{"id":142802,"date":"2025-11-28T12:00:06","date_gmt":"2025-11-28T11:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142802"},"modified":"2025-11-28T14:25:55","modified_gmt":"2025-11-28T13:25:55","slug":"zurueck-auf-staat-gegen-wohnungslosigkeit-hilft-vergesellschaftung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142802","title":{"rendered":"Zur\u00fcck auf Staat! Gegen Wohnungslosigkeit hilft Vergesellschaftung"},"content":{"rendered":"<p>Menschen ohne Zuhause, die auf der Stra&szlig;e, bei Freunden oder in Notunterk&uuml;nften leben m&uuml;ssen &ndash; die soll es mit dieser Bundesregierung bis 2030 nicht mehr geben. Momentan z&auml;hlt Deutschland noch &uuml;ber eine Million davon, und es werden immer mehr. Berliner Aktivisten zeigen, wie es laufen m&uuml;sste: Konzerne enteignen! Ob das was f&uuml;r Schwarz-Rot ist? Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_438\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142802-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142802-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251128-Gegen-Wohnungslosigkeit-hilft-Vergesellschaftung-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Bundesregierung will die Wohnungslosigkeit &uuml;berwinden &ndash; bis zum Jahr 2030. Man wei&szlig; gar nicht, ob man lachen oder weinen soll. Ernst ist die Sache allemal, ob f&uuml;r Union und SPD, steht auf einem anderen Blatt. Ihr Koalitionsvertrag jedenfalls h&auml;lt fest: &bdquo;Der Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit wird umgesetzt.&ldquo; Angesichts der bedr&uuml;ckenden Wirklichkeit muss gefragt werden: Wann geht&rsquo;s denn damit los? Den nationalen Aktionsplan <a href=\"https:\/\/www.bmwsb.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/wohnen\/NAP.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">&bdquo;Gemeinsam f&uuml;r ein Zuhause&ldquo;<\/a> hatte die Ampel vor 19 Monaten beschlossen. Er macht sich das Ziel der Europ&auml;ischen Union (EU) zu eigen, &bdquo;gem&auml;&szlig; den Grunds&auml;tzen der europ&auml;ischen S&auml;ule sozialer Rechte (ESSR)&ldquo; bis Ablauf der kommenden f&uuml;nf Jahre die Wohnungslosigkeit in allen Mitgliedsstaaten zu &bdquo;beenden&ldquo;. Bei sch&auml;tzungsweise einer Million Menschen, die ihre N&auml;chte unter freiem Himmel oder Br&uuml;cken verbringen, gilt auch im kontinentalen Ma&szlig;stab: Es gibt reichlich zu tun!<\/p><p>Im Besonderen gilt das f&uuml;r Deutschland. Nach der neuesten <a href=\"https:\/\/www.bagw.de\/de\/neues\/s?tx_netnews_newsview%5Bnews%5D=389&amp;cHash=0af8991fea9ade1f2535fef10b2327c2\">Hochrechnung<\/a> der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) waren &uuml;ber das gesamte Jahr 2024 betrachtet bundesweit 1,029 Millionen Menschen ohne feste Bleibe. Bei elf Prozent mehr, verglichen mit 2023, markiert das den n&auml;chsten in einer ganzen Serie an &bdquo;Rekorden&ldquo;. Seit 2021 hat sich die Zahl fast verdreifacht. Wohnungslos bedeutet das Fehlen eines mietrechtlich abgesicherten oder eigenen Wohnraums. Die Leidtragenden kommen in der Mehrzahl in &ouml;ffentlichen Not- und Behelfsunterk&uuml;nften unter. Zu unterscheiden ist davon die harte Obdachlosigkeit. Sie umfasst solche Personen, die sich unter widrigsten Bedingungen auf der Stra&szlig;e durchschlagen. Davon z&auml;hlte die BAGW im Vorjahr 56.000, wobei auch hier die Kurve nach oben geht. 2023 lag die Zahl bei 54.000. Dabei ist noch von einer betr&auml;chtlichen Dunkelziffer auszugehen.