{"id":143302,"date":"2025-12-08T13:31:01","date_gmt":"2025-12-08T12:31:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143302"},"modified":"2025-12-09T04:34:57","modified_gmt":"2025-12-09T03:34:57","slug":"trump-johnny-und-der-friedenspreis-satiriker-koennen-sich-einen-neuen-job-suchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143302","title":{"rendered":"Trump, Johnny und der Friedenspreis \u2013 Satiriker k\u00f6nnen sich einen neuen Job suchen"},"content":{"rendered":"<p>Ach, was waren sie sch&ouml;n; die Zeiten, in denen man mit spitzer Feder eine Glosse schreiben konnte, mit der man &uuml;ber den Umweg der Satire den Wahnsinn des Weltgeschehens aufspie&szlig;en konnte. Diese Zeiten sind vorbei. Heute &uuml;bertrifft die groteske Realit&auml;t vielfach das, was Satire leisten kann. Oder h&auml;tten Sie sich vor wenigen Jahren vorstellen k&ouml;nnen, dass ein glatzk&ouml;pfiger korrupter Gnom im Namen des Weltfu&szlig;balls einem US-Pr&auml;sidenten, der nur allzu gerne das Menschen- und V&ouml;lkerrecht mit den F&uuml;&szlig;en tritt, einen &bdquo;Friedenspreis&ldquo; verleiht? Willkommen in der Gegenwart! Eine Glosse, die eigentlich nicht geschrieben werden sollte, von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2444\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143302-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143302-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251208_Trump_Johnny_und_der_Friedenspreis_Satiriker_koennen_sich_einen_neuen_Job_suchen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als mir der liebe Kollege Frank Blenz letzte Woche im Rahmen unserer redaktionellen Artikelplanung eine Glosse &uuml;ber die anstehende Gruppenauslosung der kommenden Fu&szlig;ballweltmeisterschaft anbot, h&auml;tte ich ihm den Vortritt lassen sollen. Aber nein, der feine Herr Chefredakteur hatte ja mal vor einigen Jahren selbst ein &ndash; wenn auch gnadenlos erfolgloses &ndash; <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Der-Kick-des-Geldes-oder-wie-unser-Fussball-verkauft-wird\/1019\">Buch<\/a> &uuml;ber die Machenschaften der Fifa geschrieben und f&uuml;hlte sich daher berufen, selbst was zu diesem &bdquo;Gro&szlig;ereignis&ldquo; zu schreiben. Fifa, USA, Trump, Infantino, gro&szlig;es Geld und leere Floskeln &ndash; daraus lie&szlig;e sich doch bestimmt was Unterhaltsames mit kritischem Touch machen. Oh, wie konnte ich mich nur so t&auml;uschen.<\/p><p>Frohgemut schaute ich mir also die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/play\/kurzfassungen\/fifa-weltmeisterschaft-live-livestream-highlights-100\/fifa-wm-2026-auslosung-der-gruppen-live-aus-washington-100\">Auslosung im <em>ZDF<\/em><\/a> an und konnte kaum glauben, was ich da zu sehen bekam. Die Pr&auml;sentatoren: Eine Schaufensterpuppe im g&uuml;ldenen Kleid und ein Komiker, der nicht komisch war. Die Hauptdarsteller: Ein glatzk&ouml;pfiger korrupter Fifa-Gnom namens Gianni, den alle nur &bdquo;Johnny&ldquo; nannten, und nat&uuml;rlich der gro&szlig;artigste Mensch seit Beginn der Menschwerdung, ihre Gro&szlig;artigkeit Donald Trump! Und als Staffage war da noch irgendwas mit Fu&szlig;ball, aber um den ging es bestenfalls am Rande.