? Wie w&auml;re es mit &bdquo;Fridays for peace&ldquo; &ndash; sind denn Aufr&uuml;stung und Krieg etwa kein Klimakiller?<\/p><p>Festzustellen bleibt hier ein Totalausfall dieser so aufgekl&auml;rten Omas und hyperaktiven und verzweifelten, sich auf der Stra&szlig;e festklebenden Klimakids.<\/p><p><small>Titelbild: Fotogrin \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/061130196c3049dda12412e0b77fa564\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Rande des NATO-Gipfels in Washington 2024 entschieden der damalige US-Pr&auml;sident Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz mal eben so nebenbei, am Deutschen Bundestag und am Willen der deutschen &Ouml;ffentlichkeit vorbei, die Stationierung diverser US-Mittelstreckensysteme in Deutschland. Eine Debatte im Deutschen Bundestag, die die Tragweite dieser Entscheidung w&uuml;rdigen w&uuml;rde, gibt es dazu bis heute nicht. 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