{"id":142983,"date":"2025-12-01T13:00:30","date_gmt":"2025-12-01T12:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142983"},"modified":"2025-12-02T12:51:05","modified_gmt":"2025-12-02T11:51:05","slug":"die-vogel-strauss-taktik-der-bundesregierung-bei-geplanter-nutzung-des-eingefrorenen-russischen-staatsvermoegens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142983","title":{"rendered":"Die Vogel-Strau\u00df-Taktik der Bundesregierung bei geplanter Nutzung des eingefrorenen russischen Staatsverm\u00f6gens"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Generaldebatte im Bundestag am 26. November hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erneut betont, dass er die im EU-Raum eingefrorenen Verm&ouml;genswerte der russischen Zentralbank f&uuml;r die EU verf&uuml;gbar machen will. Auf der Bundespressekonferenz best&auml;tigte sein Sprecher dies und erkl&auml;rte, das sei &bdquo;ein ganz wichtiger Schritt&ldquo;, den die Bundesregierung &bdquo;mit Hochdruck&ldquo; vorantreibe. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> hatten vor diesem Hintergrund einige Fragen zu den finanz- und wirtschaftspolitischen Folgen eines solches Schrittes. Denn Staatsverm&ouml;gen hat gem&auml;&szlig; V&ouml;lkerrecht einen umfassenden Immunit&auml;tsschutz und ist laut dem Prinzip der Staatensouver&auml;nit&auml;t einem fremden Zugriff grunds&auml;tzlich entzogen. Zudem kam die Frage auf, wie die Bundesregierung verhindern will, dass in Folge etwa China und Saudi-Arabien ihre Verm&ouml;genswerte aus dem EU-Raum abziehen. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9099\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-142983-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=142983-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251201_Die_Vogel_Strauss_Taktik_der_Bundesregierung_bei_geplanter_Nutzung_des_eingefrorenen_russischen_Staatsvermoegens_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/52UOaGcjYIo\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir wollen die eingefrorenen russischen Verm&ouml;genswerte genau daf&uuml;r verf&uuml;gbar machen. Putin muss erkennen, dass er keine Chance bekommt, diesen Krieg zu Lasten der europ&auml;ischen Freiheits- und Friedensordnung zu gewinnen, meine Damen und Herren&ldquo;. <\/p><\/blockquote><p>So die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PCojdvcheNw\">Ausf&uuml;hrungen<\/a> (ab Minute 43:06 im verlinkten Video) des Bundeskanzlers bei der Generaldebatte im Bundestag am 26. November. <\/p><p>Worauf der Kanzler und auch seine Sprecher in der Bundespressekonferenz bisher mit keinem Wort eingegangen sind, ist allerdings das enorme finanz- und wirtschaftspolitische sowie v&ouml;lkerrechtliche Risiko eines solchen pr&auml;zedenzlosen Vorgehens der Enteignung eines souver&auml;nen Staates. <\/p><p>Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden auf Initiative der EU Verm&ouml;genswerte der russischen Zentralbank im Gesamtwert von 210 Milliarden Euro im EU-Raum eingefroren. 191 Milliarden davon allein bei dem Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.euroclear.com\/newsandinsights\/en\/press\/2024\/2024-mr-04-strong-performance-fy2023.html\">Euroclear<\/a>, einer globalen Finanzmarktinfrastrukturgruppe mit Sitz in Br&uuml;ssel. Das Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung des Wertpapierhandels und der Verwahrung. Die Gelder steckten, bevor es zum Einfrieren kam, vor allem in Staatsanleihen und sollten <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/russische-vermoegen-wecken-begehrlichkeiten-in-eu-staaten-accg-110662863.html\">Rentenzahlungen