{"id":143004,"date":"2025-12-02T10:00:33","date_gmt":"2025-12-02T09:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143004"},"modified":"2025-12-02T16:54:25","modified_gmt":"2025-12-02T15:54:25","slug":"wegen-japans-militaerische-unterstuetzung-fuer-taiwan-steigende-spannungen-mit-china-und-deutschland-zuendelt-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143004","title":{"rendered":"Wegen Japans milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr Taiwan: Steigende Spannungen mit China und Deutschland z\u00fcndelt mit"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Kommt es in der Taiwanstra&szlig;e zur Gewalt, w&uuml;rde Japan milit&auml;risch eingreifen.&ldquo; Mit dieser Aussage setzt Japans neue Ministerpr&auml;sidentin Sanae Takaichi 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein gef&auml;hrliches Signal. Auch Au&szlig;enminister Wadephul versch&auml;rft den Ton. Mehr denn je braucht es jetzt Diplomatie und Besonnenheit, bevor die Lage weiter entgleitet. Von <strong>Christian Wagner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/251202-Japans-militaerischer-Unterstuetzung-fuer-Taiwan.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Was ist das Kernproblem in den japanisch-chinesischen Beziehungen?<\/strong><\/p><p>Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Taxi in Peking. Der Fahrer, ein &auml;lterer Mann, dessen Gro&szlig;vater im Krieg gegen Japan starb, dreht das Radio auf. Die Nachricht &uuml;ber die Erkl&auml;rung der japanischen Ministerpr&auml;sidentin Sanae Takaichi entfacht sofort seine Wut: &bdquo;Die Japaner wollen wieder Krieg &ndash; nach all den Jahren!&ldquo; Dabei spielt der genaue Wortlaut oder Kontext von Takaichis Aussage kaum eine Rolle; entscheidend sind die tief verwurzelten, schmerzlichen Erinnerungen der Menschen. Dass Japan bis heute keine umfassende offizielle Entschuldigung f&uuml;r seine abscheulichen Kriegsverbrechen ausgesprochen hat, ist in China kein Randaspekt, sondern ein zentraler Bestandteil nationaler Identit&auml;t. Jeder Schritt Japans wird durch die Linse historischer Verletzungen betrachtet. Es ist ein Aspekt, der in westlichen Analysen oft untersch&auml;tzt wird.<\/p><p>Historisch betrachtet sind Japan und Taiwan f&uuml;r China Sonderf&auml;lle. Taiwan, stets als Teil Chinas betrachtet, wurde nach dem Vertrag von Shimonoseki 1895 von Japan annektiert und kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg &uuml;ber die Kairoer und Potsdamer Erkl&auml;rungen sowie die Kapitulationsurkunde Japans 1945 unter chinesische Verwaltung zur&uuml;ck. Doch diese Verwaltung endete mit der Besatzung separatistischer Kr&auml;fte &ndash; bis heute. Mit der Gr&uuml;ndung der Volksrepublik China 1949 beanspruchte Peking die Insel Taiwan als Teil seines Territoriums, v&ouml;lkerrechtlich best&auml;tigt durch die UN-Resolution 2758 von 1971. 1982 schlug Deng Xiaoping sogar mit &bdquo;Ein Land, zwei Systeme&ldquo; einen Rahmen vor, der Taiwan Autonomie bei gleichzeitiger R&uuml;ckkehr unter chinesische Souver&auml;nit&auml;t erm&ouml;glichen sollte. Formal, rechtlich und historisch ist somit die Insel Teil von China &ndash; heute jedoch aufgrund geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen Spielball vieler Nationen, so auch Japans.<\/p><p><strong>Wird Japan wieder eine Milit&auml;rmacht? Ein D&eacute;j&agrave;-vu 1931 zu 2025<\/strong><\/p><p>Japan, das ressourcenarme Inselreich, erlebt ein unheimliches D&eacute;j&agrave;-vu, das an fr&uuml;here Krisen erinnert. In den 1930er-Jahren war das Land stark auf &Ouml;l, Kohle, Eisen und Nahrungsmittel aus dem Ausland angewiesen. Bev&ouml;lkerungswachstum und die Gro&szlig;e Depression f&uuml;hrten zu einer existenziellen Krise. Ohne Expansion drohte wirtschaftlicher Kollaps. Nationalistische Propaganda rechtfertigte den Angriff auf andere L&auml;nder als &bdquo;Befreiung Asiens&ldquo; &ndash; doch die Realit&auml;t war brutale Kriegsf&uuml;hrung. Ab 1931 besetzte Japan die Mandschurei, ab 1937 China und ab 1941 S&uuml;dostasien, bis das US-&Ouml;lembargo den Angriff auf Pearl Harbor ausl&ouml;ste. Millionen Tote, Atombomben und Besatzung mit einer gro&szlig;en Anzahl an Kriegsverbrechen waren die Folgen, wie das Nanjing-Massaker 1937\/1938 mit &uuml;ber 300.000 Toten. Und wie schon erw&auml;hnt: Japan entschuldigte sich nie.