{"id":1430,"date":"2006-07-21T10:15:56","date_gmt":"2006-07-21T08:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1430"},"modified":"2016-02-01T16:36:40","modified_gmt":"2016-02-01T15:36:40","slug":"arme-alte-im-produktiven-alter-rente-mit-67-fuhrt-zu-mehr-sozialer-ungleichheit-iat-untersuchte-auswirkungen-einer-heraufsetzung-des-gesetzlichen-rentenalters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1430","title":{"rendered":"\u201eArme Alte\u201c im \u201eproduktiven Alter\u201c &#8211; Rente mit 67 f\u00fchrt zu mehr sozialer Ungleichheit &#8211; IAT untersuchte Auswirkungen einer Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters"},"content":{"rendered":"<p>Die geplante Heraufsetzung des Rentenalters wird die soziale Ungleichheit im Alter versch&auml;rfen. Wer gut qualifiziert und gesundheitlich leistungsf&auml;hig ist, hat gute Chancen auf vollwertige und l&auml;ngere Besch&auml;ftigung, f&uuml;r diejenigen, die mangels Arbeitsangeboten oder eigener Leistungsf&auml;higkeit nicht bis 67 arbeiten k&ouml;nnen, wird der &Uuml;bergang vom Berufsleben in die Rente l&auml;nger und prek&auml;rer. &bdquo;Vermehrte soziale Abstiegsprozesse im Alter infolge von beruflichen und privaten Fehlschl&auml;gen sind zu erwarten&ldquo;, so die Arbeitsmarktforscher des Instituts Arbeit und Technik (IAT\/Gelsenkirchen), Dr. Martin Brussig und PD Dr. Matthias Knuth. Zu diesen Ergebnissen kommen Untersuchungen im Rahmen des Projektes &bdquo;Alters&uuml;bergangsmonitor&ldquo;, die das IAT f&uuml;r die Hans-B&ouml;ckler-Stiftung durchgef&uuml;hrt hat.<br>\n<!--more--><br>\nDie Anhebung der Altersgrenze soll den bereits eingeleiteten Trend des steigenden Renteneintrittsalters (z.Zt ca. 63,1 Jahre) und zunehmender Erwerbst&auml;tigkeit &Auml;lterer verst&auml;rken. Angesichts der verbesserten gesundheitlichen Situation vieler &Auml;lterer erscheint ein sp&auml;terer Rentenbeginn auch durchaus zumutbar und volkswirtschaftlich wegen des zu erwartenden Fachkr&auml;ftemangels  w&uuml;nschenswert. Der bestausgebildete und gesundheitlich vitalste Teil der &auml;lteren Erwerbsbev&ouml;lkerung wird l&auml;nger produktiv t&auml;tig sein, zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und die Sozialversicherungssysteme entlasten.<\/p><p>Diesem Positivszenario steht jedoch gegen&uuml;ber, dass die Erwerbsm&ouml;glichkeiten &Auml;lterer nicht voll mit den Altersgrenzen mitziehen, schon gar nicht in Form vollwertiger und sozialversicherungspflichtiger Besch&auml;ftigung. Der &bdquo;Ausweg&ldquo; f&uuml;r &auml;ltere Arbeitslose in die vorzeitige Altersrente kostet bis zu 18 Prozent Rentenabschlag. Viele werden sich als schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose in der Grundsicherung f&uuml;r Arbeitsuchende einfinden oder sich gezwungen sehen, unterwertige Besch&auml;ftigung mit aufstockendem Arbeitslosengeld zu kombinieren. Wer nicht einmal eine solche Besch&auml;ftigung findet, wird durch Ein-Euro-Jobs zumindest vor&uuml;bergehend aus der Statistik genommen.