{"id":143511,"date":"2025-12-12T10:00:03","date_gmt":"2025-12-12T09:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143511"},"modified":"2025-12-15T07:22:11","modified_gmt":"2025-12-15T06:22:11","slug":"krankheitssystem-viele-pillen-hohe-profite-kaum-praevention-und-kosten-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143511","title":{"rendered":"Krankheitssystem: Viele Pillen, hohe Profite, kaum Pr\u00e4vention und Kosten ohne Ende"},"content":{"rendered":"<p>Das deutsche Gesundheitswesen ist europaweit mit Abstand das teuerste und qualitativ eines der schlechtesten. Die Therapie: Weiter steigende Kassenbeitr&auml;ge und neuerliche Leistungsk&uuml;rzungen. Wie w&auml;re es damit, Herr Bundeskanzler, den &uuml;berbordenden Kommerz im System auszumerzen und endlich die Pharmalobby an die Kandare zu nehmen? Nicht doch: Die Bundesregierung will die Branche zur &bdquo;Leitindustrie&ldquo; machen. Leider kein Witz. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4237\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143511-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143511-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251212_Krankheitssystem_Viele_Pillen_hohe_Profite_kaum_Praevention_und_Kosten_ohne_Ende_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das deutsche Gesundheitssystem ist ein Mysterium: Die Krankheitslast der Bev&ouml;lkerung wird stetig gr&ouml;&szlig;er und die Kosten steigen ohne Ende. Oberfl&auml;chlich betrachtet erscheint das wie ein Widerspruch. Wird mehr Geld f&uuml;r Gesundheit mobilisiert, m&uuml;ssten die Menschen im Land doch auch ges&uuml;nder sein. Falsch gedacht! Ein Blick ins europ&auml;ische Ausland &ouml;ffnet die Augen. Der vor acht Tagen vom AOK-Bundesverband und dem Deutschen Krebsforschungszentrum ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/pp\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=74002&amp;dl=1&amp;token=0deb62367f7f9a00b9439647a4987ac4ef59d1c0&amp;download=1\">Public-Health-Index (PHI)<\/a> verzeichnet f&uuml;r Spanien die EU-weit h&ouml;chste Lebenserwartung. Die dort im Jahr 2023 geborenen Kinder werden absehbar im Schnitt 84 Jahre alt werden. Bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf rangierte das Land 2022 dagegen auf Platz 16 und mit 2.822 Euro 711 Euro unter dem EU-Mittel (3.533 Euro).<\/p><p>Und die BRD? Bei der Lebenserwartung landet sie mit 81,1 Jahren auf Platz 17 und damit unter dem EU-Schnitt von 81,4 Jahren. Bei den Ausgaben allerdings &bdquo;&uuml;berragt&ldquo; sie die &uuml;brigen 26 Staaten mit gro&szlig;em Abstand. Mit 5.317 Euro pro Kopf h&auml;ngen die Deutschen die zweitplatzierten &Ouml;sterreicher um 572 Euro ab und toppen den EU-Durchschnitt um satte 1.784 Euro. Wie es anders geht, beweist auch Italien: Zweiter bei den Lebensjahren, aber Zw&ouml;lfter bei den Kosten. Wo liegt das Geheimnis? Bekommen wir zu wenig Sonne ab? Oder m&uuml;ssen wir einfach mehr Pizza und Paella futtern? Wohl kaum. Denn tats&auml;chlich ging es uns auch schon mal besser, in Zeiten, als wir noch nicht so viel Geld in unsere Gesundheit gesteckt haben. Richtig &uuml;bel wurde es mit Corona, wobei Lockdowns und Impfungen hier nicht das Thema sein sollen. Es geht um die Gesamttendenz, und die muss zu denken geben.