{"id":143606,"date":"2025-12-15T09:00:58","date_gmt":"2025-12-15T08:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143606"},"modified":"2025-12-15T08:39:57","modified_gmt":"2025-12-15T07:39:57","slug":"vortrag-von-florian-warweg-in-nuernberg-medien-macht-und-manipulation-ein-blick-hinter-die-kulissen-der-bundespressekonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143606","title":{"rendered":"Vortrag von Florian Warweg in N\u00fcrnberg: Medien, Macht und Manipulation \u2013 Ein Blick hinter die Kulissen der Bundespressekonferenz"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &bdquo;Medien, Macht und Manipulation &ndash; Ein Blick hinter die Kulissen der Bundespressekonferenz&ldquo; hielt NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg Ende November einen Vortrag in N&uuml;rnberg. Eingeladen hatten die B&uuml;rgerinitiative &bdquo;Wir wollen reden&rdquo; und der dortige NDS-Gespr&auml;chskreis. Warweg analysiert, wie es zur aktuellen (Glaubw&uuml;rdigkeits-)Krise des Mainstream-Journalismus kommen konnte und welche zentralen Faktoren daf&uuml;r verantwortlich sind. Seine Analyse st&uuml;tzt er auf das von Noam Chomsky und Edward Herman entwickelte Propagandamodell und erg&auml;nzt dies um konkrete Beispiele aus seiner eigenen journalistischen Erfahrung.&nbsp;Die <em>NachDenkSeiten<\/em> dokumentieren den Vortrag und die anschlie&szlig;ende Publikumsdiskussion in voller L&auml;nge.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vortrag: <\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/VjOhcQyqA6M\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Publikumsdiskussion:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/aKaeS_Dx1KY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Verschriftlichung des Vortrags: Medien, Macht und Manipulation<\/strong><\/p><p>Was ist im journalistisch-medialen Feld in den letzten Jahren geschehen, dass die Qualit&auml;t der Berichterstattung und das Vertrauen in die Medien so massiv gelitten hat? Ich will heute in meinem Vortrag versuchen, kurz nachzuzeichnen, was meiner Meinung nach die Bruchstellen f&uuml;r die derzeitige Situation sind, auch anhand meiner eigenen Vita, und dann aufzeigen, was es f&uuml;r methodische Mittel gibt, um neben dem subjektiven Empfinden sachlich-analytisch nachvollziehen zu k&ouml;nnen, was derzeit passiert.<\/p><p>Es gibt eine ungeheure Unzufriedenheit mit der aktuellen Verfasstheit der Medien in diesem Land. Und das sind nicht nur individuelle Empfindungen von Euch oder mir. Das best&auml;tigen zahlreiche Umfragen von b&uuml;rgerlichen Umfrageinstituten in den letzten Jahren. <\/p><p>So haben laut der letzten verf&uuml;gbaren repr&auml;sentativen <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/122752\/6131946\">Civey-Umfrage<\/a> von Juli 2025, 49,7 Prozent der befragten Bundesb&uuml;rger, also fast jeder zweite, das Gef&uuml;hl, dass man seine Meinung nicht mehr frei &auml;u&szlig;ern kann. Nur zum Vergleich: bei der Umfrage mit derselben Fragestellung im Jahr 2011 gaben damals nur 26 Prozent an, dieses Gef&uuml;hl zu haben. Massiv gesunken ist auch das grunds&auml;tzliche Vertrauen in die Medien: Eine ebenfalls repr&auml;sentative Umfrage im Auftrag von ntv kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als die H&auml;lfte der Bundesb&uuml;rger (54 Prozent) sogenannten Leit-Medien nicht mehr vertraut. Und eine k&uuml;rzliche Forsa-Umfrage ergab zudem, dass satte 43 Prozent der befragten Bundesb&uuml;rger erkl&auml;rten, ihrem Eindruck nach, sei der Journalismus in den letzten Jahren qualitativ merklich schlechter geworden. <\/p><p>Das sind Zahlen, die haben es durchaus in sich. <\/p><p>In meinem eigenen Umfeld stellte insbesondere die extrem einseitige Ukraine-Berichterstattung in deutschen Medien ab 2014 einen ersten signifikanten Bruch dar. Mein eigenes diesbez&uuml;gliches &bdquo;Erweckungserlebnis&ldquo;, um das kurz zu schildern, reicht etwas weiter zur&uuml;ck. Ich bin 1979 in Magdeburg, also der damaligen DDR, geboren. Und seit ich bewusst Erinnerungen habe, lief bei uns zuerst die &bdquo;Aktuelle Kamera&rdquo; um 19:30 Uhr und danach die &bdquo;Tagesschau&rdquo;. Als Radiosender h&ouml;rten wir den <em>NDR<\/em>. Und selbst als Neun- oder Zehnj&auml;hriger war man nat&uuml;rlich in der Lage, die Unterschiede wahrzunehmen zwischen dem, was in der &bdquo;Aktuellen Kamera&rdquo; verlautbart wurde und, was in der &bdquo;Tagesschau&rdquo; oder bei den NDR-Nachrichten erz&auml;hlt wurde. Das f&uuml;hrte, wage