{"id":143515,"date":"2025-12-13T12:00:13","date_gmt":"2025-12-13T11:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143515"},"modified":"2025-12-12T14:50:51","modified_gmt":"2025-12-12T13:50:51","slug":"syrien-wunsch-und-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143515","title":{"rendered":"Syrien: Wunsch und Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Es kommt auf die Perspektive an, wie sich der erste Jahrestag nach dem gewaltsamen Machtwechsel in Syrien darstellt. Das staatliche Motto &ndash; auch f&uuml;r die Syrer im Ausland &ndash; ist, einen &bdquo;Jahrestag des Sieges und der Befreiung&ldquo; zu feiern. Der 8. Dezember ist Feiertag, die Festkomitees haben kein Geld und keine M&uuml;hen gescheut, um das Land als eine gro&szlig;e Feier darzustellen. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn einem Sicherheitsbericht, der seit vielen Jahren f&uuml;r private Nichtregierungsorganisationen im Land erstellt wird, hei&szlig;t es am 8. Dezember 2025, dem ersten Jahrestag: &bdquo;Dies ist eine Warnung: Bitte seien Sie vorsichtig, wenn die Feiern beginnen, werden sie in die Luft schie&szlig;en. Aber jede Kugel wird wieder herunterkommen, also passen Sie auf!&ldquo;<\/p><p><strong>Der Blick der neuen syrischen Medien<\/strong><\/p><p>Sieht man die zahlreichen Video-Berichte der syrischen Nachrichtenagentur <em>SANA<\/em>, herrschen im Land Frieden und Freude und Feiern finden aller Orten statt. Da gibt es ein Fest in Azaz unweit der Grenze zur T&uuml;rkei, wo die Menschen Fahnen schwenken, zum Rhythmus der Musik aus den Lautsprechern klatschen und ihre Kinder in die Luft heben. &Uuml;ber der Promenade der Hafenstadt Banias kreist eine Drohne, die mit ihrer Kamera gro&szlig;e Menschenmengen am Ufer &uuml;berquert, um dann in einem furiosen Auf und Ab &uuml;ber Booten zu kreisen, die Menschengruppen in einer &bdquo;Bootszeremonie&ldquo; durch die Bucht transportieren. An den Masten wehen die neuen syrischen Fahnen. In der nahe gelegenen Hafenstadt Tartus werden im Kulturzentrum die Weihnachtsfeierlichkeiten er&ouml;ffnet. Ein Kinderchor singt vor der versammelten Familienschar, zu der sich &ndash; in der ersten Reihe &ndash; auch eine Gruppe &ouml;rtlicher Geistlicher gesellt hat. Ein weiterer Film zeigt den Start einer Freiheitstour von Radfahrern, die von Hama nach Homs fahren. Und ein Triathlon-Athlet f&auml;hrt mit dem Fahrrad von Beirut nach Damaskus, um den &bdquo;Tag des Sieges und der Befreiung&ldquo; am 8. Dezember zu w&uuml;rdigen. Dem ersch&ouml;pften Mann werden Girlanden mit Rosen um den Hals gelegt.<\/p><p>Die syrische Interimsregierung &ndash; die sich als &bdquo;Befreier&ldquo; von der &bdquo;Assad-Diktatur selbst in das Amt erhoben hat &ndash; l&auml;sst sich feiern. Zu ihren ersten Amtshandlungen geh&ouml;rten neben einer neuen Verfassung und der Einsetzung eines Parlaments auch die Ernennung des 8. Dezember als neuem Feiertag. Bisherige Feiertage wurden abgeschafft, so der &bdquo;Tag der M&auml;rtyrer&ldquo;, an dem der syrischen Oppositionellen gegen die osmanische Herrschaft gedacht wurde. 21 von ihnen waren am 6. Mai 1916 vom osmanischen Gouverneur Djemal Pascha in Damaskus und Beirut geh&auml;ngt worden. Auch ein weiterer Feiertag wurde abgeschafft, der 6. Oktober. An diesem Tag war der Soldaten gedacht worden, die im Tishreen-Krieg gegen Israel 1973 zur R&uuml;ckeroberung der 1967 besetzten Golanh&ouml;hen gefallen waren. In Israel spricht man vom Jom-Kippur-Krieg.