{"id":143538,"date":"2025-12-12T12:00:26","date_gmt":"2025-12-12T11:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143538"},"modified":"2025-12-12T16:31:00","modified_gmt":"2025-12-12T15:31:00","slug":"vom-kampf-um-die-ukraine-zum-wirtschaftskrieg-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143538","title":{"rendered":"Vom Kampf um die Ukraine zum Wirtschaftskrieg gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Sch&uuml;tzengr&auml;ben voller Blut, zerbombte H&auml;userzeilen mit zivilen Opfern, Drohnenattacken auf Infrastruktureinrichtungen weit hinter den Frontlinien und das langsame Vorr&uuml;cken russischer Soldaten im Osten der Ukraine. Zwischen solchen oder &auml;hnlichen &Uuml;berschriften m&auml;andert die Kriegsberichterstattung der Staats- und Konzernmedien. Dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen kann, erg&auml;nzen Ex-Gener&auml;le des Nordatlantikpaktes auf alternativen Portalen. Das Gros der Debatte widmet sich der milit&auml;rischen Betrachtungsweise des russisch-ukrainischen Konfliktes. Es ist an der Zeit, auch die historischen und &ouml;konomischen Aspekte dieses gr&ouml;&szlig;ten und heftigsten Krieges seit 1945 auf europ&auml;ischem Boden in den Blick zu nehmen. Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_990\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143538-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143538-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251212_Vom_Kampf_um_die_Ukraine_zum_Wirtschaftskrieg_gegen_Russland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wir wollen mit dem Kampf um die Ukraine beginnen, dem &ndash; wie schon der Name sagt &ndash; Grenzland zwischen Ost und West. Er weist eine lange Geschichte auf. Die erste gro&szlig;e Konfrontation spaltete die orthodoxe Bev&ouml;lkerung von Polen-Litauen, die im 16. Jahrhundert vom heutigen Wei&szlig;russland im Westen bis zur Dnjepr-Insel Chortyzija bei Saporischschja im Osten lebte. Von Rom entsandte Jesuiten predigten gegen die &bdquo;Ungl&auml;ubigen&ldquo; des Moskauer Patriarchats und bauten jenen Druck auf, der mithilfe des polnischen Adels im Jahr 1596 zur &bdquo;Union von Brest&ldquo; f&uuml;hrte. Mit diesem Vertrag unterwarfen sich orthodoxe Priester mitsamt den ihnen anvertrauten Seelen und Kirchenh&auml;usern dem Recht der katholischen Kirche. Die orthodoxe Liturgie durfte beibehalten werden, der Papst in Rom bestimmte aber f&uuml;rderhin &uuml;ber Priesterschaft und Kircheng&uuml;ter. Griechisch-katholisch bzw. uniert nannte man in den folgenden Jahrhunderten die Christen im Westen der sp&auml;teren Ukraine. Volksaufst&auml;nde gegen die polnische Herrschaft und die aufoktroyierte Kirchenunion gipfelten im Kosaken-Hetmanat des Bogdan Chmelnizkij in der Mitte des 17. Jahrhunderts.<\/p><p>Bis zur ersten modernen ukrainischen Staatlichkeit sollten noch 250 Jahre vergehen. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges &uuml;berst&uuml;rzten sich die Ereignisse. Die Februar-Revolution von 1917 fegte die zaristische Herrschaft hinweg, die im Westen bis an die habsburgischen Kronl&auml;nder Galizien und Bukowina reichte. In Kiew bildete sich sogleich eine Zentralna Rada (Zentralrat), die am 12. Januar 1918 die &bdquo;Ukrainische Volksrepublik&ldquo; als unabh&auml;ngigen Staat ausrief. Einen Monat zuvor, am 12. Dezember 1917, wurde in der Arbeiterhochburg Charkow\/Charkiw die Gr&uuml;ndungsurkunde der &bdquo;Ukrainischen Sowjetrepublik&ldquo; unterzeichnet. Damit standen einander Volksrepublik und Sowjetrepublik gegen&uuml;ber. Beide beanspruchten eine territorial umfassende Staatlichkeit f&uuml;r sich. In Kiew war man b&auml;uerlich-b&uuml;rgerlich, in Charkow proletarisch-revolution&auml;r orientiert. Dazu kam noch die bakunistisch-anarchistische Machnowschtschina, benannt nach ihrem F&uuml;hrer Nestor Machno, der zwischen 1917 und 1921 einen freien Rajon in der Gr&ouml;&szlig;e von 80.000 Quadratkilometern mit sieben Millionen Einwohnern im S&uuml;den und Osten der sp&auml;teren Ukraine verwaltete.