{"id":142726,"date":"2025-11-27T09:00:22","date_gmt":"2025-11-27T08:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142726"},"modified":"2026-01-29T11:47:35","modified_gmt":"2026-01-29T10:47:35","slug":"die-regierung-darf-ihr-zensursystem-nicht-an-ngos-auslagern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142726","title":{"rendered":"\u201eDie Regierung darf ihr Zensursystem nicht an NGOs auslagern\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche hat die gemeinn&uuml;tzige Initiative <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/\">liber-net<\/a> ihren neuen <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/germany\/\">Bericht<\/a> &bdquo;<strong>Das Zensurnetzwerk: Regulierung und Repression im heutigen Deutschland&ldquo;<\/strong> &uuml;ber die deutliche Ausweitung staatlicher und privatwirtschaftlicher Eingriffe in die digitale Informationsfreiheit in Deutschland in den letzten Jahren ver&ouml;ffentlicht und bei Veranstaltungen in Br&uuml;ssel und Berlin vorgestellt. In einem Bericht und einer ausf&uuml;hrlichen Datenbank dokumentiert sie, wie in den vergangenen Jahren ein immer dichteres Geflecht aus Organisationen, Projekten, Ma&szlig;nahmen und technischen Instrumenten zur Abwehr sogenannter Desinformation und Hassrede entstanden ist. Strukturelle Ver&auml;nderungen, die im Ergebnis laut liber-net den &ouml;ffentlichen Debattenraum in Deutschland zunehmend verengt haben. Zu dem Bericht und seinen Erkenntnissen &uuml;ber die Einschr&auml;nkung der Meinungsfreiheit in Deutschland hat <strong>Maike Gosch<\/strong> mit dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von liber-net, <strong>Andrew Lowenthal<\/strong>, ein ausf&uuml;hrliches Gespr&auml;ch gef&uuml;hrt.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6419\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142726-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142726-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251127_Die_Regierung_darf_ihr_Zensursystem_nicht_an_NGOs_auslagern_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em><strong>Hinweis in eigener Sache<\/strong>: Die Autorin hat im Sommer 2025 an Recherchen und &Uuml;bersetzungen f&uuml;r den genannten Bericht und die Datenbank mitgewirkt. NDS-Redakteur Florian Warweg hat <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143453#h02\">die Veranstaltung in Berlin moderiert<\/a>.<\/em><\/p><p>Laut liber-net bel&auml;uft sich die staatliche F&ouml;rderung f&uuml;r sogenannte Inhaltskontrollen oder -moderationen in Deutschland zwischen 2016 und 2025 auf rund 105,6 Mio. Euro. Der <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/de-report-de.pdf\">Bericht<\/a> und die <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/de-censorshipnetwork\">Datenbank<\/a> legen dar, dass in Deutschland mehr als 330 staatliche Stellen, NGOs, wissenschaftliche Zentren, Thinktanks, Stiftungen und Netzwerke an der sogenannten Inhaltskontrolle beteiligt sind. Zudem <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/de-funding\">dokumentiert<\/a> liber-net &uuml;ber 420 &ouml;ffentliche und private Zusch&uuml;sse und F&ouml;rdermittel, die f&uuml;r diese Art von Inhaltskontrollen vergeben wurden. Liber-net warnt davor, dass dieses gesamte Netzwerk zunehmend ein Klima erzeugt, das die freie Meinungs&auml;u&szlig;erung bedroht. Aber wie l&auml;sst sich die Wahrung der Meinungsfreiheit mit legitimen Ma&szlig;nahmen zur Gefahrenabwehr im Netz vereinbaren? Hierzu sprechen wir mit Andrew Lowenthal im Interview:<\/p><p><strong>Maike Gosch: Liebe