{"id":142273,"date":"2025-11-18T16:00:49","date_gmt":"2025-11-18T15:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142273"},"modified":"2025-11-18T16:32:52","modified_gmt":"2025-11-18T15:32:52","slug":"leserbriefe-zu-abschied-vom-christlichen-pazifismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142273","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eAbschied vom christlichen Pazifismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><br>\n<strong>Volker Rekittke<\/strong> thematisiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142031\">in diesem Beitrag<\/a> die Denkschrift <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf\">&bdquo;Welt in Unordnung &ndash; Gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen&ldquo;<\/a> der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Viele Aussagen darin w&uuml;rden &bdquo;auffallend gut zum Aufr&uuml;stungs- und Militarisierungskurs der Bundesregierung&ldquo; passen. Viele Seiten habe die EKD u.a. den erneuten Kriegs- und anderen Zwangsdiensten gewidmet: &bdquo;Die evangelische Friedensethik sieht hier eine Chance, ein neues Bewusstsein f&uuml;r den Zusammenhang von Freiheit und Gemeinsinn zu st&auml;rken.&ldquo; Wir danken f&uuml;r die interessanten Zuschriften hierzu. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die <strong>Christian Reimann<\/strong> f&uuml;r Sie zusammengestellt hat.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Rekittke,<\/p><p>danke f&uuml;r diesen Kommentar. Die Denkschrift ist eine ma&szlig;geschneiderte Rechtfertigung der Aufr&uuml;stungspolitik und ganz auf der Baerbock-Linie &ldquo;Wir sind im Krieg mit Russland&rdquo;. Es ist eine durch und durch haneb&uuml;chene ideologische Schwurbelei&nbsp;mit ein paar eingestreuten Bibelzitaten (immer wieder taucht die &ldquo;ultima ratio&rdquo; auf, welches Gewicht hat sie gegen&uuml;ber dem Evangelium des Friedens?)&nbsp; Die entsprechenden positiven Kommentare der Propagandamedien sprechen f&uuml;r sich. Alles richtig gemacht! In zwei Weltkriegen segnete die Kirche die Waffen und betete f&uuml;r den Sieg. Was zwei Mal richtig war, kann dieses Mal nicht falsch sein. Ein Schlag ins Gesicht f&uuml;r alle Christen, die diesen blinden Kriegskurs nicht mittragen wollen und k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Denkschrift vergisst kein Problem, sie ist bem&uuml;ht, stets politisch korrekt zu sein. Ein Beispiel f&uuml;r die &ldquo;Friede braucht soziale Gerechtigkeit. Armut, Ausgrenzung und ungleiche Bildungschancen gef&auml;hrden nicht nur individuelles Leben, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb geh&ouml;rt zur Friedensethik und, daraus abgeleitet, zur Friedensarbeit der Einsatz f&uuml;r gerechte Strukturen &ndash; lokal und global. Christlicher Glaube kennt keinen Frieden ohne Teilhabe und Bef&auml;higung, keine Gerechtigkeit ohne Engagement f&uuml;r die Schwachen.&rdquo; (S. 145). Gut gebr&uuml;llt! Fehlt nur noch der Hinweis, wie viele Brosamen f&uuml;r &ldquo;gerechte Strukturen&rdquo; &uuml;brig bleiben, wenn man die Hunderte von Milliarden f&uuml;r die R&uuml;stung verballert hat. Diese Realit&auml;tsblindheit zieht sich durch die ganze Denkschrift hindurch. Man fragt sich, in welcher Welt die Verfasser leben. Sie schweben irgendwo zwischen der Botschaft des Evangeliums und der Realit&auml;t im World of Warcraft-Wunderland. Herr schmei&szlig; Hirn ra!