<\/p><p>Parallel zu den von Leo Trotzki als Vertreter der Sowjets gef&uuml;hrten Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk schlossen die bereits arg in Bedr&auml;ngnis geratenen Monarchien der Hohenzollern und der Habsburger am 27. Januar 1918 einen Separatfrieden mit der Kiewer Rada, den sogenannten Brotfrieden. F&uuml;r die Anerkennung der b&uuml;rgerlichen &bdquo;Ukrainischen Volksrepublik&ldquo; verlangten Berlin und Wien Getreidelieferungen, um damit die Hungernden zu Hause ern&auml;hren zu k&ouml;nnen. Zur milit&auml;rischen Absicherung dieses gegen die Sowjetrepubliken in Charkow und Donezk-Kriwoj-Rog gerichteten Separatabkommens marschierte die &ouml;sterreichisch-ungarische Armee bis Odessa, w&auml;hrend die Preu&szlig;en ihre Interessen von Kiew aus kontrollierten. Das Ende der deutsch bzw. &ouml;sterreichisch gef&uuml;hrten Ukraine n&auml;herte sich im Juni 1920 mit dem Vormarsch der Bolschewiken. Die &bdquo;Ukrainische Sowjetrepublik&ldquo; belie&szlig; vorerst ihre Hauptstadt in Charkow, erst 1934 verlieh man Kiew diesen Status.<\/p><p>Der n&auml;chste deutsche Vorsto&szlig; kam am 22. Juni 1941. Drei Millionen Wehrmachtssoldaten &uuml;berrannten die Ukraine und hinterlie&szlig;en verbrannte St&auml;dte und f&uuml;nf Millionen Tote. Das hastig eingerichtete &bdquo;Reichkommissariat Ukraine&ldquo; plante die Vernichtung gro&szlig;er Teile der slawischen und j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung und deren Ersetzung durch die Ansiedlung von 20 Millionen Deutschen. Der fruchtbarste Boden Europas, die ukrainische Schwarzerde, sollte in Zukunft den deutschen &bdquo;Herrenmenschen&ldquo; ern&auml;hren. Dazu wurden an vielen Stellen des Reiches Bauern zu Verwaltern von landwirtschaftlichen G&uuml;tern im Osten ausgebildet. Der Autor dieser Zeilen war mit einem solchen pr&auml;sumtiven Verwalter befreundet, der als junger Bauer auf waggonweise herbeigeschaffter Schwarzerde im damals ostm&auml;rkischen Waldviertel den Anbau von Getreidesorten &uuml;bte. Vier Jahre nach dem &Uuml;berfall auf die Sowjetunion endete der deutsch-nationale Traum von einem &bdquo;Raum ohne Volk&ldquo; im bislang schrecklichsten Albtraum. Die Spitzen der Wehrmacht-freundlichen &bdquo;Organisation ukrainischer Nationalisten&ldquo; (OUN) wie Stepan Bandera und sein Stellvertreter Jaroslaw Stezko zogen mit den deutschen Truppen ab und fanden in M&uuml;nchen politisches Asyl.<\/p><p>Unmittelbar nach der ukrainischen Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung vom 24. August 1991, die vier Monate vor der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion ohne Volksbefragung erfolgte, begann die n&auml;chste Runde im Kampf um die Ukraine. Auch diesmal ging es, wie 400 Jahre zuvor, anfangs um die religi&ouml;s-kulturelle Orientierung und die dazugeh&ouml;rige Hardware, die Kirchenh&auml;user. Die in der Sowjetunion verbotenen und in den Untergrund getriebenen griechisch-katholischen Kleriker kehrten mit Unterst&uuml;tzung der Benediktiner des Wiener Schottenstiftes auf das Feld Gottes zur&uuml;ck &ndash; und k&auml;mpften im Westen der Ukraine um materielle Pfr&uuml;nde und menschliche Seelen. Anl&auml;sslich des 89. &Ouml;kumenischen Symposiums der Kirchenstiftung Pro Oriente, die sich vor allem um die Heimholung &ouml;stlicher, orthodoxer Gl&auml;ubiger ins r&ouml;mische Papstreich k&uuml;mmert, fand eine denkw&uuml;rdige Konfrontation zwischen Moskauer und r&ouml;mischen Kirchenf&uuml;rsten statt. Die Veranstaltung, an der im Juni 1998 Hunderte Honoratioren und politisch einflussreiche Pers&ouml;nlichkeiten in den R&auml;umen der Wiener Akademie der Wissenschaften teilnahmen, stand unter dem Titel &bdquo;Orthodoxe und Griechisch-Katholische in der Westukraine&ldquo;. Zwei Stunden lang warfen Bischof Avhustin vom Moskauer Patriarchat aus Lwiw\/Lwow und der griechisch-katholische Auxiliar Lubomir Husar einander gegenseitigen Mord und Totschlag vor. Die Wiedervereinnahmung der Kirchenh&auml;user in den r&ouml;misch-westlichen Orbit forderte ihre Opfer. 20 Jahre sp&auml;ter, w&auml;hrend der orangenen Revolution am Kiewer Maidan im Herbst 2004, br&uuml;stete sich die rechtsradikale Partei Swoboda auf ihrer Homepage damit, schon beim Kirchenkampf der 1990er-Jahre gegen die &bdquo;Moskowiter&ldquo; aktiv gewesen zu sein.