{"id":142607,"date":"2025-11-25T13:24:09","date_gmt":"2025-11-25T12:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142607"},"modified":"2025-11-26T07:21:28","modified_gmt":"2025-11-26T06:21:28","slug":"die-rentner-sind-immer-zu-teuer-egal-wie-billig-sie-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142607","title":{"rendered":"Die Rentner sind immer zu teuer! \u2013 Egal, wie billig sie sind &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wer w&uuml;rde eine solche Umfrage bezahlen: &bdquo;Sind Sie daf&uuml;r, dass die Renten bis 2040 um 6 Prozent statt 4 Prozent gesenkt werden?&ldquo; Denn darum geht der Streit zwischen Junger Union &amp; Co. und der schwarz-roten Regierung. Die Einigkeit der Streitenden hinter dem medialen Get&ouml;se besteht darin: Die Renten m&uuml;ssen unbedingt weiter gek&uuml;rzt werden. Die Ergebnisse derartiger Umfragen sind bis jetzt eindeutig (<a href=\"https:\/\/www.seniorenaufstand.de\/sozialstaats-radar-2025-sozialstaat-staerken-ja-bitte-grosse-mehrheiten-fuer-einen-starken-sozialstaat\/\">siehe hier<\/a>). Deshalb werden sie tunlichst vermieden. Von <strong>Reiner Heyse<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6517\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142607-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142607-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251125-Rentner-immer-zu-teuer-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bereits seit sechs Jahren gehen die &bdquo;Babyboomer&ldquo; in Rente. Mehrbelastung bei den Kosten? Null! Und das bleibt auch bis 2028 so! Die seit 2019 geltende &bdquo;Haltelinie&ldquo; beim Rentenniveau von 48 Prozent hat bis jetzt staatliche Zusatzbetr&auml;ge erfordert von?: Null! Und auch das bleibt bis 2028 so! Berichterstattung &uuml;ber diesen Sachverhalt in den Medien? Null Komma Null! Stattdessen wird in Presse, Funk und Fernsehen seit mittlerweile Wochen intensiv hier&uuml;ber berichtet:<\/p><p>18 Junge-Union-Abgeordnete wagen den Aufstand gegen den Chef. Kanzler Merz wird ultimativ aufgefordert, das Rentenpaket, vor allem die darin enthaltene Haltelinie von 48 Prozent, zur&uuml;ckzunehmen. Die Koalitionsmehrheit besteht aus 12 Abgeordneten, ohne ihre 18 Stimmen w&uuml;rden sie die Koalition bei der Rente zum Scheitern bringen. Die &bdquo;Junge Gruppe&ldquo;, wie sie sich selbst nennt, wird von den Medien zu mutigen Rebellen hochgelobt. Auch die letzten Hinterb&auml;nkler von ihnen werden in Zeitungen zu Helden erkoren. Denn sie stemmen sich gegen das unverantwortliche Rentenpaket der Bundesregierung. Unverantwortlich, weil es nicht finanzierbar und vor allem die Jungen ausbeutend sei.<\/p><p>Die Unterst&uuml;tzung der jungen Helden ist nicht nur medial nahezu einzigartig. Etliche Unionsabgeordnete springen ihnen bei, Ministerpr&auml;sident Daniel G&uuml;nther findet deren Argumente vern&uuml;nftig, Regierungsmitglied Reiche unterst&uuml;tzt ihre Kritik (und rudert zur&uuml;ck), Regierungsmitglied Prien ist f&uuml;r die Verschiebung des Gesetzes (und rudert zur&uuml;ck), Michael H&uuml;ther vom neoliberalen arbeitgeberfinanzierten Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und Marcel Fratzscher vom neokeynesianen Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) loben in seltener Einm&uuml;tigkeit den Widerstand der Jungen und ganze 32 Wirtschaftsverb&auml;nde, von denen die <em>BILD-Zeitung<\/em> wei&szlig;, dass sie f&uuml;r 20 Millionen Besch&auml;ftigte stehen, fordern unisono den Stopp des Gesetzespakets. Und der seit 25 Jahren bei Rentenk&uuml;rzungen f&uuml;hrende Bert R&uuml;rup ist voll des Lobes f&uuml;r die Junge Garde der Konterreform.