ich zu behaupten, in Folge bei einem Gro&szlig;teil der in der DDR Sozialisierten zu einem kritischeren Medienkonsum. Zudem haben die etablierten &bdquo;Leitmedien&ldquo; wie <em>Spiegel<\/em>, <em>S&uuml;ddeutsche<\/em>, <em>FAZ<\/em> oder <em>Zeit<\/em> im Osten nie eine vergleichbare Meinungsmacht wie im Westen der Republik entwickeln k&ouml;nnen. Sie m&uuml;ssen sich nur mal die Verkaufs- und Abozahlen besagter Medien in Magdeburg, Schwerin oder Dresden anschauen. Die sind quasi nicht existent. <\/p><p><strong>Pers&ouml;nliches Schl&uuml;sselerlebnis<\/strong><\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu dem, was bei mir pers&ouml;nlich ein Schl&uuml;sselerlebnis war und den Blick erstmals wirklich gesch&auml;rft hat f&uuml;r die Defizite in der Berichterstattung bundesdeutscher Medien. <\/p><p>Ich habe 2000 angefangen, in T&uuml;bingen Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Lateinamerika zu studieren. In diesem Zusammenhang hatte ich dann das Gl&uuml;ck und die M&ouml;glichkeiten, fast ganz Lateinamerika zu bereisen, und ich studierte und arbeitete l&auml;nger in Chile sowie Peru und forschte zu Kolumbien, Kuba und Venezuela. Erst durch diese intensive Besch&auml;ftigung mit Lateinamerika wurde mir mit der Zeit bewusst, wie schlecht recherchiert, oberfl&auml;chlich und vor allem unglaublich einseitig die Berichterstattung zu dieser Region in deutschen Medien war und auch weiterhin ist. <\/p><p>Insbesondere die Berichterstattung und die Art der genutzten Quellen zu Venezuela unter Ch&aacute;vez ab 2000 war geradezu haneb&uuml;chen. Es war in gewisser Weise eine Vorwegnahme der Ukraine-Berichterstattung. Zu Wort kamen fast ausschlie&szlig;lich Oppositionsvertreter und deren Unterst&uuml;tzer, als Quellen wurden ebenso, &uuml;brigens bis heute, fast nur Infos aus rechten Oppositionskreisen und &ndash; entsprechenden Medien genutzt. Im Gegensatz zum medial hier verankerten Diskurs der angeblich staatlich kontrollierten Presselandschaft in Venezuela, sind bis heute 80 Prozent aller TV- und Printmedien in privater Hand und stehen zudem&nbsp;&uuml;berwiegend der rechtsliberalen bis rechtskonservativen Opposition nahe. So viel zu diesem angeblichen Beleg f&uuml;r die &bdquo;Chavez- oder Maduro-Diktatur&ldquo;. <\/p><p>&Auml;hnliche Erfahrung mit der Qualit&auml;t der bundesdeutschen Auslandsberichterstattung hatten auch fast alle meine Kommilitonen gemacht, die l&auml;ngere Zeit in Nahost oder Afrika verbracht hatten. Ein Aspekt ist hier nat&uuml;rlich auch das komplette Zur&uuml;ckfahren von Auslandkorrespondenten. Selbst die ARD hat z.B. mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.br.de\/unternehmen\/inhalt\/organisation\/korrespondenten\/geschichte-ard-hoerfunkstudio-suedamerika-100.html\">keinen einzigen Korrespondenten<\/a> mehr im spanischsprachigen Teil S&uuml;damerikas. Ob Berichterstattung zu Chile, Bolivien, Venezuela oder Kolumbien &ndash; der einzige ARD-Korrespondent in der Region sitzt und berichtet aus dem brasilianischen Rio de Janeiro. Profunde Berichterstattung aus den restlichen 12 L&auml;ndern S&uuml;damerikas ist damit eigentlich ausgeschlossen. Verkauft wurde das Einstampfen des Korrespondentennetzes von der ARD &uuml;brigens als &bdquo;crossmediale und zukunftsorientierte Strukturreform&ldquo;. Nun ja&hellip;<\/p><p>Doch sind dies f&uuml;r die meisten Bundesb&uuml;rger ohnehin periphere Regionen ohne pers&ouml;nlichen Zugang und Relevanz und eine einseitige Berichterstattung f&auml;llt ihnen da gar nicht auf. Dies &auml;nderte sich erst im Falle der Berichterstattung zur Ukraine-Krise ab 2014 und der sich damit auch signifikant &auml;ndernden Russland-Berichterstattung. Da gab es meiner Wahrnehmung nach einen ersten gr&ouml;&szlig;eren Bruch im Medienvertrauen, zumindest in einem Teil der Gesellschaft. Es gab einfach mehr pers&ouml;nliche Bezugspunkte, mehr Wirtschaftskontakte, eigene Erfahrungswerte und Bekannte &ndash; sowie, nicht ganz irrelevant &ndash; es gab ab 2014 mit RT DE, auch ein Medium, dass in deutscher Sprache eine andere Perspektive erm&ouml;glichte und somit einen direkten Vergleich m&ouml;glich machte, &auml;hnlich wie meine zuvor geschilderte noch kindliche Erfahrung von Aktueller Kamera versus Tagesschau. So dass die Einseitigkeit offensichtlicher wurde. <\/p><p>Diese Einseitigkeit war keine subjektive Wahrnehmung. Eine gro&szlig; angelegte wissenschaftliche Analyse der Uni Mainz und M&uuml;nchen zur Medienberichterstattung &uuml;ber den Ukraine-Krieg von Dezember 2022 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91770\">best&auml;tigt dies umfassend<\/a>.