{"id":14227,"date":"2012-08-21T13:40:11","date_gmt":"2012-08-21T11:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14227"},"modified":"2019-03-02T12:07:33","modified_gmt":"2019-03-02T11:07:33","slug":"heiner-flassbeck-hat-die-hoffnung-auf-die-wirtschaftspolitische-vernunft-der-deutschen-seite-verloren-und-empfiehlt-die-scheidung-der-euro-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14227","title":{"rendered":"Heiner Flassbeck hat die Hoffnung auf die wirtschaftspolitische Vernunft der deutschen Seite verloren und empfiehlt die Scheidung der Euro-Partner"},"content":{"rendered":"<p>In dem folgenden Beitrag, den zu lesen und weiter zu verbreiten sich empfiehlt, erl&auml;utert Flassbeck, warum er die Zeit f&uuml;r gekommen h&auml;lt: Weil er keine Hoffnung hat, dass das von der deutschen Regierung durchgesetzte und weiter geforderte &bdquo;irrsinnige wirtschaftspolitische Programm&ldquo; korrigiert werden k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem b&ouml;te die Trennung aus seiner Sicht die einzige Chance, dass die deutschen Provinzpolitiker und verstockten &Ouml;konomen damit aufh&ouml;ren, K&uuml;bel voller H&auml;me und Geh&auml;ssigkeiten &uuml;ber den V&ouml;lkern des europ&auml;ischen S&uuml;dens auszukippen. Die Folgen f&uuml;r Deutschland und Europa insgesamt w&auml;ren bitter. Ich bin ziemlich sicher, dass die Aggression gegen&uuml;ber anderen V&ouml;lkern auch nach der Trennung nicht aufh&ouml;rt. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie rechtskonservativen Dummk&ouml;pfe vom Schlage S&ouml;der, Dobrindt, Carsten Schneider usw. und auch Sch&auml;uble und Merkel und ihre publizistischen Helfer werden dann erst recht Aggressionen sch&uuml;ren, um die Schuldigen weiter im Ausland zu suchen und innenpolitisch bei der n&auml;chsten Wahl zu &uuml;berleben. Die &bdquo;Abzweigung nach rechts&ldquo;, von der Flassbeck schreibt, wird hierzulande nicht von den mit dem entsprechenden Etikett versehenen Rechtsradikalen um die NPD betrieben, sondern von den etablierten politischen Kr&auml;ften selbst.<\/p><p>Die Folgen der Trennung halte ich f&uuml;r so schlimm, dass ich anders als Heiner Flassbeck darauf setze, dass die Vernunft doch noch einmal zur&uuml;ckkommt. Aber ich gebe zu, dass Flassbecks Einsch&auml;tzung wahrscheinlich die realistischere ist. <\/p><p><strong>Es folgt der Beitrag von Heiner Flassbeck:<\/strong><\/p><p><strong>Trennt euch!<\/strong><\/p><p>Von <strong>Heiner Flassbeck<\/strong><\/p><p>Wirtschaft und Markt, September 2012<\/p><p>Kennen Sie das auch? Man trifft auf Paare, wo man schon nach f&uuml;nf Minuten wei&szlig;, dass sich da zwei Menschen miteinander qu&auml;len, die sich nichts mehr zu sagen haben und auch sonst geistig l&auml;ngst getrennte Wege gehen. Dennoch schaffen sie es nicht, sich und dem anderen genau das einzugestehen. W&uuml;rden Sie es tun, h&auml;tten vielleicht beide noch einmal eine neue Chance auf ein bisschen Gl&uuml;ck. Auch k&ouml;nnten sie bis an ihr Lebensende gute Freunde bleiben und die Jahre des Gegeneinanderlebens vergessen. Aber nein, allzu oft gelingt das nicht, weil das Ende mit Schrecken doch so schrecklich erscheint, dass der Schrecken ohne Ende vorgezogen wird.