<\/p><p><strong>Kassenbeitr&auml;ge im H&ouml;henflug<\/strong><\/p><p>Zum Beispiel liefert die unter der Woche vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgelegte Erhebung <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Themen\/Forschung-und-Forschungsdaten\/Sentinels-Surveillance-Panel\/Panel\/faktenblaetter.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">&bdquo;Gesundheit in Deutschland&ldquo;<\/a> Bedr&uuml;ckendes. Demnach sch&auml;tzten im Vorjahr nur noch 64,2 Prozent der Erwachsenen ihre Gesundheit als &bdquo;gut&ldquo; oder &bdquo;sehr gut&ldquo; ein. Das sind &uuml;ber drei Prozentpunkte weniger als im Jahr 2023. Knapp 22 Prozent der Befragten gaben eine depressive Symptomatik an. Mehr als die H&auml;lfte, 53,7 Prozent, berichteten von einer chronischen Erkrankung. Dabei sind sozial Benachteiligte und Menschen mit geringerem Bildungsniveau h&auml;ufiger von gesundheitlichen Einschr&auml;nkungen betroffen als solche aus einkommensst&auml;rkeren Schichten. Womit sich einmal mehr zeigt, was ohnehin auf der Hand liegt: Armut macht krank.<\/p><p>Das Problem: Die Armut im Land nimmt weiter zu, unter anderem getrieben durch steigende Aufwendungen zur Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der gesetzlich festgelegte individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkassen wird sich 2026 um 0,4 Punkte auf dann 2,9 Prozent erh&ouml;hen, wobei das nur eine Orientierungsmarke darstellt. Beispielsweise liegt die Barmer schon jetzt bei 3,29 Prozent und die Knappschaft bei 4,4 Prozent. Der <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/versicherungen\/krankenkassenbeitraege-steigen-weiter-so-viel-mehr-muessen-sie-2026-bezahlen_41a9f5fc-c83e-497e-8d21-ef55cd81e03b.html\"><em>Focus<\/em><\/a> prognostiziert f&uuml;r das kommende Jahr &uuml;ber alle Kassen hinweg eine Erh&ouml;hung von 0,9 Prozent auf im Schnitt 3,25 Prozent, die auf den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent obendrauf kommen.<\/p><p><strong>Noch ein Sparpaket<\/strong><\/p><p>In dem Stil k&ouml;nnte es weitergehen. In der Vorwoche wurden Szenarien publik, wonach die Gesamtbeitr&auml;ge von aktuell im Mittel 17,5 Prozent auf 19,1 Prozent im Jahr 2030 hochschnellen werden, 2040 w&auml;ren es sogar bis zu 22,7 Prozent. So steht es in einer <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/news\/krankenkassen-listen-sparpotenzial-von-50-milliarden-euro-auf-7d6ed7db-34af-4316-9bf6-817d4996cfc0\">Stellungnahme des GKV-Spitzenverbands<\/a> f&uuml;r die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte &bdquo;Finanzkommission Gesundheit&ldquo;. Diese will bis M&auml;rz 2026 Vorschl&auml;ge zur &bdquo;Stabilisierung&ldquo; des Systems erarbeiten. Die GKV-Funktion&auml;re wollen sich mit einem &bdquo;Sparpaket&ldquo; im Umfang von 50 Milliarden Euro einbringen, das an allen Stellschrauben ansetzen soll, bei Krankenh&auml;usern, niedergelassenen &Auml;rzten, Heil- und Hilfsmitteln, nicht zuletzt bei der Pharmaindustrie. Beispielsweise sollen die Pflegeausgaben in den Kliniken gedeckelt oder die Budgets f&uuml;r Haus- und Kinder&auml;rzte wiederbelebt werden. Manche der Rezepte laufen auf neuerliche Leistungsk&uuml;rzungen hinaus, andere erscheinen durchaus sinnvoll.