<\/p><p><strong>Ende nicht in Sicht<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Wohnungslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland hat einen H&ouml;chststand erreicht und ein Ende ist nicht in Sicht&ldquo;, warnte Mitte November die BAGW-Vorsitzende Susanne Hahmann bei der Vorstellung der Ergebnisse. Als h&auml;ufigste Ausl&ouml;ser von Wohnungslosigkeit nannte sie Miet- und Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld, Trennung oder Scheidung und Ortswechsel. Ein weiterer Treiber der Entwicklung ist die Zunahme an Eigenbedarfsk&uuml;ndigungen. Sie sind ein inzwischen g&auml;ngiges, nicht selten widerrechtlich genutztes Mittel, Mieter vor die T&uuml;r zu setzen, um noch mehr Kapital aus dem Wohneigentum zu schlagen. <\/p><p>Hinzu kommen K&uuml;rzungen im sozialen Sicherungssystem, wie etwa die versch&auml;rften Sanktionen im Rahmen der geplanten Reform des B&uuml;rgergelds. &bdquo;Totalverweigerern&ldquo; sollen mithin s&auml;mtliche Leistungen einschlie&szlig;lich der Mietzahlungen gestrichen werden. Das stelle die W&uuml;rde von Menschen infrage und f&uuml;hre dazu, dass sie ihr Zuhause verlieren, meint Hahmann. Dabei wirkt schon der Status quo problemversch&auml;rfend. Oft liegen die von den Jobcentern bewilligten Mietobergrenzen unter den realen Kosten, wodurch sich zus&auml;tzliche Notlagen ergeben, die am Ende zum Verlust der Wohnung f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p><p>Politik und Beh&ouml;rden sind bem&uuml;ht, das Problem m&ouml;glichst kleinzurechnen. Offizielle Stellen operieren mit einer anderen Messlatte als die BAGW. Das Statistische Bundesamt erhebt allj&auml;hrlich die Zahl der institutionell untergebrachten wohnungslosen Personen und dies auch nur an einem Stichtag, nicht im Jahresverlauf. Au&szlig;erdem unterschlagen die Beh&ouml;rden Gruppen, die gem&auml;&szlig; Wohnungsnotfalldefinition ebenfalls als wohnungslos gelten: Personen in Haft, in Gewaltschutzeinrichtungen, im Gesundheitssystem, in Betriebswohnungen, Selbstzahler in Billigpensionen, Monteursunterk&uuml;nften oder Dauercamper. Zudem werden vor allem anerkannte Gefl&uuml;chtete ohne Wohnung nicht oder nicht vollumf&auml;nglich von allen Kommunen &uuml;bermittelt. All diese blinden Flecken sorgen daf&uuml;r, dass die amtliche Statistik rund 500.000 weniger Wohnungslose ausweist und das Ausma&szlig; der Misere so praktisch halbiert &ndash; wohlgemerkt auf dem Papier.<\/p><p><strong>Bei Rauswurf Absturz<\/strong><\/p><p>Aber die Realit&auml;t zu verdr&auml;ngen, hilft nicht weiter, am wenigsten den Betroffenen. Etwa darauf zu bauen, dass viele der Fl&uuml;chtlinge im Land &uuml;ber kurz oder lang wieder das Land verlassen, bringt im Hier und Jetzt keinem etwas. Und der n&auml;chste Kriegsschauplatz k&ouml;nnte bei der erratischen Weltlage schon morgen aufmachen. Wovor die Regierenden seit vielen Jahren vor allem die Augen verschlie&szlig;en, ist die Kampfzone auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Die Zeiten sind lange vorbei, in denen Wohnungslosigkeit speziell Menschen in extremen individuellen Notlagen betraf: bei pl&ouml;tzlichem Jobverlust und pers&ouml;nlichen Schicksalsschl&auml;gen aller Art. Heute kann es jeden treffen, auch die mit festem Job, intakter Familie und bester Gesundheit. Immer mehr Menschen machen die Erfahrung, dass sie, sobald sie erst einmal raus sind aus ihrer Wohnung, einfach keinen ad&auml;quaten und erschwinglichen Ersatz finden.<\/p><p>&bdquo;Der Mangel an bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum sowie Armut sind die zentralen Gr&uuml;nde f&uuml;r Wohnungslosigkeit in Deutschland&ldquo;, konstatiert die BAGW. &bdquo;Der vorhandene Wohnungsbestand kann die stetig steigende Nachfrage nicht decken.