{"id":143743,"date":"2025-12-26T12:00:55","date_gmt":"2025-12-26T11:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143743"},"modified":"2025-12-18T03:01:02","modified_gmt":"2025-12-18T02:01:02","slug":"volks-und-raiffeisenbanken-die-mini-finanzkrise-schwelt-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143743","title":{"rendered":"Volks- und Raiffeisenbanken \u2013 die Mini-Finanzkrise schwelt weiter"},"content":{"rendered":"<p>Das nun auslaufende Jahr 2025 war in wirtschaftlicher Hinsicht durch Nullwachstum, Insolvenzen, hohe Energiepreise und nicht enden wollende Hiobsbotschaften aus Schl&uuml;sselbranchen wie Automobil und Chemie gepr&auml;gt. Dabei ist fast v&ouml;llig aus dem Blick geraten, dass in der hiesigen Bankenlandschaft, genauer gesagt in der genossenschaftlichen Finanzgruppe, seit gut anderthalb Jahren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135294\">eine Mini-Finanzkrise schwelt<\/a>. Aktuell befinden sich sechs Institute unter dem Rettungsschirm des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), nachdem es jahrelang so gut wie gar keine St&uuml;tzungsaktionen gab. Insgesamt 1,5 Milliarden Euro stehen im Feuer. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer j&uuml;ngste Problemfall ist das Bankhaus RSA aus dem oberbayerischen Rechtmehring, bei dem eine Finanzl&uuml;cke von 60 Millionen Euro klafft. Das Institut hat sich mit Gewerbeimmobilien &uuml;bernommen und steht vor der &Uuml;bernahme durch &bdquo;meine Volksbank&rdquo; Raiffeisenbank mit Sitz in Rosenheim. Das Desaster hatte sich bereits im Mai abgezeichnet, als Vorstandschef Alfred Pongratz &uuml;berraschend seinen Hut nahm, im Oktober musste das Institut dann gest&uuml;tzt werden. Bei der RSA <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/der-sechste-stuetzungsfall-im-genossenschaftssektor\">handelt es sich<\/a> um eine ausgesprochen kleine Bank mit einer Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro und f&uuml;nf Filialen. &Auml;hnlich gelagert ist der Fall der Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf, die im September einen Sanierungsbedarf von knapp 21 Millionen Euro angemeldet hatte. Auch hier waren riskante Immobiliengesch&auml;fte der Ausl&ouml;ser. Das Institut, das auf eine Bilanzsumme von 340 Millionen Euro kommt, wurde inzwischen von der VR-Bank Donau-Oberschwaben <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/erneute-schieflage-von-genobank-am-bodensee\">&uuml;bernommen<\/a>.<\/p><p><strong>Seit 2024 unterm Rettungsschirm<\/strong><\/p><p>Die restlichen vier St&uuml;tzungsf&auml;lle sind die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank D&uuml;sseldorf Neuss, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. Diese befinden sich zum Teil schon seit Mitte 2024 unter dem Rettungsschirm und sind auch deutlich gr&ouml;&szlig;er. Bei der Raiffeisenbank im Hochtaunus etwa hat sich das Finanzloch im Laufe dieses Jahres auf 500 Millionen Euro ausgeweitet, zun&auml;chst war hier nur von 400 Millionen Euro die Rede. Inzwischen ist das Institut mit der Volksbank Mittelhessen mit Sitz in Gie&szlig;en <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/finanzloch-der-raiffeisenbank-im-hochtaunus-betraegt-500-mill-euro\">verschmolzen worden<\/a>. Ferner ist bei der Volksbank D&uuml;sseldorf Neuss der Finanzbedarf auf 200 Millionen Euro angewachsen, nachdem man lange Zeit von 100 Millionen Euro <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/banken\/volksbank-duesseldorf-neuss-skandalbank-erleidet-trotz-betrugsfalls-nur-minimale-verluste-a-ae608ba6-9c25-4875-9721-c456020b6279\">ausgegangen war<\/a>. Gr&ouml;&szlig;ter St&uuml;tzungsfall ist aber nach wie vor die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden mit 560 Millionen Euro.