<\/p><p>Die <em>BILD-Zeitung<\/em> bringt die passende Schlagzeile:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kosten steigen immer mehr: Renten-Drama! Wer soll das alles noch bezahlen?&ldquo; (BILD, 12.11.25)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die &bdquo;Kosten steigen immer mehr&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich sind die Kosten dramatisch <strong>gesunken<\/strong>. Der Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Alexander Gunkel, k&uuml;ndigte letzte Woche an, dass im Jahr 2028 der Rentenversicherungsbeitrag das erste Mal seit 2007 wieder erh&ouml;ht werden m&uuml;sste. Das ist stark untertrieben. Denn die Beitr&auml;ge sind seit dann 22 Jahren nicht nur nicht gestiegen, sie sind von 19,9 Prozent im Jahr 2007 auf 18,6 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Da verharren sie bis 2028. Die 1,3 Prozent <strong>weniger<\/strong> Beitr&auml;ge machen eine Entlastung der Renten-Kosten von 6,5 Prozent aus.<\/p><p>Wer wird mit dieser Kostensenkung finanziert? Die bittere Antwort: Es m&uuml;ssen damit 1,2 Millionen Rentner <strong>mehr<\/strong> unterhalten werden. Die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner stieg von 20,2 Millionen im Jahr 2007 auf 21,4 Millionen im Jahr 2024. Das ist ein Mehr von 6 Prozent.<\/p><p>Die Wahrheit ist also: Die Kosten sind immer mehr gesunken (um 6,5 Prozent), obwohl die Anzahl der Rentner immer mehr gestiegen ist (um 6 Prozent). Im Jahr 2028 sollen die Beitr&auml;ge auf voraussichtlich 19,8 Prozent hoch &bdquo;explodieren&ldquo; (<em>BILD<\/em>). Dann sind allerdings etwa 22 Millionen Rentner, also 10 Prozent mehr gegen&uuml;ber 2007, zu versorgen. Zugespitzt kann man also behaupten: &bdquo;Nie waren Rentner so billig wie heute&ldquo;, das bleibt auch nach der Beitragserh&ouml;hung 2028 so.<\/p><p>&bdquo;<strong>Wer soll das alles noch bezahlen?&ldquo; <\/strong><\/p><p>Prototypisch die Junge Unionlerin Ronja Kemmer (36) zur <em>BILD<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Rechnung ist simpel: weniger Beitragszahler bei gleichbleibendem Rentenniveau bedeutet zuk&uuml;nftig h&ouml;here Beitr&auml;ge f&uuml;r alle. Das ist nicht generationengerecht und kann auch nicht durch dauernd steigende Steuerzusch&uuml;sse in die Rente ausgeglichen werden&hellip; Es braucht eine gro&szlig;e Reform, &hellip; die Eigenverantwortung st&auml;rkt und auch daf&uuml;r sorgt, dass die j&uuml;ngere Generation von ihrer Arbeit leben kann und nicht in Zukunft in der Altersarmut landet.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>So simpel wie die Rechnung, so simpel sind die geschichtlichen Erfahrungen. Seit Einf&uuml;hrung der Rentenversicherung vor 135 Jahren ist die Anzahl der Rentner gegen&uuml;ber den Beitragszahlern st&auml;ndig gestiegen. Die Beitr&auml;ge wurden um &uuml;ber das 10-Fache erh&ouml;ht (von 1,7 Prozent auf maximal 20,3 Prozent im Jahr 1998). Dabei wuchs der Lebensstandard f&uuml;r Arbeitende <strong>und<\/strong> f&uuml;r Ruhest&auml;ndler in einem historisch noch nie dagewesenen Ausma&szlig;.