{"id":14288,"date":"2012-08-30T09:16:53","date_gmt":"2012-08-30T07:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14288"},"modified":"2019-07-05T11:10:04","modified_gmt":"2019-07-05T09:10:04","slug":"die-griechischen-versaumnisse-werden-von-berlin-maslos-ubertrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14288","title":{"rendered":"Die griechischen \u201eVers\u00e4umnisse\u201c werden von Berlin ma\u00dflos \u00fcbertrieben"},"content":{"rendered":"<p>Die Diskussionen &uuml;ber die M&ouml;glichkeit &ndash; oder Wahrscheinlichkeit &ndash; eines &bdquo;Grexit&ldquo; geht weiter &ndash; auch nach dem Antrittsbesuch des griechischen Regierungschefs Samaras in Berlin und Paris. Innerhalb der deutschen Regierungskoalition reicht offenbar selbst ein Machtwort der Kanzlerin nicht aus, um geschw&auml;tzige Populisten im eigenen Lager zum Schweigen zu bringen (&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/verbalattacken-zur-euro-krise-dobrindt-bugsiert-die-csu-in-die-glaubwuerdigkeitsfalle-1.1451060\">CSU macht Merkel l&auml;cherlich<\/a>&ldquo;). Zu den deutschen und vor allem bayerischen Stimmen, die den Abschied Griechenlands vom Euro als unvermeidlich und die Folgen f&uuml;r die gesamte Eurozone als &bdquo;beherrschbar&ldquo; ansehen, gesellen sich mittlerweile gewichtige Politiker aus den Niederlanden, Finnland (Au&szlig;enminister Tuomioja), &Ouml;sterreich (Au&szlig;enminister und Vizekanzler Spindelegger), Estland und der Slowakei. Und selbst Luxemburgs Regierungschef Juncker, den man in Athen als den verl&auml;sslichsten Verb&uuml;ndeten im Euroraum sieht, schlie&szlig;t das Worst-Case-Szenario f&uuml;r Griechenland nicht mehr aus. Auf das bereitet man sich in Berlin, trotz der kreidebeladenen Formulierungen Merkels gegen&uuml;ber ihrem Athener Gast, auch weiterhin vor. Insofern war es wohl ein kalkuliertes Signal, dass die FTD kurz vor dem Treffen Merkel-Samaras die Existenz einer bislang geheimen Arbeitsgruppe enth&uuml;llte, die seit einem Jahr die m&ouml;glichen Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone pr&uuml;ft. Ein weiterer Lagebericht von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Die Debatte um die Streckung des Sparprogramms<\/strong><\/p><p>Neu belebt wurde die ganze Debatte zehn Tage vor dem Samaras-Besuch durch Berichte &uuml;ber das Vorhaben der griechischen Regierung, von den Euro-Partnern eine Fristverl&auml;ngerung f&uuml;r die n&auml;chste Stufe der Haushaltsk&uuml;rzungen in H&ouml;he von 11,6 Milliarden Euro zu fordern. Die heftigen Gegenreaktionen aus Berlin haben Samaras dann aber so eingesch&uuml;chtert, dass er daraus in Berlin kein offizielles Thema machen wollte. Wie der Berlin-Korrespondent der Zeitung &bdquo;To Vima&ldquo; (26. August) unter Berufung auf einen Mitarbeiter des griechischen Regierungschefs berichtet, hat Samaras gegen&uuml;ber Merkel die griechische &bdquo;Hauptforderung&ldquo; namens &bdquo;epimikynsi&ldquo; (Verl&auml;ngerung) nicht einmal am Rande erw&auml;hnt. Allerdings hinterlie&szlig; die Athener Delegation in Berlin ein Memorandum mit vier Szenarien, von denen drei auf der Hypothese einer Streckung des Sparprogramms um zwei Jahre bis 2016 beruhen. Und inoffiziell verlautet aus Athen auch nach der Samaras-Reise nach Berlin und Paris, man werde die Forderung auf jeden  Fall beim n&auml;chsten Euro-Gipfel am 8. Oktober auf den Tisch legen. Aus griechischer Sicht ist es in der Tat v&ouml;llig unrealistisch, die geforderten Sparziele bis Ende 2014 zu erreichen. Und selbst die Streckung dieses Zeitraums bis Ende 2016 wird keine L&ouml;sung bringen, falls die Talfahrt der griechischen Konjunktur weitergehen oder sich gar noch beschleunigen sollte. <\/p><p><strong>Auswirkungen einer Fristverl&auml;ngerung f&uuml;r den Schuldenabbau<\/strong><\/p><p>Immerhin w&uuml;rde die Verl&auml;ngerung der Frist f&uuml;r den Schuldenabbau bis 2016 den j&auml;hrlichen K&uuml;rzungsbedarf von 2,5 auf 1,5 Prozent des BIP absenken. Das h&auml;tte f&uuml;r Griechenland einen weiteren entscheidenden Vorteil: Nach Berechnungen des Athener Finanzministeriums k&ouml;nnte das Land ein Jahr fr&uuml;her aus der Rezession kommen, wenn die Masseneinkommen (Renten, Geh&auml;lter im &ouml;ff. Dienst) nicht ein weiteres Mal massiv gek&uuml;rzt werden m&uuml;ssen. Die Streckung des Sparprogramms w&uuml;rde allerdings f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre einen weiteren Finanzierungsbedarf von mindestens 20 Milliarden Euro bedeuten (die Sch&auml;tzungen gehen bis zu 30 Mrd.), den die Athener Regierung notfalls ohne die Euro-Partnern abdecken will, unter anderem durch IWF-Kredite und kurzfristige T-Bonds (&uuml;ber die genauen Pl&auml;ne berichtete die Zeitung To Vima am 19. August). <\/p><p><strong>Die Forderung nach einer Fristverl&auml;ngerung ist nicht neu<\/strong><\/p><p>Der Verlauf der Debatte um die angeblich neue &bdquo;griechische Zumutung&ldquo; ist in zweifacher Hinsicht aufschlussreich:<br>\nErstens kam die Diskussion aufgrund eines Artikels in der <em>Financial Times<\/em> vom 15. August in Gang. Dass Samaras in seinen Gespr&auml;chen mit Bundeskanzlerin Merkel und Pr&auml;sident Hollande um eine Verl&auml;ngerung des Sparprogramms nachsuchen wolle, war allerdings bereits drei Tage zuvor in der griechischen Presse zu lesen (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14164\">siehe meinen Bericht vom 15. August<\/a>). Aber erst die Publikation in einem &uuml;bernationalen Presseorgan wie der FT machte die Meldung zu einem Politikum auf europ&auml;ischer Ebene. <\/p><p>Der Vorgang ist zweitens ein klassisches Beispiel f&uuml;r die Vergesslichkeit der &ouml;ffentlichen Meinung und der Medien. Denn der Athener Vorbehalt, dass Griechenland die geforderte Haushaltssanierung nicht in der vorgesehenen Frist bew&auml;ltigen kann, ist keineswegs neu. Die Forderung nach einer Verl&auml;ngerung dieser Frist wurde bereits von der Regierung Papadimos erhoben. Sie war auch eines der wichtigsten Themen in den griechischen Wahlk&auml;mpfen vom Mai und Juni dieses Jahres. Dabei versprachen alle drei Parteien, die heute die Regierung Samaras st&uuml;tzen, eine sofortige und umfassende Neu-Verhandlung des Sparprogramms mit der Troika und dabei speziell auch die Forderung nach dessen zeitlicher Streckung um zwei Jahre. Die Pasok hat vor den Wahlen sogar behauptet, die Fristverl&auml;ngerung sei der Regierung Papadimos und deren Pasok-Wirtschaftsminister Venizelos fest zugesagt worden. <\/p><p>Die griechischen W&auml;hler mussten also den Eindruck gewinnen, dass ihre Stimme f&uuml;r die heutigen Regierungsparteien &ndash; und gegen die linke Syriza und deren Forderung, das Memorandum einseitig aufzuk&uuml;ndigen &ndash; von den Euro-Partnern und der Troika durch eine Milderung der Sparauflagen belohnt w&uuml;rde.