Andrew Lowenthal, warum haben Sie und liber-net sich &ndash; nach den Untersuchungen zu den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117818\">Twitter-Files<\/a>, an denen Sie ja auch beteiligt waren, und der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105485\">Westminster-Erkl&auml;rung<\/a> zur Meinungsfreiheit &ndash; dazu entschlossen, die Organisationen, Projekte und F&ouml;rderungen zu Inhaltskontrolle im Internet in Deutschland zu untersuchen? <\/strong><\/p><p><strong>Andrew Lowenthal:<\/strong> Unser Bericht besch&auml;ftigt sich mit den Organisationen, der Ideologie und den Urspr&uuml;ngen des deutschen Systems digitaler Inhaltskontrollen. Wir haben ihn erstellt, weil wir uns gro&szlig;e Sorgen um den Zustand der Meinungsfreiheit im Westen machen und die Vermutung hatten, dass Deutschland eines der L&auml;nder ist, in dem die Meinungsfreiheit besonders bedroht ist. Wegen Deutschlands Rolle als industrieller Motor Europas und als gr&ouml;&szlig;tes und m&auml;chtigstes Land im Block hat alles, was in Deutschland passiert, Auswirkungen auf den Rest Europas und dar&uuml;ber hinaus auf den Westen insgesamt.<\/p><p><strong>Da der Bericht und die Datenbank versuchen, Finanzierungen und auch die Personen hinter dem von Ihnen als &bdquo;Zensurnetzwerk&ldquo; bezeichneten Geflecht nachzuverfolgen, k&ouml;nnen Sie unseren Leserinnen und Lesern etwas &uuml;ber Ihre eigene Organisation liber-net sagen? Wer steckt dahinter, wer finanziert Sie?<\/strong><\/p><p>Liber-net ist eine in den USA registrierte gemeinn&uuml;tzige Organisation nach Paragraph 501c3. Unser Schwerpunkt liegt auf dem, was wir digitale B&uuml;rgerrechte nennen, besonders auf Fragen von Meinungsfreiheit und Zensur. Wir haben eine Reihe von Unterst&uuml;tzern aus dem gesamten politischen Spektrum, die alle ein gro&szlig;es Interesse an Fragen der Meinungsfreiheit haben. Unser gr&ouml;&szlig;ter Geldgeber ist Mark Gorton, der das MAHA Institute leitet, eine Initiative, die die Gesundheits- und Wissenschaftspolitik in den USA ver&auml;ndern m&ouml;chte.<\/p><p><strong>Welche Methode haben Sie in diesem Projekt angewandt und wie sollten der Bericht und insbesondere die Datenbank aus Ihrer Sicht genutzt werden?<\/strong><\/p><p>Wir haben im Grunde nach allen Organisationen gesucht, die in irgendeiner Form mit dem zu tun haben, was wir Inhaltskontrollen nennen, besonders Projekte, die sich der Bek&auml;mpfung von Desinformation oder Hassrede widmen. Diese haben wir in einer gro&szlig;en Tabelle erfasst. Dann haben wir Datenbanken nach F&ouml;rdergeldern durchsucht und daf&uuml;r eine eigene Datenbank erstellt. Insgesamt haben wir fast 330 Organisationen gefunden, einschlie&szlig;lich Ministerien. Ich erw&auml;hne das, weil ich online oft lese, dass die Regierung hierbei nicht beteiligt sei, aber sie geh&ouml;rt auf jeden Fall dazu. Au&szlig;erdem haben wir mehr als 420 F&ouml;rderungen dokumentiert.<\/p><p>Dann haben wir die Organisationen nach Kriterien bewertet und ihnen je nach Gef&auml;hrdungspotenzial f&uuml;r die Meinungsfreiheit zwischen eins und f&uuml;nf rote Flaggen gegeben, um herauszufinden, wer die problematischsten Akteure sind. F&uuml;nf Flaggen gab es f&uuml;r Organisationen, die Inhalte unmittelbar entfernen oder melden oder sich hierf&uuml;r einsetzen. Eine Flagge stand beispielsweise f&uuml;r kleinere Bildungsinitiativen, die sich nur mit dem Thema Desinformation besch&auml;ftigen, aber nicht aktiv Inhalte entfernen lassen. Der Punkt war, das Gesamtbild sichtbar zu machen und zu zeigen, wie gro&szlig; dieses Feld ist.