des russischen Staates absichern<\/a>. <\/p><p>Das zentrale Problem bei dem Vorhaben von Merz und Co: Das Staatsverm&ouml;gen eines jeden Staates hat gem&auml;&szlig; V&ouml;lkerrecht einen umfassenden Immunit&auml;tsschutz und gilt, dem Prinzip der Staatensouver&auml;nit&auml;t folgend, einem fremden Zugriff als <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/21\/023\/2102308.pdf\">grunds&auml;tzlich entzogen<\/a>. <\/p><p>Aber auch eine Konfiszierung von ebenfalls rechtlich umfassend gesch&uuml;tzten Privatverm&ouml;gen w&auml;re v&ouml;lker- und finanzrechtlich h&ouml;chst herausfordernd, denn zuerst muss eine individuelle, pers&ouml;nliche Verantwortung der betroffenen Menschen nachgewiesen werden, wie z.B. die <em>NZZ<\/em> in diesem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/gesperrte-gelder-der-russischen-zentralbank-die-eu-kommission-sorgt-fuer-ernuechterung-ld.1770035\">ausf&uuml;hrt<\/a>.<\/p><p>Das Einfrieren durch die EU betrifft folglich nicht nur die staatlichen Verm&ouml;genswerte der Russischen F&ouml;deration, sondern gleichzeitig auch angelegte private Gelder von rund f&uuml;nf Millionen russischen Staatsb&uuml;rgern, von denen die gro&szlig;e Mehrheit nachweislich <a href=\"https:\/\/meduza.io\/amp\/feature\/2025\/04\/02\/es-zamorozil-rossiyskie-aktivy-na-sotni-milliardov-evro-ih-ne-konfiskovyvayut-dlya-pomoschi-ukraine-no-i-ne-vozvraschayut-rf-poka-idet-voyna\">nicht unter die westlichen Sanktionen f&auml;llt<\/a>, und die dennoch bedingt durch das mutma&szlig;lich v&ouml;lkerrechtswidrige Vorgehen der EU seit Jahren nicht auf ihr Privateigentum zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnen.<\/p><p>Doch es wird noch komplexer. Wie unter anderem die belgische Zeitung <em>De Tijd<\/em> <a href=\"https:\/\/brusselssignal.eu\/2025\/02\/billions-of-euros-in-frozen-russian-assets-not-so-russian-belgian-news-outlet-says\/\">ausf&uuml;hrt<\/a>, befinden sich unter den eingefrorenen Transaktionen in H&ouml;he von 193 Milliarden Euro der russischen Zentralbank erhebliche Summen, die tats&auml;chlich westlichen Finanzinstituten geh&ouml;ren, darunter JPMorgan mit Sitz in den USA. JPMorgan hat bisher erfolglos versucht, 2,25 Milliarden Euro an von der EU gesperrten Geldern zur&uuml;ckzufordern. Weiterhin berichtet die belgische Zeitung, dass auch mehrere europ&auml;ische Banken sich in einer &auml;hnlichen Situation befinden &ndash; sich aber auf Grund politischen Drucks dazu entschieden haben, &uuml;ber ihre von der EU eingefrorenen Verm&ouml;genswerte im Zusammenhang mit dem russischen Staatsverm&ouml;gen zu schweigen, um so negative &Ouml;ffentlichkeit zu vermeiden.<\/p><p>Abschlie&szlig;end schreibt <em>De Tijid<\/em> nach Durchsicht eines Teils der bisher gesperrten Gelder: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die unbequeme Wahrheit ist, dass der Gro&szlig;teil dieser Stichprobe nicht von Personen und Unternehmen stammt, die auf einer Sanktionsliste stehen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Eine von der EU-Kommission im Februar 2023 eingerichtete Arbeitsgruppe kam im Juni 2023 zu dem Ergebnis, dass es keinerlei Rechtsgrundlage f&uuml;r eine Konfiszierung der russischen Verm&ouml;genswerte gibt.<\/p><p>Der damalige &ouml;sterreichische Au&szlig;enminister Alexander Schallenberg <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2023-06-21\/eu-sees-legal-hurdles-to-seizing-russian-assets-to-help-ukraine\">wies<\/a> in diesem Zusammenhang auf die enormen wirtschaftlichen und politischen Risiken hin, wenn Russland gegen diesen mutma&szlig;lich v&ouml;lkerrechtswidrigen Enteignungsversuch der EU erfolgreich klagen w&uuml;rde: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir sind Rechtsstaaten. [&hellip;] Sollte eine dieser Ma&szlig;nahmen von einem Richter aufgehoben werden, w&auml;re das eine diplomatische und wirtschaftliche Katastrophe.