&ldquo; Bei seit Jahren r&uuml;ckl&auml;ufiger Baut&auml;tigkeit und gleichzeitig ins Obsz&ouml;ne gestiegenen Mieten bleiben zunehmend mehr auf der Strecke. Zum Beispiel rechnet der Berliner Senat bis 2029 mit <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/07\/berlin-senat-wohnungslose-anfrage-gruene-fraktion.html\">85.000 Wohnungslosen<\/a> in der Hauptstadt, ohne Ber&uuml;cksichtigung der mutma&szlig;lich nachr&uuml;ckenden Fl&uuml;chtlinge. Bei aktuell offiziell 55.400 Betroffenen w&auml;re das eine Steigerung um &uuml;ber 53 Prozent in nur vier Jahren. <\/p><p>Wie will man dieser Situation Herr werden? Der Wohnungsbau kommt seit Jahren nicht ann&auml;hernd mit dem wachsenden Bedarf mit. Statt der versprochenen 400.000 neuen Einheiten waren es 2022 rund 294.000, 2023 dann 271.000, 2024 noch 250.000 und f&uuml;rs laufende Jahr wird von <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2025-11\/wohnungen-bau-stockt-bauministerin-institut-deutsche-wirtschaft\">235.000<\/a> Fertigstellungen ausgegangen. Dabei ist die Zahl der Mieter in den zur&uuml;ckliegenden f&uuml;nf Jahren laut Deutschem Mieterbund (DMB) um fast drei Millionen gestiegen.<\/p><p><strong>Monstr&ouml;ses Pulverfass<\/strong><\/p><p>Das Wenige, was dazukommt, ist in der Mehrzahl der F&auml;lle f&uuml;r die Breite der Bev&ouml;lkerung ungeeignet, weil zu teuer. Gem&auml;&szlig; dem neuesten <a href=\"https:\/\/mieterbund.de\/app\/uploads\/2025\/11\/Mietenreport_2025_final03Nov.pdf\">DMB-Mietenreport<\/a> waren im Vorjahr rund sechs Millionen Mieterhaushalte durch die hohen Kosten &bdquo;extrem belastet&ldquo;. Mehr als 12,8 Millionen Mieter leben in Angst, sich ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu k&ouml;nnen. Fast jeder Sechste, rund sieben Millionen B&uuml;rger, f&uuml;rchtet ganz konkret den Verlust der eigenen vier W&auml;nde. Die Wohnungskrise hat schon heute gro&szlig;e soziale Sprengkraft, in nur wenigen Jahren k&ouml;nnte ein monstr&ouml;ses Pulverfass explodieren.<\/p><p>Neben den individuellen N&ouml;ten drohen auch volkswirtschaftlich massive Sch&auml;den. Wer mehr als 30, 40, mithin &uuml;ber 50 Prozent seines Haushaltseinkommens f&uuml;rs Wohnen aufbringen muss, dem bleibt zum Konsumieren nicht viel &uuml;brig. Perspektivisch stehen hier gewaltige Kaufkraftverluste zu erwarten, die auch andere Wirtschaftssektoren hart treffen k&ouml;nnen. Dazu kommen sozialstaatliche Mehrausgaben, etwa f&uuml;r die &Uuml;bernahme der Unterkunftskosten von B&uuml;rgergeldempf&auml;ngern oder bei Wohngeld. Tats&auml;chlich &uuml;bersteigen solche und weitere Leistungen die &ouml;ffentliche F&ouml;rderung f&uuml;r den Neubau von Sozialwohnungen um ein Vielfaches.<\/p><p>2024 schoss der Staat allein 20 Milliarden Euro zu, damit Bed&uuml;rftige ein Dach &uuml;ber dem Kopf haben k&ouml;nnen. Dagegen plant Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) f&uuml;r 2026 mit lediglich vier Milliarden Euro f&uuml;r die soziale Wohnraumf&ouml;rderung. Ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein. Das B&uuml;ndnis &bdquo;Soziales Wohnen&ldquo;, dem unter anderem der DMB, die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Caritas-Verband angeh&ouml;ren, fordert Investitionen in H&ouml;he von kurzfristig <a href=\"https:\/\/igbau.de\/Staatsausgaben-knacken-20-Milliarden-Marke-Zuschuesse-fuers-Wohnen-5-mal-hoeher-als-Foerderung-von-Sozialwohnungen.html\">50 Milliarden Euro<\/a>. Mit dieser Hausnummer hantiert sogar Ministerin Hubertz, angeblich wollen Bund und L&auml;nder bis 2029 richtig ranklotzen. Versprechen dieser Art wurden fr&uuml;her verl&auml;sslich Opfer der Abrissbirne.