<\/p><p>Die Idee einer Datenbank statt einzelner Geschichten &uuml;ber einzelne NGOs oder Ministerien entstand, weil es einfach zu viele waren. Wir hoffen, dass wir hiermit eine Grundlage gelegt haben und dass Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten die Datenbank nun nutzen, um weiter und tiefer zu recherchieren.<\/p><p><strong>Was hat Sie und Ihr Team am meisten &uuml;berrascht, als Sie in die Recherche eingestiegen sind?<\/strong><\/p><p>Dass die Zahl der Organisationen, die wir fanden, einfach immer weiter wuchs. Urspr&uuml;nglich habe ich mit etwa hundert gerechnet, nicht mit mehr als dreihundert, und ich bin sicher, dass wir noch einige weitere gefunden h&auml;tten, wenn wir weitergesucht h&auml;tten.<\/p><p>Ein weiterer Punkt ist die sehr offene Zusammenarbeit dieser Organisationen mit der Regierung. In den USA hat der erste Verfassungszusatz dazu gef&uuml;hrt, dass die Regierung viele ihrer Beziehungen zu Faktencheckern und Anti-Desinformation-Akteuren verbergen musste, weil aus rechtlichen Gr&uuml;nden nicht erkennbar sein durfte, dass sie &bdquo;&uuml;ber die Bande&ldquo; durch dritte Organisationen Inhalte entfernen lie&szlig;. Genau das ist aber passiert.<\/p><p>In Deutschland gibt es zwar auch Schutzmechanismen f&uuml;r Meinungsfreiheit, aber deutlich schw&auml;chere als den ersten Zusatzartikel, deshalb erfolgen diese Kooperationen hier sehr offen. Die Regierung ist erstaunlich transparent bei der Finanzierung, und in progressiven zivilgesellschaftlichen Gruppen scheint es kaum jemanden zu st&ouml;ren, dass so viele von ihnen im Grunde Regierungsauftragnehmer sind.<\/p><p>Und dann auch die v&ouml;llige Ironiefreiheit und die mangelnde Selbstreflexion vieler Projekte. Ein Projekt nannte sich zum Beispiel &bdquo;Machine against the Rage&ldquo; (Maschine gegen Wut), ohne jegliches Bewusstsein daf&uuml;r, was das eigentlich impliziert.<\/p><p><strong>Was sind Ihre drei wichtigsten Erkenntnisse aus der Recherche &uuml;ber die Verh&auml;ltnisse in Deutschland? <\/strong><\/p><p>Erstens, dass viele dieser Anti-Desinformation- und Anti-Hassrede-Projekte im Kern politische Projekte sind, die den &bdquo;Schutz der Wahrheit&ldquo; oder das &bdquo;Stoppen von Hass&ldquo; als Werkzeuge nutzen, um politische Gegner zu bek&auml;mpfen.<\/p><p>Zweitens, wie viele NGOs eigentlich quasi staatliche Organisationen sind, also Regierungs-NGOs, und keineswegs unabh&auml;ngig, obwohl sie genau das behaupten <em>(Anm. d. &Uuml;bersetzerin: NGO steht f&uuml;r Non Governmental Organisation, also: Nichtregierungsorganisation).<\/em><\/p><p>Drittens, wie weit sich die Zivilgesellschaft von ihrem urspr&uuml;nglichen Auftrag entfernt hat, n&auml;mlich Macht zu kontrollieren, und stattdessen mit den M&auml;chtigen zusammenarbeitet, um die &ouml;ffentliche Debatte der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu &uuml;berwachen.<\/p><p><strong>Es gibt in diesem Bereich nat&uuml;rlich gutwillige und b&ouml;swillige Akteure. Wo w&uuml;rden Sie diese Unterscheidung treffen?<\/strong><\/p><p>Das ist schwierig, denn viele glauben, dass sie etwas Gutes tun, wenn sie das Internet von &bdquo;falschem Denken&ldquo; s&auml;ubern. Oft sind gerade die leidenschaftlichsten Zensoren davon &uuml;berzeugt und bemerken nicht, dass ihr Handeln zutiefst politisch ist. Deshalb ist gut oder b&ouml;se nicht immer die sinnvollste Unterscheidung, weil man schwer in die K&ouml;pfe der Leute schauen kann. Wir bewerten daher nach Handlungen. Versuchen sie, wahre oder zumindest debattierbare Inhalte zu entfernen? Haben sie ein Weltbild, in dem Wahrheit etwas ist, das nur eine kleine Elite bestimmen kann, und der Rest der Bev&ouml;lkerung muss gehorchen? Oder glauben sie, dass wir der Wahrheit n&auml;herkommen, indem wir miteinander sprechen, diskutieren und uns austauschen?