<\/p><p>Dass die Jungen angeblich &uuml;berlastet werden, entdeckte man trotz dieser positiven Erfahrungen vor etwa 35 Jahren. Seitdem ist die Erz&auml;hlung in der Welt: Es ist notwendig, dass weniger f&uuml;r die gesetzliche Rente ausgegeben wird und mehr privat vorgesorgt wird. In die Welt gesetzt wurden diese Behauptungen von Finanzkonzernen und Arbeitgeberverb&auml;nden. Sie sind krasse Verdrehungen der Wirklichkeit. Wer geringen Lohn erh&auml;lt, kann nicht sparen. Eine Absenkung des Rentenniveaus wird die Altersarmut im Land weiter beschleunigen. Menschen, die in der Lage sind, f&uuml;r die private Rente Lohnanteile abzugeben, zahlen doppelt. Sie zahlen die Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung und zus&auml;tzlich mindestens 4 Prozent (das wegen Schleichwerbung verurteilte Online-Portal <em>Finanztip<\/em> empfiehlt 15 Prozent und mehr!) ihres Einkommens f&uuml;r Privatvorsorge. Was da eine Entlastung sein soll, wissen wohl nicht einmal die G&ouml;tter. Sicher ist nur die Unsicherheit, was in drei, vier oder f&uuml;nf Jahrzehnten an Rente rauskommt.<\/p><p>Die behaupteten &bdquo;st&auml;ndig steigenden Steuerzusch&uuml;sse&ldquo; sind auch so eine der &uuml;blichen Halbl&uuml;gen. Der Anteil der Bundesmittel f&uuml;r Renten am Gesamthaushalt ist seit 20 Jahren st&auml;ndig gesunken, von 31,0 Prozent im Jahr 2004 auf 24,8 Prozent im Jahr 2024. Das wird auch daran deutlich, dass die Bundesregierungen sich st&auml;ndig weigern, die nicht beitragsgedeckten (versicherungsfremden) Leistungen vollst&auml;ndig zu finanzieren. Die Unterdeckung betrug hier allein im Jahr 2023 unglaubliche 40 Milliarden Euro.<\/p><p><strong>Das &bdquo;Renten-Drama!&ldquo; <\/strong><\/p><p>&hellip; ist ein Drama der demokratischen Verh&auml;ltnisse in Deutschland. Wenn faktenfrei und wahrheitswidrig die Interessen von fast einem Viertel der Bev&ouml;lkerung in den Dreck geschrieben werden k&ouml;nnen und die wahren Verh&auml;ltnisse in der Berichterstattung nicht mehr vorkommen, ist das keine Bagatelle. Tiefpunkte sind dabei, wenn junge Politiker, die mit den wahren Lebensbedingungen ihrer W&auml;hler nichts mehr am Hut haben (Generation Krei&szlig;saal-H&ouml;rsaal-Plenarsaal), zu Interessenvertretern der &bdquo;Jungen&ldquo; hochgelabelt werden.<\/p><p>Die ganze mediale Debatte findet unter Ausschluss der Betroffenen statt. H&ouml;chstbezahlte &bdquo;Experten&ldquo;, die mit horrenden Schmiergeldern (f&uuml;r &bdquo;Beratung&ldquo;, &bdquo;Untersuchungen&ldquo; oder Vortr&auml;ge) oder mit &uuml;ppigsten Beamtengeh&auml;ltern honoriert werden, bestimmen Nachrichten, Talk-Runden und Zeitungsseiten. Im Fadenkreuz stehen immer die Rentnerinnen und Rentner. Beamte, Politiker, gutverdienende Selbstst&auml;ndige, hochbezahlte Berufsst&auml;nde, kommen erst gar nicht vor. Die Presse-Freiheit wird zur Freiheit der M&auml;chtigen, ihre Meinung &ndash; besser gesagt: ihre Interessen &ndash; durchzusetzen.<\/p><p>Politiker, die sich dem widersetzen, werden ins Abseits gekickt. Parteidisziplin, Mediengewogenheit, seilschaftsabh&auml;ngige Listenpl&auml;tze zu Wahlen und &bdquo;Anschlussverwendungen&ldquo; tun das Ihrige.