<\/p><p>Vor dem ersten Jahrestag des neuen Syriens ist die Interimsregierung in Katar unterwegs. Im Rahmen des Doha Forums f&uuml;hren Interimspr&auml;sident Al Sharaa und Au&szlig;enminister Schaibani viele Gespr&auml;che. Al Sharaa im Gespr&auml;ch mit der CNN-Journalistin Christine Amanpour erh&auml;lt eine gro&szlig;e B&uuml;hne und Live&uuml;bertragung. Der Au&szlig;enminister k&uuml;ndigt ebenfalls auf einer B&uuml;hne f&uuml;r das Jahr 2026 einen wirtschaftlichen Wendepunkt an, der von Investitionen aus den USA, Katar, Saudi-Arabien und der T&uuml;rkei getragen werden soll. Schaibani trifft sich mit einer norwegischen Delegation sowie mit den Au&szlig;enministern der T&uuml;rkei und Jordaniens, berichtet <em>SANA<\/em>. Mit Norwegen habe man dar&uuml;ber beraten, wie &bdquo;die bilateralen Beziehungen entwickelt und ausgebaut&ldquo; werden k&ouml;nnten. Zudem habe man &uuml;ber die j&uuml;ngsten &bdquo;regionalen und internationalen Entwicklungen im gegenseitigen Interesse&ldquo; gesprochen.<\/p><p>Interimspr&auml;sident Al Sharaa scheint im vergangenen Jahr &bdquo;nach der Befreiung&ldquo; an vielen Orten gleichzeitig gewesen zu sein und habe &bdquo;die syrischen Tore f&uuml;r die Welt&ldquo; ge&ouml;ffnet, so <em>SANA<\/em>. Die beigef&uuml;gten Fotos zeigen Al Sharaa h&auml;ndesch&uuml;ttelnd mit Tom Barrack, dem US-Botschafter der T&uuml;rkei, der auch als Sonderbeauftragter von US-Pr&auml;sident Donald Trump f&uuml;r Syrien und Libanon fungiert. H&auml;ndesch&uuml;tteln mit dem Emir von Katar, im Gespr&auml;ch mit dem t&uuml;rkischen Au&szlig;enminister mit begleitender Delegation. Al Sharaa mit Mahmud Abbas, Chef der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde, und Al Sharaa mit dem saudischen Au&szlig;enminister. Weitere Fotos zeigen Al Sharaa mit dem libanesischen Ministerpr&auml;sidenten Nawaf Salam und schlie&szlig;lich mit den Au&szlig;enministern Deutschlands und Frankreichs, das war im Januar 2025.<\/p><p>Beeindruckend ist die internationale Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den langj&auml;hrigen Al-Qaida-Chef in Syrien, der damals noch unter dem Namen Abu Mohamed Al Jolani mit der Nusra Front und sp&auml;ter mit Hay&rsquo;at Tahrir al Sham f&uuml;r zahlreiche blutige Anschl&auml;ge verantwortlich war. Doch nach der &bdquo;Ehrenmedaille&ldquo;, die Al Sharaa vom UN-Sicherheitsrat erhielt, der alle gegen ihn und seinen amtierenden Geheimdienstchef und Innenminister Anas Khattab verh&auml;ngten Sanktionen aufhob, wurde Al Sharaa auch im Wei&szlig;en Haus vom US-Pr&auml;sidenten pers&ouml;nlich empfangen und als neues Mitglied in die US-gef&uuml;hrte Anti-IS-Allianz aufgenommen. Nun steht der Kampf gegen die verbliebenen &bdquo;Terrororganisationen&ldquo; auf dem Plan, frohlockt der US-Sonderbeauftragte Barrack: gegen die Hamas, die Hisbollah, gegen die iranischen Revolutionsgarden und gegen die Huthi-Bewegung im Jemen.<\/p><p><strong>Der Blick von der Regierungsbank<\/strong><\/p><p>Syrien trete &bdquo;in eine neue Phase, in der es um Wiederaufbau, Entwicklung und die St&auml;rkung der staatlichen Institutionen geht&ldquo;, erkl&auml;rte der syrische Informationsminister Hamza Al Moustafa in einem Gespr&auml;ch mit der Anatolischen Nachrichtenagentur. Es gebe keine Gefangenen mehr in Syrien, die wegen ihrer Meinung inhaftiert worden w&auml;ren. Syrien stelle seine inneren M&ouml;glichkeiten wieder her und bedrohe niemanden, so Al Moustafa.