{"id":143491,"date":"2025-12-11T14:47:40","date_gmt":"2025-12-11T13:47:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143491"},"modified":"2025-12-15T07:23:36","modified_gmt":"2025-12-15T06:23:36","slug":"rentenstreit-debattieren-in-postfaktischen-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143491","title":{"rendered":"Rentenstreit \u2013 Debattieren in postfaktischen Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>H&auml;tte es die angeblich &bdquo;jungen CDU-Abweichler&ldquo; samt ihres angedrohten &bdquo;Koalitionsbruchs&ldquo; nicht gegeben, w&auml;re die letzte <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/mediathek\/video?videoid=7646120\">Bundestagsdebatte zum Rentenpaket<\/a> wohl &ndash; wie so viele vergangene Debatten zur Rente &ndash; kaum von Medien und &Ouml;ffentlichkeit beachtet worden. Es kam jedoch anders und man wei&szlig; nicht, ob man sich dar&uuml;ber freuen oder &auml;rgern soll, steht doch nun der Plan im Raum, noch in dieser Legislaturperiode eine &bdquo;echte&ldquo; Rentenreform anzugehen. Da darf man Schlimmes erwarten, wurde der aktuelle &bdquo;Rentenstreit&ldquo; doch bereits au&szlig;erhalb aller Fakten gef&uuml;hrt und erz&auml;hlt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7222\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143491-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143491-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251211_Rentenstreit_Debattieren_in_postfaktischen_Zeiten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Erz&auml;hlung oder &ndash; wie man Neudeutsch wohl sagt: das Narrativ &ndash; des Rentenstreits ist schnell erz&auml;hlt:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die gesetzliche Altersrente hat ein massives Problem. Der demographische Wandel f&uuml;hrt dazu, dass das System schon bald kollabiert. Nur die immer gigantischer werdenden Zusch&uuml;sse aus Steuermitteln sorgen daf&uuml;r, dass das System &uuml;berhaupt noch zahlungsf&auml;hig ist. Union und SPD haben das Problem auf die lange Bank geschoben und dies belastet die junge Generation. Die SPD will die Rente, die CDU die Wirtschaft retten und die jungen Abweichler der Union sind die Anw&auml;lte der J&uuml;ngeren.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>So oder so &auml;hnlich konnten wir es in zahllosen Artikeln zum Thema lesen; so oder so &auml;hnlich erz&auml;hlten es angebliche Experten in Talkshows und Kommentaren. Nichts, aber auch wirklich gar nichts davon ist richtig.<\/p><p>Fangen wir mit dem Punkt der angeblich so massiv gestiegenen Kosten des Rentensystems f&uuml;r den Steuerzahler an. Diese Debatte wird schon seit Ewigkeiten gef&uuml;hrt. Es geht um die sogenannten Steuerzusch&uuml;sse. Was ist das? Seit es die Rentenversicherung des Bundes gibt, muss sie auch versicherungsfremde, also nicht beitragsgedeckte, Leistungen &uuml;bernehmen. Der Katalog dieser Leistungen ist lang und reicht von Ersatzzeiten (z.B. Wehrdienst), Anrechnungszeiten (z.B. bei Krankheit oder Schwangerschaft), die Kindererziehungszeiten vor dem Jahr 1992, H&ouml;herbewertung der Ost-Entgelte, Kriegsfolgelasten und Fr&uuml;hrenten bis hin zur Witwenrente. F&uuml;r alle diese Leistungen gibt es einen guten politischen Grund, sie sind Bestandteil des Sozialstaats. <\/p><p>Allen diesen Leistungen stehen jedoch keine Beitr&auml;ge der Rentenversicherten gegen&uuml;ber. Aus diesem Grund sollen diese Leistungen auch &uuml;ber den sogenannten Bundeszuschuss aus dem Steuertopf getragen werden. Es gibt jedoch zahlreiche Studien, die belegen, dass die Summe der Bundeszusch&uuml;sse konstant weit unter den tats&auml;chlich erbrachten versicherungsfremden Leistungen liegt. 