<\/p><p>Eine L&ouml;sung des &bdquo;Dramas&ldquo; ist nur vorstellbar, wenn so grundlegende Fragen wie die Altenversorgung in direkten Volksabstimmungen entschieden werden. Dazu sind gr&uuml;ndliche gesellschaftliche Debatten mit soliden Informationen erforderlich. Die Schweiz machte es vor. Gro&szlig;e Mehrheiten bestimmten im M&auml;rz 2024 dort: Zahlung einer 13. Monatsrente und keine Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67!<\/p><p>Ein ganz bescheidener Anfang auf den Weg dahin k&ouml;nnte ja sein, dass Gewerkschaften oder Sozialverb&auml;nde die eingangs gestellte Frage (6 Prozent oder 4 Prozent Rentensenkung) zur Finanzierung einer Umfrage mit einem &bdquo;wir&ldquo; beantworten.<\/p><p><strong>Fakten, die keine Rolle spielen, weil sie die Faktenfreiheit st&ouml;ren:<\/strong><\/p><p>Faktenfreiheit sieht zum Beispiel so aus:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es ist allgemeiner Konsens, dass das gesetzliche Rentensystem an seine Grenzen kommt. Es ist m&uuml;&szlig;ig, hier die gewaltige Zahl der Babyboomer zu erw&auml;hnen, die bald in Rente gehen werden, was das System noch weiter ins Wanken bringen wird. Die Rente ist sicher, aber f&uuml;r viele wird sie in Zukunft nicht mehr reichen. Diese Wahrheit sollte die Bundesregierung aussprechen. M&uuml;ndige B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger vertragen das.&ldquo;<\/em> (Handelsblatt 19.11.2025)\n<\/p><\/blockquote><p>Man beachte die Wertungen &bdquo;allgemeiner Konsens&ldquo;, &bdquo;m&uuml;&szlig;ig &hellip; zu erw&auml;hnen&ldquo;, &bdquo;m&uuml;ndige &hellip; vertragen das&ldquo; &ndash; womit ja auch behauptet wird, dass diejenigen, die das nicht vertragen\/akzeptieren, unm&uuml;ndig sind.<\/p><p>Die Faktenlage sieht dagegen so:<\/p><p>Was werden &bdquo;m&uuml;ndige&ldquo; B&uuml;rger dazu sagen, wenn ihnen statt hohler, aber bedrohlicher Phrasen folgende Fakten pr&auml;sentiert w&uuml;rden:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251125-teuer-altenkohorten_renteneintritt_2019_2038.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251125-teuer-altenkohorten_renteneintritt_2019_2038.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>(Quelle: 15. Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung, 2022; Variante 2 (moderate Gr&ouml;&szlig;en); eigene Grafik)<\/small><\/p><p>Wie bereits erw&auml;hnt gehen die &bdquo;Babyboomer&ldquo; schon seit sechs Jahren in Rente und nicht wie immer behauptet &bdquo;bald&ldquo; oder &bdquo;demn&auml;chst&ldquo;. Die Zunahme der geburtenstarken Jahrg&auml;nge erreicht in vier Jahren (2029) ihren H&ouml;hepunkt und danach sinkt die Zahl schnell wieder ab und hat in den folgenden acht Jahren (bis 2037) den Stand von 2019 erreicht. Es ist &bdquo;m&uuml;&szlig;ig&ldquo;, &uuml;ber diese realen Zahlen zu reden. Die Fakten zeigen, das &bdquo;Problem&ldquo; ist tempor&auml;r und durchaus im Rahmen der Umlagefinanzierung beherrschbar. Das wird seit etlichen Jahren von der Deutschen Rentenversicherung erkl&auml;rt und mit sehr validen Daten belegt[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p>Wie hoch w&auml;ren denn nun die &bdquo;nicht finanzierbaren&ldquo; Kosten, &uuml;ber die zu sprechen nach &bdquo;allgemeinem Konsens&ldquo; ja &bdquo;m&uuml;&szlig;ig&ldquo; ist? Ich hatte das in einem Artikel im Februar 2023 kritisiert und die beherrschbaren Kosten vorgerechnet (<a href=\"https:\/\/renten-zukunft.de\/2023\/02\/09\/blackout-bei-der-aktienrente-hallo-journalisten-lebt-ihr-noch\/\">&bdquo;Hallo Journalisten, lebt ihr noch?