<\/p><p>Im Winter 2004\/2005 wurde der west-&ouml;stliche Kampf um die Ukraine rund um die Pr&auml;sidentenwahlen ausgetragen. In der Stichwahl zwischen Wiktor Janukowitsch und Wiktor Juschtschenko obsiegte Ersterer mit 49,4 Prozent gegen&uuml;ber 46,7 Prozent. Verlierer Juschtschenko galt als Mann des Westens, w&auml;hrend Janukowitsch auf die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen mit Russland setzte. Stra&szlig;enproteste mit Zigtausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern forderten die Wiederholung der Stichwahl, weil Nachwahlbefragungen ein anderes Resultat ergeben hatten und Manipulationen w&auml;hrend des Wahlvorgangs vermutet wurden. Vom Westen ausgebildete und &uuml;ber die Konrad-Adenauer-Stiftung und die von George Soros gegr&uuml;ndete Open Society Foundation finanzierte NGOs radikalisierten den Protest, damals angef&uuml;hrt von den gewaltbereiten Nationalisten der Gruppe &bdquo;Pora!&ldquo; (&bdquo;Es ist Zeit!&ldquo;). Tats&auml;chlich kam es am 26. Dezember 2004 zu einer Wiederholung der Stichwahl, die nun Juschtschenko mit 54 Prozent gegen 46 Prozent f&uuml;r sich entschied. Br&uuml;ssel und Washington konnten sich am Sieg ihres Kandidaten indes nicht lange erfreuen. Im Machtkampf um die F&uuml;hrung zwischen Pr&auml;sident Juschtschenko und Ministerpr&auml;sidentin Julija Timoschenko zerrieb sich das westliche Lager.<\/p><p>Jedem Beobachter, der in den Jahren nach der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung die Ukraine bereiste und sich nicht nur in den westlichen, ehemals habsburgischen Oblasten aufhielt, musste die extreme Spaltung des Landes aufgefallen sein. Die Ukraine war (und ist) ein vielfach geteiltes Land: wirtschaftlich in einen agrarischen Westen und einen industriellen Osten sowie kulturell und historisch in einen griechisch-katholischen Westen und einen orthodoxen Osten und S&uuml;den. Politisch zeigt sich diese Zerrissenheit bei den Wahlen. Die von Janukowitsch letztlich gewonnenen Pr&auml;sidentschaftswahlen 2010, die letzten vor den seit 2014 anhaltenden milit&auml;rischen Konfrontationen, geben ein Zeugnis dieser Teilung ab. W&auml;hrend im Westen in den Bezirken Lwiw und Iwano-Frankiwsk die europ&auml;isch orientierte Timoschenko auf 86 bis 88 Prozent der Stimmen kam, siegte Janukowitsch auf der Krim und im Donbass mit 89 bzw. 90 Prozent. Kein Land der Welt kann eine solche politische Zerrissenheit langfristig &uuml;berleben.<\/p><p><strong>Br&uuml;ssels Vormarsch<\/strong><\/p><p>Die vielfach untersch&auml;tzte, wenn nicht sogar ignorierte Rolle der Europ&auml;ischen Union bei der Einkreisung Russlands begann sp&auml;testens im Jahr 2008. Nur ein Jahr nach dem EU-Beitritt von Rum&auml;nien und Bulgarien trafen sich die europ&auml;ischen Au&szlig;enminister am 28. Mai 2008 und setzten den vom Schweden Carl Bildt und dem Polen Rados&#322;aw Sikorski ausgeheckten Plan zur fortgesetzten Osterweitung auf Schiene. Mit der sogenannten &bdquo;&Ouml;stlichen Partnerschaft&ldquo; sollten sechs ex-sowjetische Republiken &ouml;konomisch und milit&auml;risch an die Br&uuml;sseler Union angebunden werden, ohne ihnen eine direkte Mitgliedschaft anzubieten. Daf&uuml;r auserkoren waren Georgien, Moldawien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus und die Ukraine. De facto war dies ein milit&auml;risch abzusicherndes Freihandelsangebot, um die sechs Staaten aus dem russischen Einfluss herauszul&ouml;sen und sie f&uuml;r westeurop&auml;isches Kapital zu &ouml;ffnen. Die entsprechenden Schlagworte lauteten: institution building, energy security und economic integration. Auf verst&auml;ndlicheres Deutsch w&auml;ren diese Programmpunkte mit Schaffung einer EU-kompatiblen Administration, Abnabelung von russischer Energie und Markt&ouml;ffnung f&uuml;r EU-Konzerne zu &uuml;bersetzen. Belarus und Aserbaidschan sahen sich aus innenpolitischen Gr&uuml;nden bald in der zweiten Reihe, f&uuml;r die &uuml;brigen vier Staaten sollte im November 2013 ein sogenanntes Assoziierungsabkommen am EU-Gipfel von Vilnius unterzeichnet werden.