<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie nachvollziehen, warum staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen und auch Teile der &Ouml;ffentlichkeit diese Form der &bdquo;Moderation&ldquo; f&uuml;r notwendig halten? Was ist das Narrativ, das diesen immensen Aufwand und die vielen Millionen Euro rechtfertigt? Und wie w&uuml;rden Sie ihnen nach Sichtung Ihrer Daten antworten?<\/strong><\/p><p>Es gibt viele Inhalte im Netz, die nicht stimmen, und es gibt auch viele unfreundliche oder unangenehme Menschen. Ich glaube aber, dass diese Bedrohung &uuml;bertrieben dargestellt wurde und politische Akteure die Gesellschaft in eine Art moralische Panik getrieben haben, um Zustimmung zu diesen Eingriffen in die Meinungsfreiheit zu bekommen. Au&szlig;erdem wird f&uuml;r dieses Problem immer nur eine L&ouml;sung angeboten: Unterdr&uuml;ckung. Dabei g&auml;be es mit moderner Technik viel mehr M&ouml;glichkeiten, wie wir uns in diesem digitalen Sumpf orientieren k&ouml;nnten.<\/p><p>Meine Antwort an sie w&auml;re: Auch ihr k&ouml;nntet eines Tages auf der falschen Seite von &bdquo;Desinformation&ldquo; oder &bdquo;Hassrede&ldquo; stehen. Ich glaube, das ist vielen eher linksgerichteten Menschen im Gaza-Krieg klar geworden. Pl&ouml;tzlich richtete sich das System, das zuvor vor allem Corona-Kritiker und &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; traf, gegen sie selbst.<\/p><p><strong>Wie unterscheidet sich die Lage in Deutschland von der Entwicklung in den USA? Wo sind die Bedingungen f&uuml;r die Meinungsfreiheit schlechter?<\/strong><\/p><p>Das System unter Biden &auml;hnelte sehr stark dem, das heute in Deutschland existiert. W&auml;hrend Trump viele Anti-Desinformation-Projekte abgeschafft hat, bringt er nat&uuml;rlich neue Herausforderungen f&uuml;r die Meinungsfreiheit mit sich, aber seine Eingriffe sind eher offen sichtbar. Das System unter Biden und das aktive System in Deutschland sind hingegen im Hintergrund t&auml;tig und weniger transparent. Ich w&uuml;rde sagen, die Lage ist in Deutschland schlechter, weil man hier eine ganze Infrastruktur daf&uuml;r aufgebaut hat. Die Trump-Regierung hat im Vergleich dazu keinerlei komplexes System geschaffen.<\/p><p><strong>Wie haben Sie den Bericht vorgestellt und wie waren die Reaktionen?<\/strong><\/p><p>Wir haben ihn am 19. November in Br&uuml;ssel vorgestellt, gemeinsam mit Thomas Geisel (BSW), Mitglied des Europ&auml;ischen Parlaments. Ulrike Gu&eacute;rot und Aya Velazquez haben ebenfalls gesprochen. Am Freitag, dem 21. November, fand eine zweite Vorstellung in Berlin statt, die sehr gut besucht war. Die Reaktionen waren deutlich gr&ouml;&szlig;er als erwartet. Viele Medien haben dar&uuml;ber berichtet und zeitweise war der Bericht sogar auf <em>X<\/em> im Trend. Ich habe den Eindruck, dass sehr viele Menschen &uuml;ber dieses Thema sprechen wollen. Wenn wir dazu einen Beitrag leisten konnten, freue ich mich sehr dar&uuml;ber.<\/p><p><strong>Es gab nat&uuml;rlich auch Gegenwind und Kritik am Bericht, vor allem nachdem AfD-Politiker und ihnen nahestehende Menschen die Ergebnisse verbreitet haben. Es gab sogar den Vorwurf, Ihre Arbeit werde von Russland finanziert. Ist der Bericht ein parteiisches politisches Projekt? Und wo stehen Sie und liber-net selbst hierbei?