<\/p><p>Dazu kam ab 2020 eine sehr homogene, um nicht zu sagen hochtendenzi&ouml;se, Berichterstattung zu den Corona-Ma&szlig;nahmen in Deutschland, die bei vielen Bundesb&uuml;rgern wohl erstmals einen wirklichen bewusst wahrgenommenen Bruch darstellte zwischen medialer Darstellung und der eigenen, dieser medialen Darstellung oft diametral entgegenstehenden Erfahrung. <\/p><p>Pl&ouml;tzlich bemerkten nicht nur eine Handvoll Nerds mit Regional-Expertise, sondern Millionen, dass alle Perspektiven, die der vorherrschenden Erz&auml;hlung widersprachen, einfach ignoriert wurden. Und wenn dies nicht ausreichte, wurde versucht, diese Sichtweisen mit voller medialer Breitseite zu delegitimieren. Mit der Folge, dass sich Millionen Bundesb&uuml;rger von den Medien in diesem Land nicht mehr mit ihrer Kritik, ihren Fragen und Wahrnehmungen repr&auml;sentiert f&uuml;hlten.<\/p><p>Ab Ende 2023 wurden wir dann noch Zeugen einer ebenfalls &uuml;ber weite Strecken hochtendenzi&ouml;sen und einseitig zugunsten Israels ausfallenden Berichterstattung zum Gaza-Krieg und einer breiten medialen Diffamierung von inl&auml;ndischen Protesten gegen die israelische Kriegsf&uuml;hrung. <\/p><p>&mdash;<\/p><p>Dies nur als grobe, unvollst&auml;ndige Zusammenfassung und &Uuml;berblick &uuml;ber die meiner Meinung nach einschneidenden Momente in der medialen Berichterstattung der letzten Jahre und die dadurch provozierte Entfremdung von vielen Medienkonsumenten. <\/p><p>Doch habe ich bisher ja eher individuelle Wahrnehmungen und Ersch&uuml;tterungen anhand meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung meines Umfelds geschildert.<\/p><p>Dies erkl&auml;rt aber nat&uuml;rlich nicht die Verfasstheit und Krise des bundesdeutschen Mediensystems an sich. Es gab in den letzten Jahren durchaus einige hilfreiche Ver&ouml;ffentlichungen, die versuchen, dieses Thema systematisch aufzubereiten. <\/p><p>In seinem Buch &bdquo;Mainstream&rdquo; beschreibt der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Kr&uuml;ger das Verh&auml;ltnis zwischen Alpha-Journalisten und Politik als Symbiose, bestimmt vom Tauschgesch&auml;ft &bdquo;Information gegen Publizit&auml;t&rdquo;. Der Journalist bekommt Informationen und verschafft im Gegenzug seiner Quelle (oder deren Anliegen) &Ouml;ffentlichkeit, eine gef&auml;hrliche N&auml;he, so Kr&uuml;ger, welche die demokratische Funktion der Medien untergrabe. <\/p><p>Michael Meyen, noch Prof. f&uuml;r Medienwissenschaft an der Uni M&uuml;nchen, hat 2021 &bdquo;DIE PROPAGANDA-MATRIX&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, in welcher er von vier &bdquo;Arenen&ldquo; ausgeht, welche die mediale Diskursordnung bestimmen. <\/p><p>1. Die herrschende Ideologie,<br>\n2. Die Medialisierung (also alles was Menschen tun, damit sie oder was ihnen wichtig erscheint, gut in den Medien dargestellt wird),<br>\n3. Die Medienorganisation und<br>\n4. Das Journalistische Feld (d.h. Berufsideologie, Pr&auml;gungen etc.).<\/p><p>Die letzte Ver&ouml;ffentlichung in diesem Zusammenhang die f&uuml;r Aufmerksamkeit sorgte, ist das Buch die &bdquo;Vierte Gewalt&ldquo; von Richard David Precht und Harald Welzer. Sie diagnostizieren in diesem Buch ein &bdquo;frappierend einheitliches Meinungsbild&ldquo;, insbesondere in Bezug auf den Ukraine-Krieg und die Forderung nach immer mehr Waffen und Delegitimierung aller Stimmen, die sich anders &auml;u&szlig;ern. Und allein wie dieses Buch im Gro&szlig;teil des bundesdeutschen Feuilletons rezipiert wurde, best&auml;tigt die These eindrucksvoll. Man k&ouml;nnte aber auch auf die skandalisierende Berichterstattung &uuml;ber Vortr&auml;ge der ehemaligen ARD-Moskau-Korrespondentin Krone-Schmalz oder der von der Uni Bonn mit fadenscheinigen Gr&uuml;nden geschassten Politikwissenschaftlerin Ulrike Guer&oacute;t verweisen. <\/p><p>Ich pers&ouml;nlich finde aber f&uuml;r eine Analyse des Zustandes der deutschen Medienlandschaft einen Klassiker aus den 1980er Jahren zielf&uuml;hrender. 1988 ver&ouml;ffentlichten Noam Chomsky und Edward Herman das Buch <a href=\"https:\/\/edisciplinas.usp.br\/pluginfile.php\/5537300\/mod_resource\/content\/1\/Noam%20Chomsky_%20Edward%20S.