{"id":142625,"date":"2025-11-26T13:00:25","date_gmt":"2025-11-26T12:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142625"},"modified":"2025-11-26T15:22:27","modified_gmt":"2025-11-26T14:22:27","slug":"konflikt-china-japan-die-japanischen-rechten-und-rechtsradikalen-nutzen-die-taiwan-frage-als-vorwand-fuer-militarisierung-und-aufruestung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142625","title":{"rendered":"Konflikt China-Japan: Die japanischen Rechten und Rechtsradikalen nutzen die Taiwan-Frage als Vorwand f\u00fcr Militarisierung und Aufr\u00fcstung"},"content":{"rendered":"<p>Die neue japanische Premierministerin Takaichi schl&auml;gt hohe Wellen. Sie sagte Anfang November den Mitgliedern der Diet, dem japanischen Parlament, dass ein milit&auml;rischer Konflikt um Taiwan als Bedrohung f&uuml;r die Existenz Japans angesehen werden k&ouml;nnte, was&nbsp; &bdquo;kollektive Selbstverteidigung&ldquo; erm&ouml;glichen w&uuml;rde. Damit k&ouml;nnte sich Tokio an der Seite von US-Streitkr&auml;ften an milit&auml;rischen Aktionen gegen China beteiligen. Von <strong>Robert Fitzthum<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5365\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142625-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142625-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251126-Konflikt-China-Japan-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Da Japan sich seit 1972 dazu bekannt hat, Taiwan als Teil Chinas zu sehen, bedeutet Takaichis Aussage eine bewusste Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas. So hei&szlig;t es im &bdquo;Joint Communique of the Government of Japan and the Government of the People&rsquo;s Republic of China&ldquo;&nbsp;(1972): <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Regierung der Volksrepublik China bekr&auml;ftigt, dass Taiwan ein unver&auml;u&szlig;erlicher Teil des Territoriums der VR China ist. Die japanische Regierung versteht und respektiert diese Position der chinesischen Regierung voll und ganz und bekr&auml;ftigt ihre Verpflichtung, die in Artikel 8 der Potsdamer Erkl&auml;rung dargelegte Position zu respektieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es ist aber auch eine Missachtung der Kairoer Erkl&auml;rung und der Potsdamer Proklamation der Alliierten des Zweiten Weltkriegs sowie anderer internationaler Rechtsdokumente, die sich aus dem Zweiten Weltkrieg ergeben, und bedeutet eine Revision der Ergebnisse.<\/p><p><strong>Der Hintergrund auf chinesischer Seite<\/strong><\/p><p>Die Aussage Takaichis im Namen der japanischen Regierung ist nicht die Aussage eines beliebigen Staates, es ist kein einfacher diplomatischer Konflikt. Japan ist eine der ehemaligen Kolonialm&auml;chte Chinas, die sich als ersten Schritt im ungleichen Vertrag von Shimonoseki Teile Nordostchinas (Mandschurei)&nbsp; und auch Taiwan unter den Nagel gerissen hatte und 50 Jahre, bis zur Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg 1945, Taiwan kontrollierte. W&auml;hrend dieser Zeit versuchte Japan, die Insel zu &bdquo;japanisieren&ldquo;. Es f&uuml;hrte eine Reihe von Ma&szlig;nahmen zur politischen Kontrolle und Unterdr&uuml;ckung durch, bek&auml;mpfte in milit&auml;rischen Aktionen lokale chinesische und indigene Widerstandsbewegungen, verfolgte und ermordete Widerstandsk&auml;mpfer und patriotische Intellektuelle. Nach offiziellen Angaben sollen 600.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Japan zwang den Menschen eine Modernisierung der Gesellschaft auf, f&uuml;hrte das japanische Bildungssystem ein, zwang die Menschen, japanische Sprache und Kultur zu verwenden, und verfolgte und unterdr&uuml;ckte die lokale Kultur und Tradition. Lokale Ressourcen und Arbeitskr&auml;fte wurden brutal ausgebeutet.