{"id":142654,"date":"2025-12-02T09:00:26","date_gmt":"2025-12-02T08:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142654"},"modified":"2025-12-02T09:09:38","modified_gmt":"2025-12-02T08:09:38","slug":"der-new-start-vertrag-laeuft-aus-wo-bleiben-die-bemuehungen-zur-rettung-des-strategischen-gleichgewichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142654","title":{"rendered":"Der New-START-Vertrag l\u00e4uft aus, wo bleiben die Bem\u00fchungen zur Rettung des Strategischen Gleichgewichts?"},"content":{"rendered":"<p>Im Februar 2026 wird der bilaterale New-START-Vertrag auslaufen. Entweder werden Washington und Moskau sich alsbald darauf einigen, einen Nachfolgevertrag zu verhandeln, oder aber der letzte R&uuml;stungskontrollvertrag zwischen dem Westen und der Russischen F&ouml;deration wird ersatzlos auslaufen. Als wahrscheinliche Konsequenz d&uuml;rfte eine unkontrollierte Aufr&uuml;stung im strategischen Nuklearbereich zu erwarten sein, so wie es bereits jetzt nach der einseitigen K&uuml;ndigung des INF-Vertrages durch die USA im nuklearen Mittelstreckenbereich zu beobachten ist. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie die Vertr&auml;ge entstanden sind, was f&uuml;r Konsequenzen das k&uuml;nftige Fehlen eines entsprechenden Vertragswerkes f&uuml;r die globale Sicherheit nach sich zieht und wie die Chancen f&uuml;r eine Neuauflage und die dahinterstehenden Interessen sind. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Menschheitsgeschichte ist voll von Kriegen und Konflikten. Bereits in kleinen sozialen Organisationseinheiten wie der Familien-, dem Freundes- und dem Kollegenkreis sind Konflikte angesichts unterschiedlicher materieller, reputativer oder weltanschaulicher Interessen die bedauerliche Normalit&auml;t. Nicht anders auf der zwischenstaatlichen, der internationalen Ebene. Auch Staaten konfligieren angesichts unterschiedlicher Interessen. Der personelle Aufbau von Streitkr&auml;ften, deren waffentechnische Ausstattung, ihre Finanzierung &ndash; all das zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte.<\/p><p>Der Krieg als die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln, wie es der preu&szlig;ische Milit&auml;rphilosoph Carl von Clausewitz einst formulierte, kam Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch an einen Punkt, an dem er als ein Mittel, ein Instrument zur Gestaltung der Au&szlig;enpolitik, der Diplomatie in eine Sackgasse geriet. Und diese Sackgasse hat einen Namen: die Atombombe! Die M&ouml;glichkeit des Atomkrieges ver&auml;nderte das Wesen des Krieges zwischen Staaten, die &uuml;ber die Atombombe verf&uuml;gen, fundamental, da das Mittel Krieg, das Instrument Krieg zur Erreichung politischer Ziele mit der Erfindung und m&ouml;glichen Nutzung der Atombombe und dem gesicherten nuklearen Zweitschlag der Gegenseite das Ende jeglicher Politik bedeuten w&uuml;rde, da es die Welt vernichten w&uuml;rde. Das F&uuml;hren eines Atomkrieges, in dem alle Konfliktseiten die Bombe anwendeten, w&uuml;rde zum Selbstzweck des Krieges werden, da das eigentliche Ziel des Krieges &ndash; die Erreichung politischer Ziele, die Saturierung politischer Interessen &ndash; nicht erreichbar w&auml;re.