<\/p><p>Heute, 2025, spiegeln sich &auml;hnliche strukturelle Probleme wider. Japans Wirtschaft stagniert seit &uuml;ber 20 Jahren, belastet von einer Staatsverschuldung von &uuml;ber 260&#8239;Prozent des BIP, Deflation und Nullzinspolitik. Die Bev&ouml;lkerung schrumpft und altert rapide, w&auml;hrend fast 100&#8239;Prozent der Energie importiert werden m&uuml;ssen. Unternehmen horten Gewinne, investieren jedoch kaum. Soziale Probleme treten nun im Jahr 2025 offen zutage: Stra&szlig;enprostitution und steigende Kriminalit&auml;t untergraben das gesellschaftliche Bild Japans. Gleichzeitig versch&auml;rfen eine neuartige prek&auml;re Migrationslage und die unsichere US-Sicherheitsgarantie das politische Gleichgewicht. Japan steht erneut vor einem komplexen Spannungsfeld aus wirtschaftlichen, sozialen und geopolitischen Herausforderungen &ndash; was nun unter diesen ung&uuml;nstigen Bedingungen zur milit&auml;rischen Aufr&uuml;stung f&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Berlins Blockdenken und Wadephuls Warnung<\/strong><\/p><p>Die Eskalation reicht bis nach Europa. In Deutschland verschiebt sich das au&szlig;enpolitische Koordinatensystem sp&uuml;rbar, wie die Rede von Au&szlig;enminister Johann Wadephul beim 40-j&auml;hrigen Jubil&auml;um des Japanisch-Deutschen Zentrums in Berlin im Herbst 2025 &ndash; vor der Rede von Sanae Takaichi &ndash; zeigt.<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Angesichts einer &auml;hnlichen historischen Erfahrung &uuml;berrascht es nicht, dass Japan und Deutschland die Rolle des Milit&auml;rischen traditionell zur&uuml;ckhaltend werteten. Aber wenn wir heute auf die Lage schauen, im Indopazifik und in Europa, und die Bedrohungen f&uuml;r unsere Sicherheit wahrnehmen, dann sind wir uns einig: Wir m&uuml;ssen mehr Verantwortung f&uuml;r unsere Sicherheit &uuml;bernehmen, weil deutsche und japanische Sicherheitsinteressen eng miteinander verkn&uuml;pft sind &ndash; auch wenn zwischen Berlin und Tokyo 9.000 Kilometer Flugstrecke liegen. Unsere L&auml;nder befinden sich beide an der westlichen bzw. &ouml;stlichen Flanke eines sich zusehends formenden Blocks aus China und Russland.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist diese Formulierung alles andere als trivial; sie signalisiert eine wachsende Blockbildung, die Deutschland und Japan als Bollwerk gegen einen vermeintlichen &bdquo;Block aus China und Russland&ldquo; positioniert und dabei eigene historische Ambivalenzen ausblendet. Kurz darauf ist Wadepuhl aufgrund &bdquo;Terminlicher Probleme&ldquo; nicht nach China gekommen. Der Antrag im Bundestag vom 11. November 2025 (Drucksache 21\/2719) der Fraktionen CDU\/CSU und SPD zur Einsetzung einer Kommission zur &Uuml;berpr&uuml;fung sicherheitsrelevanter Wirtschaftsbeziehungen zu China unterstreicht das: Sie soll Wertsch&ouml;pfungsketten analysieren, Abh&auml;ngigkeiten in Energie, Rohstoffen und Technologien identifizieren, chinesische Investitionen in kritischer Infrastruktur bewerten, Risiken bei Kooperationen pr&uuml;fen und internationale Modelle wie Japans einbeziehen, um sogenanntes De-Risking [Risikominimierung &ndash; Anm. d. Red.] voranzutreiben.<\/p><p>De-Risking f&uuml;r eine m&ouml;gliche Kriegsauseinandersetzung mit China?