2023 lag die <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/DRV\/DE\/Rente\/Allgemeine-Informationen\/EM-Rente-Verbesserung\/faq_em-rente-verbesserung-gesetz.html\">Differenz nach Angaben der Rentenversicherung<\/a> beispielsweise bei rund 40 Mrd. Euro. <\/p><p>Um dies einmal einzuordnen: Die zus&auml;tzliche Belastung der Sozialsysteme durch nicht aus Steuermitteln ausgeglichene versicherungsfremde Leistungen liegt lt. Studien bei rund neun Beitragspunkten &ndash; bei der parit&auml;tischen Finanzierung der Sozialsysteme k&ouml;nnten also sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Bruttolohnanteile von jeweils 4,5 Prozent einsparen, wenn die versicherungsfremden Leistungen ordnungsgem&auml;&szlig; &uuml;ber die Steuern finanziert w&uuml;rden. Wir haben es hier also nicht mit einem Problem zu tun, das urs&auml;chlich etwas mit dem Umlagesystem der Altersrente zu tun h&auml;tte. Das Problem ist vielmehr, dass die Politik allerlei versicherungsfremde Leistungen mit in die Rente gepackt hat und sich gleichzeitig weigert, diese Leistungen auch voll zu bezahlen. Denn daf&uuml;r m&uuml;sste man dann ja entweder Steuern erh&ouml;hen oder Ausgaben an anderer Stelle k&uuml;rzen.<\/p><p>Vollkommen falsch ist &uuml;brigens auch, dass der Steuerzuschuss &ndash; in welcher Form auch immer &ndash; immer teurer w&uuml;rde. Lag der Bundeszuschuss vor zwanzig Jahren noch bei 3,4 Prozent der Wirtschaftskraft, also des Bruttoinlandproduktes, liegt er aktuell bei nur 2,7 Prozent. Binnen zwanzig Jahren ist der Anteil also nicht etwa gestiegen, sondern in Relation zur Wirtschaftskraft um gute 20 Prozent gesunken.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: NachDenkSeiten<\/small><\/p><p>Ganz &auml;hnlich sehen die Zahlen aus, wenn man die Zusch&uuml;sse nicht an der Wirtschaftskraft, sondern am Volumen des Bundeshaushalts bemisst. Machten die Zusch&uuml;sse vor zwanzig Jahren noch 31 Prozent des gesamten Bundeshaushalts aus, so liegt deren Anteil heute bei nur noch 25 Prozent. Die &bdquo;Delle&ldquo; im Haushaltsjahr 2021 ist &uuml;brigens ein Effekt der Coronama&szlig;nahmen-Finanzierung und soll an dieser Stelle nicht interessieren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: NachDenkSeiten<\/small><\/p><p>Diese Zahlen zeigen klar und deutlich: Die Kosten f&uuml;r den Steuerzuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung steigen nicht und explodieren schon gar nicht &ndash; ganz im Gegenteil sinken diese Kosten Jahr f&uuml;r Jahr. Die bei der Debatte immer mitschwingende Argumentation, wir k&ouml;nnten uns das Rentensystem in dieser Form nicht mehr leisten, ist also nachgewiesenerma&szlig;en falsch.<\/p><p>Kommen wir zum demographischen Wandel und begeben uns dabei in vermintes Terrain. Dass jedes Jahr mehr alte Menschen in Rente gehen als junge Menschen in den Arbeitsmarkt nachwachsen, ist vollkommen korrekt. Daraus ein unabwendbares Problem f&uuml;r die Rentenversicherung zu machen, ist jedoch vollkommen unseri&ouml;s. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> haben auf diese Manipulation schon seit ihrer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4391\">Gr&uuml;ndung immer wieder hingewiesen<\/a>. Zu den aktuellen Zahlen hatte erst vor wenigen Wochen Reiner Heyse <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142607\">auf den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> etwas geschrieben. Kurz dazu: Die vielzitierten &bdquo;Babyboomer&ldquo; gehen nicht in einigen Jahren in Rente; sie gehen es schon jetzt und der H&ouml;hepunkt dieser Entwicklung wird um das Jahr 2029 herum stattfinden &ndash; also im Jahr der n&auml;chsten regul&auml;ren Bundestagswahlen. Danach geht es wieder bergab mit der Jahrgangsst&auml;rke und in zehn Jahren werden weniger Menschen in das Rentenalter eintreten als heute, Tendenz weiter abnehmend.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/251211-Rentenstreit-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: Reiner Heyse<\/small><\/p><p>Heyse folgert daraus: &bdquo;Die Fakten zeigen, das &acute;Problem&acute; ist tempor&auml;r und durchaus im Rahmen der Umlagefinanzierung beherrschbar. Das wird seit etlichen Jahren von der Deutschen Rentenversicherung erkl&auml;rt und mit sehr validen Daten belegt&ldquo;. Dem ist nichts hinzuzuf&uuml;gen. Die Katastrophenszenarien, die sich auf den demographischen Wandel beziehen, sind interessengesteuert und kontrafaktisch.