<\/p><p>Die Chancen, zu den &bdquo;produktiven Alten&ldquo; oder den &bdquo;armen Alten&ldquo; zu z&auml;hlen, h&auml;ngen nicht nur von Qualifikation und Geschlecht ab. In Ostdeutschland haben die Rentnerjahrg&auml;nge in der ersten H&auml;lfte der 1990er Jahre die massive Ausgliederung &Auml;lterer aus dem Arbeitsmarkt zumindest finanziell einigerma&szlig;en ertr&auml;glich &uuml;berstanden. K&uuml;nftige ostdeutsche Rentnerjahrg&auml;nge haben jedoch weitaus &ouml;fter Erwerbsbiografien mit Unterbrechungen und Phasen niedrig entlohnter Besch&auml;ftigung mit geringem Rentenbeitrag. Besonders sie w&auml;ren auf Erwerbsm&ouml;glichkeiten bis zum 67. Lebensjahr angewiesen, die aber auf dem Arbeitsmarkt nicht existieren.<\/p><p>Internationale Erfahrungen zeigen, dass sich &Auml;ltere nicht allein durch Abschaffung des Vorruhestands und Rentenabschl&auml;ge in Erwerbst&auml;tigkeit festhalten oder hineindr&auml;ngen lassen. Im Vergleich zu D&auml;nemark, Finnland und den Niederlanden sind die Rahmenbedingungen zum vorzeitigen Ausstieg in Deutschland die restriktivsten. Dennoch ist die Erwerbst&auml;tigkeitsquote der 55- bis 64-J&auml;hrigen in Deutschland die niedrigste, ihre Steigerung seit 1998 die schw&auml;chste und die Arbeitslosenquote &Auml;lterer die h&ouml;chste.<\/p><p>Ob jemand im Alter noch erwerbst&auml;tig sein kann, wird nicht erst nach dem 50. Lebensjahr festgelegt. Die Erwerbst&auml;tigkeitsquoten der &Auml;lteren in 45 Jahren entscheiden sich bereits heute an der Frage, welche Jugendlichen mindestens mit einem Schul- und Berufsabschluss ins Arbeitsleben starten und welche nicht. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist f&uuml;r viele Frauen die Voraussetzung f&uuml;r die Aufnahme einer Besch&auml;ftigung &ndash; und diese auch bis ins Alter fortzusetzen. Die heute 44-J&auml;hrigen werden erstmals voll von der &bdquo;Rente mit 67&ldquo; betroffen sein. Ob sie auch bis 67 arbeiten k&ouml;nnen, h&auml;ngt davon ab, ob die Betriebe sie an Weiterbildung und neuen beruflichen Herausforderungen teilhaben lassen, oder ob sie sie in der Personalentwicklung behandeln, als w&uuml;rden sie bereits in zehn Jahren ausscheiden. Altersgrenzenpolitik, die nicht zur sozialen Ausgrenzungspolitik werden soll, muss daher eingebettet werden in eine Reform der deutschen Erwerbsordnung, die das Bildungssystem, die Migrationspolitik, den Geschlechtervertrag und die Arbeitspolitik umfasst.<\/p><p><strong>F&uuml;r weitere Fragen stehen Ihnen zur Verf&uuml;gung:<\/strong><br>\nDr. Martin Brussig, Durchwahl: 0209\/1707-132E-Mail: brussig(at)iatge.de, PD Dr. Matthias Knuth, Durchwahl: 0209\/1707-186, E-Mail: knuth(at)iatge.de<\/p><p><strong>Brussig, Martin \/ Knuth, Matthias<\/strong>, 2006: Altersgrenzenpolitik und Arbeitsmarkt: zur Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters.<br>\nIn: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2006_06_brussig.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2006_06_brussig.pdf\">WSI-Mitteilungen 59, S. 307-313 [PDF &ndash; 127 KB]<\/a> <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/iat-info.iatge.de\/auem-report\/index.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/iat-info.iatge.de\/auem-report\/index.html\">Alters&uuml;bergangsreport<\/a>\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geplante Heraufsetzung des Rentenalters wird die soziale Ungleichheit im Alter versch&auml;rfen. 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