{"id":143543,"date":"2025-12-13T13:00:17","date_gmt":"2025-12-13T12:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143543"},"modified":"2025-12-12T14:46:09","modified_gmt":"2025-12-12T13:46:09","slug":"die-wuetende-flut-der-ultrarechten-in-lateinamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143543","title":{"rendered":"Die \u201ew\u00fctende Flut\u201c der Ultrarechten in Lateinamerika"},"content":{"rendered":"<p>Die drei Elemente Antikommunismus, libert&auml;re Wirtschaftspolitik und Kulturkrieg bringen die radikale Rechte in ganz Lateinamerika zusammen. Dies verschafft ihnen einen robusten ideologischen Rahmen, um Teile der Bev&ouml;lkerung dazu zu bringen, in ihnen die Retter der Hemisph&auml;re zu sehen. Es ist wahrscheinlich, dass sie bis Mitte 2026 die meisten Staaten entlang der Westk&uuml;ste S&uuml;damerikas (von Chile bis Kolumbien) regieren werden. Von <strong>Vijay Prashad<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Ultrarechte in Lateinamerika ist w&uuml;tend. Jair Bolsonaro aus Brasilien und Javier Milei aus Argentinien wirken stets zornig und sprechen immer laut und aggressiv. Testosteron str&ouml;mt aus ihren Poren, ein giftiger Schwei&szlig;, der sich &uuml;ber die Region ausgebreitet hat.<\/p><p>Es w&auml;re einfach zu sagen, dass dies der Einfluss von Donald Trumps eigener Form des Neofaschismus ist, aber das ist nicht wahr. Diese Rechte hat viel weiter zur&uuml;ckreichende Urspr&uuml;nge. Sie ist mit der Verteidigung der oligarchischen Familien verbunden, deren Wurzeln in der Kolonialzeit in den Vizek&ouml;nigreichen von Neuspanien bis Rio de la Plata liegen.<\/p><p>Sicherlich lassen sich diese ultrarechten M&auml;nner und Frauen inspirieren von Trumps Aggressivit&auml;t und vom Amtsantritt Marco Rubios, einem vehementen Verfechter der Ultrarechten in Lateinamerika, als US-Au&szlig;enminister. Diese Inspiration und Unterst&uuml;tzung sind wichtig, aber nicht der Grund f&uuml;r die R&uuml;ckkehr der Ultrarechten, einer &bdquo;w&uuml;tenden Flut&ldquo;, die in ganz Lateinamerika anschwillt.<\/p><p>Oberfl&auml;chlich betrachtet scheint es, als h&auml;tte die radikale Rechte einige Niederlagen erlitten. Jair Bolsonaro sitzt wegen seiner Rolle beim gescheiterten Putschversuch vom 8. Januar 2023 (inspiriert von Trumps eigenem vom 6. Januar 2021) f&uuml;r eine sehr lange Zeit im Gef&auml;ngnis. In der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen in Chile gewann die Kandidatin der Kommunistischen Partei, Jeannette Jara, die meisten Stimmen und wird den Mitte-Links-Block am 14. Dezember in die zweite Runde f&uuml;hren.<\/p><p>Trotz aller Versuche, die Regierung Venezuelas zu st&uuml;rzen, bleibt Pr&auml;sident Nicol&aacute;s Maduro an der Macht und hat gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung mobilisiert, um die Bolivarische Revolution gegen jegliche Bedrohungen zu verteidigen. Und Ende Oktober 2025 stimmten die meisten L&auml;nder der Welt f&uuml;r eine Resolution der UN-Generalversammlung, die ein Ende der Blockade gegen Kuba fordert.<\/p><p>Diese Indikatoren &ndash; von der Inhaftierung Bolsonaros bis zur Abstimmung &uuml;ber Kuba &ndash; deuten darauf hin, dass die Ultrarechte ihre Agenda nicht an jedem Ort und auf allen Ebenen vorantreiben kann.<\/p><p>Doch unter der Oberfl&auml;che gibt es Anzeichen, dass Lateinamerika nicht das Wiederaufleben der sogenannten &bdquo;rosaroten Flut&rdquo; (nach der Wahl von Hugo Ch&aacute;vez in Venezuela im Jahr 1998[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]) erlebt, sondern das Aufkommen einer &bdquo;w&uuml;tenden Flut&ldquo;, die langsam die Region von Mittelamerika bis zum S&uuml;dkegel zu &uuml;berrollen beginnt.