<\/p><p>Siegfried H&ouml;sch<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo,<\/p><p>es ist immer wieder erstaunlich, wie schwer sich christliche Kirchen oft mit der christlichen Botschaft tun. Krieg und Frieden sind immer eine Herausforderung, ob neu oder alt, aber die christliche Botschaft bleibt immer dieselbe, sonnst ist sie eben keine christliche Botschaft mehr, sondern eine allgemein gesellschaftliche oder politische. So ist bei Lukas 6\/27-36 (Einheits&uuml;bersetzung) zu lesen &bdquo;&hellip;Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr daf&uuml;r? Auch die S&uuml;nder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr daf&uuml;r? Das tun auch die S&uuml;nder&hellip;&ldquo; Und bei Matth&auml;us 5,47 &bdquo;Und wenn ihr nur eure Br&uuml;der gr&uuml;&szlig;t, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?&ldquo; Und MT 26\/52 &bdquo;Steck dein Schwert in die Scheide, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen&ldquo;<\/p><p>Ja, die christliche Botschaft ist eine Herausforderung, immer wieder. Und es ist immer wieder faszinierend und be&auml;ngstigend, wie christliche Kirchen (ganz besonders die evangelische Kirche, die sich seit Luther ja allein auf die Bibel als die einzig richtige christliche Quelle beruft) versuchen, diese Herausforderung zu umgehen. In anderen religi&ouml;sen oder unreligi&ouml;sen Gemeinschaften wird es &auml;hnlich sein. Aber wozu brauchen wir Verk&uuml;nder der christlichen Botschaft, wenn sie diese nicht mehr verk&uuml;nden, sondern so sind wie die anderen? Pl&ouml;tzlich braucht sich die evangelische Friedensethik nicht mehr auf die Botschaft Christi berufen und st&uuml;tzen? Will sie das Christentum verbessern?<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nIlse bleier<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Wenn die Evangelische Kirche sich vom Pazifismus verabschiedet, Krieg oder die Vorbereitung eines Krieges unterst&uuml;tzt oder rechtfertigt, hat sie nichts mehr mit der Christlichen Lehre zu tun, ist also keine Christliche Kirche mehr.<\/p><p>Als Evangelisch-Lutherisch getaufter Christ w&uuml;rde ich ja aus der Kirche austreten. Geht aber nicht, weil ich das schon in meiner Jugend getan habe.<\/p><p>Es ist schon fast l&auml;cherlich, wenn die schreiben:<\/p><blockquote><p>&bdquo;um friedensethische G&uuml;terabw&auml;gungen in Bezug auf konventionelle und nukleare Abschreckung, um Waffenlieferungen, um Wehr- und Dienstpflicht, um die Herausforderungen hybrider Kriegsf&uuml;hrung und Terrorismus&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>&ldquo;G&uuml;terabw&auml;gungen&rdquo; mag Sache von Kaufleuten oder Gener&auml;len sein, aber mit Christlichem Geist hat das nichts zu tun. Es ist eher ein Zeichen daf&uuml;r, wie sehr die Kirche in technokratische und politische&nbsp; Denkmuster und Machtstrukturen abgeirrt ist.<\/p><p>Wenn die was in der Sache lernen wollen, sollen sie sich bei Eugen Drewermann schlau machen. Womit ich nichts Gutes &uuml;ber die Katholische Kirche gesagt haben will. Aber er ist ein Beispiel daf&uuml;r, dass in jeder kirchlichen Organisation, so korrupt und verdorben sie auch sein mag, immer wieder h&ouml;chst erleuchtete Individuen auftauchen.<\/p><p>Gru&szlig;,<br>\nRolf Henze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Rekittke,<\/p><p>herzlichen Dank f&uuml;r Ihre erhellende und auch entlavernde Stellungnahme zur Denkschrift der EKD zu Krieg und Frieden.<\/p><p>Dass die Oberen der Evangelischen Kirche sich so unverhohlen zu Gewalt als Mittel der Politik und zum Recht auf Aomwaffenbesitz bekennen, ersch&uuml;ttert mich schon ziemlich. Als junger Erwachsener &ndash; heute bin ich &uuml;ber 70 &ndash;&nbsp; hatte ich &uuml;ber die evangelische Kirche noch als progressive Kraft gedacht. Heute allerdings scheint ihr schonungslos deutlicher und kritischer Blick auf die unr&uuml;hmliche Geschichte der Kirche ihrer Gro&szlig;v&auml;ter und Urgro&szlig;v&auml;ter zu verschwimmen. Wenn man so offen dem Krieg das Wort zu reden sich erlaubt, dann sollte man &ndash; um es zynisch zu formulieren &ndash; in wohl &ldquo;guter Tradition&rdquo; auch den Mut haben, sich offen dazu zu bekennen, dass die Worte der Bergpredigt nur f&uuml;r die &ldquo;Guten&rdquo; gelten. F&uuml;r alle anderen, also alle au&szlig;erhalb der &ldquo;westlichen Wertegemeinschaft&rdquo; gilt: Auge um Auge, Zahn um Zahn.