<\/p><p>Auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen ND, Pasok und Dimar spielte diese Frage eine zentrale Rolle. Entsprechend lag dem m&uuml;hsam ausgehandelten Regierungsprogramm ebenfalls die &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; des Sparprogramms zugrunde, als entscheidende Voraussetzung f&uuml;r die im Wahlkampf versprochene Milderung der Austerit&auml;tspolitik. Bei der Debatte im Parlament &uuml;ber die Regierungserkl&auml;rung am 8. Juli betonten sowohl Samaras als auch sein Finanzminister Stournaras, die Streckung des Programms sei nach wie vor notwendig, weil die Rezession st&auml;rker ausgefallen sei, als von der Troika erwartet und eine krasse und schnelle Anpassung die Rezession noch vertiefen w&uuml;rde (Bericht in Ta Nea vom 8. Juli). Stournaras sagte w&ouml;rtlich: &bdquo;&Uuml;ber die n&auml;chsten vier Jahre &ndash; also nicht zwei Jahre, wie die (bisherige) Vereinbarung es vorsieht &ndash; muss das Land eine weitere Minderung der Ausgaben des Prim&auml;rhaushalts um 12 Milliarden Euro planen&ldquo;. Explizit erkl&auml;rte auch der Regierungschef: &bdquo;Wenn das Programm erneut aufgrund der Rezession entgleisen sollte, darf dies nicht als Anlass dienen, um weitere Sparmassnahmen zu beschlie&szlig;en.&ldquo; <\/p><p><strong>Der Vorbehalt einer Rezession war Bestandteil des Memorandums<\/strong><\/p><p>Samaras nahm damit auf eine Klausel Bezug, die in dem zweiten Memorandum der Troika vom Fr&uuml;hjahr dieses Jahres steht. Sie erlaubt eine zeitliche Streckung der Sparziele explizit f&uuml;r den Fall, dass die Rezession in Griechenland &bdquo;signifikant tiefer&ldquo; ausf&auml;llt als angenommen. Diese Klausel wurde allerdings letzte Woche vom deutschen Finanzministerium als &bdquo;rechtlich nicht bindend&ldquo; abqualifiziert, besagt eine <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/2012\/08\/27\/us-eurozone-greece-options-idUSBRE87Q08P20120827\">Reuters-Analyse vom 27. Oktober<\/a>.<br>\nDer Pasok-Vorsitzende und fr&uuml;here Finanzminister Venizelos verlangt als Chef der zweitst&auml;rksten Koalitionspartei sogar eine Verl&auml;ngerung des Sparprogramms um drei Jahre bis Ende 2017. Auch er beruft sich auf den Rezessions-Vorbehalt, der vom EU-Gipfel vom 29. Juni abgesegnet wurde. Dass der Fall, auf den sich dieser Vorbehalt bezieht, inzwischen eingetreten ist, kann niemand anzweifeln: Die Differenz zwischen fr&uuml;heren Prognosen f&uuml;r 2012 und dem erwarteten Minuswachstum von 7 Prozent liegt heute bei fast 3 Prozentpunkten. Und diese Differenz d&uuml;rfte noch anwachsen, weil die neuen Einsparungen von 11,6 Milliarden Euro als Kaufkraftverlust voll auf die Binnenkonjunktur durchschlagen werden. <\/p><p><strong>Wie aus dem Rezessionsvorbehalt ein Beweis f&uuml;r griechische Dreistigkeit wurde<\/strong><\/p><p>Nicht nur in Griechenland, auch in der internationalen Presse war es bis vor drei Wochen ein Allgemeinplatz, dass die Athener Regierung f&uuml;r ihr Sparprogramm eine Schonfrist braucht. Noch am 13. Juli zitierte die FTD zustimmend einen Banker mit der Forderung, der &bdquo;Teufelskreis aus versch&auml;rften Sparma&szlig;nahmen und wegbrechender Konjunktur&ldquo; m&uuml;sse durchbrochen werden. Deshalb m&uuml;sse Griechenland die versprochenen Strukturreformen schnell umsetzen, als Gegenleistung m&uuml;sse das Land aber &bdquo;beim Defizitabbau mehr Zeit bekommen.&ldquo; Und am 30. Juli bezeichnete die Guardian-Korrespondentin die Forderung der Athener Regierung, das Sparprogramm bis 2016 zu strecken, als logisch und unvermeidlich: &bdquo;Die zeitliche Dehnung des Prozesses wird weithin als die einzige Methode gesehen, mit der sich Griechenland aus der &ouml;konomischen Todesspirale befreien kann.&ldquo;<\/p><p>Wie kam es also, dass eine Forderung, die noch vor kurzem als unvermeidlich galt und im Grunde schon abgenickt war, heute als neuer Beweis griechischer Dreistigkeit wahrgenommen wird? Der Umschwung h&auml;ngt sicher mit der verst&auml;rkten Bereitschaft zu einem &bdquo;Grexit&ldquo; auf Seiten der Eurozonen-Partner zusammen, die vor allem in Deutschland zu beobachten ist (und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14164\">die ich in meinen letzten Beitrag beschrieben habe<\/a>). <\/p><p><strong>Die neue Taktik des neuen griechischen Finanzministers<\/strong><\/p><p>Die Geschichte hat aber auch eine griechische Seite. Warum hat die Regierung Samaras ihre Forderung nach Streckung der Sparziele nicht sofort und offensiv vorgebracht, wie es dem zentralen Wahlversprechen aller Regierungsparteien entsprochen h&auml;tte? <\/p><p>Die Antwort auf diese Frage besteht f&uuml;r viele Griechen aus einem einzigen Namen: Stournaras. Denn es war der neue Finanzminister, der bereits vor der Regierungserkl&auml;rung innerhalb des Kabinetts eine neue Taktik in den Verhandlungen mit der Troika durchsetzte, die sich auf die Formel bringen l&auml;sst: Griechenland kann seine Gl&auml;ubiger erst um Erleichterungen bitten, wenn es sein Image bei den Gl&auml;ubigern verbessert hat. In diesem Sinne argumentierte er bereits am 8. Juli vor dem griechischen Parlament: Zwar wolle man nach wie vor die Gl&auml;ubiger um die beiden Verl&auml;ngerungsjahre bitten, aber da dies bedeute, &bdquo;dass uns jemand mehr Geld geben muss&ldquo;, w&uuml;rden die Verhandlungen mit der Troika schwierig und zeitraubend werden. Andererseits sei die n&auml;chste Rate aus dem EFSF-Programm bereits im September f&auml;llig, ohne diese Auszahlung w&auml;re das Land bankrott. Daraus schloss Stournaras: Bevor man neue Verhandlungen &uuml;ber eine Milderung des &bdquo; Memorandum&ldquo; beantrage, m&uuml;sse Griechenland &bdquo;die Ma&szlig;nahmen umsetzen, die es bereits als Teil des Haushaltsplans f&uuml;r 2012 beschlossen hat, um den verabredeten Zielen n&auml;her zu kommen, damit nicht noch mehr an Glaubw&uuml;rdigkeit verloren geht und die n&auml;chste Tranche des Hilfsprogramms aufs Spiel gesetzt wird&ldquo;.