%20Herman%20-%20Manufacturing%20Consent_%20The%20Political%20Economy%20of%20the%20Mass%20Media-Bodley%20Head%20%282008%29.pdf\">&bdquo;Manufacturing Consent&ldquo;<\/a> auf Deutsch wurde dies mit &bdquo;Konsensfabrik&ldquo; &uuml;bersetzt. (Dieses Buch, wurde Anfang der 2000er Jahre nochmals aktualisiert und der Westend-Verlag hat 2024 eine Neuauflage auf Deutsch rausgebracht). <\/p><p>Hauptthese ist, dass die Massenmedien eine &ndash; ich zitiere- &bdquo;wirkungsvolle und m&auml;chtige ideologische Institutionen sind, die eine systemerhaltende Propagandafunktion erf&uuml;llen. Sie st&uuml;tzen sich auf die Kr&auml;fte des Marktes, internalisierte Annahmen und eine Selbstzensur, dabei besteht aber kein offener Zwang.&ldquo; Zitat Ende.<\/p><p>Das von Chomsky &amp; Co daf&uuml;r entwickelte Propagandamodell umfasst f&uuml;nf Filter und besagt, dass Medien in kapitalistischen Demokratien einen gesellschaftlichen Konsens im Sinne der wirtschaftlichen und politischen Eliten herstellen. <\/p><p>Die f&uuml;nf Filter auf dem Weg zur Produktion von Konsens lauten: <\/p><ol>\n<li>Gr&ouml;&szlig;e, Besitzverh&auml;ltnisse und Profitorientierung<\/li>\n<li>Werbung<\/li>\n<li>Quellen der Massenmedien<\/li>\n<li>Flak (negative Reaktion der M&auml;chtigen auf kritische Berichterstattung) <\/li>\n<li>Herrschende Ideologie als Kontrollmechanismus (im Sinne eines Feindbildaufbaus) <\/li>\n<\/ol><p>Beginnen wir mit dem ersten Filter, den Eigentumsverh&auml;ltnissen hier in der Bundesrepublik. In Deutschland beherrscht etwas mehr als eine Handvoll von Konzern-Verlagen einen Gro&szlig;teil des privaten Presse- und allgemeinen Nachrichten-Marktes, sowohl was den Print- als auch den Onlinebereich angeht: <\/p><ol>\n<li>Bertelsmann (20 Mrd. Umsatz, RTL, Spiegel)<\/li>\n<li>Axel Springer (4 Mrd.)<\/li>\n<li>Holtzbrinck-Verlagsgruppe (3,6 Mrd., Tagesspiegel, Handelsblatt)<\/li>\n<li>Burda Media (2,9, Focus, Super Ilu)<\/li>\n<li>Bauer Media Group (2,2 Mrd., Bravo, Cosmopolitan und ein Gro&szlig;teil der ostdeutschen Regionalzeitungen)<\/li>\n<li>etwas abgeschlagen folgt die Funke Mediengruppe (1,1 Mrd.)<\/li>\n<li>sowie zum Schluss, mit knapp 1 Mrd. die Madsack Mediengruppe, an der, nicht zu vergessen, die SPD mit ihrem Medienbeteiligungsunternehmen &bdquo;Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft&ldquo; mit &uuml;ber 23 % den gr&ouml;&szlig;ten Anteil h&auml;lt.<\/li>\n<\/ol><p>Auch wenn der Verlag N&uuml;rnberger Presse hier in der Stadt ein de facto Monopol aus&uuml;bt und egal was man journalistisch von N&uuml;rnberger Nachrichten (NN) und N&uuml;rnberger Zeitung (NZ) halten mag, aber immerhin geh&ouml;ren die Zeitungen nicht zu den genannten dominierenden medialen Gro&szlig;konzernen und damit stellt N&uuml;rnberg mittlerweile eine ziemliche Ausnahme in der Medienlandschaft der BRD dar.<\/p><p>Die genannten Medien-Konzerne dominieren aber nicht nur den Pressemarkt, sondern in den letzten 20 Jahren auch zunehmend die journalistische Ausbildung in diesem Land: Die Henri-Nannen-Schule geh&ouml;rt gr&ouml;&szlig;tenteils Bertelsmann, dann gibt es noch die Springer-Akademie, die Holtzbrinck-Schule, die Burda-Journalisten-Schule sowie die Bauer Media Academy. Bei den letzten vier sagen die Namen ja schon, wer inhaltlich und finanziell hinter diesen Journalisten-Schulen steht. (Alle mit Sitz im Westen).<\/p><p>Dann gibt es noch die Deutsche Journalisten Schule in M&uuml;nchen, die geh&ouml;rt nicht direkt einem Konzern, aber alle genannten Konzerne kofinanzieren diese und dann gibt es noch Zusch&uuml;sse vom hiesigen Freistaat. <\/p><p>Das hei&szlig;t, hinter den gro&szlig;en und zentralen Ausbildungsst&auml;tten f&uuml;r Journalisten in Deutschland stecken die einflussreichsten Medienkonzerne der Republik. <\/p><p>Es versteht sich fast von selbst, was f&uuml;r eine enorme Filterwirkung von dieser Art der Ausbildungsrealit&auml;t auf angehende Journalisten ausgeht. Menschen, die etwa das herrschende Wirtschaftssystem hinterfragen oder auch nur eine kritischere Haltung zur aktuellen Rolle Deutschlands im Ukraine-Krieg einnehmen oder zu Israels Agieren in Gaza, werden im Zweifel in so einem Kontext bereits bei der Vorauswahl rausgefiltert oder sind halt gezwungen sich langfristig zu verbiegen und zu verstellen. <\/p><p>Apropos Filter und Pr&auml;gungen, hier ist noch zu erw&auml;hnen, dass die famili&auml;re Weitergabe des Berufes von einer Generation zur n&auml;chsten bei Journalisten &auml;hnlich hoch ausgepr&auml;gt ist wie sonst nur noch bei Medizinern und Anw&auml;lten. Was nat&uuml;rlich nochmal einen zus&auml;tzlichen sozialen Filter in der Branche mit sich bringt. Wenn Papa Feuilleton-Chef der S&uuml;ddeutschen ist, dann&hellip;<\/p><p>In diesen Kontext passt auch das Ergebnis der Journalismusstudie der Uni Dortmund von 2024. Dort wurde repr&auml;sentativ die Wahlpr&auml;ferenz von Journalisten abgefragt (von privat bis &Ouml;RR). 