<\/p><p>Der Mediensektor dehne sich aus, fuhr der Informationsminister fort. Mehr als 500 Medien arbeiteten heute in Syrien, und Tausende ausl&auml;ndischer Medienteams und Delegationen h&auml;tten Syrien seit Beginn des Jahres 2025 besucht. Er verwies auf die Entwicklung der syrischen Nachrichtenagentur <em>SANA<\/em>, die Neuauflage der Tageszeitung <em>Al Thawra<\/em> (Die Revolution) und des <em>Radios von Damaskus<\/em>.<\/p><p>Kritik &uuml;bte Al Moustafa an den kurdisch gef&uuml;hrten Syrischen Demokratischen Kr&auml;ften, SDF, die ihren Verpflichtungen nicht nachk&auml;me. Seit der Vereinbarung vom 10. M&auml;rz 2025 habe es keine weiteren Fortschritte gegeben. Der syrische Staat lehne weiter jegliche F&ouml;deration oder politische Dezentralisierung ab. Kritik gab es auch an Israel, das seit Oktober 2023 eine Politik der Eskalation verfolge, wie Al Moustafa sagte. Israel versuche, die Region in eine offene Konfrontation zu treiben. Damaskus forderte weiterhin den Abzug Israels aus allen syrischen Gebieten, die es nach dem 8. Dezember 2024 besetzt habe. Washington unterst&uuml;tze die syrische Position und &uuml;be Druck auf Israel aus.<\/p><p>Was bei den offiziellen Feiertagsreden nicht gesagt wird, ist der Druck, den die USA auf Syrien aus&uuml;ben, seine politischen Beziehungen mit Israel zu &bdquo;normalisieren&ldquo;. Daf&uuml;r zust&auml;ndig ist der bereits erw&auml;hnte Sonderbeauftragte von Donald Trump, Tom Barrack, der israelisch-syrische Treffen in Aserbaidschan und wiederholt in Frankreich organisiert hat.<\/p><p><strong>Der Blick von Analysten<\/strong><\/p><p>Syrien droht zum neuen Schlachtfeld der Region zu werden. Der Interimspr&auml;sident Ahmed al Sharaa hat keine stabile Hausmacht. Nicht alle seiner K&auml;mpfer folgen ihm und weigern sich nach wie vor, ihre Waffen dem neuen Verteidigungsministerium zu unterstellen. Etliche dieser Gruppen sind zwar pro forma Teile der neuen Armee, gleichzeitig aber sind sie verantwortlich f&uuml;r Massaker an Alawiten in der K&uuml;stenregion (M&auml;rz 2025) und an Drusen (Juli 2025).<\/p><p>Al Sharaa bem&uuml;ht sich, es allen, denen er die T&uuml;ren Syriens ge&ouml;ffnet hat, recht zu machen. Briten und Saudis geh&ouml;ren zu den einflussreichsten Beratern der Interimsregierung. Die Amerikaner bekommen eine Milit&auml;rbasis in Damaskus und ihre bisher illegalen Basen in Syrien werden legalisiert. Die T&uuml;rkei erh&auml;lt Einfluss in Aleppo, die Europ&auml;er d&uuml;rfen ihre Nichtregierungsorganisationen schicken, damit diese die Zivilbev&ouml;lkerung betreuen und mit ihnen Projekte in Sachen Kunst, Kultur und Menschenrechte umsetzen k&ouml;nnen.<\/p><p>Israel darf seine Truppen auf den Golanh&ouml;hen und rund um die s&uuml;dliche Stadt Sweida stationieren, es darf bomben, wenn es meint, bedroht zu werden; und auf dem Berg Hermon, dem Jbeil Scheich, darf Israel auch Man&ouml;ver absolvieren und von dort s&auml;mtliche Kommunikation zwischen Beirut und Damaskus &uuml;berwachen. Israelische Medien, Touristen und Unternehmen reihen sich in die zahlreichen Sp&auml;her aus anderen L&auml;ndern ein, die herausfinden wollen, ob, wann und wo es sich lohnt, in den Wiederaufbau des Landes zu investieren. Die einen sollen sich die Sulfatvorkommen im Umland von Tadmor gesichert haben, andere den Zugang zu seltenen Erden und wieder andere die Nutzung der syrischen &Ouml;lfelder im Osten des Landes.