{"id":143414,"date":"2025-12-10T10:00:35","date_gmt":"2025-12-10T09:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143414"},"modified":"2026-01-27T11:57:27","modified_gmt":"2026-01-27T10:57:27","slug":"bundeswehrsoldat-zu-merz-ich-gehe-davon-aus-dass-ich-nicht-aelter-als-40-jahre-werde-kanzler-laesst-frage-unbeantwortet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143414","title":{"rendered":"Bundeswehrsoldat zu Merz: \u201eIch gehe davon aus, dass ich nicht \u00e4lter als 40 Jahre werde\u201c \u2013 Kanzler l\u00e4sst Frage unbeantwortet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6Sp3DjUUOvM\">&bdquo;Die Arena &ndash; ihre Fragen an Bundeskanzler Friedrich Merz&ldquo;<\/a> &ndash; so lautete der Titel einer ARD-Sendung am Montagabend. In dem Format stellt auch ein Bundeswehrsoldat eine Frage. Der Kanzler verliert sich in Allgemeinpl&auml;tzen, ohne die Frage zu beantworten. Der Soldat wollte von Merz wissen, wie er &ndash; der Kanzler &ndash; die S&ouml;hne und T&ouml;chter der Republik auf das Sterben im Krieg vorbereiten will. Eine Kurzanalyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6213\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143414-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143414-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251210-Bundeswehrsoldat-zu-Merz-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Da sitzt in der ARD-Sendung &bdquo;Die Arena&ldquo; ein Soldat, <a href=\"https:\/\/x.com\/mz_storymakers\/status\/1998110983160504547\">der eine Frage stellt<\/a>, an der es einerseits sehr viel zu kritisieren gibt, die aber andererseits durchaus ihre Berechtigung hat &ndash; wenn sie kritisch eingebettet worden w&auml;re. Und da ist ein Kanzler, der eine Antwort gibt, ohne die Frage zu beantworten. Aber der Reihe nach.<\/p><p>Der Berufssoldat, der seit zehn Jahren bei der Bundeswehr ist, sagt zu Merz:<\/p><p>&bdquo;Ich gehe tats&auml;chlich davon aus, dass ich nicht &auml;lter als 40 Jahre werde.&ldquo; Dann schiebt der Soldat hinterher &bdquo;in der aktuellen Sicherheitslage&ldquo;. Schlie&szlig;lich kommt er zu seiner Frage: &bdquo;Wie wollen Sie junge Leute darauf vorbereiten?&ldquo;<\/p><p>Da sitzt also ein Angeh&ouml;riger der Bundeswehr, der &ouml;ffentlich ausspricht, dass er in Anbetracht der gegenw&auml;rtigen &bdquo;Sicherheitslage&ldquo; mit sp&auml;testens 40 Jahren tot sein wird. Anders gesagt: Da ist der gro&szlig;e Krieg im Kopf bereits ausgemachte Sache. Der Krieg zwischen Russland und der NATO wird stattfinden, und er &ndash; genauso wie seine Kameraden &ndash; werden bald im Krieg sterben. Die Ausf&uuml;hrungen implizieren das.<\/p><p>Man muss sich anschauen, wie der Soldat diese Frage stellt. Hier sitzt niemand, der die Politik kritisiert. Hier sitzt jemand, der geradezu etwas Ungeheuerliches auf eine Weise ausspricht und ihm begegnet, als w&uuml;rde es sich bei dem, was er zu kommen erwartet, um ein Naturgesetz handeln.<\/p><p>Was h&auml;tte dieser Soldat, der doch &ndash; wie alle anderen Soldaten auch &ndash; f&uuml;r das Konzept des &bdquo;B&uuml;rgers in Uniform&ldquo; zu stehen h&auml;tte, an dieser Stelle alles sagen k&ouml;nnen! Nach all den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs sollte Deutschland doch eine Armee haben, deren Angeh&ouml;rige in der Lage sind, Politik kritisch zu hinterfragen und &ndash; bei aller Verpflichtung zum Gehorsam, die es auch heute noch gibt &ndash; jederzeit in der Lage sind, den eigenen Verstand auch im Hinblick auf die politischen Verh&auml;ltnisse zu gebrauchen.