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich gab es nach 1945 bis heute weltweit eine Vielzahl zwischenstaatlicher Kriege. Aber sie wurden unterhalb der nuklearen Schwelle gef&uuml;hrt. Entweder waren es<\/p><ol>\n<li>Kriege zwischen Staaten, die lediglich &uuml;ber konventionelle milit&auml;rische F&auml;higkeiten verf&uuml;g(t)en, wie der erste Golfkrieg zwischen dem Iran und dem Irak, oder aber<\/li>\n<li>Kriege zwischen einem Nuklearwaffenstaat und einem Nicht-Nuklearwaffenstaat, bei dem der Nuklearwaffenstaat &ndash; wie die USA &ndash; ihre Nuklearwaffen trotz anstehender Niederlage jedoch nicht gegen den gegnerischen Staat &ndash; z.B. Vietnam &ndash; einsetzten, oder aber<\/li>\n<li>zwei Nuklearwaffenstaaten f&uuml;hrten kurze und niedrigschwellige bewaffnete Auseinandersetzungen auf konventioneller Ebene, verzichteten jedoch jeweils auf die Anwendung ihrer nuklearen Kapazit&auml;ten &ndash; wie Indien und Pakistan &ndash;, wohl wissend, dass sie damit ein Armageddon ausl&ouml;sen w&uuml;rden.<\/li>\n<\/ol><p>Das Zeitalter der Atombombe hat zwar bislang Kriege nicht absolut verhindern k&ouml;nnen, da die Clausewitz&lsquo;sche Pr&auml;misse nach wie vor gilt, solange die Atombombe nicht eingesetzt wird (Fall 2 und 3). Wohl aber hat die Atombombe einen, wenn auch von der Motivation her fragw&uuml;rdigen, Disziplinierungseffekt: Der Kalte Krieg ohne die &bdquo;Mutual Assured Distruction&ldquo; (MAD-Doktrin) w&auml;re vermutlich noch in den fr&uuml;hen 1950er-Jahren in einen hei&szlig;en Krieg umgeschlagen, so auch jetzt mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Der unmittelbare sichtbare Krieg findet zwischen Russland und der Ukraine statt &ndash; der Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der NATO. Und dass es bislang beim Stellvertreterkrieg geblieben ist, ist der beiderseitigen Furcht vor der dem Kriege innewohnenden Eskalationsdynamik zu &bdquo;verdanken&ldquo;, in einen umfassenden Atomkrieg abzugleiten.<\/p><p><strong>START-Vertr&auml;ge &ndash; was regulieren sie?<\/strong><\/p><p>Der atomare R&uuml;stungswettlauf zwischen den USA und der damaligen UdSSR gewann nicht nur wegen der immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Spreng- und somit Zerst&ouml;rungskraft der nuklearen Sprengk&ouml;pfe, sondern auch angesichts der wachsenden Reichweite ihrer Tr&auml;gersysteme an Bedeutung. Was ist damit gemeint? Eine Atombombe selbst ist erstmal &bdquo;nur&ldquo; eine immobile Massenvernichtungswaffe. Um sie einzusetzen, muss sie an den Zielort transportiert bzw. getragen werden. Es existieren diverse Tr&auml;gersysteme: Hierzu z&auml;hlen ballistische Raketen und Marschflugk&ouml;rper unterschiedlicher Reichweiten, U-Boote und Flugzeuge. Man spricht von landgest&uuml;tzten, seegest&uuml;tzten und luftgest&uuml;tzten Tr&auml;gersystemen. Bei den landgest&uuml;tzten Tr&auml;gersystemen unterscheidet man ihre &bdquo;Aufbewahrung&ldquo; zwischen station&auml;ren und mobilen Systemen. Die station&auml;ren Raketen sind in Silos geparkt und die mobilen auf daf&uuml;r hergerichtete LKWs montiert.