<\/p><p><strong>Wahlen in S&uuml;damerika<\/strong><\/p><p>Die erste Runde der chilenischen Pr&auml;sidentschaftswahlen ergab ein beunruhigendes Ergebnis. W&auml;hrend Jara von der Kommunistischen Partei 26,85 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 85,26 Prozent erhielt, kam Jos&eacute; Antonio Kast mit 23,92 Prozent auf den zweiten Platz. Evelyn Matthei von der traditionellen Rechten erzielte 12,5 Prozent, der rechte Kandidat Johannes Kaiser, der einst mit Kast zusammenarbeitete und nun noch weiter rechts steht, 14 Prozent.<\/p><p>Es ist wahrscheinlich, dass Jara einen Teil der Stimmen der Mitte f&uuml;r sich holen wird, jedoch nicht genug, um den Vorsprung der Ultrarechten zu &uuml;berwinden, die offenbar mindestens mehr als 50 Prozent der W&auml;hler auf ihrer Seite hat.<\/p><p>Der sogenannte Sozialliberale Franco Parisi, der den dritten Platz belegte, unterst&uuml;tzte Kast im Jahr 2021 und wird ihn wahrscheinlich erneut unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Das bedeutet, dass in Chile die Pr&auml;sidentschaft in den H&auml;nden eines Mannes der Ultrarechten liegen wird, dessen Vorfahren im deutschen Nationalsozialismus verwurzelt sind (sein Vater war Mitglied der Nazi-Partei, der dank der F&uuml;rsprache des Vatikans der Justiz entkam) und der glaubt, dass die Diktatur in Chile von 1973 bis 1990 alles in allem eine gute Idee war.<\/p><p>N&ouml;rdlich von Chile, in Bolivien, schlug der neue Pr&auml;sident Rodrigo Paz Pereira, Sohn eines ehemaligen Pr&auml;sidenten, den rechtsradikalen Jorge Tuto Quiroga (ein Ex-Pr&auml;sident) in der zweiten Runde der Wahlen, bei der kein Kandidat der Linken antrat &ndash; dies, nachdem die Bewegung zum Sozialismus Bolivien von 2006 bis 2025 ununterbrochen regiert hatte. Paz&rsquo; eigene Partei hat eine Minderheitsposition im Parlament. Er wird sich daher mit der Libre-Koalition von Quiroga verb&uuml;nden m&uuml;ssen und wahrscheinlich eine pro-amerikanische Au&szlig;enpolitik und eine libert&auml;re Wirtschaftspolitik verfolgen.<\/p><p>Peru wird im April seine Wahlen abhalten, wobei der ehemalige B&uuml;rgermeister von Lima, Rafael L&oacute;pez Aliaga, als Favorit gilt. Er lehnt die Bezeichnung &bdquo;ultrarechts&rdquo; ab, verfolgt jedoch alle ihre typischen politischen Ziele. Er ist ein ultrakonservativer Katholik, bef&uuml;rwortet harte Sicherheitsma&szlig;nahmen und tritt f&uuml;r eine libert&auml;re Wirtschaftspolitik ein.<\/p><p>Iv&aacute;n Cepeda aus Kolumbien ist der voraussichtliche Kandidat der Linken bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen im Mai 2026, da Kolumbien keine zweite Amtszeit zul&auml;sst (also kann Pr&auml;sident Gustavo Petro nicht erneut kandidieren). Cepeda wird auf starke Opposition seitens der kolumbianischen Oligarchie sto&szlig;en, die das Land wieder unter ihre Herrschaft bringen m&ouml;chte. Es ist noch zu fr&uuml;h, um zu sagen, gegen wen Cepeda antreten wird, aber es k&ouml;nnte die Journalistin Vicky D&aacute;vila sein, deren ultrarechte Opposition gegen Petro in unerwarteten Teilen der kolumbianischen Gesellschaft Anklang findet.<\/p><p>Es ist wahrscheinlich, dass bis Mitte 2026 die meisten Staaten entlang der Westk&uuml;ste S&uuml;damerikas (von Chile bis Kolumbien) von der Ultrarechten regiert werden.<\/p><p>Auch wenn Bolsonaro im Gef&auml;ngnis sitzt, ist seine Partei, die PL (Liberale Partei), der gr&ouml;&szlig;te Block im brasilianischen Nationalkongress. Es ist wahrscheinlich, dass Lula aufgrund seiner enormen pers&ouml;nlichen Verbundenheit mit den W&auml;hlern im n&auml;chsten Jahr wieder zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt wird. Der Kandidat der Ultrarechten &ndash; entweder Tarc&iacute;sio de Freitas, der Gouverneur des Bundesstaates S&atilde;o Paulo, oder einer der Bolsonaros (Ehefrau Michelle oder Sohn Flavio) &ndash; wird gegen ihn ank&auml;mpfen.