{"id":142403,"date":"2025-11-21T10:00:05","date_gmt":"2025-11-21T09:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142403"},"modified":"2025-11-25T12:55:11","modified_gmt":"2025-11-25T11:55:11","slug":"gas-kathi-und-die-wirtschaftsinkompetenz-der-cdu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142403","title":{"rendered":"Gas-Kathi und die Wirtschaftsinkompetenz der CDU"},"content":{"rendered":"<p>Gas-Kathi hat einen Plan! Um Deutschlands Stromversorgung f&uuml;r die Zukunft sicher und bezahlbar zu machen, will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche viele neue Gaskraftwerke bauen. Das wollte ihr Amtsvorg&auml;nger <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101243\">Robert Habeck &uuml;brigens auch<\/a> und scheiterte mit diesem Plan in Br&uuml;ssel. Auch Reiches Plan wurde bereits von der EU zerpfl&uuml;ckt und das ist gut so, dient die gesamte Stromstrategie von Reiche doch vor allem den gro&szlig;en Versorgungsunternehmen und schadet der Volkswirtschaft. Leider wird das gesamte Themenspektrum jedoch in der politischen und gesellschaftlichen Debatte mit einer kaum fassbaren volkswirtschaftlichen Inkompetenz betrieben, und da nehmen sich Habecks Gr&uuml;ne und Reiches CDU nichts. Eine Hintergrundbetrachtung von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1079\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142403-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142403-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251121_Gas_Kathi_und_die_Wirtschaftsinkompetenz_der_CDU_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eines der gr&ouml;&szlig;ten Mysterien der Politik ist das wirtschaftspolitische Image der CDU. In den K&ouml;pfen vieler Menschen schwirrt immer noch die Vorstellung herum, die CDU sei so etwas wie eine Mittelstandspartei, die sich &ndash; im Zweifel auch mal gegen die Interessen der Arbeitnehmer &ndash; vor allem f&uuml;r kleinere Unternehmen einsetzt, die das R&uuml;ckgrat der deutschen Volkswirtschaft bilden. Spannend. <\/p><p>Dabei gibt es streng genommen keine technologische Entwicklung, die die CDU nicht zu Lasten auch der kleinen Unternehmen entweder verschlafen oder sogar so lange aktiv behindert h&auml;tte. In den 1990ern hielt der damalige Kanzler Kohl die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kAfSF-y8Y4U\">&bdquo;Datenautobahn&ldquo; f&uuml;r &bdquo;umstritten&ldquo;<\/a>. 2013 &ndash; also zehn Jahre nach Gr&uuml;ndung der <em>NachDenkSeiten<\/em> und zwanzig Jahre, nachdem meine Wenigkeit zum ersten Mal von daheim im Internet surfte &ndash; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-VkLbiDAouM\">verk&uuml;ndete Kohls M&auml;dchen Angela Merkel<\/a> bar jeder Kompetenz, dass &bdquo;das Internet f&uuml;r uns alle Neuland&ldquo; sei und &bdquo;unsere Art zu leben&ldquo; in Gefahr bringen k&ouml;nnte. <\/p><p>Und auch sonst erwies sich die CDU als wenig vision&auml;r. Die digitale Revolution? Verschlafen. Die Mobilit&auml;tswende? So gut es geht verhindert. Die Energiewende? Erst verschlafen und dann vom CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55851\">aktiv bek&auml;mpft<\/a>. Die &bdquo;Jobs der Zukunft&ldquo; entstanden woanders, Deutschlands Restwirtschaft sitzt zusammen mit der mehr und mehr genervten Bev&ouml;lkerung auf den Altlasten und zahlt weltweit mit die h&ouml;chsten Energiepreise. Wirtschaftskompetenz sieht anders aus.