<\/p><p>Ab 1931 erweiterte Japan die blutige Besetzung Festlandchinas, mehr als 35 Millionen chinesischer Soldaten und Zivilisten wurden get&ouml;tet oder verwundet.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund muss man die harsche Antwort der chinesischen Regierung verstehen, die heute &ndash; im Gegensatz zur Vergangenheit &ndash; eine Einmischung Japans in die inneren Angelegenheiten Chinas nicht mehr hinnehmen muss, sondern sich dagegen zur Wehr setzen kann. Die Wiedervereinigung Taiwans mit Festlandchina ist ein Herzst&uuml;ck chinesischer Intentionen der endg&uuml;ltigen &Uuml;berwindung der Kolonialzeit und wird auch von der Bev&ouml;lkerung breit unterst&uuml;tzt. Takaichis Aussagen bedeuten eine Ermutigung der separatistischen Kr&auml;fte in Taiwan, die &uuml;brigens im Parlament keine Mehrheit haben und deren sogenannter Pr&auml;sident Lai Ching-te mit weniger als 50 Prozent der Stimmen der Bev&ouml;lkerung gew&auml;hlt wurde. Dazu kommt noch, dass Takaichi zur Zeit der APEC-Tagung auf <em>X<\/em> getwittert hat, dass sie den Seniorberater von Taiwans &bdquo;Office of the President&ldquo; getroffen hat &ndash; also die Anerkennung eines Pr&auml;sidenten von Taiwan, was der Vereinbarung, dass Taiwan ein Teil Chinas ist, widerspricht. Hier gibt es offensichtlich absichtliche Provokationen, ohne die Folgen zu &uuml;berlegen.<\/p><p>Beijing forderte Tokyo auf, Takaichis Aussagen zur&uuml;ckzunehmen, und sprach eine Reisewarnung f&uuml;r Reisen chinesischer Touristen nach Japan aus. Darauf stornierten Chinesen und Chinesinnen schon mehr als 500.000 Japanreisen, die japanischen Aktien der Reiseveranstalter fielen erheblich. Diese Entwicklung kann die japanische Tourismusindustrie&nbsp;2026 nach Sch&auml;tzungen einen Einnahmenausfall von ca. zehn Milliarden US-Dollar kosten. China ist gr&ouml;&szlig;ter Exportmarkt Japans, ein Schl&uuml;sselmarkt f&uuml;r japanische Exporte im Bereich Maschinen, Halbleiter, Automobile und chemische Produkte. Japan ist von China betreffend der Lieferung Seltener Erden abh&auml;ngig, eine absolute Notwendigkeit f&uuml;r die Auto- und Hochtechnologieindustrie in Japan. Die Aussage Takaichis kann zu schweren Sch&auml;den f&uuml;r Japans Wirtschaft f&uuml;hren, wenn sie sie nicht zur&uuml;ckzieht, was derzeit nicht so aussieht. Der japanische Au&szlig;enminister Motegi formulierte, dass die Bemerkung nicht gegen das V&ouml;lkerrecht versto&szlig;e und es keine Notwendigkeit gibt, sie zur&uuml;ckzuziehen.<\/p><p><strong>Der Hintergrund auf japanischer Seite<\/strong><\/p><p>Was ist der Hintergrund auf japanischer Seite, der Takaichi veranlasst, im Namen der japanischen Regierung als erste Premierministerin solche Aussagen zu machen?<\/p><p>In den letzten Jahren hat Japan seine Sicherheitspolitik drastisch ver&auml;ndert, erh&ouml;hte sein Verteidigungsbudget deutlich, lockerte Beschr&auml;nkungen f&uuml;r Waffenexporte und versuchte, offensive Waffen zu entwickeln sowie den Weg zu einer Militarisierung zu beschleunigen. Takaichis Regierung ist nicht eindeutig in ihrer Haltung zu Japans &bdquo;Drei Nicht-Atom-Prinzipien&ldquo;, wonach das Land weder Atomwaffen besitzt noch stationiert oder einf&uuml;hrt. Sie schlug sogar die M&ouml;glichkeit vor, sie aufzugeben.<\/p><p>Durch die neue Koalition mit der rechten &bdquo;Ishin Nippon&ldquo;-Partei hat die Liberal-Demokratische Partei LDP unter Takaichi die M&ouml;glichkeit, aktiv eine &Auml;nderung des Friedensartikels 9 der japanischen Verfassung voranzutreiben, der Japan den Besitz von offensivem Kriegspotenzial verbietet. Wenn es gelingt, im Parlament die Zweidrittelmehrheit daf&uuml;r zu bekommen, steht der japanischen Aufr&uuml;stung und einer aktiven Kriegspolitik nichts mehr im Wege &ndash; eine m&ouml;gliche Bedrohung f&uuml;r Ost- und S&uuml;dostasien.