<\/p><p>Die Umkehrung der Reihenfolge &ndash; erst eine neue Sparrunde, dann ein Antrag auf Milderung der Sparzw&auml;nge &ndash; bedeutete einen klaren Bruch der Wahlversprechen aller drei Koalitionsparteien. F&uuml;r die linke Oppositionspartei Syriza war das ein gefundenes Fressen. Sie bezeichnete die Kehrtwende als &bdquo;Stournaras-Dogma&ldquo; und spricht seitdem von einer Regierung Samaras-Stournaras. Tats&auml;chlich spielt der neue Finanzminister in der Dreier-Koalition eine so herausragende Rolle, dass ein Blick auf die Person des Finanzministers angebracht ist.<\/p><p><strong>Der neue Finanzminister Yiannis Stournaras ein &bdquo;europ&auml;ischer Technokrat&ldquo;<\/strong><\/p><p>Yiannis Stournaras ist ohne Zweifel der beste Kenner der griechischen Wirtschaftsverh&auml;ltnisse einschlie&szlig;lich ihrer notorischen Schw&auml;chen. Als Hochschullehrer und Chef des Wirtschaftsforschungsinstitut IOBE (Stiftung f&uuml;r Wirtschafts- und Industrieforschung, finanziert von der griechischen Zentralbank), verf&uuml;gte er &uuml;ber einen Stand von Informationen, der ihn w&auml;hrend der ganzen letzten Krisenjahre zu einem gesuchten Gespr&auml;chspartner f&uuml;r die griechische Regierung wie f&uuml;r EU-Technokraten und f&uuml;r ausl&auml;ndische Journalisten machte. Politisch z&auml;hlte Stournaras stets zum &bdquo;Reformer- Fl&uuml;gel&ldquo; der Pasok. Nach einer akademischen Karriere in Oxford (Forschung und Lehre auf dem Gebiet von Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik) wurde er zum engsten Mitarbeiter von Kostas Simitis, w&auml;hrend dessen Regierungszeit war er in den sp&auml;ten 1990er-Jahre als &ouml;konomischer Chefberater f&uuml;r die Strategie des griechischen Beitritts zur Eurozone verantwortlich. Dazu ein interessantes Detail nebenbei: In einem auch von der S&uuml;ddeutschen Zeitung ver&ouml;ffentlichten Beitrag hat Stournaras im Mai 2012 zusammen mit Simitis einige &uuml;berzeugende Argumenten gegen die beharrlich verbreitete Legende vorgebracht, wonach sich Griechenland den Zutritt zur Eurozone mit falschen Daten &bdquo;erschummelt&ldquo; habe (nachzulesen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/griechenland-und-der-euro-bruessel-ist-schuld-1.1351829\">hier<\/a>). <\/p><p>Zu Beginn der griechischen Krise, im April 2009, hatte ich mit Stournaras ein Hintergrundsgespr&auml;ch, in dem er die Probleme der sich akkumulierenden Staatsverschuldung sehr genau prognostiziert hat. Dabei vertrat er die Ansicht, dass die griechische Krise &bdquo;hausgemacht&ldquo; sei und durch die internationale Finanzkrise nur versch&auml;rft wurde. Als Hauptursache nannte er &bdquo;die Reformunf&auml;higkeit der griechischen politischen Klasse&ldquo;. Entsprechend sei der wichtigste Beitrag zur langfristigen Konsolidierung der Staatsfinanzen und der Wirtschaft ein entschiedener &bdquo;Kampf gegen Korruption und Klientelismus und die Durchsetzung eines seri&ouml;sen Steuersystems, das die Staatseinnahmen erh&ouml;ht und verstetigt.&ldquo; Und er nannte auch ein Beispiel: Bereits ein kleiner Schritt wie die Einf&uuml;hrung von beamteten Staatssekret&auml;ren in den Ministerien k&ouml;nne dazu beitragen, den parteipolitisch gepr&auml;gten Klientelismus einzud&auml;mmen, der im Staatsapparat nur eine &bdquo;Beute&ldquo; der jeweiligen Regierungspartei sieht.<\/p><p>Auf die Frage, welche Ma&szlig;nahmen er durchsetzen w&uuml;rde, wenn er aktiver Politiker w&auml;re, antwortete er sofort: eine Vereinbarung mit der T&uuml;rkei &uuml;ber eine Halbierung der R&uuml;stungsausgaben beider L&auml;nder, die ein wichtiger Beitrag zur Konsolidierung des Staatshaushalts sein k&ouml;nnte. Auf die Frage, wie der Krise auf europ&auml;ischer Ebene zu begegnen sei, pl&auml;dierte er daf&uuml;r, dass die EZB zum &bdquo;lender of last resort&ldquo; (zum Kreditgeber letzter Instanz) werden m&uuml;sse, w&auml;hrend er Eurobonds f&uuml;r eine unrealistische Konzeption hielt, weil sie eine politische Union voraussetze. Das aber sei ein langer Prozess, auf den Griechenland nicht warten k&ouml;nne. Auf sein Verh&auml;ltnis zu Keynes angesprochen sprach sich Stournaras im Sinne des &bdquo;wahren&ldquo; Keynes f&uuml;r den Grundsatz aus, dass L&auml;nder mit niedriger Gesamtverschuldung ein aktiveres <em>deficit spending<\/em> gestattet sein soll, w&auml;hrend L&auml;nder mit hoher Schuldenlast sich entsprechend zur&uuml;ckhalten m&uuml;ssten (die <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/id\/ipa\/07227.pdf\">Zitate stammen aus meinem Beitrag zur Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung &bdquo;Euroland auf dem Pr&uuml;fstand&ldquo;, Internationale Politik-Analysen, Mai 2009 [PDF &ndash; 262 KB]<\/a>).<\/p><p>Man kann Stournaras am ehesten als &bdquo;europ&auml;ischen Technokraten&ldquo; begreifen (nicht nur wegen seiner Vernetzung innerhalb der EU, sondern wegen seiner &bdquo;europ&auml;ischen&ldquo; Kritik an den griechischen Verh&auml;ltnissen). Ganz gewiss hegt er aufgrund seiner Erfahrungen und Kenntnisse keinerlei Illusionen dar&uuml;ber, wie sch&auml;dlich und kontraproduktiv die bisherigen Sparprogramme sind (deren negative Folgen f&uuml;r die Konjunktur in den IOEB-Berichten der Stiftung f&uuml;r Wirtschafts- und Industrieforschung regelm&auml;&szlig;ig analysiert wurden); aber er hat ebenso wenig Illusionen &uuml;ber die Schwierigkeiten, den griechischen Klientelstaat zu &uuml;berwinden, was er als wichtigste innere Voraussetzung f&uuml;r eine Genesung des griechischen Patienten betrachtet. &Auml;hnlich entschieden &auml;u&szlig;ert sich Stournaras seit Jahren zu einem anderen Thema: Er pl&auml;diert f&uuml;r ein umfassendes Privatisierungsprogramms und insbesondere f&uuml;r den Verkauf un- oder unterbenutzter staatlicher Immobilien; in einem IOBE-Bericht bezeichnete er solche Immobilien schon im Fr&uuml;hjahr 2010 als &bdquo;ungehobenen Schatz&ldquo; in H&ouml;he von 200 Milliarden Euro, mit dessen Verkauf ein Gro&szlig;teil der griechischen Schulden zu begleichen w&auml;re (auf die ideologischen Voraussetzungen, die Schwierigkeiten und die Illusionen solche Privatisierungspl&auml;ne werde ich sp&auml;ter noch ausf&uuml;hrlich eingehen).