<\/p><p>Und wer nun meint, die CDU h&auml;tte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, muss sich nur die Politik der neuen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche anschauen. Nun gut, Reiche ist keine Unbekannte. Und warum irgendwer auf die Idee gekommen ist, die ehemalige(?) Energie-Lobbyistin und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin einer E.ON-Tochter, deren <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Katherina_Reiche\">Eintrag in der <em>Lobbypedia<\/em><\/a> l&auml;nger als ihr Eintrag in der <em>Wikipedia<\/em> ist, zur Wirtschafts- und Energieministerin zu machen, ist ein weiteres Mysterium.<\/p><p>Worum geht es? Da die Debatte vergleichsweise komplex ist und von verschiedenen Seiten mit allerlei Unsinn geflutet wird, hier eine grobe &Uuml;bersicht.<\/p><p>Einer der Parameter, der Deutschlands Industrie &uuml;ber Jahrzehnte lang beg&uuml;nstigt hat, waren die im internationalen Vergleich relativ geringen Energiekosten. Obgleich man auch hier monokausale Erz&auml;hlungen hinterfragen sollte &ndash; die Energiekosten in Deutschland lagen auch in der alten Bundesrepublik stets im europ&auml;ischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Ein Billigenergie-Dorado war Deutschland nie, insbesondere die Industrie konnte jedoch in der Vergangenheit stets &ndash; auch dank staatlicher Subventionen &ndash; mit einem Energiekostenniveau arbeiten, das zumindest keinen dramatischen Wettbewerbsnachteil darstellte. <\/p><p>Das &auml;nderte sich mit der Jahrtausendwende. Fossile Energietr&auml;ger verteuerten sich nun deutlich. 2020 war der Importpreis f&uuml;r Kohle rund doppelt so teuer wie zur Jahrtausendwende. F&uuml;r Deutschland entscheidend war jedoch der Wegfall des vergleichsweise preiswerten russischen Erdgases in Folge der Sanktionspakete gegen Russland ab 2022. Zwar wird Erdgas in Deutschland vor allem als Heizenergie genutzt, im Rahmen der Energiewende ist diesem Energietr&auml;ger jedoch auch eine Schl&uuml;sselrolle bei der Bildung des Strompreises zuteilgeworden.<\/p><p>Um das zu verstehen, ist ein kurzer Blick auf die regenerativen Energien n&ouml;tig, und an dieser Stelle kann man die ohnehin aufgeheizte Klimadebatte ruhig einmal beiseitelassen und das Thema rein &ouml;konomisch betrachten. In den 1990er-Jahren waren regenerative Energien wie Windkraft oder die Erzeugung von Solarstrom noch exotische Nischenfelder, deren Potenzial zwar durchaus verstanden wurde, aber zumindest wirtschaftlich noch in weiter Ferne lag. Um diese Nischentechnologien zu f&ouml;rdern, wurden diese Energien massiv subventioniert. Wer sich beispielsweise im Jahre 2000 eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen lie&szlig;, konnte auf die Laufzeit von 20 Jahren mit einer staatlich garantierten Einspeiseverg&uuml;tung von 99 Pfennig (also rund 50 Cent) pro Kilowattstunde kalkulieren. Ein gro&szlig;es Gesch&auml;ft f&uuml;r die Betreiber waren diese damals noch vergleichsweise ineffizienten und teuren Anlagen &uuml;brigens nicht &ndash; verschiedene Studien nennen f&uuml;r diese Periode Gestehungskosten von &uuml;ber 40 Cent pro Kilowattstunde (ct\/kWh).