<\/p><p>Jedenfalls nahm der nukleare R&uuml;stungswettlauf zwischen den USA und der UdSSR immer irrationalere Z&uuml;ge an. Die Mengen an nuklearen Sprengk&ouml;pfen sowie an Tr&auml;gersystemen erm&ouml;glichten eine vielfache Zerst&ouml;rung der Erde (nuklearer Overkill). Damit wuchsen nicht nur die Kosten f&uuml;r den R&uuml;stungswettlauf, sondern auch die Gefahren technischer oder menschlicher Fehler. Der START-Vertrag war eine durchaus sinnvolle und auch erfolgreiche Ma&szlig;nahme, zumindest einen Teil der nuklearen &bdquo;&Uuml;berkapazit&auml;ten&ldquo; abzubauen. Der Begriff &bdquo;START&ldquo; steht f&uuml;r &bdquo;Strategic Arms Reduction Treaty&ldquo; (Strategischer Atomwaffen-Reduzierungsvertrag). Der Begriff &bdquo;strategisch&ldquo; bezieht sich auf die Reichweite der Tr&auml;gersysteme (n&auml;mlich interkontinental) sowie auf die hohe Spreng- und sodann Zerst&ouml;rungskraft der Sprengk&ouml;pfe selbst. W&auml;hrend die nuklearen Mittelstreckenraketen der UdSSR &ndash; heute Russland &ndash; und der USA in Europa in einem Krieg &bdquo;lediglich&ldquo; Europa zerst&ouml;rt h&auml;tten bzw. zerst&ouml;ren w&uuml;rden, h&auml;tten die Strategischen Nuklearwaffensysteme sowohl die USA selbst als auch das gesamte Territorium der UdSSR &ndash; heute Russland &ndash; zerst&ouml;ren k&ouml;nnen bzw. w&uuml;rden sie zerst&ouml;ren.<\/p><p><strong>START-I-Vertrag<\/strong><\/p><p>Bereits im Jahre 1982 begannen die ersten Gespr&auml;che zwischen den beiden nuklearen Superm&auml;chten &uuml;ber den begrenzten Abbau der strategischen nuklearen F&auml;higkeiten beider Seiten. Dem vorausgegangen waren die &bdquo;SALT I&ldquo;- und &bdquo;SALT II&ldquo;-Gespr&auml;che in den 1970er-Jahren, die eine Begrenzung (nicht Reduktion, sondern nur keinen weiteren Aufbau) Strategischer Nuklearwaffen vorsahen und auch den ABM-Vertrag miteinschlossen. &bdquo;SALT&ldquo; steht f&uuml;r &bdquo;Strategic Arms Limitations Talks&ldquo; (Strategische Atomwaffen-Begrenzungsgespr&auml;che).<\/p><p>Der &bdquo;START 1&ldquo;-Vertrag wurde 1991 von den USA und der UdSSR unterzeichnet; trat nach der jeweiligen parlamentarischen Ratifikation 1994 in Kraft und lief 2009 &ndash; unter Beibehaltung der vereinbarten Obergrenzen &ndash; aus. Der Vertrag regelte den begrenzten Abbau der strategischen Gefechtsk&ouml;pfe wie auch der strategischen Tr&auml;gersysteme auf 1.600 Tr&auml;gersysteme sowie 6.000 nukleare Sprengk&ouml;pfe auf jeder Seite innerhalb von sieben Jahren sowie M&ouml;glichkeiten von Vor-Ort-Inspektionen durch R&uuml;stungsexperten. Hintergrund ist, dass zwar durch Satellitenaufkl&auml;rung die Zahlen der Tr&auml;gersysteme weitgehend verifiziert werden kann, die &Uuml;berwachung der Menge nuklearer Sprengk&ouml;pfe jedoch nicht durch Luft- und Weltraum&uuml;berwachung m&ouml;glich ist. Um diese &Uuml;berpr&uuml;fung handhaben zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen Experten der jeweils anderen Seite Zugang zu den Tr&auml;gersystemen und Sprengk&ouml;pfen erhalten; denn insbesondere ballistische Raketen und Flugzeuge k&ouml;nnen auch sogenannte Mehrfachsprengk&ouml;pfe transportieren &ndash; also eine Rakete und ein Flugzeug kann mehrere Atombomben tragen.<\/p><p>Im Jahre 2001 erkl&auml;rten beide Seiten, ihre Vertragsverpflichtungen erf&uuml;llt zu haben.<\/p><p><strong>START-II-Vertrag<\/strong><\/p><p>Bereits 1993 unterzeichneten die Pr&auml;sidenten Russlands und der USA mit dem START-II-Vertrag einen Nachfolge- und Erg&auml;nzungsvertrag zum urspr&uuml;nglichen START-Vertrag, um den weiteren Abbau der strategischen Arsenale voranzutreiben. Schlie&szlig;lich schien der Kalte Krieg beendet zu sein. Vereinbartes Ziel war es, die Zahl der nuklearen Sprengk&ouml;pfe auf 3.000 bis 3.500 zu reduzieren. Dar&uuml;ber hinaus sollte das System der Mehrfachsprengk&ouml;pfe, montiert auf besonders schweren Interkontinentalraketen (&bdquo;ICBM&ldquo; = &bdquo;Intercontinental Ballistic Missile&ldquo;), verboten werden.