<\/p><p>Als Wirtschaftsforscher und versierter politischer Technokrat, der auch Erfahrungen im staatlichen Bankensektor und bei der griechischen Zentralbank gesammelt hat, ist Stournaras &auml;hnlich gut vernetzt wie sein fr&uuml;herer F&ouml;rderer Papadimo &ndash; und zwar im Bereich der Eurozone wie auch mit den Technokraten der OECD und des IWF. Seine Kenntnisse der Br&uuml;sseler Landschaft und ein guter Draht zu Francoise Hollande (&uuml;ber den in der griechischen Presse viel geschrieben wurde) geh&ouml;ren sicher zu den Qualit&auml;ten, die den angestammten Pasok-Mann in den Augen von Samaras zur ersten Wahl f&uuml;r den Posten des Finanzministers machten.<\/p><p><strong>Die Wende zum &bdquo;Stournaras-Dogma&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wie ist es aber zu erkl&auml;ren, dass ein realistischer Kritiker des Sparprogramms und seines wachstumsfeindlichen Ansatzes, kaum dass er zum griechischen Finanzminister berufen wird, den Verzicht auf eine Forderung propagiert, die er selber entschieden vertreten hat? Und die er gewiss noch immer f&uuml;r unabdingbar h&auml;lt, zumal eine Verl&auml;ngerung der Frist von zwei auf vier Jahre f&uuml;r die politische Durchsetzbarkeit und die gesellschaftliche Akzeptanz des Programms entscheidend sein kann &ndash; und damit letztlich f&uuml;r seinen pers&ouml;nlichen &bdquo;Erfolg&ldquo; als &bdquo;Retter&ldquo; vor einem griechischen Absturz in die Drachme.<\/p><p>Die Wende zum &bdquo;Stournaras-Dogma&ldquo; erfolgte nach den ersten Gespr&auml;chskontakten, die der neue Finanzminister in Br&uuml;ssel und den Hauptst&auml;dten der wichtigsten Gl&auml;ubigerl&auml;nder hatte. Was aus diesen Gespr&auml;chen in die &Ouml;ffentlichkeit drang, war es vor allem eine Botschaft: Offenbar hatten die Inspektoren der Troika nach Br&uuml;ssel, Berlin und Paris ganz f&uuml;rchterliche Eindr&uuml;cke gemeldet. &bdquo;Das Programm ist v&ouml;llig entgleist&ldquo;, lautete die Botschaft. Ob und welche Details aus diesen Berichten gegen&uuml;ber Stournaras und Samaras zur Sprache kamen, ist nicht bekannt. Man kann sich aber &ndash; mit etwas Phantasie &ndash; die wichtigsten Argumentationsmuster zusammenreimen, die in diesem ungleichen Dialog vorgebracht wurden.<\/p><p><strong>Ein fiktiver Schl&uuml;sseldialog im griechischen Drama<\/strong><\/p><p>Das folgende ist ein fiktives Erkundungsgespr&auml;ch, wie es zwischen Athen (A) und Br&uuml;ssel\/Berlin (BB) gelaufen sein k&ouml;nnte (gest&uuml;tzt auf Argumente aus griechischen &bdquo;non-Papers&ldquo;, die in der Athener Presse zitiert wurden):<\/p><p><em>A: Bitte begreift doch: die 11,6 Milliarden, die wir k&uuml;rzen m&uuml;ssen, sind nicht nur brutal, da m&uuml;ssen auch drei Parteien zustimmen, die im Wahlkampf versprochen haben, die Folgen des Sparprogramms zu mildern. Diese 11,6 Milliarden sind mit M&uuml;he zu schaffen, aber nicht in zwei Jahren. Also brauchen wir mehr Zeit, die habt ihr uns doch versprochen.<\/em><\/p><p><em>BB: Aber Zeit ist Geld, dass habt ihr selber durchgerechnet.<\/em><\/p><p><em>A: Das stimmt, es w&uuml;rde 20 Milliarden an zus&auml;tzlichen Darlehen kosten, aber es ginge auch billiger, wenn man uns l&auml;ngere Vakanzen f&uuml;r die R&uuml;ckzahlung einr&auml;umen w&uuml;rde, zum Beispiel bis wir wieder ein Wirtschaftswachstum haben. Und wir haben hier noch was anderes durchgerechnet: Zwei Jahre mehr Zeit f&uuml;r den Schuldenabbau bedeutet, dass wir ein Jahr fr&uuml;her aus der Rezession herauskommen.<\/em>  <\/p><p><em>BB: Ohne &bdquo;Lieferung&ldquo; gleich zwei Jahre Verl&auml;ngerung &ndash; das kommt nicht in Frage. Das k&ouml;nnen wir unseren Leuten hier nicht verkaufen.<\/em><\/p><p><em>A: Aber die griechischen Parteien haben es doch den W&auml;hlern versprochen, und das hat geholfen, Tsipras zu verhindern. Oder wollt ihr jetzt eine Syriza-Regierung, damit ihr uns umso leichter aus dem Euro dr&auml;ngen k&ouml;nnt?<\/em><\/p><p><em>BB: Das ist euer Problem, was ihr vor den Wahlen gesagt habt. Au&szlig;erdem: Wegen der Wahlen habt ihr ohnehin alle Reformen verschleppt. Und jetzt sagen uns die Troika-Inspektoren, dass die Zahlen nicht aufgehen, dass ihr bei allen Reformen zur&uuml;ckh&auml;ngt. Da k&ouml;nnen wir doch jetzt nicht einfach noch einen Rabatt geben.<\/em><\/p><p><em>A: Klar, die Reformen sind steckengeblieben, das kritisiere ich ja auch st&auml;ndig. Aber die Zahlen gehen vor allem deshalb nicht auf, weil die Konjunktur eingebrochen ist. Da bleiben eben die Steuereinnahmen zur&uuml;ck; mit denen sind wir im Minus, aber bei den K&uuml;rzungen sind wir sogar &uuml;ber Plan. Das Sparprogramm hat bei uns jedoch die Rezession versch&auml;rft. Dass dies der Hauptgrund ist, und nicht die verz&ouml;gerten Reformen, wisst ihr so gut wir.<\/em><\/p><p><em>BB: Das wissen wir, aber unsere W&auml;hler wissen es nicht. Und schlie&szlig;lich wollen ja auch wir wieder gew&auml;hlt werden.<\/em><\/p><p><em>A: Dann erkl&auml;rt das doch euren W&auml;hlern dieses Dilemma, wir m&uuml;ssen das ja auch seit drei Jahren versuchen.<\/em><\/p><p><em>BB: Nach allem, was wir bisher den W&auml;hlern erkl&auml;rt haben, k&ouml;nnen wir die W&auml;hler nicht mehr aufkl&auml;ren, sondern wir brauchen ihre Stimmen. Das ist doch ein Problem, das m&uuml;sstet ihr aus eigener Erfahrung kennen.<\/em> <\/p><p><em>A: Kennen wir auch. Aber die Gesellschaft steht am Abgrund, wenn wir noch mehr Einkommen und Renten k&uuml;rzen m&uuml;ssen. Und f&uuml;r die Konjunktur ist das zus&auml;tzliches Gift. Wenn die Rezession so weiter geht, haben wir 2013 gegen&uuml;ber 2009 ein BIP-Minus von fast 30 Prozent. Die zwei Jahre Verl&auml;ngerung m&uuml;ssen wir einfach haben. Au&szlig;erdem fragen uns die W&auml;hler auch, wo der ber&uuml;hmte Marshall-Plan bleibt, von dem ihr geredet habt. Da ist bis jetzt noch nichts  r&uuml;ber gekommen.<\/em><\/p><p><em>BB: Eben weil ihr keine Reformen gebacken bekommt. Wo bleibt denn euer eigener Beitrag zur Wirtschaftsbelebung? Was ist mit den Privatisierungen, die ihr versprochen habt? 50 Milliarden Euro Erl&ouml;se bis 2015, davon sehen wir noch gar nichts.<\/em><\/p><p><em>A: Den Grund kennt ihr doch genau: Wer interessiert sich f&uuml;r unsere Privatisierungsprojekte, wenn eure Politiker st&auml;ndig dar&uuml;ber spekulieren, wann wir aus dem Euro rausfliegen? Wir finden hier keine Investoren, wenn alle denken, mit der Drachme kostet uns das Ganze im n&auml;chsten Jahr nur noch die H&auml;lfte.