<\/p><p>Der Kreml war allerdings in der Zwischenzeit nicht s&auml;umig gewesen. Seine Emiss&auml;re, allen voran der &Ouml;konom Sergej Glasjew, zogen mit Zuckerbrot und Peitsche durch die von Br&uuml;ssel ins Visier genommenen Republiken. Armenien und die Ukraine konnten im letzten Moment &ndash; nicht zuletzt &uuml;ber den Energiepreis &ndash; &uuml;berzeugt werden, das EU-Angebot abzulehnen. Nur Georgien und Moldawien unterschrieben die Vereinbarung. Der Gipfel von Vilnius endete somit in einem Debakel; einzig jene zwei Republiken, deren Regierungen nicht &uuml;ber ihr gesamtes Staatsterritorium herrschten (Abchasien, S&uuml;dossetien und Transnistrien standen und stehen bis heute nicht unter der Kontrolle von Tiflis bzw. Chi&#537;in&#259;u), unterschrieben die Abkommen.<\/p><p>Insbesondere das Njet des ukrainischen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowitsch schmerzte Br&uuml;ssel. Kommissionspr&auml;sident Jos&eacute; Barroso akzeptierte das ukrainische Nein nicht und setzte auf die Stra&szlig;e, wo anf&auml;nglicher Studentenprotest rasch von rechtsradikalen Kr&auml;ften unterwandert wurde. Gemeinsam mit EU-Au&szlig;enministern wie Guido Westerwelle gingen die Maidan-Kr&auml;fte im Dezember 2013 daran, die unter den B&uuml;rgern verbreitete Unzufriedenheit zu instrumentalisieren. Die Folgen sind bekannt: Janukowitsch wurde verfassungswidrig aus dem Amt vertrieben, die Ukraine zerfiel als Staat. Die Krim schloss sich der Russl&auml;ndischen F&ouml;deration an, die Anti-Maidan-Kr&auml;fte im Donbass gr&uuml;ndeten die Donezker und Luhansker Volksrepubliken, und die neue, mit bedeutsamer westlicher Hilfe an die Macht gesp&uuml;lte Regierung in Kiew begann einen B&uuml;rgerkrieg gegen die Sezessionisten im Osten. Slowjansk war die erste Stadt im Donbass, die am 2. Mai 2014 aus der Luft von Kiewer Milit&auml;reinheiten angegriffen wurde.<\/p><p>Mit dem Regimewechsel vom Februar 2014 war es den USA &ndash; unter der Federf&uuml;hrung der Sondergesandten Viktoria Nuland &ndash; gelungen, Br&uuml;ssel als Drahtzieher f&uuml;r das weitere Schicksal der (Rest-)Ukraine abzul&ouml;sen. Gemeinsam entwickelten Washington und Br&uuml;ssel im M&auml;rz 2014 die Grundlagen f&uuml;r eine seit damals immer umfassender werdende Sanktionspolitik gegen Russland, die in der Geschichte beispiellos ist. L&auml;ngst ist sie zu einem veritablen Wirtschaftskrieg ausgewachsen.<\/p><p><strong>Wirtschaftskrieg gegen Russland<\/strong><\/p><p>Dass es von Anfang an auf dem Kiewer Maidan nicht um Demokratie, sondern gegen Russland ging, darauf machte der alte US-Haudegen, Vietnamkriegsveteran und republikanische US-Senator John McCain aufmerksam. Anl&auml;sslich eines Besuchs in Kiew w&auml;hrend der Maidan-Proteste im Dezember 2013 meinte er: &bdquo;Es gibt keinen Zweifel, dass die Ukraine von vitalem Interesse f&uuml;r Putin ist. Ich denke, es war Kissinger &ndash; bin aber nicht sicher &ndash;, der sagte, Russland ohne Ukraine ist eine &ouml;stliche Macht, mit der Ukraine eine westliche Macht. Hier beginnt Russland, genau hier in Kiew.&ldquo; McCain h&auml;tte auch den langj&auml;hrigen Pr&auml;sidentenberater Zbigniew Brzezi&#324;ski zitieren k&ouml;nnen, der schon im Jahr 1994 meinte: &bdquo;Ohne die Ukraine wird Russland nie wieder eine Weltmacht werden.&ldquo; Um die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung Russlands ging es. Deshalb standen in der Protestbewegung Rechtsliberale und Faschisten aus der Ukraine Seite an Seite mit den h&ouml;chsten Diplomaten aus Deutschland, Polen, Schweden und den USA im Kiewer Kampfgeschehen. McCain war nicht der Einzige, der wusste, was er tat, als er den K&auml;mpfern vom Maidan Mut zusprach.<\/p><p>Mit dem 6. M&auml;rz 2014 begann, transatlantisch abgesprochen, das Sanktionsregime gegen russische Personen und &ndash; kurz darauf &ndash; gegen russische Unternehmen und ganze Branchen. Anfangs landeten Menschen, denen Washington und Br&uuml;ssel vorwarfen, gegen Maidan-ukrainische Interessen zu handeln oder f&uuml;r die Abspaltung der Krim verantwortlich zu sein, auf schwarzen Listen. Sergej Glasjew war einer der ersten, die der Bannstrahl traf. Ihn hatte der Kreml ausgesandt, um ex-sowjetische Republiken bei der russischen Stange zu halten. Auch weniger politisch exponierte Figuren wie beispielsweise der bekannte russische S&auml;nger Iossif Kobson wurden sanktioniert. Er hatte im Oktober 2014 in Donezk, seiner Heimat, ein Konzert gegeben. Br&uuml;ssel setzte ihn deswegen auf die schwarze Liste. Sanktioniert zu sein, bedeutete Einreiseverbot und Verm&ouml;gensentzug in der gesamten EU. Mittlerweile verloren Hunderte Oligarchen auf diese Weise den Zugriff auf ihre Unternehmen, Immobilien, Jachten und einer sogar seinen britischen Fu&szlig;ballklub &bdquo;Chelsea&ldquo;. EU-Konzerne profitierten davon, konnten sie sich doch mithilfe der Sanktionen l&auml;stige Konkurrenz vom Hals schaffen.