{"id":143291,"date":"2025-12-08T11:00:35","date_gmt":"2025-12-08T10:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143291"},"modified":"2025-12-08T15:57:06","modified_gmt":"2025-12-08T14:57:06","slug":"offener-brief-von-eu-abgeordneten-an-wadephul-israel-muss-medizinische-hilfsgueter-nach-gaza-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143291","title":{"rendered":"Offener Brief von EU-Abgeordneten an Wadephul: Israel muss medizinische Hilfsg\u00fcter nach Gaza lassen"},"content":{"rendered":"<p>Partei&uuml;bergreifend haben EU-Abgeordnete einen Offenen Brief an Au&szlig;enminister Johann Wadephul verfasst. In diesem Brief fordern sie ihn auf, Druck auf die israelische Regierung auszu&uuml;ben, damit die seit Monaten anhaltende Blockierung von EU-Hilfsg&uuml;tern in Form von Medikamenten und chirurgischen Instrumenten f&uuml;r abertausende Kriegsverletzte in Gaza aufgehoben wird. Die israelische Seite verhindert den Transport dieser EU-Hilfslieferung mit der Begr&uuml;ndung, dass Skalpelle, Medikamente und Titanplatten zur Wiederherstellung von Gliedma&szlig;en &bdquo;dual use&ldquo; G&uuml;ter w&auml;ren, die auch milit&auml;risch genutzt werden k&ouml;nnten. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> wollten vor diesem Hintergrund wissen, ob der deutsche Au&szlig;enminister diesen Brief erhalten hat, wenn ja, ob er plant, dieser Forderung nachzukommen, und ob ihn die Begr&uuml;ndung der israelischen Beh&ouml;rden f&uuml;r die Blockade von medizinischen G&uuml;tern &uuml;berzeugt. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6896\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143291-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143291-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251208_Offener_Brief_von_EU_Abgeordneten_an_Wadephul_Israel_muss_medizinische_Hilfsgueter_nach_Gaza_lassen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/AICU6gauh9M\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p><p>Auf Initiative von Prof. Dr. Jan-Peter Warnke, fraktionsloses Mitglied des Europ&auml;ischen Parlamentes f&uuml;r das BSW und bis zu seiner Pensionierung 2023 ein <a href=\"https:\/\/www.radiozwickau.de\/beitrag\/petenten-kaempfen-um-professor-warnke-751854\/\">weltweit renommierter<\/a> Neurochirurg, hatte am 28. November eine Gruppe von Europaabgeordneten verschiedener Parteien und L&auml;nder einen Offenen Brief an den deutschen Au&szlig;enminister Johann Wadephul verschickt. Darin wird Wadephul aufgefordert, den Einfluss Deutschlands gegen&uuml;ber der israelischen Regierung zu nutzen, um die seit langem bestehende Blockade von medizinischen Hilfsg&uuml;tern f&uuml;r den Gazastreifen aufzuheben.<\/p><p>Gleich zu Beginn des Briefes hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\n    Sehr geehrter Herr Au&szlig;enminister, als Mitglieder des Europ&auml;ischen Parlaments m&ouml;chten wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine seit geraumer Zeit andauernde Blockade medizinischer Hilfslieferungen lenken, die vornehmlich von der Europ&auml;ischen Union &uuml;ber ECHO finanziert und derzeit von Israel zur&uuml;ckgehalten werden. Wir bitten Sie eindringlich, den erheblichen Einfluss Deutschlands gegen&uuml;ber der israelischen Regierung geltend zu machen, um diese Blockade schnellstm&ouml;glich aufzuheben.