<\/em><\/p><p><em>BB: Das Gerede &uuml;ber die R&uuml;ckkehr zur Drachme st&ouml;rt uns auch, das sind einzelne Populisten, die ihren W&auml;hlern nach dem Munde reden, und ihr wisst ja, wie die Stimmung hier in Deutschland ist. Die kann man nur ver&auml;ndern, wenn die deutschen Steuerzahler &uuml;berzeugt sind: Die Griechen tun was, da &auml;ndert sich was in Griechenland. Und daf&uuml;r m&uuml;sst ihr Beweise liefern, damit die Leute anfangen, euch wieder zu vertrauen.<\/em><\/p><p><em>A: Das wissen wir wohl, dass wir die antigriechische Stimmung ver&auml;ndern m&uuml;ssen. Vertrauen ist entscheidend, da habt ihr Recht, aber das gilt aber auch umgekehrt. In Griechenland glauben jetzt die meisten Leute, dass uns die Deutschen, Holl&auml;nder und Finnen sowieso loswerden wollen. Wie k&ouml;nnen wir darauf vertrauen, dass ihr uns nicht doch aus dem Euro rausschmei&szlig;t, sobald ihr &uuml;berzeugt seid, dass Spanien und Italien &uuml;ber dem Berg sind? F&uuml;r uns stellt sich doch die existentielle Frage so: Wollt ihr uns wirklich helfen und im Euro halten oder wollt ihr nur eine Kettenreaktion verhindern, die den Euro zerst&ouml;ren w&uuml;rde? Und wenn ihr dieses Ansteckungsrisiko unter Kontrolle habt, dann werden wir geopfert! Das nennt man hier in Griechenland das &bdquo;Iphigenie-Szenario&ldquo;. Und daran glauben die Leute.<\/em><\/p><p><em>BB: Eure Frage ist unfair. Aber um ehrlich zu antworten: Eine Kettenreaktion ist umso unwahrscheinlicher, je h&auml;rter wir euch anfassen. Und ob ihr euch im Euro halten k&ouml;nnt, h&auml;ngt unter diesen Umst&auml;nden allein von euch selber ab. Deshalb brauchen wir die Beweise, dass ihr was ver&auml;ndern wollt. Mag ja sein, dass die Reformen nicht gleich helfen. Aber wir brauchen die Symbolik. Und wir brauchen ein paar positive Punkte f&uuml;r den n&auml;chsten Troika-Bericht. Davor kann es keine Diskussionen um Erleichterungen geben. Basta.<\/em><\/p><p><em>A.: Und danach k&ouml;nnen wir diskutieren?<\/em><\/p><p><em>BB: Mal sehn. Macht erst mal eure Arbeit!<\/em><\/p><p><strong>Das Echo der Sondierungsgespr&auml;che in der griechischen Presse<\/strong><\/p><p>Das Ergebnis der Sondierungsgespr&auml;che zwischen der neuen Athener Regierung und den Vertretern der Troika (bzw. dem Chefb&uuml;ro der Troika in Berlin) hat ein Kommentator der Zeitung Kathimerini (am 10. Juli) so zusammengefasst:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Samaras und Stournaras finden sich jetzt in derselben Lage wie ihr Vorg&auml;nger, nachdem sie in die leere Staatskasse und in die Gesichter ihrer Kollegen von der Eurogruppe gestarrt haben. Wenn sie etwas von den Europ&auml;ern wollen &ndash; mehr Zeit, mehr Liquidit&auml;t, mehr Schuldenerlass &ndash; werden sie zuerst demonstrieren m&uuml;ssen, dass sie imstande sind, Fortschritte bei den strukturellen Reformen, bei Privatisierungen und Haushaltsk&uuml;rzungen zu liefern.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das Schl&uuml;sselwort &bdquo;liefern&ldquo; betonte auch EU-Kommisionspr&auml;sident Barroso, als er Ende Juli in Athen vorsprach. Dabei soll er nach griechischen Presseberichten der Regierung Samaras die Warnung &uuml;bermittelt haben: &bdquo;Seht euch vor, es gibt Leute, die euch schon abgeschrieben haben.&ldquo; Bei solchen &Auml;u&szlig;erungen stellt sich aus Athener Sicht immer die Frage, ob sie als freundliche Warnung oder als aggressive Drohung gemeint sind. In jedem Fall sind Hinweise wie diese geeignet, der griechischen Seite den Ernst der Lage &ndash; aber vor allem auch ihre eigene Ohnmacht &ndash; vor Augen zu f&uuml;hren.<\/p><p><strong>Die unverhandelbaren Vorbedingungen f&uuml;r Neuverhandlungen &uuml;ber das Sparprogramm<\/strong><\/p><p>F&uuml;r ihre m&ouml;gliche Bereitschaft zu Neuverhandlungen &uuml;ber das Sparprogramm stellen die Gl&auml;ubiger Griechenlands zwei unverhandelbare Vorbedingungen, die bis zum n&auml;chsten Troika-Bericht (Anfang Oktober) erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen. <\/p><ol>\n<li>K&uuml;rzungen in H&ouml;he von 11,6 Milliarden Euro im Haushaltsansatz f&uuml;r 2013 und 2014;<\/li>\n<li>Fortschritte bei Ma&szlig;nahmen und Reformen, zu denen sich Griechenland gro&szlig;enteils schon fr&uuml;her verpflichtet hat. Zu diesen Ma&szlig;nahmen geh&ouml;ren:\n<ul>\n<li>strukturelle Reformen im &ouml;ffentlichen Dienst (sprich: Lohnsenkungen und Entlassungen);<\/li>\n<li>Fortschritte im Hinblick auf die Effizienz der steuerlichen Erfassung und der Steuereinnahmen, einschlie&szlig;lich der Beschleunigung einschl&auml;giger juristischer Verfahren.<\/li>\n<li>Beschleunigung des Privatisierungsprogramms und Steigerung der Privatisierungsgewinne.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p><strong>Der Vorwurf der verschleppten Reformen<\/strong><\/p><p>Betrachten wir zun&auml;chst die zweite Vorbedingung, also die von Athen geforderten Ma&szlig;nahmen und Reformen. Hier stellen sich zwei Fragen, die man auseinanderhalten muss:<\/p><ol>\n<li>Ist der Vorwurf der verschleppten Reformen und nicht eingel&ouml;sten Zusagen berechtigt?<\/li>\n<li>Sind die griechischen Vers&auml;umnisse die wichtigste Ursache f&uuml;r das Scheitern der Sparprogramme, wie die Troika behauptet?<\/li>\n<\/ol><p>Auf die erste Frage gibt es eine klare Antwort: Sieht man einmal davon ab, ob die &bdquo;Reformen&ldquo; sinnvoll sind, ist der Vorwurf berechtigt. Es gibt in der Tat massive und teilweise skandal&ouml;se Vers&auml;umnisse. Fast alle von der Troika eingeforderten Ma&szlig;nahmen stellen Verpflichtungen dar, die Athen schon im Rahmen des ersten und des zweiten Memorandums (vom November 2011 und M&auml;rz 2012) eingegangen ist (oder eingehen musste), die teilweise aber sogar bis zum Mai 2010 zur&uuml;ckreichen. Auf einigen Gebieten wurde die gesetzliche Voraussetzung f&uuml;r die zugesagten Reformen geschaffen, die Umsetzung jedoch verz&ouml;gert oder noch gar nicht angegangen. F&uuml;r die Verschleppung der Ma&szlig;nahmen war zum Teil das Parlament, zum gr&ouml;&szlig;eren Teil aber das Versagen &ndash; oder die Obstruktion &ndash; der B&uuml;rokratie verantwortlich. Insbesondere wurden fast alle Zusagen, die von griechischer Seite im zweiten Memorandum gemacht wurden, w&auml;hrend der Wahlkampfperiode (April bis Juni 2012) verschleppt oder boykottiert, weil die Parteien (voran ND und Pasok) ihren speziellen W&auml;hlergruppen bestimmte Zumutungen ersparen wollten. Besonders sp&uuml;rbar war diese Verschleppungstaktik bei den Steuereinnahmen, weil bestimmte Zahlungsfristen (auch f&uuml;r zur&uuml;ckliegende Steuerschulden) in die Nachwahlzeit verschoben wurden.