<\/p><p>Die Liberale Partei wird aber im Senat weiter an Boden gewinnen. Ihre Kontrolle &uuml;ber die Legislative hat die Handlungsf&auml;higkeit der Regierung bereits jetzt stark eingeschr&auml;nkt (auf der COP30 machte Lulas Vertreter keine Vorschl&auml;ge zur Bek&auml;mpfung der Klimakatastrophe), und ein Sieg im Senat wird ihre Kontrolle &uuml;ber das Land weiter ausbauen.<\/p><p><strong>Gemeinsame Agenda der &bdquo;w&uuml;tenden Flut&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Politiker der &bdquo;w&uuml;tenden Flut&ldquo;, die derzeit f&uuml;r Aufsehen sorgen, haben vieles gemeinsam. Die meisten von ihnen sind mittlerweile in ihren F&uuml;nfzigern: Kast (geb. 1966), Paz (1967), die venezolanische Politikerin Mar&iacute;a Corina Machado (1967) und Milei (1970). Sie sind in der Zeit nach den Diktaturen in Lateinamerika (die letzte Diktatur endete 1990 in Chile) erwachsen geworden.<\/p><p>Das Jahrzehnt der 1990er-Jahre setzte die wirtschaftliche Stagnation fort, die die 1980er-Jahre gepr&auml;gt hatte &ndash; das verlorene Jahrzehnt (La D&eacute;cada Perdida), das diese L&auml;nder mit niedrigen Wachstumsraten und kaum entwickelten Wettbewerbsvorteilen ersch&uuml;tterte und in die Globalisierung zwang.<\/p><p>Es war dieser Kontext, in dem die Politiker der &bdquo;w&uuml;tenden Flut&rdquo; ihre gemeinsame Agenda entwickelten:<\/p><ol>\n<li>Antikommunismus. Die Ultrarechte in Lateinamerika ist gepr&auml;gt von einer anti-linken Agenda, die sie aus dem Kalten Krieg &uuml;bernommen hat, was bedeutet, dass ihre politischen Formationen in der Regel die &Auml;ra der von den USA unterst&uuml;tzten Milit&auml;rdiktaturen bef&uuml;rworten.\n<p>Die Ideen der Linken, ob aus der kubanischen Revolution (1959) oder aus der &Auml;ra der rosaroten Flut (nach 1998), sind diesen politischen Kr&auml;ften ein Gr&auml;uel; denn sie beinhalten Agrarreform, staatliche Finanzierung f&uuml;r Industrialisierung, staatliche Souver&auml;nit&auml;t und die Wichtigkeit von Gewerkschaften f&uuml;r alle Arbeiter und Bauern.<\/p>\n<p>Der Antikommunismus dieser &bdquo;w&uuml;tenden Flut&rdquo; ist elementar, Muttermilch f&uuml;r die Politiker und wird geschickt eingesetzt, um Teile der Gesellschaft gegen andere aufzubringen.<\/p><\/li>\n<li>Libert&auml;re Wirtschaftspolitik. Die wirtschaftlichen Ideen der &bdquo;w&uuml;tenden Flut&ldquo; sind gepr&auml;gt von den chilenischen &bdquo;Chicago Boys&ldquo;. Zu ihnen geh&ouml;rte auch Kasts Bruder Miguel. Er war Vorsitzender der Planungskommission von General Augusto Pinochet, sein Arbeitsminister und sein Zentralbankchef.\n<p>Sie orientieren sich direkt an der libert&auml;ren &Ouml;sterreichischen Schule (Friedrich Hayek, Ludwig von Mises und Murray Rothbard ebenso wie Milton Friedman).<\/p>\n<p>Die Ideen wurden in gut finanzierten Thinktanks wie dem Centro de Estudios Macroecon&oacute;micos de Argentina (gegr&uuml;ndet 1978) und dem chilenischen Centro de Estudios P&uacute;blicos (gegr&uuml;ndet 1980) entwickelt. Sie vertreten die &Uuml;berzeugung, dass der Staat eine Gewalt sein sollte, die Arbeitnehmer und B&uuml;rger diszipliniert, und dass die Wirtschaft in den H&auml;nden privater Interessen sein muss.<\/p>\n<p>Mileis ber&uuml;hmte Possen mit einer Kettens&auml;ge verdeutlichen diese Politik, die nicht nur Sozialleistungen streicht (das Werk des Neoliberalismus), sondern auch die Kapazit&auml;ten des Staates selbst zerst&ouml;rt.<\/p><\/li>\n<li>Kulturkrieg. Auf der Welle der Anti-Gender-Ideologie und der Anti-Migrations-Rhetorik reitend, konnte die &bdquo;w&uuml;tende Flut&rdquo; konservative evangelikale Christen und ebenfalls gro&szlig;e Teile der Arbeiterklasse ansprechen, die durch Ver&auml;nderungen, die sie als von oben verordnet ansehen, desorientiert sind.