<\/p><p>Die ersten russischen Unternehmen, denen Br&uuml;ssel und Washington die M&auml;rkte sperrten, waren Dual-Use-G&uuml;ter-Produzenten und einzelne Banken, denen eine N&auml;he zum Kreml vorgeworfen wurde. Bald darauf waren es ganze Branchen, die mit Sanktionen belegt wurden. Dass sich diese Politik nicht nur auf Russland, sondern auch auf die Volkswirtschaften sanktionierender L&auml;nder auswirkte, zeigt ein Blick in die Au&szlig;enhandelsstatistik des Jahres 2013, dem letzten Jahr, bevor die Sanktionsmaschine angeworfen wurde. Damals nahmen die EU-Staaten 51 Prozent der russischen Exporte ab und waren f&uuml;r 36 Prozent der russischen Importe zust&auml;ndig. Die Vergleichszahlen f&uuml;r die USA lauteten: 2,5 Prozent bzw. 4,8 Prozent. In anderen Worten: Die mit der Sanktionspolitik angestrebte Sch&auml;digung Russlands hatte dies- und jenseits des Atlantiks total unterschiedliche Auswirkungen. W&auml;hrend die US-Wirtschaft davon fast unber&uuml;hrt blieb, schnitt sich die Europ&auml;ische Union damit tief ins eigene Fleisch. Man k&ouml;nnte sich auch mit der Interpretation anfreunden, dass die von den USA betriebenen wirtschaftlichen Zwangsma&szlig;nahmen gegen Russland willentlich europ&auml;ischen Volkswirtschaften Schaden zuf&uuml;gen sollten. Augenf&auml;llig ist dies sp&auml;testens am 26. September 2022 geworden, als die energetische Nabelschnur zwischen Russland und Deutschland, die Nord-Stream-Pipeline, gesprengt wurde.<\/p><p>W&auml;hrend anfangs vor allem Russland und eine Reihe von Staaten der EU unter den Sanktionen litten, profitierten die USA &hellip; und China. Dies versch&auml;rfte sich noch durch russische Gegensanktionen, die Moskau ab August 2014 gegen &bdquo;unfreundliche Staaten&ldquo; und deren Unternehmen in Gang setzte. Begonnen haben diese mit Importverboten von Agrarg&uuml;tern, womit polnische &Auml;pfel, franz&ouml;sischer K&auml;se, holl&auml;ndische Milch und italienische Orangen vom russischen Markt ferngehalten wurden. An ihrer Stelle profitierten russische und t&uuml;rkische Bauern, Schweizer und belarussische Molkereien sowie marokkanische Exporteure.<\/p><p>Der gro&szlig;e Paukenschlag kam am 26. Februar 2022, zwei Tage nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine. Mit dem Einfrieren von 300 Milliarden russischer Zentralbankgelder im gesamten Dollar- und Euro-Raum war eine neue Qualit&auml;t im Sanktionsreigen geschaffen. Der Ausbruch des bislang in der Weltgeschichte heftigsten Wirtschaftskrieges kann mit diesem Tag datiert werden. Zeitgleich wurden russische Banken vom SWIFT-System und damit vom Dollar-kontrollierten internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Auch bei den Zahlungsmitteln ist, wie im Au&szlig;enhandel, die unterschiedliche Betroffenheit von USA und EU durch die Sanktionspolitik beachtenswert. W&auml;hrend die Europ&auml;ische Union 191 Milliarden US-Dollar an russischen Werten sperrte, sind es in den USA vergleichsweise l&auml;ppische sechs Milliarden US-Dollar. Washington tut sich also um ein Vielfaches leichter bei der Debatte, wie weiter mit den eingefrorenen Geldern verfahren werden soll.<\/p><p>In EU-Europa wurde bereits damit begonnen, sich das Verm&ouml;gen der russischen Zentralbank &ndash; mithin russisches Volksverm&ouml;gen &ndash; anzueignen. Im Mai 2024 gab die EU-Kommission gr&uuml;nes Licht, die Zinsen der russischen Einlagen &ndash; 30 Milliarden US-Dollar &ndash; zu kassieren und die ersten Tranchen davon an die Ukraine, genauer: &uuml;ber den Umweg Kiews an Rheinmetall zu &uuml;berweisen. Im Rechtsstaat w&uuml;rde man diesen Vorgang, sich Zinsen der Geldeinlagen des jeweiligen Besitzers anzueignen, Diebstahl nennen. Br&uuml;ssel hat &ndash; ohne h&ouml;rbaren Widerstand aus den EU-Mitgliedsstaaten &ndash; genau dies getan.