<\/p><p>Die Vereinigten Arabischen Emirate sollen den Zuschlag f&uuml;r die Organisation des Hafens von Latakia erhalten haben, Katar baut die Energieversorgung wieder auf, Deutschland spannt ein Netz &uuml;ber Kliniken und medizintechnische Betriebe und plant &ndash; wie schon zu Assad Seniors Zeiten &ndash; die Rekonstruktion der Wasserversorgung. Und wie schon zuvor schwingt Deutschland sich auf, Rechtsprechung &uuml;ber Syrien mit weiteren Prozessen gegen Syrer anzustrengen, die angeblich oder auch tats&auml;chlich f&uuml;r Folter in Gef&auml;ngnissen verantwortlich gewesen sein sollen. Das lasse das &bdquo;Weltrechtsprinzip&ldquo; zu, so die Begr&uuml;ndung. Die Opfer der Al-Qaida-Anschl&auml;ge aber, f&uuml;r die die amtierende Interimsregierung mindestens zwischen 2012 und 2016 verantwortlich war, werden nicht von Deutschland und auch nicht vom UN-Sicherheitsrat verteidigt. Es wird nicht einmal &uuml;ber sie gesprochen.<\/p><p>Die Kurden arbeiten derweil weiter unter dem Schutz der Amerikaner an ihrem f&ouml;derativen Modell f&uuml;r Syrien, zusammen mit den Drusen und &ndash; ganz versteckt im Hintergrund &ndash; Israel. Das ist an einer m&ouml;glichst gro&szlig;en Zersplitterung und Zerteilung Syriens interessiert, um im R&uuml;cken der miteinander konkurrierenden syrischen Gruppen eines Tages wieder den Iran &ndash; und ggf. auch den Irak &ndash; angreifen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>China h&auml;lt sich zur&uuml;ck. Bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat lehnte China die Entlistung von Al Sharaa und Khattab ab, zumal sich unter deren K&auml;mpfern weiterhin Uiguren der Islamischen Turkistan Partei, auch Islamische Ostturkistanische Bewegung, befinden, die &ndash; so der chinesische UN-Vertreter &ndash; nach wie vor terroristische Ziele verfolgten und f&uuml;r Terrorakte verantwortlich seien.<\/p><p>Russland nimmt eine eher pragmatische Position ein und hat offizielle Gespr&auml;che mit der Al-Sharaa-Interimsregierung gef&uuml;hrt, vor allem um seine milit&auml;rischen Interessen &ndash; die Luftwaffenbasis Hmeimin und den Hafen von Tartus f&uuml;r die Schwarzmeerflotte &ndash; zu sichern. Gleichzeitig haben hochrangige ehemalige Regierungsvertreter in Russland politisches Asyl und Zuflucht gefunden. Pr&auml;sident Bashar al-Assad lebe weitgehend zur&uuml;ckgezogen mit seiner Familie, hei&szlig;t es in einem Bericht der Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em>, der sich in weiten Passagen auf anonyme Quellen beruft. Sein Cousin Rami Makhlouf und der ehemalige milit&auml;rische Geheimdienstchef Kamal Hassan sollen dem Bericht zufolge Millionen US-Dollar in den Aufbau einer alawitischen Widerstandsarmee stecken, mit dem die Interimsregierung von Al Sharaa gest&uuml;rzt werden soll. Angeblich soll es mindestens 14 unterirdische Bunkeranlagen geben, von denen aus ein solcher Aufstand organisiert werden solle. Dutzende Waffenlager seien auch vorhanden, so der Reuters-Bericht.