<\/p><p>Als Ex-Katholik und nicht-gl&auml;ubiger Mensch k&ouml;nnte ich die Position der Evangelischen Kirche eigentlich mit einem Schulterzucken von mir abtropfen lassen. Das w&auml;re allerdings zu kurz gedacht. Wirklich ersch&uuml;tternd ist, dass der sich hier zeigende Bellezismus in &ndash; wie man so sagt &ndash; der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und von einer einflussreichen Organisation weiter vorangetrieben wird.&nbsp; Ich bin nicht sehr optimistisch, dass der sich dagegen regende Widerstand innerhalb der evangelischen Kirche erfolgreich sein wird.<\/p><p>Noch ein biografisch angesto&szlig;ener Kommentar zu der von Ihnen dankenswerter Weise zitierten Aussage der Denkschrift, die sie zudem wunderbar zerlegen:&nbsp;&bdquo;Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begr&uuml;nden. Er ist aber als Ausdruck individueller Gewissensentscheidung zu w&uuml;rdigen.&ldquo; Das ist in der Tat ein ziemlich kompletter Unsinn, dass man sich wundert (oder auch nicht), dass hochgebildete Menschen so etwas &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen. Meine Position ist: Pazifizismus ist politisch und damit zugleich ethisch zu begr&uuml;nden. Das k&ouml;nnte man ausf&uuml;hrlich begr&uuml;nden. Eigentlich m&uuml;ssten die Damen und Herren der evangelischen Kirche, die so etwas verfassen, das auch wissen. Ich habe mit meiner Position vor &uuml;ber 50 Jahren erfolgreich den Kriegsdienst verweigert &ndash; eben mit einer dezidiert politischen Begr&uuml;ndung. Mein Berater war damals im &Uuml;brigen ein katholischer Geistlicher.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nDr. Ulrich Zumdick<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Die EKD hat sich vom christlichen Glauben schon l&auml;ngst verabschiedet. Sie ist zu einer rotgr&uuml;nen Sekte geworden.&nbsp;Deswegen ist f&uuml;r Christen&nbsp; dort kein Platz mehr. Infolgedesssen sind schon viele, die auf Gottes Liebe vertrauen, aus dieser NGO ausgetreten. Und durch diese &ldquo;Denkschrift&rdquo; wird ene Lawine von Austritten beginnen.<\/p><p>MFG<br>\nGN<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Rekittke,<\/p><p>bei Ihrem heutigen Bericht &uuml;ber die &ldquo;Denkschrift&rdquo; der EKD &bdquo;Welt in Unordnung &ndash; Gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen&ldquo; kommt mir der Verdacht, dass sich die wahren &ldquo;gefallenen Engel&rdquo; inzwischen an der Spitze der EKD breitgemacht haben&hellip; &ldquo;feindliche &Uuml;bernahme&rdquo; nennt man sowas in der Wirtschaft wohl.<\/p><p>Aber der Klerus war mE schon immer ein furchtbar bigotter Haufen, allerdings selten derart offensichtlich&hellip;<\/p><p>Nachdenkliche Gr&uuml;sse,<br>\nKK<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Die EK &ldquo;bricht mit ihrem Pazifismus&ldquo;?<\/p><p>Dem, der Mordwaffen segnet?<\/p><p>Dem, der die Gl&auml;ubigen f&uuml;r Hitler in den Weltkrieg &ndash; und f&uuml;r Schr&ouml;der &amp; Merkel in die ersten v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskriege Deutschlands danach &ndash; hetzte?<\/p><p>Dem, der &ndash; seit Luther! &ndash; Juden blutigst verfolgte &amp; so die Voraussetzung f&uuml;r den Holocaust schuf, an dem viele &ldquo;Christen&rdquo; mitwirkten?<\/p><p>Dem, der seit Luther zum Massenmord an Bauern &amp; allen anderen aufrief, die von den Reichen UND Kirchen-&bdquo;F&uuml;rsten&rdquo; zur Verzweiflung getrieben &ndash; zu den Waffen griffen?<\/p><p>Aha.