<\/strong><\/p><p>Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen online Anschuldigungen ohne jeden Beleg in den Raum stellen. Nein, wir werden nicht von Russland finanziert.<\/p><p>Wir sind nur parteiisch f&uuml;r Meinungsfreiheit. Und auch wenn die Linke <em>(Anm. d. &Uuml;bersetzerin: Die politische Richtung, nicht die Partei)<\/em> in den vergangenen zehn Jahren ziemlich durchgedreht ist, w&uuml;rde ich mich selbst weiterhin der Linken zuordnen, zumindest der Version von vor zehn Jahren. Jede und jeder hat eine eigene Sicht. Unsere ist einfach die klassische Position f&uuml;r Meinungsfreiheit, die in liberalen und progressiven Kreisen fr&uuml;her v&ouml;llig unstrittig war.<\/p><p><strong>Was empfehlen Sie angesichts Ihrer Erkenntnisse? Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden, um die Lage f&uuml;r Meinungsfreiheit in Deutschland zu verbessern?<\/strong><\/p><p>Erstens, die Zivilgesellschaft muss wieder klar vom Staat getrennt werden. Die Regierung darf ihr Zensursystem nicht an NGOs auslagern, und NGOs d&uuml;rfen nicht zu Regierungsauftragnehmern werden, besonders nicht im politischen Bereich &ndash; es geht hier nicht um die Finanzierung von Suppenk&uuml;chen.<\/p><p>Zweitens sollten Technologieunternehmen es Nutzern viel leichter machen, selbst zu steuern, was sie sehen wollen, sodass Inhalte nicht immer gleich vollst&auml;ndig entfernt werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Drittens sollten Wissenschaft und NGOs ihre gesamten erkenntnistheoretischen Grundannahmen &uuml;berdenken, die dem Anti-Desinformation-System zugrunde liegen, und zu Modellen &uuml;bergehen, die Dialog und offene und freie Erkenntnisgewinnung beg&uuml;nstigen. Zumal die gegenw&auml;rtigen Modelle nicht einmal funktionieren: Denn sie reduzieren die Polarisierung der Gesellschaft ja gerade nicht, sondern versch&auml;rfen sie massiv.<\/p><p><strong>Wie geht Ihre Arbeit nach dieser Ver&ouml;ffentlichung weiter, was sind die n&auml;chsten Schritte?<\/strong><\/p><p>Wir wollen Journalistinnen und Journalisten, politische Entscheidungstr&auml;ger und Verfechter der freien Rede ermutigen, den Bericht und die Datenbank zu nutzen, weiter zu recherchieren und die Debatte dar&uuml;ber weiter zu f&uuml;hren. Die Reaktionen der vergangenen Woche zeigen, dass das Thema f&uuml;r viele Menschen in Deutschland enorm wichtig ist, wie es auch sein sollte. Wir hoffen, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: liber-net \/ Vorstellung des Berichts in Br&uuml;ssel, November 2025<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105485\">Wichtige Warnung vor der &bdquo;internationalen Zensur, die jahrhundertealte demokratische Normen zu untergraben droht&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117938\">Die Rolle der NGOs &bdquo;im Kampf gegen Desinformation&ldquo; &ndash; Ein Insiderbericht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=119065\">&bdquo;H&uuml;te dich vor allem Autorit&auml;ren!&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche hat die gemeinn&uuml;tzige Initiative <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/\">liber-net<\/a> ihren neuen <a href=\"https:\/\/liber-net.org\/germany\/\">Bericht<\/a> &bdquo;<strong>Das Zensurnetzwerk: Regulierung und Repression im heutigen Deutschland&ldquo;<\/strong> &uuml;ber die deutliche Ausweitung staatlicher und privatwirtschaftlicher Eingriffe in die digitale Informationsfreiheit in Deutschland in den letzten Jahren ver&ouml;ffentlicht und bei Veranstaltungen in Br&uuml;ssel und Berlin vorgestellt. 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