<\/p><p>Wegen der Wahlen wurde zum Beispiel die Erstellung eines Informationssystem verschoben, in dem die Angeh&ouml;rigen des &ouml;ffentlichen Dienstes (mit ihren Qualifikationen und ihrer beruflichen Laufbahn) zentral erfasst werden sollen. Man wollte die beamtete Klientel nicht verschrecken, die darin (zurecht) ein Instrument zur Rationalisierung der staatlichen B&uuml;rokratien gesehen h&auml;tte. In diesem Kontext sei daran erinnert, dass die Regierung Papandreou im Fr&uuml;hjahr 2010 die Zahl der &ouml;ffentlichen Bediensteten erst einmal mittels eines &bdquo;Zensus&ldquo; erfassen musste, um die ersten Troika-Inspektoren &uuml;ber den personellen Umfang der eigenen B&uuml;rokratie unterrichten zu k&ouml;nnen. Aber der Krebsschaden dieser B&uuml;rokratie ist bis heute nicht behoben: Es gibt keine zentralisierten Informationssysteme jenseits der einzelnen Ministerien, die sich der Kontrolle von oben m&ouml;glichst entziehen und Informationen mit anderen Ministerien nur ungern teilen. Und auch innerhalb der Ministerien gibt es nur schwache vertikale Kontrollen, sodass Vorg&auml;nge auf unterer Ebene leicht blockiert werden k&ouml;nnen. Zudem arbeiten viele &ouml;ffentliche &Auml;mter noch mit Handakten und Papierformularen; ein Besuch in einer griechischen Beh&ouml;rde gleicht nach wie vor einer Exkursion in ein Museum des vorindustriellen Zeitalters. Einen &Uuml;berblick und eine soziologische Erkl&auml;rung dieser und anderer Eigenheiten des griechischen Staatsapparates &ndash; die den viel beklagten Betrug der &ouml;ffentlichen Bediensteten am B&uuml;rger beg&uuml;nstigen &ndash; bietet ein Text von Robert H. Wade, der im Juli 2012 in der <a href=\"http:\/\/mondediplo.com\/blogs\/greece-breaking-the-doom-loop\">englischen Ausgabe von Le Monde diplomatique erschienen ist<\/a>. Ohne Informationen, wie sie Wade bietet, ist das komplexe Problem namens Griechenland nicht zu erfassen. <\/p><p>Am R&uuml;ckstand der griechischen &bdquo;Reformen&ldquo; gibt es nichts zu besch&ouml;nigen. Seit Beginn der Krise ist aus den vielen Ank&uuml;ndigungen in der Realit&auml;t wenig erfolgt. Die Evaluierung des &ouml;ffentlichen Dienstes zum Beispiel, die langfristig den (unvermeidlichen) Personalabbau nach qualitativen Kriterien erm&ouml;glichen soll, setzt Reformen und Verfahren voraus, die bereits vor zwei Jahren h&auml;tten angepackt werden k&ouml;nnen. Allerdings ist es v&ouml;llig erkl&auml;rlich, dass es gegen solche Reformen gerade in einem Klientelstaat viel Widerstand gibt, weil in einem solchen System mehr Personen dank pers&ouml;nlicher Beziehungen und nicht dank ihrer Qualifikationen oder nach Bedarf eingestellt wurden. Aufgrund solcher Widerst&auml;nde ist in vielen Sektoren und auf vielen Ebenen viel Zeit verloren gegangen. Das beklagt nicht nur die Troika, sondern mittlerweile auch eine Mehrheit der Bev&ouml;lkerung, die kapiert hat, dass ohne Reformen im &ouml;ffentlichen Sektor die &bdquo;griechischen Krankheit&ldquo; nicht &uuml;berwunden werden kann.<\/p><p><strong>Man darf das &Uuml;bel des Klientilismus nicht verharmlosen<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle muss &ndash; auch wenn das in manchen Kreisen nicht gerne geh&ouml;rt wird &ndash; noch einmal deutlich gesagt werden: Eine &bdquo;linke&ldquo; Griechenland-Solidarit&auml;t, die von den eingefleischten &Uuml;beln des Klientelstaats absieht, n&uuml;tzt weder den Griechen noch dem Verst&auml;ndnis der Realit&auml;t (das gilt auch f&uuml;r Analysen wie die von Karlheinz Roth, die unter dem ambitionierten Titel &bdquo;Griechenland &ndash; was tun?&ldquo; im VSA-Verlag erschienen ist). Viele &ndash; aber keineswegs alle &ndash; der von der Troika eingeforderten Reformen sind einfach &uuml;berf&auml;llig, und wenn sie fr&uuml;her angepackt worden w&auml;ren, h&auml;tte das Land nicht die Probleme, die es heute unter extrem harten Bedingungen zu bew&auml;ltigen hat. Das hei&szlig;t umgekehrt, dass jeder Zeitverlust bei der &Uuml;berwindung des Klientelismus die Heilung der griechischen Krankheit verz&ouml;gert, also die Leiden des Patienten verl&auml;ngert und seine Schmerzen ins Unertr&auml;gliche steigert. Die H&auml;rten der Einkommensverluste und des Sozialabbaus &ndash; speziell f&uuml;r die &Auml;rmsten der griechische Gesellschaft &ndash; sind nur in dem Ma&szlig;e zu mildern, in dem es gelingt, den Klientelstaat zu &uuml;berwinden. Dass der Klientelstaat der gr&ouml;&szlig;te Feind des Sozialstaats ist, haben die Griechen m&uuml;hsam zu lernen begonnen. Die &bdquo;Freunde Griechenlands&ldquo; sollten ihre Freunde in Griechenland bei diesem Lernprozess unterst&uuml;tzen, statt ihnen lediglich zu best&auml;tigen, dass sie hilflose Opfer der Troika und der internationalen Finanzm&auml;rkte sind.<\/p><p><strong>In welche Ma&szlig;e haben Vers&auml;umnisse zum Scheitern des Sparprogramms beigetragen?<\/strong><\/p><p>Das beantwortet aber noch nicht die zweite Frage, in welchem Ma&szlig;e diese Vers&auml;umnisse zum Scheitern des Sparprogramms beigetragen haben. Hier ist die Antwort weit weniger eindeutig. Zwar gibt es einen  Zusammenhang zwischen Reformstau und Verfehlung der Sparziele, aber den m&uuml;sste man jeweils im Einzelfall untersuchen. Klar zutage liegt der Zusammenhang, wenn man die Vers&auml;umnisse bei der Steuererfassung betrachtet, die unmittelbar zu Defiziten bei den Staatseinnahmen f&uuml;hren. Seit 2010 wurde Lawinen von immer neuen Pl&auml;nen durch die Etagen des Finanzministeriums gew&auml;lzt, von denen bislang kein einziger in die Praxis umgesetzt wurde. Fast jeden Monat tauchen neue Listen von erwiesenen oder mutma&szlig;lichen Steuerschuldnern auf, deren deklarierte Einkommen mit ihren Verm&ouml;gensverh&auml;ltnissen abgeglichen werden sollen. Die &bdquo;Rambos&ldquo; der Polizeitruppe zur Bek&auml;mpfung der Wirtschaftskriminalit&auml;t sind rastlos unterwegs und nehmen immer wieder Steuers&uuml;nder fest. Aber die juristischen Voraussetzungen f&uuml;r fast-track-Verfahren, um erwiesene Steuerschulden einzutreiben, sind immer noch nicht geschaffen. Die Summe der ausstehenden Steuerbetr&auml;ge von Gro&szlig;schuldnern liegt nach wie vor bei &uuml;ber 40 Milliarden Euro.