<\/p><p>Ist das derselbe Pazifismus, der eine besoffene Bisch&ouml;fin den 1. Kanzler durch Hannover chauffieren lie&szlig;, der nach 1945 wieder von deutschem Boden aus einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit einer dreisten L&uuml;ge gestartet hat?<\/p><p>DEN &ldquo;Pazifismus&rdquo; meinen Sie, oder&hellip;?<\/p><p>Es mag ja noch (nicht) angehen, dass man die Mordsgeschichte der &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten kriminellen Vereinigung der Menschheitsgeschichte&ldquo; (K. Deschner), der katholischen Kirche, zugunsten der k&uuml;rzeren, aber nicht minder blutigen der evangelischen &bdquo;ausblendet&ldquo;, aber von einem &bdquo;Pazifismus&ldquo; dieser Kirche zu sprechen, ist eine grobe Geschichtsl&uuml;ge.<\/p><p>Die Kirchen waren schon vor (!) ihrer offiziellen Zulassung im R&ouml;mischen Reich unter dem (sp&auml;ter sogar als Heiligen verehrten!) Menschenschl&auml;chter Konstantin und die gesamte Zeit danach willige Machtinstrumente der herrschenden Klasse &ndash; nur das war ja die Voraussetzung ihrer Zulassung! &ndash;, aus der sich ihre &bdquo;Apparatschiks&ldquo; rekrutierten &ndash; ein paralleles Machtinstrumet zum Staat, mit dem es nur gelegentlich Verteilungsk&auml;mpfe gab, denn (nochmal Deschner): &bdquo;Das wichtigste an der Erl&ouml;sung ist der Erl&ouml;s.&ldquo;.<\/p><p>Dies mit dem Verweis auf ein paar friedliche Christen hier und da, die vielleicht sogar f&uuml;r ihren Glauben widerstandslos starben, quasi in Abrede stellen zu wollen w&auml;re so, als w&uuml;rde man Hitler &ndash; ein weiteres m&ouml;rderisches Instrument der Herrschenden &ndash; damit entschuldigen, dass er ja Vegetarier war.<\/p><p>Jaja, ich wei&szlig; &hellip; &bdquo;Nazivergleich&rdquo; und so. Aber woher kamen denn die Nazis? Waren die nicht praktisch alle Mitglied einer der beiden gro&szlig;en Kirchen in Deutschland?<\/p><p>Ach, ich schreibe mich wieder in Rage und h&ouml;re mal lieber auf.<\/p><p>Wer glaubt, dass ein am Geld (woran auch sonst?) interessierter Machtapparat wie die christlichen Kirchen die Botschaft ihres mutma&szlig;lichen Gr&uuml;nders Ernst nehmen und &uuml;ber den eigenen Wohlstand stellen k&ouml;nnte, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten, Christdemokraten &bdquo;christlich&ldquo; oder gar &bdquo;demokratisch&ldquo; w&auml;re und Sozialdemokraten sozial (sp&auml;testes seit 1914 nicht mehr). Und alle immer &bdquo;verwandt und verschw&auml;gert&ldquo; untereinander&hellip;<\/p><p>Liebe Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nBernd Kulawik<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Rekittke,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r die deutlichen Worte, obwohl das Ausma&szlig; der kirchlichen Heuchelei und die unheilvollen Konsequenzen daraus kaum in Worte zu fassen sind.<br>\nEine Sache ist mir aufgefallen, zu der ich einige historische Anmerkungen machen m&ouml;chte. Volker Rekittke hat seinem Beitrag die &Uuml;berschrift gegeben &ldquo;Abschied vom christlichen Pazifismus&rdquo; und in dem Beitrag von Marcus Kl&ouml;ckner wird die FAZ zitiert mit den Worten: &ldquo;Die evangelische Kirche bricht mit ihrem Pazifismus. [&hellip;]&rdquo;<br>\nIch kann beim besten Willen nicht erkennen, von welchem Pazifismus sich die ev. Kirche jetzt auf einmal verabschiedet haben soll, au&szlig;er nat&uuml;rlich von dem Pazifismus des Jesus von Nazareth, aber das hat die katholische Kirche schon vor 1700 Jahren getan und Martin Luther ist ihr dabei sp&auml;ter widerspruchslos gefolgt.<\/p><p>Der evangelische Pfarrer Otto Dibelius, der auch sp&auml;ter noch eine unheilvolle Rolle spielen und 1949 erster EKD-Ratsvorsitzender der Bundesrepublik Deutschland werden sollte, behauptete im Jahr 1914: &ldquo;Nie ist das deutsche Volk f&uuml;r eine heiligere Sache in den Krieg gezogen!