\n<p>Die Ultrarechte argumentiert, dass die durch die Drogenindustrie verursachte Gewalt in Arbeitervierteln durch den &bdquo;Liberalismus&ldquo; gesch&uuml;rt wird und dass nur harte Gewalt (wie vom Pr&auml;sidenten von El Salvador, Nayib Bukele, vorgef&uuml;hrt) die L&ouml;sung sein kann.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund wollen sie das Milit&auml;r und die Polizei st&auml;rken und verfassungsrechtliche Beschr&auml;nkungen f&uuml;r die Anwendung von Gewalt aufheben (am 28. Oktober schickte die Regierung des Bolsonaro-Verb&uuml;ndeten Cl&aacute;udio Castro in Rio de Janeiro die Polizei in Favelas der Stadt, die im Rahmen der &bdquo;Operation Eind&auml;mmung&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.kooperation-brasilien.org\/de\/themen\/mega-operation-mit-mehr-als-120-toten-in-rio-de-janeiro-offenbart-beharren-auf-ineffizientem-sicherheitsmodell-aktion-schadet-bevoelkerung-und-polizisten-ohne-kriminelle-organisationen-nachhaltig-zu-zerschlagen\">mindestens 121 Menschen t&ouml;tete<\/a>).<\/p>\n<p>Es ist hilfreich f&uuml;r die Ultrarechte, dass sie verschiedene Verschw&ouml;rungstheorien &uuml;bernommen hat, wie die &bdquo;Eliten&ldquo; angeblich &bdquo;globalisierte&ldquo; Ideen verbreitet h&auml;tten, um die &bdquo;Kultur&ldquo; ihrer Nationen zu sch&auml;digen und zu zerst&ouml;ren. Dies ist eine l&auml;cherliche Idee, die von rechtsradikalen und traditionellen rechten politischen Kr&auml;ften kommt, die sich f&uuml;r die uneingeschr&auml;nkte Aufnahme US-amerikanischer Unternehmen in ihre Gesellschaft und Kultur stark machen und die keinen Respekt haben vor der Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, ihre eigenen nationalen und regionalen Kulturwelten aufzubauen.<\/p>\n<p>Aber die &bdquo;w&uuml;tende Flut&rdquo; hat es geschafft, die Vorstellung zu verbreiten, dass sie Kulturkrieger sind, die ihr Erbe gegen die &Uuml;bel der &bdquo;Globalisierung&rdquo; verteidigen. Teil dieses Kulturkriegs ist die F&ouml;rderung des individuellen Unternehmers als Subjekt der Geschichte und die Herabw&uuml;rdigung der Notwendigkeit der sozialen Reproduktion.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Es sind diese drei Elemente: Antikommunismus, libert&auml;re Wirtschaftspolitik und Kulturkrieg, die die Ultrarechte in ganz Lateinamerika zusammenbringen. Dies verschafft ihnen einen robusten ideologischen Rahmen, um Teile der Bev&ouml;lkerung dazu zu bringen, in ihnen die Retter der Hemisph&auml;re zu sehen.<\/p><p>Diese lateinamerikanische Rechte wird von Trump und dem internationalen Netzwerk der spanischen Ultrarechten (dem Foro Madrid, das 2020 von der Fundaci&oacute;n Disenso, dem Thinktank der rechtsradikalen Partei Vox, gegr&uuml;ndet wurde) unterst&uuml;tzt. Sie wird in gro&szlig;em Umfang von den alten gesellschaftlichen Eliten finanziert, die die traditionelle Rechte nach und nach zugunsten dieser neuen, aggressiven rechtsradikalen Parteien aufgegeben haben.<\/p><p><strong>Krise der Linken<\/strong><\/p><p>Die Linke muss noch eine angemessene Einsch&auml;tzung der Entstehung dieser Parteien entwickeln und ist bisher nicht in der Lage gewesen, eine Agenda voranzutreiben, die von Lebendigkeit spr&uuml;ht.<\/p><p>Eine tiefe ideologische Krise erfasst die Linke, die sich nicht richtig entscheiden kann, ob sie eine Einheitsfront mit der traditionellen Rechten und den Liberalen bilden soll, um sich an Wahlen zu beteiligen, oder ob sie eine Volksfront quer durch die Arbeiterklasse und die Bauernschaft bilden soll, um gesellschaftliche Macht als Voraussetzung f&uuml;r eine aussichtsreiche Wahlkampagne aufzubauen.