<\/p><p><strong>Der Blick der Syrer<\/strong><\/p><p>Die vielen Aktivit&auml;ten der Interimsregierung von Al Sharaa haben wenig Auswirkung auf den Alltag der Bev&ouml;lkerung. In einem Sicherheitsbericht, der regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r private Nichtregierungsorganisationen im Land erstellt wird, hei&szlig;t es am Montagmorgen: &bdquo;Dies ist eine Warnung: Bitte seien Sie vorsichtig, wenn die Feiern beginnen, werden sie in die Luft schie&szlig;en, aber jede Kugel wird wieder herunterkommen, also passen Sie auf!&ldquo;<\/p><p>Jeder Bericht beginnt mit Hinweisen zum Nachdenken, &bdquo;food for thought&ldquo;, wie es hei&szlig;t.<\/p><p>Auch nach einem Jahr sei Syrien ein Land im Wandel. Die Infrastruktur sei zerst&ouml;rt, der Preis f&uuml;r den Wiederaufbau werde auf mindestens 200 Milliarden US-Dollar gesch&auml;tzt. Das Land brauche dringend Gesetze und Institutionen, die in der Lage seien, einen Wiederaufbau umzusetzen, hei&szlig;t es weiter. Kriegsverbrecher m&uuml;ssten zur Rechenschaft gezogen werden, und zwar solche von der Zeit vor und nach dem Wechsel der Regierung. Das sei erforderlich, damit die Bev&ouml;lkerung sicher sein k&ouml;nne, dass die neue Regierung sich daf&uuml;r verantwortlich f&uuml;hle. Das Land sei herausgefordert, zu funktionieren und sich gleichzeitig neu zu erfinden, so der Bericht. Um Syrien wieder aufbauen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssten die politischen F&uuml;hrer und deren internationale Unterst&uuml;tzer die Bed&uuml;rfnisse der Syrer und ihre N&ouml;te verstehen. Die Bev&ouml;lkerung habe Hoffnung und unterst&uuml;tze die Demokratie, sie sei offen f&uuml;r ausl&auml;ndische Unterst&uuml;tzung &ndash; auch von den USA und Europa. Aber die Bev&ouml;lkerung sei auch sehr besorgt &uuml;ber den Mangel an innerer Sicherheit, &uuml;ber das Bankensystem, &ouml;ffentliche Dienste, &uuml;ber eine funktionierende Rechtsprechung. Die Beliebtheit der neuen Regierung werde von Region zu Region v&ouml;llig anders gesehen. Die neue Regierung habe sich Zeit verschafft, um das Land zum Besseren zu ver&auml;ndern, aber die Flitterwochen gingen vorbei, die Regierung wird an ihren Taten gemessen werden. Sollte die Regierung nicht in der Lage sein, den Syrern in naher Zukunft zu einem besseren Leben zu verhelfen, und zwar allen, dann w&uuml;rden die Umfragewerte in den Keller gehen und der innere Konflikt in Syrien k&ouml;nnte mit aller Macht zur&uuml;ckkehren.<\/p><p>Es folgt ein Aufruf an die &bdquo;internationale Gemeinschaft&ldquo;, endlich alle Sanktionen aufzuheben &ndash; nicht nur dar&uuml;ber zu sprechen, sondern endlich zu handeln, um die wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen endlich zu stoppen. Im &Uuml;brigen m&uuml;sse die internationale Staatengemeinschaft endlich alle israelischen Aggressionen stoppen: in Syrien, im Libanon, Gaza, Westjordanland, Ostjerusalem und im Rest der Region!<\/p><p>Das Land sei nicht sicher, hei&szlig;t es weiter. Extreme Individuen, Gruppen seien aktiv und k&ouml;nnten nicht kontrolliert werden. Man solle nie allein gehen oder mit dem Auto fahren, sondern immer mit einem oder zwei Freunden. Fahrr&auml;der, Motorr&auml;der, Autos w&uuml;rden t&auml;glich gestohlen. Man solle sein Fahrrad oder Auto fotografieren und es der Polizei zeigen, sofern das erforderlich sei. Entf&uuml;hrungen, allgemeine Kriminalit&auml;t sei hoch, auch weil die Armut der Bev&ouml;lkerung so gro&szlig; sei.