<\/p><p>Vielversprechend klingt im Speziellen der Ansatz, zu einer &bdquo;einnahmenorientierten Ausgabenpolitik&ldquo; zur&uuml;ckzukehren. Demnach d&uuml;rfe die Politik nur mehr f&uuml;r Kostensteigerungen gr&uuml;nes Licht geben, die von der Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen auch gedeckt sind.<\/p><p>Das w&auml;re tats&auml;chlich eine kleine Revolution. Heute ist es &uuml;blich, dass praktisch jede medizinische &bdquo;Neuerung&ldquo; sofort ins System eingepreist wird, ganz egal, wie teuer sie ist und wie sehr sie das Solidarsystem belastet beziehungsweise &uuml;berfordert. Anders ausgedr&uuml;ckt: Die Kosten des Gesundheitssystems laufen vor allem deshalb so aus dem Ruder, weil es so viele gibt, die daran mitverdienen. Hierin besteht auch der gro&szlig;e Unterschied etwa zur staatlichen Altersvorsorge. Deren Ertrag landet als ein Betrag X auf dem Konto von Senioren, die letztlich die alleinigen Profiteure des Systems sind. Anders bei der Privatrente: Hier kassieren andere mit &ndash; Versicherungen, Makler, Banken, Spekulanten &ndash; und zwar mitunter so kr&auml;ftig, dass f&uuml;r die Versicherten kaum bis gar nichts h&auml;ngen bleibt. Bestes Beispiel ist die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101545\">Riester-Rente<\/a>.<\/p><p><strong>Rauchen, saufen, fressen<\/strong><\/p><p>Was folgt daraus? Da, wo viele Interessen, im Besonderen Gewinninteressen mitmischen, ger&auml;t das System au&szlig;er Kontrolle. Folglich ist auch das Gesundheitswesen zu einer riesigen Blackbox missraten, bei der l&auml;ngst nicht mehr klar ist, was bei dem vielen Geld, das vorne reingestopft wird, hinten rauskommt. Auf alle F&auml;lle ist f&uuml;r Deutschland festzustellen: Eine bessere Volksgesundheit ist es nicht. Wenn man so will, ist genau das gewollt. Gesunde Menschen m&uuml;ssen nicht zum Arzt, nicht ins Krankenhaus, brauchen keine Pillen oder Titanh&uuml;ften. Sie versprechen einfach keinen Profit. Kranke Menschen umso mehr, weil sich ihnen Medikamente, alle m&ouml;glichen Therapien und die &bdquo;Wunder&ldquo; der modernen Ger&auml;temedizin verkaufen lassen. Nicht zuf&auml;llig ist Deutschland international Vorreiter beim Implantieren von H&uuml;ft- und Kniegelenken sowie bei Herzkatheteruntersuchungen, Kniegelenksspiegelungen und Wirbels&auml;ulen-OPs. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89282\">&bdquo;Da sind wir tats&auml;chlich mehrfache Weltmeister&ldquo;<\/a>, befand der Gef&auml;&szlig;chirurg und Buchautor Thomas Strohschneider vor drei Jahren im Gespr&auml;ch mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. &bdquo;Viele Eingriffe und Untersuchungen sind &uuml;berfl&uuml;ssig und in manchen Bereichen besteht definitiv eine &Uuml;bertherapie, die unn&ouml;tige Kosten verursacht.&ldquo;<\/p><p>Es gibt Alternativen. Erkrankungen lassen sich vermeiden, durch Vorbeugung: gute Ern&auml;hrung, Sport, frische Luft, ein gedeihliches Lebensumfeld mit Hobbys, Freundschaften und Abwechslung vom Alltag. Aber was leisten wir uns in Sachen Pr&auml;vention? Einmal mehr: miserable Platzierungen im internationalen Vergleich. Bei besagtem Public-Health-Index findet sich Deutschland bei drei von vier Handlungsfeldern ganz weit unten im Ranking von 18 Staaten. Tabakpolitik: Rang 17. Alkoholpolitik: Zweitletzter