<\/p><p>Diese Preise scheinen zumindest bei der CDU ja immer noch in den K&ouml;pfen herumzuspuken. Die Realit&auml;t sieht jedoch heute anders aus. Die technologische Fortentwicklung hat sowohl Wind- als auch Solarenergie massiv verbilligt. Schon vor der Energiepreiskrise 2022 lagen die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89917\">Gestehungskosten f&uuml;r Strom aus Wind- und Photovoltaik durchg&auml;ngig<\/a> unter den Gestehungskosten f&uuml;r Strom aus Kernenergie, Kohle oder Erdgas, wobei Letzteres sich seit dem Ende des Bezugs russischen Pipelinegases noch einmal verteuert hat. Heute sind die reinen Gestehungskosten (also inkl. Investitionen) f&uuml;r Strom aus Erdgas mit rund 15 ct\/kWh rund dreimal so hoch wie Strom aus Photovoltaik-Gro&szlig;kraftwerken und rund doppelt so hoch wie Strom aus Windkraftwerken. <\/p><p>Aus rein &ouml;konomischer Perspektive macht die Energiewende also durchaus Sinn und m&uuml;sste nicht zu &ndash; wie von der CDU gerne behauptet &ndash; h&ouml;heren, sondern zu niedrigeren Strompreisen f&uuml;hren. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, und das hat nichts mit Energieerzeugung, sondern mit den Preismechanismen auf dem Strommarkt zu tun. Dazu hatten die <em>NachDenkSeiten<\/em> bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87221\">ausf&uuml;hrlich berichtet<\/a>. An dieser Stelle daher nur kurz: &Uuml;ber den Daumen gepeilt l&auml;sst sich sagen, dass der Strom in Deutschland um so g&uuml;nstiger wird, je seltener Strom aus Gaskraftwerken ins Netz eingespeist werden muss. Doch warum wird &uuml;berhaupt teurer Strom aus Erdgas eingespeist?<\/p><p>Das ist ganz einfach. Photovoltaik und Windenergie sind zwar g&uuml;nstig, stehen aber nicht immer zur Verf&uuml;gung. Nachts l&auml;sst sich kein, bei stark bedecktem Himmel nur wenig Strom aus Photovoltaik gewinnen. Und wenn es landesweit eine Flaute gibt, bleiben auch die Windkraftr&auml;der stehen. Vor allem die mittlerweile ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Dunkelflaute stellt f&uuml;r die Versorgungssicherheit ein gro&szlig;es Problem dar. Aber wie gro&szlig; ist das Problem genau? <\/p><p>Hier gibt es verschiedene Positionen. Lobbyisten der fossilen Energiewirtschaft und Gegner der Energiewende malen hier gerne Horrorszenarien an die Wand und verweisen sogar darauf, dass bei der jetzigen Stromerzeugung es jede Nacht zu dem Problem kommt, dass die logischerweise wegfallenden Kapazit&auml;ten aus der Photovoltaik dazu f&uuml;hren, dass Deutschland Strom aus dem Ausland importieren m&uuml;sse. Das ist erst einmal korrekt, zeugt jedoch auch von &ouml;konomischer Ahnungslosigkeit. Der europ&auml;ische Strommarkt ist vernetzt, und geliefert wird &ndash; so dies technisch m&ouml;glich ist &ndash; immer der g&uuml;nstigste Strom; unabh&auml;ngig davon, in welchem Land er produziert wurde.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251121_Gas-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251121_Gas-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>Schaut man sich den europ&auml;ischen Stromhandel in diesem Jahr an, erkennt man, das Deutschland den meisten Strom aus D&auml;nemark (v.a. Windkraft), Frankreich (v.a. Atomenergie) und Norwegen (v.a. Wasserkraft) bezieht. Das ist kein Bug, sondern ein Feature. Liegt z.B. der Preis f&uuml;r d&auml;nischen Windstrom oder franz&ouml;sischen Atomstrom nachts unter dem Strom, den ein deutsches Gaskraftwerk aufruft, wird der Strom importiert. Das nennt sich Marktwirtschaft und sollte gerade der CDU eigentlich bekannt sein. <\/p><p>Doch an dieser Stelle f&auml;ngt ein gro&szlig;es Problem an, das ma&szlig;geblich f&uuml;r die hohen Strompreise in Deutschland ist: Diese Betrachtung ist gr&ouml;&szlig;tenteils theoretisch, da die Leitungen es physisch oft gar nicht hergeben, stets Strom vom g&uuml;nstigsten Anbieter zu kaufen und zu beziehen. Es nutzt dem Industriebetrieb in Mannheim oder den Stadtwerken in M&uuml;nchen wenig, dass es nachts preiswerte &Uuml;berkapazit&auml;ten von Windenergie in D&auml;nemark gibt, wenn die Leitungen es nicht hergeben, den Strom in den S&uuml;den Deutschlands zu liefern. Dann muss stattdessen ein deutsches Gaskraftwerk einspringen und teuren Strom liefern.