<\/p><p>F&uuml;r den griechischen Haushalt z&auml;hlen jedoch nicht nur die gro&szlig;en Steuergangster. Kleinvieh macht auch Mist: Die gesch&auml;tzten Verluste des Fiskus, die durch Schwarzarbeit und nicht abgef&uuml;hrte Mehrwertsteuer entstehen, belaufen sich j&auml;hrlich auf zweistellige Milliardensummen, Tendenz steigend. Der R&uuml;ckstand bei den Steuereinnahmen, der allein im ersten Halbjahr 2012 bereits auf 2,5 Milliarden Euro aufgelaufen ist, erkl&auml;rt sich nahezu vollst&auml;ndig aus unterschlagenen Mehrwertsteuerbetr&auml;gen. Bei ihren Inspektionen auf griechischen Inseln hat die Steuerpolizei diesen Sommer festgestellt, dass zwischen 60 und 90 Prozent der kontrollierten Restaurants und Gesch&auml;fte keine Quittungen ausstellten, auf Grund derer die MWS-Betr&auml;ge erfasst werden k&ouml;nnten (Besonders hohe Hinterziehungsquoten erzielten dabei einige Bezirke in Kreta und von Touristen viel frequentierte Inseln wie Rhodos, Kos und Kerkyra). Das hat nat&uuml;rlich auch mit der Krise zu tun, die viele Gesch&auml;fte tats&auml;chlich nur mit betr&uuml;gerischen Methoden &uuml;berleben k&ouml;nnen. Zudem will sich ein Tavernenbesitzer, der damit rechnen muss, dass er n&auml;chste Saison nur noch Drachmen kassiert, diesen Sommer keinen Euro entgehen lassen. Dies ist nur ein Beispiel daf&uuml;r, wie schwer es ist, unter Bedingungen einer schweren Rezession ein Mindestma&szlig; von Steuerehrlichkeit durchzusetzen. Auch das relativiert den Vorwurf der Troika, dass allein die Vers&auml;umnisse der Athener Politiker f&uuml;r das Scheitern der Sparziele verantwortlich seien.<\/p><p><strong>Privatisierungen scheitern an der Rezession und an der Spekulation<\/strong><\/p><p>Ganz falsch sind die Vers&auml;umnis-Vorw&uuml;rfe im Hinblick auf die ausbleibenden Privatisierungserl&ouml;se. Daf&uuml;r, dass sich die Erwartungen nicht erf&uuml;llt haben, sind ganz andere Ursachen ma&szlig;geblich: n&auml;mlich die Rezession und vor allem die Spekulation auf die R&uuml;ckkehr der Drachme (die Privatisierungspolitik werde ich ausf&uuml;hrlich in meinem n&auml;chsten Beitrag analysieren). <\/p><p>Alles in allem gilt f&uuml;r die Vorw&uuml;rfe der Troika an die Athener Adresse: Die Bedeutung der griechischen Vers&auml;umnisse f&uuml;r das bisherige Scheitern der Sparprogramme wird stark &uuml;bertrieben. Das Motiv daf&uuml;r liegt auf der Hand: Mit den &ndash; auf vielen Feldern berechtigten &ndash; Vorw&uuml;rfen will man kritischen Fragen nach den offensichtlichen Strukturdefekten des ganzen Programms ausweichen. Darauf hat der Kolumnis Nick Markoutzis in der Kathimerini vom 22. August hingewiesen: &bdquo;Wenn man die Tatsache, dass Griechenland den fiskalischen Zielvorgaben der Troika st&auml;ndig hinterher hechelt, mit der griechischen Laxheit erkl&auml;ren will, ist das nichts als ein Trick.&ldquo; Die eigentlichen Ursachen sieht Markoutzis zurecht in der &bdquo;unaufh&ouml;rliche Verschlechterung der Wirtschaftsdaten und in den politischen Schwierigkeiten bei der Durchsetzung einer Austerit&auml;tspolitik, die f&uuml;r ein Euroland beispiellos ist.&ldquo;<\/p><p><strong>Was bedeuten die neuen Haushaltsk&uuml;rzungen?<\/strong><\/p><p>Zum Schluss noch ein Blick auf die erste Bedingung, die von der Regierung Samaras bis Mitte September erf&uuml;llt sein muss: die Verabschiedung von neuen Haushaltsk&uuml;rzungen in H&ouml;he von 11, 6 Milliarden Euro. &Uuml;ber die Details des neuen, insgesamt dritten Sparprogramms, wollte ich eigentlich schon vor l&auml;ngerer Zeit berichten. Die Regierung hatte mehrfach angek&uuml;ndigt, sie werde die Details der Einsparungen auf jeden Fall vor der Samaras-Reise nach Berlin und Paris beschlossen haben. Das ist ihr aber nicht gelungen, weil sich weder die einzelnen Ministerien noch die drei Koalitionsparteien auf eine gemeinsame Streichliste verst&auml;ndigen konnten. Der sogenannte &bdquo;Sparstab&ldquo;, der  im Finanzministerium unter Leitung des Vize-Finanzministers Staikouras arbeitet, hat nach wochenlangen Berechnungen und Verhandlungen mit den Ministerien als Diskussionsgrundlage eine Liste von Sparma&szlig;nahmen vorgelegt, die eine Gesamtsumme von fast 14 Milliarden Euro ausmachten. Unklar ist, ob der Stab damit bereits auf Berichte reagiert hat, wonach die Troika eine zus&auml;tzliche Etatl&uuml;cke identifiziert habe (die je nach Quelle auf 2,5 bis 4 Milliarden Euro beziffert wird). Jedenfalls hat Samaras diese erweiterte Streichliste in Berlin und Paris vorgezeigt, um die flexible Sparbereitschaft seiner Regierung unter Beweis zu stellen. Das ersparte ihm zugleich die Antwort auf die Frage, auf welche Ma&szlig;nahmen sich die Regierung konkret geeinigt hat.<\/p><p>Aber eine Einigung steht immer noch aus. Die Athener Regierung muss aus der Streichliste der Spartechnokraten innerhalb der n&auml;chsten zehn Tage einen Mix destillieren, der Akzeptanz auf drei Ebenen finden soll:<\/p><ul>\n<li>im Kabinett und im Parlament bei den drei Regierungsparteien;<\/li>\n<li>bei den Vertretern der Troika, die jeden Vorschlag auf seinen Spareffekt und seine &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; &uuml;berpr&uuml;fen werden;<\/li>\n<li>auf der Ebene der Gesellschaft und bei den durch die K&uuml;rzungen betroffenen Gruppen.<\/li>\n<\/ul><p>Im Grundsatz steht bereits fest, dass die endg&uuml;ltige Streichliste unter anderem die laufenden Ausgaben (v.a. Sachmittel) aller Ministerien und weitere K&uuml;rzungen im R&uuml;stungsprogramm (von bis zu einer Milliarde Euro) vorsieht. Die gr&ouml;&szlig;ten Einsparungen erfolgen jedoch auf Kosten von drei Gruppen: <\/p><ol>\n<li>Rentner mit mittleren und h&ouml;heren Bez&uuml;gen; <\/li>\n<li>Solche &ouml;ffentlich Bedienstete, die bislang relativ verschont wurden;<\/li>\n<li>Besch&auml;ftigte im &bdquo;erweiterten &ouml;ffentlichen Sektor&ldquo;, also bei staatlichen und halbstaatlichen Unternehmen.<\/li>\n<\/ol><p>Zu 1: Bei den Renten sollen allein mindestens 2,6 Milliarden Euro eingespart werden; die K&uuml;rzungen sind gestaffelt, nach neuesten Berichten von 3 % f&uuml;r Renten zwischen 700 und 1000 Euro bis 15 oder 20 % f&uuml;r Renten &uuml;ber 2000 Euro Ta Nea vom 29. August), betreffen aber auch Zusatzrenten und staatliche Beihilfen, die Mini-Renten aufbessern sollen.