41 % gaben die Gr&uuml;nen an, dann folgt mit 16 % die SPD, CDU 8 %, Linke 6% und BSW 1 %, AfD wurde gar nicht genannt.<\/p><p>Noch ausgepr&auml;gter wird dies auf Ebene der Volont&auml;re. Eine repr&auml;sentative Umfrage bei ARD-Volont&auml;ren ergab bei der Wahlpr&auml;ferenz 57 Prozent Gr&uuml;ne und 3 Prozent CDU. (Volont&auml;re sind im Zweifel die F&uuml;hrungskr&auml;fte von morgen&hellip;).<\/p><p>Und egal wie man sich selbst politisch verortetet, aber wenn man diese Zahlen jetzt in Bezug setzt zur Stimmverteilung bei der letzten Bundestagswahl ergibt sich eine enorme Differenz zwischen den politischen Pr&auml;ferenzen der Mehrheit der Journalisten und der gesamtgesellschaftlichen Mehrheit. <\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu Chomskys Filter-Modell und seinem zweiten Filter: Der Werbung bzw. dem Anzeigengesch&auml;ft.<\/p><p>Ein Gro&szlig;teil aller &uuml;berregionalen Tageszeitungen und auch Regionalzeitungen befinden sich im Besitz von Konzernen, welche bis heute ihre Printerzeugnisse zum gr&ouml;&szlig;ten Teil &uuml;ber Anzeigen-Werbung finanzieren oder besser gesagt, finanzierten. <\/p><p>Denn beinahe ausnahmslos sinken seit mindestens anderthalb Jahrzehnten nicht nur massiv die Auflagen sondern damit verbunden auch die Einnahmen via Anzeigen, und damit auch die Renditen. Um dies an einer konkreten Zahl deutlich zu machen: <\/p><p>2019 betrug das Anzeigengesch&auml;ft der deutschen Printmedien noch 2,1 Mrd. Euro. Ein Jahr sp&auml;ter lag dies bei nur noch 1,8 Mrd. Diese Tendenz setzt sich bis heute fort, hier kam ab 2022 zumindest im Printgesch&auml;ft auch noch der massiv gestiegene Papier- und allgemeine Produktionspreis hinzu. 2023 sank der Anzeigenerl&ouml;s bereits auf 1,6 Mrd Euro und <a href=\"https:\/\/www.bdzv.de\/fileadmin\/content\/7_Alle_Themen\/Marktdaten\/2024\/Branchenbeitrag_2024\/Rundschreiben_Umsatzerhebung_2024.pdf\">2024 auf 1,4 Mrd<\/a>. Ein sattes Minus von 700 Millionen Euro innerhalb von nur 5 Jahren &ndash; also rund 140 Mio.<\/p><p>Im konkreten Fall f&uuml;hren die sinkenden Werbeeinnahmen zum einen zu einer gr&ouml;&szlig;eren Abh&auml;ngigkeit von den verbliebenden Werbepartnern und damit auch zu einem mutma&szlig;lichen Anstieg der inneren Zensur-Schere. Vielleicht doch lieber auf die Enth&uuml;llungsstory &uuml;ber VW verzichten, denkt der verantwortliche Cicero-Redakteur (fiktives Beispiel), wissend, dass dieser Konzern als einer der wenigen relevanten Anzeigen-Kunden &uuml;briggeblieben ist. <\/p><p>Zum anderen f&uuml;hrt dieser Niedergang an Werbeeinnahmen aus privaten Quellen zu einer zunehmenden Querfinanzierung durch staatliche Stellen, mit &auml;hnlicher Konsequenz. Man wird sich in der PR-Abteilung und Redaktion von ZEIT oder S&uuml;ddeutsche 3-mal &uuml;berlegen, ob man z.B. die Aussagen des amtierenden Verteidigungsministers kritisiert, wenn aktuell die Hauptwerbeeinnahmen dieser Zeitungen aus dem Topf dieses Ministeriums stammen.<\/p><p>Die Aufgabe der Medien als Vierte Gewalt, als watch dog und Kontrolleur der Politik, insbesondere der Exekutive, wird angesichts dieser zunehmenden Querfinanzierung und damit auch zunehmender Abh&auml;ngigkeit von Regierungszahlungen geradezu ad absurdum gef&uuml;hrt. <\/p><p>Hier sei zudem noch auf die (2023) bekannt gewordenen Zahlungen in H&ouml;he von 2,3 Millionen Euro der Bundesregierung <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94769\">an ausgew&auml;hlte Journalisten<\/a> allein in den letzten f&uuml;nf Jahren erw&auml;hnt. Diese &bdquo;Einzelhonorare&ldquo; f&uuml;r Moderation oder Konzepterstellung im Auftrag von Ministerien beliefen sich teilweise im f&uuml;nfstelligen Bereich und entsprachen damit mehreren durchschnittlichen Monatsl&ouml;hnen. <\/p><p>Kommen wir aber jetzt zum dritten Filter von Chomskys Modell, der Abh&auml;ngigkeit der Massenmedien von gewissen Quellen.