<\/p><p>&bdquo;&Ouml;ffnen Sie nie die Haust&uuml;r und speziell nicht f&uuml;r jemanden, den Sie nicht kennen&ldquo;, so die Warnung. Stattdessen solle man den Mukhtar rufen &ndash; eine Art Bezirksb&uuml;rgermeister &ndash; oder Freunde aus einem privaten Sicherheitskreis anrufen. Man solle weiter die Eing&auml;nge zu Kirchen, Moscheen, Universit&auml;ten und Schulen sch&uuml;tzen, auch zu privaten Feiern, Ausstellungen und Museen. Die Lage sei noch immer nicht &bdquo;normal&ldquo;, so der Bericht. Es habe in den letzten Monaten viele Versprechungen gegeben, aber die Lage seit weit von Sicherheit entfernt.<\/p><p>Die Beschreibung der Lage in den einzelnen Provinzen f&auml;llt ern&uuml;chternd aus.<\/p><p>Anti-IS-Razzien werden aus Idlib berichtet, mit sieben Toten und zahlreichen Verhafteten. Das Kulturministerium meldet den Fund von 1.234 arch&auml;ologischen Tafeln und 198 Fundst&uuml;cken, die ins Museum von Idlib zur&uuml;ckgebracht werden.<\/p><p>In Hama halten die Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen an. Feierlichkeiten &bdquo;f&uuml;r das neue Syrien&ldquo; werden f&uuml;r die Innenstadt von Hama angek&uuml;ndigt, doch die Lage im Tal der Christen, in Skalbieh und Maharde sei &bdquo;nicht stabil&ldquo;. Die Stromversorgung sei schlecht, es g&auml;be nur eine Stunde Strom und 23 Stunden keinen Strom. Wasser sei vorhanden, aber nicht &uuml;berall in den Vororten und im Umland.<\/p><p>In Latakia halten die Spannungen gegen&uuml;ber den Alawiten, Schiiten und Christen an. Feierlichkeiten zum &bdquo;Tag des Sieges und der Befreiung&ldquo; w&uuml;rden trotz der Spannungen vorbereitet. Die Internetverbindungen seien instabil, vor allem in den l&auml;ndlichen Gebieten. Strom in der Stadt eine Stunde an und f&uuml;nf Stunden aus, t&auml;glich. Trinkwasser gibt es 14 Stunden pro Woche, in vielen Gebieten gar nicht.<\/p><p>In Homs halten die Spannungen an, besonders im Grenzgebiet zum Libanon. Die Innenstadt sei ruhig, Strom in der Stadt eine Stunde an und sieben bis zw&ouml;lf Stunden aus, zus&auml;tzliche Unterbrechungen. Wasserversorgung &bdquo;akzeptabel&ldquo;, in einigen Stadtteilen vier Stunden Wasser an und 20 Stunden aus. Ohne Strom kann das Wasser nur in den ersten Stock eines Hauses gepumpt werden.<\/p><p>&Auml;hnlich sind die Berichte aus Tartus, wo zus&auml;tzlich von gro&szlig;er Armut und Lebensmittelmangel berichtet wird. Strom- und Wasserversorgung sind &bdquo;sehr schlecht&ldquo;.<\/p><p>In Aleppo (Land) haben die kurdisch gef&uuml;hrten Syrischen Demokratischen Kr&auml;fte (SDF) einige administrative Aufgaben an die neuen Machthaber &uuml;bergeben. Die Spannungen zwischen den Regierungstruppen und SDF\/PKK seien hoch, es komme zu zahlreichen Schwierigkeiten. Aleppo Stadt sei angespannt, Stromleitungen werden repariert, ebenso die Wasserversorgung.<\/p><p>Das Al-Hol-Lager in Hassakeh &ndash; bewacht von SDF-Kr&auml;ften und den USA &ndash; sei weiterhin eine &bdquo;tickende Zeitbombe&ldquo;. Noch immer mehr als 50.000 internationale, irakische, syrische Familien, die dem IS zugerechnet werden. Ihre Lage ist schlecht, unsicher, es fehle an Grundnahrungsmitteln. Die Lage in Hassakeh sei angespannt, weiter n&ouml;rdlich in Qamishly sei es unsicher. Es herrschten Strom- und Wasserknappheit.<\/p><p>Im Umland von Rakkah gebe es milit&auml;rische Angriffe der USA gegen den IS, weiter n&ouml;rdlich gebe es Spannungen zwischen t&uuml;rkischen Truppen und den kurdisch gef&uuml;hrten SDF. US-Luftangriffe in Mansoura und in W&uuml;stengebieten.