gemeinsam mit &Ouml;sterreich. Ern&auml;hrungspolitik: rote Laterne zusammen mit Luxemburg, &Ouml;sterreich und der Schweiz. Nur bei der Bewegungsf&ouml;rderung reicht es zum zehnten Rang, in der Gesamtsicht nur zum zweitletzten Platz. Die Spitzenreiter Gro&szlig;britannien, Finnland und Irland setzten gezielt auf Ma&szlig;nahmen zur F&ouml;rderung gesunder Lebensweisen, etwa Mindeststandards f&uuml;r Schulessen, eine gesundheitsorientierte Besteuerung sowie umfassenden Kinderschutz durch Einschr&auml;nkungen von Werbung und Verf&uuml;gbarkeit krankmachender Konsumg&uuml;ter, hei&szlig;t es in der Studie. Deutschland dagegen lasse &bdquo;zentrale Instrumente ungenutzt&ldquo; und offenbare &bdquo;mangelnden politischen Willen zum Umsteuern&ldquo;.<\/p><p><strong>Leit(d)industrie<\/strong><\/p><p>Stattdessen soll die Pharmawirtschaft zur &bdquo;Leitindustrie der deutschen Volkswirtschaft&ldquo; werden, die &bdquo;f&uuml;r die Gesundheitsversorgung und den Wirtschaftsstandort von gro&szlig;er Bedeutung&ldquo; sei, schreibt die Bundesregierung in einem <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/P\/Pharmastrategie\/231213_Kabinett_Strategiepapier.pdf\">Strategiepapier<\/a>. Wo das hinf&uuml;hrt, zeigt der am Dienstag publizierte <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/978-3-662-72460-6.pdf\">&bdquo;Arzneimittel-Kompass 2025&ldquo;<\/a> der AOK. Demnach t&uuml;rmten sich die Ausgaben der GKV f&uuml;r Arzneien aller Art 2024 auf 59,3 Milliarden Euro, was einem Anstieg von &uuml;ber neun Prozent gegen&uuml;ber 2023 entspricht. F&uuml;r das laufende Jahr rechnet das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mit einem Kostenaufwuchs von mehr als f&uuml;nf Prozent und angesichts &bdquo;fehlender gesetzlicher Ma&szlig;nahmen&ldquo; ebenso f&uuml;r 2026.<\/p><p>Eigentlich h&auml;tte das schon seit 2011 geltende Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) die Preisrallye bei den &bdquo;innovativen&ldquo; Medikamenten bremsen sollen. Damit sind patentgesch&uuml;tzte Pr&auml;parate gemeint, die bei nicht selten zweifelhafter Wirksamkeit zu Mondpreisen &uuml;ber den Ladentisch gehen. Ihr Anteil an den Gesamtkosten lag laut AOK-Report 2024 bei 54 Prozent, wogegen sie nur sieben Prozent aller verordneten Tagesdosen ausmachten. Seit der vermeintlichen Regulierung vor 14 Jahren haben die Ausgaben f&uuml;r alle Arzneien um 125 Prozent zugelegt. &bdquo;Die Marktanalysen zeigen, dass die Steuerungswirkung einer fr&uuml;hen Nutzenbewertung und nachgelagerten Preisverhandlung nach dem AMNOG-Verfahren durch Umgehungsstrategien der pharmazeutischen Unternehmen ausgeh&ouml;hlt wird&ldquo;, &auml;u&szlig;erte WIdO-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Helmut Schr&ouml;der in einer <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/pp\/bv\/pm\/arzneimittel-kompass-2025\/\">Pressemitteilung<\/a>.