<\/p><p>Indem China als Gefahr und ein Eingreifen Chinas in Taiwan als Bedrohung f&uuml;r Japan dargestellt werden, versuchen die rechten und rechtsextremen Kr&auml;fte, die Stimmung im Land f&uuml;r Militarisierung und eine &Auml;nderung der Verfassung zu drehen. Sie verwenden das Taiwan-Thema, um die alte Macht Japans wiederherzustellen.<\/p><p>Takaichis politischer Aufstieg erfolgte im Umfeld des Revisionismus der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs und der Besch&ouml;nigung der Verbrechen des japanischen Faschismus. Sie besuchte auch immer wieder den ber&uuml;chtigten Yasukuni-Schrein, auf dem unter anderem 1.000 japanischen Kriegsverbrechern gedacht wird, darunter zw&ouml;lf der Kategorie A, also die &auml;rgsten Kriegsverbrecher und Kriegstreiber. Sie wurde als rechte Vergangenheitsleugnerin schon 1995 bekannt, als sie die offizielle Entschuldigung des japanischen Premierministers Murayama f&uuml;r die Angriffskriege und die Kolonialherrschaft kritisierte. Von der Infragestellung der Murayama-Erkl&auml;rung, die als H&ouml;hepunkt der Entschuldigung Japans f&uuml;r sein Fehlverhalten vor und w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs gilt, &uuml;ber die Leugnung des Massakers von Nanjing 1937 und die Leugnung der vielen von der japanischen Armee zwangsrekrutierten Prostituierten in China und Korea bis hin zur Verherrlichung militaristischer Symbole hat sie sich mit Fraktionen verb&uuml;ndet, die sich weigern, mit Japans fr&uuml;herer Aggression abzurechnen.<\/p><p>W&auml;hrend in Deutschland und &Ouml;sterreich die Zeit des Faschismus und der Kriegspolitik aufgearbeitet wurde und ein Einvernehmen &uuml;ber die Ablehnung der faschistischen Vergangenheit besteht, ist das in Japan keineswegs der Fall.<\/p><p><strong>Was kann man erwarten?<\/strong><\/p><p>Es ist nicht zu erwarten, dass China von seiner Forderung, Takaichi solle ihre Aussagen zur&uuml;cknehmen, abr&uuml;ckt. Im Gegenteil wird es weitere Ma&szlig;nahmen zur Verringerung der chinesisch-japanischen Kooperation geben. In Japan gibt es auch viel Widerstand gegen die Politik der jetzigen Regierung, hier vor allem in Okinawa, das aufgrund der vielen US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte bef&uuml;rchtet, wieder in einen Krieg hineingezogen zu werden. Ich denke, Takaichi wird sich nicht entschuldigen. Aber es wurde schon so manche au&szlig;enpolitische Krise in Japan durch Abl&ouml;sung des Premierministers gel&ouml;st &hellip;<\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: <strong>Robert Fitzthum<\/strong>, Jahrgang 1951, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universit&auml;t Wien und arbeitete als IT-Manager in &ouml;sterreichischen Banken sowie als selbstst&auml;ndiger Unternehmensberater. Er lebt seit 2013 als Schriftsteller in China. Er schrieb &bdquo;China verstehen&rdquo; (Promedia Verlag, 2018) und &bdquo;Erfolgreiches China&rdquo; (Goldegg Verlag, 2021). Sein aktuelles Buch &bdquo;Chinas &sbquo;Neue Reise&lsquo;: Sozialistische Modernisierung und die Bedeutung der Volksdemokratie&rdquo; erscheint 2025.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue japanische Premierministerin Takaichi schl&auml;gt hohe Wellen. Sie sagte Anfang November den Mitgliedern der Diet, dem japanischen Parlament, dass ein milit&auml;rischer Konflikt um Taiwan als Bedrohung f&uuml;r die Existenz Japans angesehen werden k&ouml;nnte, was&nbsp; &bdquo;kollektive Selbstverteidigung&ldquo; erm&ouml;glichen w&uuml;rde. Damit k&ouml;nnte sich Tokio an der Seite von US-Streitkr&auml;ften an milit&auml;rischen Aktionen gegen China beteiligen. 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