&rdquo; Den Kriegsdienst nannte er einen &ldquo;heiligen Gottesdienst&rdquo;. Wie die deutschen Landsknechte vor vier Jahrhunderten gesungen h&auml;tten &ldquo;Kein sch&ouml;nrer Tod ist auf der Welt, als wer vom Feind erschlagen&rdquo;, so werde es jetzt auch durch jedes deutsche Herz klingen:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der Tod f&uuml;rs Vaterland ist ein herrlicher Tod! Ehre denen, die ihn sterben!&rdquo;<br>\n(Horst Junginger, Der preu&szlig;ische Adler in der deutschen Herrschaftsgeschichte, Seite 64)\n<\/p><\/blockquote><p>Im Jahr 1918 beantwortete Dibelius die von ihm aufgeworfene rhetorische Frage, ob das christliche Sittlichkeitsverst&auml;ndnis nicht im Widerspruch zur deutschen Kriegszielpolitik stehe, mit einem klaren &ldquo;Nein!&rdquo;: &ldquo;Nicht Verzicht und Verst&auml;ndigung, sondern Ausnutzung unserer Macht bis zum &Auml;u&szlig;ersten &ndash; das ist die Forderung des Christentums, seine Friedensforderung an uns deutsche Christen!&rdquo; (wie oben, Seite 69)<br>\n&ldquo;Wir fordern im Namen des gerechten Gottes einen einzigen Lohn: freie Bahn f&uuml;r neue, g&ouml;&szlig;ere Leistungen zum Besten der Welt! Nur das deutsche Schwert, nur die r&uuml;cksichtslose Ausnutzung der deutschen Siege kann diese Bahn uns schaffen. Darum fordern wir einen Frieden der deutschen Macht und wissen uns bei solcher Forderung in unserem sittlichen, christlichen Recht.&rdquo; (wie oben, Seite 71)<br>\nIm Jahr 1930 postuliert Dibelius in seinem Buch &ldquo;Friede auf Erden?&rdquo;: Es habe immer Kriege gegeben und es werde immer Kriege geben. &ldquo;Der Krieg [ist] eine nat&uuml;rliche Lebensordnung der V&ouml;lker! Auch die Religion erhebt dagegen nicht Protest. Auch das Christentum nicht.&rdquo; (wie oben, Seite 80)<br>\nDass der Christ &ldquo;grunds&auml;tzlich und im Allgemeinen f&uuml;r den Frieden wirken wird&rdquo;, verstehe sich von selbst. &ldquo;Aber wenn die Mobilmachung da ist, kann man nicht Reden halten und B&uuml;cher dar&uuml;ber schreiben, wie man auf der Welt zum Frieden kommen k&ouml;nne. Dann ist der Krieg eben da. Und der Christ ist zum Kriege gefordert.&rdquo; (wie oben, Seite 81)<br>\nDie Aporie [Unvereinbarkeit] einer christlichen Kriegsethik auf der Grundlage der N&auml;chstenliebe l&ouml;ste Dibelius dadurch auf, dass er ein weiteres Mal auf die besondere deutsche Sittlichkeit Bezug nahm, von der die Kriegsf&uuml;hrung in den anderen L&auml;ndern weit entfernt sei. Denn im Gegensatz zu seinen Feinden greife der Deutsche nicht aus niederen Gr&uuml;nden zur Waffe. Seine Kriege sind keine Kriege um materielle Interessen: &ldquo;Er tut es im Dienst der Liebe! So geht der Christ in den Krieg.&rdquo; (wie oben, Seite 81)<\/p><p>Weitere Aussagen evangelischer W&uuml;rdentr&auml;ger zur Zeit des Ersten Weltkriegs, die wenig mit Pazifismus zu tun haben: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/fanatiker-auf-der-kanzel-3576649.html\">tagesspiegel.de\/kultur\/fanatiker-auf-der-kanzel-3576649.html<\/a><\/p><p>Im Telegramm vom 30. Juni 1941 begl&uuml;ckw&uuml;nschte das oberste evangelische F&uuml;hrungsgremium, der Geistliche Vertrauensrat der Deutschen Evangelischen Kirche, Adolf Hitler zum &Uuml;berfall auf die Sowjetunion. Unterschrieben wurde das Telegramm u.a. von Bischof August Marahrens, der die Bekennende Kirche im Geistlichen Vertrauensrat repr&auml;sentierte.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der Geistliche Vertrauensrat der Deutschen Evangelischen Kirche, erstmalig seit Beginn des Entscheidungskampfes im Osten versammelt, versichert Ihnen, mein F&uuml;hrer, in diesen hinrei&szlig;end bewegten Stunden aufs neue die unwandelbare Treue und Einsatzbereitschaft der gesamten evangelischen Christenheit des Reiches. Sie haben, mein F&uuml;hrer, die bolschewistische Gefahr im eigenen Lande gebannt und rufen nun unser Volk und die V&ouml;lker Europas zum entscheidenden Waffengange gegen den Todfeind aller Ordnung und aller abendl&auml;ndisch-christlichen Kultur auf. Das deutsche Volk und mit ihm alle seine christlichen Glieder danken Ihnen f&uuml;r diese Ihre Tat.