<\/p>\n<p>    Bei den Hilfsg&uuml;tern handelt es sich vorrangig um chirurgische Instrumente und Medikamente, die f&uuml;r die operative Versorgung tausender Kriegsverletzter im Gazastreifen bestimmt sind. Die wenigen noch funktionierenden Krankenh&auml;user verf&uuml;gen lediglich &uuml;ber schwer besch&auml;digte und unzureichend ausgestattete Operationsr&auml;ume. F&uuml;r eine medizinisch vertretbare Versorgung sind ein Mindestma&szlig; an sterilen Operationsbedingungen, chirurgische Implantate, Trauma-Kits, intraoperative R&ouml;ntgentechnik (C-Arms) sowie Antibiotika der zweiten und dritten Generation unerl&auml;sslich. Diese Ausstattung ist derzeit nicht verf&uuml;gbar.&ldquo;<\/p>\n<p>    Weiter wird in dem Offenen Brief an den deutschen Au&szlig;enminister aufgef&uuml;hrt, dass nach Angaben von Traumatologen sowie &auml;rztlich gef&uuml;hrten Organisationen, die vor Ort t&auml;tig sind, derzeit zwischen 20.000 und 30.000 Verwundete vergeblich auf chirurgische Eingriffe warten. Dabei handle es sich &bdquo;&uuml;berwiegend um Menschen mit Verletzungen an Armen und Beinen, die komplexe Rekonstruktionen der Gliedma&szlig;en ben&ouml;tigen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sollte sich die Lieferung der von der EU finanzierten medizinischen Hilfsg&uuml;ter weiter verz&ouml;gern, droht nach &uuml;bereinstimmender Einsch&auml;tzung von in Gaza t&auml;tigen &Auml;rzten tausenden Patienten die Amputation ihrer Gliedma&szlig;en als letzte Rettung vor dem Tod durch sogenannte sekund&auml;re und terti&auml;re Komplikationen. Diese w&uuml;rden sich zu den bereits rund 20.000 Menschen mit amputierten Gliedma&szlig;en gesellen, die derzeit ebenso vergeblich auf die Versorgung mit Prothesen warten. <\/p><p>In dem Offenen Brief weisen die EU-Abgeordneten zudem darauf hin, &bdquo;dass bereits tausende, m&ouml;glicherweise zehntausende Menschen mit Verletzungen an Kopf und Gehirn, Wirbels&auml;ule, Abdomen und Thorax nicht rechtzeitig behandelt werden konnten und ihren Verletzungen erlagen&ldquo;.<\/p><p>Die Angaben in dem Brief decken sich mit Darlegungen von internationalen &Auml;rzteorganisationen wie etwa &Auml;rzte ohne Grenze (MSF). <\/p><p>Professor Warnke brachte gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em> neben den humanit&auml;ren Aspekten auch noch ein innenpolitisches Argument ein, wieso sich die Bundesregierung st&auml;rker bei Israel f&uuml;r eine Aufhebung der Blockade von medizinischen EU-Hilfsg&uuml;tern, ma&szlig;geblich mit deutschem Steuergeld bezahlt, nach Gaza einsetzen sollte: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Erm&ouml;glichung der Lieferung von medizinischen G&uuml;tern nach Gaza und die Behandlung der Verwundeten vor Ort ist ein Gebot der Humanit&auml;t. Damit w&uuml;rde der Druck auf kostspielige Evakuierungsma&szlig;nahmen deutlich verringert oder diese sogar &uuml;berfl&uuml;ssig gemacht, und jene politischen Stimmen beruhigt, die bef&uuml;rchten, dass Evakuierungen eine Fl&uuml;chtlingsbewegung aus Gaza ausl&ouml;sen k&ouml;nnten.&ldquo;<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251208-bpk-Screen1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251208-bpk-Screen1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251202-bpk-Screen2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251202-bpk-Screen2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251202-bpk-Screen3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251202-bpk-Screen3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 3. Dezember 2025<\/strong><\/p><p><strong>Frage Jessen (freier Journalist, kooperiert mit jung &amp; naiv)<\/strong><br>\nZum Nahostkonflikt und Gaza: Herr Giese, k&ouml;nnen Sie ein Update geben, wie hoch die Zahl der seit dem Waffenstillstand get&ouml;teten Pal&auml;stinenser in Gaza Ihrer Kenntnis nach ist?