<\/p><p>Fast spannender als das, was zu dem Thema &ouml;ffentlich gesagt und geschrieben wird, ist das, was nicht erw&auml;hnt wird. Die blo&szlig;e Zahl von Jungen und Alten ist f&uuml;r die Rentendebatte n&auml;mlich eigentlich gar nicht so wichtig. Die Rentenbeitr&auml;ge m&uuml;ssen schlie&szlig;lich auch bezahlt werden. H&auml;tten wir eine Million mehr junge Menschen, die nicht in die Kassen einzahlen, h&auml;tte dies, Demographie hin oder her, keine positive Auswirkung auf das Umlagesystem. Wichtig ist also vor allem, dass die &bdquo;Jungen&ldquo;, also diejenigen, die ins Umlagesystem einzahlen, ordentliche L&ouml;hne beziehen, sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt sind und einer produktiven T&auml;tigkeit nachgehen. In den 1950ern kamen auf einen Rentner rund drei bis vier Beitragszahler. Heute kommen auf einen Rentner rund zwei Beitragszahler und es werden k&uuml;nftig sogar noch etwas weniger. Ist das ein Problem? Nein, da ein Arbeitnehmer im Jahre 2025 wesentlich produktiver ist als ein Arbeitnehmer in den 1950ern. Die ganze Rechnung ohne den Produktivit&auml;tszuwachs zu machen, ist sinnlos. Nicht der demographische Wandel als solcher, sondern die in den letzten Jahren schlechte Produktivit&auml;ts- und Lohnentwicklung der Bundesrepublik ist ein Problem f&uuml;r das Rentensystem.<\/p><p>Ein weiteres gro&szlig;es Problem ist die Entwicklung, dass immer mehr volkswirtschaftliche Eink&uuml;nfte nicht mehr durch sozialversicherungspflichtige Arbeit, sondern durch Kapitaleink&uuml;nfte erzielt werden, die &uuml;ber das Umlagesystem nicht umverteilt werden und dank politischer Blockade auch nicht &uuml;ber Steuerzusch&uuml;sse ins System umgeleitet werden. Die Rentenversicherung ist heute eine Absicherungssystem innerhalb der Gruppe der Arbeitnehmer. Wenn man die Rente nun aber als gesamtgesellschaftliche Aufgabe definiert, m&uuml;sste man auch die Finanzierungsbasis gesamtgesellschaftlich ausweiten. Aber auch hier gilt: Das Umlagesystem ist auch ohne eine solche Erweiterung tragf&auml;hig; das Rentenniveau k&ouml;nnte jedoch steigen, wenn man die Basis erweitert. Doch solche Debatten werden leider nicht gef&uuml;hrt, widersprechen sie doch den Erz&auml;hlungen.<\/p><p>Doch bleiben wir bei den aktuellen Erz&auml;hlungen: Wie sieht es denn mit dem angeblichen Generationenkonflikt aus? K&auml;mpfen hier Junge gegen Alte? Diese Interpretation ist geradezu abenteuerlich. Beim konkreten &bdquo;Streit&ldquo; geht es ja weniger um die aktuellen Rentner. Beim Rentenniveau und den sogenannten Haltelinien geht es um Prognosen, die das n&auml;chste Jahrzehnt betreffen. Das betrifft weniger die Alten, aber um so mehr diejenigen, die k&uuml;nftig in Rente gehen. Bei den Punkten, die im Rahmen der Rentendiskussion zurzeit gefordert und verhandelt werden, wie beispielsweise dem Renteneintrittsalter, geht es teils sogar um Regelungen, die weder f&uuml;r die heutige Rentnergeneration noch f&uuml;r die Boomer &uuml;berhaupt eine Rolle spielen. Sollte &ndash; um ein willk&uuml;rliches Beispiel zu nehmen &ndash; das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre erh&ouml;ht werden, m&uuml;ssten dabei gesetzliche &Uuml;bergangsfristen ber&uuml;cksichtigt werden, sodass davon eben nicht die &auml;lteren, sondern die j&uuml;ngeren Jahrg&auml;nge betroffen sind. Je nach Modell sprechen wir hier vor allem von den Jahrg&auml;ngen ab Mitte der 1980er, also denen, die man landl&auml;ufig in einem alten Land wie Deutschland als &bdquo;die Jungen&ldquo; bezeichnet. Warum &bdquo;die jungen Wilden&ldquo; der CDU nun von den Medien als Vertreter &bdquo;der Jungen&ldquo; inszeniert werden, ist also ein echtes R&auml;tsel. W&uuml;rden sich diese &bdquo;Abweichler&ldquo; mit all ihren Forderungen durchsetzen, h&auml;tte dies vor allem negative Folgen f&uuml;r ihre Generation, w&auml;hrend die Folgen f&uuml;r die &bdquo;Boomer&ldquo; &uuml;berschaubar blieben.