<\/p><p>1996 ratifizierten die USA den Vertrag. Russland hingegen verschob die Ratifikation zweimal angesichts der Luftangriffe der USA gegen den Irak 1998 (zwecks Einhaltung der von den USA unilateral bestimmten sogenannten Flugverbotszonen im Irak) sowie des 77-t&auml;gigen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen Jugoslawien 1999. Erst im Jahr 2000 ratifizierte Russland den START-II-Vertrag. Allerdings verband Russland die Umsetzung des ratifizierten START-II-Vertrages an die noch ausstehenden US-Ratifikationen der mit dem ABM-Vertrag in Verbindung stehenden Luftabwehrf&auml;higkeiten. Als dann 2001 die USA auch noch den ABM-Vertrag selbst einseitig aufk&uuml;ndigten und diese Aufk&uuml;ndigung 2002 in Kraft trat, zog sich Moskau genau einen Tag sp&auml;ter aus dem START-II-Abkommen zur&uuml;ck. Damit war auch das urspr&uuml;nglich im START-II-Abkommen anvisierte Vorhaben, einen Folgevertrag &ndash; also START-III &ndash; auszuhandeln, vom Tisch.<\/p><p>Der Hintergrund ist, dass auf der einen Seite die nuklear-strategischen F&auml;higkeiten vertragsgem&auml;&szlig; weiter abgebaut worden w&auml;ren, zugleich jedoch f&uuml;r die USA mit dem Ausstieg aus dem ABM-Vertrag und somit dem Aufbau eines Raketenabwehrsystems die M&ouml;glichkeit im Raume stand, Russlands restliche nukleare F&auml;higkeiten und sodann <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141913\">Zweitschlagsf&auml;higkeiten zu neutralisieren<\/a> und damit das Strategische Gleichgewicht zu Gunsten der USA zu kippen.<\/p><p><strong>SORT<\/strong><\/p><p>2001 erkl&auml;rten sich die US-Administration unter George Bush jr. und der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin bereit, weitere Abr&uuml;stungsschritte zu unternehmen. Unter dem Begriff &bdquo;SORT&ldquo; (Strategic Offensive Reductions Treaty&ldquo;), auch &bdquo;Moskauer Vertrag&ldquo; genannt, wurden neue Zielmarken festgelegt. Jedoch war der SORT-Vertrag hinsichtlich seiner Bestimmungen wesentlich unbestimmter als die START-Vertr&auml;ge.<\/p><p><strong>New START<\/strong><\/p><p>Erst mit der Aushandlung eines neuen START-Vertrages, des sogenannten New-START, und dessen Unterzeichnung 2010 kann man von einem echten Nachfolgevertrag des 2009 ausgelaufenen START-I-Vertrag sprechen. 2011 trat der New-START-Vertrag in Kraft. Darin wurden folgende Abr&uuml;stungsverpflichtungen vereinbart:<\/p><ul>\n<li>Abbau der strategischen Nuklearsprengk&ouml;pfe auf eine Obergrenze von 1.550.<\/li>\n<li>Die Obergrenze der stationierten und nicht-stationierten Tr&auml;gersysteme wurde auf 800 festgelegt. Allerdings d&uuml;rfen nur 700 Tr&auml;gersysteme aktiv im Dienst stehen.<\/li>\n<li>Der Implementierungszeitraum sollte sieben Jahre betragen.<\/li>\n<li>Der bilaterale Inspektionsmechanismus, also auch Vor-Ort-Inspektionen, wurde erneut festgeschrieben.<\/li>\n<li>Die Vertragsdauer umfasst zehn Jahre, wobei eine Verl&auml;ngerungsoption um weitere f&uuml;nf Jahre vereinbart wurde.<\/li>\n<\/ul><p>Die Option der Vertragsverl&auml;ngerung um f&uuml;nf Jahre wurde 2021 auch tats&auml;chlich genutzt. Diese f&uuml;nf Jahre laufen im Februar 2026 aus.