<\/p><p>Um das gesamte Kapital der in der EU festgesetzten russischen Zentralbankgelder zu beschlagnahmen, wird seit mehr als einem Jahr heftig gestritten. Der bislang letzte, abenteuerlich anmutende Vorschlag der EU-Kommission, den auch Deutschlands Kanzler unterst&uuml;tzt, will die 191 Milliarden US-Dollar als Sicherheit f&uuml;r einen Kredit vergeben, der auf dem Kapitalmarkt aufgenommen wird, um selbigen an Kiew weiterzuleiten. Dieser Trick hat etwas Infantiles an sich. Denn um in Zukunft nicht f&uuml;r den Ausfall des Kredites haftbar gemacht werden zu k&ouml;nnen, stellt sich Ursula von der Leyen vor, Russland nach der herbeigesehnten Niederlage zu zwingen, auf die 191 Milliarden Zentralbankgelder im Rahmen von Entsch&auml;digungszahlungen zu verzichten. Sollte Russland dem nicht zustimmen oder gar den Krieg gewinnen, dann w&auml;ren die EU sowie ihre Mitgliedsstaaten &ndash; allen voran Belgien, weil dort die russischen Zentralbankgelder liegen &ndash; haftbar.<\/p><p>Ein st&uuml;mperhafter Versuch von der Leyens, die Europ&auml;ische Zentralbank in die Haftung miteinzubeziehen, scheiterte kl&auml;glich. Dort will sich niemand damit die Finger verbrennen, gestohlene Verm&ouml;genswerte zu besichern. Dies schon deshalb, weil eine Beschlagnahmung von Staatsverm&ouml;gen durch fremde Gerichte verboten ist. Bereits im Mai 1972 regelte das &bdquo;Europ&auml;ische &Uuml;bereinkommen &uuml;ber Staatenimmunit&auml;t&ldquo; den Schutz von Verm&ouml;gen ausl&auml;ndischer Staaten. Es hei&szlig;t dort unmissverst&auml;ndlich: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Staatenimmunit&auml;t entzieht den Staat der Strafverfolgung durch die Gerichte anderer Saaten und sch&uuml;tzt ihn vor der Zwangsvollstreckung seiner Guthaben und Verm&ouml;genswerte.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Ausland befindliches Staatseigentum ist also vor dem Zugriff von Gerichten gesch&uuml;tzt. Dazu kommt noch der immense internationale Vertrauensverlust in die Euro-Zone, der durch den Diebstahl russischen Verm&ouml;gens per politischem EU-Beschluss stattfinden w&uuml;rde.<\/p><p>Im Dezember 2025 h&auml;lt die Europ&auml;ische Union beim 19. Sanktionspaket gegen Russland und russische Unternehmen. Tats&auml;chlich ist der wirtschaftliche &ndash; sowie der politische, sportliche, mediale, gesellschaftliche und kulturelle &ndash; Austausch mit dem gro&szlig;en Nachbarn im Osten auf nahezu null gesunken. Mit Stichtag 15. Dezember 2025 stehen &uuml;ber 2.700 Personen und Organisationen auf den schwarzen Listen Br&uuml;ssels.<\/p><p>Eine von unabh&auml;ngiger Stelle ver&ouml;ffentlichte Quantifizierung der wirtschaftlichen Verluste Europas durch die EU-Sanktionen existiert nicht. Br&uuml;ssel und Berlin halten sich diesbez&uuml;glich bedeckt. Das ist weiter nicht verwunderlich, w&uuml;rden doch die blanken Zahlen f&uuml;r jeden und jede ersichtlich machen, was er oder sie Woche f&uuml;r Woche an den steigenden Energiekosten und der Inflation zu sp&uuml;ren bekommt. Das russische Au&szlig;enministerium ver&ouml;ffentlichte Anfang Dezember 2025 anl&auml;sslich einer UN-Sitzung die Zahl von 1,6 Billionen Euro &ndash; in Ziffern: 1.600.000.000.000 &ndash;, die den europ&auml;ischen Unternehmen und Haushalten zwischen 2022 und 2025 durch die eigene Sanktionspolitik entzogen wurden. Die Zahl ist mit Vorsicht zu genie&szlig;en. Angesichts der Tatsache, dass &ndash; laut Berechnungen von &bdquo;Eurostat&ldquo; &ndash; allein die Erh&ouml;hung der Gaspreise seit 2022 mit 200 Milliarden Euro zu Buche schl&auml;gt, scheint die Berechnung des russischen Au&szlig;enministeriums jedoch nicht ganz unrealistisch zu sein.