<\/p><p>Insbesondere die sogenannten &bdquo;Leitmedien&ldquo; sind f&uuml;r ihre Berichterstattung abh&auml;ngig von &bdquo;offiziellen Quellen&ldquo;, die zumeist von Beh&ouml;rden, Regierungsvertretern und Konzernen bereitgestellt werden. Angesichts von zunehmend ausged&uuml;nnten Redaktionen, selbst bei gr&ouml;&szlig;eren Medien, f&uuml;hrt dies zu zwei prinzipiellen und zunehmenden Einschr&auml;nkungen sowie Abh&auml;ngigkeiten: <\/p><p>Erstens: Man ist froh, &uuml;berhaupt ein Statement, eine Information bekommen zu haben, am besten noch exklusiv. Da gibt es neben der Tatsache, dass der jeweilige Redakteur kaum noch die Recherchezeit hat, um die Aussagen dieser Quelle gegenzuchecken und zu hinterfragen, den anderen Aspekt, dass es auch grunds&auml;tzlich wenig Motivation gibt, dies zu tun, denn man will sich die Quelle (und zudem oft noch potenziellen Anzeigenkunden) ja gewogen halten. Dies erkl&auml;rt &uuml;brigens auch teilweise die oft sehr angepassten und wenig kritischen Fragen auf der Bundespressekonferenz, aber dazu sp&auml;ter mehr. <\/p><p>Zum Aspekt der &bdquo;Exklusivit&auml;t&ldquo; noch kurz ein Verweis auf das Vorgehen der CIA w&auml;hrend des Vietnam-Krieges. Der NSA-Whistleblower Edward Snowden hatte 2023 einen spannenden Ausschnitt aus einem Interview von 1983 mit dem CIA-Agenten Frank Snepp ver&ouml;ffentlicht, der exemplarisch die Fallstricke von &bdquo;exklusiven&ldquo; News beleuchtet. Snepp <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90167\">schildert<\/a> dort, wie er in Vietnam von 1969 bis 1976 im Auftrag der CIA-Chefetage die renommiertesten Korrespondenten von New York Times, Newsweek etc. mit angeblich exklusiven News versorgte. Das waren aber alles durchweg erfundene Geschichten, die nur dazu dienten, den Vietcong zu diffamieren und die Pro-Kriegsstimmung in den USA am Laufen zu halten. Fast alle Journalisten bissen an und wollten unbedingt die &bdquo;exklusiven&ldquo; CIA-News. Kaum jemand versuchte diese zu verifizieren, zu froh war man &uuml;ber diesen angeblichen exklusiven Zugang. Snepp distanzierte sich sp&auml;ter von seinem Agieren und ging an die &Ouml;ffentlichkeit. Die CIA verklagte ihn daraufhin. Aber nicht etwa, weil er etwas Falsches gesagt h&auml;tte, sondern weil er aus Sicht des US-Geheimdienstes &bdquo;Berufsgeheimnisse&ldquo; &uuml;ber den manipulativen Umgang der CIA mit der Presse verraten hatte. <\/p><p>Doch zur&uuml;ck nach Deutschland. F&uuml;hren wir uns mal beispielhaft die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse von einer potenziellen offiziellen &bdquo;Quelle&ldquo; im Verh&auml;ltnis zu Journalisten vor Augen: Im Bundespresseamt, das keine andere Aufgabe hat, als die Bundesregierung und insbesondere den Kanzler in ein gutes Licht zu stellen und Journalisten mit entsprechenden Infos zu versorgen, arbeiten insgesamt 480 feste Mitarbeiter. Das Budget betr&auml;gt j&auml;hrlich &uuml;ber 180 Millionen Euro. Daneben gibt es Hunderte weitere Mitarbeiter in den Presseabteilungen der anderen Ministerien. Von diesem Personalschl&uuml;ssel und Budget kann eine durchschnittliche Redaktion nur tr&auml;umen.<\/p><p>Zweitens: Die Abh&auml;ngigkeit von Nachrichtenagenturen nimmt massiv zu. Im konkreten deutschen Fall zeigt sich dies in der zunehmenden Bedeutung und Direkt&uuml;bernahme von Beitr&auml;gen der Deutschen Presseagentur (dpa), die in der Bundesrepublik eine de facto Monopolstellung inne hat. <\/p><p>Selbst bei Zeitungen, die sich eine gewisse diskursive Offenheit erlauben, wie etwa der Berliner Zeitung, setzte sich bis vor kurzem der Politik-Teil in der Printausgabe zu fast 100% aus Direkt&uuml;bernahmen von dpa-Artikeln zusammen. Das f&uuml;hrt zu einer enormen diskursiven Dominanz und Framing-M&ouml;glichkeiten. Dies zeigt sich besonders ausgepr&auml;gt an Wochenenden, in denen die Redaktionen noch d&uuml;nner besetzt sind als sonst. Das Ph&auml;nomen, dass zahlreiche Zeitungen und auch deren Online-Ausgaben oft genau identische &Uuml;berschriften und Artikel haben, zeigt sich aus diesem Grund insbesondere am WE und bei den Montagsausgaben.<\/p><p>Zur Framing- und Manipulationsmacht der dpa ein Beispiel aus meiner pers&ouml;nlichen Erfahrung. Die dpa zitierte im Februar 2021 Sachsen-Anhalts Ministerpr&auml;sidenten Reiner Haseloff in einer Tickermeldung, die so unter anderem direkt von der S&uuml;ddeutschen, ZEIT und vielen anderen deutschen Medien &uuml;bernommen wurde, mit den Worten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist wichtig, direkt das russische Regime zu treffen&ldquo;, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da ostdeutsche Ministerpr&auml;sidenten, im Gegensatz zu ihren westlichen Kollegen, den Terminus &bdquo;Regime&ldquo; in Bezug auf Russland eigentlich nie &ouml;ffentlich benutzen (zumindest bis 2022), fragte ich damals aus journalistischer Neugierde direkt beim Regierungssprecher von Sachsen-Anhalt, Dr. Matthias Schuppen, nach, ob Herr Haseloff dies wirklich so formuliert hat. Dieser schickte mir umgehend die autorisierten Zitate des Ministerpr&auml;sidenten und erkl&auml;rte: &bdquo;Von &sbquo;Regime&lsquo; ist darin keine Rede, es hei&szlig;t dort &sbquo;Verantwortliche&lsquo;&ldquo;. Die dpa &auml;nderte dies zwar sp&auml;ter, aber wirklich erst nach meiner damaligen Nachfrage beim Pressesprecher und dann bei der dpa.