<\/p><p>Zweitens. Wie hoch ist die Anzahl der Hilfstransporte, die derzeit t&auml;glich Gaza erreichen?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nDie genaue Anzahl kann ich Ihnen nicht nennen. Ich kann aber ganz klar sagen: Die Anzahl ist zu hoch. Die hohe Anzahl von Toten und Verletzten in den vergangenen Tagen ist extrem besorgniserregend. Es ist zentral, dass sich alle Seiten an die Vereinbarung halten, den gerade erreichten Waffenstillstand nicht zu gef&auml;hrden. Darauf richten sich auch unsere diplomatischen Bem&uuml;hungen und darauf richten sich auch die Gespr&auml;che, die beispielsweise der Au&szlig;enminister mit seinem israelischen Counterpart und wir alle im Ausw&auml;rtigen Amt mit unseren jeweiligen Counterparts f&uuml;hren; das ist ganz klar.<\/p><p>Die Zahlen, die ich in Bezug auf die humanit&auml;re Hilfe habe, sind nicht immer tagesaktuell, aber ich kann Ihnen sagen, dass, wenn kommerzielle Transporte ber&uuml;cksichtigt werden, zuletzt die Zielmarke von mindestens 4200 Lkw pro Woche erreicht wurde. Aufgrund von Regenf&auml;llen wird dies allerdings diese Woche nicht m&ouml;glich sein. Grunds&auml;tzlich ist aber die Zielmarke, die auch in dem 20-Punkte-Plan vereinbart worden ist, erreicht.<\/p><p>Gleichzeitig ist es so, dass die vereinbarte Zielmarke von 250 Lkw der Vereinten Nationen pro Tag unerreicht bleibt. Entscheidend f&uuml;r nachhaltige humanit&auml;re Hilfslieferungen w&auml;re hier die &Ouml;ffnung des Grenz&uuml;bergangs Allenby. Das hat der Au&szlig;enminister auch im Gespr&auml;ch mit seinem jordanischen Au&szlig;enministerkollegen in der vergangenen Woche betont. Diese &Ouml;ffnung sollte dringend erfolgen.<\/p><p>Ebenso gilt entsprechend des 20-Punkte-Plans, dass es Fortschritte bei der Rehabilitierung von Krankenh&auml;usern und der Wasser-, Abwasser- und Elektrizit&auml;tsinfrastruktur geben muss. Auch dar&uuml;ber sprechen wir mit unseren israelischen Counterparts, die im CMCC, dem zivilmilit&auml;rischen Koordinierungsstab, vertreten sind, um darauf hinzuwirken, dass das auch geschieht.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jessen<\/strong><br>\nK&ouml;nnten Sie entweder jetzt benennen oder gegebenenfalls nachliefern, wer aus Sicht der Bundesregierung sowohl f&uuml;r die, wie Sie sagen, zu hohe Zahl der zivilen Toten als auch f&uuml;r die immer noch zum Teil mangelhafte Versorgung mit Hilfstransporten verantwortlich ist? Nur zu sagen, dass man an alle Seiten appelliert, entspricht ja nicht einem tats&auml;chlichen Kenntnisstand.<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nIch habe das gerade ziemlich ausf&uuml;hrlich ausgef&uuml;hrt, und dabei w&uuml;rde ich gerne bleiben, Herr Jessen.<\/p><p><strong>Frage Saudelli (Deutsche Welle)<\/strong><\/p><p>Herr Giese, heute wurde angek&uuml;ndigt, dass der Grenz&uuml;bergang in Rafah in Richtung &Auml;gypten wieder ge&ouml;ffnet wird. Wie sch&auml;tzt die deutsche Regierung diese Entwicklung ein? Wie viel Druck wird jetzt gemacht, dass der &Uuml;bergang wieder in beide Richtungen ge&ouml;ffnet wird?