<\/p><p><strong>Geschenk f&uuml;r Bau- und Immo-Lobby<\/strong><\/p><p>Seit Jahrzehnten ist der soziale Wohnungsbau ein Fass ohne Boden. Wegen der j&auml;hrlich auslaufenden Bindungen und unzureichendem Nachschub hat sich der Bestand von &uuml;ber 2,8 Millionen im Jahr 1990 auf aktuell knapp &uuml;ber eine Million dezimiert. Dem stehen &uuml;ber elf Millionen Haushalte gegen&uuml;ber, die per Wohnberechtigungsschein (WBS) Anspruch auf eine entsprechende Unterbringung haben. Drastisch bergab ging es mit der F&ouml;rderung ab der Jahrtausendwende, als der Kurs der Entstaatlichung mit Schlagworten wie &bdquo;Austerit&auml;t&ldquo;, &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; und &bdquo;schwarze Null&ldquo; richtig Fahrt aufnahm. Aber selbst die von der Ampel proklamierte und jetzt von Schwarz-Rot aufgegriffene &bdquo;Wohnungsoffensive&ldquo; &auml;ndert nichts an der Talfahrt. 2024 wurden 62.000 Sozialwohnungen errichtet, insgesamt gab es trotzdem 26.000 weniger als im Jahr davor.<\/p><p>Die Verh&auml;ltnisse stimmen einfach nicht und die Priorit&auml;ten bleiben die falschen. Der L&ouml;wenteil des Hubertz-Etats von 13 Milliarden Euro flie&szlig;t wie gehabt in den klassischen Wohnungsbau, der vor allem hochpreisige Segmente bedient. Ihr Mantra &bdquo;Bauen, bauen, bauen&ldquo; gef&auml;llt vor allem den Platzhirschen der Branche, die auf maximalen Profit aus sind und nicht auf Mieter mit schmaler Geldb&ouml;rse. Passend dazu taugt auch der durch die Ministerin aufgelegte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138523\">&bdquo;Bauturbo&ldquo;<\/a>, ein Gesetz zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, nicht zum Befreiungsschlag. Das Instrument setze einseitig auf hochpreisigen Neubau auf der gr&uuml;nen Wiese, werde Bodenspekulation, Versiegelung, Zersiedlung und die Klimakrise befeuern, aber dem Wohnungsschwund in Gro&szlig;st&auml;dten und Ballungszentren nicht beikommen, bem&auml;ngelt etwa die Deutsche Umwelthilfe. Zitat: <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/deutsche-umwelthilfe-warnt-vor-verabschiedung-des-bau-turbo-ein-geschenk-an-die-bau-und-immobil-1\/\">&bdquo;Das ist ein Geschenk an die Bau- und Immobilienlobby.&ldquo;<\/a><\/p><p><strong>B&uuml;rger f&uuml;r Enteignung<\/strong><\/p><p>Vielversprechend erscheint hingegen das Projekt der Initiative <a href=\"https:\/\/dwenteignen.de\/\">&bdquo;Deutsche Wohnen und Co. enteignen&ldquo; (DWE)<\/a> in Berlin. Sie will per Volksentscheid durchsetzen, dass die Best&auml;nde von Konzernen mit mehr als 3.000 Einheiten in Gemeineigentum &uuml;berf&uuml;hrt werden, womit das Land Zugriff auf rund 220.000 Wohnungen bek&auml;me. Derzeit laufen die Vorbereitungen f&uuml;r einen zweiten Vorsto&szlig;, nachdem der erste ziemlich r&uuml;de abgew&uuml;rgt wurde. Vor vier Jahren kam zwar die erforderliche Mehrheit an Unterst&uuml;tzern zustande. Eine Umsetzung hat der Senat wegen Unwillens allerdings bis heute verschleppt. Anders als damals sollen die B&uuml;rger beim neuen Anlauf &uuml;ber einen eigens erarbeiteten Gesetzentwurf abstimmen, den die Politik verpflichtend zu verwirklichen h&auml;tte.<\/p><p>Aus juristischer Sicht st&uuml;nde einer Vergesellschaftung wohl nichts im Wege. Eine vom Senat eingesetzte Expertenkommission hatte daf&uuml;r schon vor &uuml;ber zwei Jahren gr&uuml;nes Licht gegeben. Strittig bleibt derweil, was das kosten w&uuml;rde, sprich die H&ouml;he der Entsch&auml;digungen. Nach einer vor zehn Tagen durch die DWE vorgelegten <a href=\"https:\/\/content.dwenteignen.de\/uploads\/171125final_Studie_Finanzierungsoptionen_Vergesellschaftung_BERICHT_ee37ff1957.pdf\">Studie<\/a> k&ouml;nnten sich die Ausgleichszahlen in einer Bandbreite von zehn bis 17 Milliarden Euro bewegen, woraus Sprecherin Firdes Firat schloss: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/512367.r%C3%BCckverstaatlichung-in-berlin-enteignung-ganz-easy.html?sstr=berlin%7Cdeutsche%7Cwohnen\">&bdquo;Eine Finanzierung ist m&ouml;glich, auch bei einer langfristig niedrigen Miete und einem guten Bewirtschaftungsstandard&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Die