&ldquo;<\/a>). Ein Jahr sp&auml;ter, mit dem Gesetzentwurf zum Rentenpaket II, rechnete das Sozialministerium das dann auch offiziell vor: W&uuml;rde das Rentenniveau bis 2040 auf 48 Prozent (netto vor Steuern) gehalten, w&uuml;rde das 39,6 Milliarden Euro mehr kosten gegen&uuml;ber dem geltenden Recht. Diese Mehrkosten sollten dann ausschlie&szlig;lich &uuml;ber eine Beitragssatzerh&ouml;hung um 2 Prozentpunkte erfolgen[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>].<\/p><p>Alternative Finanzierungswege wurden nicht in Erw&auml;gung gezogen und auch nicht &ouml;ffentlich diskutiert. Auch die Reduzierung der Bundesmittel f&uuml;r die DRV in den vergangenen Jahren wurde von den jetzt auf Anregung der Jungen Union in Wallung geratenen Medien verschwiegen.<\/p><p>Was macht man bei einem Menschen, dem man den Schlund zudr&uuml;ckt und der nach mehr Luft zum Atmen ruft? Man dr&uuml;ckt st&auml;rker zu! Kriminell? Die Scholz- und Merz-Regierungen finden das nicht, denn sie machten\/machen genau das mit der Rentenversicherung. Die Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte 2017 noch angek&uuml;ndigt, die DRV solle Ende der 2020er-Jahre einen steuerfinanzierten Boomer-Zuschuss erhalten. Die Ampelregierung machte genau das Gegenteil: Die Bundesmittel f&uuml;r die DRV werden in mehreren Schritten bis 2027 um 9 Milliarden Euro gek&uuml;rzt (<a href=\"https:\/\/www.seniorenaufstand.de\/die-raeuber-rauben-weiter-die-gesetzliche-rentenversicherung-aus\/\">siehe hier<\/a>). Daran will die gegenw&auml;rtige Regierung auch nichts &auml;ndern.<\/p><p>Auch die Tatsache, dass die Bundesregierung der Rentenversicherung gigantische Betr&auml;ge f&uuml;r die Bezahlung nicht beitragsgedeckter (versicherungsfremder) Leistungen, vorenth&auml;lt, wird bestenfalls als Randnotiz pr&auml;sentiert (<a href=\"https:\/\/www.seniorenaufstand.de\/die-sozialversicherungskassen-bluten-fuer-die-schwarze-null\/\">siehe hier<\/a>). Man kann das als staatliche Zechprellerei bezeichnen. Die von der DRV vorgerechnete Summe betrug allein im Jahr 2023 unglaubliche 40 Milliarden Euro. W&uuml;rde der Staat endlich diese Fehlbetr&auml;ge ausgleichen, w&auml;re die Haltelinie von 48 Prozent vollst&auml;ndig finanziert. Es bliebe noch einiges, z.B. f&uuml;r Rentenerh&ouml;hungen, &uuml;brig, weil die Mehrkosten der Haltelinie ja erst im Jahr 2039\/2040 den maximalen Betrag ausmachen.<\/p><p>Von all diesen Fakten keine Silbe in den Mainstreammedien. Stattdessen wird die umlagefinanzierte Rente als unzuverl&auml;ssig und unbezahlbar dargestellt, bei gleichzeitigem Verschweigen, dass die Privatisierungsstrategie der vergangenen 25 Jahre (Riesterrenten; Betriebsrenten auf Basis von Entgeltumwandlung) krachend gescheitert ist. Im Gegenteil wird das viel st&auml;rkere Abf&uuml;hren von Lohnanteilen an Versicherungen und Finanzkonzerne als das Allheilmittel propagiert. Getreu der Therapie: Wenn das Medikament die Krankheit verschlimmert, muss man die Dosis erh&ouml;hen &hellip;<\/p><p>Beitragen kann dieser Kurs zur Finanzierung der Renten in den n&auml;chsten 30 bis 40 Jahre gar nichts. Das Ganze wird zu einem weiteren Absenken des Rentenniveaus f&uuml;hren. Dem Wirtschaftskreislauf wird in riesigem Umfang Konsumnachfrage entzogen und damit werden Konjukturkrisen provoziert. Als einziger Zweck dieses desastr&ouml;sen Kurses bleibt, die Profitinteressen der Finanzkonzerne zu bedienen. Das gilt es zu verschleiern und daf&uuml;r, davon muss man ausgehen, werden erhebliche Mittel eingesetzt, um die &ouml;ffentliche Meinung zu manipulieren.