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auch die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) warnte die Europ&auml;ische Kommission, dass eine derartige Ma&szlig;nahme das Vertrauen in den Euro als globale W&auml;hrung untergraben, ein negatives Signal an die globalen M&auml;rkte aussenden und zudem die Zentralbanken von L&auml;ndern mit gro&szlig;en Verm&ouml;gensreserven in der EU bewegen k&ouml;nnte, sich vom Euro abzuwenden. <\/p><p>Ein EU-Diplomat <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/4e6499e0-33db-423a-a74b-528118792d22\">erkl&auml;rte<\/a> gegen&uuml;ber der <em>Financial Times<\/em> in diesem Zusammenhang: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Man kann nicht einfach das Gesetz umgehen. Und selbst wenn es eine rechtliche Rechtfertigung gibt, ist nicht klar, welche Folgen diese Entscheidung f&uuml;r den Status des Euro als Weltw&auml;hrung haben wird.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Einer der EU-Staaten, die sich am vehementesten bisher gegen die geplante Enteignung von russischem Staatsverm&ouml;gen aussprechen, ist Belgien, wo der schon erw&auml;hnte Verm&ouml;gensverwalter Euroclear seinen Sitz hat und ein Gro&szlig;teil des eingefrorenen russischen Staatsverm&ouml;gens deponiert ist. Vor diesem Hintergrund f&uuml;hrte der belgische Au&szlig;enminister Maxime Pr&eacute;vot an:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Diese (russischen) Verm&ouml;genswerte sind durch das V&ouml;lkerrecht solide gesch&uuml;tzt und ihre Beschlagnahme w&uuml;rde systemische finanzielle Instabilit&auml;t verursachen und das Vertrauen in den Euro untergraben.&ldquo; <\/p><\/blockquote><p>&Auml;hnlich &auml;u&szlig;erte sich die Pr&auml;sidentin der Europ&auml;ischen Zentralbank, Christine Lagarde, die eindringlich vor solchen Verwerfungen warnt, sowie der italienische Au&szlig;enminister Antonio Tajani, der &ouml;ffentlich erkl&auml;rte: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen die Regeln einhalten [&hellip;] Das ist ein juristisches Problem, keine politische Entscheidung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Doch der angeblich sonst so regelkonforme Bundeskanzler und sein Kabinett scheinen sich, koste es, was es wolle, &uuml;ber all die angef&uuml;hrten begr&uuml;ndeten Bedenken sowie massiven finanz- und geopolitischen Auswirkungen hinwegsetzen zu wollen. <\/p><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 26. November 2025<\/strong><\/p><p><strong>Frage Gerh&auml;usser (Deutsche Welle)<\/strong><\/p><p>Herr Meyer, wir haben den Bundeskanzler geh&ouml;rt, wie er in seiner Rede in der Generaldebatte gesagt hat, dass die eingefrorenen russischen Verm&ouml;genswerte verf&uuml;gbar gemacht werden sollen. Welche H&uuml;rden sind rechtlich schon bearbeitet, damit das tats&auml;chlich m&ouml;glich wird?<\/p><p><strong>Vize-Regierungssprecher Meyer<\/strong><br>\nSie wissen, dass uns dies ein gro&szlig;es Anliegen ist, um die M&ouml;glichkeiten der Ukraine weiterhin zu erh&ouml;hen, sich des russischen Angriffskriegs zu erwehren. Daf&uuml;r ist die Nutzbarmachung dieser Assets nach unserer Auffassung ein ganz wichtiger Schritt. Nach wie vor &ndash; dar&uuml;ber haben wir auch hier immer einmal wieder berichtet &ndash; gibt es nat&uuml;rlich eine Reihe von offenen Fragen, von rechtlichen Fragen und von technischen Fragen. Sie werden derzeit diskutiert. Nun ist es an der EU-Kommission, einen entsprechenden Rechtstext vorzulegen. Ihn erwarten wir. Das ist momentan der Verfahrensstand. Wie gesagt, treiben wir das weiterhin ungeachtet anderer Entwicklungen mit Hochdruck voran.