<\/p><p>Das Beispiel f&uuml;r die erstgenannte Strategie (Wahlb&uuml;ndnis) stammt aus Chile, wo 1988 zun&auml;chst die Concertaci&oacute;n de Partidos por la Democracia (Concertaci&oacute;n) gegr&uuml;ndet wurde, um die Parteien der Diktatur und der rechten Opposition von der Macht fernzuhalten. Dann kam die 2021 gegr&uuml;ndete Apruebo Dignidad, die Gabriel Boric von der zentristischen Frente Amplio ins Pr&auml;sidentenamt brachte. Aber au&szlig;erhalb Chiles gibt es kaum Anzeichen daf&uuml;r, dass diese Strategie aufgeht.<\/p><p>Letztgenannte ist schwieriger geworden, da die Zahlen der Gewerkschaftsmitglieder eingebrochen sind und die Uberisierung die Arbeiterklasse individualisiert und damit die Arbeiterkultur untergr&auml;bt.<\/p><p>Es ist aufschlussreich, dass der ehemalige sozialistische Vizepr&auml;sident Boliviens, &Aacute;lvaro Garc&iacute;a Linera, nach Norden in Richtung New York City blickte, um sich inspirieren zu lassen. Als Zohran Mamdani die B&uuml;rgermeisterwahl gewann, sagte Garc&iacute;a Linera: &bdquo;Mamdanis Sieg zeigt, dass die Linke sich zu Mut und einer neuen Zukunft verpflichten muss.&ldquo;<\/p><p>Es ist schwer, dieser Aussage zu widersprechen, obwohl Mamdanis eigene Agenda haupts&auml;chlich darauf abzielt, die marode Infrastruktur New Yorks zu sanieren, anstatt die Stadt zum Sozialismus zu f&uuml;hren. Garc&iacute;a Linera erw&auml;hnte nicht seine eigene Zeit in Bolivien, als er gemeinsam mit dem ehemaligen Pr&auml;sidenten Evo Morales versuchte, eine sozialistische Alternative aufzubauen.<\/p><p>Die Linke muss mutig sein und eine neue Zukunft zum Ausdruck bringen, aber diese muss aus ihren eigenen Geschichten des Aufbaus von K&auml;mpfen und des Aufbaus des Sozialismus hervorgehen.<\/p><p><em>Der Beitrag erschien im Original bei <a href=\"https:\/\/peoplesdemocracy.in\/2025\/1130_pd\/angry-tide-latin-american-far-right\">Peoples Democracy<\/a>. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von <strong>Marta Andujo<\/strong>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock AI Generator<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/cc2f7e8035294964b1ba14bd8bb0cfec\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Prashad benutzt den Begriff &bdquo;w&uuml;tende Flut&ldquo; (angry tide) in Anspielung auf die &bdquo;rosarote Flut&ldquo; (pink tide), wie die Phase der Linksregierungen in Lateinamerika Anfang der 2000er-Jahre gerne in den USA und Westeuropa genannt wurde. Die chavistische Bewegung in Venezuela bezeichnete sich selbst dagegen immer als &bdquo;marea roja&ldquo;, rote Flut.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drei Elemente Antikommunismus, libert&auml;re Wirtschaftspolitik und Kulturkrieg bringen die radikale Rechte in ganz Lateinamerika zusammen. Dies verschafft ihnen einen robusten ideologischen Rahmen, um Teile der Bev&ouml;lkerung dazu zu bringen, in ihnen die Retter der Hemisph&auml;re zu sehen. Es ist wahrscheinlich, dass sie bis Mitte 2026 die meisten Staaten entlang der Westk&uuml;ste S&uuml;damerikas (von Chile<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143543\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":143544,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[205,125],"tags":[2871,2186,2454,669,2160,2145,2144,3420,2047,1352,467],"class_list":["post-143543","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-rechte-gefahr","tag-antikommunismus","tag-bolivien","tag-bolsonaro-jair","tag-chile","tag-kolumbien","tag-lateinamerika","tag-libertarismus","tag-milei-javier","tag-peru","tag-rechtsruck","tag-wahlprognose"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/shutterstock_2525062661.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143543"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143592,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143543\/revisions\/143592"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/143544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}