<\/p><p>Man stelle sich das Medienecho und insbesondere die Reaktion der selbsternannten &bdquo;Faktenchecker&ldquo; (deren Rolle ist nochmal ein ganz eigenes Thema, dass den heutigen Rahmen sprengen w&uuml;rde) vor, wenn nicht die dpa, sondern eine nicht-westliche Nachrichtenagentur wie die russische TASS oder die chinesische Xinhua einem deutschen Ministerpr&auml;sidenten ein so verf&auml;lschtes Zitat in den Mund gelegt h&auml;tte. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund wirft es nat&uuml;rlich auch ein bezeichnendes Licht, dass ausgerechnet die dpa, die t&auml;glich Dutzende Artikel raushaut, davon regelm&auml;&szlig;ig einige auf fragw&uuml;rdiger Quellenbasis, mittlerweile eine der gr&ouml;&szlig;ten Faktencheck-Abteilungen in der Bundesrepublik f&uuml;hrt und in diesem Zusammenhang auch mit Facebook zusammenarbeitet und daf&uuml;r entsprechend bis heute entlohnt wird. Zuckerberg hat n&auml;mlich interessanterweise nur in den USA die Zusammenarbeit mit den Faktencheckern aufgek&uuml;ndigt, nicht in Europa. <\/p><p>Es ist in diesem Zusammenhang, welch &Uuml;berraschung, kein einziges Beispiel bekannt, dass dpa-Faktenchecker sich mal einen ihrer eigenen Artikel vorgenommen h&auml;tten. <\/p><p>Die rund 170 Gesellschafter der dpa sind &uuml;brigens ausschlie&szlig;lich Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten. Damit sind Gesellschafter und Kunden der Nachrichtenagentur gr&ouml;&szlig;tenteils identisch. Ein verqueres und meines Wissens weltweit einzigartiges Konstrukt. <\/p><p>Falls es aber doch mal dazu kommt, dass die Grenzen des Sagbaren aus Sicht der Politik- und Wirtschaftseliten &uuml;bertreten werden, greift der vierte Filter. Chomsky und Herman nennen dies FLAK (in direkter Referenz auf die deutsche Flugabwehrkanone). <\/p><p>Bei Nicht-Gefallen von Berichterstattung wird es laut und h&auml;sslich und es wird mit schwerem Gesch&uuml;tz geschossen. Es folgen Anrufe, Drohungen &ndash; Anzeigen nicht mehr zu schalten bis hin zur Absetzung oder nicht Verl&auml;ngerung von Arbeitsvertr&auml;gen. Ein eklatantes Beispiel ist etwa die Nicht-Verl&auml;ngerung des Arbeitsvertrages des der CDU politisch nicht genehmen ZDF-Chefredakteurs und ehemaligen Weltspiegel-Moderators Nikolaus Brender 2009. Soviel &uuml;brigens auch zur proklamierten &bdquo;Staatsferne&ldquo; des ZDF-Verwaltungsrats, in dem sich die Unionsparteien damals tats&auml;chlich mit ihrer Forderung durchsetzen konnten, den ihnen zu &bdquo;links&ldquo; agierenden Brender abzusetzen. <\/p><p>Unter &bdquo;Flak&ldquo; fallen aber auch subtilere Einflussma&szlig;nahmen, wie etwa die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall initiierte und finanzierte &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;. Sie flankierte die mediale Durchsetzung der Agenda 2010. Und dies sehr erfolgreich. Im Ansatz zun&auml;chst kritische Berichterstattung zu Hartz IV, etwa im Spiegel, verschwand nach Interventionen der Initiative recht schnell, unter anderem in dem es gelang, Begriffe wie &bdquo;Reform&ldquo; oder &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; in den medialen Diskurs im Sinne der Unternehmerverb&auml;nde einzuf&uuml;hren. Damit &auml;nderte sich nachweislich das massenmediale Urteil zur damaligen rot-gr&uuml;nen Agendapolitik. <\/p><p>Eine kleine aber vielsagende Anekdote wie diese &bdquo;Flak&ldquo; auch aussehen kann, kann ich aus der Bundespressekonferenz beisteuern. Ein deutscher Mitarbeiter einer ausl&auml;ndischen Nachrichtenagentur sa&szlig; lange Zeit hinter mir in der BPK und wir kamen dann irgendwann ins Gespr&auml;ch und ich fragte ihn, wieso er zwar in der BPK sitzt sich aber seit Wochen nie zu Wort meldet. <\/p><p>Seine Antwort: Er h&auml;tte zu Beginn seiner Pr&auml;senz in der BPK eine Frage zu Julian Assange gestellt. Am n&auml;chsten Tag habe ihn der Chefredakteur in sein B&uuml;ro rufen lassen. Die japanische Botschaft h&auml;tte sich bei ihm gemeldet und erkl&auml;rt, dass Ausw&auml;rtige Amt h&auml;tte sich &uuml;ber die Frage in der BPK beschwert und zu verstehen gegeben, dass es besser w&auml;re, dieses Thema nicht zu thematisieren. Der Chefredakteur nannte das &bdquo;Info-Loop&ldquo; (Agentur war &bdquo;Jiji Press&ldquo;) und erkl&auml;rte ihm, dass dies durchaus &uuml;blich sei bei sensiblen Themen im &bdquo;Gastland&ldquo;. Seitdem sa&szlig; der noch recht junge Journalist nur noch eingesch&uuml;chtert und schweigsam in der BPK. Er verlie&szlig; dann nach einigen Monaten die BPK und die Agentur &ndash; weil sein Vertrag nicht verl&auml;ngert wurde.