<\/p><p>So ist das mit dem Euro. Stellen wir uns vor, eines Freitags w&uuml;rde eine europ&auml;ische Gipfelkonferenz einberufen und am Sonntag Abend verk&uuml;ndete man der &uuml;berraschten Welt&ouml;ffentlichkeit, dass man sich darauf geeinigt hat, in Zukunft in aller Freundschaft getrennte Wege zu gehen. Man werde am Montag die Grenzen f&uuml;r alle gr&ouml;&szlig;eren Geld&uuml;berweisungen so lange schlie&szlig;en und die Warenstr&ouml;me einschr&auml;nken bis es allen L&auml;ndern gelungen sei, die Einf&uuml;hrung einer nationalen W&auml;hrung technisch sauber vorzubereiten, auch wenn das mehrere Monate dauern k&ouml;nne. Man habe sich auch schon auf neue Wechselkurse und andere Umstellungsmodalit&auml;ten geeinigt und auf diese Weise daf&uuml;r gesorgt, dass nach der R&uuml;ckeinf&uuml;hrung nationaler W&auml;hrungen alle L&auml;nder gleiche Chancen auf dem Weltmarkt h&auml;tten, was nat&uuml;rlich bedeutete, dass die neue D-Mark gegen&uuml;ber den anderen W&auml;hrungen kr&auml;ftig aufwerten m&uuml;sse. Alle Politiker h&auml;tten sich in die Hand versprochen, die Hetz- und H&auml;meattacken gegen Nachbarl&auml;nder sofort einzustellen und zu pr&uuml;fen, wie weit eine Zusammenarbeit in Zukunft im Rahmen der EU noch m&ouml;glich und sinnvoll sei, ohne dass es zu neuen Ausschreitungen dieser Art kommt.  <\/p><p>Machen wir uns nichts vor. Es hat nicht sein sollen. Der Euro war eigentlich eine gute Idee, nur zu wenige haben es verstanden. Normale nationale Wirtschaftspolitiker k&ouml;nnen einfach nicht internationale W&auml;hrungsunion und die europ&auml;ischen Verantwortlichen sind an ihrer eigenen Wirtschaftsideologie gescheitert. Im Kern aber ist dieser Versuch, ein solch anspruchsvolles System in Europa aufzubauen, an der Unf&auml;higkeit der &Ouml;konomen gescheitert, ihr eigenes Fach zu verstehen. Bis in die h&ouml;chste Spitze der Europ&auml;ischen Zentralbank hinein &ndash; die ersten beiden Chefvolkswirte, Otmar Issing und J&uuml;rgen Stark, verantwortlich immerhin von den ersten Tagen bis 2011, waren zudem Deutsche &ndash; haben &Ouml;konomen gesessen, die nie verstanden haben, wozu eine W&auml;hrungsunion gut ist und welche Art von Politik sie von den Einzelstaaten verlangt. Dass ausgerechnet die beiden heute  durch die Lande ziehen und lautstark die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder f&uuml;r alle Probleme verantwortlich erkl&auml;ren, weil sie die unsinnige deutschen Austerit&auml;tsorthodoxie nicht konsequent genug anwendeten und Deutschland zum Zahlmeister machten, geh&ouml;rt zu den Tollheiten der Weltgeschichte.<\/p><p> Aber, tempi passati, vergessen wir&rsquo;s. Niemand wird das mehr &auml;ndern und deswegen kann es jetzt nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen. Zu den gewaltigen wirtschaftlichen Sch&auml;den, die der deutsche Sparzwang produziert, kommt n&auml;mlich jetzt ein noch viel gr&ouml;&szlig;erer politischer Schaden. Deutschland verlangt etwas Unm&ouml;gliches von den L&auml;ndern mit Leistungsbilanzdefiziten. Es verlangt, dass mitten in einer Rezession, in der die Privaten mehr zu sparen versuchen, auch noch vom Staat Sparversuche unternommen werden, die die &ouml;ffentlichen Defizite reduzieren sollen. Weil das objektiv nicht funktionieren kann, aber Horden engstirniger deutscher Provinzpolitiker genau diesen Zusammenhang  nicht begreifen oder nicht begreifen wollen, sch&uuml;tten sie Tag f&uuml;r Tag K&uuml;bel voller H&auml;me und Geh&auml;ssigkeiten &uuml;ber den S&uuml;dl&auml;ndern aus.        <\/p><p>Dort kommt das naturgem&auml;&szlig; als Angriff auf die nationale Integrit&auml;t und die W&uuml;rde des eigenen Volkes an. Das aber ist das Schlimmste, was in Europa &uuml;berhaupt passieren kann, weil das alte Ressentiments weckt und neue Feindschaft erzeugt. Wenn es so weitergeht und angesichts des irrsinnigen wirtschaftspolitischen Programms muss es so weitergehen, riskieren wir die Demokratie und den Frieden in Europa. Das genau ist die W&auml;hrungsunion nicht wert. <\/p><p>Also kann man nur allen zurufen: Trennt euch. Statt weiter an dem unverdaulichen Brei zu w&uuml;rgen, den Deutschland den anderen L&auml;ndern verschrieben hat, sollten sie (wom&ouml;glich einige gemeinsam) alle Kraft darauf verwenden, halbwegs geordnet auszusteigen. Weil das technisch extrem schwierig und langwierig ist, muss man vor&uuml;bergehend mit Notstandsma&szlig;nahmen europ&auml;ische Oberziele, wie die Freiheit des Kapital- und G&uuml;terverkehrs, aussetzen. Wichtigstes Ziel aller aussteigenden L&auml;nder muss es allerdings sein, ihre internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit wiederzuerlangen, was nur mit einer massiven Abwertung der neuen W&auml;hrung gegen&uuml;ber den neuen D-Mark oder der neuen Nord-W&auml;hrung geht. <\/p><p>Auf Deutschland rollt bei diesem Szenario ein wirtschaftlicher Tsunami der h&ouml;chsten Kategorie zu. Da inzwischen mit etwa 50 Prozent Exportanteil (am Bruttoinlandsprodukt) extrem exportabh&auml;ngig, wird eine starke Aufwertung der deutschen W&auml;hrung die Wirtschaft f&uuml;r viel Jahre zur&uuml;ckwerfen und Millionen Arbeitspl&auml;tze kosten. Schlimmer noch, Deutschland muss ein Modell der Wirtschaftspolitik finden, bei dem die Wirtschaft auch mit Leistungsbilanzdefiziten, denn die wird es geben, wachsen und Arbeitspl&auml;tze schaffen kann. Das wird schwer. Wenn der Exportjunkie von der Spritze genommen wird, bleibt zun&auml;chst kein Stein auf dem anderen. Die gesamte politische Elite wird abtreten m&uuml;ssen, um dahin zu kommen. Aber es gibt keinen anderen Weg. Das einzige worauf wir hoffen und hinarbeiten m&uuml;ssen, ist, dass auf dem Weg dorthin nicht das gesamte Volk eine Abzweigung nach rechts nimmt und in einer Sackgasse endet, die auch wieder nur dazu f&uuml;hrt, dass die angestaute Wut sich auf die anderen richtet, anstatt zu sehen, wie viele und wie schwere Fehler das eigene Volk in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts gemacht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem folgenden Beitrag, den zu lesen und weiter zu verbreiten sich empfiehlt, erl&auml;utert Flassbeck, warum er die Zeit f&uuml;r gekommen h&auml;lt: Weil er keine Hoffnung hat, dass das von der deutschen Regierung durchgesetzte und weiter geforderte &bdquo;irrsinnige wirtschaftspolitische Programm&ldquo; korrigiert werden k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem b&ouml;te die Trennung aus seiner Sicht die einzige Chance, dass die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14227\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,22,157],"tags":[507,499],"class_list":["post-14227","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-ezb","tag-handelsbilanz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14227"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49736,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14227\/revisions\/49736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}