<\/p><p><strong>Der Ausweg: Wandel durch Handel &ndash; oder der Preis der Ressourcenarmut<\/strong><\/p><p>Am Ende zeichnet sich ein vielschichtiges Bild: China, Japan und Deutschland ringen jeweils mit historischen Lasten, innenpolitischen Unsicherheiten und strategischen Fehleinsch&auml;tzungen. Im Zentrum dieser geopolitischen Matrix steht die Insel Taiwan &ndash; ein Ort, an dem rationale Entscheidungen immer wieder von Emotionen, Medienhype und historischen Reflexen &uuml;berschattet werden. Die Volksrepublik China hat formal und v&ouml;lkerrechtlich Anspruch auf Taiwan und die Wiedervereinigung. Was jedoch die Herzen der Menschen angeht, muss man sich oft die Arbeit machen, die Herzen zu erobern.<\/p><p>In diesem Spannungsfeld kommt Chinas Besonnenheit besondere Bedeutung zu, w&auml;hrend emotionale &Uuml;berhitzung fatale Folgen h&auml;tte. Zugleich darf der Westen seine eigene Geschichte nicht au&szlig;er Acht lassen, wenn er ernsthaft zur Stabilit&auml;t beitragen will. Genau hier zeigt sich der Mangel an Diplomaten, die nicht Karrieren und Narrative bedienen, sondern Br&uuml;cken bauen.<\/p><p>Ein Ausweg liegt im Prinzip des &bdquo;Wandels durch Handel&ldquo;, wie es fr&uuml;here deutsche China-Politik war. Deutschland und Japan, beide ressourcenarme L&auml;nder, k&ouml;nnen Konflikte auf Dauer nicht allein bew&auml;ltigen; ihre Macht ist begrenzt. Die Diskussion um Abh&auml;ngigkeiten ist bereits absurd. Sie sind n&auml;mlich geographisch und naturgegeben: Lithium w&auml;chst nicht in Berlin an den B&auml;umen, &Ouml;lquellen sind nicht in Tokios Parks verbuddelt. Eine v&ouml;llige Entkopplung w&uuml;rde Stagnation und Verfall beschleunigen, w&auml;hrend gezielte Kooperation Wandel erm&ouml;glichen kann &ndash; und notwendig ist, um Stabilit&auml;t zu gew&auml;hrleisten und Arbeitspl&auml;tze zu sichern. Enge wirtschaftliche Verflechtungen schaffen Vertrauen, d&auml;mpfen Eskalationen und bremsen die Spirale aus Misstrauen und &Uuml;berdehnung.<\/p><p>Die Zeit f&uuml;r echte, emotionsbewusste Diplomatie dr&auml;ngt &ndash; bevor rhetorische Konflikte zur harten Realit&auml;t werden.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/iwkFZKMq_Kw?si=JlUe3dp3Vs8wA8CS\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><small>Titelbild: hyotographics \/ shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141722\">Was China wirklich will: Drei Werke, die den chinafeindlichen Konsens ersch&uuml;ttern, der den Westen in den Krieg treibt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142625\">Konflikt China-Japan: Die japanischen Rechten und Rechtsradikalen nutzen die Taiwan-Frage als Vorwand f&uuml;r Militarisierung und Aufr&uuml;stung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138666\">&bdquo;Wir alle sollten &auml;u&szlig;erst besorgt sein&ldquo; &ndash; O-T&ouml;ne zu internationalen Terminen in China<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142266\">Geplatzter China-Besuch von Au&szlig;enminister Wadephul: Arroganz oder peinlicher Planungsfehler?<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Kommt es in der Taiwanstra&szlig;e zur Gewalt, w&uuml;rde Japan milit&auml;risch eingreifen.&ldquo; Mit dieser Aussage setzt Japans neue Ministerpr&auml;sidentin Sanae Takaichi 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein gef&auml;hrliches Signal. 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Von <strong>Christian Wagner<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":143005,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,54],"tags":[379,1497,2301,2394,304,2922,3549],"class_list":["post-143004","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-gestaltete-pdf","tag-china","tag-japan","tag-konfrontationspolitik","tag-kriegstrauma","tag-kriegsverbrechen","tag-taiwan","tag-wadephul-johann"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/shutterstock_2409785595.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143004"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143004\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143047,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143004\/revisions\/143047"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143005"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}