<\/p><p>Besonders dramatisch ist dies &uuml;brigens auch auf dem innerdeutschen Strommarkt. Hier kommt dann ein Mechanismus namens Redispatch zum Einsatz. Grob erkl&auml;rt: Wenn ein Industriebetrieb oder die Stadtwerke im S&uuml;den Deutschlands an der Leipziger Stromb&ouml;rse f&uuml;r morgen 16:00 Uhr zehn Megawattstunden Strom von einem norddeutschen Windpark f&uuml;r 1.400 Euro einkaufen, der den Strom aber zur gebuchten Zeit gar nicht liefern kann, weil die Netzkapazit&auml;t dies nicht hergibt, muss ein Gaskraftwerk aus S&uuml;ddeutschland einspringen, das physisch liefern kann, f&uuml;r den Strom dann aber z.B. 2.500 Euro aufrufen darf. Die 900 Euro Differenz werden als Redispatch-Kosten bezeichnet und auf die uns allen bekannten Netznutzungsentgelte umgelegt, die wir alle mit jeder verbrauchten Einheit bezahlen. 2024 betrugen die Kosten daf&uuml;r 11,62 ct\/kWh &ndash; also rund doppelt so viel, wie g&uuml;nstiger Strom aus regenerativen Energien in der Herstellung &uuml;berhaupt kostet.<\/p><p>Egal, ob es sich um den grenz&uuml;berschreitenden oder den innerdeutschen Transport bzw. Handel von Strom handelt, eines l&auml;sst sich mit Sicherheit sagen: Je besser das Netz ausgebaut ist und je mehr Stromhandel es erm&ouml;glicht, desto g&uuml;nstiger wird es f&uuml;r den Verbraucher &ndash; egal, ob es sich um einen Chemieriesen oder um einen Privathaushalt handelt.<\/p><p>Eine weitere M&ouml;glichkeit, den Strompreis massiv zu senken, w&auml;ren kommunale oder regionale Batteriespeicherl&ouml;sungen. Bei der politischen Debatte geht es ja meist um gro&szlig;e L&ouml;sungen, die im Idealfall die eierlegende Wollmilchsau sein sollen; egal, ob es von Seiten der AfD und Co. um die Atomkraft oder von Seiten der Gr&uuml;nen und Co. um gr&uuml;nen Wasserstoff geht. Beides ist jedoch &ouml;konomisch (und auch &ouml;kologisch) falsch. Im Idealfall muss gar kein Strom &uuml;ber hunderte oder tausende Kilometer transportiert werden. In einem gewissen Ma&szlig;e k&ouml;nnten ausreichend bemessene Batteriespeicher hier sehr hilfreich sein. Wenn in den Mittagsstunden &uuml;ber Photovoltaik und Windenergie in einer Gemeinde mehr Strom produziert als nachgefragt wird, riegelt man heute die Produzenten meist ab. W&uuml;rde man das Potenzial jedoch voll aussch&ouml;pfen und die heute nicht nachgefragten Mengen ganz einfach speichern, um sie so nachts oder bei Flauten wieder ins Netz einzuspeisen, w&uuml;rde dies die Netze entlasten und zudem einen positiven Effekt auf den Strompreis haben. <\/p><p>Waren solche Batteriespeicher noch vor wenigen Jahren so teuer, dass sie wirtschaftlich nicht wirklich sinnvoll waren, sind die Preise im letzten Jahrzehnt so stark gesunken, dass sie &ouml;konomisch sowohl im privaten als auch im gewerblichen oder kommunalen Umfeld durchaus sinnvoll eingesetzt werden k&ouml;nnten. Bei einem gut ausgebauten Netz w&uuml;rden solche Speicher &uuml;brigens auch ganz ohne eigene Einspeisung sehr sinnvoll eingesetzt werden k&ouml;nnen, indem sie mittags die extrem preiswerten &Uuml;berkapazit&auml;ten einspeichern und &ndash; auf kommunaler Ebene gerne auch zum Selbstkostenpreis &ndash; in den Tageszeiten mit hohen Strompreisen abgeben. Ja, es k&ouml;nnte so einfach sein. Angebot und Nachfrage, ist das so schwer zu verstehen?