<\/p><p>Im weiteren Verlauf wird das Problem noch deutlicher. Hier sitzt ein Soldat, der allem Anschein nach die politische Erz&auml;hlung von der russischen Bedrohung als Realit&auml;t betrachtet.<\/p><p>Was h&auml;tte der m&uuml;ndige B&uuml;rger in Uniform an dieser Stelle nicht nur alles sagen, sondern auch fragen k&ouml;nnen!<\/p><p>Warum, Herr Bundeskanzler, unterst&uuml;tzt ihre Politik einen Stellvertreterkrieg?<\/p><p>Warum setzen Sie die Politik der Konfrontation gegen&uuml;ber Russland fort?<\/p><p>Warum erz&auml;hlen Sie uns etwas von einer russischen Bedrohung?<\/p><p>Warum sollte Russland es wagen, die NATO-Staaten anzugreifen?<\/p><p>Was soll das Ziel eines solchen Angriffs sein?<\/p><p>Warum ist die Politik von anti-russischer Propaganda durchzogen?<\/p><p>Das sind nur einige Fragen, die auch ein Soldat h&auml;tte stellen d&uuml;rfen.<\/p><p>Stattdessen erfolgt eine berechtigte Frage, deren kritisches Potenzial aber vom Fragesteller selbst beschnitten wird, indem er jene Politik, die eine solche Frage &uuml;berhaupt erst notwendig macht, nicht dekonstruiert.<\/p><p>Bei Lichte betrachtet hat der Soldat vermutlich recht, wenn er sagt, unter der eingeschlagenen Marschrichtung sei er mit 40 nicht mehr am Leben. Und nat&uuml;rlich ist die Frage unter Beachtung der aktuellen Situation angebracht, vom Kanzler wissen zu wollen, wie er gegen&uuml;ber den jungen S&ouml;hnen und T&ouml;chtern des Landes ihren m&ouml;glicherweise bald erfolgenden Kriegstod kommuniziert.<\/p><p>Schlie&szlig;lich: Wenn ein Land die Losung &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; ausgibt und st&auml;ndig davor gewarnt wird, bis sp&auml;testens 2030 k&ouml;nne es zu einem hei&szlig;en Krieg mit Russland kommen, ist eine solche Frage angebracht.<\/p><p>Die Antwort des Kanzlers zeigt: Falsch gestellt, wird selbst eine solche Frage eher zu einer Steilvorlage f&uuml;r die Politik (ab Minute 3:00):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Herr Seibel, warum bauen wir die Bundeswehr wieder auf? Und warum habe ich gesagt, Deutschland soll eines Tages die st&auml;rkste konventionelle Armee in Europa haben? Ganz einfach. Ich wiederhole immer wieder einen Satz: &sbquo;Wir wollen uns verteidigen k&ouml;nnen, damit wir uns nie verteidigen m&uuml;ssen.&lsquo; [Applaus aus dem Publikum] Das ist der entscheidende Punkt. Das ist das, was wir in der Verteidigungspolitik jetzt machen, in der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Die Welt um uns drum herum hat sich total ver&auml;ndert. Und zwar nicht nur in eine Himmelsrichtung, sondern in alle. Und insofern brauchen wir Streitkr&auml;fte, aber ich bin unver&auml;ndert davon &uuml;berzeugt: Wir haben jetzt 70 Jahre NATO-Mitgliedschaft der Bundesrepublik Deutschland. Wir haben die l&auml;ngste Zeit von Frieden und Freiheit in Europa, in diesem Teil, in dem wir leben. Ich m&ouml;chte, dass meine Kinder und Enkelkinder und auch ihre Generation auch weiter in Frieden und in Freiheit lebt. Und daf&uuml;r m&uuml;ssen wir uns verteidigen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Angemerkt sei: Mehrmals ist bei den Ausf&uuml;hrungen zu beobachten, wie der Soldat zustimmend nickt.<\/p><p>Auf der analytischen Ebene gilt es weiter anzumerken: Der Kanzler reagiert auf die Frage des Soldaten mit zwei eigenen, selbst gesetzten Fragen. Damit w&auml;hlt Merz eine Vorgehensweise, die immer wieder in der Politik zu beobachten ist: Er beantwortet die &uuml;beraus unangenehme Frage nicht direkt, sondern w&auml;hlt einen langen Weg, um sich &uuml;ber selbstgestellte Fragen und die sich dann darauf anschlie&szlig;enden Ausf&uuml;hrungen von der Frage wegzubewegen. Schon an dieser Stelle w&auml;re es vonseiten der Moderation angebracht