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Gerh&auml;usser<\/strong><\/p><p>Gibt es dazu Erg&auml;nzung vonseiten des Finanzministeriums?<\/p><p><strong>Hartmann (BMF)<\/strong><\/p><p>Ich kann mich dem nur anschlie&szlig;en. Die EU-Kommission erarbeitet zurzeit die Finanzierungsoptionen f&uuml;r die Ukraine. Das ist nat&uuml;rlich sehr wichtig, wie Herr Meyer betont hat. Wir sind optimistisch, dass eine gute L&ouml;sung gefunden werden kann, um die Ukraine nachhaltig finanziell zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p><strong>Frage (unbekannter Journalist)<\/strong><\/p><p>Wird es aus Sicht der Bundesregierung im Falle deutscher Garantien f&uuml;r dieses Unterfangen auf jeden Fall eine Bundestagsentscheidung dazu geben m&uuml;ssen? Wenn ja: Vom Haushaltsausschuss oder vom Plenum? Wie weit sind die Pr&uuml;fungen?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde dazu raten, zun&auml;chst den n&auml;chsten Schritt abzuwarten. Die EU-Kommission ist jetzt am Zug, einen Vorschlag vorzulegen. Das wurde auf den vergangenen Sitzungen vereinbart. Alles Weitere bewerten wir auf Grundlage des Vorschlags.<\/p><p><strong>Frage Jessen (freier Journalist, kooperiert mit jung &amp; naiv)<\/strong><\/p><p>Wahrscheinlich ist das schon irgendwann einmal gesagt worden, aber k&ouml;nnen Sie einen &Uuml;berblick dar&uuml;ber geben, wie hoch die Gesamtsumme der Assets ist, &uuml;ber die hier geredet und beraten wird?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Das Ziel &ndash; darauf hat der Bundeskanzler im September hingewiesen &ndash; ist die Verwendung der &bdquo;frozen assets&ldquo; zur milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung der Ukraine. Es geht nicht um eine Konfiszierung, sondern es geht um ein zinsfreies Darlehen in H&ouml;he von effektiv 140 Milliarden Euro. Das ist die Summe, die hier in Rede steht.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jessen<\/strong><\/p><p>Sind das 140 Milliarden insgesamt, oder ist das eine Jahresmarge?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Das ist nach meinem Verst&auml;ndnis die Zielmarke f&uuml;r das gesamte zinsfreie Darlehen, das zur Verf&uuml;gung gestellt werden soll.<\/p><p><strong>Frage Dr. Rinke (Chefreporter Reuters)<\/strong><\/p><p>Herr Meyer, wir haben jetzt den US-Vorsto&szlig; mit den Verhandlungen &uuml;ber einen m&ouml;glichen Waffenstillstand gesehen. Wie weit beeinflusst er diese Planung? Denn in dem Plan, den die Amerikaner vorgelegt haben, wurde eine andere Verwendung der &bdquo;frozen assets&ldquo; vorgeschlagen.<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Ich werde Zwischenst&auml;nde, einzelne Papiere oder &Auml;hnliches jetzt nicht kommentieren. Herr Rinke, Sie wissen, dass wir uns und der Bundeskanzler sich auch in Person in den vergangenen Tagen sehr intensiv in diesen Prozess eingebracht haben. Wir tun das mit einem klaren Ziel. Wir wollen die Ukraine f&uuml;r m&ouml;gliche Verhandlungen stark machen. Wir haben nat&uuml;rlich das klare Ziel, dass dieser Krieg endet, dass Friede einkehrt und dass dieser Friede nachhaltig und gerecht stattfindet. F&uuml;r uns als Deutschland und auch als Europa ist es wichtig, dass wir Europ&auml;er &uuml;ber Dinge, die quasi im