<\/p><p>Auff&auml;llig ist, dass sich alle sechs kriselnden Institute in irgendeiner Form mit Immobilien verhoben haben. Ein Grund daf&uuml;r sind die Zinserh&ouml;hungen der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB), die einen Preisrutsch bei den Gewerbeimmobilien ausgel&ouml;st haben, von dem sich der Markt bis heute nicht erholt hat. Das Bankhaus RSA etwa gab als Ursache f&uuml;r seine Schieflage neben zu schnellem Wachstum und mangelnder Diversifizierung auch steigende Zinsen und schwindende Immobilienwerte an. &Auml;hnlich sieht es bei der Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf aus, der Sonderabschreibungen auf Immobilien im Bodenseeraum zum Verh&auml;ngnis wurden. Bei den vier Altf&auml;llen sticht die Volksbank Dortmund-Nordwest heraus, die sich mit Immobilien-Spezialfonds regelrecht <a href=\"https:\/\/www.ruhrnachrichten.de\/dortmund\/volksbank-dortmund-nordwest-fusion-bankenrettung-geschaeftsbericht-verluste-stuetzungsfonds-w934103-2001373396\/\">verzockt hat<\/a>.<\/p><p><strong>Bilanzloch nach Betrugsfall<\/strong><\/p><p>Bei der Volksbank D&uuml;sseldorf Neuss indes hat der Betrugsfall rund um das franz&ouml;sische Modeunternehmen Kiabi ein Loch von 100 Millionen Euro in die Bilanz gerissen. Die Volksbank hatte auf Betreiben der inzwischen inhaftierten fr&uuml;heren Kiabi-Finanzchefin Aur&eacute;lie Bard im Sommer 2023 insgesamt 100 Millionen Euro in die T&uuml;rkei &uuml;berwiesen. Danach verliert sich die Spur des Geldes. Staatsanwaltschaften in mehreren L&auml;ndern ermittelten daraufhin wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Der Ruf der mehr als 140 Jahre alten Volksbank D&uuml;sseldorf Neuss hat dadurch gelitten. Der Vorstand wurde ausgetauscht, der f&uuml;r die &Uuml;berweisung verantwortliche Mitarbeiter entlassen. Zudem wird die bisherige Hauptstelle auf der D&uuml;sseldorfer Prachtmeile K&ouml;nigsallee aufgegeben. Die Fusion mit der benachbarten Volksbank Krefeld <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/nrw\/staedte\/duesseldorf\/volksbank-duesseldorf-neuss-fusion-mit-volksbank-krefeld-geplant_aid-134717277\">steht unmittelbar bevor<\/a>.<\/p><p>Unter dem Strich beziffern sich die Belastungen aus diesen sechs F&auml;llen auf 1,5 Milliarden Euro. S&auml;mtliche Risiken werden durch Garantien der Sicherungseinrichtung des BVR abgedeckt. In diesen Haftungsverbund zahlen alle BVR-Mitgliedsbanken ein, um in Not geratene Gruppenmitglieder zu st&uuml;tzen. Der genossenschaftliche Finanzverbund hat derzeit rund 670 Mitgliedsbanken, dazu z&auml;hlen die Volksbanken, Raiffeisenbanken, PSD Banken, Sparda-Banken, aber auch das genossenschaftliche Zentralinstitut DZ Bank, die genossenschaftlichen Hypothekenbanken wie die DZ Hyp und sonstige Spezialinstitute wie die Bausparkasse Schw&auml;bisch Hall und die Fondsgesellschaft Union Investment.<\/p><p><strong>Probleme noch beherrschbar<\/strong><\/p><p>Au&szlig;erhalb der Wirtschafts- und Lokalpresse haben die Krisenf&auml;lle bislang kaum Wellen geschlagen. Dies d&uuml;rfte daran liegen, dass die Probleme bislang noch innerhalb des Genossenschaftsverbundes l&ouml;sbar sind. In der konsolidierten Jahresbilanz der genossenschaftlichen Finanzgruppe haben die St&uuml;tzungsaktionen bereits 2024 zu einem Anstieg der Risikovorsorge um fast das Dreifache auf 4,87 Milliarden Euro gef&uuml;hrt. Das Vorsteuerergebnis sank dadurch um ein Viertel auf 10,8 Milliarden Euro. Bei der Risikovorsorge handelt es sich um eine R&uuml;ckstellung, mit der sich Banken gegen tats&auml;chliche und drohende Verluste im Kreditgesch&auml;ft <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/banken-versicherungen\/banken\/banken-konjunkturflaute-bremst-geschaeft-der-volksbanken\/100139965.html\">wappnen<\/a>. Der BVR selbst hat inzwischen Konsequenzen aus all den Pleitef&auml;llen gezogen und die &Uuml;berwachung und Interventionsm&ouml;glichkeiten <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/banken-finanzen\/bvr-verbandsrat-verabschiedet-plan-fuer-strengere-regeln-fuer-krisenbanken\">versch&auml;rft<\/a>.