<\/p><p>Jedes der mittlerweile 19 Pakete beinhaltet neuen Sprengstoff im Kampf gegen Moskau. So erlie&szlig; Br&uuml;ssel im 9. Paket vom Dezember 2022 ein allgemeines Verbreitungsverbot f&uuml;r russisch finanzierte Medien, mithin eine EU-weite Zensurma&szlig;nahme gegen russische Narrative die Weltlage betreffend. Nur drei Staaten in Europa beteiligen sich nicht daran: Serbien, die Schweiz und Belarus. Das 11. Sanktionspaket vom Juni 2023 barg eine neue Eskalationsstufe. Was bis dahin von EU-europ&auml;ischen und deutschen Politikern heftig an US-Sanktionen kritisiert worden war, n&auml;mlich die sogenannte extraterritoriale Sanktion, wird seither auch von Br&uuml;ssel betrieben. Damit landen chinesische, t&uuml;rkische oder kasachische Unternehmen auf schwarzen Listen, wenn sie im Verdacht stehen, EU-Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Extraterritoriale Sanktionen stehen nicht zu Unrecht im Geruch, mit kolonialer Attit&uuml;de eigene Gesetze auf Drittstaaten und dortige Unternehmen &uuml;berzust&uuml;lpen. Der chinesische Gesch&auml;ftsmann Lin Zhongheng mit seiner Shenzhen Biguang Trading Co. Ltd. ist nur einer von vielen nicht-russischen Opfern EU-europ&auml;ischer wirtschaftlicher Zwangsma&szlig;nahmen.<\/p><p>Die Sanktionspakete 15 und 17 vom Dezember 2024 bzw. vom Mai 2025 widmeten sich der sogenannten russischen Schattenflotte. Diese gesch&auml;tzten 800 Tanker, die unter verschiedensten Flaggen die Weltmeere durchpfl&uuml;gen, transportieren russisches Erd&ouml;l. Weil Br&uuml;ssel sich anma&szlig;t, den Energie-Weltmarkt kontrollieren und seine Sanktionspolitik allen Erd&ouml;lh&auml;ndlern und Importeuren auf der Welt aufzwingen zu wollen, nahm sie die Tanker ins Visier. Bislang landeten ca. 350 von ihnen auf der Sanktionsliste, was immer wieder dazu f&uuml;hrt, dass sich baltische Staaten oder auch Frankreich dazu ermutigt f&uuml;hlen, die &Ouml;l-Kolosse auf offener See aufzubringen und in ihre H&auml;fen zu verschleppen. So war beispielsweise Anfang Oktober 2025 der Tanker &bdquo;Boracay&ldquo; vor einer bretonischen Insel von der franz&ouml;sischen Marine gestoppt worden. Er stand auf der EU-Sanktionsliste und war gerade dabei, russisches Erd&ouml;l nach Indien zu transportieren. Der Verdacht, die Mannschaft w&uuml;rde Drohnen-Attacken gegen Frankreich und D&auml;nemark durchf&uuml;hren, konnte nicht erh&auml;rtet werden. Der Kapit&auml;n wurde festgenommen. Erst nach Wochen konnte die &bdquo;Boracay&ldquo; ihre Fahrt fortsetzen.<\/p><p>Mitte Mai 2025 kam es aus &auml;hnlichem Grund vor der K&uuml;ste Estlands zu einem Zwischenfall, bei dem auch russische Kampfjets beteiligt waren. Sie begleiteten den Tanker &bdquo;Jaguar&ldquo; auf seinem Weg in den russischen Ostseehafen Ust-Luga. Als die estnische Marine den Tanker zwecks Inspektion kapern wollte, griff die russische Luftwaffe &ndash; ohne zu schie&szlig;en &ndash; ein und verhinderte dies. Gerade in der Ostsee, wo der Streit um Seemeilengrenzen von Hoheitsgew&auml;ssern zwischen Estland und Russland tobt, k&ouml;nnte der Wirtschaftskrieg leicht zu einem Schie&szlig;krieg zwischen NATO und Russland eskalieren.<\/p><p><strong>EU-B&uuml;rger auf EU-Sanktionslisten<\/strong><\/p><p>Im Wirtschaftskrieg gegen Russland beschr&auml;nkten sich EU-Rat und -Kommission die l&auml;ngste Zeit auf russische Unternehmen und Personen, fallweise landeten auch missliebige ukrainische Oligarchen auf der schwarzen Liste. Das mag f&uuml;r die Betroffenen hart und verlustreich sein, betrifft aber in so gut wie allen F&auml;llen nicht den Lebensmittelpunkt des einzelnen Menschen oder die Firmenzentrale der Kapitalgesellschaft, die sich &uuml;berwiegend in Russland befinden. Mit dem 21. Juli 2022 &auml;nderte sich das. An diesem Tag ver&ouml;ffentlichte Br&uuml;ssel das 7. Sanktionspaket, in dem u.a. der Handel mit russischem Gold unter Strafe gestellt wurde. Bedeutsamer war jedoch, dass mit diesem 7. Paket das erste Mal ein EU-europ&auml;ischer Staatsb&uuml;rger auf der EU-Sanktionsliste erschien. Der Mann hei&szlig;t Jozef Hamb&aacute;lek, ist Slowake und war Europa-Pr&auml;sident des russischen Motorrad-Klubs &bdquo;Nachtw&ouml;lfe&ldquo;. Weil Br&uuml;ssel die &bdquo;Nachtw&ouml;lfe&ldquo; verd&auml;chtigte, Ausbildung f&uuml;r Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu betreiben, sanktionierte es seine f&uuml;hrenden Exponenten. F&uuml;r Hamb&aacute;lek bedeutete dies die vollkommende Entrechtung. Die slowakischen Beh&ouml;rden erkl&auml;rten seinen Pass f&uuml;r ung&uuml;ltig, sein Konto wurde gesperrt, die Verm&ouml;genswerte eingezogen. All dies geschah ohne eine gerichtliche Vorladung, ja ohne formelle Anklage, freilich auch ohne Verteidigung oder Schuldspruch &hellip; und erinnert ein wenig an die Praxis der mittelalterlichen &Auml;chtung.