<\/p><p><small>Titelbild: Pixabay<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Zum Beispiel im Mai 2023 ver&ouml;ffentlichte die DRV eine Untersuchung, die aus den Erfahrungen seit 1957 erkl&auml;rte: <strong>&bdquo;Die Demographische Belastung steigt &hellip; aber weniger als in der Vergangenheit!&ldquo;<\/strong> Darin wird ausgef&uuml;hrt:<\/p>\n<p><em>&bdquo;Es ist allerdings nicht so, dass mit dem Renteneintritt der Babyboomer ein Belastungsanstieg einhergeht, wie ihn unsere Gesellschaft noch nie erlebt hat. Der bis 2040 zu erwartende Anstieg der demographischen Belastung ist nach der aktuellen Vorausberechnung keineswegs beispiellos. <\/em><\/p>\n<p><em>Im Gegenteil: In der Vergangenheit hat die Bundesrepublik Deutschland bereits mehrfach vergleichbare Phasen erlebt &ndash; teilweise hat sich die demographische Belastung innerhalb von zwei Jahrzehnten sogar noch st&auml;rker erh&ouml;ht als das f&uuml;r die Zeit von 2020 bis 2040 zu erwarten ist. So ist der Altenquotient z. B. in der Zeit zwischen 1990 und 2010 von 22,9 (Schreibfehler, muss lauten 23,9) auf 33,8 gestiegen &ndash; also um 9,9 oder mehr als 40 %! Und auch in den 20-Jahres-Zeitr&auml;umen zwischen 1995 und 2015 oder 1960 und 1980 war der Anstieg &auml;hnlich hoch oder sogar h&ouml;her als das, was nach der aktuellen Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung f&uuml;r die Zeit von 2020 bis 2040 zu erwarten ist.&ldquo; <\/em>(Reinhold Thiede, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei der DRV)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Gesetzentwurf &bdquo;<a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/brd\/2024\/0264-24.pdf\">Gesetz zur Stabilisierung des Rentenniveaus &hellip;<\/a>&ldquo; &ndash; Seiten 3 und 4<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer w&uuml;rde eine solche Umfrage bezahlen: &bdquo;Sind Sie daf&uuml;r, dass die Renten bis 2040 um 6 Prozent statt 4 Prozent gesenkt werden?&ldquo; Denn darum geht der Streit zwischen Junger Union &amp; Co. und der schwarz-roten Regierung. Die Einigkeit der Streitenden hinter dem medialen Get&ouml;se besteht darin: Die Renten m&uuml;ssen unbedingt weiter gek&uuml;rzt werden. Die Ergebnisse<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142607\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":142608,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,158,123,39],"tags":[635,904,2611,273,1912,2272],"class_list":["post-142607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-generationenkonflikt","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rente","tag-altersarmut","tag-grv","tag-junge-union","tag-privatvorsorge","tag-rentenniveau","tag-versicherungsfremde-leistungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rentner_teuer_billig_900.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142607"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":142610,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142607\/revisions\/142610"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/142608"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}