<\/p><p>Aber bereits 2022 kam es zu schwerwiegenden Konflikten. Hintergrund ist der rechtswidrige Einmarsch der Russischen F&ouml;deration in die Ukraine im Kontext der fortgesetzten &bdquo;Open door&ldquo;-Politik der NATO, also NATO-Osterweiterung, wodurch Russland seine Sicherheitsinteressen gef&auml;hrdet sieht.<\/p><p>Moskau beklagte sich, dass seine Waffeninspekteure zur Vor-Ort-Inspektion im Rahmen von New-START nun Einreiseschwierigkeiten ausgesetzt seien. Mit dieser Argumentation setzte Russland noch 2022 das Verifikationsregime aus, womit auch US-Waffeninspekteuren der Zutritt zu russischen Einrichtungen bis heute untersagt wurde. Damit wurde die gegenseitige Kontrolle zur Quantifizierung der nuklearen Sprengk&ouml;pfe faktisch au&szlig;er Kraft gesetzt, womit eine heimliche Aufr&uuml;stung m&ouml;glich ist.<\/p><p>Im Februar 2023 erkl&auml;rte der russische Pr&auml;sident Putin schlie&szlig;lich die Aussetzung des New-START-Vertrages.<\/p><p><strong>New-START-Folgevertrag?<\/strong><\/p><p>Die Situation ist nun kompliziert: nicht nur, dass es bislang keine sichtbaren Initiativen zu neuen Verhandlungen f&uuml;r einen Nachfolgevertrag gibt, sondern dass auch der noch g&uuml;ltige Vertrag nicht mehr implementiert wird. Hinzu kommen Forderungen auf beiden Seiten, die die M&ouml;glichkeiten einer baldigen Initiative erneut in weite Ferne r&uuml;cken lassen:<\/p><p>Die USA fordern einen trilateralen Vertrag, d.h. die Einbindung der Atommacht China. China hingegen lehnt eine Einbindung angesichts seiner signifikant geringeren Menge an strategischen Sprengk&ouml;pfen und Tr&auml;gersystemen ab.<\/p><p>Und Russland fordert den vollst&auml;ndigen R&uuml;ckzug der westlichen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine als Vorbedingung f&uuml;r neue Verhandlungen.<\/p><p>Solange beide Seiten die Voraussetzungen f&uuml;r eine Neuauflage des START-Vertrages an &bdquo;externe&ldquo; Kriterien (Beendigung der westlichen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine sowie Chinas Einbindung in das k&uuml;nftige Vertragswerk) binden, so lange scheint sich nichts zu bewegen.<\/p><p>Wenn man zu einem konkreten Verhandlungsgegenstand weitere &bdquo;externe&ldquo; Elemente hinzuf&uuml;gt, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, das eigentliche Ziel &ndash; hier die weitere Einhegung der nuklear-strategischen Potenziale &ndash; zu erreichen. Daher werden in schwierigen Verhandlungen h&auml;ufig sehr kontroverse &bdquo;Nebenthemen&ldquo; ausgeklammert, um das eigentliche Ziel doch noch zu erreichen. Hier kommt nun die Bedeutungszuschreibung der &bdquo;Nebenthemen&ldquo; ins Spiel: Was wiegt schwerer f&uuml;r Russland &ndash; die Fortsetzung der nuklear-strategischen Abr&uuml;stung als solche oder die Forderung nach einer Einstellung der westlichen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine? Da Moskau diese Ukraine-Unterst&uuml;tzung jedoch als wesentlichen Pixel im geostrategischen Gesamtbild sieht, ist zumindest derzeit ein Abr&uuml;cken von diesem &bdquo;Nebenthema&ldquo; nicht in Sicht. Hinzu kommen die ukrainischen Angriffe auf die strategische Bomberflotte sowie auf die strategischen Fr&uuml;hwarnsysteme Russlands, die Moskau als von den westlichen Unterst&uuml;tzern der Ukraine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134444\">mindestens geduldete Handlung sieht<\/a>.