<\/p><p>Nach dem Wahlsieg von &bdquo;Smer&ldquo; im Dezember 2023 setzte sich der neue slowakische Ministerpr&auml;sent Robert Fico f&uuml;r Hamb&aacute;lek ein, betonte bei jedem Treffen mit von der Leyen oder Olaf Scholz, dass er nicht verst&uuml;nde, warum der slowakische B&uuml;rger auf einer EU-Sanktionsliste auftaucht, nur &bdquo;weil er Motorrad fahre&ldquo; &ndash; so der Originalton &ndash;, und erreichte tats&auml;chlich am 13. M&auml;rz 2024, dass Hamb&aacute;lek von der Sanktionsliste gestrichen wurde.<\/p><p>Anders als Fico reagierte dann drei Jahre sp&auml;ter Friedrich Merz auf die Tatsache, dass mit dem 17. Sanktionspaket vom 20. Mai 2025 drei deutsche Staatsb&uuml;rger EU-europ&auml;isch gelistet wurden. Alina Lipp, Thomas R&ouml;per und H&uuml;seyin Do&#287;ru waren damit von einem Tag auf den anderen all ihrer B&uuml;rgerrechte beraubt; und dies mit der fadenscheinigen Begr&uuml;ndung, sie h&auml;tten mit ihrer journalistischen Arbeit &bdquo;Handlungen der Regierung der Russischen F&ouml;deration (unterst&uuml;tzt), die die Stabilit&auml;t und Sicherheit in der Union und in einem oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten untergraben und bedrohen&ldquo;, wie es im Beschluss des Rates w&ouml;rtlich hei&szlig;t. Merz &ndash; kontr&auml;r zu Fico &ndash; k&uuml;mmert sich nicht um seine Staatsb&uuml;rger, eher noch besteht der Verdacht, dass die Listung der drei Deutschen auf Zuruf Berlins erfolgte.<\/p><p><em>Von Hannes Hofbauer ist zum Thema erschienen: &bdquo;Im Wirtschaftskrieg. Die Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen. Das Beispiel Russland.&ldquo; (Promedia Verlag, Wien)<\/em><\/p><p><small>Titelbild: OSORIOartist \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134012\">&bdquo;Schie&szlig;krieg und Wirtschaftskrieg h&auml;ngen eng zusammen&ldquo; &ndash; Wirtschaftshistoriker Hannes Hofbauer &uuml;ber Sanktionen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141029\">Wirtschaft in Osteuropa: Verfestigte Bruchlinien<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126866\">Der Kampf um die Ostsee: Wie der Westen Russland den Meerzugang sperren will<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72026\">Hannes Hofbauer: &bdquo;Es ist dystopisch&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/8c9720d1737245ac997bd3417f5530da\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch&uuml;tzengr&auml;ben voller Blut, zerbombte H&auml;userzeilen mit zivilen Opfern, Drohnenattacken auf Infrastruktureinrichtungen weit hinter den Frontlinien und das langsame Vorr&uuml;cken russischer Soldaten im Osten der Ukraine. Zwischen solchen oder &auml;hnlichen &Uuml;berschriften m&auml;andert die Kriegsberichterstattung der Staats- und Konzernmedien. Dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen kann, erg&auml;nzen Ex-Gener&auml;le des Nordatlantikpaktes auf alternativen Portalen. Das Gros der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143538\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":143539,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171,30],"tags":[1108,2324,3360,507,2575,2301,911,466,663,1418,309,259,2147,260,966,1019],"class_list":["post-143538","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-eu-assoziierungsabkommen","tag-eu-erweiterung","tag-europaeische-union","tag-ezb","tag-handelskrieg","tag-konfrontationspolitik","tag-maidan","tag-nato","tag-putsch","tag-regime-change","tag-repressionen","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-ukraine","tag-weltkrieg","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/shutterstock_2133080111.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143538"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143620,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143538\/revisions\/143620"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}