europ&auml;ischen Interesse, aber auch im Bereich unserer politischen Entscheidungen liegen, am Ende nicht nur mitentscheiden, sondern dass wir auch ma&szlig;geblich in der Hand haben, wie sich Dinge weiterentwickeln. Daf&uuml;r wurde eine Reihe von Gespr&auml;chen gef&uuml;hrt, unter anderem in Genf &ndash; das wissen Sie -, aber auch in anderen Formaten, zuletzt gestern im Kreise der Koalition der Willigen. Wir begleiten diesen Prozess sehr intensiv. Wir sehen darin durchaus auch eine Chance, dass jetzt wieder Bewegung in einen Friedensprozess kommt, tun dies aber nicht als neutraler Beobachter, sondern mit einer klaren Zielsetzung.<\/p><p>Ich will noch einmal einen Satz zu dem nachhaltigen und gerechten Frieden sagen, den wir anstreben. Am Ende ist das ja nicht nur ein Grundprinzip, sodass wir aus Prinzipientreue sagen, solch ein Friede m&uuml;sse nachhaltig und gerecht sein, sondern das ist am Ende auch etwas, was mit Blick auf m&ouml;gliche Folgen dringend notwendig ist. Denn was nicht passieren darf, ist, dass ein m&ouml;glicher Friedensschluss am Ende nur mehr eine Atempause ist, in der Russland Kr&auml;fte sammelt, sich neu orientiert und in wenigen Jahren die Ukraine erneut &uuml;berf&auml;llt und angreift. Das kann nun wirklich in niemandes Interesse sein. Deshalb muss jeglicher Friedensschluss am Ende gew&auml;hrleisten, dass er die Ukraine stark macht, sich dauerhaft verteidigen zu k&ouml;nnen, und dass er langfristig nachhaltig und gerecht wirkt. Das ist entscheidend, und in diese Richtung agieren wir derzeit auf allen Ebenen.<\/p><p><strong>Frage Jessen<\/strong><\/p><p>Sie haben die Darlehenssumme genannt: 140 Milliarden. Muss sie eigentlich zu hundert Prozent abgesichert sein? Das w&uuml;rde 140 Milliarden an Assetwerten bedeuten. Bei einer geringeren Absicherung bzw. Garantie w&auml;ren auch die Assetwerte entsprechend geringer.<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Ich denke, die politischen Rahmenbedingungen hat der Bundeskanzler in seinem Namensbeitrag und in weiteren &Auml;u&szlig;erungen umschrieben. Auf dieser Grundlage werden dann weitere Gespr&auml;che gef&uuml;hrt. Was die genaue Ausgestaltung angeht, damit das am Ende rechtlich sicher funktioniert und so eingesetzt werden kann, dass wir dadurch am Ende wirklich einen Fortschritt erzielen, liegt der Ball aktuell bei der EU-Kommission. Das ist nicht ganz unkomplex. Deswegen ist es auch richtig, sich daf&uuml;r Zeit zu nehmen. Trotzdem ist es wichtig, dass in naher Zukunft ein Vorschlag kommen wird, der viele dieser Fragen sicherlich sehr klar beantworten wird.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jessen<\/strong><\/p><p>Im Sinne von Transparenz w&auml;re es dennoch sch&ouml;n, die absolute Asseth&ouml;he zu erfahren, die dann in ein Kreditvolumen von 140 Milliarden m&uuml;nden soll. Vielleicht k&ouml;nnten Sie das doch noch eruieren und nachliefern.<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Ich werde schauen, was ich tun kann.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><\/p><p>Noch einmal zur Nutzung der russischen Assets durch die EU: Das war bisher auch aus finanzpolitischen und geopolitischen Gr&uuml;nden innerhalb der EU hoch umstritten. Was hat sich kurzfristig ge&auml;ndert, sodass man das jetzt anscheinend doch umsetzen will?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, ob sich da etwas ge&auml;ndert hat, aber dass wir dar&uuml;ber mit allen Partnern in engem Austausch stehen, auch mit denen, die noch etwas mehr Fragen haben und die vielleicht auch etwas direkter betroffen sind, das ist keine ganz neue Entwicklung, sondern das betreiben wir auf den unterschiedlichen Formaten in den letzten Wochen jederzeit, auf bilateralen Formaten, aber auch auf EU-R&auml;ten sowohl formeller Art als auch informeller Art.