<\/p><p>Nicht minder kompliziert ist die Forderung der USA, China m&uuml;sse als Dritter Verhandlungs- und Vertragspartner dabei sein. Ob die Forderung berechtigt ist oder nicht, soll hier nicht gekl&auml;rt werden, nur: Russland hat wohl keinen Einfluss darauf, ob die chinesische F&uuml;hrung Vertragspartner sein m&ouml;chte oder nicht. Das hei&szlig;t mit anderen Worten: Hier wird seitens der USA ein &bdquo;Nebenthema&ldquo; zur Voraussetzung erkl&auml;rt, dass Moskau gar nicht in der Lage ist zu l&ouml;sen. Damit liegt der Ball wieder in Washington: Sind die USA bereit, diese Voraussetzung aufzugeben, oder halten sie daran fest mit der hohen Wahrscheinlichkeit, dass es keinen Nachfolgevertag geben wird?<\/p><p><strong>Konsequenzen<\/strong><\/p><p>Wie auch immer: Die internationalen Rahmenbedingungen f&uuml;r eine Neuauflage eines START-Vertrages sind derzeit denkbar schlecht. Die Tatsache, dass die Welt im Umbruch ist und der Westen seine Globaldominanz verliert, ist f&uuml;r Washington nicht unbedingt ein Anreiz, weitere Abr&uuml;stungsschritte einzugehen, um damit seine Potenziale zur Machtprojektion selbst zu verkleinern. Nicht minder die Situation f&uuml;r Russland: Da es sich in der Ukraine eben nicht nur um einen direkten Krieg zwischen der Ukraine und Russland handelt, sondern auch um einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und dem Westen, der tats&auml;chlich auch zu einem direkten Krieg zwischen beiden Akteuren entgleiten kann, scheint die Abr&uuml;stung nuklear-strategischer F&auml;higkeiten derweil nicht ganz oben auf der Priorit&auml;tenliste zu stehen.<\/p><p>Damit steigt quasi automatisch die Gefahr der Aufr&uuml;stung der strategischen Sprengk&ouml;pfe sowie ihrer Tr&auml;gersysteme auf beiden Seiten. Diese Gefahr eines strategischen R&uuml;stungswettlaufs plus eines Wettlaufs im Bereich der Raketenabwehrsysteme sowie ein Wettlauf um die F&auml;higkeiten, diese wiederum zu &uuml;berwinden, f&uuml;hrt zu mehr Instabilit&auml;ten, technischen wie menschlichen Unberechenbarkeiten und R&uuml;stungsausgaben.<\/p><p><small>Titelbild: Pr&auml;sident Barack Obama und der russische Pr&auml;sident Dmitri Medwedew unterzeichnen den neuen START-Vertrag w&auml;hrend einer Zeremonie auf der Prager Burg in Prag, Tschechische Republik, am 8. April 2010 &ndash; Quelle: <a href=\"https:\/\/obamawhitehouse.archives.gov\/sites\/default\/files\/image\/image_file\/P040810CK-0386_0.jpg\">Chuck Kennedy<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142589\">Europa will von Frieden nichts wissen: &bdquo;Land muss bereit sein, seine Kinder zu verlieren&ldquo; und Luftwaffe soll &bdquo;Siegf&auml;higkeit&ldquo; mitbringen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135765\">Analyse: Internationale Vertr&auml;ge gegen Atomwaffen und ihre Wirkkraft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138194\">&bdquo;Wir m&uuml;ssen eine atomwaffen- und gewaltfreie Welt schaffen!&ldquo; &ndash; Ein Film &uuml;ber Michail Gorbatschow und deutsche Wahlverwandtschaften<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121675\">&bdquo;Ich spreche von einem mindestens europaweiten Krieg mit Atomwaffen&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/36e88a9012b74995b5d89b32c79105fb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Februar 2026 wird der bilaterale New-START-Vertrag auslaufen. 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