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nWir haben diese Ank&uuml;ndigung zur Kenntnis genommen. Diese Ank&uuml;ndigung der COGAT-Beh&ouml;rde, den Grenz&uuml;bergang Rafah zu &ouml;ffnen, sehen wir als grunds&auml;tzlich positives Signal. W&auml;hrend der Waffenruhe im Januar 2025 konnten &uuml;ber diesen Weg beispielsweise verletzte Personen den Gazastreifen zur Behandlung in &Auml;gypten verlassen. Wir m&uuml;ssen jetzt sehen, ob die &Ouml;ffnung tats&auml;chlich auch wie angek&uuml;ndigt erfolgt &ndash; nach meinem Wissen ist das erst einmal nur angek&uuml;ndigt und nicht erfolgt.<\/p><p>Davon unbenommen bleibt nat&uuml;rlich &ndash; darauf zielt Ihre Frage ja auch ab -, dass alle Personen, die aus Gaza ausreisen, auch die M&ouml;glichkeit haben m&uuml;ssen, dorthin wieder zur&uuml;ckzukehren, wenn sie das w&uuml;nschen. Das ist ganz klar die Haltung der Bundesregierung.<\/p><p>Noch einmal an die Frage von Herrn Jessen ankn&uuml;pfend: Grunds&auml;tzlich setzen wir uns weiterhin daf&uuml;r ein, dass weitere Grenz&uuml;berg&auml;nge auch f&uuml;r den G&uuml;terverkehr ge&ouml;ffnet werden, um die humanit&auml;re Versorgung der Menschen in Gaza zu erleichtern.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Saudelli<\/strong><br>\nGibt es Pl&auml;ne, dass Verletzte, die Gaza verlassen k&ouml;nnen, vielleicht auch in Deutschland behandelt werden k&ouml;nnen?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nWir haben dieses Thema hier schon h&auml;ufiger besprochen. Diese Einreise zu erm&ouml;glichen, ist eine Entscheidung, die zum einen beim Bundesinnenministerium, zum anderen allerdings auch bei den Innenbeh&ouml;rden der L&auml;nder liegt.<\/p><p>Ganz grunds&auml;tzlich setzt sich die Bundesregierung vor allem daf&uuml;r ein, die Betreuung der Menschen im Gazastreifen mit medizinischer Versorgung zu verbessern. Unsere &Uuml;berzeugung ist, dass es besser da vor Ort sein soll. Jeder Transport von ein oder zwei Personen nach Deutschland ist sehr aufwendig und sehr teuer. In manchen F&auml;llen, bei ganz komplizierten Sachen, ist eine Betreuung im Ausland vielleicht erforderlich. F&uuml;r die allergr&ouml;&szlig;te Anzahl der Personen w&auml;re es allerdings in ihrem Interesse besser und einfacher, in den Nachbarl&auml;ndern behandelt zu werden, also in Jordanien und &Auml;gypten. Die &Ouml;ffnung von Rafah kann dazu ein Beitrag sein. Ich glaube, im Interesse einer schnellen und guten medizinischen Betreuung ist das entscheidend, und genauso die Wiederherstellung der Krankenversorgung in Gaza selbst. Deshalb dr&auml;ngen wir darauf, dass die erforderlichen G&uuml;ter in den Gazastreifen eingef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen, um Krankenh&auml;user, Feldlazarette etc. wiederherzustellen.<\/p><p><strong>Vorsitzende Hamberger<\/strong><br>\nHerr Zanetti, wollen Sie erg&auml;nzen?<\/p><p><strong>Zanetti (BMI)<\/strong><br>\nHierzu w&uuml;rde erst einmal nichts erg&auml;nzen. Ich kann schauen, ob ich dazu noch etwas nachliefern kann. Ansonsten haben wir uns dazu in der Vergangenheit, meine ich, auch umfangreich ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nGenau in diesem Kontext: Partei&uuml;bergreifend haben EU-Abgeordnete am 28. November einen offenen Brief an Herrn Wadephul verfasst und ver&ouml;ffentlicht. In diesem Brief fordern sie ihn auf, auf die israelische Regierung einzuwirken, damit die seit Monaten anhaltende Blockierung von EU-Hilfsg&uuml;tern in Form von Medikamenten und chirurgischen Instrumenten f&uuml;r abertausende Kriegsverletzte in Gaza aufgehoben wird. Da w&uuml;rde mich interessieren: Hat der Au&szlig;enminister diesen Brief erhalten, und wenn ja, plant er, dieser Forderung nachzukommen?