<\/p><p>Nun muss man wissen, dass das Verh&auml;ltnis der Fifa zum Fu&szlig;ball kompliziert ist. Gianni Infantinos Vorg&auml;nger brachte es gar fertig, mit einer zweistelligen Millionensumme einen Spielfilm mit dem Titel &bdquo;United Passions&ldquo; zu finanzieren, in dem es dann um die hochspannende Geschichte &hellip; nicht des Fu&szlig;balls, wie man annehmen k&ouml;nnte, sondern der Fu&szlig;ballfunktion&auml;re ging. Der Film gilt heute &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; als einer der <a href=\"https:\/\/www.11freunde.de\/fussballkultur\/united-passions-und-die-fifa-der-schlechteste-film-aller-zeiten-a-a0ba08f1-f77f-4da9-a63d-a0c057304f71\">schlechtesten Filme<\/a>, die je gedreht wurden. Gianni Infantino fand ihn sicher klasse, geh&ouml;rt die schamlose Selbstbeweihr&auml;ucherung doch ebenso wie krumme Geldgesch&auml;fte zur Kernkompetenz der Fifa.<\/p><p>Und so feierte Infantino auch bei der Gruppenauslosung vor allem sich selbst und die Fifa, die er in einem besonders skurrilen Anfall von Selbst&uuml;berh&ouml;hung gar als &bdquo;offiziellen Gl&uuml;cksversorger der Welt&ldquo; bezeichnete. Und dass auch die dummen Amerikaner verstehen, was f&uuml;r ein hypergalaktisches Spektakel sie im n&auml;chsten Jahr erwartet, fand Gianni Infantino gleich die passende Gigantismus-Metapher, indem er die 104 Spiele der WM mit 104 kommenden Super Bowls verglich. Nun ja, ob so hochkar&auml;tige Partien wie &bdquo;Kapverden gegen Saudi-Arabien&ldquo; oder gar &bdquo;Deutschland gegen Curacao&ldquo; nun wirklich ein Super-Bowl-Format haben, lassen wir mal dahingestellt sein. Zum Gl&uuml;ck versteht der Ami ja eh nichts vom Fu&szlig;ball. <\/p><p>Aber um Fu&szlig;ball ging es ja zum Gl&uuml;ck auch nur am Rande bei Infantinos ellenlangem Monolog. Wobei man Gianni Infantino ja durchaus als Gesamtkunstwerk ansehen kann. Sollte es irgendwann mit dem &auml;u&szlig;erst lukrativen Umschleimen von Pr&auml;sidenten und &Ouml;lscheichs zum Zwecke der eigenen Macht- und Geldvermehrung nicht mehr klappen, k&ouml;nnte der umtriebige Funktion&auml;r m&uuml;helos als Conf&eacute;rencier jede Betriebsfeier oder Heizdecken-Verkaufsveranstaltung schmei&szlig;en. Talent hat er. Und seine besondere St&auml;rke ist das Schleimen. G&auml;be es einen Superlativ von &bdquo;schleimig&ldquo;, k&ouml;nnte der im Lexikon mit dem Portrait Infantinos als Symbolbild illustriert werden. <\/p><p>Dass Infantino und Trump beste Buddies sind, ist bekannt. B&ouml;se Zungen behaupten, dass Trump w&auml;hrend seiner ersten Amtszeit die WM ganz profan bei Infantino gekauft h&auml;tte. Man h&auml;tte also bereits mit dem Schlimmsten rechnen k&ouml;nnen, wenn Trump und Infantino bei der Gruppenauslosung auf offener B&uuml;hne zusammentreffen. Aber das Schlimmste ist noch lange nicht schlimm genug, wenn man beschreiben muss, was nun im Washingtoner John F. Kennedy Center geschah. Nach einer minutenlangen schleimtriefenden Eloge auf den gr&ouml;&szlig;ten Pr&auml;sidenten aller Zeiten setzte dramatische Musik ein und vor g&uuml;lden gl&auml;nzendem Hintergrund verlieh Infantino Trump den Fifa-Friedenspreis &ndash; eine Erfindung extra f&uuml;r Donald Trump. Je nach Quelle mussten nun &bdquo;eine Milliarde&ldquo; (O-Ton: Schaufensterpuppe Klum) bis &bdquo;sechs Milliarden&ldquo; (O-Ton: Gianni Infantino) Menschen zu bester Sendezeit die v&ouml;llig kritik- und ironiefreie Huldigung der US-Pr&auml;sidenten an ihren Bildschirmen verfolgen. <\/p><p>Was soll man dazu eigentlich noch schreiben? Dass man nur hoffen kann, dass US-kritische Fans &uuml;berhaupt eine Einreisegenehmigung bekommen? Dass man bef&uuml;rchten muss, dass vor allem afrikanische und s&uuml;damerikanische Fans von Trumps ICE-Schergen interniert und in ein KZ in El Salvador abgeschoben werden? Dass es auch sein kann, dass der Fifa-Friedenspreistr&auml;ger Fans, die mit einem Motorboot &uuml;ber den von ihm so getauften Golf von Amerika anreisen wollen, von seiner Armee in die Luft sprengen l&auml;sst? Zum Gl&uuml;ck hat sich wenigstens Venezuela nicht f&uuml;r die Endrunde qualifiziert. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251208_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251208_01.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\"><\/a><br>\n<small>Quelle: Screenshot Magenta Sport via YouTube<\/small><\/p><p>Ja, das ist alles nur noch grotesk. &Auml;hnlich grotesk mutet der &bdquo;Fifa Friedenspreis&ldquo; &uuml;brigens selbst an, sieht er doch irgendwie so aus, als greife eine Horde Zombies nach der Weltkugel &ndash; anscheinend hatte wenigstens der Designer des Pokals einen feinen Sinn f&uuml;r Humor. Das ist gut. Als Satiriker fehlen einem da n&auml;mlich die Worte. Was soll man satirisch &uuml;ber eine Veranstaltung schreiben, die eigentlich selbst nur Satire sein kann, es aber leider nicht ist? <\/p><p>Nun k&ouml;nnte man sagen: Wen interessiert dieser Unsinn schon, man kann ja abschalten. Sollen Infantino und Trump sich doch gegenseitig heiligsprechen oder sich am besten gleich ein Hotelzimmer mieten und es krachen lassen. Dummerweise sind wir als Geb&uuml;hrenzahler wieder einmal diejenigen, die dieses unw&uuml;rdige Spektakel mitbezahlen. Wie viel <em>ARD<\/em> und <em>ZDF<\/em> f&uuml;r die Sublizenzen an die <em>Telekom<\/em> bezahlten, die diesmal den Zuschlag bekam, ist unbekannt &ndash; der Betrag d&uuml;rfte sich aber im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Ist das nicht sch&ouml;n? So bezahlt auch der deutsche Minirentner seinen kleinen Teil von Infantinos Gr&ouml;&szlig;enwahn und Trumps albernen Friedenspreis. <\/p><p>Die Realit&auml;t ist eine Groteske und Satiriker sind heute &uuml;berfl&uuml;ssig, hat die Wirklichkeit doch jede noch so schrille Satire bereits &uuml;berholt. Ich w&uuml;nschte, ich h&auml;tte dem Kollegen Blenz die Story nicht weggenommen. Dann h&auml;tte er sich was Geistreiches dazu aus den Fingern saugen m&uuml;ssen. <\/p><p>P.S. Ein w&uuml;rdiger Kandidat f&uuml;r den Fifa-Friedenspreis w&auml;re &uuml;brigens der zust&auml;ndige ZDF-Programmplaner, der mitten w&auml;hrend Infantinos Schleimereien erst mal <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/sport\/fussball\/auslosung-der-wm-tv-frust-zdf-zeigte-nachrichten-statt-donald-trump-69331b31bdb9c3d5970e56ed\">kurzerhand den Werbeblock und die heute-Nachrichten einspielte<\/a>. <\/p><p>P.P.S. Der Vollst&auml;ndigkeit halber sei erw&auml;hnt, dass neben den USA auch noch Kanada und Mexiko die WM austragen &hellip; wenn sie bis dahin noch nicht der 51. und 52. Bundesstaat der USA sind. <\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Magenta Sport via YouTube<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f1955e75fcf7478db6a55fe5da1650f8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach, was waren sie sch&ouml;n; die Zeiten, in denen man mit spitzer Feder eine Glosse schreiben konnte, mit der man &uuml;ber den Umweg der Satire den Wahnsinn des Weltgeschehens aufspie&szlig;en konnte. Diese Zeiten sind vorbei. Heute &uuml;bertrifft die groteske Realit&auml;t vielfach das, was Satire leisten kann. 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