<\/p><p><strong>Mehr Geld f&uuml;r weniger Versorgung<\/strong><\/p><p>Eines der Schlupfl&ouml;cher ist die sogenannte Orphanisierung. Dabei konzentrieren sich die Hersteller auf Arzneimittel f&uuml;r seltene Erkrankungen, weil bei diesen bis zu einer Umsatzschwelle von 30 Millionen Euro kein Nutzennachweis erfolgen muss. F&uuml;r die Branche ist das eine Geldspritze in eigener Sache. Die Durchschnittspreise pro Packung im Patentmarkt kletterten zwischen 2015 und 2024 von 4.100 Euro auf 7.700 Euro. Im Vorjahr gab es 42 Neueinf&uuml;hrungen, darunter 24 Orphan-Medikamente. Sie brachten es auf einen Versorgungsanteil von weniger als einem Promille, aber verursachten 14 Prozent der Gesamtausgaben. Auch dies f&uuml;hre dazu, dass &bdquo;immer mehr Geld f&uuml;r immer weniger Versorgung ausgegeben wird&ldquo;, so Schr&ouml;der. <\/p><p>Die AOK stellt diverse Forderungen: Medikamente mit unsicherer Evidenz und hohem medizinischen Bedarf sollten nur noch in qualifizierten Zentren eingesetzt werden. Auf den Pr&uuml;fstand m&uuml;sse ferner die M&ouml;glichkeit der Pharmafirmen, den Erstattungsbetrag f&uuml;r neue Arzneimittel in den ersten sechs Monaten frei w&auml;hlen zu d&uuml;rfen. Au&szlig;erdem brauche es Transparenz bei der Forschungs- und Entwicklungsfinanzierung (F&amp;E). Unternehmen profitieren heutzutage oft von einer doppelten F&ouml;rderung, einerseits &uuml;ber Steuern sowie zweitens &uuml;ber die Arzneimittelpreise, die sie praktisch freih&auml;ndig festlegen k&ouml;nnen. Die Pharmaindustrie mache sich das Fehlen einer &bdquo;standardisierten Berichterstattung &uuml;ber &ouml;ffentliche F&amp;E-Ausgaben zunutze, um den Mythos aufrechtzuerhalten, ganz allein Unsummen daf&uuml;r auszugeben&ldquo;, hei&szlig;t es dazu in der AOK-Studie.<\/p><p><strong>Toxische Lobby<\/strong><\/p><p>Es darf bezweifelt werden, dass die Bundesregierung entsprechende Schritte in die Wege leitet. Wie m&auml;chtig und einflussreich die Pharmalobby in Deutschland und Europa ist, lie&szlig; sich w&auml;hrend der Pandemie bestaunen, als die Politik der Branche Milliardenprofite f&uuml;r Impfstoffe genehmigte, die wom&ouml;glich mehr Schaden anrichteten als sie Nutzen brachten. Das zu kl&auml;ren, w&auml;re ein mithin lebenswichtiger Forschungsauftrag.<\/p><p>2007 hatte der inzwischen verstorbene John Virapen im Buch &bdquo;Nebenwirkung Tod&ldquo; als Ex-Topmanager des US-Konzerns Eli Lilly &uuml;ber die Machenschaften seines fr&uuml;heren Arbeitgebers ausgepackt. Dazu geh&ouml;rten die Vermarktung hochgef&auml;hrlicher bis t&ouml;dlicher Medikamente ebenso wie das Aufpeppen schon existenter Wirkstoffe durch Ver&auml;nderung nur eines Molek&uuml;ls und ohne jeden Zusatznutzen. Das sei laut Virapen das g&auml;ngige Gesch&auml;ftsmodell eines Wirtschaftszweigs, der Gewinne einstreiche, nicht um Menschen gesund, sondern sie krank zu machen und zu erhalten.<\/p><p>Hatschi! Keine Sorge: Die n&auml;chste Beitragserh&ouml;hung kommt bestimmt &ndash; mit allen Risiken und Nebenwirkungen.<\/p><p><small>Titelbild: elmar gubisch\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e2b150a712f54217bdc3af3b57779cb2\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das deutsche Gesundheitswesen ist europaweit mit Abstand das teuerste und qualitativ eines der schlechtesten. Die Therapie: Weiter steigende Kassenbeitr&auml;ge und neuerliche Leistungsk&uuml;rzungen. Wie w&auml;re es damit, Herr Bundeskanzler, den &uuml;berbordenden Kommerz im System auszumerzen und endlich die Pharmalobby an die Kandare zu nehmen? Nicht doch: Die Bundesregierung will die Branche zur &bdquo;Leitindustrie&ldquo; machen. 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