<br>\nDa&szlig; sich die britische Politik nun auch offen des&nbsp; Bolschewismus als Helfershelfer&nbsp; gegen&nbsp; das&nbsp; Reich&nbsp; bedient, macht endg&uuml;ltig klar, da&szlig; es ihr nicht um das Christentum, sondern allein um die Vernichtung des deutschen Volkes geht. Der allm&auml;chtige Gott wolle Ihnen und unserem Volk beistehen, da&szlig; wir gegen den doppelten Feind den Sieg gewinnen, dem all unser Wollen und Handeln gelten mu&szlig;.<br>\nDie Deutsche Evangelische Kirche gedenkt in dieser Stunde der baltischen evangelischen M&auml;rtyrer vom Jahre 1918, sie gedenkt des namenlosen Leids, das der Bolschewismus,wie er es den V&ouml;lkern seines Machtbereichs zugef&uuml;gt hat, so allen anderen Nationen bereiten wollte, und sie ist mit allen ihren Gebeten bei Ihnen und bei unseren unvergleichlichen Soldaten, die nun mit so gewaltigen Schl&auml;gen daran gehen, den Pestherd zu beseitigen, damit in ganz Europa unter Ihrer F&uuml;hrung eine neue Ordnung erstehe und aller inneren Zersetzung, aller Beschmutzung des Heiligsten, aller Sch&auml;ndung der Gewissensfreiheit ein Ende gemacht werde.&rdquo;<br>\n(Telegramm des Geistlichen Vertrauensrats der Deutschen Evangelischen Kirche an den F&uuml;hrer vom 30.06.1941; zitiert nach Dietrich Kuessner &ndash; Die Deutsche Evangelische Kirche und der Russlandfeldzug <a href=\"http:\/\/www.friedensbilder.de\/KathDisk\/_K&amp;W07_digitalbibliothek.pdf\">friedensbilder.de\/KathDisk\/_K&amp;W07_digitalbibliothek.pdf<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die ev. Kirche eine entscheidene Rolle, damit im Herbst 1950 der Durchbruch zur Wiederbewaffnung gelingen konnte. Dies gelang nur, indem auf einer eigens daf&uuml;r einberufenen Synode der Hauptgegner der Wiederbewaffnungspolitik, Martin Niem&ouml;ller, auf eine sch&auml;bige und hinterh&auml;ltige Weise quasi f&uuml;r unzurechnungsf&auml;hig erkl&auml;rt wurde.<br>\n<a href=\"https:\/\/www.militaerseelsorge-abschaffen.de\/texte\/hohnsbein-kirchliche-remilitarisierung\/\">militaerseelsorge-abschaffen.de\/texte\/hohnsbein-kirchliche-remilitarisierung\/<\/a><\/p><p>Der schon erw&auml;hnte Otto Dibelius, CDU-Gr&uuml;ndungsmitglied und von 1949 bis 1961 erster EKD-Ratsvorsitzender, fand Milit&auml;rtechnologien zur Massenvernichtung keineswegs per se schlimm. 1954 gab er auf der Zweiten Vollversammlung des &Ouml;kumenischen Rates der Kirchen in Evanston (USA) kund:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Anwendung einer Wasserstoffbombe ist vom christlichen Standpunkt aus nicht einmal eine so schreckliche Sache, da wir alle dem ewigen Leben zustreben. Und wenn zum Beispiel eine einzelne Wasserstoffbombe eine Millionen Menschen t&ouml;te, so erreichen die Betroffenen umso schneller das ewige Leben.&rdquo;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Millionen-Menschen-erreichen-schneller-das-Ewige-Leben-4567053.html\">telepolis.de\/features\/Millionen-Menschen-erreichen-schneller-das-Ewige-Leben-4567053.html<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Nochmal zur&uuml;ck zu meiner Ausgangsfrage: Von welchem Pazifismus soll sich die ev. Kirche verabschiedet haben?<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nRalf B&ouml;hm<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-142273","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142273"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":142283,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142273\/revisions\/142283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}