<\/p><p>Im Umland von Deir Ez-Zor gibt es starke Spannungen und K&auml;mpfe zwischen SDF und HTS (Hay&rsquo;at Tahrir al Sham), zwischen arabischen St&auml;mmen und IS-Gruppen. Festnahmen, Tote. Deir Ez-Zor Stadt sei unsicher, hei&szlig;t es. Es g&auml;be zwei Stunden Strom, 22 Stunden keinen Strom, in manchen Stadtteilen &uuml;berhaupt keinen Strom. Die Wasserversorgung dagegen sei &bdquo;in Ordnung&ldquo;.<\/p><p>Weitere Berichte folgen f&uuml;r Damaskus, Deraa und Sweida. &Uuml;berall herrscht Mangel an Sicherheit, fehlt es an Strom und Wasser, an Arbeit, an Lebensmitteln f&uuml;r arme Familien, die weder Arbeit noch Einkommen haben. Deraa und das Gebiet um den Berg Hermon \/ Jbeil Scheich ist gepr&auml;gt von israelischen Milit&auml;roperationen in D&ouml;rfern auf dem Golan, der Errichtung von milit&auml;rischen Sperren, Agrarland und H&auml;user werden zerst&ouml;rt. Ein Bericht &uuml;ber Landminen bezeichnet Syrien als einen der gr&ouml;&szlig;ten Krisenherde weltweit, wo die Minenr&auml;umung weit hinter der Notwendigkeit zur&uuml;ckliege.<\/p><p>In Damaskus wird derweil eine dreit&auml;gige Konferenz f&uuml;r &bdquo;Humanit&auml;re Aktion und die Erholung in Syrien&ldquo; durchgef&uuml;hrt. Veranstalter ist die deutsche Hilfsorganisation HELP, rund 170 Organisationen aus dem In- und Ausland haben sich angemeldet. Eine Delegation des UN-Sicherheitsrates besucht Damaskus und den weitgehend zerst&ouml;rten Vorort Jobar. Von Syrien aus reist die Delegation in den Libanon. Interims-Au&szlig;enminister Schaibani trifft mit einer Delegation der EU-Anti-Terror-Einheit zusammen. Kanada streicht Syrien von der Liste der Terror unterst&uuml;tzenden Staaten, Al Sharaa ruft in Katar auf dem Doha-Forum die Kataris auf, in Syrien zu investieren, und weist die israelische Forderung nach einer entmilitarisierten Zone im s&uuml;dlichen Sweida zur&uuml;ck. Die kurdische Verwaltung verbietet Feiern anl&auml;sslich des Machtwechsels vor einem Jahr.<\/p><p><strong>R&uuml;ckkehr nach Syrien unzumutbar<\/strong><\/p><p>Angesichts der Zust&auml;nde in Syrien sei eine forcierte R&uuml;ckkehr von Syrern in ihre Heimat nicht zumutbar, erkl&auml;ren zum Jahrestag des politischen Umbruchs die Organisationen Brot f&uuml;r die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe, die sich seit Langem f&uuml;r die Menschen in Syrien und f&uuml;r die von dort Gefl&uuml;chteten engagieren. Sieben Millionen Menschen seien weiterhin im Land vertrieben, es mangele an Wohnraum und Unterst&uuml;tzung. Die Vision eines sicheren und wohlhabenden Syriens habe wenig mit der aktuellen Realit&auml;t zu tun, so die Pr&auml;sidentin von Brot f&uuml;r die Welt, Dagmar Pruin. Bewaffnete Milizen seien eine ernste Bedrohung, die humanit&auml;re und wirtschaftliche Lage sei katastrophal. Wer Syrien f&uuml;r sicher erkl&auml;re, um Abschiebungen zu rechtfertigen, ignoriere die Verh&auml;ltnisse vor Ort.<\/p><p><small>Titelbild: Mohammad Bash\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt auf die Perspektive an, wie sich der erste Jahrestag nach dem gewaltsamen Machtwechsel in Syrien darstellt. Das staatliche Motto &ndash; auch f&uuml;r die Syrer im Ausland &ndash; ist, einen &bdquo;Jahrestag des Sieges und der Befreiung&ldquo; zu feiern. Der 8. 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