<\/p><p>Aber sp&auml;testens hier kommen wir zum eigentlichen Knackpunkt der real existierenden deutschen Energiepolitik: Statt auf kommunale, flexible und intelligente L&ouml;sungen (Stichwort: Strom aus B&uuml;rgerhand) zu setzen, tut man alles in seiner Macht Stehende, um den Strommarkt Gro&szlig;konzernen mit ihren Gro&szlig;kraftwerken zu &uuml;berlassen. Auch Katherina Reiche geht genau diesen Weg. Vielleicht haben Sie sich oben im Text an der Stelle mit dem Redispatch gefragt, warum man eigentlich so wenig gegen das Problem unternimmt, wo die Nachteile f&uuml;r alle Stromkunden doch auf der Hand liegen. Ganz einfach &ndash; beim Redispatch verdienen sich die Betreiber von Gaskraftwerken, die einspringen m&uuml;ssen, eine goldene Nase, und da das Geld &uuml;ber die Netznutzungsentgelte aus einer Umlage stammt, die wir alle bezahlen, von der wir aber kaum was wissen, h&auml;lt sich der Protest in Grenzen. <\/p><p>Versch&auml;rfend kommt hier die fehlgeleitete politische Kommunikation hinzu: Seitens der AfD werden nicht die Energiekonzerne, sondern &bdquo;die regenerativen Energien&ldquo; f&uuml;r die hohen Preise verantwortlich gemacht. Seitens der Gr&uuml;nen wird jegliche Kritik an der Umsetzung der Energiewende ohnehin lieber als &bdquo;rechts&ldquo; geframt, und von kommunalen L&ouml;sungsans&auml;tzen halten auch die Gr&uuml;nen nicht viel &ndash; sind sie &uuml;ber die Lobbynetzwerke doch bereits viel zu tief im Dickicht der Konzerne verstrickt.<\/p><p>Kommen wir nun abschlie&szlig;end endlich zu den Gaskraftwerken und Gas-Kathi. Mit all den genannten Informationen im Hinterkopf: Wem &ndash; au&szlig;er den Betreibern dieser Kraftwerke &ndash; n&uuml;tzen sie? &Ouml;konomisch ist die Frage leicht beantwortet: niemandem. Aus Sicht der Versorgungssicherheit sieht es jedoch anders aus. Die Gefahr von Dunkelflauten ist ja real, und wenn wir &uuml;ber die im Winter h&auml;ufiger mal vorkommenden Dunkelflauten reden, die sich auch mal &uuml;ber ein bis zwei Wochen strecken k&ouml;nnen, sind auch Batteriespeicher nat&uuml;rlich keine L&ouml;sung. Gaskraftwerke als strategische Reserve sind eine schlichte Notwendigkeit, sonst k&ouml;nnte uns in der Tat bald durch den Wegfall der grundlastf&auml;higen Braunkohlekraftwerke der Strom ausgehen. Hier gibt es jedoch eine einfache goldene Regel. Wir brauchen so viel Reserve-Gaskraftwerke wie n&ouml;tig und so wenig wie m&ouml;glich und vor allem: Je weniger diese Kraftwerke in Betrieb gehen m&uuml;ssen, desto besser, produzieren sie doch den teuersten Strom im Markt.<\/p><p>Daher ist es eigentlich unerheblich, ob Habeck oder Reiche nun 10, 20 oder 50 Gigawatt an Gaskraftwerkskapazit&auml;t bauen oder besser gesagt subventionieren wollen. Bei solchen Kraftwerken spielen die fixen Kosten keine so gro&szlig;e Rolle. Die variablen Kosten und hier vor allem der Bezug von Erdgas als Energietr&auml;ger sind jedoch enorm. Hinzu kommt hier ein Zielkonflikt. Im Zusammenhang mit der angestrebten Klimaneutralit&auml;t wird nun Wert darauf gelegt, dass die neuen Gaskraftwerke &bdquo;H2-ready&ldquo; sind oder, wie es politisch hei&szlig;t, &bdquo;technologieoffen&ldquo; sind. <\/p><p>Das ist jedoch ein Teil der Klimadebatte, &ouml;konomisch gilt hier das Prinzip des <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141985\">abnehmenden Grenznutzens<\/a>. Dass es &ouml;konomisch widersinnig ist, mittels Energie aus Strom Wasserstoff herzustellen und ihn unter immensen Kosten in ein Kraftwerk zu transportieren, nur um dort wieder aus Wasserstoff Strom zu machen, sollte klar sein. Was f&uuml;r erdgasbetriebene Kraftwerke gilt, gilt somit f&uuml;r vielleicht sp&auml;ter potenziell wasserstoffbetriebene Kraftwerke um so mehr.