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nMir ist jetzt genau dieser Brief nicht bekannt. Ich kann das nicht beantworten, ob er den erhalten hat. Allerdings ist die Forderung ja &ouml;ffentlich bekannt. Ich habe gerade ausgef&uuml;hrt, dass wir dieser Forderung und dieser Bitte nat&uuml;rlich Folge leisten. Das ist auch unsere &Uuml;berzeugung, dass das geschehen sollte. Das habe ich gerade gesagt.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nJetzt blockiert Israel nachweislich insbesondere EU-Hilfstransporte nach Gaza, also den Transport von medizinischen Hilfsg&uuml;tern, Skalpellen, Medikamenten und Titanplatten zur Wiederherstellung von abgerissenen Gliedern. Dieses Verbot begr&uuml;ndet Israel damit, dass dies Dual-Use-G&uuml;ter seien, die man auch milit&auml;risch nutzen k&ouml;nne. Da w&uuml;rde mich interessieren: Kauft die Bundesregierung dies der israelischen Regierung als ein ernsthaftes Argument ab, wodurch man tausende pal&auml;stinensische Schwerverletzte von diesen Hilfsg&uuml;tern ausschlie&szlig;en w&uuml;rde?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nIch habe gerade gesagt, worauf wir dr&auml;ngen. Was wichtig ist, ist die medizinische Versorgung. Dazu geh&ouml;ren auch G&uuml;ter, die in einer sehr, sehr langen m&ouml;glichen Dual-Use-G&uuml;terliste enthalten w&auml;ren. Fast jeden Gegenstand, der fest und aus Metall ist, kann man nat&uuml;rlich auch in einer negativen Art und Weise verwenden. Bei den allermeisten medizinischen Gegenst&auml;nden w&uuml;rden wir das allerdings nicht so sehen.<\/p><p>Dennoch: F&uuml;r uns sind nat&uuml;rlich auch die israelischen Sicherheitsinteressen von gro&szlig;er Wichtigkeit. Da sind wir im Dialog mit Israel und dr&auml;ngen darauf zu erm&ouml;glichen, mehr medizinische G&uuml;ter in den Gazastreifen gelangen zu lassen.<\/p><p><strong>Frage Jessen<\/strong><br>\nIch m&ouml;chte noch einmal auf das Thema Angebot mehrerer westdeutscher oder deutscher Kommunen zur Aufnahme und Behandlung verletzter oder traumatisierter Kinder aus Gaza in deutschen Kommunen zur&uuml;ckkommen. In der Vergangenheit hat die Bundesregierung eine Zustimmung zu diesen Angeboten abgelehnt. Das ist jetzt noch einmal in den parlamentarischen Prozess gekommen und ist Thema von Verhandlungen oder Gespr&auml;chen im Bundestag. Hat sich an der ablehnenden Haltung der Bundesregierung in den letzten Tagen und Wochen irgendetwas ge&auml;ndert?<\/p><p><strong>Vorsitzende Hamberger<\/strong><br>\nWer m&ouml;chte?<\/p><p><strong>Zusatzfrage Jessen<\/strong><br>\nIch glaube, es geht an das BMI. Die sind, glaube ich, in der Ablehnung federf&uuml;hrend.<\/p><p><strong>Zanetti (BMI)<\/strong><br>\nIch kann da nur wiederholen, was ich gerade schon gesagt habe, dass wir uns dazu in der Vergangenheit umfangreich ge&auml;u&szlig;ert haben und ich im Moment nichts Neues hinzuzuf&uuml;gen habe.<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nIch habe eine Nachreichung zur Frage von Herrn Rinke zur Abstimmung &uuml;ber die Golanh&ouml;hen.<\/p><p>Mir war das deswegen nicht bekannt, weil das auch keine richtige Information ist. Wir haben bei dieser Erkl&auml;rung der Generalversammlung &uuml;ber die Golanh&ouml;hen mit Ja gestimmt. Wir haben sie also unterst&uuml;tzt.<\/p><p><strong>Frage Dr. Rinke<\/strong><br>\nSie haben unterst&uuml;tzt &ndash; nur, um es richtig zu verstehen -, dass Israel sich von den Golanh&ouml;hen zur&uuml;ckziehen soll?