<\/p><p>Es ist ohnehin unverst&auml;ndlich, warum in dieser Debatte derart schrille Katastrophenszenarien bem&uuml;ht werden. Was sind denn eigentlich die dramatischen Folgen f&uuml;r &bdquo;die Jungen&ldquo;, von denen immer gesprochen wird? Auch dazu hatte Reiner Heyse bereits etwas <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143313\">auf den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> geschrieben &ndash; w&uuml;rde man das Rentenniveau durch eine Erh&ouml;hung des Beitragssatzes stabilisieren, w&uuml;rde dies nach aktuellen Sch&auml;tzungen der Rentenversicherung auf eine Erh&ouml;hung um 2,6 Prozentpunkte in den kommenden 15 Jahren hinauslaufen; wie bereits erw&auml;hnt, damit w&auml;re dann auch der gesamte &bdquo;Boomer-Bauch&ldquo; ausgeglichen und danach w&uuml;rde sich die Lage ohnehin wieder entspannen, da dann die geburtenschw&auml;cheren Jahrg&auml;nge in Rente gehen. <\/p><p>Und wer nun meint, dies sei der Weltuntergang &ndash; in einem Szenario, bei dem kein einziger Cent zus&auml;tzlicher Steuergelder flie&szlig;t und der gesamte demographische Effekt ausschlie&szlig;lich von den Beitragszahlern &uuml;bernommen wird, k&auml;me man dann im Jahr 2040 auf einen Beitragssatz von 21,2 Prozent, also gerade mal 0,8 Prozentpunkte &uuml;ber dem Wert von 1998. Ber&uuml;cksichtigt man die parit&auml;tische Finanzierung der Rente, w&uuml;rden wir &uuml;brigens bei weniger als 0,1 Prozent Steigerung pro Jahr ankommen. Dies gilt wohlgemerkt f&uuml;r das Szenario, bei dem die kompletten Mehrkosten durch den demografischen Wandel bei Sicherung des jetzigen Rentenniveaus dem Beitragszahler aufgeb&uuml;rdet werden. W&uuml;rde man die Lasten zum Teil auf den Steuerzahler abw&auml;lzen, w&auml;re die Steigerung der Beitr&auml;ge dementsprechend geringer. Und das ist jetzt so f&uuml;rchterlich dramatisch? So dramatisch, dass die &bdquo;jungen Abweichler&ldquo; angeblich ihr Gewissen &uuml;ber die Fraktionsdisziplin stellen? Ich habe da meine Zweifel.<\/p><p>Wahrscheinlicher ist, dass die Union das Spielfeld f&uuml;r die kommenden Debatten zur &bdquo;echten Rentenreform&ldquo; schon mal vorbereitet. Der Union ist schlie&szlig;lich daran gelegen, allerlei Grausamkeiten bei der Rente durchzusetzen &ndash; von der Teilprivatisierung bis hin zur Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters. Die Finanzkonzerne scharren ja bereits mit den Hufen. All diese Punkte sind beim W&auml;hler nicht gerade beliebt und da kann es sicher nicht schaden, schon einmal einen Erz&auml;hlungsrahmen zu setzen, in dem man sich als selbstloser Bewahrer des Rentensystems in Szene jetzt, der die Interessen der Jungen im Auge hat und die Rente gleichzeitig vor dem sicheren Kollaps rettet &ndash; nat&uuml;rlich mit &bdquo;unbeliebten Reformen&ldquo;. Dass dies alles nicht der Wahrheit entspricht und den Fakten zuwiderl&auml;uft, wei&szlig; ja dank der lausigen Berichterstattung niemand. So bitter es ist, die gesamte &ouml;ffentliche Rentendebatte ist in einer postfaktischen &Auml;ra angekommen und das verhei&szlig;t nichts Gutes.<\/p><p><small>Titelbild: Juergen Nowak\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5c5adffdee69469b879bddbad34d2189\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Beitrag<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143579\">Leserbriefe zu &bdquo;Rentenstreit &ndash; Debattieren in postfaktischen Zeiten&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H&auml;tte es die angeblich &bdquo;jungen CDU-Abweichler&ldquo; samt ihres angedrohten &bdquo;Koalitionsbruchs&ldquo; nicht gegeben, w&auml;re die letzte <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/mediathek\/video?videoid=7646120\">Bundestagsdebatte zum Rentenpaket<\/a> wohl &ndash; wie so viele vergangene Debatten zur Rente &ndash; kaum von Medien und &Ouml;ffentlichkeit beachtet worden. Es kam jedoch anders und man wei&szlig; nicht, ob man sich dar&uuml;ber freuen oder &auml;rgern soll, steht doch nun<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143491\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":143492,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,158,123,39],"tags":[904,487,301,1609,2272],"class_list":["post-143491","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-generationenkonflikt","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rente","tag-grv","tag-produktivitaet","tag-rentenalter","tag-rentenreform","tag-versicherungsfremde-leistungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/shutterstock_2711233473.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143491"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143494,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143491\/revisions\/143494"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}