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><\/p><p>Eine der gro&szlig;en ge&auml;u&szlig;erten Sorgen war, dass dann, wenn es tats&auml;chlich zur Nutzung des eingefrorenen Verm&ouml;gens kommen sollte &#8209; das ist fast ausschlie&szlig;lich russisches Zentralbankverm&ouml;gen &#8209;, die Chinesen oder Saudis ihre entsprechenden Assets aus dem EU-Raum abz&ouml;gen. Gab es im Vorlauf entsprechende Gespr&auml;che &#8209; die Frage geht im Zweifel ans Ausw&auml;rtige Amt &#8209; mit den chinesischen und saudischen Partnern, um so etwas trotz der Nutzung des russischen Zentralbankverm&ouml;gens zu verhindern?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><\/p><p>Sie k&ouml;nnen davon ausgehen, dass die EU-Kommission alle Eventualit&auml;ten, alle m&ouml;glichen negativen und auch positiven Folgen abw&auml;gt und auf dieser Basis einen Vorschlag unterbreiten wird.<\/p><p><strong>Hinterseher (AA)<\/strong><\/p><p>Ich kann einen Schritt zur&uuml;ckgehen. Die grunds&auml;tzliche Annahme, dass man die eingefrorenen russischen Verm&ouml;genswerte der Zentralbank erst dann freigibt, wenn Russland f&uuml;r die Sch&auml;den in der Ukraine aufgekommen ist, ist keine neue. Das gibt es seit 2023. Das wurde damals im G7-Raum beschlossen und danach von der EU diskutiert. Insofern ist die Diskussion als solche schon deutlich &auml;lter.<\/p><p><strong>Zuruf Warweg<\/strong><\/p><p>&hellip; (ohne Mikrofon, akustisch unverst&auml;ndlich)<\/p><p><strong>Vorsitzende Welty<\/strong><\/p><p>Herr Warweg, Sie haben nicht das Wort. &#8209; Wir wechseln das Thema und gehen zu Herrn Packroff.<\/p><p><strong>Zuruf Warweg<\/strong><\/p><p>&hellip; (ohne Mikrofon, akustisch unverst&auml;ndlich)<\/p><p><strong>Vorsitzende Welty<\/strong><\/p><p>Sie hatten eine Frage und eine Nachfrage. Und jetzt gehen wir zu Herrn Packroff mit einem neuen Thema.<\/p><p><strong>Zuruf Warweg: <\/strong><\/p><p>Auf die das Ausw&auml;rtige Amt nicht eingegangen ist&hellip;<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 26.11.2025<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135674\">&bdquo;Russland greift uns heute schon an&ldquo; &ndash; O-T&ouml;ne zu Trumps m&ouml;glichen Sanktionen und Berlins &bdquo;Paradigmenwechsel&ldquo; im Ukraine-Krieg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133956\">Bundesregierung instrumentalisiert Russland-Sanktionen, um gegen kritische Gaza-Berichterstattung vorzugehen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130985\">Sind die EU-Sanktionen gegen Russland wirklich vom V&ouml;lkerrecht gedeckt?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90107\">&bdquo;Im Blindflug&ldquo; &ndash; Bundesregierung hat bis heute keine Erkenntnisse zur konkreten Wirkung ihrer Russland-Sanktionen<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a0e46bd24806420da963a550d6704d31\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Generaldebatte im Bundestag am 26. November hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erneut betont, dass er die im EU-Raum eingefrorenen Verm&ouml;genswerte der russischen Zentralbank f&uuml;r die EU verf&uuml;gbar machen will. Auf der Bundespressekonferenz best&auml;tigte sein Sprecher dies und erkl&auml;rte, das sei &bdquo;ein ganz wichtiger Schritt&ldquo;, den die Bundesregierung &bdquo;mit Hochdruck&ldquo; vorantreibe. 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