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nDer Inhalt dieser Resolution ist ja ziemlich ausf&uuml;hrlich und ziemlich gro&szlig;. Einer der Inhalte ist &ndash; Sie m&uuml;ssten sie, wie gesagt, noch einmal nachlesen -, dass der Golan v&ouml;lkerrechtlich zu Syrien geh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nNoch einmal eine Verst&auml;ndnisfrage: Einerseits nimmt die Bundesregierung die Haltung ein, dass man schwerverletzte pal&auml;stinensische Kinder oder auch Erwachsene nicht nach Deutschland einfliegt, weil man die Kapazit&auml;ten vor Ort st&auml;rken will. Gleichzeitig werden die medizinischen Hilfsg&uuml;ter, die &ndash; ma&szlig;geblich auch mit deutschem Steuergeld finanziert &ndash; nach Gaza gehen sollen, von COGAT, also von den daf&uuml;r zust&auml;ndigen israelischen Beh&ouml;rden, zur&uuml;ckgehalten. Das ist jetzt ein Status, der seit Monaten so anh&auml;lt. Da w&uuml;rde mich noch interessieren: Wieso haben denn nach Bewertung der Bundesregierung die Bem&uuml;hungen Deutschlands und auch der EU, da endlich eine Freigabe zu erlangen, so wenig Wirkung beim israelischen Partner?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nWir haben ja &ndash; &ndash; &ndash; Jetzt kommen wir schon wieder zu dem Themenbereich zur&uuml;ck, den wir, glaube ich, schon fast abgeschlossen hatten.<\/p><p><strong>Zusatz Warweg<\/strong><br>\nNein, nur durch Ihre Nachreichung wurde der verlassen.<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nOkay.<\/p><p>Ganz grunds&auml;tzlich &ndash; ich habe es ja ausgef&uuml;hrt -: Wir wollen, dass mehr medizinische G&uuml;ter nach Gaza gelangen. Wir setzen uns daf&uuml;r ein, dass Grenz&uuml;berg&auml;nge er&ouml;ffnet werden, dass medizinische Behandlung in Jordanien und auch in &Auml;gypten, generell in der geografischen Nachbarschaft, m&ouml;glich ist. Dar&uuml;ber hinaus setzen wir uns auch daf&uuml;r ein, dass diese Behandlung in Gaza m&ouml;glich ist. Wir sprechen dar&uuml;ber mit der israelischen Seite. Ich glaube, wir sind da nicht die einzigen, sondern alle Europ&auml;er tun das. Wir erwarten da eine Besserung. &ndash; Ich glaube, dabei bleibt es.<\/p><p>In Bezug auf die Behandlung in Deutschland: Wie gesagt, das ist eine Frage, die man auch mit einem vern&uuml;nftigen Einsatz von Mitteln beantworten muss. Da gibt es sehr, sehr viele Menschen, denen es sehr schlecht geht, die dringend auf medizinische Behandlungen angewiesen sind. Ich glaube, da ist beim Mitteleinsatz insbesondere geboten, so effektiv wie m&ouml;glich vorzugehen. Da ist unsere Pr&auml;ferenz, das vor Ort zu erledigen. Da kann man mehr Menschen mit weniger Mitteln helfen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nMeine Frage war aber, wie sich die Bundesregierung erkl&auml;rt, dass sie so wenig Einfluss auf den israelischen Partner hat und explizit die genannten EU-medizinischen Hilfsg&uuml;ter seit Monaten zur&uuml;ckgehalten werden, insbesondere in Rafah.<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><br>\nEs gibt Gespr&auml;che, und es gibt ein Gesamtbild. Die humanit&auml;re Versorgung in Gaza hat sich ganz erheblich verbessert. Die Zielmarken sind da erreicht. Es gibt weitere Gebiete, wo noch eine Verbesserung erforderlich ist, wo wir darauf dr&auml;ngen. Daran arbeiten wir. Wir sind aber zuversichtlich, dass das auch gelingen kann.