<\/p><p>Doch damit ist die Krise noch lange nicht ausgestanden, wie zwei aktuelle F&auml;lle aus Niedersachsen zeigen. So hat sich die Hannoversche Volksbank offenbar mit dem Hamburger Immobilieninvestor Immac verspekuliert. Die auf Pflegeimmobilien spezialisierte Gesellschaft musste Ende Oktober Insolvenz anmelden. Die Hannoversche Volksbank hatte erst vor rund zwei Jahren die Mehrheit an Immac erworben. Der Schaden, der auf das Hannoveraner Geldhaus zukommen k&ouml;nnte, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/banken-versicherungen\/banken\/immac-holding-insolvenz-der-immobilienfirma-immac-trifft-hannoversche-volksbank\/100171224.html\">soll bei rund 40 Millionen Euro liegen<\/a>. Dar&uuml;ber hinaus steht die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg (Brawo) inzwischen unter der Beobachtung der BVR-Sicherungseinrichtung. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/banken-versicherungen\/banken\/banken-volksbank-braunschweig-wolfsburg-steht-unter-beobachtung\/100178554.html\">Die Gr&uuml;nde<\/a> sind das komplexe, immobilienlastige Gesch&auml;ftsmodell und die regionale Abh&auml;ngigkeit von dem kriselnden Automobilhersteller Volkswagen (VW). <\/p><p><strong>Volksbank Konstanz wird zur Skandalbank<\/strong><\/p><p>Etwa anders gelagert, daf&uuml;r aber umso spektakul&auml;rer ist der Fall der Volksbank Konstanz. Das Geldhaus hatte eine Zeitlang mit dem Finanzinfluencer Tomislav Primorac, der unter dem Namen &bdquo;Immo Tommy&ldquo; bekannt ist und in sozialen Netzwerken bis zu zwei Millionen Follower hatte, in einer dubiosen Gesch&auml;ftsbeziehung gestanden. Die Volksbanker hatten dabei reihenweise &uuml;berteuerte Immobilien finanziert, die sie selbst nie besichtigt hatten. Am Ende standen &bdquo;80 auff&auml;llige Kreditengagements&ldquo; und ein Wertberichtigungsbedarf von knapp 23 Millionen Euro. Inzwischen ist das Institut in der benachbarten Volksbank Oberschwaben-Bodensee aufgegangen, der Rettungsschirm des BVR wurde <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/banken\/immobilien-skandal-wie-die-volksbank-konstanz-immo-tommy-millionen-hinterherwarf-a-2a659ad3-a79e-463c-9c6b-2f3efa9326ce\">aber nicht Anspruch genommen<\/a>.<\/p><p>Der Fall &auml;hnelt &uuml;brigens dem der VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden, die oft auch als Effenberg-Bank bezeichnet wird. Die Regionalbank aus Th&uuml;ringen hatte vor&uuml;bergehend den ehemaligen Fu&szlig;ballprofi Stefan Effenberg engagiert, um das Gesch&auml;ft mit Fu&szlig;ballkrediten zu promoten. Zudem unterhielt das Institut Bordell-Immobilien in Oberhausen, Weidefl&auml;chen f&uuml;r Bisons in der Oberlausitz und einen f&uuml;nfst&ouml;ckigen Plattenbau auf Sylt. Am Ende musste die Bank mit 560 Millionen Euro <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/banken\/volksbank-verkorkste-start-up-investitionen-dubiose-immobiliendeals-was-den-ex-vorstaenden-der-effenberg-bankvorgeworfen-wird-a-2629a98a-2778-44f3-8e5a-a0158cc97d88\">gest&uuml;tzt werden<\/a>. Damit ist sowohl bei der Effenberg-Bank als auch bei der Volksbank Konstanz der Ausflug einer Provinzbank in die gro&szlig;e weite Welt des Glitzers und des Glamours zu einem Debakel geworden.<\/p><p><small>Titelbild: TobiasTropper\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/3068204fcba9448b9f49319ccc7824b5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das nun auslaufende Jahr 2025 war in wirtschaftlicher Hinsicht durch Nullwachstum, Insolvenzen, hohe Energiepreise und nicht enden wollende Hiobsbotschaften aus Schl&uuml;sselbranchen wie Automobil und Chemie gepr&auml;gt. Dabei ist fast v&ouml;llig aus dem Blick geraten, dass in der hiesigen Bankenlandschaft, genauer gesagt in der genossenschaftlichen Finanzgruppe, seit gut anderthalb Jahren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135294\">eine Mini-Finanzkrise schwelt<\/a>. 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