<\/p><p>Abschlie&szlig;end f&uuml;hrt Chomsky als f&uuml;nften Filter &bdquo;Herrschende Ideologie als Kontrollmechanismus&ldquo; im Sinne eines Feindbildaufbaus ein. Im Falle der USA der 1980er Jahre nennt Chomsky den Antikommunismus als wirkm&auml;chtigsten ideologischen Kit. Sie k&ouml;nnen jetzt einwenden, dass Antikommunismus heute nicht mehr so wirkm&auml;chtig ist wie noch in den 1980er Jahren. Damit haben Sie wohl recht. Aber lassen Sie mich aus der Einf&uuml;hrung Chomskys zum f&uuml;nften Filter zitieren: <\/p><p>&bdquo;Wenn der Triumph des Kommunismus das schlimmste vorstellbare Ergebnis ist, wird die Unterst&uuml;tzung des Faschismus im Ausland als kleineres &Uuml;bel gerechtfertigt. Die Ablehnung von Sozialdemokraten, die zu nachgiebig gegen&uuml;ber den Kommunisten sind und ihnen &ldquo;in die H&auml;nde spielen&rdquo;, wird mit &auml;hnlichen Begriffen rationalisiert. Die Liberalen im eigenen Land, die oft beschuldigt werden, prokommunistisch oder unzureichend antikommunistisch zu sein, sind st&auml;ndig in der Defensive in einem kulturellen Milieu, in dem der Antikommunismus die vorherrschende Religion ist.&ldquo;<\/p><p>Ersetzen Sie einfach &bdquo;Kommunismus&ldquo; durch &bdquo;Russland&ldquo; oder &bdquo;Kreml&ldquo; und die Analyse von Chomsky ist pl&ouml;tzlich wieder hochaktuell und genau so als Filterelement auch auf Deutschland anwendbar. Man denke nur an den medialen Umgang mit Precht, Krone-Schmalz, dem langj&auml;hrigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf M&uuml;tzenich oder Ulrike Gu&eacute;rot.<\/p><p>Der Vorteil des Propagandamodells von Chomsky und Herman liegt meiner Ansicht nach vor allem darin begr&uuml;ndet, dass es, im Gegensatz zu den in Deutschland prominenten Erkl&auml;rungsans&auml;tzen, den Fokus vor allem auf die &ouml;konomischen Bedingungen der massenmedialen Produktion von &bdquo;Informationen&ldquo; und deren Manipulationen legt. Die Frage nach den Besitzverh&auml;ltnissen der Medien fehlt zum Beispiel im Buch von Precht und Welzer komplett. Ich glaube, auch aus eigenem Erleben, dass materialistische Aspekte eher als Erkl&auml;rungsmuster f&uuml;r den Zustand der deutschen Medienlandschaft dienen als moralisch oder psychologisch argumentierende Ans&auml;tze. <\/p><p>Vor &uuml;ber hundert Jahren, im Jahr 1913 erkl&auml;rte L&eacute;on Jouhaux, legend&auml;rer Generalsekret&auml;r der sozialistischen Gewerkschaft CGT nach einer Schmutzkampagne aller Pariser Tageszeitungen gegen die linke franz&ouml;sische Gewerkschaft wegen der Organisation einer umfassenden Streikbewegung: <\/p><blockquote><p>\n&laquo;&nbsp;Que signifie une presse libre, si elle demeure aux mains des dominants?&nbsp;&raquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Was bedeutet eine freie Presse, wenn sie in den H&auml;nden der Herrschenden bleibt?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Genau diese Frage k&ouml;nnen und m&uuml;ssen wir uns heute noch genauso stellen. <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126797\">Vortrag von Florian Warweg: &bdquo;Nord-Stream-Terroranschlag &ndash; Wer ist verantwortlich?&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101250\">Vortrag von Florian Warweg bei Attac Dortmund: &bdquo;Medien: Vierte Gewalt oder Meinungsmacher?&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142340\">EU-Sanktionen gegen Journalisten &ndash; Florian Warweg und Gabriele Gysi im Gespr&auml;ch mit Michael von der Schulenburg und Ruth Firmenich<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134136\">Perspektivwechsel: Florian Warweg im Interview zu seiner Zukunft in der Bundespressekonferenz<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/025d1b1c4760462a8daaa5877bf4f87e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &bdquo;Medien, Macht und Manipulation &ndash; Ein Blick hinter die Kulissen der Bundespressekonferenz&ldquo; hielt NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg Ende November einen Vortrag in N&uuml;rnberg. 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