<\/p><p><strong>Frage Dr. Rinke (Chefreporter Reuters)<\/strong><br>\nHerr Meyer, der Kanzler reist jetzt nach Israel. K&ouml;nnen Sie sagen, ob das auch auf der Agenda des Kanzlers steht, ob er sich also daf&uuml;r einsetzt, dass die Versorgung der Pal&auml;stinenser sich verbessert?<\/p><p><strong>Vizeregierungschef Meyer<\/strong><br>\nSie k&ouml;nnen davon ausgehen, dass alle Elemente des 20-Punkte-Friedensplans und die entsprechende Umsetzung ein wesentlicher Teil der Gespr&auml;che sind. Im Einzelnen kann und will ich da nicht vorgreifen. Das m&uuml;ssen wir auf der Reise oder im Anschluss noch einmal im Detail machen.<\/p><p>Aber nat&uuml;rlich ist absolut naheliegend, dass der gesamte Komplex eine Rolle spielen wird. Wie das langfristig und nachhaltig abgesichert werden kann, wie wir dort zu weiteren Verbesserungen und zu einer Stabilisierung in der Region kommen, das ist nat&uuml;rlich Teil von Gespr&auml;chen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Dr. Rinke<\/strong><br>\nWird er auch die Gewalt j&uuml;discher Siedler im Westjordanland ansprechen?<\/p><p><strong>Meyer<\/strong><br>\nSie kennen die Position der Bundesregierung dazu. Was er genau ansprechen wird und was nicht, dem kann ich leider nicht vorweggreifen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 03.12.2025<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141477\">Bundesregierung verhindert Behandlung von schwerverletzten Kindern aus Gaza in Deutschland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143016\">Bundesregierung: Russisches Staatsverm&ouml;gen in der EU f&uuml;r Ukraine-Wiederaufbau enteignen ja, israelisches f&uuml;r Gaza nein<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139113\">Fazit der UN-Untersuchungskommission zu Gaza: &bdquo;Israel begeht Genozid am pal&auml;stinensischen Volk&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138140\">Bundesregierung zum Vorgehen Israels in Gaza: &bdquo;Absolut unertr&auml;glich hohe Zahl von get&ouml;teten Journalisten&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/fe30b0bda697447988c54e1074809f42\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Partei&uuml;bergreifend haben EU-Abgeordnete einen Offenen Brief an Au&szlig;enminister Johann Wadephul verfasst. In diesem Brief fordern sie ihn auf, Druck auf die israelische Regierung auszu&uuml;ben, damit die seit Monaten anhaltende Blockierung von EU-Hilfsg&uuml;tern in Form von Medikamenten und chirurgischen Instrumenten f&uuml;r abertausende Kriegsverletzte in Gaza aufgehoben wird. Die israelische Seite verhindert den Transport dieser EU-Hilfslieferung mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143291\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":143292,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,149],"tags":[712,2503,302,2870,2222,1557,2853,2582],"class_list":["post-143291","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","tag-arzneimittel","tag-bundespressekonferenz","tag-gaza","tag-grenzschliessungen","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-medizinische-ausruestung","tag-offener-brief"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251203-BPK-Clip-3A-Offener-Brief-an-Wadephul-Titelbild-NDS.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143291","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143291"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143291\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143322,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143291\/revisions\/143322"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}