<\/p><p>Zu 2: Die K&uuml;rzungen betreffen erstmals auch die sogenannten &bdquo;besonderen Gehaltsgruppen&ldquo;, also Milit&auml;r, Polizei und Feuerwehr, &Auml;rzte an staatlichen Krankenh&auml;usern, Universit&auml;tspersonal und den diplomatischen und Justizdienst (Richter, Staatsanw&auml;lte). Dabei sind nicht alle Gruppen gleich betroffen, die gr&ouml;&szlig;ten Gehaltseinbu&szlig;en sind bei Diplmaten und Richtern und bei den Universit&auml;ten vorgesehen, die geringsten bei den &bdquo;uniformierten Bediensteten&ldquo;.<\/p><p>Zu 3: Die Besch&auml;ftigten bei staatlichen und halbstaatlichen Betrieben, die bislang die geringsten Gehaltseinbu&szlig;en hatten, werden jetzt prozentual am st&auml;rksten belastet: Ihre Bez&uuml;ge sollen um 30 bis 35 Prozent zusammengestrichen werden. <\/p><p><strong>Neue Konflikte bei der Durchsetzung eines weiteren Sparprogramms<\/strong><\/p><p>Konkrete Beispiele f&uuml;r die Einkommensverluste bestimmter Gruppen werde ich geben, wenn das Paket der neuen Ma&szlig;nahmen endg&uuml;ltig beschlossen ist. Dem werden noch heftige Konflikte vorausgehen, die sogar den Fortbestand der Troika-Koalition in Frage stellen k&ouml;nnten. Als wichtigste Konfliktpunkte zeichnen sich heute schon ab:<\/p><ol>\n<li>Die K&uuml;rzungen bei den &bdquo;besonderen Gehaltsgruppen&ldquo; und insbesondere bei Polizei und Milit&auml;r. Diese Bereiche waren schon immer die Dom&auml;ne der konservativen Nea Dimokratia. Die zust&auml;ndigen Minister in der Samaras-Regierung stellt selbstredend die ND. Deshalb wollte die konservative Regierungspartei ihre Schutzbefohlenen zu Beginn der Streichdebatten vor jeder Gehaltsk&uuml;rzung sch&uuml;tzen. Dabei bediente sie sich nicht nur der &uuml;blichen Klischees von den &bdquo;W&auml;chtern der Nation&ldquo; und der besonderen &bdquo;patriotischen Verantwortung&ldquo; der Uniformtr&auml;ger. Intern verwies sie auch auf die Gefahr, dass in Zukunft noch mehr frustrierte Polizisten die rechtsradikale Partei Chrysi Avgi w&auml;hlen k&ouml;nnten (seit l&auml;ngerem ge&auml;u&szlig;erte Vermutungen, dass v.a. bei der Bereitschaftspolizei MAT starke Sympathien f&uuml;r die Neonazis herrschen, haben sich nach den letzten Wahlen deutlich verst&auml;rkt). Die Pasok und die Dimar dr&auml;ngten von Anfang an darauf, die besonderen Berufsgruppen nicht l&auml;nger zu schonen. Sie werden sich aber wohl auf den Kompromiss einlassen, den die ND-Minister anstreben: den Uniformierten nur geringe K&uuml;rzungen (unter 5 Prozent) zuzumuten und vor allem die niedrigen Gehaltsgruppen ganz zu verschonen. Die Schonung entspringt gewiss auch der &Uuml;berlegung, dass ein junger Bereitschaftspolizist, den die Regierung gegen protestierende Menschenmassen einsetzen will, mit einem Nettolohn von 650 Euro wom&ouml;glich kein besonders loyaler Staatsdiener sein d&uuml;rfte. In der Gesellschaft wird diese Sonderbehandlung der Uniformierten aber nicht gut ankommen. &bdquo;Die Waffentr&auml;ger werden gerettet, die Rentner werden getunkt&ldquo; lautet die gestrige Schlagzeile in Ta Nea.<\/li>\n<li>Die erheblichen Einschnitte in die Geh&auml;lter und Bez&uuml;ge von &ouml;ffentlichen Unternehmen wie dem Stromversorger DEI oder kommunalen Verkehrsbetrieben (die Gruppe l&auml;uft unter dem Namen DEKO, also &bdquo;&ouml;ffentliche Unternehmen und Organisationen&ldquo;). Hier muss die Regierung mit besonders heftigen Reaktionen rechnen, weil die Gewerkschaften im &ouml;ffentlichen Bereich sehr stark und ohnehin bereits mobilisiert sind, um gegen die angek&uuml;ndigten Privatisierungspl&auml;ne zu protestieren und im Ernstfall zu streiken. Dennoch ist damit zu rechnen, dass alle drei Regierungsparteien gerade gegen&uuml;ber diesen Gruppen hart bleiben. Und zwar auch deshalb, weil sie einen Gro&szlig;teil der &Ouml;ffentlichkeit &ndash; und die Mehrheit der Besch&auml;ftigten des privaten Sektors &ndash; auf ihrer Seite wissen, weil die Bez&uuml;ge bei den bislang verschonten DEKOs ganz erheblich &uuml;ber den Durchschnittsl&ouml;hnen des privaten Sektors liegen.<\/li>\n<li>Die weiteren personellen K&uuml;rzungen im engeren &bdquo;&ouml;ffentlichen Dienst&ldquo;: Auf diesem Gebiet sind die h&auml;rtesten Konflikte nicht innerhalb der Koalition, sondern mit der Troika zu erwarten. Im ersten Entwurf des Sparprogramms wollte die Regierung jeden Personalabbau vermeiden, der &uuml;ber das Ausscheiden bei Rentenalter hinausgeht, wie es alle drei Parteien vor der Wahl versprochen hatten. Auf Einspruch der Troika-Vertreter sah man sich gezwungen, doch wieder auf das von der Regierung Papadimos praktizierte Modell der &bdquo;Arbeitsreserve&ldquo; zur&uuml;ck zu greifen. In diesem Bereich sollen &bdquo;&uuml;berfl&uuml;ssige&ldquo; &ouml;ffentliche Bedienstete, die man nicht mit einer verfr&uuml;hten Pensionierung locken kann, bei reduzierten Bez&uuml;gen abgeladen werden. Der Zeitraum dieser Bez&uuml;ge (von ca. 60 Prozent) soll allerdings auf drei Jahre (statt zuvor einem Jahr) erweitert werden. Der Plan wird auf heftigen Widerstand der Gewerkschaften treffen, was f&uuml;r Pasok und Dimar ein gr&ouml;&szlig;eres Problem darstellen k&ouml;nnte.<\/li>\n<\/ol><p>Im n&auml;chsten Bericht werde ich Details zu diesem Sparprogramm nachliefern und &uuml;ber die ersten absehbaren Reaktionen aus der Gesellschaft berichten. Zudem will ich &uuml;ber die Privatisierungspl&auml;ne berichten, die von der Bev&ouml;lkerung zum Teil begr&uuml;&szlig;t, zum Teil akzeptiert, zum Teil aber auch heftig abgelehnt werden. Und ich werde die Haltung &ndash; und das Dilemma &ndash; der linken Oppositionspartei Syriza beschreiben, die bereits  ihren aktiven Widerstand gegen die Privatisierungen angek&uuml;ndigt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diskussionen &uuml;ber die M&ouml;glichkeit &ndash; oder Wahrscheinlichkeit &ndash; eines &bdquo;Grexit&ldquo; geht weiter &ndash; auch nach dem Antrittsbesuch des griechischen Regierungschefs Samaras in Berlin und Paris. Innerhalb der deutschen Regierungskoalition reicht offenbar selbst ein Machtwort der Kanzlerin nicht aus, um geschw&auml;tzige Populisten im eigenen Lager zum Schweigen zu bringen (&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/verbalattacken-zur-euro-krise-dobrindt-bugsiert-die-csu-in-die-glaubwuerdigkeitsfalle-1.1451060\">CSU macht Merkel l&auml;cherlich<\/a>&ldquo;). 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