Gegner der Pl&auml;ne, wozu auch die Landesregierung geh&ouml;rt, versuchen den Preis so hinzubiegen, dass eine R&uuml;ckverstaatlichung sich nicht rentieren w&uuml;rde. So kalkuliert der Landesrechnungshof einerseits mit einem Schadensausgleich in H&ouml;he des Marktwertes von bis zu 42 Milliarden Euro, was das klamme Land finanziell &uuml;berfordern w&uuml;rde. Ein zweites Szenario rechnet mit acht oder elf Milliarden Euro, was &bdquo;unweigerlich zu Defiziten&ldquo; bei der Bewirtschaftung, zu h&ouml;heren Mieten und weiteren Landeszusch&uuml;ssen f&uuml;hre. Die DWE geht mit ihrer Kalkulation einen Mittelweg mit einer Entsch&auml;digung von 40 bis 60 Prozent des aktuellen Verkehrswerts und verspricht: &bdquo;Berlin wird durch die Vergesellschaftung nicht &auml;rmer, sondern reicher.&rdquo; Die Dinge bleiben spannend. Ob und wann es zu einem zweiten Volksentscheid kommt, ist noch offen.<\/p><p><strong>&bdquo;V&ouml;llig unrealistisch&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zur Erinnerung: Vor 21 Jahren wechselten in der Hauptstadt 65.000 Wohnungen f&uuml;r knapp zwei Milliarden Euro den Besitzer. Es waren 2004 SPD und PDS, die in gemeinsamer Regierungsverantwortung riesige st&auml;dtische Wohnungsbest&auml;nde zu einem Spottpreis an die Immobilienindustrie verschleuderten und so mit der Deutsche Wohnen den gefr&auml;&szlig;igsten Miethai der Hauptstadt gro&szlig;zogen, der inzwischen von der noch gr&ouml;&szlig;eren Vonovia geschluckt wurde. Das Beispiel machte bundesweit Schule, zog eine gewaltige Privatisierungswelle nach sich, in deren Zuge der Staat seine wohnungspolitische Handlungsmacht weitgehend preisgab und die B&uuml;rger den freien Marktkr&auml;ften auslieferte. Die Resultate zeigen sich heute mit voller Vehemenz: Sozialer Wohnungsbau in Aufl&ouml;sung, explodierende Mieten, Gentrifizierung, grassierende Wohnungs- und Obdachlosigkeit.<\/p><p>Seit zwei Wochen erinnert am Berliner Ostbahnhof eine Gedenktafel an die Opfer der harten Gangart. Daneben finden sich die Fotos von 30 Menschen, die in den j&uuml;ngeren Jahren in n&auml;herem Umkreis den Tod fanden. &bdquo;Gangway&ldquo;, ein freier Tr&auml;ger f&uuml;r Stra&szlig;ensozialarbeit, will weitere dieser Mahnm&auml;ler in der Hauptstadt platzieren, als &bdquo;Zeichen gegen die Gleichg&uuml;ltigkeit&ldquo;, wie es in einer <a href=\"https:\/\/gangway.de\/gedenktafeln-fuer-verstorbene-obdachlose-menschen\/\">Mitteilung<\/a> hei&szlig;t. &bdquo;Wenn Menschen auf der Stra&szlig;e sterben, mitten in einer wohlhabenden Stadt wie Berlin, dann ist das kein Naturereignis &ndash; es ist die Konsequenz gesellschaftlicher und politischer Entscheidungen.&ldquo;<\/p><p>Aber will Schwarz-Rot nicht Schluss machen mit all dem Leid, bis 2030? Wer&rsquo;s glaubt. Der <em>Norddeutsche Rundfunk<\/em> befragte dazu Jan Goering, einen Sozialarbeiter in Hannover. Sein Urteil: <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/wohnungslosigkeit-beenden-bis-2030-experten-zweifeln,wohnungslosigkeit-110.html\">&bdquo;Das ist v&ouml;llig unrealistisch.&ldquo;<\/a><\/p><p><small>Titelbild: Stephan Dost\/shutterstock.com<\/small><img sr=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/0cb0f8d7f70f4078aa01c0b77c04b9a2\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen ohne Zuhause, die auf der Stra&szlig;e, bei Freunden oder in Notunterk&uuml;nften leben m&uuml;ssen &ndash; die soll es mit dieser Bundesregierung bis 2030 nicht mehr geben. Momentan z&auml;hlt Deutschland noch &uuml;ber eine Million davon, und es werden immer mehr. Berliner Aktivisten zeigen, wie es laufen m&uuml;sste: Konzerne enteignen! Ob das was f&uuml;r Schwarz-Rot ist? 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