gewesen, sofort einzuhaken. Das blieb aus, und so kann Merz weiterreden. Die Aussage, er wolle die st&auml;rkste konventionelle Armee Europas, bleibt kritiklos im Raum stehen. Die Aussage bez&uuml;glich der Absicht, sich verteidigen zu k&ouml;nnen, um sich nicht verteidigen zu m&uuml;ssen, ist eine Phrase, der ebenfalls kritisch vonseiten der Moderation zu begegnen gewesen w&auml;re. Die Aussage, dass sich die &bdquo;Welt um uns herum&ldquo; &bdquo;total ver&auml;ndert&ldquo; habe, verschleiert. Nicht &bdquo;die Welt&ldquo; hat sich ver&auml;ndert, sondern eine Politik, die auf konkrete Entscheidungen und Weichenstellungen von konkret benennbaren Personen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, hat zu einer &bdquo;Ver&auml;nderung&ldquo; gef&uuml;hrt.<\/p><p>In der gesamten &bdquo;Antwort&ldquo; von Merz erfolgt nicht die Antwort auf die Frage: &bdquo;Wie wollen Sie die jungen Leute darauf (auf den Kriegstod) vorbereiten?&ldquo;<\/p><p>Merz verliert sich in Allgemeinpl&auml;tzen und lenkt durch gef&auml;llige Antworten von der eigentlichen Frage ab.<\/p><p>Die Moderatorin fragt den Soldaten dann, ob ihm die Antwort ausreiche. Er antwortet darauf wie folgt:<\/p><blockquote><p><em>Jein. Ich bin Berufssoldat. Mich muss man nicht &uuml;berzeugen. Es geht mir eher darum (&hellip;), glauben Sie, dass die noch J&uuml;ngeren als ich, die jetzt n&auml;chstes Jahr in den Wehrdienst gehen (&hellip;), die sind ja auch &uuml;berzeugt, aber glauben Sie, dass die, die nicht freiwillig kommen, dass die (&hellip;).<\/em><\/p><\/blockquote><p>Merz antwortet und merkt an, dass man auf Freiwilligkeit setze, aber wenn der erstrebte &bdquo;Aufwuchs&ldquo; der Bundeswehr nicht gelingt, man wieder &bdquo;&uuml;ber Wehrpflicht reden&ldquo; m&uuml;sse.<\/p><p>Das war es. An dieser Stelle schwenkt der Soldat dann selbst von seiner Frage weg, fokussiert auf die Wehrpflicht.<\/p><p>Folgendes kommt an dieser Stelle der Sendung zum Vorschein:<\/p><ol>\n<li>Ein Angeh&ouml;riger der Bundeswehr ist zu sehen, der mit erschreckender Naivit&auml;t das Ungeheuerliche l&auml;ngst f&uuml;r sich akzeptiert zu haben scheint.<\/li>\n<li>Ein Kanzler, der eine immerhin klar gestellte Frage unbeantwortet l&auml;sst und um den hei&szlig;en Brei herumredet.<\/li>\n<li>Eine Moderation, die dem &ouml;ffentlich-rechtlichen Auftrag, Politik kritisch zu hinterfragen, nicht nachkommt &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer.<\/li>\n<\/ol><p><small>Titelbild: Screenshot tagesschau via YouTube<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6Sp3DjUUOvM\">&bdquo;Die Arena &ndash; ihre Fragen an Bundeskanzler Friedrich Merz&ldquo;<\/a> &ndash; so lautete der Titel einer ARD-Sendung am Montagabend. In dem Format stellt auch ein Bundeswehrsoldat eine Frage. Der Kanzler verliert sich in Allgemeinpl&auml;tzen, ohne die Frage zu beantworten. Der Soldat wollte von Merz wissen, wie er &ndash; der Kanzler &ndash; die S&ouml;hne und T&ouml;chter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143414\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":143415,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,41,183],"tags":[1546,358,783,244,2037],"class_list":["post-143414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-ard","tag-bundeswehr","tag-merz-friedrich","tag-vierte-gewalt","tag-zukunftsangst"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251210-arena-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143414"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143444,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143414\/revisions\/143444"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}