<\/p><p>Viel wichtiger als die Frage, wie viele dieser Gaskraftwerke nun gebaut werden, ist also die Frage, wie h&auml;ufig diese Kraftwerke &uuml;berhaupt angeschmissen werden m&uuml;ssen. Und hier kommen wir zum Netzausbau, dem viel wichtigeren Thema und dem eigentlichen Skandal.<\/p><p>Erst vor Kurzem hat Katherina Reiche n&auml;mlich <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/energiewende-in-deutschland-katherina-reiche-will-erneuerbare-energien-ausbremsen-a-0e6871c3-2606-437f-9f61-53b11a808adc\">eine Auftragsstudie erstellen lassen<\/a>, die wie von Geisterhand den Strombedarf f&uuml;r die Zukunft herunterrechnet. Mit dieser Prognose ist sie &uuml;brigens allein, ist doch eigentlich klar, dass durch die E-Mobilit&auml;t, W&auml;rmepumpen und den k&uuml;nftigen Ausbau von KI und Rechenzentren nicht weniger, sondern deutlich mehr Strom ben&ouml;tigt wird. Aber darum geht es ihr auch gar nicht. Entscheidend ist der prognostizierte Strombedarf vor allem beim Netzausbau. Den will sie nicht etwa forcieren, sondern bremsen. Der Netzausbau w&uuml;rde &ndash; so Reiche &ndash; die Kosten erh&ouml;hen. Das ist nat&uuml;rlich kompletter Unsinn, wie oben dargelegt. Gr&ouml;&szlig;ter Kostentreiber auf dem deutschen Strommarkt ist der zu langsame Netzbau! Und wenn Reiche nun den Netzausbau noch weiter verlangsamt, wird dies die deutschen Stromkosten noch weiter steigen lassen. So viel zum Thema Kompetenz.<\/p><p>Ist Reiche inkompetent? Nat&uuml;rlich nicht. Gas-Kathi hat nur andere Ziele als die &Ouml;ffentlichkeit. In wessen Interesse sind denn viele Gaskraftwerke bei gleichzeitig provozierten Kapazit&auml;tsengp&auml;ssen im Leitungsnetz? V&ouml;llig klar &ndash; Stichwort Redispatch. Die Energiekonzerne verdienen sich eine goldene Nase, die Allgemeinheit zahlt &hellip; und die Volkswirtschaft geht vor die Hunde.<\/p><p>Die gesamte Debatte ist aus volkswirtschaftlicher Sicht ohnehin unverst&auml;ndlich. Da kommt eine Partei, die angeblich den deutschen Mittelstand st&auml;rken will, daher und verfolgt eine Energiepolitik, bei der mehr Erdgas importiert werden soll. Da freuen sich die Erdgaslieferanten aus Norwegen, Katar und den USA. Das Geld f&uuml;r die importierten Energietr&auml;ger flie&szlig;t in jedem Fall aus der deutschen Volkswirtschaft ab. Der ber&uuml;hmte Franz-Alt-Satz &bdquo;Die Sonne schickt keine Rechnung&ldquo; ist zwar auch falsch, aber eine Rechnung vom Dachdecker um die Ecke, der eine Solaranlage installiert, und vom Elektriker, der sie anschlie&szlig;t, erscheinen volkswirtschaftlich immer noch kl&uuml;ger. Aber mit wirtschaftlicher oder gar volkswirtschaftlicher Kompetenz ist es bei der CDU ja nicht so gut bestellt. Dumm nur, dass die wirtschaftliche Inkompetenz der CDU uns alle noch richtig teuer zu stehen kommt.<\/p><p><small>Titelbild: photocosmos1\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/76b7f24435bb471887177bc2f24351e3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gas-Kathi hat einen Plan! 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